Meine Entfremdung von #friedlichzusammen und was der noch junge Widerstand endlich lernen muss

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In die­sem Arti­kel berich­te ich von den Anfän­gen von #fried­lich­zu­sam­men, was ich dort tat und war­um ich mich letzt­lich von der Bewe­gung ent­frem­de­te. Aus mei­ner Sicht ging der Haupt­zweck der Bewe­gung ver­lo­ren, als dem Sen­der Auf1 eine Büh­ne gebo­ten und der Auf­klä­rung über den Vor­fall kei­ne Wich­tig­keit zuge­ord­net wur­de. Außer­dem beschrei­be ich das Pro­ble­me soge­nann­ter »Rat­ten­fän­ger« in Pro­test­be­we­gun­gen und was der jun­ge Wider­stand auch dies­be­züg­lich end­lich ler­nen muss.

Die Anfänge von #friedlichzusammen und mein Einsatz in der Bewegung

Neben den sie­ben Grün­de­rin­nen von #fried­lich­zu­sam­men, das Kern­team ist mitt­ler­wei­le auf drei Per­so­nen geschrumpft, waren zwei wei­te­re Per­so­nen und ich von Anfang an bei der Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung aller bis­he­ri­gen Ver­an­stal­tun­gen und Demons­tra­tio­nen von #fried­lich­zu­sam­men betei­ligt. Dabei haben wir – davon bin ich bis heu­te über­zeugt – gemein­sam viel posi­ti­ves bewirkt. Ich bin stolz auf alles, was wir vor dem 02.07.2022 erreicht haben und ste­he wei­ter­hin freund­schaft­lich zu #fried­lich­zu­sam­men und den han­deln­den Per­sön­lich­kei­ten rund um die Gruppe.

Haupt­mo­ti­va­ti­on zur For­mie­rung einer eige­nen Pro­test­grup­pie­rung war dabei eine poli­ti­sche Hei­mat und ein Betä­ti­gungs­feld für all die­je­ni­gen zu schaf­fen, die die soge­nann­ten Coro­na-Maß­nah­men ableh­nen, sich aber klar von tota­li­tä­ren Ideo­lo­gien wie Ras­sis­mus, Sexis­mus und Homo­pho­bie abgren­zen wol­len. Daher ach­te­ten wir von Beginn an sehr auf die Aus­wahl mög­li­cher Koope­ra­ti­ons­part­ner, sowie eine gewalt­freie und inklu­si­ve Außen- und Innen­kom­mu­ni­ka­ti­on. Auf­grund mei­ner poli­ti­schen Erfah­run­gen in Form von Gewerk­schafts­ar­beit, einer Par­tei­mit­glied­schaft sowie anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen und anti­fa­schis­ti­schen Demos, war ich per­sön­lich von Anfang an stark dar­auf fokus­siert, mög­li­che Fehl­trit­te oder pro­ble­ma­ti­sche Alli­an­zen zu ver­hin­dern, die von den Kon­zern- und Regie­rungs­me­di­en zur Dis­kre­di­tie­rung der Grup­pie­rung genutzt wer­den könn­ten. Mein Auf­ga­ben­feld war im Wesent­li­chen Mobi­li­sie­rung und Tech­nik wie Mega­pho­ne, Laut­spre­cher oder Mikros sowie Durch­sa­gen und Sprech­chö­re – und natür­lich Tanz und gute Lau­ne. Ins­be­son­de­re im Hin­blick auf das damals bestehen­de Tanz­ver­bot sag­te ich den ande­ren: »Bei einer Revo­lu­ti­on die nicht tanz­bar ist, bin ich nicht dabei!«. Bei all der damals zu beob­ach­ten­den Zer­stö­rung von Leben und Lebens­freu­de muss­te unbe­dingt mehr als nur Trau­er und Wut auf die Stra­ße getra­gen wer­den. Dem­entspre­chend sorg­te ich – mal mit einer, mal mit zwei wei­te­ren Per­so­nen – auf unse­ren Demos sowohl für poli­tisch pas­sen­de Musik als auch für Tanz­stim­mung. Vide­os einer mit uns tan­zen­den und das Leben beja­hen­den Crowd, inklu­si­ve anti­fa­schis­ti­scher Fah­nen, gin­gen viral. Dro­hun­gen und flie­gen­de Eier von der Fake-Anti­fa gehör­ten lei­der auch dazu.

