Imperialismus und Great Reset: Klassischer Imperialismus (Teil 2)

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Dies ist der zwei­te Teil einer sie­ben­tei­li­gen Serie von Jan Mül­ler zur aktu­el­len Impe­ria­lis­mus­de­bat­te in der kom­mu­nis­ti­schen Bewe­gung. Sie beinhal­tet fol­gen­de­ne Teile:

1. Ein­lei­tung & Marx­sche Methode

2. Klas­si­scher Impe­ria­lis­mus (1895 – 1945)

3. Der Spät­ka­pi­ta­lis­mus (1945 – 1989)

4. Die expan­si­ve Pha­se des neo­li­be­ra­len Kapi­ta­lis­mus (1989 – 2007)

5. Der Neo­li­be­ra­lis­mus in der Kri­se (seit 2007)

6. Chi­nas Auf­stieg und der Abstieg des Wes­tens (bis 2020)

7. Eine vier­te impe­ria­lis­ti­sche Epoche?

8. Schluss­fol­ge­run­gen zum Imperialismus

2. Klassischer Imperialismus (1895 – 1945)

Der Haupt­an­trieb für Wirt­schafts­wachs­tum im Kapi­ta­lis­mus ist die fie­ber­haf­te Suche der Kapi­ta­lis­ten nach Sur­plus­pro­fit, also nach Pro­fi­ten deut­lich über der durch­schnitt­li­chen Pro­fi­tra­te. In der Peri­ode des Kapi­ta­lis­mus der Frei­en Kon­kur­renz (1789 – 1895) lagen die Haupt­quel­len des Sur­plus­pro­fits inner­halb der sich jetzt indus­tria­li­sie­ren­den Län­dern Euro­pas. Zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts gab es über­haupt noch kei­ne kapi­ta­lis­ti­sche Groß­in­dus­trie in der Welt. Der Wert einer Ware wur­de zunächst durch die weit­aus höhe­re benö­tig­te Arbeits­zeit bei ihrer hand­werk­li­chen Her­stel­lung bestimmt. Die weni­gen Kapi­ta­lis­ten, die zum Bei­spiel Stof­fe mit mecha­ni­schen, dampf­ge­trie­be­nen Web­stüh­len erzeu­gen lie­ßen, hat­ten weit­aus gerin­ge­re Kos­ten und konn­ten beträcht­li­che Sur­plus­pro­fi­te erzie­len. Die­se Sur­plus­pro­fi­te wur­den also zu Beginn des kapi­ta­lis­ti­schen Zeit­al­ters vor allem in Abtei­lung II, der Pro­duk­ti­on von Kon­sum­gü­tern erzielt, bei einer zunächst noch hand­werk­li­chen Pro­duk­ti­on der Produktionsmittel.

Die lang­sa­me Zer­set­zung des Hand­werks – zum Bei­spiel der Weber – und die Ein­he­gun­gen in der Land­wirt­schaft setz­ten gro­ße Men­schen­mas­sen frei; weit­aus mehr, als in der Indus­trie Beschäf­ti­gung fan­den. Die indus­tri­el­le Reser­ve­ar­mee war also sehr groß. Dies bewirk­te nied­ri­ge und bis zur Mit­te des 19. Jahr­hun­derts wei­ter fal­len­de Löh­ne. Der Mehr­wer­tra­te war ent­spre­chend hoch.

Mit der Ver­all­ge­mei­ne­rung der gro­ßen Indus­trie in West­eu­ro­pa ab 1850 ver­schwan­den die­se Sur­plus­pro­fi­te lang­sam. Der Waren­wert wur­de zuneh­mend durch indus­tri­ell her­ge­stell­te Pro­duk­te bestimmt und ging zurück. Damit san­ken auch die Pro­fi­te. Die indus­tri­el­le Reser­ve­ar­mee wuchs nicht mehr oder nur noch lang­sam, da die schmut­zi­ge Arbeit der Zer­set­zung des Hand­werks und der Land­wirt­schaft in den am höchs­ten ent­wi­ckel­ten kapi­ta­lis­ti­schen Län­dern Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und Bel­gi­en zu einem gro­ßen Teil erle­digt war. Inzwi­schen wur­de auch die Arbei­ter­be­we­gung zu einer rea­len Macht und wirk­te in die glei­che Richtung.

