Einige Anmerkungen für halbschwurbelnde Linke, die künftige Gesellschaftskritik betreffend

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Aus Anlass eines Texts von Anselm Jappe

Erfreu­li­cher­wei­se fängt die radi­ka­le Lin­ke an, sich ein wenig zu strei­ten. Exem­pla­risch sei hier auf einen Anfang Janu­ar 2022 geschrie­be­nen Text »Haben Sie ›Gesund­heits­dik­ta­tur‹ gesagt?« von Anselm Jap­pe aus dem Milieu der soge­nann­ten Wert­kri­tik ver­wie­sen, der sich ins­be­son­de­re deut­lich gegen die Impf­pflicht und Gesund­heits­dik­ta­tur rich­tet. Die Wert­kri­tik als ver­ding­lich­ter Ter­mi­nus einer Sub­sek­te der deut­schen Lin­ken geht auf den ehren­wer­ten und lei­der zu früh aus die­ser Welt geschie­de­nen Robert Kurz zurück, der sich Anfang der 1990er im Rah­men der Zeit­schrift Kri­sis zusam­men mit eini­gen Ver­bün­de­ten wie Ernst Lohoff, Nor­bert Trenk­le, Claus Peter Ort­lieb oder Ros­wi­tha Scholz einer grund­sätz­li­chen Kri­tik aller Momen­te moder­ner kapi­ta­lis­ti­scher Herr­schaft wid­me­te. Es wur­de eine klei­ne Schu­le dar­aus, mit den übli­chen Schul­spal­tun­gen. Die Haupt­li­nie ver­erb­te sich in die Zeit­schrift Exit. In die­ser soll­te der Arti­kel von Anselm Jap­pe erschei­nen, nur dass die Redak­ti­on das ablehn­te, was zu einer wei­te­ren Spal­tung führ­te. In der Begrün­dung der Exit-Redak­ti­on heißt es, die­ser Text hät­te »eine offe­ne Flan­ke zu Coro­nal­eug­nern und Ver­schwö­rungs­fan­ta­sien«. Dass der Autor offen­bar weder Coro­na leug­nen möch­te noch zu Phan­ta­sien über Ver­schwö­run­gen neigt, hilft ihm nichts, denn – so das Ver­dikt der Redak­ti­on: »Die offe­ne Flan­ke soll ledig­lich mit der Beteue­rung abge­si­chert wer­den, man habe damit nichts zu tun.« Wäh­rend die einen Coro­na selbst leug­nen, bie­tet und leug­net Anselm Jap­pe immer­hin eine offe­ne Flan­ke, was – die Wert­kri­tik ent­sprang ursprüng­lich einer deut­schen K‑Gruppe – natür­lich am klein­bür­ger­li­chen Den­ken des Autors lie­ge: »In der offe­nen und zugleich geleug­ne­ten Flan­ke gegen­über Ver­schwö­rungs­fan­ta­sien dürf­te sich das Bedürf­nis Aus­druck ver­schaf­fen, den eige­nen klein­bür­ger­li­chen Sehn­süch­ten nach Über­schau- und Hand­hab­bar­keit der sich chao­ti­sie­ren­den Kri­sen­ver­hält­nis­se Raum zu geben.« Die Rei­hen fest geschlos­sen, dem Feind nur kei­ne Flan­ke bie­ten. Exit im Krieg. Aber natür­lich stets unglaub­lich unüber­schau­bar und wenig hand­hab­bar, gar komplex.