Den­noch kann und möch­te ich kein fes­ter Bestand­teil des Zusam­men­schlus­ses mehr sein. Die inne­ren Struk­tu­ren haben sich mir über die Zeit ein­deu­tig als zu kopf­las­tig und hier­ar­chisch dar­ge­stellt, zudem besteht bis­lang lei­der kein Wil­le zur Veränderung.

Zudem war mir per­sön­lich die im Rah­men von #fried­lich­zu­sam­men geäu­ßer­te poli­ti­sche Kri­tik an den bestehen­den Ver­hält­nis­sen von Anfang an zu sym­pto­ma­tisch, also zu ober­fläch­lich. Die Wur­zel der Pro­ble­me, das Sys­tem bzw. die Struk­tu­ren, in den wir leben, blie­ben bis­her stets unan­ge­tas­tet. Das COVID-Regime und die Ukrai­ne-Kri­se etc. sind aller­dings kei­ne »Feh­ler« inner­halb eines ansons­ten »gut funk­tio­nie­ren­den demo­kra­ti­schen Sys­tems«, son­dern sys­tem­im­ma­nen­te, also vom Sys­tem beding­te und von sei­nen »Schergen/​Anhängern/​Profiteuren« bewusst her­bei­ge­führ­te oder zumin­dest gezielt vor­an­ge­trie­be­ne und genut­ze Kri­sen. Ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die sich bereits ankün­di­gen­de und von Poli­tik und Kon­zer­nen eben­falls bewusst her­bei­ge­führ­te extre­me sozia­le Mise­re ab die­sem Herbst. Zusätz­lich zur mensch­li­chen Käl­te des Coro­na-Regimes droht eine gene­rel­le Armuts­ex­plo­si­on inklu­si­ve kal­ter Wohn­räu­me und Hun­ger. Es in mei­nen Augen Zeit für eine Bewe­gung, in der sys­tem­im­ma­nen­te Ursa­chen offen the­ma­ti­siert und hier­ar­chie­freie Orga­ni­sa­ti­ons­for­men gelebt werden.

Meine Entfremdung von #friedlichzusammen

Den aus­schlag­ge­ben­den Grund für mei­nen end­gül­ti­gen inner­li­chen Bruch mit #fried­lich­zu­sam­men lie­fer­te unse­re letz­te gemein­sa­me Kund­ge­bung am 02.07.2022, auf der das Kern­team aus mei­ner Sicht die Wer­te von #fried­lich­zu­sam­men geop­fert hat. Der anschlie­ßen­de inter­ne Umgang mit mei­ner Kri­tik bestä­tig­te mich in mei­ner Ent­schei­dung, neue Wege für mein Enga­ge­ment zu suchen und die­sen Vor­gang auch öffent­lich zu machen. Denn für mich gilt seit unse­rer letz­ten gemein­sa­men Kundgebung:

#fried­lich­zu­sam­men ist nicht mehr unein­ge­schränkt das Label, unter dem Men­schen, die sich klar von tota­li­tä­ren Ideo­lo­gien wie Ras­sis­mus, Sexis­mus oder Homo­pho­bie abgren­zen wol­len, gegen das Coro­na-Regime demons­trie­ren können.

Damit möch­te ich kei­nes­falls sagen, dass #fried­lich­zu­sam­men und des­sen Orga­ni­sa­to­ren nun die­sen Ansich­ten zuzu­ord­nen sei­en. Doch bei der besag­ten Kund­ge­bung kam es zu einem Schul­ter­schluss mit AUF1, einem defi­ni­tiv sol­che Mei­nun­gen ver­tre­ten­den neu­rech­ten TV-Sen­der. Ohne Vor­ankün­di­gung oder Abspra­che mit der Grup­pe wur­de die­ser Sen­der kurz­fris­tig vom Kern­team zur Teil­nah­me an der Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den. Der AUF1-Bus stand direkt neben unse­rer Büh­ne, ver­teil­te Luft­bal­lons und erhielt dadurch eine Art »Güte­sie­gel« gegen­über den Teil­neh­mern, das sug­ge­rier­te, dass AUF1 mit den Wer­ten von #fried­lich­zu­sam­men d’ac­cord gehen würde.

