In der Ukraine bekämpft Russland den Neonazismus

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Die Posi­ti­on der KPRF zum Kon­flikt in der Ukrai­ne scheint es uns Wert, hier­zu­lan­de gebüh­rend zur Kennt­nis genom­men zu wer­den. Des­halb folgt eine über­ar­bei­te­te, leicht kor­ri­gier­te Über­set­zung (erschie­nen bei der Kom­mu­nis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on) der am 16.5.2022 bei Solid­net ver­öf­fent­lich­ten Erklä­rung der KP der rus­si­schen Föde­ra­ti­on zur Kri­tik der KP Grie­chen­lands an jener.

Anmerkungen zum Artikel der Internationalen Abteilung des ZK der KKE »Über den imperialistischen Krieg in der Ukraine und die Haltung der KPRF«

Am 23. April 2022 brach­te die Zei­tung Rizo­s­pas­tis, das Organ der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Grie­chen­lands, einen Arti­kel der Inter­na­tio­na­len Abtei­lung des ZK KKE »Über den impe­ria­lis­ti­schen Krieg in der Ukrai­ne und die Hal­tung der KPRF«.

Der Arti­kel bewer­tet die Aktio­nen der KPRF im Zusam­men­hang mit der von Russ­land in der Ukrai­ne durch­ge­führ­ten Son­der­ope­ra­ti­on und beschul­digt die Par­tei offen eine regie­rungs­hö­ri­ge, das heißt pro­im­pe­ria­lis­ti­sche Posi­ti­on zu haben. Die­ser uti­li­ta­ris­ti­schen Ein­schät­zung wider­spre­chen wir kategorisch.

Die Kern­aus­sa­ge des Arti­kels der grie­chi­schen Genos­sen ist, dass es sich beim Gesche­hen in der Ukrai­ne um einen impe­ria­lis­ti­scher Krieg im Inter­es­se der rus­si­schen Bour­geoi­sie han­de­le. Daher ver­tre­te die KPRF mit ihrer Unter­stüt­zung der Son­der­ope­ra­ti­on eine Poli­tik »im Ein­klang mit der regie­ren­den Par­tei Eini­ges Russ­land und Prä­si­dent W. Putin«.

Indem sie auf dem »impe­ria­lis­ti­schen« Cha­rak­ter die­ses Krie­ges behar­ren, gehen die grie­chi­schen Genos­sen von der bekann­ten The­se Lenins aus:

Kampf um die Märk­te und Raub frem­der Län­der, das Bestre­ben, die revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung des Pro­le­ta­ri­ats und der Demo­kra­tie inner­halb der Län­der aus der Welt zu schaf­fen, das Bestre­ben, die Pro­le­ta­ri­er aller Län­der zum Nar­ren zu machen, zu spal­ten, abzu­schlach­ten, indem man die Lohn­skla­ven der einen Nati­on im Inter­es­se der Bour­geoi­sie gegen die Lohn­skla­ven der ande­ren Nati­on hetzt, – das ist der ein­zi­ge rea­le Inhalt des Kriegs und sei­ne Bedeu­tung (W.I. Lenin, Wer­ke, Band 21, S. 1).

Die Genos­sen haben jedoch ver­ges­sen zu erwäh­nen, dass die­se Aus­sa­ge aus Lenins Schrif­ten zum Krieg zwi­schen 1914 und 1918 stammt und sich damit spe­zi­ell auf den Ers­ten Welt­krieg bezieht, der tat­säch­lich ein rein impe­ria­lis­ti­scher Erobe­rungs­krieg war. Abge­se­hen vom Dog­ma aber kom­men wir nicht umhin zuzu­ge­ben, dass jeder Krieg sei­ne spe­zi­fi­schen Merk­ma­le hat.

Die Auf­ga­be des Mar­xis­ten bei sei­ner Posi­ti­ons­be­stim­mung zum Krieg besteht im Bestim­men des Cha­rak­ters des Krie­ges. Denn neben den impe­ria­lis­ti­schen Krie­gen gibt es natio­na­le Befrei­ungs­krie­ge und anti­fa­schis­ti­sche Krie­ge. Die­se haben sich aus­ge­brei­tet als Mit­te des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts Faschis­mus und Nazis­mus als poli­ti­sche Phä­no­me­ne auf­tauch­ten und sich natio­na­le Befrei­ungs­kämp­fe unter dem Ein­druck der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on intensivierten.

Wovon sich die KPRF in ihrem Standpunkt hat leiten lassen

Die Par­tei hat bei der Aus­ar­bei­tung ihrer poli­ti­schen Posi­ti­on zur Fra­ge der Durch­füh­rung der Son­der­ope­ra­ti­on die kon­kre­ten his­to­ri­schen Bedin­gun­gen ana­ly­siert, die objek­tiv zur Kri­se in der Ukrai­ne geführt haben.

