Imperialismus und Great Reset: Die expansive Phase des neoliberalen Kapitalismus (Teil 4)

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Dies ist der vier­te Teil einer sie­ben­tei­li­gen Serie von Jan Mül­ler zur aktu­el­len Impe­ria­lis­mus­de­bat­te in der kom­mu­nis­ti­schen Bewe­gung. Sie beinhal­tet fol­gen­de­ne Teile:

1. Ein­lei­tung & Marx­sche Methode

2. Klas­si­scher Impe­ria­lis­mus (1895 – 1945)

3. Der Spät­ka­pi­ta­lis­mus (1945 – 1989)

4. Die expan­si­ve Pha­se des neo­li­be­ra­len Kapi­ta­lis­mus (1989 – 2007)

5. Der Neo­li­be­ra­lis­mus in der Kri­se (seit 2007)

6. Chi­nas Auf­stieg und der Abstieg des Wes­tens (bis 2020)

7. Eine vier­te impe­ria­lis­ti­sche Epoche?

8. Schluss­fol­ge­run­gen zum Imperialismus

4. Die expansive Phase des neoliberalen Kapitalismus (1989 – 2007)

4.1 Die globale Konterrevolution

Im Herbst des Jah­res 1989 schwapp­te eine Wel­le der Kon­ter­re­vo­lu­ti­on durch Ost­eu­ro­pa. Die indi­rek­te Stra­te­gie der USA zur Nie­der­rin­gung des Sozia­lis­mus trug nun Früch­te. Viel­leicht nicht eine Mehr­heit, aber doch eine laut­star­ke und zu allem ent­schlos­se­ne Min­der­heit der Bewoh­ner die­ser Län­der woll­te zurück in den Kapi­ta­lis­mus. Nur so könn­ten ihrer Mei­nung nach die exis­tie­ren­den Pro­ble­me gelöst wer­den. Die Staats- und Par­tei­füh­run­gen ver­säum­ten es, die Arbei­ter­klas­se gegen die mar­schie­ren­de Kon­ter­re­vo­lu­ti­on zu mobi­li­sie­ren. Auch sie war nicht mehr vom Sinn des Sozia­lis­mus über­zeugt und trat von der Büh­ne der Geschich­te ab. Im Dezem­ber 1991 brach die Sowjet­uni­on aus­ein­an­der und das trotz eines Refe­ren­dums im Sep­tem­ber die­ses Jah­res, wo sich mehr als 75% der Wahl­be­rech­tig­ten für ihre Wei­ter­exis­tenz aus­ge­spro­chen hatten.

Vie­le Men­schen erhoff­ten sich von der Kon­ter­re­vo­lu­ti­on einen mit dem Wes­ten ver­gleich­ba­ren Lebens­stan­dard – ein Kon­sum­pa­ra­dies. Pas­siert ist das Gegen­teil. Eine gute Illus­tra­ti­on ist die Schock­the­ra­pie, die pro­west­li­che Libe­ra­le unter dem damals dik­ta­to­risch herr­schen­den Prä­si­den­ten Boris Jel­zin Russ­land in den Jah­ren 1992/93 ver­ab­reich­ten – auf aus­drück­li­chen Wunsch der US-Regierung.

Die Frei­ga­be der Löh­ne und Prei­se ver­nich­ten die Erspar­nis­se der Men­schen und mini­mier­te die Löh­ne, von denen die Men­schen nicht mehr leben konn­ten. Die Armuts­quo­te stieg schlag­ar­tig auf über 60% der Bevöl­ke­rung. Zehn­tau­sen­de Indus­trie­be­trie­be wur­den geschlos­sen, zum Bei­spiel im gro­ßen Mos­kau­er Tex­til­re­vier. Es war noch in den spä­ten 80er Jah­ren die größ­te Zusam­men­bal­lung von Tex­til­fa­bri­ken welt­weit. Skru­pel­lo­se Geschäf­te­ma­cher, spä­ter Olig­ar­chen genannt, ris­sen sich die Filet­stü­cke unter den Nagel, zum Bei­spiel die Öl- und die Gas­in­dus­trie, die Nickel- und Alu­mi­ni­um­wer­ke. West­li­che Spe­ku­lan­ten ström­ten nach Mos­kau, um die­se Betrie­be auf­zu­kau­fen. Kon­struk­ti­ons­bü­ros wur­den geschlos­sen, hoch­qua­li­fi­zier­te Inge­nieu­re, zum Bei­spiel der Luft- und Raum­fahrt­in­dus­trie, stan­den von einem Tag auf den ande­ren auf der Stra­ße, genau­so wie Pia­nis­ten, die gezwun­gen waren, als Stra­ßen­mu­si­ker ihr dürf­ti­ges Aus­kom­men zu fris­ten. Jel­zin ließ alles pri­va­ti­sie­ren, was nicht niet- und nagel­fest war, dar­un­ter auch den gesam­ten Woh­nungs­be­stand des Lan­des, den Genera­tio­nen von Sowjet­bür­gern auf­ge­baut hat­ten. Die Kol­cho­sen und Sow­cho­sen wur­den auf­ge­löst. Gro­ße Land­wirt­schafts­flä­chen lagen brach. Das Gesund­heits­we­sen brach zusam­men und medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen waren nur noch gegen hohe Bezah­lun­gen zugäng­lich. Zwi­schen 1992 und 2006 schrumpf­te die rus­si­sche Bevöl­ke­rung um 6,6 Mil­lio­nen Men­schen. Die Men­schen star­ben an Ver­zweif­lung, Armut, behan­del­ba­ren Infek­ti­ons­krank­hei­ten wie der Tuber­ku­lo­se und an Alko­hol­miss­brauch. Die Mord- und Selbst­mord­ra­ten schos­sen in die Höhe. Russ­land hat sich bis heu­te nicht voll­stän­dig von den Fol­gen der Schock­the­ra­pie erholt.1

In Chi­na schlug zwar 1989 der Ver­such des Wes­tens fehl, eine Kon­ter­re­vo­lu­ti­on anzu­zet­teln, aber die Füh­rung sah sich in den Fol­ge­jah­ren auf­grund der geän­der­ten glo­ba­len Kräf­te­ver­hält­nis­se gezwun­gen, zahl­rei­che freie Pro­duk­ti­ons­zo­nen ein­zu­rich­ten und die eige­ne Arbei­ter­klas­se dem inter­na­tio­na­len Kapi­tal zur Aus­beu­tung anzu­bie­ten. Gro­ße Tei­le der »alten« staat­li­chen Indus­trien wur­den still­ge­legt oder pri­va­ti­siert. Mehr als 30 Mil­lio­nen Arbeits­kräf­te wur­den ent­las­sen. Die sozia­len Siche­rungs­sys­te­me, bekannt als »Eiser­ne Reis­schüs­sel«, wur­den abge­schafft.2

4.2 Grundlegende Merkmale des neoliberalen Kapitalismus

Mit einem Schlag ström­ten nach 1989 mehr als eine Mil­li­ar­de Men­schen auf den glo­ba­len Arbeits­markt. Vie­le von ihnen waren gut aus­ge­bil­det, aber in der ver­zwei­fel­ten Situa­ti­on, um jeden Preis Arbeit anneh­men zu müs­sen. Das waren natür­lich para­die­si­sche Zei­ten für die Kapi­ta­lis­ten, aber die Höl­le für Arbei­ter und zwar weltweit.

Die Kapi­ta­lis­ten ver­la­ger­ten zuneh­mend Indus­trie­pro­duk­tio­nen – durch­aus auch anspruchs­vol­le Arbeits­plät­ze – zunächst nach Ost­eu­ro­pa, dann aber zuneh­mend nach Chi­na und ande­re Län­der der Drit­ten Welt. Ent­wick­lun­gen hin zu einer völ­lig auto­ma­ti­sier­ten Fabrik wie zum Bei­spiel die berühm­te Hal­le 54 von Volks­wa­gen in Wolfs­burg oder bei Fiat in Cas­si­no wur­den bru­tal gestoppt. Spott­bil­li­ge, gut aus­ge­bil­de­te Arbeits­kräf­te gab es mehr als genug. Sie waren nun wie­der bil­li­ger als die meis­ten Industrieroboter.

Als Ergeb­nis die­ser Ent­wick­lun­gen stie­gen in den 90er Jah­ren die Pro­fi­tra­ten lang­fris­tig an. Sie lagen in den 90er und 00er Jah­ren deut­lich über dem Stand der kri­sen­haf­ten 70er Jah­re. Ande­rer­seits konn­te die Akku­mu­la­ti­ons­ra­te den Stand der 50er und 60er Jah­re nicht ganz errei­chen.3 Auch die Bör­sen­kur­se kann­ten nur eine Rich­tung: nach oben. Erst jetzt wur­de viel brach­lie­gen­des Kapi­tal in die damals neu­en Tech­no­lo­gien von Per­so­nal­com­pu­tern (PCs) und Inter­net ange­legt. Damit wur­den vie­le in den vor­her­ge­hen­den Jahr­zehn­ten gemach­te Erfin­dun­gen erst­mals auf gro­ßer Stu­fen­lei­ter angewandt.

Die­se gehen bis auf die 60er Jah­re zurück. Denn das Jahr 1969 kann durch­aus als ein zwei­tes »annus mira­bi­lis« der Phy­sik bezeich­net wer­den. Es sah nicht nur die ers­te Mond­lan­dung, son­dern mar­kier­te auch den Beginn des Inter­net, als erst­mals die Com­pu­ter von vier US-Uni­ver­si­tä­ten mit­tels Tele­fon­lei­tun­gen mit­ein­an­der ver­bun­den wur­den. Das waren die Uni­ver­si­tä­ten aus Kali­for­ni­en in Los Ange­les , Stan­ford, San­ta­Bar­ba­ra und die Uni­ver­si­tät von Utah in Salt Lake City. In den Fol­ge­jah­ren wur­den immer mehr Uni­ver­si­tä­ten und sons­ti­ge US-Orga­ni­sa­tio­nen an das nun »ARPA­NET« genann­te Com­pu­ter­netz­werk ange­schlos­sen. Die Natio­nal Sci­ence Foun­da­ti­on (NSF) stell­te die gro­ßen Back­bones, also die Ver­mitt­lungs­com­pu­ter zwi­schen den im Jahr 1984 mehr als 1.000 ange­schlos­se­nen Rech­nern. 1990 – nach Nie­der­rin­gung des Sozia­lis­mus – wur­de das nun Inter­net genann­te Com­pu­ter­netz­werk für kom­mer­zi­el­le Unter­neh­men geöff­net. Auch Insti­tu­tio­nen aus ande­ren Län­dern durf­ten ihm nun bei­tre­ten. Die letz­ten Back­bones der NSF wur­den 1995 privatisiert.

Gegen Ende der 80er Jah­re gab es als Inter­net-Anwen­dun­gen nur E‑Mail, News­groups, FTP und Tel­net4, 1989 kam das Chat­pro­to­koll IRC hin­zu. Alle die­se Pro­gram­me muss­ten per Kom­man­do­zei­le bedient wer­den und waren dem­nach nicht beson­ders benut­zer­freund­lich. Erst durch das von Tim Ber­ners-Lee am euro­päi­schen CERN ab 1991 ent­wi­ckel­te World Wide Web (WWW) wur­de das Inter­net auch für nor­ma­le User nutz­bar und damit nach eini­gen Jah­ren zum Massenmedium.

In den 90er Jah­ren wur­de die Netz­werk­in­fra­struk­tur auf den ver­schie­dens­ten Ebe­nen von Glas­fa­ser­ka­beln bis zu den gro­ßen Inter­net­kno­ten wie dem DE-CIX mas­siv aus­ge­baut. Der Bedarf an Com­pu­tern mit allen dazu­ge­hö­ren­den Kom­po­nen­ten wie Pro­zes­sor, Haupt­spei­cher, Main­board, Peri­phe­rie­ge­rä­te, Betriebs­sys­te­me und Soft­ware schoss in die Höhe. In den Fol­ge­jah­ren wur­den zahl­rei­che Anwen­dun­gen und Geschäfts­mo­del­le für das World Wide Web ent­wi­ckelt wie Such­ma­schi­nen, sozia­le Netz­wer­ke, Online-Ver­sand­hand­lun­gen und Platt­form­fir­men wie Uber. Auch fand eine Digi­ta­li­sie­rung der Unter­hal­tungs­me­di­en wie Musik, Spiel­fil­men und Fern­seh­se­ri­en statt, die nun eben­falls über das Inter­net über­tra­gen wer­den kön­nen. Prak­tisch jede Fir­ma, Insti­tu­ti­on und Orga­ni­sa­ti­on leg­te sich in den 90er Jah­ren eine eige­ne Web­sei­te zu.

Das war aber nicht das ent­schei­den­de Moment. Das Inter­net ermög­lich­te eine eng­ma­schi­ge Kon­trol­le von unter­ge­ord­ne­ten Netz­werk­fir­men auf der gan­zen Welt, wie sie mit ana­lo­gen Tech­no­lo­gien nicht denk­bar wäre. Das heißt, es mach­te erst die groß­flä­chi­gen Betriebs­ver­la­ge­run­gen in die Nied­rig­lohn­län­der Ost­eu­ro­pas und nach Chi­na mög­lich. Der ange­stie­ge­ne Bedarf an IT-Aus­rüs­tun­gen führ­te zur Anla­ge von viel brach­lie­gen­dem Kapi­tal und die Betriebs­ver­la­ge­run­gen erhöh­ten die Pro­fi­tra­te beträcht­lich. Zwar war der Anteil der Lohn­kos­ten an den her­ge­stell­ten Pro­duk­ten zum Bei­spiel bei Autos und Com­pu­tern mit höchs­tens 20% rela­tiv gering. Aber unter ansons­ten glei­chen Bedin­gun­gen einer häu­fig her­vor­ra­gen­den Infra­struk­tur und gut aus­ge­bil­de­ter und qua­li­fi­zier­ter Arbeits­kräf­ten, die für ein Vier­tel oder weni­ger des Loh­nes in den Metro­po­len arbei­te­ten, waren Betrie­be in Bil­lig­lohn­län­dern wesent­lich im Vor­teil und konn­ten deut­lich höhe­re Pro­fi­te ein­strei­chen. Tech­ni­sche Fort­schrit­te in See­trans­port wie die Ent­wick­lung der Con­tai­ner ver­rin­ger­ten auch die Trans­port­kos­ten erheb­lich, was die Aus­la­ge­rung an Nied­rig­lohn­stand­or­te noch attrak­ti­ver machte.

Das Inter­net beschleu­nig­te auch den Han­del an den Finanz­märk­ten sehr stark und mach­te ganz neue Han­dels­vo­lu­mi­na mög­lich. Es war jetzt mög­lich, in Mil­li­se­kun­den aus einem Markt aus­zu­stei­gen und die eige­nen Mil­li­ar­den woan­ders zu inves­tie­ren. Damit wur­de die Macht der Kapi­tal­ei­gen­tü­mer noch ein­mal gesteigert.