Wäh­rend der Kund­ge­bung schwieg ich zunächst zur Teil­nah­me von AUF1. Auf­grund mei­nes Ver­trau­ens zu #fried­lich­zu­sam­men zog ich in Betracht, even­tu­ell selbst falsch zu lie­gen und fürch­te­te zudem, von mei­nen Emo­tio­nen gelenkt, mög­li­cher­wei­se falsch zu han­deln. Nach der Kund­ge­bung recher­chier­te ich Hin­ter­grün­de von AUF1, um mei­nen Ver­dacht zu über­prü­fen. Nach recht ein­deu­ti­gen Ergeb­nis­sen infor­mier­te ich das Kern­team von #fried­lich­zu­sam­men dar­über und schlug vor, dass wir uns auf unse­ren Kanä­len nach­träg­lich für unse­ren Feh­ler ent­schul­di­gen und sowohl über AUF1 als auch das gene­rel­le Pro­blem von soge­nann­ten »Rat­ten­fän­gern« in der Bewe­gung aufklären.

Des Wei­te­ren mach­te ich Vor­schlä­ge, wie wir unse­re inter­nen Struk­tu­ren demo­kra­ti­sie­ren könn­ten, damit es nicht noch ein­mal zu einem sol­chen Faux­pas kommt. Lei­der stieß ich – bis auf ein nase­rümp­fen­des Ein­ge­ständ­nis, dass die Koope­ra­ti­on mit AUF1 viel­leicht doch ein Feh­ler gewe­sen sein könn­te – auf Unver­ständ­nis bis star­ke Ableh­nung. Es kam sogar zu einem Framing mei­ner Per­son: Ich wür­de Per­so­nen aus­schlie­ßen wol­len, mein Vor­schlag wür­de die Bewe­gung spal­ten. Dar­um ging es mir per­sön­lich jedoch nie.

Denn es macht einen gewal­ti­gen Unter­schied, ob man mit Men­schen unter­schied­lichs­ter Über­zeu­gung spricht – wofür #fried­lich­zu­sam­men, wie auch ich, ganz klar ein­steht – oder ob man allen Men­schen und Über­zeu­gun­gen eine Büh­ne für ihr Welt­bild bie­tet. Mir ging es bei mei­ner Kri­tik dar­um, die Grün­dungs­wer­te von #fried­lich­zu­sam­men zu bewah­ren und mög­li­chen Scha­den von der Bewe­gung abzu­wen­den. Dar­über hin­aus sah ich die von mir ein­ge­for­der­te öffent­li­che Ent­schul­di­gung und Kennt­lich­ma­chung von AUF1 als tota­li­tä­rer und ras­sis­ti­sche Sen­der sowie als »Rat­ten­fän­ger« im Wider­stand als ent­schei­den­den Bau­stein dafür an, dass die Besu­cher unse­rer Ver­an­stal­tung AUF1 zukünf­tig nicht als »neu­tra­le« und ver­trau­ens­wür­di­ge Infor­ma­ti­ons­quel­le betrach­ten. Schließ­lich ver­tre­ten die Macher des Sen­ders ganz klar men­schen­feind­li­che Auf­fas­sun­gen. Die­ser Text soll daher die Ver­ant­wor­tung gegen­über unse­ren Unter­stüt­zern wahr­neh­men, die das Kern­team von #fried­lich­zu­sam­men lei­der von sich schob.

Zum Begriff »Rattenfänger«

Als »Rat­ten­fän­ger« wer­den mei­ner Mei­nung nach Men­schen, Grup­pie­run­gen und Insti­tu­tio­nen bezeich­net, die von der Poli­tik und Gesell­schaft hin­ter­las­se­ne Leer­stel­len bei Men­schen aus­nut­zen, um sich mit dem Aus­spre­chen von sei­tens des Main­streams abge­lehn­ter Wahr­hei­ten, eine Gefolg­schaft für ander­wei­ti­ge, für sie eigent­lich im Vor­der­grund ste­hen­de Ideo­lo­gien, aufzubauen.

Wie funk­tio­niert das?