Die Ukrai­ne war vor der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on in Russ­land ein typi­sches Agrar­land, das Teil des Rus­si­schen Rei­ches war. Um ihre Indus­trie zu stär­ken, wur­den sechs Indus­trie­ge­bie­te der RSFSR im Osten und Süden, die nie Teil der Ukrai­ne gewe­sen waren, in die Ukrai­ne ein­ge­glie­dert. Dazu gehör­ten die Oblas­te Donezk und Lug­ansk. Im Jahr 1939 wur­de Gali­zi­en (West­ukrai­ne), das zuvor zu Polen gehört hat­te, zur Ukrai­ne hin­zu­ge­fügt. Das heu­ti­ge Gebiet der Ukrai­ne ist also das Ergeb­nis ihrer Ein­glie­de­rung in die UdSSR. Sie wur­de aus dis­pa­ra­ten Tei­len »zusam­men­ge­flickt«. Zum einen aus Gali­zi­en (Lem­berg), das unter star­kem Ein­fluss Polens, Öster­reichs und Ungarns stand, zum ande­ren aus der Ost­ukrai­ne, die sich an Russ­land orientierte.

Die sozia­lis­ti­sche Indus­trie der Ukrai­ne ent­wi­ckel­te sich präch­tig. Zur Metall- und Koh­le­pro­duk­ti­on kamen Luft­fahrt und Rake­ten­tech­nik, Petro­che­mie und Ener­gie­er­zeu­gung (4 Kern­kraft­wer­ke) sowie der Ver­tei­di­gungs­sek­tor hin­zu. Als Teil der UdSSR erhielt die Ukrai­ne nicht nur den Groß­teil ihres heu­ti­gen Ter­ri­to­ri­ums, son­dern auch ihr wirt­schaft­li­ches Poten­zi­al, um zu den zehn größ­ten euro­päi­schen Volks­wirt­schaf­ten zu werden.

Die Auf­lö­sung der Sowjet­uni­on im Dezem­ber 1991 zer­stör­te gleich­zei­tig die jahr­hun­der­te­al­te wirt­schaft­li­che Inte­gra­ti­on der Ukrai­ne und Russ­lands und kapp­te alle wirt­schaft­li­chen, poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Verbindungen.

Heu­te ist die Ukrai­ne eines der ärms­ten Län­der Euro­pas. Die ver­ar­bei­ten­de Indus­trie, mit Aus­nah­me der Metall­ur­gie, ist prak­tisch zer­stört. Die ukrai­ni­sche Wirt­schaft hält sich dank west­li­cher Kre­di­te und Über­wei­sun­gen von Men­schen über Was­ser, die auf der Suche nach einem Arbeits­platz nach Euro­pa oder Russ­land gegan­gen sind. Der Lebens­stan­dard ist stark gesun­ken, wäh­rend die Aus­wan­de­rung in die Höhe geschnellt ist. Etwa 10 Mil­lio­nen Men­schen (von 45 Mil­lio­nen) haben das Land ver­las­sen, die meis­ten von ihnen hoch­qua­li­fi­zier­te Spezialisten.

Die Ukrai­ne gehört zu den Län­dern mit der höchs­ten Kor­rup­ti­ons­ra­te und dem größ­ten sozia­len Gefäl­le. Das Land befin­det sich am Ran­de einer natio­na­len Katastrophe.

Der Staatsstreich in Kiew als Grundlage für das Schüren von Streitigkeiten

Im Febru­ar 2014 fand in der Ukrai­ne mit direk­ter Unter­stüt­zung der USA und ande­rer NATO-Län­der ein Staats­streich statt. Die recht­mä­ßi­ge Regie­rung wur­de gestürzt. Neo­na­zis kamen an die Macht. Spä­ter gaben die USA öffent­lich zu, dass sie rund 5 Mil­li­ar­den Dol­lar in die Vor­be­rei­tung des Regime-Chan­ge in dem Land und in die »Ent­wick­lung der Demo­kra­tie« inves­tiert hat­ten. Man muss wohl nicht erwäh­nen, dass nie­mand eine sol­che gigan­ti­sche Sum­me ein­fach so aus­ge­ben würde.

Infol­ge des Staats­streichs über­nah­men Leu­te aus der West­ukrai­ne, aus Gali­zi­en, die Macht. Dort waren extre­me natio­na­lis­ti­sche, anti­se­mi­ti­sche, anti­pol­ni­sche, russo­pho­be und anti­kom­mu­nis­ti­sche Gefüh­le tra­di­tio­nell stark ausgeprägt.

