Der antikommunistische Kreuzzug

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Der Kalte Krieg begann, bevor der Zweite Weltkrieg endete

Der »Kal­te Krieg«, der vor 75 Jah­ren auf gan­zer Front von den USA und den Kräf­ten der inter­na­tio­na­len Reak­ti­on begon­nen wur­de, ist eine Fol­ge ihrer aggres­si­ven Hal­tung in der Sys­tem­kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Sozia­lis­mus und Kapi­ta­lis­mus bezie­hungs­wei­se Impe­ria­lis­mus. Die Alter­na­ti­ve dazu ist die fried­li­che Koexis­tenz zwi­schen Staa­ten mit unter­schied­li­cher Gesellschaftsordnung.

Antikommunismus als Grundprinzip imperialistischer Politik

Kon­zep­ti­on und Poli­tik des Kal­ten Kriegs wer­den durch die Ideo­lo­gie des Anti­kom­mu­nis­mus geprägt. Die­ser ist so alt wie die orga­ni­sier­te Arbei­ter­be­we­gung. Heu­te wie einst zielt er dar­auf ab, den gesell­schaft­li­chen Fort­schritt zu ver­hin­dern oder zumin­dest zu hem­men, die pro­gres­si­ven Kräf­te zu spal­ten, die Gefah­ren für das kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem zu mini­mie­ren, die­ses Sys­tem zu erhalten.

Ele­men­te des Kal­ten Kriegs haben schon nach der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on von 1917 Ein­gang in die Poli­tik der impe­ria­lis­ti­schen Haupt­mäch­te gegen die Sowjet­uni­on gefun­den. Unter ande­rem wur­de das in ihren Inter­ven­ti­ons­krie­gen und in ihrem Ver­hal­ten vor Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs sowie spä­ter auch in der Fra­ge der Ver­zö­ge­rung einer zwei­ten Front gegen das faschis­ti­sche Deutsch­land sichtbar.

Dazu gehört auch, dass Win­s­ton Chur­chill, wie er in einem Inter­view mit dem Dai­ly Herald vom 24. Novem­ber 1955 offen­bar­te, schon Ende April 1945 – noch vor Been­di­gung des Zwei­ten Welt­kriegs – dem bri­ti­schen Ober­kom­man­die­ren­den fol­gen­den Befehl gab: »Ich tele­gra­fier­te an Lord Mont­go­me­ry und befahl ihm, die deut­schen Waf­fen sorg­fäl­tig zu sam­meln und auf­zu­be­wah­ren, damit man sie ohne Schwie­rig­kei­ten den deut­schen Sol­da­ten wie­der in die Hand geben kön­ne, mit denen man zusam­men­wir­ken müss­te, wenn die sowje­ti­sche Offen­si­ve noch wei­ter anhält.« Dazu soll­te der bri­ti­sche Gene­ral­stab für die Fort­set­zung des Kamp­fes gegen die Sowjet­uni­on, die ja damals noch Ver­bün­de­ter war, einen Plan ausarbeiten.

Im Ergeb­nis des Zwei­ten Welt­kriegs ent­stan­den aber im welt­wei­ten Kräf­te­ver­hält­nis und hin­sicht­lich der sozia­len und poli­ti­schen Lage in den euro­päi­schen Län­dern und in Asi­en – trotz mas­si­ver kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­rer Akti­vi­tä­ten – güns­ti­ge Bedin­gun­gen für die Durch­set­zung anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher und demo­kra­ti­scher For­de­run­gen der Arbei­ter­klas­se und der ande­ren demo­kra­ti­schen Kräfte.

Veränderte Kräfteverhältnisse

In den ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten – in Polen, der Tsche­cho­slo­wa­kei, Jugo­sla­wi­en, Alba­ni­en, Bul­ga­ri­en, Rumä­ni­en und Ungarn – sowie in der dama­li­gen Sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne in Deutsch­land wur­den ent­spre­chend den Ver­ein­ba­run­gen der Alli­ier­ten von Jal­ta und Pots­dam grund­le­gen­de sozi­al­öko­no­mi­sche und poli­ti­sche Ver­än­de­run­gen durchgesetzt.

Dazu gehör­ten die Boden­re­form, die Natio­na­li­sie­rung in der Indus­trie sowie im Ban­ken- und Trans­port­we­sen, die Neu­ge­stal­tung von Kul­tur und Bil­dung. Das führ­te zur Errich­tung der volks­de­mo­kra­ti­schen Ord­nung – einer neu­en Form der poli­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on der Gesell­schaft. Der Erfolg die­ser Maß­nah­men wur­de in ers­ter Linie durch die Kom­mu­nis­ti­schen und Arbei­ter­par­tei­en gewährleistet.