Die herr­schen­de Klas­se ist bestrebt ihre Ansprü­che und Pri­vi­le­gi­en zu erhal­ten und aus­zu­bau­en. Zu die­sem Zweck braucht sie »gute Grün­de«, um Umver­tei­lun­gen von unten nach oben vor­neh­men zu kön­nen. Als Bei­spie­le sei­en Steu­er­gel­der für die Waf­fen­in­dus­trie, für Groß­kon­zer­ne, Phar­ma­un­ter­neh­men oder Ban­ken genannt. Um die­se im Wesent­li­chen auf einer krank­haf­ten Wohl­stands­ver­tei­lung und einem damit ein­her­ge­hen­den Ver­sa­gen demo­kra­ti­scher Struk­tu­ren beru­hen­den Ansprü­che lang­fris­tig auf­recht­erhal­ten zu kön­nen, ist eine Aus­wei­tung der Macht­be­fug­nis­se von­nö­ten und damit einen Abbau von Bür­ger­rech­ten und demo­kra­ti­schen Ein­fluss­mög­lich­kei­ten durch Über­wa­chung, Not­stands­ge­set­ze und Zensur.

Einem sol­chem Trei­ben ste­hen vie­le Men­schen prin­zi­pi­ell jedoch kri­tisch gegen­über. Daher wer­den regel­mä­ßig Schocks kre­iert, um anschlie­ßend Lösun­gen zu prä­sen­tie­ren, die den schon vor­her bestehen­den Inter­es­sen­la­gen der Herr­schen­den ent­spre­chen, doch auf­grund zu erwar­ten­den Wider­stands aus der Bevöl­ke­rung auf ande­re Wei­se kaum durch­setz­bar gewe­sen wären – Hegels Dia­lek­tik in der Politik.

Ein sol­cher Betrug bleibt jedoch eher sel­ten kom­plett unbe­merkt. Die dadurch her­vor­ge­ru­fe­ne Ver­un­si­che­rung beför­dert sowohl ech­ten Wider­stand als auch soge­nann­te »Rat­ten­fän­ger«, die sich für diver­se ande­re – dem Anlie­gen der Pro­tes­tie­ren­den äußer­li­che – Zwe­cke eine Gefolg­schaft bil­den wol­len. Hin­zu kommt, dass einer Staats- und Kon­zern­macht soge­nann­te »Rat­ten­fän­ger« oft­mals lie­ber sind als tat­säch­li­cher Wider­stand. Ers­te­re sind ein­fa­cher zu kon­trol­lie­ren und las­sen sich zudem wun­der­bar zur geziel­ten Dif­fa­mie­rung jeg­li­chen ech­ten Wider­stands nut­zen, indem man ihn absicht­lich mit den Rat­ten­fän­gern framed oder auch ziel­ge­rich­tet unter­wan­dert. Aus die­sem Grund erhal­ten »Rat­ten­fän­ger« in aller Regel auch viel mehr öffent­li­che Auf­merk­sam­keit als ech­te Pro­test­grup­pie­run­gen. So kann der Wider­stand in für Staat und Kapi­tal unpro­ble­ma­ti­sche Berei­che gelenkt und zugleich im gro­ßen Stil dis­kre­di­tiert werden.

Natür­lich gibt es neben rech­ten Akteu­ren auch zahl­rei­che ande­re Arten von Rat­ten­fän­gern unter­schied­li­cher poli­ti­scher Cou­leur. Im Bereich poli­ti­scher Par­tei­en wären bei­spiels­wei­se die Grü­nen zu nen­nen, wel­che das von Sys­tem, Staat und Kapi­tal her­vor­ge­ru­fe­ne Vaku­um in Sachen Umwelt­schutz aus­nut­zen, um Wäh­ler für eigent­lich im Vor­der­grund ste­hen­de trans­at­lan­ti­sche Zie­le zu gewin­nen. So wur­den aus ver­meint­li­chen Pazi­fis­ten und Umwelt­schüt­zern direkt nach der Wahl Umwelt­zer­stö­rer und Kriegstreiber.