Die Zwangs­as­si­mi­lie­rung der rus­sisch­spra­chi­gen Bevöl­ke­rung begann. Das Ver­bot der rus­si­schen Spra­che und die Ent­schei­dung, den Schul­un­ter­richt von Rus­sisch auf Ukrai­nisch umzu­stel­len, stie­ßen in den Regio­nen Donezk und Lug­ansk auf hef­ti­gen Wider­stand. Die Men­schen stan­den auf und grif­fen zu den Waffen.

Am 11. Mai 2014 stimm­ten 87% der Bür­ger in einem natio­na­len Refe­ren­dum für die Unab­hän­gig­keit. Die Volks­re­pu­bli­ken Donezk und Lug­ansk wur­den somit auf Initia­ti­ve der Volks­mas­sen und nicht auf Anwei­sung des Kremls gegründet.

Nach meh­re­ren erfolg­lo­sen Ein­nah­me­ver­su­chen der DPR/LPR grif­fen die Kie­wer Nazis zum Ter­ror. Wäh­rend der acht Jah­re andau­ern­den Bom­bar­die­rung mit schwe­rer Artil­le­rie wur­den fast 14.000 Zivi­lis­ten getö­tet und Zehn­tau­sen­de ver­stüm­melt. Die Infra­struk­tur wur­de dabei schwer beschädigt.

Wäh­rend der lan­gen acht Jah­re haben die euro­päi­schen Län­der und die USA den Völ­ker­mord an der rus­si­schen Bevöl­ke­rung im Don­bass mit äußers­tem Gleich­mut betrach­tet und damit das Vor­ge­hen des Kie­wer Regimes prak­tisch gerechtfertigt.

Heu­te legen die EU und die USA eine uner­hör­te Heu­che­lei an den Tag, indem sie das Lei­den der Men­schen im Ver­lauf der Kämp­fe beschrei­ben, aber die Tat­sa­che igno­rie­ren, dass der Ein­satz von Zivi­lis­ten als mensch­li­che Schutz­schil­de zur Stan­dard­pra­xis der­je­ni­gen gewor­den ist, die sie »Frei­heits­kämp­fer« nennen.

Entwicklung des Neonazismus in der Ukraine

Bei der Betrach­tung der Situa­ti­on in der Ukrai­ne erwäh­nen unse­re Genos­sen nur wider­wil­lig die Gefahr einer Faschi­sie­rung des Lan­des. Und doch ist eines der Haupt­zie­le der rus­si­schen Mili­tär­ope­ra­ti­on in die­sem Land des­sen Ent­na­zi­fi­zie­rung. Sogar ame­ri­ka­ni­sche Kon­gress­mit­glie­der und Son­der­diens­te geben zu, dass die Ukrai­ne zum Zen­trum des inter­na­tio­na­len Neo­na­zis­mus gewor­den ist.

Hier nur eini­ge Fak­ten. Nach dem Ein­marsch Hit­lers in die UdSSR herrsch­te in der West­ukrai­ne, wie wir bereits erwähn­ten, eine extre­me natio­na­lis­ti­sche, anti­se­mi­ti­sche, russo­pho­be und anti­kom­mu­nis­ti­sche Stim­mung. Die dort gebil­de­ten SS-Divi­sio­nen bekämpf­ten die Rote Armee. Loka­le Natio­na­lis­ten, ange­führt von Sem­jon Ban­de­ra, einem glü­hen­den Hit­ler-Fan, mach­ten sich an die Aus­rot­tung der Juden. In der Ukrai­ne schlach­te­ten die Ban­de­ra-Anhän­ger etwa 1,5 Mil­lio­nen Juden ab, ein Vier­tel aller Opfer des Holo­caust. Wäh­rend des »Volyn-Mas­sa­kers« 1944 in der West­ukrai­ne wur­den etwa 100.000 Polen abge­schlach­tet. Ban­de­rais­ten töte­ten Par­ti­sa­nen und ver­brann­ten bei leben­di­gem Leib Zivi­lis­ten in hun­der­ten weiß­rus­si­schen Dörfern.

Nach dem Krieg began­nen von den USA und Groß­bri­tan­ni­en unter­stütz­te anti­kom­mu­nis­ti­sche und anti­so­wje­ti­sche Rebel­len in der West­ukrai­ne in der Zeit zwi­schen 1945 und 1953 mit dem Ter­ror gegen die Zivil­be­völ­ke­rung. In die­sen Jah­ren töte­ten Ban­de­rais­ten etwa 50.000 Bür­ger. Die Nach­kom­men und Nach­fol­ger die­ser Ver­bre­cher kamen nach dem Putsch von 2014 an die Macht. Die Tra­di­ti­on des anti­pol­ni­schen, anti­se­mi­ti­schen und anti­rus­si­schen Ter­rors ist bei den heu­te prak­tisch in der Ukrai­ne regie­ren­den Neo­na­zis sehr stark ausgeprägt.