Auf­grund des her­aus­ra­gen­den Anteils der Sowjet­uni­on am Sieg über den Faschis­mus und der akti­ven Betei­li­gung der Kom­mu­nis­ten am anti­fa­schis­ti­schen Befrei­ungs­kampf ihrer Völ­ker stieg das Anse­hen der Kom­mu­nis­ten auch in West­eu­ro­pa steil an. Das zeig­te sich sowohl im Anwach­sen der Mit­glie­der­zahl der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei­en als auch in den Wahl­er­geb­nis­sen. Bei den ers­ten Par­la­ments­wah­len nach Kriegs­en­de erziel­ten die Kom­mu­nis­ten fol­gen­de Ergeb­nis­se: Frank­reich 28,6 Pro­zent (1946), Finn­land 20 Pro­zent (1945), Ita­li­en 19 Pro­zent (1946), Nor­we­gen 11,9 Pro­zent (1945).

In den ers­ten Nach­kriegs­jah­ren wirk­ten in vie­len west­eu­ro­päi­schen Län­dern kom­mu­nis­ti­sche Minis­ter in den Regie­run­gen mit. Auf­ge­schreckt durch die dabei erziel­ten demo­kra­ti­schen Ver­än­de­run­gen wur­de in kon­zer­tier­ten Aktio­nen der inne­ren Reak­ti­on – meist im Zusam­men­spiel mit den ent­spre­chen­den Orga­nen der USA und Bri­tan­ni­ens – bis 1948 auf der Grund­la­ge eines schar­fen Anti­kom­mu­nis­mus erreicht, dass alle Minis­ter aus den Rei­hen der Kom­mu­nis­ten in West­eu­ro­pa aus den Regie­run­gen ent­fernt wurden.

Es kam aber auch zu einer Ver­än­de­rung des Kräf­te­ver­hält­nis­ses zwi­schen den impe­ria­lis­ti­schen Haupt­mäch­ten. Die USA über­nah­men die Rol­le des Hege­mo­nen in der kapi­ta­lis­ti­schen Welt und streb­ten danach, sich den gan­zen übri­gen Glo­bus zu unter­wer­fen. Dabei ging es nicht um eine »ein­fa­che Neu­auf­tei­lung« der Welt, son­dern um eine unge­teil­te Welt­herr­schaft – und dar­an hat sich nichts geän­dert! Auch in die­ser Hin­sicht ging es um den Ein­satz des Anti­kom­mu­nis­mus als Mit­tel in der Kon­kur­renz und als Mit­tel zur Dis­zi­pli­nie­rung aller poli­ti­schen Akteu­re der kapi­ta­lis­ti­schen Sei­te. Der Anti­kom­mu­nis­mus ist zum Grund­prin­zip impe­ria­lis­ti­scher Poli­tik gewor­den – und die USA hat­ten das letz­te Wort, sowohl bei der Erar­bei­tung als auch bei der Ver­wirk­li­chung der Konzeption.

»Verdeckte Operationen« zur Eliminierung des Sozialismus

Für die Pla­nung, Aus­ar­bei­tung und Durch­füh­rung von Aktio­nen im Aus­land wur­de im Juli 1947 der Natio­na­le Sicher­heits­rat (NSC) der USA geschaf­fen. Laut NSC-Direk­ti­ve 10/2 trat er mit dem Auf­trag an, »ver­deck­te Ope­ra­tio­nen« im Aus­land durch­zu­füh­ren. Dar­un­ter waren laut Direk­ti­ve »alle Akti­vi­tä­ten zu ver­ste­hen, die von der Regie­rung durch­ge­führt oder unter­stützt wer­den gegen feind­li­che aus­län­di­sche Staa­ten oder Grup­pen oder zur Unter­stüt­zung befreun­de­ter Staa­ten oder Grup­pen, die jedoch so geplant und durch­ge­führt wer­den, dass für nicht auto­ri­sier­te Per­so­nen dabei kei­ne Ver­ant­wort­lich­keit der Regie­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten nach­weis­bar wird und dass bei der Auf­de­ckung die­ser Ope­ra­tio­nen die Regie­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten glaub­haft jede Ver­ant­wor­tung dafür zurück­wei­sen kann. Ins­be­son­de­re geht es um sol­che Ope­ra­tio­nen, die ver­deck­te Akti­vi­tä­ten umfas­sen auf den Gebie­ten der Pro­pa­gan­da, der wirt­schaft­li­chen Krieg­füh­rung, der vor­beu­gen­den direk­ten Aktio­nen, wie Sabo­ta­ge, Gegen­sa­bo­ta­ge, Zer­stö­run­gen und Maß­nah­men zur Eva­ku­ie­rung, der Sub­ver­si­on gegen feind­li­che Staa­ten, wie Hil­fe für Wider­stands­be­we­gun­gen im Unter­grund, Gue­ril­la-Kämp­fer, Befrei­ungs­grup­pen aus Flücht­lin­gen bezie­hungs­wei­se Unter­stüt­zung von ein­hei­mi­schen anti­kom­mu­nis­ti­schen Ele­men­ten in allen befrei­ten Län­dern der Welt.«