Das Problem von Rattenfängern in der Corona-Protestbewegung am Beispiel AUF1

AUF1 ist ein neu­rech­ter TV-Sen­der, der zur Kate­go­rie der »Rat­ten­fän­ger« hin­zu­ge­zählt wer­den kann. Zwar wer­den dort auch vali­de Infor­ma­tio­nen zum Coro­na-Regime oder auch zur Ukrai­ne-Kri­se ver­öf­fent­licht, doch dies dient dem über­ge­ord­ne­ten Ziel, sich Ver­trau­en von durch das Coro­na-Regime ver­un­si­cher­ten Men­schen zu erschlei­chen oder den Wider­stand gegen das Coro­na-Regime im Auf­trag von Staat und Kapi­tal als rechts­ra­di­kal zu framen.

Wie­so bin ich mir da so sicher?

Der öster­rei­chi­sche Chef­re­dak­teur des Sen­ders, Ste­fan Magnet, macht kei­nen gro­ßen Hehl aus sei­ner Gesin­nung. Er war Akti­vist im natio­na­lis­ti­schen und faschis­to­iden »Bund frei­er Jugend« (BfJ) und betreibt das Mode­la­bel »Heimat­mo­de«, das unter ande­rem Erken­nungs­zei­chen öster­rei­chi­scher Alt­na­zis auf Tex­ti­li­en druckt. Zudem ist er eng mit der FPÖ ver­bun­den. Letz­te­re äußert zwar, ähn­lich wie die AfD, durch­aus Rich­ti­ges zum Coro­na-Regime, trau­ert jedoch dem Drit­ten Reich nach und pro­pa­giert faschis­to­ide und ras­sis­ti­sche Theo­rien und greift zur Umset­zung der­sel­ben nach jedem ver­wert­ba­ren Strohhalm.

Auch die The­men­wahl sowie die Art der Bericht­erstat­tung mit­samt der genutz­ten Spra­che haben ein ein­deu­ti­ges Geschmäck­le. Neben infor­ma­ti­ven Berich­ten und Inter­views mit bekann­ten Gesich­tern aus »dem Wider­stand«, wie Bhak­di, Wodarg und Füll­mich, wird unter ande­rem die Gewerk­schaft »Das Zen­trum« mit dem Wor­ten »ers­te unab­hän­gi­ge Gewerk­schaft« bewor­ben. Eben jene Gewerk­schaft fiel jedoch immer wie­der durch Ras­sis­mus auf. Ihr Vor­sit­zen­der, Oli­ver Hil­bur­ger, ist ein alt­be­kann­ter Neo-Nazi. Neben sei­ner Nähe zur NPD, heu­te ver­stärkt zur AfD, oder auch dem ver­bo­te­nen Blood and Honour-Netz­werk, fuhr die­ser frü­her ger­ne mit sei­ner Band »Noie Wer­te« ins Aus­land, damit er auf Kon­zer­ten unge­stört den Hit­ler­gruß zei­gen oder Stro­phen wie »Lasst die Mes­ser flut­schen in den Juden­leib« grö­len konn­te. Ent­spre­chen­de Kon­zert­mit­schnit­te sind online leicht zu fin­den. Zufall? Ver­se­hen? Bestimmt nicht!

Als welt­of­fe­ne, tole­ran­te und demo­kra­tisch gesinn­te Men­schen soll­ten wir sol­chen Grup­pie­run­gen und ihren Vor­den­kern kei­ne Büh­ne geben. Statt­des­sen soll­ten wir über deren Mobi­li­sie­rungs­stra­te­gien auf­klä­ren und das kri­ti­sche Bewusst­sein inner­halb der Bewe­gung gegen sol­che tota­li­tä­ren Ideo­lo­gien der Men­schen­feind­lich­keit stär­ken. Genau­so wenig soll­ten wir, wie es eini­ge sich selbst als Anti­fa ver­ste­hen­de Per­so­nen tun, grund­sätz­lich das Gegen­teil von dem sagen, was irgend­wel­che rech­ten Grup­pie­run­gen oder Fern­seh­sen­der sagen. Denn nur weil der Fal­sche etwas aus den fal­schen Grün­den sagt, wird das Gegen­teil noch lan­ge nicht wahr oder rich­tig. Ein solch ein­ge­schränk­tes Ver­ständ­nis von Poli­tik und Anti­ras­sis­mus dient viel­mehr der Agen­da der Regie­ren­den und der hin­ter ihnen ste­hen­den Kon­zer­ne und Olig­ar­chen. Schließ­lich fin­den sie so zusätz­li­che Pseu­do­ar­gu­men­te für die Durch­set­zung von die All­ge­mein­heit schröp­fen­den und die bestehen­de Macht der herr­schen­den Olig­ar­chien stär­ken­den Poli­ti­ken. Streng nach dem Mot­to: »Wenn die Rech­ten und die AfD das ableh­nen, muss man es als guter Demo­krat ja unterstützen«.