Die Nazi-Ideo­lo­gie wird in der Ukrai­ne ein­ge­impft. Ukrai­ni­sche Faschis­ten, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs Gräu­el­ta­ten orga­ni­siert und began­gen haben, wur­den offi­zi­ell zu Natio­nal­hel­den erklärt. Ihre Sym­bo­le sind vom Staat über­nom­men wor­den. Jedes Jahr fin­den Auf­mär­sche zu Ehren der faschis­ti­schen Ver­bre­cher statt. Stra­ßen und Plät­ze wer­den nach ihnen benannt. Die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei der Ukrai­ne ist in den Unter­grund getrie­ben wor­den. Ein­schüch­te­rung und Ermor­dung von Poli­ti­kern und Jour­na­lis­ten sind an der Tages­ord­nung. Denk­mä­ler für Lenin und alles, was an das Leben in der UdSSR erin­nert, wer­den zerstört.

Heu­te sind die Ban­de­rais­ten, wie die SD-Sturm­trup­pen in Deutsch­land, die Stoß­trupps des Big Busi­ness. Sie kon­trol­lie­ren jeden Schritt der Regie­rung und erpres­sen sie stän­dig mit der Dro­hung eines Staatsstreichs.

Das Wesen des heu­ti­gen ukrai­ni­schen Staa­tes ist die Alli­anz des Groß­ka­pi­tals und der Regie­rungs­bü­ro­kra­tie, die von faschis­ti­schen Ele­men­ten unter der voll­stän­di­gen poli­ti­schen und finan­zi­el­len Kon­trol­le der USA unter­stützt wird.

Die Ursachen und das Wesen der speziellen Militäroperation

Im Lich­te der mar­xis­ti­schen Theo­rie kann der mili­tä­ri­sche Kon­flikt in der Ukrai­ne nicht als impe­ria­lis­ti­scher Krieg bezeich­net wer­den, wie unse­re Genos­sen gel­tend machen wür­den. Er ist im Wesent­li­chen ein natio­na­ler Befrei­ungs­krieg des Vol­kes im Don­bass. Aus der Sicht Russ­lands ist es ein Kampf gegen eine äuße­re Bedro­hung der natio­na­len Sicher­heit und gegen den Faschismus.

Es ist kein Geheim­nis, dass die Mili­zen im Don­bass nicht in der Lage waren, den vie­len tau­sen­den bewaff­ne­ten ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten Wider­stand zu leis­ten. Eine Nie­der­la­ge der Mili­zen hät­te zur Aus­lö­schung der rus­sisch­spra­chi­gen Bevöl­ke­rung geführt, von der ein gro­ßer Teil rus­si­sche Staats­bür­ger sind. Gemäß der Ver­fas­sung der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on hat Russ­land legi­ti­me Maß­nah­men zum Schutz sei­ner Bür­ger und zur Gewähr­leis­tung sei­ner natio­na­len Sicher­heit ergrif­fen, da dies mit ande­ren Mit­teln nicht mög­lich gewe­sen wäre.

Mit Unter­stüt­zung der USA und der EU sabo­tier­te Kiew vor­sätz­lich den Ver­hand­lungs­pro­zess im Rah­men der Mins­ker Vereinbarungen.

Zu die­sem Zeit­punkt hat­te die Ukrai­ne bereits 150.000 Sol­da­ten und Nazi-Batail­lo­ne im Don­bass kon­zen­triert. Kiew mach­te sich mit Unter­stüt­zung der USA dar­an, die Kon­trol­le über den Don­bass mit mili­tä­ri­schen Mit­teln wiederzuerlangen.

Mit dem Segen ihrer ame­ri­ka­ni­schen Auf­trag­ge­ber berei­te­te die Ukrai­ne Anfang März die­ses Jah­res eine Mili­tär­ope­ra­ti­on zur Ein­nah­me des Don­bass und anschlie­ßend der Krim vor. Für die Exis­tenz die­ser Plä­ne gibt es stich­hal­ti­ge Beweise.

Das Ban­de­ra-Regime hat sich acht Jah­re lang auf die­sen Krieg vor­be­rei­tet. Die Sol­da­ten wur­den einer uner­bitt­li­chen ideo­lo­gi­schen Gehirn­wä­sche im Sin­ne einer aus­ge­präg­ten Russo­pho­bie unter­zo­gen. Es wur­den mäch­ti­ge Fes­tun­gen geschaf­fen und die Armee mit den neu­es­ten Waf­fen ausgestattet.