So weit, so gewöhn­lich. Aber die Exit-Redak­ti­on bringt hier noch ein­mal kom­pakt den seit nun über zwei Jah­ren recht erfolg­rei­chen all­ge­mei­nen Wirk­me­cha­nis­mus der als Gate­kee­per der Ord­nung fun­gie­ren­den Lin­ken auf den Punkt. Er besteht aus drei Grund­dog­men, die hel­fen, jede erns­te inne­re Kri­tik im Keim zu ersti­cken; schon die gedank­li­che Kri­tik, aber dann auch die prak­ti­sche Kri­tik. Weni­ger, weil das Fol­gen­de beson­ders neu wäre, son­dern eher, weil die Fas­sa­de der ver­schla­fe­nen und geschlos­sen die Staats­ak­ti­on tra­gen­den Lin­ken erst jetzt lang­sam Ris­se bekommt, hier noch ein­mal die Zurück­wei­sung die­ser drei Dog­men. Das scheint nütz­lich, da bekann­ter­ma­ßen die Lin­ken unter­ein­an­der einen rela­tiv stren­gen Moral­ko­dex pfle­gen und zöger­li­che Kri­tik an der Staats­ak­ti­on aus den eige­nen Rei­hen fast immer dazu ten­diert, sich auf die eine oder ande­re Wei­se ängst­lich und in vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam gegen die Über­tre­tung die­ser drei Gebo­te zu ver­wah­ren, um mit der Lin­ken, mit der sie gleich­zei­tig in Wider­spruch gerät, doch noch einen gemein­sa­men Boden zu behaupten.

1a) Du sollst Corona nicht leugnen

Die Leug­nung eines, wenn nicht aller Viren erscheint dem moder­nen Unge­bil­de­ten ver­we­gen. Aber war­um eigent­lich nicht? Des­car­tes hat bekannt­lich Gott geleug­net und wenn er auch am Ende Gott gründ­li­cher bewie­sen hat als so man­cher Scho­las­ti­ker, so war die ursprüng­li­che Leug­nung gera­de hier­für not­wen­dig. Das von Lou­is Pas­teur und Robert Koch in die Welt gesetz­te und durch­ge­setz­te Kon­zept eines Virus, oder vager einer Mikro­be, war damals nicht unum­strit­ten. Der bekann­te Satz von Clau­de Ber­nard: »Die Mikro­be ist nichts, das Ter­rain ist alles«, legt davon Zeug­nis ab. Das Ter­rain ist unser Leib. Eine Grip­pe­mi­kro­be kann ihm wenig anha­ben, wenn er nicht ander­wei­tig geschwächt ist. Ist er aller­dings geschwächt, kann die para­si­tä­re Ver­meh­rung etwa der Grip­pe­mi­kro­ben im Leib dazu füh­ren, dass der Orga­nis­mus ins­ge­samt auf­hört. Im Grun­de stirbt der Kran­ke – um die moder­ne Mode als Bei­spiel zu wäh­len – weder mit noch an Coro­na. Es ist ein durch­aus kom­ple­xer Pro­zess zahl­lo­ser Momen­te, da nicht nur Leib und Mikro­ben inter­agie­ren, son­dern auch der viel­leicht durch grund­sätz­li­che Erkran­kung oder schlicht das Alter geschwäch­te Leib ande­rer­seits etwa durch aku­te Angst, per­ma­nen­ten Stress, chro­nisch schlech­te Ernäh­rung, grund­sätz­li­chen Bewe­gungs­man­gel und über­haupt aus Man­gel an Freu­de, Lie­be und Lebens­lust emp­fäng­li­cher für soge­nann­te Viren sein kann und nicht ein­fach eine unge­sell­schaft­li­che Enti­tät dar­stellt. All jene, die stän­dig ihre Oppo­nen­ten der Leug­nung und Unter­kom­ple­xi­tät beschul­di­gen, leug­nen eben die­sen dif­fi­zi­len, im Kon­kre­ten oft sehr indi­vi­du­el­len, im Gan­zen aber höchst gesell­schaft­li­chen Zusam­men­hang und geben dann alle Schuld einem omi­nö­sen Virus, der wie­der­um – typisch posi­ti­vis­tisch – in den Rang einer ein­fa­chen Wirk­lich­keit erho­ben wird. Dabei offen­bart schon ein ober­fläch­li­ches Stu­di­um der Mikro­bio­lo­gie, dass Virus nur ein Name für etwas ist, das man nur schwer defi­nie­ren oder sogar ding­fest machen kann. Der berech­tig­te Zwei­fel, ob z. B. die­ses Königs­vi­rus über­haupt je voll­stän­dig iso­liert wur­de – die Vor­aus­set­zung für den legen­dä­ren Dros­ten­test – geht auf sol­che Fra­gen. Und selbst wenn er doch irgend­wie sequen­ziert wur­de, was folgt schon aus der Kennt­nis der genau­en Mole­kül­zu­sam­men­set­zung? Man kann die­se dann natür­lich Sars-Cov2 nen­nen, aber in die­ser sta­ti­schen Iso­la­ti­on ist damit wenig gesagt. Natür­lich soll man Begrif­fe benut­zen und Begrif­fe ver­wei­sen immer auf etwas Exis­tie­ren­des. Die famo­se Ein­heit von Begriff und Sache. Aber dann deckt sich unser Begriff nicht mit der Sache. Gera­de der moder­ne Begriff der Natur­wis­sen­schaft ist sogar sehr unge­nau, da sie die Ergeb­nis­se ihrer Abs­trak­ti­on und Ana­ly­se am Ende als Wesen unter­schiebt und sie kaum zur Syn­the­se der zu Din­gen geron­ne­nen Abs­trak­tio­nen fähig ist. »Wis­sen­schaft, hüte dich vor dem Den­ken«, sag­te schon Hegel über New­ton, der ein »voll­kom­me­ner Bar­bar an Begrif­fen« sei, nicht wuß­te, »dass er Begrif­fe hat­te und mit Begrif­fen zu tun hat­te, wäh­rend er mit phy­si­schen Din­gen zu tun zu haben mein­te« und der die »Begrif­fe wie sinn­li­che Din­ge hand­hab­te und sie nahm, wie man Stein und Holz zu fas­sen pflegt«. Und doch hat New­ton etwas über die Phy­sik gesagt und mög­li­cher­wei­se sogar Robert Koch oder Lou­is Pas­teur über die Bio­lo­gie. Aber die­se gan­zen unwis­sen­schaft­li­chen Apo­lo­ge­ten des Königs­vi­rus, die vor der Virus­leug­nung war­nen, tra­gen zu letz­te­rem nichts bei und indem sie die Viren ein­fach als Fak­tum und Fatum set­zen, hel­fen sie der völ­lig ein­sei­ti­gen, fal­schen und mani­schen Fixie­rung auf die Mikro­ben, indem sie deren not­wen­di­gen Stoff­wech­sel mit unse­rem Leib völ­lig aus­blen­den, ohne den die­se für sich genom­men leb­lo­sen Mikro­ben buch­stäb­lich nichts sind.