Neue Erfin­dun­gen wie Win­der­hit­zer, das Bes­se­mer- und Tho­mas-Ver­fah­ren sowie der Sie­mens-Mar­tin-Ofen ermög­lich­ten erst jetzt eine groß­in­dus­tri­el­le Roh­stoff­pro­duk­ti­on in Abtei­lung I, also der Pro­duk­ti­on von Pro­duk­ti­ons­gü­tern mit einer ent­spre­chend stei­gen­den Min­dest­ka­pi­tal­men­ge. Die orga­ni­sche Zusam­men­set­zung des Kapi­tals nahm bedeu­tend zu, ins­be­son­de­re in Abtei­lung I. Dies führ­te dazu, dass sich die orga­ni­sche Zusam­men­set­zung in der Abtei­lung I lang­sam der­je­ni­gen in Abtei­lung II anzu­nä­hern begann, um sie dann rasch zu über­tref­fen. Es begann ein den Aus­gleich der Pro­fi­tra­ten beglei­ten­der Mehr­wert­trans­fer von Abtei­lung II nach Abtei­lung I. Aller­dings konn­te die erheb­lich gewach­se­ne Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät der Abtei­lung I in den 70er und 80er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts nicht mehr voll­stän­dig aus­ge­las­tet wer­den. Ein bedeu­ten­der Teil des durch Abtei­lung I rea­li­sier­ten und des in Abtei­lung II erzeug­ten und in Abtei­lung I ange­eig­ne­ten Mehr­wer­tes lag brach.

Zugleich stie­gen in die­ser Zeit die Roh­stoff­prei­se. Denn mit der stei­gen­den Pro­duk­ti­vi­tät der Arbeit nimmt der Aus­stoß der Waren­men­ge, die durch ein bestimm­tes Quan­tum an Arbeits­kraft und Maschi­nen erzeugt wer­den kann, stän­dig zu. Das führt zu einem Sin­ken der Anteil des kon­stan­ten fixen Kapi­tals (Maschi­nen) und des varia­blen Kapi­tals (Löh­ne) am Waren­wert. Dem­nach steigt der Anteil des kon­stan­ten zir­ku­lie­ren­den Kapi­tals, also der Roh­stof­fe. Das führ­te in den letz­ten Jahr­zehn­ten des Kapi­ta­lis­mus der frei­en Kon­kur­renz zu einem rela­ti­ven, spä­ter auch abso­lu­ten Anstieg der Roh­stoff­prei­se. Die­se Ten­denz wur­de durch die Tat­sa­che ver­schärft, dass die Roh­stof­fe in vie­len Län­dern mit vor­ka­pi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­wei­sen wie Skla­ve­rei oder Leib­ei­gen­schaft erzeugt wur­den. Alle die­se Fak­to­ren bewirk­ten in den 70er und 80er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts einen lang­fris­ti­gen Rück­gang der Pro­fi­tra­te.1

Das Kapi­tal reagier­te auf ver­schie­de­ne Wei­se auf die­se Kri­sen­er­schei­nun­gen. Zusam­men­ge­nom­men führ­ten sie zum Ende des Kapi­ta­lis­mus der frei­en Kon­kur­renz und zum Auf­kom­men des Impe­ria­lis­mus, der sich in den wich­tigs­ten Indus­trie­län­dern um 1895 durch­ge­setzt hatte.

Lenin beschreibt in sei­nem Werk Der Impe­ria­lis­mus als höchs­tes Sta­di­um des Kapi­ta­lis­mus fol­gen­de zen­tra­le Merk­ma­le des Imperialismus:

Mono­po­le, Kar­tel­le und Preis­ab­spra­chen ent­stan­den in vie­len Bran­chen, beson­ders im Berg­bau, der Eisen- und Stahl­in­dus­trie seit den kri­sen­haf­ten 70er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts. Zunächst waren sie noch die Aus­nah­me, aber spä­tes­tens seit dem Jahr 1900 beherrsch­ten sie das Wirt­schafts­le­ben. Zunächst domi­nier­ten Abspra­chen zwi­schen unab­hän­gi­gen Betrie­ben, spä­ter wur­den die­se Betrie­be häu­fi­ger in Kon­zer­nen oder Trusts zusam­men­ge­fasst. Mit dem Mono­pol kam der Preis- und Qua­li­täts­wett­be­werb in den ent­spre­chen­den Bran­chen zum Erlie­gen. Zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts gab es auch schon inter­na­tio­na­le Mono­po­le, zum Bei­spiel das Elek­tro­mo­no­pol von 1907, wo die gan­ze Welt zwi­schen der deut­schen AEG und der ame­ri­ka­ni­schen Gene­ral Electric auf­ge­teilt wur­de. Die­se inter­na­tio­na­len Mono­po­le waren aber noch unbe­stän­dig und bra­chen häu­fig zusam­men. Frei­lich nur, um nach eini­gen Jah­ren neu gebil­det zu wer­den.2