Im Ein­klang mit ihren impe­ria­lis­ti­schen geo­po­li­ti­schen Zie­len zogen die USA die Ukrai­ne all­mäh­lich in die Sphä­re ihrer mili­tä­ri­schen Inter­es­sen und mach­ten das Land zu einer NATO-Speer­spit­ze, die ent­schlos­sen war Russ­land »bis zum letz­ten ukrai­ni­schen Sol­da­ten« zu bekämpfen.

Bereits im Dezem­ber 2021 mach­te Russ­land den USA den Vor­schlag, Gesprä­che über eine Nicht­er­wei­te­rung der NATO nach Osten zu füh­ren. Die Ame­ri­ka­ner drück­ten sich davor, eine direk­te Ant­wort zu geben. So warn­te Russ­land im Janu­ar 2022, dass es in die­ser Situa­ti­on zusätz­li­che Maß­nah­men zum Schutz sei­ner natio­na­len Sicher­heit ergrei­fen müsse.

Gleich­zei­tig wur­de über die Sta­tio­nie­rung von tak­ti­schen US-Atom­waf­fen in der Ukrai­ne gespro­chen. Die Ukrai­ne, die über vier Kern­kraft­wer­ke und ein beträcht­li­ches wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sches Poten­zi­al ver­fügt, begann mit den Vor­be­rei­tun­gen für den Bau einer eige­nen Atomwaffe.

Unter der Schirm­herr­schaft des Pen­ta­gons rich­te­te die Ukrai­ne mehr als 30 Labors zur Ent­wick­lung bak­te­rio­lo­gi­scher Waf­fen ein. Es lie­gen Doku­men­te vor, die bele­gen, dass die­se Labors mit beson­ders gefähr­li­chen Bak­te­ri­en für töd­li­che Krank­hei­ten arbei­te­ten und Metho­den zu deren Ver­brei­tung erforsch­ten, um Men­schen ver­schie­de­ner Ras­sen anzugreifen.

All dies bedroht nicht nur Russ­land, son­dern die gesam­te Menschheit.

Man behaup­tet, es gin­ge nur um zwi­schen­im­pe­ria­lis­ti­sche Wider­sprü­che oder den Kampf um Märk­te und Boden­schät­ze. Die Unfä­hig­keit, in den Klas­sen­fra­gen die natio­na­le Kom­po­nen­te und in den natio­na­len Fra­gen die Klas­sen­kom­po­nen­te zu sehen, führt in den Bereich des Dogmatismus.

Interesse der russischen Oligarchie an der Ukraine oder Mangel an Interesse

In dem Bemü­hen, zu bewei­sen, dass der Krieg im Inter­es­se der rus­si­schen Bour­geoi­sie geführt wird, um sich der natür­li­chen Res­sour­cen und des indus­tri­el­len Poten­zi­als der Ukrai­ne zu bemäch­ti­gen, rei­ßen unse­re Genos­sen Lenins Wor­te über das Wesen von Krie­gen aus ihrem his­to­ri­schen Kontext.

Die Behaup­tung, die rus­si­sche Füh­rung habe die Inbe­sitz­nah­me der Ukrai­ne im Vor­aus vor­be­rei­tet, wider­spricht indes den Tatsachen.

Von Anfang an hat die rus­si­sche Füh­rung die Idee eines Refe­ren­dums über die Bil­dung von Volks­re­pu­bli­ken im Don­bass nicht unterstützt.

Nach den Minsk-2-Ver­ein­ba­run­gen ging Russ­land a prio­ri davon aus, dass der Don­bass Teil der Ukrai­ne blei­ben wür­de, wenn auch mit einem gewis­sen Maß an Autonomie.

Bis zum Beginn der Mili­tär­ope­ra­ti­on bestand die rus­si­sche Füh­rung auf der Ein­hal­tung von Minsk‑2. Damit wür­de der Don­bass ein Teil der Ukrai­ne bleiben.

Wo ist also die Vorbereitung auf die imperialistische Inbesitznahme?

Seit 1991 waren die Ukrai­ne, ihre Indus­trie und ihre Res­sour­cen Objek­te der Super­aus­beu­tung durch US- und EU-Mono­po­le. Die rus­si­sche Olig­ar­chie betei­lig­te sich nicht an der »Auf­tei­lung des Kuchens«, die in der Sphä­re der west­li­chen Inter­es­sen lag.

Außer­dem war die rus­si­sche Olig­ar­chie gegen die Mili­tär­ope­ra­ti­on in der Ukrai­ne. Sie streb­te nach Inte­gra­ti­on in die Welto­lig­ar­chie und stand bereits unter mas­si­vem Druck des Wes­tens. Die­ser dräng­te sie Druck auf die Regie­rung aus­zu­üben, um sie zur Bewah­rung der pro-west­li­chen Aus­rich­tung Russ­lands zu bewegen.