Ins­be­son­de­re wirkt in unse­rem leben­di­gen Leib das soge­nann­te Immun­sys­tem, ein ande­res ger­ne im Mun­de geführ­tes Kon­zept aus der Zeit Lou­is Pas­teurs oder – wie die Deut­schen sagen – aus der Zeit Robert Kochs. Und wenn auch die­ser sehr frag­wür­di­ge Begriff aus dem deutsch-fran­zö­si­schen Krieg stammt, den Lou­is Pas­teur und Robert Koch ideo­lo­gisch in ihrem Fach­ge­biet repro­du­zier­ten – das Immun­sys­tem sei eine Art Gefechts­stand des Kör­pers, der sich äuße­ren Ein­dring­lin­gen wider­set­ze –, sind doch die Quer­den­ker völ­lig im Recht, wenn sie immer wie­der beto­nen, dass ein gutes Immun­sys­tem ganz gut mit Grip­pe­vi­ren aller Art umge­hen kann, wäh­rend die Covi­dia­ner sofort zu Immun­sys­tem­leug­nern wur­den: Das Virus sei so neu, dass unse­re Abwehr dage­gen nichts aus­rich­ten kön­ne. Anstatt die Erkrank­ten in irgend­ei­ner Wei­se zu unter­stüt­zen, ließ man sie oft­mals ein­fach ver­re­cken. Es hel­fe ja nichts außer Iso­la­ti­on und wer krank wur­de, dem moch­te Gott hel­fen. Aber auch, wer gar nicht krank war, konn­te nun, wenn er der Pfle­ge bedürf­tig war, zum Bei­spiel dehy­drie­ren, weil die Pfle­ger ent­we­der panisch weg­lie­fen oder – man über­lässt die Pfle­ge der Alten bekannt­lich meist Migran­ten – in ihre Hei­mat­län­der zurück­fah­ren mussten.