Im Neo­li­be­ra­lis­mus hat sich eine neue Fir­men­struk­tur her­aus­ge­bil­det. Die ver­ti­kal inte­grier­ten mul­ti­na­tio­na­len Groß­kon­zer­ne des Spät­ka­pi­ta­lis­mus wur­den zer­schla­gen und zahl­rei­che for­mell unab­hän­gi­ge Fir­men in trans­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­netz­wer­ken mit­ein­an­der ver­floch­ten. Die zahl­rei­che Ent­wick­lun­gen der IT-Tech­no­lo­gien erleich­ter­ten – wie oben ange­deu­tet – die Aus­la­ge­rung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen und einen Ver­gleich unter­schied­li­cher Stand­or­te. Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen und ‑spe­zi­fi­ka­tio­nen kön­nen jetzt in digi­ta­ler Form z. B. als CAD-Datei extrem ein­fach per Inter­net über­mit­telt wer­den. Durch spe­zi­el­le Soft­ware für Pro­duct Lifecy­cle Manage­ment kann u.a. der gesam­te Pro­duk­ti­ons­pro­zess eines bestimm­ten Pro­duk­tes unter Berück­sich­ti­gung der not­wen­di­gen Inputs simu­liert wer­den. Unter Berück­sich­ti­gung aller Kos­ten­fak­to­ren kann so berech­net wer­den, ob es pro­fi­ta­bler ist, eine hoch­au­to­ma­ti­sier­te Pro­duk­ti­ons­li­nie auf­zu­bau­en oder ob man bei nied­ri­gen Löh­nen eher auf manu­el­le Fließ­band­fer­ti­gung in Nied­rig­lohn­län­dern set­zen soll.5 Dies ist umso ein­fa­cher mög­lich, weil Kon­trakt­fer­ti­ger gezwun­gen sind, ihre inter­nen Netz­wer­ke und Kal­ku­la­tio­nen offen­zu­le­gen, um an einen Ver­trag zu kom­men. Soft­ware zum Sup­ply-Chain-Manage­ment kann in Echt­zeit den Bedarf für ein­zel­ne Kom­po­nen­ten berech­nen und ver­ein­facht die Koor­di­na­ti­on von Wert­schöp­fungs­ket­ten auch zwi­schen unter­schied­li­chen und räum­lich weit ent­fern­ten Fir­men erheb­lich. Zwi­schen­pro­duk­te bestehen inzwi­schen häu­fig aus ein­zel­nen rela­tiv unab­hän­gi­gen Modu­len mit stan­dar­di­sier­ten Schnitt­stel­len. Auch dies ver­ein­facht das Out­sour­cing und eine auf zahl­rei­che Län­der ver­teil­te Pro­duk­ti­on.6

Des­halb gin­gen die mul­ti­na­tio­na­len Groß­kon­zer­ne in immer mehr Bran­chen – nicht zuletzt auf­grund des Drucks durch das Finanz­ka­pi­tal, das stän­dig höhe­re Ren­di­ten for­der­te – dazu über, die eigent­li­che Pro­duk­ti­on an Kon­trakt­fer­ti­ger aus­zu­la­gern, wäh­rend sie sich auf beson­ders wert­hal­ti­ge Tätig­kei­ten wie For­schung und Ent­wick­lung, Mar­ke­ting und Bran­ding kon­zen­trier­ten. Dadurch konn­ten sie Fix­kos­ten und das ein­ge­setz­te Kapi­tal erheb­lich redu­zie­ren. Indem sie bestehen­de Ver­trä­ge ggf. aus­lau­fen las­sen oder zusätz­li­che Stück­zah­len der Pro­duk­te ordern, kön­nen die Mar­ken­fir­men ohne grö­ße­re Kos­ten auf eine sich schnell ändern­de und schwan­ken­de Nach­fra­ge reagie­ren. Da mit dem Out­sour­cing in der Regel auch eine Ver­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on in Nied­rig­lohn­län­der ein­her­ging, konn­ten auch die Lohn­kos­ten erheb­lich redu­ziert wer­den. Nur die ver­gleichs­wei­se weni­gen in den Kern­un­ter­neh­men ver­blei­ben­den hoch­qua­li­fi­zier­ten Beschäf­tig­ten kamen noch in den Genuss von hohen Löh­nen.7

Durch geis­ti­ge Eigen­tums­rech­te wie Paten­te und Urhe­ber­rech­te sowie ihrer Defi­ni­ti­ons­macht über wich­ti­ge Pro­dukt­stan­dards kön­nen die gro­ßen Mar­ken­fir­men alle ande­ren Fir­men eines trans­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­netz­wer­kes domi­nie­ren und sich auch ohne unmit­tel­ba­res Eigen­tum an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln den größ­ten Teil des dort pro­du­zier­ten Mehr­werts aneig­nen.8 Die Bezie­hun­gen zwi­schen den Fir­men eines sol­chen Netz­wer­kes sind also extrem ungleich und hier­ar­chisch. Ande­rer­seits neh­men auch für Mar­ken­fir­men die Risi­ken zu. Markt­ein­tritts­bar­rie­ren, die durch gigan­ti­sche Pro­duk­ti­ons­an­la­gen und gro­ße Fix­kos­ten geschaf­fen wur­den, exis­tie­ren nicht mehr. Die Kon­trakt­fer­ti­ger pro­du­zie­ren im Prin­zip für alle Kun­den. Auch Fir­men mit – zunächst – rela­tiv wenig Kapi­tal, die nur ein von den Kon­su­men­ten akzep­tier­tes Pro­dukt ent­wi­ckelt haben, kön­nen schnell gro­ße Markt­an­tei­le gewin­nen. Das bedeu­tet, dass die eta­blier­ten Mar­ken­fir­men umso mehr auf stän­di­ge Inno­va­ti­on ange­wie­sen sind.9

Die Kon­trakt­fer­ti­ger betrei­ben gro­ße Fabri­ken mit teil­wei­se meh­re­ren 10.000 Beschäf­tig­ten in Nied­rig­lohn­län­dern, beson­ders in der VR Chi­na, aber auch in Latein­ame­ri­ka und Ost­eu­ro­pa. Hier kommt es also zu einer Wie­der­kehr der ver­ti­kal inte­grier­ten Mas­sen­pro­duk­ti­on in der Peri­phe­rie. Die Kos­ten der extrem fle­xi­blen Pro­duk­ti­on der Kon­trakt­fer­ti­ger wer­den den Beschäf­tig­ten auferlegt.

Die Arbeits­be­din­gun­gen der meis­tens in den frei­en Pro­duk­ti­ons­zo­nen gele­ge­nen Fabri­ken der Kon­trakt­fer­ti­ger zum Bei­spiel in der VR Chi­na und auf den Phil­ip­pi­nen waren sehr schlecht und erin­ner­ten an früh­ka­pi­ta­lis­ti­sche Ver­hält­nis­se. Die enor­men Nach­fra­ge­schwan­kun­gen in Elek­tro­ni­schen Indus­trie wer­den v.a. durch »hire and fire« der Beschäf­ti­gen auf­ge­fan­gen. Die Arbei­ter hat­ten in der Regel kei­ner­lei Arbeits­platz­si­cher­heit. Ihnen wur­den nur kur­ze Zeit­ver­trä­ge ange­bo­ten. Die durch­schnitt­li­che Arbeits­zeit betrug in der elek­tro­ni­schen Indus­trie 12 Stun­den pro Tag, konn­te aber in Stoß­zei­ten auf 16 bis 24 Stun­den anstei­gen. Die Löh­ne in der elek­tro­ni­schen Indus­trie waren zwar in der Regel etwas höher als im Lan­des­durch­schnitt, reich­ten aber in kei­nem Fall aus, um eine Fami­lie zu ernähren.

Die Arbei­ter waren kaser­niert und leb­ten in über­füll­ten Wohn­hei­men. Weib­li­che Arbeits­kräf­te waren zudem häu­fig geschlechts­spe­zi­fi­scher Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt, wie regel­mä­ßi­gen Schwan­ger­schafts­tests oder demü­ti­gen­den Befra­gun­gen über ihre per­sön­li­chen Lebens­um­stän­de. Die Arbei­ter hat­ten kei­nen Zugang zu Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen.10

Die Löh­ne und Arbeits­be­din­gun­gen waren offen­bar so gestal­tet, dass sie nur die unmit­tel­ba­re Repro­duk­ti­on der Ware Arbeits­kraft für einen begrenz­ten Zeit­raum von eini­gen Jah­ren ermög­lich­ten. Aller­dings war es mit die­sen Löh­nen nicht mög­lich, Kin­der oder sons­ti­ge Fami­li­en­mit­glie­der zu erhal­ten. Damit betrie­ben die Kapi­ta­lis­ten Raub­bau an zukünf­ti­gen Genera­tio­nen, wie dies Karl Marx und Fried­rich Engels für das Groß­bri­tan­ni­en des 19. Jahr­hun­derts beschrie­ben haben.11 Da es aber glo­bal und in Chi­na einen gro­ßen Arbeits­kräf­te­über­schuss gab, sah sich der Staat in den 90er Jah­ren nicht genö­tigt, dage­gen einzuschreiten.

In der elek­tro­ni­schen Indus­trie ist die Evo­lu­ti­on der Fir­men von ver­ti­kal inte­grier­ten Groß­kon­zer­nen hin zu trans­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­netz­wer­ken am wei­tes­ten fort­ge­schrit­ten, sie ist aber auch in der Beklei­dungs- und Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie anzu­tref­fen. In der Auto­mo­bil­in­dus­trie, der Leit­in­dus­trie des Spät­ka­pi­ta­lis­mus, wird die End­mon­ta­ge nach wie vor von den Haupt­un­ter­neh­men durch­ge­führt, aller­dings haben sie ihre Fer­ti­gungs­tie­fe erheb­lich ver­rin­gert und bezie­hen in stei­gen­den Maße stan­dar­di­sier­te Sys­tem-Modu­le von ihren pri­mä­ren Zulie­fe­rern.12 Im Fol­gen­den soll als Bei­spiel für trans­na­tio­na­le Pro­duk­ti­ons­netz­wer­ke die Situa­ti­on in der elek­tro­ni­schen Indus­trie dar­ge­stellt wer­den, die sich zur neu­en Leit­in­dus­trie des Neo­li­be­ra­lis­mus entwickelte:

  • An der Spit­ze ste­hen Her­stel­ler bzw. Ent­wick­ler­fir­men von Kern­kom­po­nen­ten wie Micro­soft (Betriebs­sys­te­me) und Intel (CPUs). Durch das Design ihrer Pro­duk­te erge­ben sich bestimm­te Vor­ga­ben für ande­re Kom­po­nen­ten, die sie zu ihrem Vor­teil nut­zen kön­nen. Das erlaubt es ihnen, einen beson­ders hohen Mehr­wert­an­teil abzu­schöp­fen. So haben Unter­su­chun­gen im Rah­men von Pro­zes­sen gegen Micro­soft erge­ben, dass die Kos­ten für das Betriebs­sys­tem bis zu 1/5 der Gesamt­kos­ten eines PCs aus­ma­chen kön­nen. Die­se Fir­men haben aller­dings auch sehr hohe Auf­wen­dun­gen für For­schung und Ent­wick­lung. Da der Pro­duk­ti­ons­pro­zess von Haupt­pro­zes­so­ren für Intel extrem kapi­tal- aber wenig per­so­nal­in­ten­siv und tech­nisch schwer zu beherr­schen ist, wer­den die­se aus­schließ­lich intern und nur in Indus­trie­län­dern her­ge­stellt. Vie­le ande­re Auf­ga­ben, wie das Tes­ten der Pro­zes­so­ren, wur­den aller­dings schon sehr früh an Kon­trakt­fer­ti­ger in Ent­wick­lungs­län­dern verlagert.
  • Eine Stu­fe dar­un­ter in den trans­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­netz­wer­ken ste­hen Ent­wick­ler­fir­men von sons­ti­gen Kom­po­nen­ten wie Gra­fik­kar­ten, Fest­plat­ten, Anwen­dungs­soft­ware, Moni­to­ren etc. sowie Mar­ken­fir­men, die Com­pu­ter und Note­books ver­kau­fen. Zu die­ser Kate­go­rie zäh­len IBM, Nvi­dia, Ado­be, Sea­gate, LG Elec­tro­nics, Dell, HP und Acer. Ihr Tätig­keits­schwer­punkt liegt bei For­schung und Ent­wick­lung sowie bei Mar­ke­ting. Die Pro­duk­ti­on der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten und die End­mon­ta­ge der Com­pu­ter haben sie zum gro­ßen Teil an Kon­trakt­fer­ti­ger aus­ge­la­gert, denn der Pro­duk­ti­ons­pro­zess ist rela­tiv stan­dar­di­siert und beinhal­tet kei­ne beson­de­ren tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten. Sie kön­nen sich im All­ge­mei­nen auch einen beacht­li­chen Mehr­wert­an­teil sichern, wenn auch einen gerin­ge­ren als Fir­men der ers­ten Kategorie.
  • Kon­trakt­fer­ti­ger über­neh­men für Mar­ken­fir­men die Inte­gra­ti­on der der zahl­rei­chen Ein­zel­tei­le auf einem Main­board oder einer Erwei­te­rungs­kar­te, die End­mon­ta­ge der Com­pu­ter oder Note­books und den Ver­sand an Händ­ler bzw. End­ab­neh­mer. Sie sind auch für das Sup­ply-Chain-Manage­ment, also die Koor­di­na­ti­on der Pro­duk­ti­on in Zusam­men­ar­beit mit den zahl­rei­chen Unter­zu­lie­fe­rern ver­ant­wort­lich. Die größ­ten­teils arbeits­in­ten­si­ven Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se fin­den nahe­zu aus­schließ­lich in Nied­rig­lohn­län­dern statt und die Gewin­ne von Fir­men die­ser Kate­go­rie sind eher gering. Zu den Kon­trakt­fer­ti­gern gehö­ren Sami­na-SCI, Flex­tro­nics, Celesti­ca, Asus­tek, Fox­conn, Leno­vo, BenQ und Wistron. Eini­ge Fir­men wie Asutek sind in den letz­ten Jah­ren dazu über­ge­gan­gen, als OBMs (Ori­gi­nal Brand Manu­fac­tu­rers) auch selbst­pro­du­zier­te Mar­ken­wa­re zu ver­kau­fen, wodurch sich ihr Anteil an pro­du­zier­ten Mehr­wert erhöht. In gewis­ser Wei­se ver­wischt sich damit der Unter­schied zwi­schen Mar­ken­fir­men und Kon­takt­fer­ti­gern. Aller­dings fin­det For­schung und Ent­wick­lung nach wie vor zum gro­ßen Teil in den Indus­trie­län­dern statt.
  • Zulie­fe­rer der Kon­trakt­fer­ti­ger stel­len ein­fa­che, mas­sen­haft benö­tig­te Stan­dard­kom­po­nen­ten wie z. B. Wider­stän­de und Kon­den­sa­to­ren her. Die­se Fir­men fin­den sich nahe­zu aus­schließ­lich in Nied­rig­lohn­län­dern und die Arbeits­be­din­gun­gen haben häu­fig Sweat­shop-Cha­rak­ter. Ihre Gewinn­span­ne ist eben­falls gering.13

Aus die­ser Dar­stel­lung ergibt sich, dass die Kapi­ta­lis­ten im Neo­li­be­ra­lis­mus die Arbei­ter sowohl in den Ent­wick­lungs- wie den Indus­trie­län­dern aus­beu­ten. Sie suchen dabei glo­bal nach Stand­or­ten mit der für ihre Zwe­cke bil­ligs­ten Ware Arbeits­kraft, sofern alle ande­ren Fak­to­ren wie eine aus­rei­chen­de Infra­struk­tur etc. gege­ben sind.

Durch die mas­si­ve Ver­la­ge­rung der Indus­trie­pro­duk­ti­on in die Ent­wick­lungs­län­der wur­de die indus­tri­el­le Reser­ve­ar­mee in den Indus­trie­län­dern wesent­lich ver­grö­ßert, was es den Kapi­ta­lis­ten ermög­lich­te, die Löh­ne hier her­ab­zu­set­zen oder sie zumin­dest sta­gnie­ren zu las­sen. Gleich­zei­tig konn­ten die Kapi­ta­lis­ten die Prei­se für die in den Ent­wick­lungs­län­dern her­ge­stell­ten Pro­duk­te mode­rat sen­ken, so dass die nomi­na­len Real­lohn­ver­lus­te in den Indus­trie­län­dern grö­ßer erschie­nen als die rea­len. Damit konn­ten sie die im Wes­ten schwin­den­den Löh­ne opti­mal abschöp­fen. In den USA und in Groß­bri­tan­ni­en wur­den Ange­hö­ri­ge der Mit­tel­schich­ten bis zur gro­ßen Welt­wirt­schafts­kri­se von 2007 bis 2009 sogar ermu­tigt sich für ihren Kon­sum zu verschulden.

Das ist die Basis für die von neo­li­be­ra­len Mar­xis­ten neu­er­dings in den Vor­der­grund gestell­te Theo­rie der Arbei­ter­aris­to­kra­tie. Die­se erfreut sich zuneh­men­der Beliebt­heit und wird von Autoren wie Peter Scha­ber zur Theo­rie der »impe­ria­len Lebens­wei­se« aus­ge­baut, der sich die deut­sche Arbei­ter­klas­se angeb­lich beflei­ßigt habe. Sie pro­fi­tie­re von der Aus­beu­tung der Ent­wick­lungs­län­der und sei in Gän­ze (ein­schließ­lich der Hartz-IV-Emp­fän­ger) der Arbei­ter­aris­to­kra­tie zuzu­rech­nen.14 Die Schluss­fol­ge­rung sol­cher Aus­sa­gen liegt auf der Hand: Wir alle müs­sen auf gro­ße Tei­le unse­res Loh­nes ver­zich­ten, um nicht mehr der Aus­beu­tung der Ent­wick­lungs­län­der schul­dig zu sein.