Außer­dem lit­ten die rus­si­schen Olig­ar­chen erheb­lich unter der rus­si­schen Mili­tär­ope­ra­ti­on in der Ukrai­ne. Sie wur­den mit Sank­tio­nen belegt, ihre Paläs­te und Yach­ten wur­den ihnen weg­ge­nom­men und ihre Bank­kon­ten eingefroren.

Wir haben nicht das gerings­te Mit­leid mit den­je­ni­gen, die Russ­land drei Jahr­zehn­te lang aus­ge­plün­dert haben und nun ihrer Beu­te beraubt wer­den. Wir wol­len ledig­lich beto­nen, dass die rus­si­sche Olig­ar­chie nicht nur kein Inter­es­se an der Mili­tär­ope­ra­ti­on hat­te, son­dern sogar unter ihr gelit­ten hat. Durch ihre Wei­ge­rung, die­se Ope­ra­ti­on zu unter­stüt­zen, hat das Groß­ka­pi­tal nicht nur sei­nen Besitz und sein Geld ver­lo­ren, son­dern auch sei­nen Ein­fluss inner­halb der rus­si­schen Führungselite.

Man beach­te, wel­che Klas­sen­kräf­te die schärfs­ten Geg­ner der rus­si­schen Mili­tär­ope­ra­ti­on in der Ukrai­ne waren. Das waren vor allem das gro­ße Mono­pol­ka­pi­tal, sei­ne poli­ti­schen Ver­tre­ter im libe­ra­len Milieu und ihre »krea­ti­ven« Lakai­en unter der so genann­ten Intelligenz.

Natür­lich erken­nen wir an, dass es zwi­schen­im­pe­ria­lis­ti­sche Wider­sprü­che gibt. Den Wunsch der impe­ria­lis­ti­schen Raub­tie­re, sich die Natur- und Ener­gie­res­sour­cen ande­rer Län­der anzu­eig­nen. Russ­land ist ein Opfer der Plä­ne des Wes­tens. Unser Land soll zu einer Quel­le für bil­li­ge Roh­stof­fe wer­den. Wir weh­ren uns seit Jahr­zehn­ten gegen die­se Plä­ne. Aber wir glau­ben nicht, dass Russ­land trotz aller Män­gel sei­nes der­zei­ti­gen poli­ti­schen Sys­tems, das auf der Macht des Groß­ka­pi­tals beruht, über Nacht zu einem sol­chen Raub­tier gewor­den ist. Der Kampf in der Ukrai­ne hat einen grund­le­gend ande­ren, sich den Dog­men wider­set­zen­den Charakter.

Die Position der KPRF

Die KPRF war die ers­te Par­tei, die das Wesen des Regimes defi­nier­te, das wäh­rend der Mai­dan-Pro­tes­te 2014 die Macht in der Ukrai­ne über­nahm. Seit­dem beru­hen alle Akti­vi­tä­ten der Par­tei auf dem Klas­sen­cha­rak­ter der lau­fen­den poli­ti­schen Prozesse.

Wir haben seit je her kri­ti­siert die Außen­po­li­tik der rus­si­schen Füh­rung, die die Inter­es­sen der Völ­ker, die bis vor kur­zem noch Teil des sowje­ti­schen Ein­heits­staa­tes waren, prak­tisch igno­riert hat.

Wer unse­re Aktio­nen auf­merk­sam ver­folgt (und wir gehen davon aus, dass die grie­chi­schen Genos­sen mit unse­ren Doku­men­ten bes­tens ver­traut sind), wird wis­sen, dass es die KPRF war, die seit 2014 kon­se­quent auf die Aner­ken­nung der Volks­re­pu­bli­ken Donezk und Lug­ansk gesetzt hat. Kei­ne ande­re poli­ti­sche Par­tei in Russ­land hat sich so stark für die Bevöl­ke­rung des Don­bass ein­ge­setzt. Wir haben uns von Anfang an für die Rück­ga­be des Don­bass an Russ­land aus­ge­spro­chen. Es ist nicht die KPRF, die »der Linie der regie­ren­den Par­tei ›Eini­ges Russ­land‹ und Prä­si­dent Putins« folgt, son­dern die­se müs­sen unter dem Druck his­to­ri­scher Zwän­ge dem Weg fol­gen, den die KPRF seit drei Jahr­zehn­ten befür­wor­tet hat.

Kann man in die­ser Situa­ti­on sagen, dass wir Putins Poli­tik in der Ukrai­ne fast blind­lings unterstützen?