Das Bank­ka­pi­tal und das Indus­trie­ka­pi­tal wuch­sen zum Finanz­ka­pi­tal zusam­men. Auch im Bank­be­reich kam es zu einer mas­si­ven Kon­zen­tra­ti­on und Zen­tra­li­sa­ti­on des Kapi­tals. Um die Jahr­hun­dert­wen­de gab es in Deutsch­land nur noch sechs gro­ße Geschäfts­ban­ken, die auch stark unter­ein­an­der ver­floch­ten waren. Die­se Geschäfts­ban­ken wie­der­um kon­trol­lier­ten die Akti­en­mehr­heit der gro­ßen Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, in deren Auf­sichts­rä­ten ihre Direk­to­ren regel­mä­ßig ver­tre­ten waren. Es ent­stan­den gro­ße, eng mit­ein­an­der ver­floch­te­ne Mono­pol­kom­ple­xe, die aus hun­der­ten Betrie­ben bestehen konn­ten. Zu den gro­ßen deut­schen Geschäfts­ban­ken gehör­ten bereits damals die Deut­sche Bank, die Dresd­ner Bank und die Com­merz­bank.3 Ande­re damals bedeu­ten­de Ban­ken wie die Dis­con­to-Gesell­schaft und die Darm­städ­ter Bank sind inzwi­schen in den »gro­ßen drei« aufgegangen.

Für den Kapi­ta­lis­mus der frei­en Kon­kur­renz war der Export von Waren kenn­zeich­nend. Ein wich­ti­ges Merk­mal des Impe­ria­lis­mus war der Kapi­tal­ex­port. Denn an der Schwel­le des 20. Jahr­hun­derts ent­stand ein gro­ßer Kapi­tal­über­schuss in den fort­ge­schrit­te­nen kapi­ta­lis­ti­schen Län­dern. Die­se konn­ten im Inland nicht mehr pro­fi­ta­bel inves­tiert wer­den, son­dern wur­den in die unter­ent­wi­ckel­ten Län­der ausgeführt.

Kapi­tal wur­de dort vor allem in der Roh­stoff­pro­duk­ti­on und in Trans­port­we­gen wie Eisen­bah­nen und Häfen ange­legt. Aller­dings bestand in die­sen Län­dern auf­grund der sehr gro­ßen Men­ge an bil­li­ger Arbeits­kraft kaum ein Anreiz für eine bedeu­ten­de Ver­wen­dung von Maschi­nen. In der Roh­stoff­pro­duk­ti­on ent­stand im Wesent­li­chen ein vor­in­dus­tri­el­ler, ein Manu­fak­tur­ka­pi­ta­lis­mus. In ande­ren Berei­chen war der Mecha­ni­sie­rungs­grad höher, aber auch hier lag der Schwer­punkt auf der Pro­duk­ti­on des abso­lu­ten Mehr­wer­tes. Die­se Ent­wick­lung sorg­te für eine erheb­li­che Ver­bil­li­gung und Beschleu­ni­gung des Roh­stoff­ex­ports und trug so zu einer Sen­kung der orga­ni­schen Zusam­men­set­zung des Welt­ka­pi­tals bei.4

Im Zeit­al­ter des Impe­ria­lis­mus war eine eigen­stän­di­ge Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus in den Kolo­nien und Halb­ko­lo­nien prak­tisch nicht mehr mög­lich, denn die Wirt­schafts­struk­tur die­ser Län­der wur­de durch das Kapi­tal kom­ple­men­tär zu den Bedürf­nis­sen der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­on in den Metro­po­len gestal­tet. Inves­ti­tio­nen gin­gen direkt von den Metro­po­len aus und wur­den nur in sol­chen Berei­chen getä­tigt, die den Inter­es­sen der impe­ria­lis­ti­schen Bour­geoi­sie ent­spre­chen. Eine Ent­ste­hung von ein­hei­mi­schen ver­ar­bei­ten­den Indus­trien wur­de häu­fig sogar direkt unter­bun­den.5

Sur­plus­pro­fi­te wur­den jetzt durch die Kapi­ta­lis­ten auf­grund von fol­gen­den Fak­to­ren erzielt:

  1. In den weni­ger ent­wi­ckel­ten Län­dern war die orga­ni­sche Zusam­men­set­zung des Kapi­tals nied­ri­ger, dem­nach die Pro­fi­tra­te höher als im Westen.
  2. In die­sen Län­dern war auch die Mehr­wer­tra­te höher, da auf­grund der wach­sen­den indus­tri­el­len Reser­ve­ar­mee der Preis der Ware Arbeits­kraft tief unter ihren Wert sank, aber auch ihr Wert war bedeu­tend nied­ri­ger als in den schon indus­tria­li­sier­ten Ländern.
  3. Die Kon­zen­tra­ti­on der Kapi­tal­aus­fuhr auf roh­stoff­pro­du­zie­ren­de Berei­che sicher­te den hier ange­leg­ten Kapi­ta­li­en auf­grund der hohen Roh­stoff­prei­se bedeu­ten­de Sur­plus­pro­fi­te. Spä­ter trug sie zu einer Sen­kung der orga­ni­schen Zusam­men­set­zung des Kapi­tals in den Metro­po­len bei.
  4. Die mas­si­ve Kapi­tal­aus­fuhr ver­rin­ger­te das brach­lie­gen­de Kapi­tal in den Metro­po­len und führ­te aus die­sem Grund auch dort zu einer Erhö­hung der Pro­fi­tra­te.6

Gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts war die Auf­tei­lung der Welt unter die sechs Groß­mäch­te Eng­land, Frank­reich, Deutsch­land, Russ­land, Ver­ei­nig­te Staa­ten und Japan weit­ge­hend been­det. Den Stand von 1914 zeigt fol­gen­de von Lenin gebrach­te Tabelle:

Tabel­le 3.1. Auf­tei­lung der Welt nach Lenin. Qua­drat­ki­lo­me­ter und Ein­woh­ner in Mil­lio­nen7

Halb­ko­lo­nien waren Län­der mit archai­scher Sozi­al­struk­tur wie das Osma­ni­sche Reich, Chi­na, Per­si­en und Äthio­pi­en. Sie waren zwar for­mal unab­hän­gig, aber konn­ten der wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Pene­tra­ti­on durch die Groß­mäch­te nichts ent­ge­gen setzen.

Als übri­ge Län­der sind neben den klei­ne­ren euro­päi­schen Staa­ten wie Bel­gi­en oder der Schweiz vor allem die latein­ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten anzu­spre­chen. Letz­te­re waren noch mehr oder weni­ger durch den Feu­da­lis­mus in der Land­wirt­schaft geprägt.

Groß­bri­tan­ni­en war die füh­ren­de Indus­trie­macht des 19. Jahr­hun­derts. Hier hat­te sich der Kapi­ta­lis­mus am frü­hes­ten und radi­kals­ten durch­ge­setzt und zwar bereits um 1790. Noch 1870 hat­te das Land einen Anteil von 32% an der Welt­in­dus­trie­pro­duk­ti­on, vor den USA mit 23%, Frank­reich mit 10% und Deutsch­land mit 13%. Groß­bri­tan­ni­en war 1870 mit einem Anteil am Welt­han­del von 22% eben­falls die wich­tigs­te Welt­han­dels­macht vor Frank­reich mit 10% und Deutsch­land mit 13%. Der US-Anteil betrug nur 12%.

Eng­land konn­te sich den Löwen­an­teil an kolo­nia­len Erobe­run­gen sichern, wäh­rend bereits Frank­reich deut­lich zurück­fiel und Deutsch­land weit­ge­hend leer ausging.

In den letz­ten Jahr­zehn­ten des 19. Jahr­hun­derts änder­te sich die Rang­ord­nung der Indus­trie­län­der beträcht­lich. Neue Groß­mäch­te stie­gen auf, vor allem Deutsch­land, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Japan. Die alten Groß­mäch­te Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en, die den Kapi­ta­lis­mus der frei­en Kon­kur­renz noch domi­nier­ten, erleb­ten einen rela­ti­ven Bedeu­tungs­rück­gang. Öster­reich-Ungarn galt noch im 19. Jahr­hun­dert als Groß­macht, war aber im frü­hen 20. Jahr­hun­dert auf den Sta­tus einer Mit­tel­macht herabgesunken.

Im Jahr 1914 hat­ten die oben genann­ten Staa­ten einen Anteil an der Welt­in­dus­trie­pro­duk­ti­on wie folgt: Groß­bri­tan­ni­en: 14%, Frank­reich 6%, Deutsch­land 16%, USA 36%. Eine ähn­li­che Ent­wick­lung zeigt der Welt­han­del: Groß­bri­tan­ni­en 15%, Frank­reich 8%, Deutsch­land 13% und USA 11%.

Die deut­sche Indus­trie­pro­duk­ti­on hat­te also vor 1914 die­je­ni­ge Groß­bri­tan­ni­ens über­holt und wuchs wei­ter­hin stür­misch. Im Welt­han­del nahm Deutsch­land nur wenig hin­ter Groß­bri­tan­ni­en den zwei­ten Platz ein.8

Zwi­schen 1882 und 1907 ver­dop­pel­te sich in Deutsch­land die Anzahl der Indus­trie­ar­bei­ter von knapp 6 auf 11 Mil­lio­nen bei einer leicht zurück­ge­hen­den Zahl der Indus­trie­be­trie­be. Beson­ders schnell war die Anzahl der Groß­be­trie­be9 gewach­sen; dort waren bereits 47% aller Arbei­ter tätig.10 Es ent­stan­den zahl­rei­che neue Groß­städ­te und Indus­trie­re­vie­re wie das Ruhr­ge­biet. Unter der Arbei­ter­klas­se herrsch­te dort aller­dings ein unbe­schreib­li­ches Wohnungselend.