Die­se rein mora­li­sche Argu­men­ta­ti­on ver­kennt aller­dings, dass die Lohn­hö­he wesent­lich ein Resul­tat des Klas­sen­kamp­fes ist und von der rela­ti­ven Stär­ke der bei­den Grund­klas­sen Kapi­ta­lis­ten und Arbei­ter abhängt. Die­se wie­der­um ist vor allem eine Funk­ti­on der Grö­ße der indus­tri­el­len Reser­ve­ar­mee. Auch durch die Ver­la­ge­rung von vie­len Indus­trie­be­trie­ben in Län­der der Drit­ten Welt konn­te dort in der Regel kei­ne Durch­in­dus­tria­li­sie­rung erreicht wer­den. Die indus­tri­el­le Reser­ve­ar­mee blieb sehr groß und die Löh­ne niedrig.

Aus his­to­ri­schen Grün­den waren die Löh­ne vor allem in den lee­ren Sied­lungs­ko­lo­nien wie den USA von Anfang an deut­lich höher als im Rest der Welt und stie­gen auch beträcht­lich im West­eu­ro­pa der Nach­kriegs­zeit. Teils wegen der Kon­kur­renz­si­tua­ti­on zum Sozia­lis­mus, teils aber auch, weil in den Wirt­schafts­wun­der­jah­ren die Arbeits­kräf­te knapp wur­den. Mit der Rekon­struk­ti­on der indus­tri­el­len Reser­ve­ar­mee in den 70er Jah­ren sta­gnier­ten oder san­ken die Real­löh­ne auch in den Indus­trie­län­dern. Lohn­er­hö­hun­gen über der Infla­ti­ons­ra­te und wei­te­re Arbeits­zeit­ver­kür­zun­gen unter die 40-Stun­den-Woche lie­ßen sich nicht mehr durchsetzen.

Die Arbei­ter der Indus­trie­län­der sind also weit davon ent­fernt, von der »Aus­beu­tung der Drit­ten Welt« zu pro­fi­tie­ren. Viel­mehr lit­ten sie im Zeit­al­ter des Neo­li­be­ra­lis­mus an Arbeits­lo­sig­keit, Lohn­aus­zeh­rung und Sozi­al­ab­bau. Die Ein­zi­gen, die glo­bal von der Aus­beu­tung der Ware Arbeits­kraft pro­fi­tie­ren, sind die Kapitalisten.

4.3 Die neue Rolle der Finanzmärkte

Im Neo­li­be­ra­lis­mus erlang­ten die glo­ba­len Finanz­märk­te eine bis­her nicht gekann­te sozia­le und öko­no­mi­sche Macht. Sie sind in der Lage, sich einen deut­lich grö­ße­ren Anteil des pro­du­zier­ten Mehr­werts anzu­eig­nen und üben Druck zur Erhö­hung der Mehr­wer­tra­te aus.

Noch in den 80er Jah­ren gab es in den gro­ßen euro­päi­schen kapi­ta­lis­ti­schen Län­dern natio­nal orga­ni­sier­te Mono­pol­kom­ple­xe, zum Bei­spiel die so genann­te Deutsch­land AG in der BRD. Dar­un­ter ver­steht man ein gegen­sei­tig durch Akti­en­be­sitz ver­floch­te­nes Kon­glo­me­rat von Kon­zer­nen und Ban­ken mit der Deut­schen Bank, der Dresd­ner Bank, der Com­merz­bank und der Alli­anz als Zen­trum. Die Gute­hoff­nungs­hüt­te, MAN, Veba, VIAG, Thys­sen, Krupp, Klöck­ner, Ruhr­koh­le, Volks­wa­gen, Preus­sag, BASF, Höchst, Bay­er, Hoesch, Ruhr­gas AG, Man­nes­mann, Lin­de, die Kraft­werks­uni­on, Luft­han­sa, Hoch­tief, Phil­ipp Holz­mann, Sie­mens und Daim­ler-Benz ver­kör­per­ten zusam­men mit vie­len wei­te­ren Akti­en­ge­sell­schaf­ten den indus­tri­el­len Kern des deut­schen Mono­pol­kom­ple­xes. Die­se Deutsch­land AG wur­de unter der Rot-Grü­nen Bun­des­re­gie­rung Schrö­der nach 1998 auf­ge­löst. Die Ban­ken wur­den durch ver­schie­de­ne Maß­nah­men gedrängt, sich von ihren Indus­trie­be­tei­li­gun­gen zu tren­nen. Die Kon­zer­ne gelang­ten im Ver­lauf von meh­re­ren Jah­ren nach und nach in den Besitz von US-ame­ri­ka­ni­schen Kapi­tal­sam­mel­stel­len wie Black­rock. Ähn­li­che Pro­zes­se spiel­ten sich in ande­ren Län­dern Euro­pas ab, so in Frank­reich, der Schweiz und Ita­li­en.15

In der Zeit zwi­schen der Auf­lö­sung der natio­na­len Mono­pol­kom­ple­xe und dem Auf­stieg der Schat­ten­ban­ken wie Black­rock ab 2008 spiel­ten die die stark auf die USA kon­zen­trier­ten Finanz­mär­ke die ent­schei­den­de Rol­le bei der Kon­trol­le und Plün­de­rung der Industrieunternehmen.

Die Finanz­märk­te glie­dern sich auf in meh­re­re Teilmärkte:

1. Kre­dit­markt

Auf dem Kre­dit­markt neh­men Unter­neh­men, Regie­run­gen und Pri­vat­per­so­nen bei Ban­ken Kre­di­te zur Finan­zie­rung von Aus­ga­ben auf, die sie nicht aus ihren lau­fen­den Ein­nah­men finan­zie­ren kön­nen. Die Ban­ken rei­chen die bei ihnen depo­nier­ten Spar­gut­ha­ben als Kre­di­te wei­ter; ihre Gewin­ne erzie­len sie aus der Zinsspanne.

2. Pri­mär­markt für Wertpapiere

Hier beschaf­fen sich im All­ge­mei­nen beson­ders finanz­star­ke Unter­neh­men und Staa­ten exter­ne Mit­tel direkt bei den Spa­rern, indem sie Akti­en oder Schuld­schei­ne ver­kau­fen. Im Jahr 2000 wur­den welt­weit Akti­en im Wert von 863 Mrd. $ und sons­ti­ge Wert­pa­pie­re wie staat­li­che Schuld­schei­ne im Wert von 896 Mrd. $ aus­ge­ge­ben; das macht zusam­men 1.759 Mrd. $.

3. Sekun­där­markt für Wertpapiere

Dabei han­delt es sich um Märk­te, auf denen mit Wert­pa­pie­ren gehan­delt wird. Haupt­ak­teu­re sind ren­di­te­su­chen­de Finanz­an­le­ger. Der Sekun­där­markt ermög­licht es Anle­gern, jeder­zeit aus einem bestimm­ten Markt oder Inves­ti­ti­ons­ob­jekt aus­zu­stei­gen. Im Jahr 2001 exis­tier­te ein Akti­en­be­stand im Wert von 26,8 Bio. $ und es wur­den Akti­en im Wert von 42,2 Bio. $ gehandelt.

4. Der Markt für Währungen

Das natio­na­le Geld als Zah­lungs­mit­tel und Ver­mö­gens­ge­gen­stand wird auf dem Wäh­rungs­markt zu ande­rem natio­na­len Geld in Bezie­hung gesetzt. Der Wech­sel­kurs defi­niert die jewei­li­ge Qua­li­tät des natio­na­len Gel­des als Zah­lungs­mit­tel und Ver­mö­gens­ge­gen­stand im Ausland.

Die welt­wei­ten Wäh­rungs­re­ser­ven in den Bestän­den der Zen­tral­ban­ken betru­gen im Jahr 2000 1.908 Mrd. $. Pro Arbeits­tag wur­den im Jahr 2001 aller­dings 1,2 Bio. Dol­lar, also fast der gesam­te Devi­sen­be­stand umge­schla­gen. Der Welt­han­del lag im Jahr 2000 bei 8 Billionen $.

Der Devi­sen­han­del hat seit den 70er Jah­ren stark zuge­nom­men, denn die inter­na­tio­nal täti­gen Unter­neh­men muss­ten sich nach dem Ende des Sys­tems der fes­ten Wech­sel­kur­se etwa durch Ter­min­ge­schäf­te gegen Wech­sel­kurs­ri­si­ken absi­chern. Auf den Wäh­rungs­märk­ten kam es in den letz­ten Jahr­zehn­ten zu zahl­rei­chen Spe­ku­la­ti­ons­wel­len, die regel­mä­ßig Finanz­kri­sen aus­lös­ten. Die unre­gu­lier­ten und libe­ra­li­sier­ten Devi­sen­märk­te sind ein beson­ders insta­bi­ler und aggres­si­ver Bestand­teil der inter­na­tio­na­len Finanzmärkte.

5. Der Markt für Derivate

Deri­va­te sind Ansprü­che und Ver­pflich­tun­gen aus Ter­min­ge­schäf­ten, die in Wert­pa­pier­form gebracht und selbst gehan­delt wer­den. Sie ent­stan­den erst in den 70er Jah­ren aus Waren­ter­min­ge­schäf­ten zur Absi­che­rung gegen Preis­schwan­kun­gen. Deri­va­te bestehen haupt­säch­lich aus Ansprü­chen auf Finanz­pro­duk­te wie Akti­en oder Devi­sen. So kann sich z. B. Händ­ler A ver­pflich­ten Händ­ler B eine bestimm­te Anzahl von Akti­en an einem bestimm­ten Tag zu einem bestimm­ten, vor­her fest­ge­leg­ten Preis abzu­kau­fen. Deri­va­te ermög­li­chen bei gerin­gem Kapi­tal­ein­satz extrem hohe Gewin­ne, aber auch hohe Ver­lus­te und tra­gen damit erheb­lich zur Insta­bi­li­tät des Finanz­sys­tems bei. Im Jahr 2001 wur­den welt­weit arbeits­täg­lich Deri­va­te mit einem Anspruchs­wert von 2784 Mrd. $ gehan­delt.16

Das welt­wei­te Finanz­ver­mö­gen17 stieg von 12 Bil­lio­nen Dol­lar im Jahr 1980 auf 167 Bil­lio­nen 2006, wäh­rend im glei­chen Zeit­raum das Welt­so­zi­al­pro­dukt nur von 10,1 auf 48,3 Bil­lio­nen Dol­lar zunahm. Die rasan­te Zunah­me des Geld­ver­mö­gens wird auf unzu­rei­chen­de Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten in der Real­wirt­schaft bei stei­gen­den Unter­neh­mens­ge­win­nen, sin­ken­den Kapi­tal­steu­ern und der Ein­füh­rung einer kapi­tal­markt­ge­deck­ten Alters­si­che­rung zurück­ge­führt.18

Die wich­tigs­ten Akteu­re auf den Finanz­märk­ten waren Geschäfts­ban­ken, Invest­ment­ban­ken und seit 2008 zuneh­mend Invest­ment­fonds wie Blackrock.

In den 80er und 90er Jah­ren wur­den als Teil der neo­li­be­ra­len Poli­tik auch die Finanz­märk­te libe­ra­li­siert, zunächst in den USA. Da der Finanz­sek­tor in den USA in den 70er Jah­re weit bes­ser ent­wi­ckelt war als in Euro­pa, lag eine Libe­ra­li­sie­rung v. a. im Inter­es­se der ame­ri­ka­ni­schen Akteu­re, konn­ten sie doch davon aus­ge­hen, dass sie erheb­li­che Markt­an­tei­le im welt­wei­ten Finanz­ge­schäft erobern kön­nen; was dann ja auch pas­sier­te. Die wich­tigs­te Maß­nah­me war die Auf­he­bung von Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len. Dies erfolg­te in den USA bereits 1974. Zusam­men mit der mas­si­ven Erhö­hung der Leit­zin­sen durch Paul Vol­ker ab 1979 und einer dezi­diert arbei­ter­feind­li­chen Poli­tik der Regie­rung Rea­gan ab 1980 führ­te die­se Ent­wick­lung dazu, dass die Finanz­an­le­ger Ver­trau­en in die Poli­tik der USA fass­ten. Dies führ­te zu einem mas­si­ven Zustrom von Kapi­tal in die USA und setz­te ande­re Län­der unter Druck, dem Bei­spiel der USA zu fol­gen. Im Jahr 1981 hob die BRD die eige­nen Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len auf. Als letz­tes west­eu­ro­päi­sches Land folg­te Grie­chen­land 1994.

Die mas­si­ve Aus­deh­nung der Finanz­märk­te wur­de durch den elek­tro­ni­schen Han­del erleich­tert. Seit den 80er Jah­ren nut­zen die Händ­ler der zen­tra­len Bör­sen­plät­ze Com­pu­ter­sys­te­me, wäh­rend der Par­kett­han­del an Bedeu­tung ver­lor. Die ein­zel­nen Finanz­märk­te sind eben­falls durch Com­pu­ter­netz­wer­ke mit­ein­an­der ver­bun­den, so dass es inzwi­schen mög­lich ist, mit Licht­ge­schwin­dig­keit gro­ße Geld­be­trä­ge rund um die Erde zu trans­fe­rie­ren.19

Die Kapi­tal­markt­li­be­ra­li­sie­run­gen in Ver­bin­dung mit der Nut­zung von elek­tro­ni­schen Han­dels­plät­zen ermög­licht es den Finanz­in­ves­to­ren in kür­zest­mög­li­cher Zeit von eini­gen Sekun­den aus dem Markt aus­zu­stei­gen und rie­si­ge Geld­men­gen anders­wo anzu­le­gen. Unter die­sen Umstän­den sind die Staa­ten gezwun­gen, eine Poli­tik zu betrei­ben, die sich pri­mär am »Ver­trau­en« die­ser Märk­te aus­rich­tet. Auch Unter­neh­men müs­sen sich an den Erwar­tun­gen der Finanz­in­ves­to­ren aus­rich­ten. Die­se erwar­ten kurz­fris­ti­ge Pro­fi­te, wäh­rend For­schungs- und Ent­wick­lungs­aus­ga­ben zurück­ge­schnit­ten wer­den. Sie üben auch mas­si­ven Druck aus, um die Pro­fi­tra­te durch Absen­kung der Löh­ne und neue For­men der Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on zu stei­gern.20

Die Finanz­märk­te erwar­ten immens hohe Gewin­ne, die sich aus der Real­wirt­schaft häu­fig nicht mehr befrie­di­gen las­sen. Des­halb erfolgt eine Kon­zen­tra­ti­on auf kurz­fris­ti­ge Spe­ku­la­ti­ons­ge­win­ne. Das ver­stärkt die Insta­bi­li­tät des Sys­tems und begüns­tigt Finanz­kri­sen. Auch der Zeit­ho­ri­zont von Unter­neh­men, ihre Inves­ti­tio­nen zu amor­ti­sie­ren, wird unter dem Druck der Finanz­märk­te, die jedes Quar­tal neue Erfol­ge sehen wol­len, immer gerin­ger. Unter­neh­men und Volks­wirt­schaf­ten müs­sen die hohen Zins­an­sprü­che häu­fig aus der Sub­stanz erwirt­schaf­ten.21 Für Chris­ti­an Zel­ler ist dies ein Merk­mal einer glo­ba­len Enteignungsökonomie.

Die Libe­ra­li­sie­rung der Finanz­märk­te führ­te zu einer Wel­le von Finanz­markt­kri­sen, die jedoch nur ver­gleichs­wei­se wenig Ein­fluss auf die Real­wirt­schaft in den Metro­po­len hat­te. Bei­spie­le sind die Asi­en­kri­se 1997 und die Russ­land­kri­se 1998. Das änder­te sich mit der gro­ßen Welt­wirt­schafts­kri­se im Jahr 2007/08.