Wenn also nichts gegen eine ergeb­nis­of­fe­ne und hier nur ange­deu­te­te Dekon­struk­ti­on und Dis­kus­si­on zen­tra­ler Begrif­fe der Bio­lo­gie wie Virus und Immun­sys­tem oder, all­ge­mei­ner for­mu­liert, Mikro­be und Ter­rain spricht, son­dern durch­aus ein­mal gründ­lich dar­über nach­ge­dacht wer­den könn­te, so geht der belieb­te Vor­wurf der Coro­nal­eug­nung an der Sache vor­bei, da eine wirk­li­che Leug­nung – Anzweif­lung wäre das weni­ger denun­zia­to­ri­sche Wort – der Viren im All­ge­mei­nen oder die­ses spe­zi­el­len Coro­na­vi­rus im Beson­de­ren nur bei weni­gen inner­halb der Oppo­si­ti­on zu fin­den ist. Das ers­te Dog­ma der Gate­kee­per lau­tet daher in Wirklichkeit:

1b) Du sollst die Pandemie nicht leugnen

Die Pan­de­mie sei so offen­sicht­lich, dass man schon irre sein müs­se, um sie zu leug­nen. Nun kann jeder natür­lich pri­va­te Geschich­ten erzäh­len und mei­ne lau­tet klipp und klar: In mei­nem Umfeld ist die Todes­seu­che aus­ge­fal­len. Aber sol­che Pri­va­tevi­denz ist natür­lich anrü­chig und auch tat­säch­lich wenig aus­sa­ge­kräf­tig. Wer­fen wir also einen Blick auf die trü­be Sta­tis­tik aller Toten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, irgend­wie altersbereinigt:

Man sieht hier den erschre­cken­den Umstand, dass 2020 pro­zen­tu­al so vie­le Men­schen gestor­ben sind wie – Tusch – seit dem Jahr 2003 nicht mehr. In den Jahr­zehn­ten davor waren es aller­dings immer mehr Todes­fäl­le pro Hun­dert als im Jahr 2020. Die 70er und 80er und 90er müs­sen also ein wah­res, gar pan­de­mi­sches Mas­sen­ster­ben der alten und ver­wund­ba­ren Men­schen gewe­sen sein, denn – von Unfäl­len und Aus­nah­men abge­se­hen – sind es immer die­se, die ster­ben, wor­an oder unter wel­chen Umstän­den auch immer. Man kann und soll natür­lich einen Bypass legen, wenn mög­lich, und mei­net­we­gen kann man auch Herz­klap­pen aus­tau­schen, aber der Mensch ist dann doch sterb­lich und so war damals nie­mand grund­sätz­lich irri­tiert davon, dass (alte) Men­schen gestor­ben sind und man hat sie hof­fent­lich indi­vi­du­ell betrau­ert – anders als in den letz­ten zwei Jah­ren, da man sie teil­wei­se nicht ein­mal beer­di­gen durf­te und man die Alten oft allei­ne und von den Liebs­ten iso­liert ster­ben ließ. Aller­dings hat die pro­zen­tua­le Sterb­lich­keit im Jahr 2020 tat­säch­lich einen klei­nen Sprung gemacht. Das mag an einer beson­ders schwe­ren Grip­pe­wel­le gele­gen haben, man soll da lei­den­schafts­los sein und die Natur hat ihre Mucken, aber ande­rer­seits gehen eben die kon­kre­ten Todes­um­stän­de in sol­chen Sta­tis­ti­ken ver­lo­ren, so dass man sich da auch nicht zu sicher sein soll­te. Ich erin­ne­re mich noch an Zei­tungs­ar­ti­kel, nach denen man Demen­te zuhauf ster­ben ließ, ganz ohne Coro­na, ein­fach »due to dis­rup­ti­on to care and restric­tions on visi­tors causing lone­li­ness« wie es hin­ter­her lako­nisch auf der Web­sei­te des World Eco­no­mic Forum heißt. Oder an die anfangs umge­setz­te Emp­feh­lung der WHO, kei­ne kon­ven­tio­nel­le Beatmung zu benut­zen, son­dern die Leu­te lie­ber vor­schnell und zu oft zu intu­bie­ren, was wie­der­um zu vie­len Todes­fäl­len führ­te. Aber las­sen wir all die­se meist scham­haft ver­schwie­ge­nen Grau­sam­kei­ten einer von der Königs­grip­pe berausch­ten Gesell­schaft bei­sei­te und gucken nur auf die das nack­te Leben abbil­den­den Zah­len­ko­lon­nen: Es gab kei­ne Erhö­hung der Sterb­lich­keit im Jahr 2020, die für sich genom­men den gesam­ten Pla­ne­ten im Bann hät­te hal­ten dür­fen. Oder auch: Es gab kei­ne Pandemie.