Der Wider­stand darf sich im urei­gens­ten Sin­ne weder von die­sen Grup­pen ver­ein­nah­men las­sen noch sich dem gesteu­er­ten Ver­such der Kon­zer­ne und Regie­run­gen hin­ge­ben, uns mit ihrer Hil­fe als rechts, men­schen­ver­ach­tend oder tota­li­tär zu framen. Ansons­ten droht ein ähn­li­ches Schick­sal wie das von Quer­den­ken oder ande­ren Grup­pie­run­gen des Wider­stan­des, die sich von rech­ten Rat­ten­fän­gern und staat­li­chen V‑Leuten ver­ein­nah­men lie­ßen und dafür von den Kon­zern- und Regie­rungs­me­di­en als rechts­ra­di­kal geframt wur­den. Ein Framing, gegen das der Wider­stand gegen das Coro­na-Regime bis heu­te zu kämp­fen hat und das lan­ge Zeit eine grö­ße­re Mobi­li­sie­rung erfolg­reich ver­hin­dert hat.

Was der noch junge Widerstand gegen das Corona-Regime endlich lernen muss

Auch wenn der Wider­stand gegen das Coro­na-Regime von Pseu­do-Lin­ken als faschis­tisch denun­ziert wird, wodurch die gesam­te rechts-links Ein­ord­nung ad absur­dum geführt und damit wei­test­ge­hend hin­fäl­lig wur­de (»Dan­ke« dafür!) – heißt das nicht, dass es kei­ne faschis­ti­schen Rat­ten­fän­ger gibt, die den Wider­stand für sich ver­ein­nah­men wol­len. Auch wenn der Wider­stand von Pseu­do-Lin­ken wie der SPD, Tei­len der Lin­ken, zahl­rei­chen Stif­tun­gen und Ver­ei­nen, sowie Fake-Anti­fa­schis­ten à la Jörg Rei­chel und den Grü­nen denun­ziert wird, ist nicht alles, was aus deren Rich­tung kommt, auto­ma­tisch falsch. Hier gilt das glei­che Prin­zip wie für Aus­sa­gen, die von der AfD kom­men. Wie Sarah Wagen­knecbt ein­mal exzel­lent poin­tier­te: »Wenn die AfD sagt, mor­gen früh geht die Son­ne auf, dann ist es nicht falsch, nur weil die AfD es gesagt hat, son­dern eine schlich­te Tatsache.«

Auch wenn der Wider­stand von Pseu­do-Lin­ken ver­un­glimpft wird, heißt dies nicht, dass wir kei­ne sozia­le Bewe­gung sind, die »tra­di­tio­nell links« ein­ge­ord­net wer­den kann. Wir sind eine sozia­le Bewe­gung und soll­ten uns daher ver­gan­ge­ne sowie bestehen­de sozia­le Bewe­gun­gen von der Frau­en­be­we­gung über die Frie­dens­be­we­gung bis hin zur Black Pan­ther Par­ty und der Mün­che­ner Räte­re­pu­blik genau anschau­en und von ihnen ler­nen, statt wegen Dif­fa­mie­rungs­ver­su­chen von Pseu­do-Lin­ken trot­zig an ihnen vorbeizuschauen.

Und zu guter Letzt: Der Feind mei­nes Fein­des ist nicht auto­ma­tisch mein Freund. Selbst­ver­ständ­lich kann es in etwai­gen Abstim­mun­gen gut und vor­teil­haft sein, wenn Par­tei­en wie die AfD sich gegen eine Impf­licht posi­tio­nie­ren – aber ein Freund, also jemand, mit dem ich gemein­sa­me Sache mache und dem ich ver­traue, sind sie des­halb noch lan­ge nicht.