4.4 Enteignungsökonomie

Bereits Ernest Man­del wies dar­auf hin, dass Pro­zes­se der ursprüng­li­chen Akku­mu­la­ti­on nicht nur am Beginn des Kapi­ta­lis­mus ablie­fen, son­dern neben der Akku­mu­la­ti­on durch Mehr­wert­pro­duk­ti­on auch noch in spä­te­ren Epo­chen bis in die Gegen­wart vor­kom­men. Akku­mu­la­ti­ons­me­cha­nis­men, die auf Ent­eig­nungs­pro­zes­sen, Gewalt­ver­hält­nis­sen und neu­en For­men von Eigen­tums­rech­ten beru­hen, haben im neo­li­be­ra­len Kapi­ta­lis­mus erneut an Bedeu­tung gewon­nen. Har­vey und Zel­ler nen­nen ins­be­son­de­re fol­gen­de For­men von Enteignungsprozessen:

  • For­men der klas­si­schen ursprüng­li­chen Akku­mu­la­ti­on wie Ver­trei­bung der Bau­ern von Grund und Boden. So wur­de z. B. in Mexi­ko im Jahr 1991 auf Druck von IWF und Welt­bank das gemein­sa­me Boden­ei­gen­tum der Indi­gena-Gemein­schaf­ten (Eji­do) auf­ge­ho­ben und pri­va­ti­siert. Zahl­rei­che Bau­ern wur­den von ihrem Grund und Boden ver­trie­ben und ström­ten in die Welt­markt­fa­bri­ken an der Gren­ze zu den USA.
  • Eine Erwei­te­rung der kapi­ta­lis­ti­schen Eigen­tums- und Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se erfolgt auch durch Pri­va­ti­sie­run­gen und Libe­ra­li­sie­run­gen. Ins­be­son­de­re wer­den jetzt zahl­rei­che Dienst­leis­tun­gen, die bis­her nicht oder nicht voll­stän­dig dem Markt unter­wor­fen waren, aus­schließ­lich nach Gesichts­punk­ten der Pro­fit­ma­xi­mie­rung ange­bo­ten. Der Zugang selbst zu Basis­dienst­leis­tun­gen wie der Was­ser­ver­sor­gung wird in vie­len Fäl­len nur noch zah­lungs­kräf­ti­gen Per­so­nen gewährt. Es ent­steht ein »Gebüh­ren­ka­pi­ta­lis­mus« (Roth), »der sich noch an den ele­men­tars­ten Repro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen der Gesell­schaft schad­los hält«. Zugleich wer­den hier­durch pro­ka­pi­ta­lis­ti­sche Ein­stel­lun­gen geför­dert. Die Bür­ger erfah­ren all­täg­lich, dass alles sei­nen Preis hat.
  • Raub­krie­ge zur Aneig­nung von wich­ti­gen Roh­stoff­vor­kom­men. Der Irak­krieg wur­de von den USA auch mit dem Ziel geführt, die bedeu­ten­den Ölre­ser­ven des Lan­des den eige­nen Kon­zer­nen zugu­te­kom­men zu las­sen.22
  • Ele­men­te von Betrug und Dieb­stahl in der Finanz­sphä­re. Hier­zu zäh­len z. B. Bilanz­be­trü­ge­rei­en und Kurs­ma­ni­pu­la­tio­nen, Pon­zi-Sys­te­me sowie Über­nah­men und Aus­schlach­tung von Betrie­ben durch Insti­tu­tio­nel­le Anleger.
  • Aus­wei­tung der Paten­te und Urhe­ber­rech­te auf Berei­che, die ihnen bis­her nicht unter­wor­fen waren. Damit kommt es zu einem neu­en »clearan­ce of the com­mons«, also zu Ein­he­gun­gen im Bereich des Wis­sens. Bei­spie­le hier­für sind Bio­pi­ra­te­rie, die sich häu­fen­de Nut­zung von Paten­ten zur Ver­hin­de­rung und Mono­po­li­sie­rung von Pro­duk­ti­ons­vor­gän­gen und der Ein­schrän­kung der Aus­nah­men des Urhe­ber­rechts, mit der zahl­rei­che Hand­lun­gen kri­mi­na­li­siert wer­den, die bis­her erlaubt waren. Ein Bei­spiel hier­für ist die Pri­vat­ko­pie. Die Inha­ber der geis­ti­gen Eigen­tums­rech­te sind somit in der Lage, ren­ten­ar­ti­ge Ein­kom­men ein­zu­strei­chen.23

Durch For­men der Ent­eig­nungs­öko­no­mie kommt es zu einer Aus­wei­tung der kapi­ta­lis­ti­schen Eigen­tums- und Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se auf Län­der, Sek­to­ren oder sozia­le Akti­vi­tä­ten, die die­sen Ver­hält­nis­sen noch nicht oder nur teil­wei­se unter­wor­fen waren. Der Staat spielt mit sei­nem Gewalt­mo­no­pol und sei­ner Defi­ni­ti­ons­macht über die Lega­li­tät eine maß­geb­li­che Rol­le bei der För­de­rung die­ser Prozesse.

Ursa­che für die zuneh­men­de Bedeu­tung der Ent­eig­nungs­öko­no­mie sind die aus Sicht des Kapi­tals immer noch zu gerin­gen Pro­fi­te. Zwar konn­te die Pro­fi­tra­te gestei­gert wer­den, was natür­lich sta­gnie­ren­de oder sin­ken­de Löh­ne vor­aus­setz­te. Das führ­te zu einer unzu­rei­chen­den Nach­fra­ge und damit zu – im Ver­gleich zum Spät­ka­pi­ta­lis­mus – gerin­ge­ren Inves­ti­tio­nen der Unter­neh­men. Zudem ori­en­tier­te sich der Bedarf der Men­schen weg von den – in den Indus­trie­län­dern weit­ge­hend gesät­tig­ten – Märk­ten für lang­le­bi­ge Kon­sum­gü­ter hin zu Dienst­leis­tun­gen, die noch in vie­len Fäl­len vom Staat betrie­ben wur­den. Das führ­te dazu, dass sich das anla­ge­su­chen­de Kapi­tal auf die Dienst­leis­tungs­sphä­re stürz­te. In vie­len Fäl­len erleich­ter­ten tech­ni­sche Fort­schrit­te die pri­vat­wirt­schaft­li­che Orga­ni­sie­rung.24

Die extrem hohen Ren­di­te­er­war­tun­gen der Finanz­märk­te konn­ten häu­fig allen aus der Akku­mu­la­ti­on durch Mehr­wert­pro­duk­ti­on nicht mehr befrie­digt wer­den. Das begüns­tig­te eben­falls die ver­stärk­te Nut­zung von Enteignungsvorgängen.

4.5 Das unipolare Moment

In der neu­en Epo­che des Impe­ria­lis­mus ver­blie­ben die USA als ein­zi­ge Super­macht, wäh­rend die UdSSR im Jahr 1991 kol­la­bier­te. Damit sind die Ideen von Sozia­lis­mus und Plan­wirt­schaft bis auf wei­te­res dis­kre­di­tiert. Durch den Sieg der USA im kal­ten Krieg stand erst­mals seit 1917 fast die gan­ze Welt dem Kapi­tal offen. Die Ideo­lo­gie der frei­en Märk­te gewann man­gels Alter­na­ti­ven gera­de in den 90er Jah­ren erheb­lich an Plausibilität.

Die USA ver­lo­ren kei­ne Zeit, das nun ein­ge­tre­te­ne uni­po­la­re Moment maxi­mal für sich aus­zu­nut­zen. Im ers­ten Jahr­zehnt des Neo­li­be­ra­lis­mus stand noch eine rela­tiv fried­li­che öko­no­mi­sche Expan­si­on vor allem des US-Kapi­tals im Vor­der­grund. Die USA ver­such­ten, mit­tels mul­ti­la­te­ra­ler Ver­trä­ge die neo­li­be­ra­le Wirt­schafts­po­li­tik unum­kehr­bar zu machen und alle Län­der ihrem Kapi­tal zu öff­nen. Dabei wur­den sie vor allem durch die west­eu­ro­päi­schen Län­der unter­stützt. In der Zeit der Prä­si­dent­schaft von Bill Clin­ton (1992 – 2000) stan­den Mili­tär­ope­ra­tio­nen nicht im Vor­der­grund25. Häu­fig reich­te es schon aus, Flug­zeug­trä­ger­grup­pen dro­hend vor die Küs­ten von wider­spens­ti­gen Län­dern zu schi­cken, um deren Wil­len zu brechen.

Das wich­tigs­te mul­ti­la­te­ra­le Ver­trags­werk die­ser Zeit sind die WTO-Ver­trä­ge. Die World Tra­de Orga­ni­sa­ti­on ist 1995 aus dem GATT, dem Gene­ral Agree­ment on Tariffs and Tra­de her­vor­ge­gan­gen. Zwar wur­de schon seit 1986 in der Uru­gu­ay-Run­de über eine Aus­wei­tung des GATT ver­han­delt, aber die USA konn­ten sich mit ihren weit aus­grei­fen­den Vor­schlä­gen erst nach der Nie­der­rin­gung des Sozia­lis­mus durch­set­zen. Jetzt ging es nicht mehr nur um eine Ver­rin­ge­rung der Zöl­le, son­dern es soll­ten alle Bran­chen und Berei­che der Wirt­schaft eines Lan­des dem »inter­na­tio­na­len Wett­be­werb« geöff­net wer­den. Zugleich wur­den die geis­ti­gen Eigen­tums­rech­te mas­siv ver­schärft, so dass die Groß­kon­zer­ne zusätz­lich ren­ten­ar­ti­ge Ein­kom­men ein­strei­chen konnten.

Die zen­tra­len Prin­zi­pi­en der WTO sind:

  • Markt­zu­gang: Quan­ti­ta­ti­ve Han­dels­be­schrän­kun­gen wie Beschrän­kun­gen der Zahl von Anbie­tern, des Umsat­zes, der Stück­zah­len, der Höhe von Kapi­tal­be­tei­li­gun­gen sind verboten.
  • Inlän­der­be­hand­lung: In- und aus­län­di­sche Anbie­ter müs­sen gleich behan­delt wer­den. Eine Vor­zugs­be­hand­lung von inlän­di­schen Anbie­tern ist verboten.
  • Meist­be­güns­ti­gung: Han­dels­ver­güns­ti­gun­gen für ein Land müs­sen allen ande­ren WTO-Mit­glie­dern eben­falls zuge­stan­den wer­den; die Fol­ge ist ein star­ker Liberalisierungsdruck.

Für den Fall der Nicht­ein­hal­tung sind Streit­schlich­tungs­kör­per­schaf­ten ein­ge­rich­tet wor­den. Sie sind vor allem mit kapi­tal­freund­li­chen Anwäl­ten besetzt und dür­fen gegen ein­zel­ne Län­der abschre­cken­de Stra­fen in Form von lega­len Wirt­schafts­sank­tio­nen verhängen.

Unter dem Dach der WTO exis­tie­ren vier unter­schied­li­che Verträge:

Das alte GATT (Gene­ral Agree­ment on Tariffs and Tra­de) regelt den Güter­han­del. Es ist rela­tiv wenig umstrit­ten, da es klas­si­sche Zöl­le kaum noch gibt.

Das GATS (Gene­ral Agree­ment on Tra­de in Ser­vices) ist ein äußerst kom­ple­xes Abkom­men, wel­ches die Öff­nung der Dienst­leis­tungs­sek­to­ren der Staa­ten regelt. Einer­seits ent­hält es zahl­rei­che all­ge­mei­ne Ver­pflich­tun­gen, die für alle Sek­to­ren gel­ten, ande­rer­seits spe­zi­fi­sche Ver­pflich­tun­gen, die nur für die­je­ni­gen Dienst­leis­tungs­sek­to­ren gel­ten, die in bestimm­ten Lis­ten ein­ge­tra­gen sind.

Die all­ge­mei­nen Ver­pflich­tun­gen sind unter ande­rem: Die Meist­be­güns­ti­gungs­klau­sel, Trans­pa­renz­re­geln, Ver­bot von Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len, Regeln zur inner­staat­li­chen Regu­lie­rung, die ein Durch­griffs­recht der WTO auf die natio­na­le Ebe­ne beinhal­ten, Regeln zum all­ge­mei­nen Beschaf­fungs­we­sen und zu Unter sehr eng gefass­ten Bedin­gun­gen sind vor­erst noch Aus­nah­men von die­sen Libe­ra­li­sie­rungs­re­geln möglich.

Markt­zu­gang und Inlän­der­be­hand­lung gel­ten nur für die­je­ni­gen Dienst­leis­tungs­sek­to­ren eines Lan­des, die in Lis­ten ein­ge­tra­gen sind. Aller­dings sol­len wei­te­re Ver­hand­lungs­run­den statt­fin­den, mit dem Ziel von zusätz­li­chen Libe­ra­li­sie­run­gen. Nach­träg­lich kön­nen ein­mal geöff­ne­te Dienst­leis­tungs­sek­to­ren nicht mehr dem inter­na­tio­na­len Wett­be­werb ent­zo­gen wer­den.26

Das TRIPS (Tra­de Rela­ted Aspects of Intel­lec­tu­al Pro­per­ty Rights) schafft einen welt­wei­ten Min­dest­stan­dard für das geis­ti­ge Eigen­tum. Die natio­na­len Geset­ze der Mit­glieds­län­der müs­sen an die Vor­schrif­ten des TRIPS ange­passt wer­den. Auf die­se Wei­se kön­nen Kon­zer­ne davon aus­ge­hen, dass ihr geis­ti­ges Eigen­tum in jedem Land geschützt ist.

Das TRIPS legt fest, dass fol­gen­de Berei­che des Geis­ti­gen Eigen­tums geschützt wer­den müssen:

  • Urhe­ber­recht und ver­wand­te Schutzrechte
  • Mar­ken und geo­gra­phi­sche Herkunftsbezeichnungen
  • Paten­te sowie gewerb­li­che Mus­ter und Modelle
  • das Lay­out inte­grier­ter Schaltkreise
  • Geschäfts­ge­heim­nis­se

Für jeden die­ser Berei­che legt das TRIPS Min­dest­stan­dards fest, die in den meis­ten Indus­trie­län­dern bereits über­schrit­ten wur­den, aber in vie­len Ent­wick­lungs­län­dern noch nicht existierten.

Das TRIPS bestimmt zum Bei­spiel, dass die restrik­ti­ven Vor­ga­ben der Arti­kel 1 bis 21 der Ber­ner Über­ein­kunft zum Urhe­ber­recht anzu­wen­den sind. Dar­un­ter fällt unter ande­rem ein sehr star­kes Ver­viel­fäl­ti­gungs­recht. Die Urhe­ber haben zusätz­lich das Recht, die kom­mer­zi­el­le Ver­mie­tung ihrer Wer­ke an die Öffent­lich­keit zu erlau­ben oder zu ver­bie­ten. Die Min­dest­schutz­dau­er der Wer­ke beträgt 50 Jah­re. Aus­nah­men der exklu­si­ven Rech­te sind auf bestimm­te Son­der­fäl­le zu beschrän­ken, die weder die nor­ma­le Aus­wer­tung des Wer­kes beein­träch­ti­gen noch die berech­tig­ten Inter­es­sen der Rech­te­inha­ber unzu­mut­bar ver­let­zen (Drei­stu­fen­test).

Vor­schrif­ten zum Patent­recht: Paten­te müs­sen Erfin­dun­gen auf allen Gebie­ten der Tech­nik erteilt wer­de, wenn sie neu sind, auf einer erfin­de­ri­schen Tätig­keit beru­hen und gewerb­lich anwend­bar sind. Pflan­zen und Tie­re, Mikro­or­ga­nis­men und bio­lo­gi­sche Ver­fah­ren sind paten­tier­bar. Aus­nah­men sind auf weni­ge Son­der­fäl­le zu beschrän­ken und restrik­tiv anzu­wen­den. Die Min­dest­schutz­dau­er beträgt 20 Jah­re. Bei Vor­wür­fen von Patent­ver­let­zun­gen greift eine Beweis­last­um­kehr: Beklag­te müs­sen im Fall von Ver­fah­ren­spa­ten­ten bewei­sen, dass sie das geschütz­te Ver­fah­ren nicht ange­wen­det haben.

Das AoA (Agree­ment on Agri­cul­tu­re) der WTO legt die maxi­ma­le Höhe von Agrar­sub­ven­tio­nen fest und bestimmt, dass die­se aus­lau­fen müs­sen. De fac­to been­de­te das AoA Agrar­sub­ven­tio­nen der Ent­wick­lungs­län­der, wäh­rend die Indus­trie­län­der unter ver­schie­de­nen Vor­wän­den ihre Bau­ern wei­ter unterstützten.

