Die Querfront als Falle

Neunzig Jahre später, im deutschen Winter 2020 bis 2022, erklangen ähnliche Sätze auf Querdenker‐​Bühnen, in Telegram‐​Kanälen, auf Demonstrationen. Links und rechts – das seien Schubladen der Herrschenden. Wir seien doch alle eine Menschheitsfamilie, die gegen dieselbe übermächtige Kontrolle kämpfe. Daniel Sandmann, der dieser Bewegung eine Zeitlang angehörte, nennt das rückblickend »Menschheitsfamiliengezirpe«: ein warmes Gesumme, das die wirklichen Verhältnisse verdeckt. Diese Rhetorik ist nicht neu. Sie hat eine Geschichte, die an ungute Traditionen anknüpft. Und diese Geschichte endet nicht gut.

Querfront‐​Zählung bis Zwei – Quergedachtes zur Querfront‐​Debatte der Kommunistischen Organisation

Bei der Kommunistischen Organisation (KO) begann im November 2025 eine Klärungsdebatte zum Thema »Querfront«. Wird dabei eine Querfront übersehen? Eine vielleicht, die Stellung bezieht zur Verteidigung der Ukraine und Israels vor russischen, palästinensischen, persischen Horden; für Verschuldungs‑, für Landaneignungs‐ und Handelsstrategien zur Rettung des Klimas; für einen undogmatisch‐​wehrhaften Umgang mit Arzneimittelwerbeverboten, Grundrechten, Gewaltenteilung und Völkerrecht?

Der »Sündenfall« Corona und die Folgen: Wie die Linke zum Mainstream‐​Problemfall wurde

Mit dem Abschied der Linken von jeder grundsätzlichen Kritik an den kapitalistischen Produktions‐ und Klassenverhältnissen – der, wie Lange und Pickett‐​Depaolis schreiben, »konkreten Form der spezifischen kapitalistischen Herrschaft«– hat ausgerechnet in und mit Corona eine sich ins politische Sinnvakuum hinein manövrierende Linke den Rettungsanker für ihre Malaise erblickt. Folglich sprang sie auf die Corona‐​Hysterie nicht nur auf, sondern verstärkte sie sogar noch durch ihre Rufe nach einer »Zero‐​Covid‐​Strategie«.