AfD, Reichs­bür­ger, FPÖ und mit ihnen ver­bun­de­ne Medi­en­kon­glo­me­ra­te blei­ben gefähr­li­che faschis­to­ide Grup­pen, auch wenn sie durch­aus Rich­ti­ges zum Coro­na-Regime gesagt haben. Wir soll­ten mit ihnen nie­mals einen Schul­ter­schluss ein­ge­hen und kei­nes­wegs deren Inhal­te tei­len, da sie ansons­ten von uns Reich­wei­te sowie ver­meint­li­che Legi­ti­ma­ti­on für ande­re, für sie eigent­lich im Fokus ste­hen­de The­men erhalten.

Wir alle wol­len weder im aktu­el­len von Kon­zer­nen und deren Think Tanks dik­tier­ten Coro­na-Regime leben noch in einem ande­ren tota­li­tä­ren Staat, in dem Sexis­mus, Ras­sis­mus und Umer­zie­hung an der Tages­ord­nung sind – also lasst uns auch ent­spre­chend handeln.

Die bestehen­de Olig­ar­chie darf kei­nes­falls durch eine neue Gegen­olig­ar­chie ersetzt wer­den. Dafür bedarf es einer ech­ten eman­zi­pa­to­ri­schen Bewe­gung. Gegen jeden Faschis­mus und Tota­li­ta­ris­mus, gegen jede Men­schen­feind­lich­keit, gegen jeg­li­chen demo­kra­tisch nicht legi­ti­mier­ten Zen­tra­lis­mus. Lasst uns lie­ben und kämp­fen für eine freie Gesell­schaft von frei­en Men­schen, ohne Hass und Ausgrenzung.

Euer Erd­be­woh­ner

Zuerst erschie­nen auf Sub­stack, von der Mag­Ma leicht redigiert

5 thoughts on “Meine Entfremdung von #friedlichzusammen und was der noch junge Widerstand endlich lernen muss

  1. Woher kommt der Begriff tota­li­tär und was soll er bedeu­ten? Es ist die Spra­che des Impe­ri­ums und der ers­te Schritt des Wider­stands muss es sein, sich von die­ser Spra­che zu befrei­en. sie­he Vik­tor Klem­pe­rer LTI.

    1. Die herr­schen­de Spra­che ist die Spra­che der Herr­schen­den, dar­um sagen wir bes­ser gar nichts mehr! So in etwa?

      Poli­ti­cal Cor­rect­ness wur­de extra als Maul­korb instal­liert, ich wei­ge­re mich, als Hand­lan­ger von deren Inter­es­sen zu agie­ren. Wenn tota­li­tä­re Bestre­bun­gen nicht mehr als sol­che benannt wer­den dür­fen, dann lässt man sich den Schneid abkaufen. 

      Sol­che For­de­run­gen sind min­des­tens antidemokratisch. 

      ?

  2. Der Sen­der AUF1 wird hier übelst dif­fa­miert mit der gan­zen Palet­te an Abgren­zungs- bzw. Kampf­be­grif­fen (faschis­to­id, men­schen­ver­ach­tend, neu­rechts, etc etc). Dem­ge­gen­über ist sach­li­che Kri­tik an den Inhal­ten die­ses Sen­ders schwer auf­zu­fin­den. Sie haben posi­tiv über das Zen­trum berich­tet. Hm, das war’s? Ach ja, da war noch die Jugend und das Mode­la­bel von Ste­fan Magnet. Also, wenn man jeman­den faschis­to­id etc nennt, und noch dazu einen gan­zen Sen­der, dann bit­te auch sich die Mühe machen, das ordent­lich zu begründen.