Wei­te­re inter­na­tio­na­le Abkom­men sind die 1997 in Kraft getre­te­ne WIPO Ver­trä­ge. Die World Intel­lec­tu­al Pro­per­ty Orga­niz­a­ti­on (WIPO) ist eine in Genf resi­die­ren­de Unter­or­ga­ni­sa­ti­on der UNO und wur­de erst im Jahr 1967 gegrün­det. Der WIPO Copy­right Trea­ty (WCT, für das Urhe­ber­recht) und der WIPO Per­for­mance & Pho­no­grams Trea­ty (WPPT für die ver­wand­ten Rech­te27) beinhal­ten weit­ge­hend wort­gleich mas­si­ve Ver­schär­fun­gen der geis­ti­gen Eigen­tums­rech­te, die als Reak­ti­on auf die ein­fa­che Kopier­bar­keit von digi­ta­len Inhal­ten beschlos­sen wur­den. Die wich­tigs­ten Bestim­mun­gen der WIPO-Ver­trä­ge sind:

  • Das Ver­viel­fäl­ti­gungs­recht wur­de gestärkt und das Spei­chern von Wer­ken im Com­pu­ter ohne Erlaub­nis der Urhe­ber­rechts­in­ha­ber aus­drück­lich verboten.
  • Die Über­tra­gung von Wer­ken im Inter­net wur­de ohne Erlaub­nis der Urhe­ber­rechts­in­ha­ber ver­bo­ten. Sie kön­nen auch bestim­men, dass ihre Wer­ke über das Inter­net gegen Ent­gelt nur für einen bestimm­ten Zeit­raum oder nur zum ein­ma­li­gen Betrach­ten bzw. Anhö­ren zugäng­lich gemacht wer­den (»on demand«).
  • Her­stel­lung, Ver­brei­tung oder Nut­zung von Gerä­ten, Pro­duk­ten oder Kom­po­nen­ten, deren pri­mä­rer Zweck es ist, Kopier­schutz­me­cha­nis­men der Rech­te­inha­ber auf­zu­he­ben, zu umge­hen, zu ent­fer­nen, zu deak­ti­vie­ren oder sonst wie zu über­lis­ten, sind verboten.
  • Auch die Ver­än­de­rung, Fäl­schung oder Löschung von Copy­right-Manage­ment-Infor­ma­tio­nen, die für eine Iden­ti­fi­zie­rung und Lizen­zie­rung von Wer­ken im Inter­net uner­läss­lich sind, sind verboten.
  • Unter bestimm­ten Umstän­den sind Inter­net Ser­vice Pro­vi­der (ISPs) für die Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen ihrer Kun­den zivil- und straf­recht­lich haftbar.

Die WIPO-Ver­trä­ge stell­ten sicher, dass nur die gro­ßen Unter­hal­tungs­kon­zer­ne, nicht aber die Kon­su­men­ten von der ein­fa­chen Kopier- und Über­trag­bar­keit von digi­ta­len Inhal­ten pro­fi­tier­ten. Sie konn­ten beträcht­li­che zusätz­li­che ren­ten­ar­ti­ge Ein­kom­men ein­strei­chen, wäh­rend die Kon­su­men­ten mit Preis­er­hö­hun­gen geplagt wur­den, die Kos­ten für Spei­che­rung und Über­tra­gung der Inhal­te schul­tern muss­ten und bei Zuwi­der­hand­lun­gen mit abschre­ckend hohem Straf­scha­dens­er­satz und sogar mit Haft­stra­fen trak­tiert wur­den.28

Der 1990 auf einer Kon­fe­renz in Washing­ton ver­ab­schie­de­te Washing­ton Con­sen­sus leg­te fest, dass alle Län­der als Bedin­gung für Kre­di­te des IWF oder der Welt­bank Struk­tur­an­pas­sungs­maß­nah­men durch­füh­ren müs­sen. Die­se beinhal­ten unter anderem:

  • Nach­fra­ge­dros­se­lun­gen, Lohn­sen­kun­gen und Kür­zung der Staatsausgaben
  • Abwer­tung der Wäh­rung, was Impor­te erschwert und Expor­te erleichtert
  • Libe­ra­li­sie­rung
  • Dere­gu­lie­rung von Märk­ten und Prei­sen, Abbau von Subventionen
  • Pri­va­ti­sie­rung öffent­li­cher Unter­neh­men und Einrichtungen

Damit haben IWF und Welt­bank eine schon län­ger bestehen­de Pra­xis for­ma­li­siert. De fac­to wur­de mit dem Washing­ton Con­sen­sus den Ent­wick­lungs­län­dern eine import­sub­situ­ie­ren­de Indus­tria­li­sie­rung unmög­lich gemacht. Die bis­her exis­tie­ren­de, auf dem Welt­markt nicht wett­be­werbs­fä­hi­ge, Indus­trie wur­de zer­stört. Die Öko­no­mien der betrof­fe­nen Län­der wur­den auf die Bedürf­nis­se des inter­na­tio­na­len Kapi­tals zuge­schnit­ten. Sie soll­ten vor allem als Quel­le bil­li­ger Roh­stof­fe und Arbeits­kräf­te die­nen. Gro­ße Tei­le der Gesell­schaft ver­elen­de­ten. Für die Ent­wick­lungs­län­der began­nen die bei­den ver­lo­re­nen Jahr­zehn­te.29

Ande­re Ver­trä­ge wie das geheim ver­han­del­te MAI (Mul­ti­la­te­ral Agree­ment on Invest­ment) konn­ten in den 90er Jah­ren nicht durch­ge­setzt werden.

Hin­zu kommt eine Viel­zahl von bila­te­ra­len Ver­trä­gen zum Bei­spiel zum Inves­ti­ti­ons­schutz, die zwi­schen den USA und der EU einer­seits und Ent­wick­lungs­län­dern ande­rer­seits abge­schlos­sen wurden.

Frei­han­dels­bünd­nis­se wie die EG (spä­ter EU) und ASE­AN wur­den gestärkt. Das Nord­ame­ri­ka­ni­sche Frei­han­dels­ab­kom­men NAFTA, das die USA, Kana­da und Mexi­ko umfasst, wur­de erst 1994 gegründet.

Infor­mel­le Dis­kus­si­ons­fo­ren der reichs­ten Kapi­ta­lis­ten der Welt wie das World Eco­no­mic Forum gewan­nen in den 90er Jah­ren an Bedeu­tung. Sei­ne Macht wur­de von der glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Bewe­gung bereits als so hoch ein­ge­schätzt, dass zwi­schen 2001 und 2018 Gegen­gip­fel in Form des Welt­so­zi­al­fo­rums statt­fan­den. Das ers­te Welt­so­zi­al­fo­rum wur­de in Por­to Alegre (Bra­si­li­en) abgehalten.

Durch die­se Ent­wick­lun­gen haben sich im trans­na­tio­na­len Raum Kno­ten­punk­te und Ele­men­te einer über­staat­li­chen Macht gebil­det, die weit über lose For­men der Koope­ra­ti­on zwi­schen den Staa­ten hin­aus­gin­gen. Orga­ni­sa­tio­nen wie der IWF, die Welt­bank, die WTO, die OECD, die G8, infor­mel­le Tref­fen wie das Welt­wirt­schafts­fo­rum in Davos und regio­na­le Struk­tu­ren wie die EU, die NAFTA etc. bil­den ein immer dich­ter wer­den­des Geflecht, dass die gegen­wär­ti­gen Macht­ver­hält­nis­se zemen­tiert. Die­se Orga­ni­sa­tio­nen sind von den Kräf­te­ver­hält­nis­sen in den Natio­nal­staa­ten rela­tiv unab­hän­gig und nur schwach demo­kra­tisch legi­ti­miert, was durch­aus auch beab­sich­tigt ist. Es kam zur Her­aus­bil­dung eines trans­na­tio­na­len Macht­blocks aus Ver­mö­gens­be­sit­zern, Groß­un­ter­neh­men und domi­nie­ren­den Natio­nal­staa­ten.30

Hier­durch wur­de eine Basis geschaf­fen für eine immer stär­ke­re Ver­flech­tung der ein­zel­nen Öko­no­mien. So nah­men aus­län­di­sche Direkt­in­ves­ti­tio­nen von 13,3 Mrd. Dol­lar im Jahr 1970 auf 18 Bil­lio­nen Dol­lar im Jahr 2007 zu31. Von die­sen 18 Bil­lio­nen flos­sen 12 in Indus­trie­län­der, der Rest in Ent­wick­lungs­län­der, wobei Chi­na mit 83 Mrd. das größ­te Emp­fän­ger­land von Direkt­in­ves­ti­tio­nen im Süden war. Mit einem gro­ßen Teil die­ser Inves­ti­tio­nen woll­ten Kon­zer­ne über Fusio­nen und Akqui­si­tio­nen durch Still­le­gung der über­nom­me­nen Fir­ma einen grö­ße­ren Markt­an­teil an sich rei­ßen oder sie ver­folg­ten den Zweck, die eigent­li­chen Pro­duk­ti­ons­be­rei­che an Nied­rig­lohn­stand­or­te zu ver­la­gern. Letz­te­res geschieht häu­fig durch Out­sour­cing und Sub­con­trac­ting im Rah­men von Trans­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­netz­wer­ken. Es kam also zu einem gigan­ti­schen Pro­zess von Kon­zen­tra­ti­on und Zen­tra­li­sa­ti­on des Kapi­tals, in des­sen Ver­lauf sich glo­ba­le Oli­go­po­le her­aus­bil­de­ten. In vie­len Bran­chen, z. B. der Auto­mo­bil­in­dus­trie, der Her­stel­lung von Com­pu­ter-Pro­zes­so­ren oder der Unter­hal­tungs­in­dus­trie wird der Welt­markt von weni­ger als einem Dut­zend Fir­men kontrolliert.

Ren­ta­bi­li­täts­nor­men gel­ten glei­cher­ma­ßen für die gesam­te Erde. Nach Marx voll­zieht sich die Aus­bil­dung einer ein­heit­li­chen Pro­fi­tra­te umso rascher,

  1. je mobi­ler das Kapital
  2. je rascher die Arbeits­kraft von einer Sphä­re in die ande­re und von einem »Lokal­sitz« der Pro­duk­ti­on in den ande­ren wech­seln kann.32

Eine voll­stän­di­ge Kapi­tal­mo­bi­li­tät war zwi­schen­zeit­lich auf Welt­ebe­ne erreicht. Eben­falls ist es den Arbei­tern welt­weit pro­blem­los mög­lich, von einer Sphä­re (z. B. der Land­wirt­schaft) in die ande­re (z. B. Indus­trie) zu wech­seln. Eine voll­stän­di­ge geo­gra­phi­sche Mobi­li­tät der Ware Arbeits­kraft war aller­dings zu kei­nem Zeit­punkt gege­ben. Das war aber auch nicht unbe­dingt not­wen­dig. Denn in den OECD-Län­dern waren im Jahr 2005 ins­ge­samt 128 Mio. Men­schen in der Indus­trie­pro­duk­ti­on beschäf­tigt. Die rie­si­ge indus­tri­el­le Reser­ve­ar­mee Chi­nas hat­te im glei­chen Jahr eine Grö­ße von 430 Mio. Men­schen33. Theo­re­tisch könn­ten alle indus­tri­el­len Tätig­kei­ten der OECD-Län­der allein durch chi­ne­si­sche Arbeits­kräf­te aus­ge­übt wer­den. Des­halb gra­vi­tier­te der Wert der Ware Arbeits­kraft welt­weit immer stär­ker nach unten in Rich­tung auf die chi­ne­si­schen Löhne.

Aus West­eu­ro­pa wur­den Betrie­be in die ost­eu­ro­päi­schen EU-Mit­glieds­län­der ver­la­gert. Auf die dort lang­sam stei­gen­den Löh­ne reagier­ten vie­le Betrie­be durch wei­te­re Ver­la­ge­run­gen in Län­der mit noch gerin­ge­ren Löh­nen. Aber auch aus zahl­rei­chen frei­en Pro­duk­ti­ons­zo­nen Mexi­kos, den Phil­ip­pi­nen oder Indo­ne­si­en wur­den Betrie­be nach Chi­na ver­la­gert, weil dort die Löh­ne noch nied­ri­ger sind.34 Des­halb bestimm­ten sie immer stär­ker den glo­ba­len Wert der Ware Arbeitskraft.

Dem­nach bil­de­ten sich lang­sam ein­heit­li­che Welt­markt­prei­se und eine ein­heit­li­che Pro­fi­tra­te her­aus. Pro­du­zen­ten, wel­che mit den welt­weit pro­duk­tivs­ten Fir­men nicht kon­kur­rie­ren kön­nen, muss­ten frü­her oder spä­ter aufgeben.

Nicht mehr ein­zel­nen Groß­ban­ken, son­dern die welt­wei­ten Finanz­märk­te übten nun ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Real­wirt­schaft auf. Durch die Mög­lich­keit der sofor­ti­gen Ver­la­ge­rung von Inves­ti­tio­nen gelang es ihnen, ihre sehr hohen Ren­di­te­er­war­tun­gen in den Unter­neh­men durch­zu­set­zen und sie auf eine Stra­te­gie der kurz­fris­ti­gen Ren­ta­bi­li­tät fest­zu­le­gen, not­falls auch auf Kos­ten ihrer Sub­stanz. Auch gan­ze Volks­wirt­schaf­ten wur­den durch Ver­la­ge­rungs­dro­hun­gen gezwun­gen, eine kapi­tal­freund­li­che Poli­tik zu betrei­ben. Die meis­ten Ent­wick­lungs­län­der sind durch die Struk­tur­an­pas­sungs­pro­gram­me des IWF für aus­län­di­sches Kapi­tal geöff­net wor­den. Kern des Sys­tems der Finanz­märk­te ist der Wall-Street-Finanz­mi­nis­te­ri­ums-Kom­plex der USA, der den Washing­ton-Con­sen­sus defi­nier­te. Aber auch die Finanz­märk­te in Lon­don, Frank­furt und Tokio hat­ten welt­wei­te Bedeu­tung. Da die Pro­fi­te der Real­wirt­schaft häu­fig nicht aus­rei­chen, gewin­nen Pro­zes­se der Akku­mu­la­ti­on durch Ent­eig­nung an Bedeu­tung.35

Ent­wick­lungs­län­der konn­ten mit den inzwi­schen extrem hohen welt­wei­ten Pro­duk­ti­vi­täts­stan­dards nicht mehr mit­hal­ten und deren Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät wur­de zum größ­ten Teil von Welt­markt still­ge­legt. In die Welt­wirt­schaft inte­griert sind hier nur noch Inseln höchs­ter Pro­duk­ti­vi­tät, etwa Fer­ti­gungs­be­trie­be in den frei­en Pro­duk­ti­ons­zo­nen oder Betrie­be zur För­de­rung begehr­ter Roh­stof­fe. Gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung die­ser Län­der hat­ten kei­nen Zugang mehr zu einer for­ma­len Beschäf­ti­gung. Sie vege­tie­ren in Slums der Groß­städ­te, sind zur Sub­sis­tenz­wirt­schaft zurück­ge­kehrt oder sind bei einem völ­li­gen Staats­zer­fall in der Plün­de­rungs­öko­no­mie aktiv.36 Aber auch in den Metro­po­len kam es zur Ver­elen­dung gan­zer Bevöl­ke­rungs­tei­le, wäh­rend umge­kehrt in Län­dern wie Chi­na und Indi­en eine Mit­tel­klas­se aus meh­re­ren 100 Mil­lio­nen Men­schen ent­stand. Das war zwar abso­lut eine hohe Zahl, aber im Ver­gleich zu der Gesamt­be­völ­ke­rung die­ser Län­der eher wenig.