Bei der dog­ma­ti­schen Pan­de­mie­be­haup­tung han­delt es sich im Grun­de um eine Anwen­dung von Erkennt­nis­sen aus der Ver­hal­tens­psy­cho­lo­gie: Wenn man es nur oft genug und am bes­ten mit der Auto­ri­tät irgend­ei­nes Kit­tels behaup­tet, dann über­neh­men alle die­se Tat­sa­chen­be­haup­tung, unab­hän­gig davon, ob sie sich mit der eige­nen, auch kol­lek­ti­ven Sin­nes­wahr­neh­mung deckt. Wir haben also Pan­de­mie und von der wer­den auch ehr­li­che Kri­ti­ker ange­steckt: Auch Anselm Jap­pe spricht wie selbst­ver­ständ­lich von einer Pan­de­mie. Immer­hin ver­stellt ihm das nicht voll­stän­dig den Blick auf den Rest, aber im All­ge­mei­nen schwächt die­ser Pan­de­mie­po­si­ti­vis­mus die Posi­ti­on von Kri­ti­kern des Aus­nah­me­zu­stands stark ab und trübt vor allem deren Blick auf die Kon­se­quen­zen. Es wird so sug­ge­riert, es gin­ge bei all den Maß­nah­men – bei allen gege­be­nen­falls kon­sta­tier­ten Wider­sprü­chen und Absur­di­tä­ten – tat­säch­lich um die Bekämp­fung einer Pan­de­mie. Um Gesund­heits­po­li­tik im Sin­ne der Gesund­heit. Sie ver­dre­hen damit das Ver­hält­nis und ver­stel­len sich eben den Blick auf das wirk­li­che Gesche­hen. Damit sind wir beim zwei­ten Punkt: Denn mit dem ritu­el­len Vor­wurf der Pan­de­mi­e­leug­nung geht immer die Ver­dam­mung der soge­nann­ten Ver­schwö­rungs­fan­ta­sien Hand in Hand.