    Auch des Autors Kom­mu­ni­ka­ti­on mit #Fried­lich­Zu­sam­men lässt nach eige­nen Anga­ben schwer zu wün­schen übrig. Zita­te aus dem Artikel:

    “Lei­der stieß ich – bis auf ein nase­rümp­fen­des Ein­ge­ständ­nis, dass die Koope­ra­ti­on mit AUF1 viel­leicht doch ein Feh­ler gewe­sen sein könn­te – auf Unver­ständ­nis bis star­ke Ablehnung.«

    Aha, man war also bereit, sich damit aus­ein­an­der zu set­zen, ob es ein Feh­ler war. Das ist doch ein guter Anfang. Das hat dem Autor aber offen­bar nicht gereicht:

    »Dar­über hin­aus sah ich die von mir ein­ge­for­der­te öffent­li­che Ent­schul­di­gung und Kennt­lich­ma­chung von AUF1 als tota­li­tä­rer und ras­sis­ti­sche Sen­der sowie als »Rat­ten­fän­ger« im Wider­stand als ent­schei­den­den Bau­stein dafür an, dass die Besu­cher unse­rer Ver­an­stal­tung AUF1 zukünf­tig nicht als »neu­tra­le« und ver­trau­ens­wür­di­ge Infor­ma­ti­ons­quel­le betrachten.«

    Er for­der­te (!) von #Fried­lich­Zu­sam­men, dass sie Abbit­te leis­ten und AUF1 öffent­lich mit den glei­chen Kampf­be­grif­fen dif­fa­mie­ren sol­len. Damit die Besu­cher am Ende genau­so den­ken wie er. Das ist ideo­lo­gie­ge­trie­ben. Ach und wo führt Ideo­lo­gie noch­mal hin? Unter einem #fried­lich­zu­sam­men dis­ku­tie­ren ver­ste­he ich was ande­res. In der Folge:

    »Es kam sogar zu einem Framing mei­ner Per­son: Ich wür­de Per­so­nen aus­schlie­ßen wol­len, mein Vor­schlag wür­de die Bewe­gung spal­ten. Dar­um ging es mir per­sön­lich jedoch nie.«

    Tja. Ich glau­be, der Autor ist da auf einem Auge blind.

    Die Aus­füh­run­gen über Rat­ten­fän­ger im All­ge­mei­nen fand ich hilf­reich. Dan­ke dafür.

  3. »Die aktu­el­len „Dammbruch“-Empörungen zu Thü­rin­gen sind in wei­ten Tei­len vor­ge­scho­ben, sagt Rai­ner Maus­feld. Denn rech­te bis rechts­ex­tre­me Hal­tun­gen sind seit Beginn der Bun­des­re­pu­blik in den Par­tei­en der soge­nann­ten Mit­te fest ver­an­kert. Der Kampf der poli­ti­schen Zen­tren der Macht gegen Rechts war und ist in Wahr­heit immer ein Kampf gegen Links. Es ist beschä­mend, wie eil­fer­tig wei­te Tei­le der Lin­ken auf die aus­ge­leg­ten Wort­kö­der her­ein­fal­len und Arm in Arm mit Mer­kel und See­hofer ihre Ent­schlos­sen­heit im Kampf gegen Rechts bekun­den – jeder wirk­lich Lin­ke müss­te es als eine Belei­di­gung emp­fin­den, wenn ihn die Mäch­ti­gen zum Kampf gegen Rechts auf­for­dern! Mit die­ser Stra­te­gie hat es die neo­li­be­ra­le Mit­te geschafft, die Lin­ke in per­ma­nen­te Angst zu ver­set­zen, als rechts­of­fen zu erschei­nen, und sie wich­ti­ger Kern­the­men beraubt.«
    Rai­ner Maus­feld, zitiert nach https://​www​.nach​denk​sei​ten​.de/​?​p​=​5​8​488

  4. Die Probleme/​Auslöser sind erkannt. Aber Klein Klein Hick hack wird uns nicht wei­ter­brin­gen. Das ist genau das , was die Sick Brains wol­len. Der Gre­at Reset wird uns in die Gru­be wer­fen, und dann erschei­nen die Ver­ur­sa­cher = Sick Brains und sagen: wir ret­ten euch. Uns bleibt dann nichts ande­res als der Weg in die tota­le Skla­ve­rei. Aber der Moment, wo sie sagen , wir ret­ten Euch, bie­tet eine Chan­ce die Olig­ar­chen­ver­mö­gen zu reso­zia­li­sie­ren und eine freie Gesell­schaft zu kre­ieren. Aber das erfor­dert das Bewusst­sein aller »ordi­na­ry mens« und auf die­sen Moment vor­be­rei­tet zu sein​.Es kann nicht sein, dass wir von einer hand­voll kran­ker Hir­ne bestimmt werden

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