Wie grün ist die Ökologie?

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Mag­Ma ver­öf­fent­licht hier in locke­rer Fol­ge vier Arti­kel des Blogs Auf­ruhr­ge­biet, die sich kri­tisch mit dem offi­zi­el­len Kli­manar­ra­tiv aus­ein­an­der­set­zen. Dass Kri­tik auch aus dem sozia­lis­ti­schen Umfeld kommt, mag auf den ers­ten Blick ver­wun­dern, denn »sci­ence is sett­led« heißt es doch aller­or­ten. 97% aller Wis­sen­schaft­ler gin­gen vom men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del aus, behaup­tet zumin­dest der neo­li­be­ra­le Pro­pa­gan­dist Rezo. Aber stimmt das über­haupt? Und selbst wenn letz­te­res zutref­fen wür­de, belegt es noch lan­ge nicht die Wahr­heit der Behaup­tun­gen, zumal die Wahr­heit- oder Falsch­heit wis­sen­schaft­li­cher Theo­rien kei­ne Fra­ge von Mehr­heits- oder Kon­sens­ent­schei­dun­gen ist und schon gar nicht eine der Welt­an­schau­ung. Eins steht jeden­falls fest: Wäh­rend die »Sach­stands­be­rich­te« des IPCC immer hys­te­ri­scher wer­den, wird das Kli­manar­ra­tiv im Schat­ten der ver­meint­li­chen »Coro­na-Pan­de­mie« für einen bis­her unge­ahn­ten Angriff auf den Lebens­stan­dard der Werk­tä­ti­gen genutzt. Die Ener­gie- und Lebens­mit­tel­prei­se errei­chen unter ande­rem dank der CO2-Steu­er immer neue Höchst­stän­de, Black­outs wer­den wahr­schein­li­cher. Die­se Ent­wick­lung haben weni­ge kri­ti­sche Lin­ke schon 2019 ange­sichts der dama­li­gen Fri­days-for-Future-Demons­tra­tio­nen vor­her­ge­se­hen. Damals wur­den sie vom lin­ken Main­stream als »Kli­ma­l­eug­ner« geschmäht. Heu­te haben sich ihre Vor­aus­sa­gen lei­der bestä­tigt. Grund genug auch für Lin­ke, das offi­zi­el­le Kli­manar­ra­tiv kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Die Die­se Kri­tik soll­te nicht Autoren wie Frank Hen­ning und Fritz Vah­ren­holt aus dem rechs­so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen oder libe­ral-kon­ser­va­ti­ven Umfeld über­las­sen wer­den. Sie brin­gen zwar häu­fig ein gro­ßes Fach­wis­sen mit, aber gar­nie­ren die­ses mit Angrif­fen auf den Sozia­lis­mus oder das, was sie dar­un­ter ver­ste­hen. Über­lässt die poli­ti­sche Lin­ke aber wich­ti­ge The­men der Rech­ten, dann stärkt sie damit letzt­lich nur die­se, schwächt sich sel­ber und unter­wirft sich zudem noch der desas­trö­sen Poli­tik der Herr­schen­den. Mag­Ma ist als Publi­ka­ti­on des Netz­werks Lin­ker Wider­stand strö­mungs­über­grei­fend, die Sei­ten­hie­be gegen den soge­nann­ten »Sta­li­nis­mus« drü­cken wie jeder nament­lich gekenn­zeich­ne­te Text ledig­lich die Mei­nung des jewei­li­gen Autors aus.

»Nach­hal­tig« und »öko­lo­gisch« sind inzwi­schen zen­tra­le Begrif­fe in Poli­tik, Medi­en und Wer­bung. Gemeint ist damit der spar­sa­me Umgang mit Res­sour­cen, die Scho­nung der natür­li­chen Umwelt, die Nut­zung geschlos­se­ner Stoff­kreis­läu­fe in der Pro­duk­ti­on, die Ver­mei­dung von Abfäl­len und des Ein­trags von Gif­ten in die Umwelt usw. Ohne Zwei­fel sind das Anlie­gen, die jeder ver­nünf­ti­ge Mensch ange­sichts der glo­ba­len Umwelt­pro­ble­me unter­stüt­zen sollte.