Inner­halb der inzwi­schen welt­weit ver­teil­ten Wert­schöp­fungs­ket­ten exis­tier­te eine kla­re Hier­ar­chie, an deren Spit­ze die gro­ßen for­schen­den Mar­ken­un­ter­neh­men aus den Indus­trie­län­dern ste­hen. Sie konn­ten sich den größ­ten Anteil des in ihren Pro­duk­ti­ons­netz­wer­ken anfal­len­den Mehr­werts aneig­nen. Eine Stu­fe tie­fer stan­den die gro­ßen Auf­trags­fer­ti­ger, die teil­wei­se in Indus­trie- und teil­wei­se in Ent­wick­lungs­län­dern ange­sie­delt sind. Am unte­ren Ende der Wert­schöp­fungs­ket­ten stan­den die Unter­auf­trag­neh­mer aus Ent­wick­lungs­län­dern. Nach den Wor­ten von Chris­ti­an Zel­ler kann die Geo­gra­phie des neu­en Impe­ria­lis­mus als eine Kas­ka­de inein­an­der­ge­scho­be­ner Hier­ar­chien und Herr­schafts­ver­hält­nis­sen bezeich­net wer­den, die trotz Her­stel­lung eines glo­ba­len Ver­wer­tungs­raums neue Grä­ben und Ver­wer­fun­gen ent­ste­hen lässt.37

Aller­dings wäre die neo­li­be­ra­le Glo­ba­li­sie­rung undenk­bar gewe­sen ohne die über­ra­gen­de US-ame­ri­ka­ni­sche Mili­tär­macht. Tho­mas Fried­mann von der New York-Times for­mu­lier­te die­se Erkennt­nis tref­fend 1999:

Damit der Glo­ba­lis­mus funk­tio­niert, darf Ame­ri­ka sich nicht scheu­en, als die all­mäch­ti­ge Super­macht zu han­deln, die es ist. Die unsicht­ba­re Hand des Mark­tes wird nie ohne eine unsicht­ba­re Faust funk­tio­nie­ren. McDo­nalds kann nicht ohne den F‑15-Kon­struk­teur McDon­nell Dou­glas flo­rie­ren. Und die unsicht­ba­re Faust, die dafür sorgt, dass die Welt für Sili­con-Val­ley-Tech­no­lo­gien sicher ist, heißt Heer, Luft­waf­fe, Mari­ne und Mari­ne­in­fan­te­rie der USA.38

Aber noch blieb die US-Mili­tär­ma­schi­ne­rie meis­tens in der Hinterhand.

Neben der trans­na­tio­na­len Ebe­ne wur­den im Neo­li­be­ra­lis­mus auch die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten von eini­gen Regio­nen und Städ­ten gestärkt. Noch im Spät­ka­pi­ta­lis­mus wur­de ange­strebt, in allen Regio­nen eines Lan­des unge­fähr gleich­wer­ti­ge Lebens­ver­hält­nis­se her­zu­stel­len. Jetzt ent­wi­ckeln sich ein­zel­nen Städ­te­sys­te­me radi­kal aus­ein­an­der. Einer­seits nahm die Bedeu­tung von sog. Glo­bal Cities zu. Sie ste­hen im Zen­trum eines neu­ar­ti­gen Städ­te­sys­tems. In ihnen sind Finanz­märk­te, Zen­tren von Ban­ken und trans­na­tio­na­len Unter­neh­mens­netz­wer­ken sowie hoch­wer­ti­ge, unter­neh­mens­ori­en­tier­te Dienst­leis­ter kon­zen­triert. Sie sind unter­ein­an­der dicht ver­netzt und bezie­hen sich viel­fach stär­ker auf­ein­an­der, als auf ihr unmit­tel­ba­res Umfeld, von dem sie sich ten­den­zi­ell ent­kop­peln. Bei­spie­le für sol­che Glo­bal Cities sind New York, Lon­don oder Frank­furt am Main. Eini­ge Städ­te der Drit­ten Welt wie Hong-Kong, Mani­la und Tai­peh konn­ten sich im har­ten glo­ba­len Stand­ort­wett­be­werb behaup­ten, indem sie sich erfolg­reich auf die unmit­tel­ba­re Steue­rung der mate­ri­el­len Pro­duk­ti­on im Auf­trag der gro­ßen Netz­werk­fir­men spe­zia­li­sie­ren.39

Ande­rer­seits kam es auch in den Indus­trie­län­dern zum einem Abstieg der gro­ßen Indus­trie­re­vie­re wie dem Ruhr­ge­biet und zahl­rei­cher wei­te­rer Städ­te wie Lyon und Mar­seil­le. In den Län­dern der Drit­ten Welt gibt es vie­le Städ­te wie Lagos oder Mexi­co City, die zum größ­ten Teil aus Slums bestehen. Nach einer Stu­die der UNO leb­ten im Jahr 2005 von den welt­weit mehr als 3,2 Mil­li­ar­den Stadt­be­woh­ner über eine Mil­li­ar­de in Slums. Das Wachs­tum die­ser Slums wur­de durch die grü­ne Revo­lu­ti­on in den 70er Jah­ren und die Struk­tur­an­pas­sungs­pro­gram­me der 80er und 90er Jah­re erheb­lich beschleu­nigt. Durch die­se von IWF und Welt­bank auf­ge­zwun­ge­nen Maß­nah­men wur­den in vie­len Län­dern der öffent­li­che Dienst stark redu­ziert und durch Markt­öff­nun­gen die natio­na­le Indus­trie und Land­wirt­schaft ent­we­der erheb­lich geschä­digt oder ganz ver­nich­tet.40 Aber auch in den Indus­trie­län­dern brei­te­ten sich Elends­quar­tie­re aus, wäh­rend sich die Rei­chen mehr und mehr in »gated com­mu­nities« zurückzogen.

Gegen Ende der 90er Jah­re hat­ten sich die Metho­den der rela­tiv fried­li­chen Kapi­tal­ex­pan­si­on lang­sam erschöpft. Wie oben beschrie­ben, soll­ten stän­dig statt­fin­den­de Ver­hand­lungs­run­den zu einer kom­plet­ten Libe­ra­li­sie­rung des Welt­han­dels füh­ren. Aller­dings konn­ten sich die Teil­neh­mer der WTO-Minis­ter­kon­fe­renz, die in Seat­tle vom 30. Novem­ber bis zum 2. Dezem­ber 1999 statt­fand, nicht mehr auf wei­te­re Libe­ra­li­sie­rungs­schrit­te eini­gen. Die Inter­es­sen­ge­gen­sät­ze zwi­schen Indus­trie- und Ent­wick­lungs­län­dern waren unüber­brück­bar geworden.

Hin­zu kam, dass in Seat­tle erst­mals mili­tan­te Pro­tes­te von Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­kern statt­fan­den. Das Netz­werk »Peo­p­les Glo­bal Action« hat­te zu einer Blo­cka­de des Gip­fels auf­ge­ru­fen, was teil­wei­se auch gelang. Im Rah­men der Bericht­erstat­tung über die­sen Gip­fel ging das Inter­net-Por­tal Indy­m­e­dia online. In Genua pro­tes­tier­ten im Juli 2001 zwi­schen 300.000 und einer Mil­li­on Men­schen erneut teils mili­tant gegen den G8-Gip­fel. Es ent­wi­ckel­ten sich bür­ger­kriegs­ähn­li­che Zustän­de. Ein Demons­trant wur­de getö­tet, zahl­rei­che wei­te­re von der Poli­zei schwer ver­letzt. Auto­no­me bewirk­ten einen gro­ßen Sach­scha­den, indem sie zahl­rei­che Geschäf­te »ent­glas­ten«.

Hin­ter­grund die­ser Ent­wick­lung war, dass in den 90er Jah­ren immer mehr Bewoh­ner der Indus­trie­län­der die Erfah­rung mach­ten, dass die Glo­ba­li­sie­rung gra­vie­ren­de nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen für sie selbst hat­te. Wie oben beschrie­ben, wur­den zahl­rei­che Indus­trie­be­trie­be nach Ost­eu­ro­pa oder Chi­na ver­legt, Arbeits­plät­ze mas­siv abge­baut, zahl­rei­che Betrie­be und Ein­rich­tun­gen der Daseins­vor­sor­ge wur­den pri­va­ti­siert, was deren Ser­vice ver­schlech­ter­te und die Gebüh­ren stei­gen ließ, der Sozi­al­staat wur­de zurück­ge­schnit­ten und die geis­ti­gen Eigen­tums­rech­te mas­siv ver­schärft. Zu allem Über­fluss platz­te auch noch im März 2000 die Dot.com-Blase, das heißt, an den Bör­sen gab es einen bis­her nie gese­he­nen Kurs­sturz beson­ders der Wer­te der so genann­te New Eco­no­my, also Fir­men im Bereich Inter­net und Computer.

Gegen die­se nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen wand­te sich eine immer mili­tan­ter auf­tre­ten­de Antiglo­ba­li­sie­rungs­be­we­gung. Auch in der Drit­ten Welt nah­men Bewe­gun­gen gegen den Neo­li­be­ra­lis­mus einen neu­en Auf­schwung. Das zeig­te sich zum Bei­spiel am Wahl­sieg des cha­ris­ma­ti­schen Mili­tärs Hugo Cha­vez in Vene­zue­la im Jahr 1998. Die­se Ereig­nis­se zeig­ten, dass der neo­li­be­ra­le Kapi­ta­lis­mus kei­nes­wegs fest im Sat­tel saß, son­dern zuneh­mend Gegen­kräf­te mobi­li­sier­te, die – wenn die Ent­wick­lung so wei­ter geht – erneut die Macht­fra­ge stel­len könnten.

4.6 Der kriegerische Neoliberalismus

Die­se Schwie­rig­kei­ten wur­den am 11. Sep­tem­ber 2001 mit einem Schlag über­wun­den. Nach den Anschlä­gen auf das World Tra­de Cen­ter und das Pen­ta­gon erklär­te der seit 2001 amtie­ren­de US-Prä­si­dent Geor­ge W. Bush den glo­ba­len Krieg gegen den Ter­ror, der Jahr­zehn­te dau­ern kön­ne. Ohne grö­ße­ren Wider­spruch wur­de im gan­zen Wes­ten eine Mas­sen­über­wa­chung instal­liert, die glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­sche Bewe­gung still­ge­legt und zahl­rei­che Län­der ange­grif­fen, vor allem »ehe­ma­li­ge sowje­ti­sche Kli­en­tel­re­gime« im Nahen Osten wie der Irak, Liby­en und Syri­en. Hier­mit soll­ten ande­re Län­der ein­ge­schüch­tert wer­den, sich dem Wil­len der USA auch in öko­no­mi­scher Hin­sicht zu beugen.

Der Anschlag vom 11. Sep­tem­ber pass­te so gut in das Kon­zept der US-Regie­rung, dass der begrün­de­te Ver­dacht besteht, dass da nach­ge­hol­fen wur­de. Schließ­lich hat­ten pro­mi­nen­te Neo­kon­ser­va­ti­ve in ihrem Report Rebuil­ding Ame­ri­cas Defen­ses aus dem Jahr 2000 für den Think­tank Pro­ject for an new Ame­ri­can Cen­tu­ry ziem­lich unver­hoh­len ein kata­ly­sie­ren­des Ereig­nis wie ein neu­es Pearl Har­bour her­bei­ge­sehnt.41 Damit soll­te eine mas­si­ve Auf­rüs­tung des US-Mili­tärs und Angrif­fe auf Staa­ten wie die KDVR, den Irak, Iran und Syri­en gerecht­fer­tigt werden.

Am Pro­ject for an new Ame­ri­can Cen­tu­ry waren unter ande­rem betei­ligt: Dick Che­ney (Vize­prä­si­dent unter Bush), Donald Rums­feld (Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter unter Bush), Paul Wol­fo­witz (Stell­ver­tre­ten­der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter), Jeb Bush (Bru­der von Geor­ge W. Bush), Lewis Lib­by (Che­neys Stabs­chef) und John Bol­ton (UNO-Bot­schaf­ter unter Bush).

Bereits die Prä­si­dent­schafts­wah­len im Jahr 2000 zwi­schen Clin­tons Vize­prä­si­dent Al Gore und Geor­ge W. Bush waren von Betrugs­vor­wür­fen zuguns­ten von Bush und der Repu­bli­ka­ner über­schat­tet. Offen­bar woll­ten ent­schei­den­de Frak­tio­nen der herr­schen­den Klas­se, dass mit Bush die neo­kon­ser­va­ti­ven Kriegs­trei­ber an die Macht kamen.

Bekannt­lich ent­führ­ten nach der offi­zi­el­len Dar­stel­lung am 11. Sep­tem­ber 2001 Mit­glie­der der isla­mis­ti­schen Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Al Qai­da in den USA vier Pas­sa­gier­flug­zeu­ge. Zwei steu­er­ten sie in die Hoch­häu­ser World Tra­de Cen­ter 1 und 2, die in der Fol­ge ein­stürz­ten; eines flog in das Pen­ta­gon und das letz­te Flug­zeug stürz­te auf ein Feld bei dem Ort Shanks­vil­le in Pennsylvanien.

Aller­dings gibt es gro­ße Pro­ble­me mit die­ser offi­zi­el­len Dar­stel­lung42, beson­ders bei fol­gen­den Punkten:

  1. Nicht die Tat­sa­che dass, son­dern wie die bei­den Hoch­häu­ser WTC 1 und 2 ein­ge­stürzt sind, ist das Pro­blem. So hät­ten nach den Geset­zen der Phy­sik (3. New­ton­sches Gesetz nach­dem Akti­on = Reak­ti­on, Impuls­er­hal­tung) nur die obe­ren, abge­trenn­ten Stock­wer­ke und die­je­ni­gen Stock­wer­ke unter­halb der Ein­schlag­stel­le zer­stört wer­den sol­len, die in der Höhe den obe­ren Stock­wer­ken ent­spre­chen. Wenn zum Bei­spiel das Flug­zeug 15 Eta­gen unter­halb des Daches ein­schlug, wür­den bei einem Ein­sturz die­se Eta­gen und 15 unter­halb der Ein­schlag­stel­le zer­stört wer­den. Es ist nicht ersicht­lich, woher die Ener­gie gekom­men sein soll­te, die Gebäu­de kom­plett zu zer­stö­ren. Tat­säch­lich aber sind sie mit 2/3 der Frei­fall­ge­schwin­dig­keit voll­stän­dig in ihren eige­nen Grund­riss gestürzt. Das aber ist nur mög­lich, wenn alle tra­gen­den Tei­le auf ein­mal ver­sa­gen.43
  2. Das Hoch­haus WTC 7 wur­de nicht von einem Flug­zeug getrof­fen. Den­noch stürz­te es in nahe­zu Frei­fall­ge­schwin­dig­keit in sich zusam­men, angeb­lich nur durch Brän­de ver­ur­sacht. Eine Unter­su­chung der Uni­ver­si­tät von Alas­ka ergab, dass Feu­er nicht die Ursa­che des Ein­stur­zes gewe­sen sein kann. Das WTC 7 muss also gesprengt wor­den sein.44
  3. Das deut­lich sicht­ba­re Loch in der Außen­wand des Pen­ta­gon passt beim bes­ten Wil­len nicht mit der Brei­te einer Boe­ing 757 – 200 zusammen.
  4. Der Flug United 93, eben­falls eine Boe­ing 757 – 200 mit 47,32 m Län­ge, soll sich bei Shanks­vil­le in Penn­syl­va­ni­en ver­ti­kal in einen Acker gebohrt haben und in einem Loch voll­stän­dig ver­schwun­den sein. Aller­dings beginnt bei den für die gemä­ßig­te Zone typi­schen Brau­ner­de­bö­den bereits in meh­re­ren Metern Tie­fe die Fels­schicht. An die­ser müss­te das Flug­zeug zer­schellt sein.45
  5. Die Flug­zeu­ge der Flü­ge Ame­ri­can 11 und United 175, die das WTC tra­fen, flo­gen nahe an der Schall­ge­schwin­dig­keit, was in den unte­ren Berei­chen der Atmo­sphä­re nicht mög­lich ist. Sol­che Geschwin­dig­kei­ten hät­ten die­se Flug­zeu­ge zer­stö­ren müssen.
  6. Die Flug­zeu­ge Ame­ri­can 11 (Ein­schlag in WTC 1), Ame­ri­can 77 (Pen­ta­gon) und United 175 (WTC 2) flo­gen Manö­ver, die selbst erfah­re­ne Pilo­ten über­for­dern. Es ist nicht ersicht­lich, wie flie­ge­ri­sche Lai­en die­se Manö­ver aus­ge­führt haben könn­ten.46

Letzt­lich bleibt nur die Schluss­fol­ge­rung, dass Grup­pie­run­gen inner­halb der US-Regie­rung die Flug­zeug­ent­füh­run­gen nicht nur haben gesche­hen las­sen, son­dern direkt »nach­ge­hol­fen« haben, um ein von den Neo­kon­ser­va­ti­ven her­bei­ge­sehn­tes kata­ly­sie­ren­des Ereig­nis, ein neu­es Pearl Har­bour zu schaf­fen. Damit wur­de die glo­ba­le Kriegs­er­klä­rung des Wes­tens an den Ter­ro­ris­mus gerechtfertigt.