Stür­misch ent­wi­ckel­ten sich in Deutsch­land die damals neue Elek­tro­in­dus­trie und die Che­mie­in­dus­trie. In die­sen Berei­chen war die Mono­po­li­sie­rung beson­ders stark: Die Elek­tro­in­dus­trie wur­de von der AEG, Sie­mens & Hals­ke und von Bosch domi­niert, die Che­mie­in­dus­trie von den Farb­wer­ken Hoechst, der BASF, Bay­er und Agfa.

Hin­ter­grund des star­ken Anwach­sens der Pro­duk­tiv­kräf­te war die zwei­te indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on, die in den neu­en Indus­trie­staa­ten wie Deutsch­land beson­ders schnel­le Fort­schrit­te mach­te. Sie basier­te auf fol­gen­den tech­ni­schen Entwicklungen:

  1. Die Ent­wick­lung der che­mi­schen Groß­syn­the­se, die die Che­mie­pro­duk­ti­on auf eine neue tech­ni­sche Stu­fe hob.
  2. Die fort­schrei­ten­de Nutz­bar­ma­chung der elek­tri­schen Ener­gie nach Lösung des tech­ni­schen Pro­blems der Strom­ver­tei­lung und ‑über­tra­gung in den 90er Jah­ren. Dadurch wur­de die Bereit­stel­lung von Ener­gie an jedem Ort und in jeder gewünsch­ten Men­ge ermög­licht und die Erfin­dung einer Fül­le neu­er elek­tro­tech­ni­scher Arbeits- und Kon­trollap­pa­ra­te vorangetrieben.
  3. Die Ver­voll­komm­nung des Ver­bren­nungs­mo­tors ermög­lich­te die Ent­wick­lung des Auto­mo­bils, des Trak­tors und des Flug­zeugs. Sie ergänz­ten die rela­tiv star­ren und begrenz­ten Wir­kungs­mög­lich­kei­ten der Dampf­ma­schi­ne durch klei­ne­re, beweg­li­che­re Kraft­ein­hei­ten, die fast über­all ein­ge­setzt wer­den konnten.
  4. Es kam auch zu einer Revo­lu­ti­on in der Nach­rich­ten- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik (draht­lo­se Tele­gra­fie, Tele­fon, Film).
  5. Die Fort­schrit­te im Maschi­nen­bau führ­ten zur Ent­wick­lung einer Viel­zahl neu­er, stark­spe­zia­li­sier­ter Arbeits­ma­schi­nen, die Werk­stü­cke von hoher Prä­zi­si­on her­stel­len konnten.
  6. Die Erhö­hung der Boden­frucht­bar­keit durch Kunst­dün­ger, land­wirt­schaft­li­che Maschi­nen und wis­sen­schaft­lich begrün­de­ter Frucht­fol­ge stei­ger­te die jähr­li­chen durch­schnitt­li­chen Hekt­ar­er­trä­ge stark.11

Ein­zel­ne Mono­po­le und der Staat rich­te­ten For­schungs­ge­sell­schaf­ten ein, sowohl um in den neu­es­ten For­schungs­zwei­gen Grund­la­gen­for­schung zu betrei­ben als auch die ange­wand­te For­schung zu Guns­ten der Indus­trie voranzubringen.

Die deut­sche Che­mie­in­dus­trie benutz­te ihre Sur­plus­pro­fi­te aus der Pro­duk­ti­on syn­the­ti­scher Far­ben, für die sie ein Welt­mo­no­pol besaß, um auf­wen­di­ge For­schungs­vor­ha­ben zu finan­zie­ren, die ihr eine mono­pol­ar­ti­ge Stel­lung auch in der Erzeu­gung von Heil­mit­teln, Dro­gen und Foto­ma­te­ri­al auf dem Welt­markt sicherte.

Deutsch­land war auch eines der füh­ren­den Län­der in der medi­zi­ni­schen For­schung. Im Jahr 1907 ent­deck­te zum Bei­spiel Paul Ehr­lich das Peni­cil­lin als Heil­mit­tel gegen die Syphilis.

1908 ent­wi­ckel­te Fritz Haber ein Ver­fah­ren zur Ammo­niak­her­stel­lung aus Luft­stick­stoff und Was­ser­stoff, Fritz Hof­mann ent­deck­te 1909 die Syn­the­se von Kunst­kau­tschuk. Das 1913 ent­deck­te Hoch­druck­ver­fah­ren für die Koh­le­hy­drie­rung (Fischer-Tropsch) konn­te aller­dings erst in den 20er Jah­ren pro­duk­ti­ons­reif gemacht wer­den. Damit war Deutsch­land zum gro­ßen Teil unab­hän­gig von Roh­stof­fen wie Chi­le-Sal­pe­ter und Natur­kau­tschuk, deren Zufuhr im Ers­ten Welt­krieg durch die bri­ti­sche See­blo­cka­de gesperrt wurde.