Die öffent­li­che Dis­kus­si­on von Umwelt­pro­ble­men und der herr­schen­den Wirt­schafts­wei­se wur­de v.a. durch das Buch »Die Gren­zen des Wachs­tums« des Club of Rome von 1972 ange­sto­ßen. Dar­in ver­tra­ten die Vor­den­ker eines links-bür­ger­li­chen Öko-Refor­mis­mus die The­se, dass das auf Wachs­tum und Pro­fit ori­en­tier­te Sys­tem des Kapi­ta­lis­mus nicht so wei­ter­be­trie­ben wer­den kön­ne wie bis­her, da so die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen der Mensch­heit zer­stört und die Roh­stof­fe schon bald erschöpft sein würden.

Ein hal­bes Jahr­hun­dert spä­ter zeigt sich aber, dass bestimm­te Nega­tiv-Ten­den­zen, z. B. die Ver­schmut­zung der Mee­re durch Plas­tik­ab­fäl­le oder die Abhol­zung der Regen­wäl­der, wei­ter zuge­nom­men haben, doch zugleich v. a. in den impe­ria­lis­ti­schen Metro­po­len auch Fort­schrit­te in punc­to Umwelt erzielt wor­den sind, z. B. bei der Luft- und Was­ser­qua­li­tät, bei der Ein­füh­rung von Grenz­wer­ten oder bei der Nut­zung von Tech­no­lo­gien, die weni­ger Ener­gie und Res­sour­cen ver­brau­chen. Ins­ge­samt ist daher das Lebens­ni­veau der Mensch­heit gestie­gen und nicht gesun­ken – trotz aller Pro­ble­me und trotz­dem der Stand von Wis­sen­schaft und Tech­nik eine noch weit bes­se­re Ent­wick­lung ermög­licht hät­te. Dass die­se nicht erfolg­te, liegt ein­zig und allein an der impe­ria­lis­ti­schen Weltordnung.

Fehlende Kritik

Die refor­mis­ti­sche und sta­li­nis­ti­sche Dege­ne­ra­ti­on der Lin­ken und des »Mar­xis­mus« führ­te dazu, dass die links-bür­ger­li­chen The­sen von den »Gren­zen des Wachs­tums« von ihnen igno­riert oder kaum kri­ti­siert wor­den sind. Dabei hät­ten Mar­xis­ten sehen müs­sen, dass die Refor­mer des Club of Rome nur auf die öko­lo­gi­sche Refor­mie­rung des Kapi­ta­lis­mus abziel­ten, ohne des­sen sys­te­mi­sche Grund­la­gen – Pri­vat­ei­gen­tum, Kon­kur­renz, Lohn­ar­beit – in Fra­ge zu stel­len. Zudem hät­te auch deren Metho­dik kri­ti­siert wer­den müs­sen. Die­se folgt näm­lich weit­ge­hend einer mecha­ni­schen Sicht, nach wel­cher der immer wei­ter stei­gen­de Ver­brauch an Res­sour­cen dazu füh­ren wür­de, dass bestimm­te Roh­stof­fe bald ver­braucht wären. Der Peak oil wur­de dabei zum Sym­bol. Doch anstatt dass das Öl ver­braucht wäre, ver­fü­gen wir heu­te über grö­ße­re Ölre­ser­ven als je zuvor – trotz gestie­ge­nen Verbrauchs.

Die Pro­gno­sen des Club of Rome erwie­sen sich – nicht nur beim Öl – oft als falsch, weil sie die Ver­brauchs­kur­ven ein­fach line­ar in die Zukunft ver­län­gert hat­ten, ohne zu berück­sich­ti­gen, dass sich Wis­sen­schaft und Tech­nik wei­ter­ent­wi­ckeln und Res­sour­cen-spa­ren­de Ver­fah­ren, bes­se­re Metho­den der Erkun­dung, För­de­rung und Aus­beu­tung von Roh­stof­fen ermög­li­chen. Das ist allein schon eine Fol­ge der Kon­kur­renz. Schon Marx hat die Ten­denz der per­ma­nen­ten Umwäl­zung der Pro­duk­tiv­kräf­te als ein Wesens­merk­mal des Kapi­ta­lis­mus ange­se­hen. Lan­ge vor dem heu­ti­gen Kli­ma­hype war also die Umwelt­po­li­tik schon von einem unwis­sen­schaft­li­chen und alar­mis­ti­schen Grund­ton geprägt.