Einer­seits dien­te die­ser kata­stro­pha­le Ter­ror­an­schlag dazu, die zuneh­men­de Unru­he in der Bevöl­ke­rung der west­li­chen Welt still­zu­le­gen und sie hin­ter ihren Füh­run­gen zu ver­sam­meln. Noch im Spät­ka­pi­ta­lis­mus regier­ten die Herr­schen­den mit einem Klas­sen­kom­pro­miss. Wer die Leit­ideo­lo­gie des Anti­kom­mu­nis­mus akzep­tier­te, konn­te rela­tiv gut leben und erwar­ten, dass es sei­ne Kin­der noch bes­ser haben würden.

Jetzt aber hat­ten die Kapi­ta­lis­ten der ein­fa­chen Bevöl­ke­rung nichts mehr anzu­bie­ten. Sie waren abso­lut unwil­lig, ihr auch nur die gerings­ten öko­no­mi­schen Zuge­ständ­nis­se zu machen. Unter die­sen Umstän­den ent­schied sich die Bour­geoi­sie, nun mit Angst zu regie­ren. Sie stütz­te sich dabei unter ande­rem auf die For­schun­gen des Poli­to­lo­gen Phil­ip Zeli­kow, der an der Uni­ver­si­tät von Vigi­nia in Char­lot­tevil­le lehrt. Nach Zeli­kow wird Poli­tik um bestimm­te öffent­li­che Mythen her­um auf­ge­baut. Bei die­sen Mythen han­delt es sich um Vor­stel­lun­gen, die die Mas­sen für wahr hal­ten, weil sie von den Auto­ri­tä­ten ver­tre­ten wer­den. Die­se Mythen müs­sen tat­säch­lich nicht wahr sein. Ent­schei­dend ist, dass sie den Men­schen durch scho­ckie­ren­de Ereig­nis­se mit prä­gen­der Wir­kung, die Angst und Panik erzeu­gen, ein­ge­brannt werden.

Zeli­kow konn­te sei­ne Theo­rie nach 9/11 in die Pra­xis umset­zen. Denn er war Exe­cu­ti­ve Direc­tor der 9/11-Kom­mis­si­on des US-Kon­gres­ses, die vom 22. Dezem­ber 2002 bis zum 21. August 2004 tag­te. Zudem war er Haupt­au­tor des am 22. Juli 2004 vor­ge­stell­ten Com­mis­si­on-Reports.47

Regie­ren durch Angst soll­te sich als eine extrem effek­ti­ve Metho­de erwei­sen, die Bevöl­ke­rung zum Gehor­sam zu zwin­gen. Die Ter­ro­ris­mus­furcht wur­de durch zahl­rei­che wei­te­re Anschlä­ge auf­recht erhal­ten, so die Anschlä­ge auf voll­be­setz­te Pend­ler­zü­ge in Madrid im Jahr 2004, die Anschlä­ge auf Lon­do­ner U‑Bahn-Sta­tio­nen und Bus­se im Jahr 2005 und die Anschlä­ge auf die Redak­ti­on der Sati­re­zeit­schrift Char­lie Heb­do und den Kon­zert­saal Bata­clan in Paris im Jahr 2015. Auch bei die­sen Anschlä­gen gibt es zahl­rei­che unge­klär­te Fragen.

Als die Ter­ro­ris­mus­furcht in der Bevöl­ke­rung lang­sam ver­blass­te, schal­te­ten Medi­en und Poli­tik auf die Umwelt- und Kli­ma­hys­te­rie um. In den 10er Jah­ren wur­den in die­sem Bereich zahl­rei­che Angst­kam­pa­gnen gefah­ren, so die Strah­len­angst­kam­pa­gne nach dem Reak­tor­un­glück von Fuku­shi­ma 2011, die Die­sel­hys­te­rie 2016 – 17, die Gly­pho­sat­pa­nik 2018, und schließ­lich ab 2019 die CO2-Panik. Dazwi­schen gab es immer wie­der auf­ge­bausch­te Lebens­mit­tel­skan­da­le. Die­se Kli­ma­hys­te­rie ging 2020 naht­los in die Coro­na-Hys­te­rie über.

Die glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­sche Bewe­gung wur­de wie gesagt still­ge­legt. Die Poli­zei wur­de auf­ge­stockt, bes­ser bewaff­net und eine Mas­sen­über­wa­chung der Bevöl­ke­rung durch­ge­drückt. Von den nega­ti­ven Fol­gen der Glo­ba­li­sie­rung war in den Medi­en nicht mehr die Rede. Statt­des­sen wur­de ein Kul­tur­kampf gegen den radi­ka­len Islam und gegen Ara­ber im All­ge­mei­nen insze­niert. Bei wei­te­ren Gip­feln fuhr die Poli­zei eine Null-Tole­ranz-Tak­tik. Die Men­schen lie­ßen sich ein­schüch­tern und stell­ten den Kapi­ta­lis­mus weit über­wie­gend nicht mehr in Fra­ge. Die Repres­si­on rich­te­te sich haupt­säch­lich gegen radi­ka­le­re Tei­le der glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Bewe­gung, wie dem Netz­werk Peo­p­les Glo­bal Action. Gemä­ßig­te­re Orga­ni­sa­tio­nen wie ATTAC48 wur­den zunächst von den Medi­en hoch­ge­schrie­ben, dann Tei­le des Füh­rungs­per­so­nals besto­chen sowie die Orga­ni­sa­ti­on mit halt­lo­sen Anti­se­mi­tis­mus- und Gewalt­vor­wür­fen trak­tiert. In den 10er Jah­ren war jeder anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Impe­tus der glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Bewe­gung erlo­schen.49

Als Teil des glo­ba­len Krie­ges gegen den Ter­ror grif­fen die USA noch im Jahr 2001 Afgha­ni­stan an und besetz­ten das Land. Im Jahr 2003 folg­te der Irak­krieg. Das US-Mili­tär stürz­te die Regie­rung von Prä­si­dent Sad­dam Hus­sein und eta­blier­te eben­falls ein Besat­zungs­re­gime. Dar­auf­hin kam es zu einem jah­re­lan­gen Gue­ril­la­krieg, wobei die US-Luft­waf­fe Flä­chen­bom­bar­de­ments gegen die Auf­stän­di­schen ein­setz­te und zahl­rei­che Städ­te wie Fal­lud­scha dem Erd­bo­den gleichmachte.

Das US-Mili­tär bekämpf­te isla­mis­ti­sche und kom­mu­nis­ti­sche Auf­stän­di­sche auch auf den Phil­ip­pi­nen und in Soma­lia. Paki­stan ent­wi­ckel­te sich seit 2004 zu einem Ver­suchs­la­bor des US-Droh­nen­krie­ges. Unbe­mann­te Flug­kör­per rot­te­ten nicht nur die paki­sta­ni­schen Able­ger der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Al Qai­da und Isla­mi­scher Staat in den Stam­mes­ge­bie­ten aus, son­dern töte­ten auch zahl­rei­che Zivi­lis­ten, dar­un­ter gan­ze Hochzeitsgesellschaften.

Im Rah­men des Krie­ges gegen den Ter­ror bekämpf­te die NATO auch die Pira­te­rie am Horn von Afri­ka. Im Jahr 2011 grif­fen Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und die USA mit Erlaub­nis des UN-Sicher­heits­ra­tes Liby­en an und stürz­ten sei­nen obers­ten Reprä­sen­tan­ten Muammar al-Ghad­af­fi. Der Syri­en­krieg ab 2011 führ­te wegen des Ein­grei­fens Russ­lands nicht mehr zum Sturz von Prä­si­dent Bas­hir al-Assad. Den­noch leg­te der Wes­ten das Land durch ver­krüp­peln­de Sank­tio­nen lahm und stürz­te die Bevöl­ke­rung ins Elend.

Das heißt, die USA haben in Afgha­ni­stan, Irak und Liby­en Regim­chan­ge durch­ge­führt und einen sol­chen in Syri­en ver­sucht. Außer­dem war das US-Mili­tär auf den Phil­ip­pi­nen, in Soma­lia, dem Sudan, im Liba­non und in Paki­stan aktiv. Die von Gene­ral Wes­ley Clark nach 9/11 berich­te­te neo­kon­ser­va­ti­ve Kriegs­pla­nung (»7 Län­der in 5 Jah­ren«) wur­de also fast voll­stän­dig abge­ar­bei­tet. Nur an den Iran trau­te sich das US-Mili­tär doch nicht heran.

US-ame­ri­ka­ni­sche Kriegs­schif­fe sind spä­tes­tens seit den 80er Jah­ren im Per­si­schen Golf aktiv. Als Reak­ti­on auf die sowje­ti­sche Mili­tär­in­ter­ven­ti­on in Afgha­ni­stan ver­kün­de­te US-Prä­si­dent Car­ter 1980 die Car­ter-Dok­trin, wonach die USA jedes Aus­grei­fen der Sowjet­uni­on in Rich­tung Per­si­schen Golf mit Waf­fen­ge­walt ver­hin­dern und not­falls auch Nukle­ar­waf­fen zu die­sem Zweck ein­set­zen wür­den. Gemeint war natür­lich eine sozia­le Revo­lu­ti­on in den ölrei­chen Gebie­ten des Nahen und mitt­le­ren Ostens, wobei sich neue Arbei­ter­staa­ten an die Sowjet­uni­on anleh­nen könn­ten. Denn die­se Gebie­te waren für das wei­te­re Funk­tio­nie­ren des Kapi­ta­lis­mus von exis­ten­zi­el­ler Bedeu­tung. Die USA woll­ten um kei­nen Preis zulas­sen, dass sie in die Hän­de der Sowjet­uni­on und ihrer Ver­bün­de­ten fal­len könn­ten. Denn es bestand die Befürch­tung, dass die­se dann dem Wes­ten den Ölhahn zudre­hen wür­den. Außer­dem wür­den in die­sem Fall beträcht­li­che Ein­nah­men aus dem Öl- und Gas­ver­kauf für die Ent­wick­lung der Regi­on und der Sowjet­uni­on ein­ge­setzt wer­den und nicht mehr auf die Euro­dol­lar­märk­te in Lon­don strö­men. Dies aber wür­de die glo­ba­le Wäh­rungs­he­ge­mo­nie des Dol­lars emp­find­lich ein­schrän­ken. Die­ses Sze­na­rio woll­ten die USA unter allen Umstän­den ver­hin­dern, not­falls auch um den Preis eines Atom­krie­ges. Aller­dings haben die USA die sowje­ti­sche Inter­ven­ti­on in Afgha­ni­stan durch eine vor­her­ge­hen­de Unter­stüt­zung der radi­kal­is­la­mi­schen Mud­ja­hed­din selbst hervorgerufen.

Seit dem zwei­ten Golf­krieg 1990 sind die USA auch mit Boden­trup­pen in der Golf­re­gi­on ver­tre­ten. 1990 setz­ten die USA zum Sieg über Sad­dam Hus­seins Irak 575.000 Sol­da­ten und sechs Flug­zeug­trä­ger­grup­pen ein. Im Irak­krieg 2003 waren es noch­mal 300.000 Sol­da­ten. Noch im Jahr 2020 waren US-Kampf­trup­pen in der Golf­re­gi­on wie folgt ver­tre­ten:50

  • Afgha­ni­stan: 14.000
  • Kuwait: 13.000
  • Katar: 13.000
  • Bah­rain: 7000

  • Irak: 6000

  • Ver­ei­nig­te Ara­bi­sche Emi­ra­te: 5000

  • Jor­da­ni­en: 3000

  • Sau­di-Ara­bi­en: 3000

  • Syri­en: 800

  • Oman: 606

Hin­zu kom­men zahl­rei­che hier nicht doku­men­tier­te Spe­zi­al­ein­satz­kräf­te, Ver­trags­mit­ar­bei­ter von Pri­vat­fir­men für die Logis­tik der Trup­pe und Söld­ner. Die 5. US-Flot­te kreuzt stän­dig im Per­si­schen Golf, dem Roten Meer, dem Ara­bi­schen Meer und dem Golf von Aden. Sie besteht aus einem Flug­zeug­trä­ger­ver­band, zahl­rei­chen Rake­ten­kreu­zern und amphi­bi­schen Landungsschiffen.

Die Angrif­fe auf »ehe­ma­li­ge sowje­ti­sche Kli­en­tel­re­gime« wie dem Irak, Syri­en, Liby­en und Afgha­ni­stan erfolg­te nicht, weil die­se Staa­ten eine unab­hän­gi­ge Wirt­schafts­po­li­tik betrei­ben wür­den. Sie haben alle mehr oder weni­ge schmerz­haf­te Refor­men durch­ge­führt und sich an den Neo­li­be­ra­lis­mus angepasst.

Geo­stra­te­gi­sches Haupt­ziel der US-Angrif­fe war viel­mehr die Auf­recht­erhal­tung der US-Hege­mo­nie in die­ser Regi­on. Es soll­te auch nach 1990 ver­hin­dert wer­den, dass ande­re Mäch­te am Per­si­schen Golf Fuß fas­sen. Die Ölquel­len und Öltrans­port­rou­ten soll­ten wei­ter­hin in den Hän­den des Wes­tens blei­ben. De fac­to ist das bei den ara­bi­schen Golf­mon­ar­chien der Fall. Ihre herr­schen­de Klas­se kon­su­miert zwar einen beträcht­li­chen Teil der Ölein­nah­men, aber ein noch grö­ße­rer Teil gelangt auf die Finanz­märk­te und steht dort der Spe­ku­la­ti­on zur Verfügung.

Ein wei­te­res geo­stra­te­gi­sches Ziel der USA war ein Aus­grei­fen auf den »eura­si­schen Bal­kan«. Dar­un­ter ver­steht der US-Geo­stra­te­ge Zbi­gniew Brze­zinski die ehe­ma­li­gen Sowjet­re­pu­bli­ken Geor­gi­en, Aser­bai­dschan, Arme­ni­en, Kasach­stan, Usbe­ki­stan, Kir­gi­stan, Tadschi­ki­stan und Turk­me­ni­stan. Die USA woll­ten zunächst Russ­land und Chi­na dort zurück­drän­gen, dann die natio­na­len und reli­giö­sen Gegen­sät­ze anhei­zen, um schließ­lich mili­tä­risch inter­ve­nie­ren zu kön­nen. Das zeigt sich allein dar­an, dass die USA nach 2001 im Gefol­ge des zwei­ten Afgha­ni­stan­krie­ges unter den ver­schie­dens­ten, teil­wei­se absur­den Vor­wän­den dort Mili­tär­stütz­punk­te ein­rich­te­ten. Lang­fris­ti­ges Ziel war eine öko­no­mi­sche Pene­tra­ti­on die­ser Regi­on mit ihren zahl­rei­chen dort lagern­den, extrem wert­vol­len Roh­stof­fen wie Erd­gas und Erd­öl in ver­gleich­bar gro­ßen Men­gen wie am Golf, aber auch Mine­ra­li­en wie Gold und Uran.51

Noch in den 90er Jah­ren konn­ten die USA in Aser­bai­dschan und Turk­me­ni­stan Fuß fas­sen. Die Baku-Tif­lis-Cey­han-Pipe­line pumpt Erd­öl, die Süd­kau­ka­sus-Pipe­line Erd­gas aus Aser­bai­dschan und Turk­me­ni­stan ans tür­ki­sche Mit­tel­meer. Damit konn­te das rus­si­sche Pipe­line­mo­no­pol gebro­chen werden.