Das ist die Geburts­ur­kun­de des Kal­ten Kriegs, mit dem die USA und ihre Ver­bün­de­ten den Kom­mu­nis­mus und die Kom­mu­nis­ten in der gan­zen Welt bekämp­fen, den Völ­kern ihre »Demo­kra­tie« auf­zwin­gen und auch heu­te noch ihre »frei­heit­li­che« Welt verteidigen!

Der gan­ze Mecha­nis­mus wur­de bis in die heu­ti­ge Zeit immer wie­der »ver­voll­komm­net« und in neue Dimen­sio­nen aus­ge­wei­tet. Noch im Jahr 1947, am 14. Dezem­ber, auto­ri­sier­te der NSC die Cen­tral Intel­li­gence Agen­cy (CIA), gehei­me psy­cho­lo­gi­sche Ope­ra­tio­nen durch­zu­füh­ren – ins­be­son­de­re Akti­vi­tä­ten, wel­che die Nut­zung von anony­men, gefälsch­ten und/​oder sub­ven­tio­nier­ten Publi­ka­tio­nen beinhalteten.

Mit der NSC-Direk­ti­ve 20/4 vom 23. Novem­ber 1948 über die »Auf­ga­ben der Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Hin­blick auf die UdSSR« wird offi­zi­ell bestä­tigt: »Hät­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren nicht rigo­ro­se Maß­nah­men ergrif­fen, um den Wider­stand in den west­eu­ro­päi­schen Staa­ten und den Mit­tel­meer­an­rai­nern gegen den sowje­ti­schen Druck zu stär­ken, wären heu­te die meis­ten der west­eu­ro­päi­schen Staa­ten bereits von der kom­mu­nis­ti­schen Bewe­gung poli­tisch erobert worden.«

Antikommunistische Offensive

Schließ­lich wur­de am 14. Sep­tem­ber 1949 die NSC-Direk­ti­ve »Poli­tik der Ver­ei­nig­ten Staa­ten bezüg­lich der sowje­ti­schen Satel­li­ten­staa­ten in Ost­eu­ro­pa« ver­ab­schie­det. Es sei »die Zeit reif, grö­ße­re Auf­merk­sam­keit auf die Offen­si­ve zu rich­ten, um zu beur­tei­len, ob wir nicht mehr tun kön­nen zur Eli­mi­nie­rung oder wenigs­tens zur Zurück­drän­gung des vor­herr­schen­den sowje­ti­schen Ein­flus­ses in den Satel­li­ten­staa­ten Ost­eu­ro­pas«. Es gehe um den »Kampf der zwei Wel­ten«, um das »Welt­bild« der­je­ni­gen, die »ver­eint in der gemein­sa­men Ableh­nung der Bour­geoi­sie« sind, das »leni­nis­tisch-sta­li­nis­ti­sche Modell der Ergrei­fung und Fes­ti­gung der Macht« ver­tre­ten und den Zusam­men­schluss um die Sowjet­uni­on als Bedin­gung für die Sicher­heit der Ent­wick­lung des Lan­des betrachten.

Die Direk­ti­ve ver­kün­de­te wei­ter: »Bei der Suche nach Mög­lich­kei­ten, die Sowjet­macht in den Satel­li­ten­staa­ten zu besei­ti­gen, ste­hen uns zwei prin­zi­pi­el­le Wege für unser Han­deln offen. Der eine ist der Krieg, der ande­re Maß­nah­men unter­halb der Schwel­le eines Krie­ges.« Das Ziel bestand in der Errich­tung sol­cher Regime, »die wil­lig sind, sich der Gemein­schaft der frei­en Welt anzu­pas­sen und an ihr teilzunehmen«.