Ab 1900 wur­den zahl­rei­che Elek­tro-Kraft­wer­ke gebaut und es kam zu einer Elek­tri­fi­zie­rung des inner­städ­ti­schen Nah­ver­kehrs. Ab 1910 ver­brei­te­te sich die Glüh­bir­ne. Im Jahr 1901 war draht­lo­se Tele­gra­phie mög­lich, ab 1916 Sprech­funk. Bereits in den 1890er Jah­ren hat­te Deutsch­land ein aus­ge­dehn­tes Tele­fon­netz, das größ­te in Europa.

Ab 1900 ver­brei­te­te sich der Gas­mo­tor in Deutsch­land. Bereits zu Beginn des Welt­krie­ges gab es 9.000 LKWs, 5.500 PKWs und 20.000 Motor­rä­der. Seit 1890 wur­den Luft­schif­fe gebaut, die Zep­pe­li­ne. Ab 1891 führ­te Otto Lili­en­thal Flug­ver­su­che durch. Im Welt­krieg gab es schon regel­mä­ßi­ge Luft­kämp­fe zwi­schen feind­li­chen Flugzeugen.

Seit 1895 gab es Film­vor­füh­run­gen in Deutsch­land. Bis zum Welt­krieg bestan­den sie aller­dings meist nur aus kur­zen Strei­fen.12

Gera­de wegen der beträcht­li­chen wis­sen­schaft­li­chen und indus­tri­el­len Fort­schrit­te gab in Deutsch­land einen Kapi­tal­über­schuss, das heißt, ins­be­son­de­re in Abtei­lung I konn­te längst nicht alles ange­sam­mel­te Kapi­tal pro­fit­brin­gend ver­wer­tet wer­den. Der deut­sche Kolo­ni­al­be­sitz war unbe­deu­tend. Der Zugang zu den Kolo­nien ande­rer Mäch­te war den deut­schen Kapi­ta­lis­ten in der Regel ver­wehrt. Des­halb expan­dier­ten sie vor allem in Rich­tung Latein­ame­ri­ka, des Bal­kan und der noch unab­hän­gi­gen Halb­ko­lo­nien wie Marok­ko, des Osma­ni­schen Rei­ches und Chi­na. Damit geriet Deutsch­land in einen Inter­es­sen­ge­gen­satz zu Groß­bri­tan­ni­en, der damals stärks­ten Macht der Welt. Die­ser wur­de noch ver­stärkt durch das ab 1897 ein­set­zen­de Flot­ten­wett­rüs­ten. Denn um die deut­schen impe­ria­lis­ti­schen Kapi­tal­in­ter­es­sen glo­bal durch­set­zen zu kön­nen, bau­te Deutsch­land eine star­ke Hoch­see­flot­te auf und bedroh­te damit die bri­ti­schen Inter­es­sen unmittelbar.

Unter dem Kai­ser Wil­helm II. (reg. 1888 – 1918) trat Deutsch­land beson­ders aggres­siv und anma­ßend über­all auf der Welt auf. In der Vor­kriegs­zeit häuf­ten sich mili­tä­ri­sche und diplo­ma­ti­sche Zwi­schen­fäl­le mit ande­ren Groß­mäch­ten. Deutsch­land nahm Kurs auf die mili­tä­ri­sche Neu­auf­tei­lung der Welt.13 Ent­spre­chen­de Vor­stel­lun­gen belegt das so genann­te Sep­tem­ber­pro­gramm, das 1914 kurz nach Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges vom Reichs­kanz­ler Beth­mann-Hol­lweg ver­ab­schie­det wur­de. Es sah für den Fall eines sieg­rei­chen Krie­ges fol­gen­de Maß­nah­men vor:

  • Schaf­fung eines mit­tel­eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­ver­ban­des in Form einer Zoll­uni­on. Ihr soll­ten ange­hö­ren: Deutsch­land, Öster­reich-Ungarn, Bel­gi­en, die Nie­der­lan­de, Frank­reich, Däne­mark, Schwe­den und Nor­we­gen. Die­se Staa­ten soll­ten for­mell unab­hän­gig blei­ben, aber de fac­to zum deut­schen Ein­fluss­ge­biet gehören.
  • Anne­xi­on der fran­zö­si­schen eisen­erz­rei­chen Gebie­te um Briey und Long­wy sowie des West­ab­hangs der Vogesen.
  • Anne­xi­on des um eini­ge bel­gi­sche Gebie­te erwei­ter­ten Groß­her­zog­tums Luxemburg.
  • Wie­der­her­stel­lung Bel­gi­ens, das aber auf den Sta­tus eines Vasal­len­staa­tes her­ab­sin­ken sollte.
  • Schaf­fung eines zusam­men­hän­gen­den mit­tel­afri­ka­ni­schen Kolo­ni­al­rei­ches bestehend aus Bel­gisch Kon­go (heu­te Demo­kra­ti­sche Repu­blik Kon­go), Por­tu­gie­sisch West­afri­ka (heu­te Ango­la) und Por­tu­gie­sisch Ost­afri­ka (heu­te Mosambik)
  • For­de­rung einer hohen Kriegs­kon­tri­bu­ti­on von Frank­reich.14