Interessen

Der Ein­fluss und der Druck der »grü­nen« Bewe­gun­gen bewirk­te, dass öko­lo­gi­sche Aspek­te in der Poli­tik stär­ker betont wer­den – wenn auch oft nur in Form von maß­lo­sen Über­trei­bun­gen oder schein­hei­li­ger Erklä­run­gen. Inzwi­schen hat aber der Teil des Kapi­tals, der am Umwelt- oder Kli­ma­schutz ver­dient, erheb­lich an Ein­fluss gewon­nen. Dazu zäh­len bei­lei­be nicht nur Wind- oder Solar­fir­men, son­dern auch Groß­un­ter­neh­men wie Sie­mens, Gene­ral Electric und die Ener­gie­kon­zer­ne, die bei den »Erneu­er­ba­ren Ener­gien« (EE) mit­spie­len sowie die Glo­bal play­er des Finanz­ka­pi­tals, dar­un­ter Mil­li­ar­den-schwe­re Fonds, wel­che aus den staat­lich garan­tier­ten und sub­ven­tio­nier­ten »Öko«-Investments rie­si­ge Pro­fi­te zie­hen, für die die Mas­sen durch erhöh­te Ener­gie­prei­se und Extra-Steu­ern auf­kom­men müssen.

Im Kern ist die Ener­gie­wen­de (EW) nichts ande­res als eine bewuss­te Ent­wer­tung von kon­stan­tem Kapi­tal, z. B. der tra­di­tio­nel­len Kraft­wer­ke, deren Erset­zung durch die EE und den dadurch beding­ten irr­sin­nig teu­ren Aus­bau von Spei­cher- und Netz­tech­nik. Doch gera­de auf­grund die­ser exor­bi­tan­ten Kos­ten erfolgt der Aus­bau des Spei­cher­po­ten­ti­als fast gar nicht. Die EW ändert zwar nichts am Kli­ma, das v.a. von natür­li­chen Fak­to­ren und nicht vom CO2 bestimmt wird, ver­stärkt aber die Umver­tei­lung von unten nach oben und för­dert Neu- und Ersatz­in­ves­ti­tio­nen in einer Wei­se, wie es ohne EW nicht annä­hernd not­wen­dig und mög­lich wäre. Der Kli­ma­schutz ent­puppt sich also (ganz und gar nicht über­ra­schend) als Pro­gramm zur Pro­fit­ma­xi­mie­rung – frei­lich nicht für alle, denn die För­de­rung eines teu­ren und inef­fi­zi­en­ten Ener­gie­sys­tems bedeu­tet für das Gesamt­ka­pi­tal, aber auch für die Gesell­schaft eine Ver­teue­rung und tech­ni­sche Kom­pli­zie­rung aller Abläu­fe. Dass die Lin­ke dem fast durch­gän­gig zustimmt, zeigt nur, wie inkom­pe­tent in Sachen Natur­wis­sen­schaft und Tech­nik sie ist und dass sie die Fähig­keit zur Ana­ly­se der Rea­li­tät tw. ein­ge­büßt hat.

Marx hat­te schon im Kom­mu­nis­ti­schen Mani­fest vor den diver­sen lin­ken Welt­ver­bes­se­rern und Ideo­lo­gen gewarnt. Die heu­ti­gen »Mar­xis­ten« schei­nen die­ses Kapi­tel nicht gele­sen zu haben. Doch es geht hier nicht nur um Ideo­lo­gie, es geht v. a. dar­um, dass die wirk­li­chen Lebens- und Zukunfts­in­ter­es­sen der Arbei­ter­klas­se und der Mas­sen den Inter­es­sen bestimm­ter Kapi­tal­grup­pen unter­ge­ord­net werden.

Wie ökologisch ist der Ökologismus?

Ein Ver­dienst der Grü­nen ist, dass sie die Fra­ge der Umwelt stär­ker ins öffent­li­che Bewusst­sein und in die Poli­tik ein­ge­bracht haben – damit aller­dings auch die diver­sen Über­spit­zun­gen und eine fal­sche, auf den Staat und »ver­nünf­ti­ge« Tei­le des Kapi­tals und nicht auf die Arbei­ter­klas­se ori­en­tier­te, Sicht.