Tag und Nacht bereit, das sozia­lis­ti­sche Drit­tel der Erde zu zer­stö­ren: Mit die­ser Kar­te über die Reich­wei­te von Kampf­flug­zeu­gen und Rake­ten beru­hig­te »The Phil­adel­phia Inqui­rer« 1961 die US-ame­ri­ka­ni­sche Bour­geoi­sie. Heu­te sind US-Impe­ria­lis­mus und NATO schon deut­lich näher auf Mos­kau und Peking vor­ge­rückt. (Foto: Gemein­frei, Quel­le: UZ)

Auf dem Weg zum Ziel soll­te ein ers­ter Schritt dar­in bestehen, dass »abtrün­ni­ge kom­mu­nis­ti­sche Regime die gegen­wär­ti­gen sta­li­nis­ti­schen Regie­run­gen erset­zen«. Zwei­tens soll­te laut Direk­ti­ve »die Ent­ste­hung eines ket­ze­ri­schen Pro­zes­ses des Abdrif­tens bei einem Teil der Satel­li­ten­staa­ten« erreicht werden.

Eine »ent­schei­den­de Vor­be­din­gung« sei »die Her­bei­füh­rung von Bedin­gun­gen, die zu einem Rück­zug der sowje­ti­schen Trup­pen von den Ter­ri­to­ri­en der Satel­li­ten­staa­ten füh­ren kön­nen«. Par­al­lel dazu »könn­te eine Ver­ein­ba­rung der Vier Mäch­te über Deutsch­land, soll­te die­se erreicht wer­den, auch Bedin­gun­gen ein­schlie­ßen, die im güns­tigs­ten Fal­le einen Abzug, aber zumin­dest eine Redu­zie­rung der sowje­ti­schen Trup­pen in Deutsch­land und Polen absi­chern könn­ten«. Man ori­en­tier­te dar­auf, so zu han­deln, »dass der Kreml (…) zuneh­mend Posi­tio­nen ein­büßt«. Das, was erst 1989 rea­li­siert wer­den konn­te, wur­de also schon 1949 geplant!

Der skiz­zier­te Weg sei »direkt ver­bun­den mit und teil­wei­se abhän­gig vom drit­ten Weg unse­rer Akti­vi­tä­ten – einem Angriff an der ideo­lo­gi­schen Front«. In die­sem Zusam­men­hang »soll­te das Gegen­teil die­ses sta­li­nis­ti­schen Dog­mas – der Natio­na­lis­mus – gestärkt wer­den«. Aus­drück­lich hieß es: »Die­se Angrif­fe soll­ten sowohl in offe­ner als auch in ver­deck­ter Form vor­ge­tra­gen werden.«

»Frieden mit den Kommunisten ist undenkbar«

Zusam­men bestä­ti­gen die­se Aus­ar­bei­tun­gen der CIA und des NSC die Aus­sa­ge von Hen­ry Mor­gent­hau, einem der damals füh­ren­den Köp­fe bei der Aus­ar­bei­tung der US-ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik­kon­zep­te, der erklär­te: »Der anti­kom­mu­nis­ti­sche Kreuz­zug ist zugleich zum mora­li­schen Prin­zip des gegen­wär­ti­gen Glo­ba­lis­mus und zum Grund­ge­halt unse­rer glo­ba­len Außen­po­li­tik gewor­den.« Laut Mor­gent­hau hieß es also von Anfang an: »Frie­den mit den Kom­mu­nis­ten ist undenk­bar (…) In die­ser Hin­sicht kann unser Frie­de nur in einem tota­len Sieg bestehen.«

Für eine sol­che Außen­po­li­tik fand Chur­chill in Har­ry S. Tru­man, der nach dem Tod von Fran­k­lin D. Roo­se­velt im April 1945 Prä­si­dent der USA gewor­den war, und in des­sen außen­po­li­ti­schem Bera­ter John Fos­ter Dul­les, der spä­ter US-ame­ri­ka­ni­scher Außen­mi­nis­ter wur­de, akti­ve Gesin­nungs­ge­nos­sen und Mitstreiter.

Die »Tru­man-Dok­trin«, die vom US-Prä­si­den­ten im März 1947 ver­kün­det wur­de, mach­te »Con­tain­ment« und »Befrei­ung« zur Grund­li­nie der US-ame­ri­ka­ni­schen Außen­po­li­tik. Dafür war der Mar­shall-Plan eine der ent­schei­den­den Maß­nah­men auf dem Weg zur Errich­tung eines mili­tä­ri­schen Blocks zur Durch­set­zung impe­ria­lis­ti­scher Politik.