Die rus­si­schen Kom­mu­nis­ten betei­li­gen sich am aktivs­ten am Schutz der LNR/DNR. Hun­der­te von kom­mu­nis­ti­schen Par­tei­mit­glie­dern kämp­fen als Ange­hö­ri­ge der Streit­kräf­te die­ser Repu­bli­ken gegen die Nazis. Dut­zen­de von Kom­mu­nis­ten haben in die­sem Kampf ihr Leben gelas­sen. Die KPRF hat in den letz­ten acht Jah­ren 93 Kon­vois mit 13.000 Ton­nen huma­ni­tä­rer Hil­fe in die­se Repu­bli­ken ent­sandt und tau­sen­de von Kin­dern auf­ge­nom­men, die zur Erho­lung und medi­zi­ni­schen Behand­lung nach Russ­land kamen.

In all den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat die KPRF die rus­si­sche Füh­rung dazu gedrängt, die Unab­hän­gig­keit des Don­bass anzuerkennen.

Offen gestan­den sind wir nicht erfreut, wenn unse­re grie­chi­schen Genos­sen mit einem Hauch von Ver­ach­tung über die »so genann­ten Volks­re­pu­bli­ken« im Don­bass spre­chen, denn es han­delt sich bei ihnen genau um Volks­re­pu­bli­ken, die durch den aus­drück­li­chen Wil­len des Vol­kes ent­stan­den sind.

Die Bür­ger der LNR/DNR haben sie unter Ein­satz tau­sen­der zivi­ler und mili­tä­ri­scher Men­schen­le­ben in den acht erbit­ter­ten Jah­ren des Wider­stands gegen die schlei­chen­de Aggres­si­on der ban­de­rais­ti­schen Nazis verteidigt.

Es ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung, dass nicht nur die rus­si­sche Armee gegen die Ban­de­rais­ten kämpft, son­dern auch die Miliz­ein­hei­ten des Don­bass selbst, unter denen Kom­mu­nis­ten und Berg­ar­bei­ter eine gro­ße Schicht ausmachen.

Wo seht ihr den »Schutz der Inter­es­sen der Olig­ar­chie«? Ver­tei­di­gen unse­re Genos­sen, die täg­lich ihr Leben aufs Spiel set­zen, auch die Inter­es­sen der rus­si­schen Olig­ar­chen? Oder ver­tei­di­gen sie die Inter­es­sen der ein­fa­chen Men­schen, die Opfer der Neo­na­zis gewor­den sind, die in der Ukrai­ne die Macht ergrif­fen haben?

Man muss schon sehr zurück­hal­tend sein, um zu behaup­ten, dass die KPRF im Ein­klang mit der herr­schen­den Grup­pe handelt.

Die Schär­fe des poli­ti­schen Klas­sen­kamp­fes in Russ­land ist so hoch wie eh und je. Die Ver­fol­gung von Kom­mu­nis­ten und Par­tei­an­hän­gern, selbst nach Beginn der Mili­tär­ope­ra­ti­on in der Ukrai­ne, zeigt, dass es kei­ne Klas­sen­har­mo­nie zwi­schen der KPRF und der gegen­wär­tig herr­schen­den Eli­te gibt. Es gibt vie­le Bei­spie­le dafür, dass unse­re Genos­sen Repres­sio­nen aus­ge­setzt sind. Unse­re Reak­ti­on auf die Ver­fol­gung unse­rer Genos­sin­nen und Genos­sen ist entschlossen.

Eben­so sind wir ein vehe­men­ter Kri­ti­ker der sozio­öko­no­mi­schen Poli­tik der Regie­rung. Kei­ne ande­re Par­tei in Russ­land kann von sich behaup­ten, eine akti­ve­re Kri­ti­ke­rin der Behör­den gewe­sen zu sein.

In den über drei­ßig Jah­ren seit dem anti­kom­mu­nis­ti­schen Putsch von 1991 haben wir unse­ren ent­schlos­se­nen Kampf gegen die herr­schen­de Eli­te hin­rei­chend unter Beweis gestellt. Des­halb genießt unse­re Par­tei eine so brei­te Unter­stüt­zung durch die Massen.

Bei den Wah­len zur Staats­du­ma im Sep­tem­ber 2021 erhielt die KPRF fast 19% der Stim­men. Dies trotz der gut geöl­ten und seit lan­gem eta­blier­ten Maschi­ne­rie der Wahl­fäl­schung. Wir sind zuver­sicht­lich, dass die tat­säch­li­che Unter­stüt­zung der Bevöl­ke­rung wesent­lich höher ist. Das liegt dar­an, dass wir im Geis­te des Mar­xis­mus-Leni­nis­mus ver­su­chen die Inter­es­sen und die Stim­mung des Vol­kes zu stu­die­ren. Im Übri­gen hat die KPRF mit ihrer Unter­stüt­zung der rus­si­schen Son­der­ope­ra­ti­on in der Ukrai­ne den Wil­len der über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit der rus­si­schen Bür­ger zum Aus­druck gebracht.