Es gibt unbe­strit­ten rea­le, tw. sich ver­stär­ken­de Umwelt­pro­ble­me. Dazu zäh­len etwa die zuneh­men­de Zer­stö­rung von Natur­räu­men durch Ver­gif­tung und die Aus­deh­nung urba­ner Gebie­te (Städ­te, Ver­kehrs­we­ge, Indus­trie­an­la­gen) und agra­ri­scher Mono­kul­tu­ren. Ein wach­sen­des Pro­blem sind die immer grö­ße­ren Abfall­men­gen (Ver­pa­ckung) und die dar­aus fol­gen­de Ver­mül­lung der Umwelt, etwa durch Plas­tik­müll. (hier­zu sie­he: Plas­tik­müll – Wel­che Lösung?)

Die »grü­ne« Sze­ne plä­diert daher für das Recy­cling, das Ver­bot von Plas­tik in bestimm­ten Berei­chen u.a. Maß­nah­men. Eini­ge die­ser For­de­run­gen sind auch rich­tig, ande­re hin­ge­gen nicht. Recy­cling z.B. bedeu­tet, dass Pro­duk­te, v.a. Ver­pa­ckun­gen, wie­der ver­ar­bei­tet wer­den, also Neu­pro­duk­ti­on erfol­gen muss. Wirk­lich umwelt­ge­recht wäre es aber, die­se Ver­pa­ckun­gen per Pfand­sys­tem erneut zu ver­wen­den und damit die wesent­lich auf­wän­di­ge­re Neu­pro­duk­ti­on ein­zu­spa­ren. Gera­de­zu idio­tisch ist es, wenn Ver­pa­ckun­gen als »öko­lo­gisch« gel­ten, wenn sie sich bio­lo­gisch, etwa im Kom­post, auf­lö­sen – das erfor­dert eben­falls Neu­pro­duk­ti­on, ohne dass dabei irgend­ein Rest­stoff recy­celt wird.

Auch das Ver­bot von Plas­tik­ver­pa­ckun­gen ist Unsinn, denn gera­de Kunst­stof­fe erlau­ben es, Ver­pa­ckun­gen her­zu­stel­len, die idea­le Gebrauchs­ei­gen­schaf­ten haben und äußerst lan­ge hal­ten. So könn­ten Neu­pro­duk­ti­on und Abfall­auf­kom­men sehr stark ver­min­dert wer­den. Als öko­lo­gisch gel­ten aber z. B. Tetra­packs, obwohl die­se nur ein­mal ver­wen­det und nur mit viel Auf­wand recy­celt wer­den kön­nen. Man schaue sich auch die »Pfand­fla­schen­re­ge­lung« des ehe­ma­li­gen grü­nen Umwelt­mi­nis­ters Trit­tin an, um zu wis­sen, zu wel­chen Absur­di­tä­ten die Poli­tik der Grü­nen in der Pra­xis oft führt.

Was ist Umweltschutz?

Umwelt­schutz bedeu­tet, mög­lichst wenig in die Natur ein­zu­grei­fen und wenn, dass sie nicht zer­stört wird bzw. sich rege­ne­rie­ren kann. Nun ist es aber so, dass der Mensch im Unter­schied zu allen ande­ren Lebe­we­sen ein Kul­tur­we­sen ist, das die Natur umge­stal­ten kann und muss. Jedes Haus ist ein Ein­griff in die Natur, doch nie­mand, der bei kla­rem Ver­stand ist, for­dert des­halb einen Ver­zicht auf Häu­ser. Allein durch die Zunah­me der Welt­be­völ­ke­rung brei­tet sich die mensch­li­che, d. h. gegen­wär­tig die kapi­ta­lis­ti­sche, Pro­duk­ti­ons­wei­se immer wei­ter aus und damit auch die Ein­grif­fe in die Natur. Auf Dau­er kann das wei­te­re Wachs­tum der Mensch­heit aber selbst unter einer ande­ren, öko­lo­gi­sche­ren Lebens­wei­se eine wei­te­re Ver­drän­gung und Zer­stö­rung der natür­li­chen Umwelt nicht ver­hin­dern – schon des­halb, weil die bewohn­ba­re und nutz­ba­re Erd­ober­flä­che beschränkt ist.