Auf die­ser Grund­la­ge wur­den die USA und die dann 1949 eigens dafür geschaf­fe­ne NATO zum stra­te­gi­schen Zen­trum des Kal­ten Kriegs gegen den Sozia­lis­mus und gegen alle, die den Vor­stel­lun­gen der USA nicht folgten.

Zwei Haupt­zie­le der US-ame­ri­ka­ni­schen Außen­po­li­tik wur­den ange­strebt. Das eine bestand dar­in, unter Aus­nut­zung der durch den Krieg geschwäch­ten Posi­ti­on der ande­ren Län­der eine unan­ge­foch­te­ne Vor­macht­stel­lung der USA auf öko­no­mi­schem, mili­tä­ri­schem, poli­ti­schem und ideo­lo­gi­schem Gebiet in der Welt des Kapi­ta­lis­mus zu errichten.

Mit der Ver­wirk­li­chung des ers­ten stra­te­gi­schen Haupt­ziels soll­ten güns­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für die Rea­li­sie­rung des zwei­ten, für den Impe­ria­lis­mus wich­tigs­ten Ziels geschaf­fen wer­den: die Besei­ti­gung der sozia­lis­ti­schen Welt. So soll­ten die USA zum Zen­trum und Boll­werk der kapi­ta­lis­ti­schen Welt gemacht wer­den. Und das durch den Kal­ten Krieg!

Alle die­se Ent­wick­lun­gen kann man nur zum Teil mit dem Hass ein­zel­ner Poli­ti­ker wie Chur­chill, Tru­man und Dul­les auf den Sozia­lis­mus erklä­ren. Sie wur­zeln letzt­end­lich in den mate­ri­el­len Inter­es­sen ihrer Klas­se. Der Kal­te Krieg ent­sprang also nicht allein aus dem Hass ein­zel­ner Poli­ti­ker gegen den Sozia­lis­mus, son­dern aus den mate­ri­ell beding­ten Inter­es­sen der herr­schen­den Klas­se der kapi­ta­lis­ti­schen Staa­ten, wel­che das Ziel ver­fol­gen, die Herr­schaft des Kapi­tals über die mensch­li­che Gesell­schaft zu verewigen.

Nach Ende des Zwei­ten Welt­kriegs war es nicht mehr mög­lich, die­ses Ziel mit einem »Hei­ßen« Krieg – mit mili­tä­ri­scher Gewalt – durch­zu­set­zen. Man pro­kla­mier­te den »Kal­ten« Krieg, mit dem man das glei­che Ziel in län­ge­ren Zeit­räu­men errei­chen wollte.

Eine wirk­sa­me Kon­zep­ti­on dage­gen darf nicht über­se­hen, dass es den USA stets pri­mär, aber nicht allein um die Ein­däm­mung des Sozia­lis­mus ging. Es ging ihnen immer auch um die Erobe­rung und Siche­rung der Domi­nanz als allei­ni­ge »Super­macht«, wel­che das öko­no­mi­sche und poli­ti­sche Welt­ge­sche­hen allein bestim­men kann.

Es darf nicht über­se­hen wer­den, dass kein ein­zi­ges Ele­ment der nach dem Zwei­ten Welt­krieg erar­bei­te­ten Kon­zep­ti­on der USA (sie­he NSC-Direk­ti­ven) und ihrer NATO-Ver­bün­de­ten auf­ge­ho­ben wur­de. Es wur­de stets an der Anpas­sung und Ver­voll­komm­nung an neu ent­stan­de­ne Bedin­gun­gen gear­bei­tet, die den schon immer erstreb­ten Erfolg gewähr­leis­ten sollten.

Prof. Dr. Anton Lat­zo ist His­to­ri­ker und Mit­glied des Bei­rats des Deut­schen Frei­den­ker-Ver­ban­des, von des­sen Web­site frei​den​ker​.org die­ser Text, erst­ver­öf­fent­licht in der UZ vom 17.06.2022 über­nom­men wurde.

Bild: Anti­kom­mu­nis­ti­sches Pla­kat aus Hit­ler­deutsch­land, aus­ge­stellt in: »Nazi-Pro­pa­gan­da« im U.S. Holo­caust Memo­ri­al Muse­um, Washing­ton, D.C., 2009.

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