Aber damit waren die west­li­chen Erfol­ge in die­ser Regi­on bereits erschöpft. Wäh­rend­des­sen inves­tier­ten ins­be­son­de­re chi­ne­si­sche Fir­men gro­ße Beträ­ge in Zen­tral­asi­en. Mit der Grün­dung der Shang­hai Coope­ra­ti­on Orga­niz­a­ti­on im Jahr 2001, der nicht nur Kasach­stan, Usbe­ki­stan, Kir­gi­stan und Tadschi­ki­stan, son­dern auch Russ­land und Chi­na ange­hö­ren, konn­te die Regi­on sta­bi­li­siert und Kon­flik­te gedämpft wer­den. Hier­zu trug sicher­lich bei, dass der Lebens­stan­dard der Bevöl­ke­rung nicht mehr wie in den 90er Jah­ren rapi­de sank, son­dern sich sta­bi­li­sier­te und lang­sam wie­der anstieg.

Wäh­rend­des­sen setz­ten die USA Afgha­ni­stan und den Irak nach deren Erobe­rung Ultra­schocks aus. Die im Irak beträcht­li­che Indus­trie wur­de flä­chen­de­ckend still­ge­legt, die zer­bomb­te Infra­struk­tur nur zu einem gerin­gen Teil wie­der­her­ge­stellt, die beträcht­li­chen Wäh­rungs­re­ser­ven in die USA geschafft. Die Wirt­schaft wur­de voll­stän­dig dem Welt­markt geöff­net, Zöl­le abge­schafft, die Steu­ern für die Rei­chen radi­kal her­ab­ge­setzt, Streiks und Gewerk­schaf­ten ver­bo­ten. Dafür führ­te US-Ver­wal­ter Paul Bre­mer eine dra­ko­ni­sche Ver­schär­fung der Rech­te des geis­ti­gen Eigen­tums ein. Das abseh­ba­re Resul­tat war eine radi­ka­le Ver­ar­mung der Men­schen und die Pul­ve­ri­sie­rung der Mit­tel­schicht. Eini­ge US-Olig­ar­chen dage­gen haben sich im Irak unter dem Vor­wand des nie statt­fin­den­den Wie­der­auf­baus obs­zön bereichert.

Die­se Ent­wick­lung führ­te der ira­ki­schen Wie­der­stand­be­we­gung immer neue Rekru­ten zu. Der Gue­ril­la­krieg wur­de schließ­lich so stark, dass die US-Trup­pen unter Oba­ma den Irak ver­las­sen mussten.

Wie Robert Kurz zu Recht fest­stell­te, konn­ten die USA in den von ihnen erober­ten Län­dern kein Wie­der­auf­bau­pro­gramm ver­gleich­bar mit dem Mar­shall­plan initi­ie­ren, weil dann die Men­schen in den Metro­po­len eben­falls For­de­run­gen gestellt hät­ten. Ange­sichts der glo­ba­len Kräf­te­ver­hält­nis­se waren aber die ton­ana­ge­ben­den US-Olig­ar­chen zu kei­ner­lei Zuge­ständ­nis­sen an die eige­ne Arbei­ter­klas­se mehr bereit. Das aller­dings führ­te zu einem Schei­tern der weit­aus­grei­fen­den Plä­ne der USA im Nahen und Mitt­le­ren Osten. US-Trup­pen muss­ten sich schmäh­lich aus dem Irak und aus Afgha­ni­stan (2021) zurück­zie­hen, wäh­rend Russ­land und Chi­na ihre Posi­tio­nen fes­ti­gen konn­ten.52

Hin­zu kommt, dass die USA dank der Fracking-Tech­no­lo­gie seit den 10er Jah­ren genü­gend Öl und Gas für den inter­nen Markt pro­du­zie­ren kön­nen und die Euro­pä­er inzwi­schen (Stand 2022) weni­ger als Ver­bün­de­te, son­dern als läs­ti­ge Kon­kur­ren­ten für die US-Indus­trie gel­ten. Die Regi­on, in der die USA seit 1990 drei blu­ti­ge Krie­ge um die Welt­he­ge­mo­nie geführt hat­ten, ist für sie inzwi­schen von gerin­ge­rer stra­te­gi­scher Bedeu­tung. Der wich­tigs­te Öl-Kun­de Sau­di-Ara­bi­ens ist inzwi­schen die VR Chi­na, wes­halb das König­reich auf die chi­ne­si­sche Posi­ti­on in Fra­gen der inter­na­tio­na­len Poli­tik immer mehr Rück­sicht nimmt.

Den­noch war der glo­ba­le Krieg gegen den Ter­ror aus Sicht der US-Olig­ar­chen ein gro­ßer Erfolg. Die inter­ne Oppo­si­ti­on konn­te still­ge­legt wer­den und alle Staa­ten der Welt waren gezwun­gen, sich hin­ter den USA zu ver­sam­meln. Offe­ner Wider­spruch, auch in wirt­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen, wur­de nicht mehr gedul­det. Geor­ge W. Bush: »Ent­we­der ihr seid für uns oder für die Ter­ro­ris­ten.« Der Krieg gegen den Ter­ror hat sein pro­kla­mier­tes Ziel, die glo­ba­le US-Hege­mo­nie für wei­te­re zwei Jahr­zehn­te auf­recht zu erhal­ten, in der Tat erreicht. Zudem konn­ten eini­ge Kapi­tal­frak­tio­nen, vor allem die Rüs­tungs­in­dus­trie, aber auch die mit den zahl­rei­chen US-Geheim­diens­ten ver­bun­de­nen Tech-Fir­men ihre Pro­fi­te beträcht­lich steigern.

Aller­dings konn­te der glo­ba­le Krieg gegen den Ter­ror nicht ver­hin­dern, dass es ins­be­son­de­re in Latein­ame­ri­ka zu Wahl­sie­gen von lin­ken, expli­zit nicht neo­li­be­ra­len Par­tei­en kam, so nicht nur in Vene­zue­la, son­dern auch in Bra­si­li­en, Boli­vi­en, Argen­ti­ni­en, Uru­gu­ay, Ecua­dor und Nica­ra­gua. Es ist aber auch rich­tig, dass die­se Regie­run­gen gera­de wegen der fort­be­stehen­den glo­ba­len Hege­mo­nie der USA ihr Pro­gramm nicht oder nur in einem gerin­gen Maße umsetz­ten konn­ten. Ein alter­na­ti­ves Ent­wick­lungs­mo­dell mit glo­ba­ler Aus­strah­lungs­kraft konn­te sich in kei­nem die­ser Län­der herausbilden.

Teil 5 wird sich um die Kri­se des Neo­li­be­ra­lis­mus drehen.

Verweise

1 Vgl. Nao­mi Klein: Die Schock­stra­te­gie, Frank­furt am Main 2007, S. 303ff

3 Vgl. Hus­son 2008, S. 48

4 News­grups: Inter­net­fo­ren, die auf dem Prin­zip der E‑Mail basie­ren. Eine an einen News­ser­ver geschick­te Nach­richt kann von alle Abon­nen­ten einer Grup­pe gele­sen wer­den. Nicht zu ver­wech­seln mit Mailinglisten.

FTP = File Trans­fer Pro­to­col, Up- und Down­load von Inhal­ten über das Internet

Tel­net = Fern­steue­rung von Com­pu­tern über das Internet

5 Vgl. Vogel 2006, S. 100

6 Vgl. Timo­thy J. Stur­ge­on: Modu­lar pro­duc­tion net­works: a new ame­ri­can model of indus­tri­al orga­ni­sa­ti­on, in: Indus­tri­al and Cor­po­ra­te Chan­ge, Volu­me 11, Num­ber 3, 2002, S. 467

7 Vgl. Mario Cand­ei­as: Neo­li­be­ra­lis­mus, Hoch­tech­no­lo­gie, Hege­mo­nie, Ham­burg 2004, S. 172

8 Vgl. Tho­mas Fritz: Glo­ba­le Pro­duk­ti­on, Pola­ri­sie­rung und Pro­test, in: Tho­mas Fritz, Chris­ti­an Rus­sau, Cíce­ro Gon­ti­jo: Pro­duk­ti­on der Abhän­gig­keit: Wert­schöp­fungs­ket­ten. Inves­ti­tio­nen. Paten­te, Ber­lin 2005, S. 39

9 Vgl. Stur­ge­on 2002, S. 466

10 Vgl. Ire­ne Schip­per & Esther de Haan: CSR Isus­ses in the ICT Hard­ware Manu­fac­tu­ring Sec­tor, SOMO ICT Sec­tor Report, 2005, im Inter­net: https://​www​.somo​.nl/​c​s​r​-​i​s​s​u​e​s​-​i​n​-​t​h​e​-​i​c​t​-​h​a​r​d​w​a​r​e​-​m​a​n​u​f​a​c​t​u​r​i​n​g​-​s​e​c​t​or/, abge­ru­fen am 14.10.2022, S. 59ff

11 Vgl. Karl Marx: Das Kapi­tal – Band 1, MEW 23, Ber­lin 1989, S. 416ff

12 Vgl. Hel­mut Becker: Auf Chrash­kurs, Berlin/​Heidelberg 2007, S. 122ff

13 Vgl. Schip­per / de Haan 2005, S. 30ff

15 Vgl. Wer­ner Rüge­ner: Die Kapi­ta­lis­ten des 21. Jahr­hun­derts, Köln 2020, S. 42ff

16 vgl. Jörg Huff­schmid: Poli­ti­sche Öko­no­mie der Finanz­märk­te, Ham­burg 2002, S. 28ff

17 bestehend aus: Akti­en, pri­va­ten Schuld­ti­teln, Staats­schuld­ti­teln und Bankeinlagen.

18 Franz Garn­rei­ter, Leo May­er, Fred Schmid, Con­rad Schuler: Finanz­ka­pi­tal, isw-Report 75, Mün­chen 2008, S. 25f

19 Vgl. Cand­ei­as 2004, S. 133

20 Vgl. Chris­ti­an Zel­ler: Ein neu­er Kapi­ta­lis­mus und ein neu­er Impe­ria­lis­mus?, in: Chris­ti­an Zel­ler: Die glo­ba­le Ent­eig­nungs­öko­no­mie, Müns­ter 2004, S. 85f

21 Vgl. Cand­ei­as 2004, S. 133

22 Joa­chim Guil­li­ard: Kon­trol­lier­te Plün­de­rung, in: jun­ge Welt, 05.06.2008

23 Vgl. Har­vey 2005, S. 143ff, Chris­ti­an Zel­ler: Die glo­ba­le Ent­eig­nungs­öko­no­mie, in: Chris­ti­an Zel­ler: Die glo­ba­le Ent­eig­nungs­öko­no­mie, Müns­ter 2004, S. 9ff

24 Vgl. Ales­san­dro Peliz­za­ri / Chris­ti­an Zel­ler: Per­spek­ti­ven jen­seits der Pri­va­ti­sie­rung öffent­li­cher Daseins­vor­sor­ge in: Roland Klaut­ke / Bri­git­te Oehr­lein (Hrsg.): Pre­ka­ri­tät – Neo­li­be­ra­lis­mus – Dere­gu­lie­rung, Ham­burg 2007, S. 156ff

25 Obwohl es sie natür­lich gab: So der Irak- (1990) und der Jugo­sla­wi­en­krieg (1999). Auch hielt Clin­ton die bar­ba­ri­schen Wirt­schafts­sank­tio­nen gegen den Irak auf­recht und ließ 1998 eine phar­ma­zeu­ti­sche Fabrik im Sudan zerstören.

26 Vgl. Tho­mas Fritz / Chris­toph Scher­rer: GATS: Zu wel­chen Diens­ten, Attac­Ba­sis­Tex­te 2, Ham­burg 2002

27 Rech­te aus­üben­der Künst­ler und Tonträgerhersteller.

28 Vgl. Sebas­ti­an Böde­ker / Oli­ver Mol­den­hau­er / Bene­dikt Rub­bel: Wis­sens­all­men­de, Attac­Ba­sis­Tex­te 15, Ham­burg 2005

29 Vgl. Burak Copur / Ann-Kath­rin Schnei­der: IWF und Welt­bank, Attac­Ba­sis­Tex­te 12, Ham­burg 2004, S. 38ff

30 Vgl. Cand­ei­as 2004, S. 269

31 UNC­TAD FDI-STAT

32 Karl Marx: Das Kapi­tal – Drit­ter Band, MEW 25, Ber­lin 1989, S. 206

33 Nach Roth setzt sie sich zusam­men aus 30 Mio. ent­las­se­nen Arbei­tern der staat­li­chen Indus­trie, aus 270 Mio. Wan­der­ar­bei­tern und den 130 Mil­lio­nen sai­so­nal beschäf­tig­ten Bau­ern-Arbei­tern der länd­li­chen Indus­trie­ge­bie­te, vgl. Karl-Heinz Roth: Der Zustand der Welt, Ham­burg 2005, S. 39

34 Vgl. Wolf­gang Mül­ler: Job-Export: Die neue glo­ba­le Arbeits­tei­lung, isw-Report Nr. 68, Mün­chen 2007, S. 16ff

35 Vgl. Har­vey 2005, S. 71

36 Vgl. Robert Kurz: Das Welt­ka­pi­tal, Ber­lin 2005, S. 83ff

37 Vgl. Chris­ti­an Zel­ler: Ein neu­er Kapi­ta­lis­mus und ein neu­er Impe­ria­lis­mus?, in: Chris­ti­an Zel­ler: Die glo­ba­le Ent­eig­nungs­öko­no­mie, Müns­ter 2004, S. 61

38 Tho­mas L. Fried­man: A Mani­festo for the Fast World, New York Times, 28.03.1999, im Inter­net: https://www.nytimes.com/1999/03/28/magazine/a‑manifesto-for-the-fast-world.html, abge­ru­fen am 14.10.2022

39 Vgl. Cand­ei­as 2004, S. 173

40 Vgl. Mike Davis: Pla­net der Slums, Berlin/​Hamburg 2007, S. 68

41 The Pro­ject for the New Ame­ri­can Cen­tu­ry: Rebuil­ding America’s Defen­ses, S. 51, 2000, im Inter­net: https://​resistir​.info/​l​i​v​r​o​s​/​r​e​b​u​i​l​d​i​n​g​_​a​m​e​r​i​c​a​s​_​d​e​f​e​n​s​e​s​.​pdf, abge­ru­fen am 14.10.2022.

42 Zu Pro­ble­men mit der offi­zi­el­len Dar­stel­lung all­ge­mein sie­he: Mathi­as Brö­ckers / Chris­ti­an C. Walt­her: 11.09., Frank­furt am Main 2011

43 Film Sep­tem­ber 11 – The New Pearl Har­bor: Part 2, https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​W​q​W​5​1​7​7​J​-3g, 1:15:00, abge­ru­fen am 14.10.2022

44 Paul Schrey­er: 9/11: Stu­die schließt Feu­er als Ein­sturz­ur­sa­che des drit­ten Turms aus, Tele­po­lis, 10.09.2019, im Inter­net: https://​www​.hei​se​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s/9 – 11-Studie-schliesst-Feuer-als-Einsturzursache-des-dritten-Turms-aus-4518328.html, abge­ru­fen am 14.10.2022

45 Film Sep­tem­ber 11 – The New Pearl Har­bor: Part 2, https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​W​q​W​5​1​7​7​J​-3g, abge­ru­fen am 14.10.2022

47 Vgl. Kees van der Pilj: Die bela­ger­te Welt (E‑Book), Kapi­tel: Vom Gesell­schafts­ver­trag zum Worst-Case-Sze­na­rio, Rat­z­ert 2021

48 ATTAC = Asso­cia­ti­on pour une taxa­ti­on des tran­sac­tions finan­ciè­res pour l’ai­de aux citoy­ens, also Ver­ei­ni­gung zur Besteue­rung von Finanz­trans­ak­tio­nen im Inter­es­se der Bürger.

51 Vgl. Zbi­gniew Brze­zinski: Die ein­zi­ge Welt­macht, Frank­furt am Main 2001, S. 181ff

52 Vgl. Robert Kurz: Welt­ord­nungs­krieg, Bad Hon­nef 2003, S. 172ff

Bild: Arbei­ter in Elek­tronik­fa­brik in Shen­zhen (Ste­ve Jur­vet­son)

One thought on “Imperialismus und Great Reset: Die expansive Phase des neoliberalen Kapitalismus (Teil 4)

  1. Lese­be­fehl, auch wenn es lang ist.

    Sind aber 3 oder 4 Stel­len drin, wo der Satz nicht been­det wur­de oder die For­mu­lie­rung durch­ein­an­der ist. Lei­der schaf­fe ich es gera­de nicht, die Stel­len noch ein­mal zu suchen. 

    🤔😎

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