Was die Behaup­tun­gen über das »Hofie­ren natio­na­lis­ti­scher Ansät­ze und natio­na­lis­ti­scher Kräf­te« betrifft, so sind wir stolz dar­auf, dass die KPRF die füh­ren­de patrio­ti­sche lin­ke Kraft in Russ­land ist.

Wir sehen es als unse­re inter­na­tio­na­lis­ti­sche Pflicht an, die Inter­es­sen des rus­si­schen Vol­kes und der ande­ren Völ­ker zu schüt­zen, die seit Jahr­hun­der­ten mit den Rus­sen zusam­men­le­ben, vor allem der Ukrai­ner und der Weiß­rus­sen. Die his­to­ri­sche Bedeu­tung der »rus­si­schen Welt« oder der rus­si­schen Zivi­li­sa­ti­on zu leug­nen, ist unse­rer Mei­nung nach eben­so absurd wie die Leug­nung der gro­ßen Bedeu­tung der anti­ken grie­chi­schen Zivi­li­sa­ti­on. Als Mano­lis Gle­zos die Nazi­fah­ne von der Akro­po­lis riss, ließ er sich nicht nur von Klas­sen­in­ter­es­sen lei­ten, son­dern auch vom Natio­nal­stolz der Grie­chen, die einen ent­schlos­se­nen Kampf gegen die deut­sche Besat­zung geführt hatten.

Die Haltung der Weltgemeinschaft zu den Ereignissen in der Ukraine

Wäh­rend die west­li­chen Poli­ti­ker und Medi­en arro­gant behaup­ten »die Welt­ge­mein­schaft« zu ver­tre­ten, sich offen auf die Sei­te der Neo­na­zis stel­len, sehen die gro­ßen Län­der Asi­ens, Afri­kas, des Nahen Ostens und Latein­ame­ri­kas, die den euro­päi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Neo­ko­lo­nia­lis­mus aus ers­ter Hand erfah­ren haben, die Ereig­nis­se in der Ukrai­ne zu Recht als Kampf Russ­lands gegen die uni­po­la­re Welt unter Füh­rung der USA.

Län­der, in denen 60% der Welt­be­völ­ke­rung leben, unter­stüt­zen ent­we­der die rus­si­sche Ope­ra­ti­on oder neh­men eine neu­tra­le Hal­tung ein.

Nur die­je­ni­gen, die 1941 als Mit­glie­der der Hit­ler-Koali­ti­on den Krieg über unser Land brach­ten, neh­men eine aggres­si­ve Hal­tung ein. Das sind die euro­päi­schen Län­der sowie die USA und Groß­bri­tan­ni­en, die nach der Nie­der­la­ge im Ers­ten Welt­krieg einen gro­ßen Bei­trag zur Wie­der­be­le­bung der Nazi-Mili­tär­ma­schi­ne­rie geleis­tet haben. Heu­te kämpft Russ­land erneut gegen den Faschis­mus und die­je­ni­gen, die ihn in Euro­pa und den USA unterstützen.

Im Geden­ken an die Hel­den­ta­ten der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Grie­chen­lands im Kampf gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus und gegen die Mili­tär­dik­ta­tur wei­sen wir die Vor­stel­lung kate­go­risch zurück, dass unse­re Genos­sen sich bewusst dem Lager der­je­ni­gen ange­schlos­sen haben könn­ten, die heu­te ver­su­chen, Russ­land mit den Hän­den der Ukrai­ne zu zer­schla­gen. Wir bekräf­ti­gen unse­ren tie­fen Respekt vor der KKE als einer Par­tei, die einen immensen Bei­trag zur Wie­der­be­le­bung der inter­na­tio­na­len kom­mu­nis­ti­schen Arbei­ter­be­we­gung nach dem Zusam­men­bruch der UdSSR 1991 geleis­tet hat. Die Wor­te unse­rer Genos­sen klin­gen jedoch manch­mal wie die Aus­sa­ge der letz­ten Wahr­heit. Wir sind für einen brü­der­li­chen Dia­log, der den Kom­mu­nis­ten in der gan­zen Welt stets gehol­fen hat, das Wesen der Ereig­nis­se zu ver­ste­hen und einen rich­ti­gen, wirk­lich mar­xis­ti­schen Ansatz für ihre Bewer­tung zu finden.

Inter­na­tio­na­le Abtei­lung des ZK der KPRF

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