Aggres­si­ve Kapi­tal­krei­se erho­ben noch viel wei­ter­ge­hen­de Anne­xi­ons­for­de­run­gen. Zen­tra­le For­de­rung der Kapi­ta­lis­ten war die Schaf­fung des mit­tel­eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­ver­ban­des. Hier­mit woll­ten sie opti­ma­le Expan­si­ons­mög­lich­kei­ten für sich schaf­fen. Letzt­lich soll­te damit die Basis gelegt wer­den, um Groß­bri­tan­ni­en als füh­ren­de impe­ria­lis­ti­sche Macht ablö­sen zu können.

Gegen die­ses aggres­si­ve Expan­si­ons­pro­gramm ver­bün­de­ten sich alle ande­ren Groß­mäch­te. Deutsch­land war zwar mili­tä­risch stär­ker als jede ein­zel­ne Macht, aber nicht stär­ker als alle zusam­men. Am Ende des Ers­ten Welt­krie­ges 1918 war Deutsch­land besiegt und das alte Regime wur­de gestürzt. Die Sozi­al­de­mo­kra­tie ver­hin­der­te aller­dings die Wei­ter­füh­rung der Revo­lu­ti­on in Rich­tung Sozia­lis­mus, also die Ent­eig­nung der Kapitalisten.

Dies war die Vor­aus­set­zung für den Auf­stieg des deut­schen Faschis­mus unter Adolf Hit­ler, der mit einer noch aben­teu­er­li­che­ren Poli­tik Revan­che für die Nie­der­la­ge von 1918 such­te und die Welt in den Zwei­ten Welt­krieg (1939 – 45) stürz­te. Der deut­sche Faschis­mus woll­te ganz Euro­pa erobern als Sprung­brett für sei­ne Welt­herr­schaft. Auf der Basis der Euge­nik, die zu einer abwe­gi­gen Ras­sen­theo­rie zuge­spitzt wur­de, soll­te die gesam­te jüdi­sche Bevöl­ke­rung der Welt aus­ge­rot­tet und die sla­wi­schen Völ­ker durch Hun­ger und Mas­sen­ver­nich­tung wesent­lich dezi­miert wer­den. Das alte Kul­tur­volk der Rus­sen soll­te auf den Sta­tus einer Helo­ten­ras­se her­ab­ge­drückt wer­den. Sei­ne gan­ze intel­lek­tu­el­le Eli­te war für die Ver­nich­tung bestimmt. An Stel­le der sla­wi­schen Völ­ker soll­ten Deut­sche in den geräum­ten Ost­ge­bie­ten ange­sie­delt wer­den. Deutsch­land ver­bün­de­te sich mit dem eben­falls faschis­ti­schen Japan, das sich in Ost­asi­en ein gro­ßes Reich erobern wollte.

Gegen die­sen wahn­sin­ni­gen Welt­herr­schafts­an­spruch ver­bün­de­ten sich die drei kapi­ta­lis­ti­schen Groß­mäch­te USA, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en mit der sozia­lis­ti­schen Sowjetunion.

Letz­te­re ist aus der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on von 1917, der ers­ten sozia­lis­ti­schen Revo­lu­ti­on der Welt, her­vor­ge­gan­gen. Die rasche sowje­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung ab 1928 ermög­lich­te letzt­end­lich den Sieg der Anti­hit­ler­ko­ali­ti­on. Ihre Schwer­indus­trie pro­du­zier­te so vie­le Pan­zer, Geschüt­ze, Rake­ten­wer­fer und Flug­zeu­ge, dass die Rote Armee der deut­schen Kriegs­wal­ze etwas ent­ge­gen set­zen konn­te. Trotz­dem stand der Aus­gang des Deutsch-Sowje­ti­schen Krie­ges bei den Schlach­ten um Mos­kau 1941 und Sta­lin­grad 1942 auf des Mes­sers Schneide.

Gegen Japan führ­ten die USA einen erbit­ter­ten Krieg im Pazi­fik, der 1945 im erst­ma­li­gen Ein­satz von Atom­bom­ben gegen die Städ­te Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki gipfelte.