Im Grun­de heißt Scho­nung der Natur, die Pro­duk­ti­on zu ratio­na­li­sie­ren, die tech­ni­sche Effi­zi­enz zu stei­gern, um den Res­sour­cen­ver­brauch rela­tiv bzw. abso­lut zu ver­rin­gern. Wis­sen­schaft und Tech­nik ermög­li­chen das. Die Grund­re­gel des Kapi­ta­lis­mus, mög­lichst viel Neu­pro­duk­ti­on zu gene­rie­ren (was oft etwas ver­kürzt »Wachs­tums­zwang« genannt wird), steht der Res­sour­cen­scho­nung aber direkt ent­ge­gen. Der Stand der Tech­no­lo­gie ermög­licht es prin­zi­pi­ell schon heu­te, umwelt­ver­träg­lich zu pro­du­zie­ren und geschlos­se­ne Stoff- und Ver­wer­tungs­kreis­läu­fe zu schaf­fen. Dass das nicht oder zu sel­ten der Fall ist, liegt u. a. am Pri­vat­ei­gen­tum an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln, wo die Kapi­ta­lis­ten mehr oder weni­ger »unab­hän­gig« und in Kon­kur­renz zuein­an­der pro­du­zie­ren, was eine schnel­le Umset­zung von Inno­va­tio­nen oft behin­dert. Dazu kommt, dass gesamt­ge­sell­schaft­lich sinn­vol­le Lösun­gen – die Gesell­schaft­li­chen Pro­duk­tiv­struk­tu­ren (GPS) (she. hier­zu ABC des Mar­xis­mus XLII: Gesell­schaft­li­che Pro­duk­tiv­struk­tu­ren) – blo­ckiert werden.

Ist Ökologie nachhaltig?

Wenn wir unter Öko­lo­gie hier das ver­ste­hen, was das »grü­ne« Milieu (die Grü­nen, green­peace u. a. NGOs) ver­tritt, wird ein rie­si­ger Zwie­spalt offen­bar. Indem die »grü­ne Sze­ne« nur Teil­be­rei­che der Pro­duk­ti­ons­wei­se betrach­tet und damit ihre Grund­la­gen – Pri­vat­ei­gen­tum, Kon­kur­renz, Lohn­ar­beit, impe­ria­lis­ti­sche Welt­ord­nung – oft außen vor lässt, folgt sie der Illu­si­on eines grü­nen Kapi­ta­lis­mus, eines »Green new deal«. Dane­ben krankt sie auch dar­an, dass sie als Akteu­re des »grü­nen Wan­dels« bestimm­te Tei­le des Kapi­tals und den bür­ger­li­chen Staat anse­hen und damit aus­blen­den, dass ein wirk­li­cher öko­lo­gi­scher Wan­del letzt­lich nur durch den Druck und die bewuss­te Mit­wir­kung der Mehr­heit der Pro­du­zen­ten und Kon­su­men­ten, also der Arbei­ter­klas­se, mög­lich ist – gegen die Inter­es­sen des Gesamt­ka­pi­tals und gegen den bür­ger­li­chen büro­kra­ti­schen Staat, der eben nicht neu­tral, son­dern ein Instru­ment des herr­schen­den Kapi­tals ist. Grü­ne Poli­tik sieht die Arbei­ter­klas­se allen­falls als Ver­brau­cher an, als Objekt, aber nicht als his­to­ri­sches Sub­jekt von Veränderungen.

Das Geschäfts­mo­dell des Öko-Kapi­tals beruht dar­auf, dass es wei­ter Schä­den an der Umwelt gibt, die aber repa­riert wer­den. Die Haupt­fra­ge jeder Öko­lo­gie, die Ver­rin­ge­rung von Neu­pro­duk­ti­on, hät­te im Kapi­ta­lis­mus für alle Klas­sen fata­le Wir­kun­gen: dem Kapi­tal bre­chen die Pro­fi­te weg, dem Pro­le­ta­ri­at die Jobs. Einen Aus­weg aus die­sem Dilem­ma bie­tet nur der Sozia­lis­mus (der marx­sche, nicht der stalinsche).

Das, was uns als »öko­lo­gisch« gepre­digt wird, ist oft alles ande­re als öko­lo­gisch. Ent­we­der es geht an den wesent­li­chen Fra­gen vor­bei, ist wir­kungs­los oder rich­tet sogar zusätz­li­che Schä­den an. Die Müll­tren­nung etwa ver­min­dert das Müll­auf­kom­men nicht. Recy­cling min­dert kaum die Neu­pro­duk­ti­on. Die Nut­zung der »Erneu­er­ba­ren« Ener­gien führt zu einem enor­men Anstieg des Res­sour­cen­ver­brauchs und zu neu­en Umwelt­schä­den. Die »grü­ne« Ideo­lo­gie ist zudem mit einer oft absur­den Tech­no­lo­gie­feind­lich­keit ver­bun­den (z.B. Ableh­nung der Kern­ener­gie) und zeigt sich oft außer­stan­de, die Rea­li­tät adäquat wahr­zu­neh­men. Sie folgt oft einer idea­lis­ti­schen, unma­te­ria­lis­ti­schen Metho­de. Resul­tat die­ser Her­an­ge­hens­wei­se sind etwa Absur­di­tä­ten wie die E‑Au­to-För­de­rung oder die Ener­gie­wen­de, die ten­den­zi­ell das Strom­sys­tem unterminiert.

Anders, als es die grü­nen Ideo­lo­gen und vie­le Lin­ke meist dar­stel­len, kol­li­die­ren Umwelt­schutz und Kapi­ta­lis­mus durch­aus nicht abso­lut in dem Sin­ne, dass der Kapi­ta­lis­mus die Umwelt oder das Kli­ma so rui­niert, dass das bio­lo­gi­sche Leben auf der Erde über­haupt zer­stört wird. Da hilft es auch nicht, immer ein und das­sel­be Marx-Zitat zu bemü­hen. Viel­mehr sieht das Gesamt­ka­pi­tal und deren Staat die öko­lo­gi­schen Pro­ble­me auch selbst, ja sie erfin­det sogar wel­che (Kli­ma!), um ihre Pro­duk­ti­ons­wei­se wei­ter durch­füh­ren und den Umwelt­schutz als neu­es Geschäfts­feld nut­zen zu können.

Die Ener­gie­wen­de zeigt das ganz deut­lich. Schon ab den 1980ern war klar, dass der Strom­ver­brauch in Deutsch­land (und ten­den­zi­ell über­all) auf­grund höhe­rer tech­ni­scher Ratio­na­li­tät nicht mehr par­al­lel zum Wirt­schafts­wachs­tum ansteigt. So waren Erwei­te­rungs­in­ves­ti­tio­nen im Ener­gie­be­reich kaum noch nötig. Um die­se trotz­dem zu ermög­li­chen, wur­de die Ideo­lo­gie der Kli­ma­ka­ta­stro­phe instal­liert. Nutz­nie­ßer die­ser Form der Ent­wer­tung von kon­stan­tem Kapi­tal war zuerst die Kern­ener­gie-Indus­trie (auch und zuerst durch mili­tä­ri­sche Inter­es­sen ange­trie­ben), dann die »Erneu­er­ba­ren«. Aktu­ell sehen wir das glei­che Phä­no­men bei den E‑Autos, wel­che die alten Ver­bren­ner erset­zen sol­len. Hier­für wer­den alle mög­li­chen Emis­sio­nen zum Rie­sen­pro­blem auf­ge­bla­sen, anstatt die seit Jahr­zehn­ten sich ver­bes­sern­den tech­ni­schen Para­me­ter wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Zudem sind völ­lig emis­si­ons­freie Ver­bren­ner schon län­ger tech­nisch möglich.

Inzwi­schen gibt es fast nichts mehr, was nicht als öko­lo­gisch gilt. Umwelt­schutz ist zum Mar­ke­ting-Gag und zum Teil der Mar­ken­iden­ti­tät gewor­den, »Green­wa­shing« genannt. Abge­se­hen von der Ideo­lo­gie zeigt sich hier aber auch, dass der – tat­säch­li­che oder nur behaup­te­te – Umwelt­schutz zu einem nor­ma­len Geschäfts­mo­dell gewor­den ist: Kon­su­mie­ren, um neu pro­du­zie­ren zu kön­nen; Umwelt zer­stö­ren, um sie wie­der repa­rie­ren zu kön­nen. Die­ses absur­de Zustand der per­ma­nen­ten Repa­ra­tur eines unöko­lo­gi­schen Wirt­schafts­sys­tems kann nur durch den Sturz des Kapi­ta­lis­mus über­wun­den wer­den. Dazu ist auch die Über­win­dung des »grü­nen« Refor­mis­mus nötig.

Die­ser Arti­kel erschien zuerst bei auf​ruhr​ge​biet​.de

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