Am Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges war Deutsch­land nach unge­heu­ren Opfern an Men­schen­le­ben noch ein­mal mili­tä­risch besiegt wor­den und anstel­le der sechs Groß­mäch­te gab es nur noch zwei Super­mäch­te, die USA und die Sowjetunion.

Der nächs­te Teil wird sich dem Spät­ka­pi­ta­lis­mus von 1945 – 1989 widmen.

Verweise

1 Vgl. Man­del 1974, S. 54f

2 Vgl. W.I. Lenin: Der Impe­ria­lis­mus als höchs­tes Sta­di­um des Kapi­ta­lis­mus, Ber­lin 1988, S. 20ff

3 Vgl. Lenin 1988, S. 37ff

4 Vgl. Man­del 1974, S. 56

5 Vgl. Man­del 1974, S. 51f

6 Vgl. Man­del 1974, S. 76f

7 Lenin 1988, S. 92

8 Vgl. Fritz Klein: Deutsch­land 1897/98 – 1917, Lehr­buch der deut­schen Geschich­te (Bei­trä­ge), Band 9, Ber­lin 1972, S. 18

9 Betrie­be mit über 50 Arbeitern.

10 Vgl. Klein 1972, S. 19

11 Vgl. Klein 1972, S. 395ff

12 Vgl. Klein 1972, S. 401, 404

13 Vgl. Autoren­kol­lek­tiv unter Lei­tung von Fritz Klein: Deutsch­land im Ers­ten Welt­krieg, Band 1: Vor­be­rei­tung, Ent­fes­se­lung und Ver­lauf des Krie­ges bis Ende 1914, Ber­lin 1970, S. 60ff

14 Vgl. Autoren­kol­lek­tiv unter Lei­tung von Fritz Klein 1970, S. 366ff. 1914 wur­de noch kei­ne Ost­ex­pan­si­on Deutsch­lands gefor­dert. Denn damals wur­de noch erwo­gen, auf dem zu erobern­den pol­ni­schen Gebiet ein König­reich zu schaf­fen, das mit Öster­reich-Ungarn in Per­so­nal­uni­on ver­bun­den wer­den soll­te. Als in den Fol­ge­jah­ren die Schwä­che der Öster­reich-Unga­ri­schen Armee offen­sicht­lich wur­de, waren die­se Plä­ne obso­let und Deutsch­land ver­la­ger­te den Schwer­punkt sei­ner Expan­si­ons­pla­nun­gen nach Osten. Die­se Ten­denz wur­de im Zwei­ten Welt­krieg noch wesent­lich gesteigert.

Bild: Kari­ka­tur des Kolo­nia­lis­mus, 1904

2 thoughts on “Imperialismus und Great Reset: Klassischer Imperialismus (Teil 2)

  1. Die Vor­aus­set­zung für den »Auf­stieg von Adolf Hit­ler« war also die nicht gelun­ge­ne »Ent­eig­nung der (deut­schen) Kapi­ta­lis­ten«. Dass mas­si­ve Geld­strö­me aus den kapi­ta­lis­ti­schen Zen­tren in Lon­don und New York Rich­tung Deutsch­land flos­sen (mit wel­chen Moti­ven auch immer), wird hier »etwas« aus­ge­blen­det. Die faschis­ti­schen Rich­tun­gen wur­den in allen Län­der (Spa­ni­en, Ita­li­en, Japan, etc.) mas­siv unter­stützt, und so war der »Auf­stieg« fast unvermeindlich.
    Die »Ent­eig­nung von Kapi­ta­lis­ten« ist und bleibt ein Traum der Sozia­lis­ten, zumin­dest solan­ge auf Nationen/​Gebiete sich »begrenzt« wird. In der Nicht-Ver­wirk­li­chung die­ses Trau­mes die Grün­de für den Auf­stieg von Faschis­ten zu sehen, erin­nert an die Aus­sa­ge »ich sehe nur das, was ich sehen will«.…

    1. Ange­nom­men, dei­ne Ana­ly­se stimmt, dann stellt sich sofort fol­gen­de Fra­ge: Wie hät­ten die­se Geld­strö­me in einer hypo­the­ti­schen Deut­schen Räte­re­pu­blik irgend­wie etwas bewir­ken kön­nen? In einer Gesell­schaft mit rasch wach­sen­dem Lebens­stan­dard? Denn die Mög­lich­keit dazu bestand auf­grund sei­nes beträcht­li­chen Indus­trie­po­ten­ti­als auch schon in den 20er Jah­ren in Deutsch­land, im Unter­schied zur Sowjet­uni­on. Mal ganz abge­se­hen davon, dass die sozia­lis­ti­schen Staats­si­cher­heits­or­ga­ne sol­che Zah­lun­gen natür­lich unter­bun­den hät­ten. Letzt­lich lan­det man doch wie­der bei der Fra­ge des Besit­zes oder Nicht­be­sit­zes der Produktionsmittel.

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