2) Du sollst kein Verschwörungstheoretiker sein

Hier haben die Gate­kee­per der Ord­nung eigen­wil­lig recht: Hat man ein­mal erkannt, dass es eben kei­ne Pan­de­mie ist, die uns drückt, fragt sich doch, war­um dann seit über zwei Jah­ren die­ser Zir­kus? Man kann natür­lich gesell­schaft­li­che Mecha­nis­men fin­den, die ohne eine eigent­li­che Ver­schwö­rung aus­kom­men: die um sich grei­fen­de Sen­sa­ti­ons­lust der Medi­en, die nach Ein­schalt­quo­ten gie­ren, der Kon­for­mis­mus der Poli­ti­ker, die von einer ver­ängs­tig­ten Gesell­schaft gewählt wer­den wol­len, die Pro­fit­sucht ein­zel­ner Akteu­re und Kapi­ta­li­en, etwa der Phar­ma­in­dus­trie oder die­ser Digi­tal­wirt­schaft. All das hät­te sich ohne grö­ße­ren Plan ver­selbst­stän­digt und in einer Art posi­ti­ven Feed­back­schlei­fe zum Exzess gestei­gert. Aber sol­che Phä­no­me­ne reprä­sen­tie­ren bei der Tie­fe und Dau­er des Aus­nah­me­zu­stands nicht des­sen Wesen, wenn sie auch sicher­lich für das Gesche­hen not­wen­di­ge Momen­te sind. Dann kann man die Ansicht fin­den, der Kapi­ta­lis­mus sei in einer grund­sätz­li­chen Kri­se und brau­che eine Aus­re­de für sei­ne Restruk­tu­rie­rung, oder der Dol­lar müs­se end­lich als Welt­zah­lungs­mit­tel abge­löst wer­den und die damit ein­her­ge­hen­den Ver­wer­fun­gen gera­de in der west­li­chen Welt soll­ten auf eine Grip­pe abge­scho­ben wer­den. Irgend­was davon. Oder alles zugleich. Man soll dar­über durch­aus theo­re­ti­sie­ren oder auch phan­ta­sie­ren, da nie­mand sehr klar in sol­chen Sachen sieht. Aber ohne Ver­schwö­rung im wei­te­ren Sin­ne kom­men gera­de die letzt­ge­nann­ten struk­tu­rell beding­ten Umbrü­che nicht aus. Jap­pe the­ma­ti­siert die Abwehr jeg­li­cher Ver­schwö­rungs­theo­rie dann auch und wider­spricht ihr, aber nur – nicht, dass man ihn tat­säch­lich noch für einen Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker hiel­te – mit einer pflicht­schul­di­gen Distan­zie­rung: »Natür­lich gibt es kei­ne gehei­men Tref­fen der Super­mäch­ti­gen, die in aller Frei­heit die Dräh­te zie­hen.« Ein bieg­sa­mer Satz. Gibt es über­haupt kei­ne Tref­fen der Super­mäch­ti­gen? Oder gibt es nur kei­ne gehei­men Tref­fen der Super­mäch­ti­gen? Oder gibt es bei­des, nur dass sie nicht in aller Frei­heit die Dräh­te zie­hen kön­nen, etwa weil sie als Cha­rak­ter­mas­ken ihrer­seits irgend­wie im Rah­men der Kapi­tal­ak­ku­mu­la­ti­on und deren objek­ti­ven Zwän­gen han­deln? Letz­te­re Annah­me recht­fer­tigt das salopp vor­an­ge­stell­te »natür­lich«, wel­ches ande­rer­seits sei­ne Genos­sen besänf­ti­gen soll. Die Quint­essenz moder­ner Ver­schwö­rungs­theo­rie ist seit län­ge­rem gera­de, dass die Ver­schwö­rer auf zahl­rei­che Sub­sys­te­me zurück­grei­fen müs­sen, die jeweils gar nicht ein­ge­weiht sind und ihren eige­nen Geset­zen fol­gen. Die Maxwell’sche Wen­de der Ver­schwö­rungs­theo­rie besteht bekannt­lich dar­in, dass man das gesam­te Kraft­feld der Welt für sei­ne Ver­schwö­rung nut­zen, aber eben auch vor­aus­set­zen und wir­ken las­sen muss. Pyra­mi­den­för­mi­ge Ver­schwö­run­gen gibt es nur als Teil­mo­ment, zumal es vie­le ein­an­der feind­li­che Ver­schwö­run­gen im sel­ben gesell­schaft­li­chen Kraft­feld gibt. Und weil das Wort Ver­schwö­rung immer nach Blut­schwur klingt: Das Wort Kon­spi­ra­ti­on oder ein­fach nur Poli­tik ist treffender.

Aber kon­kre­ter: Ein wenig gehei­mes Tref­fen eini­ger Super­mäch­ti­ger fand Ende 2019 statt. Viel­leicht waren es auch nur deren lei­ten­de Ange­stell­te und manch Vete­ran war auch dabei, etwa das Rep­til Kis­sin­ger. Oder es han­del­te sich nur um eini­ge lei­ten­de Cha­rak­ter­mas­ken die­ser omi­nö­sen abs­trak­ten Herr­schaft, die wir ger­ne Kapi­ta­lis­mus nen­nen. In jedem Fall waren es ech­te Men­schen aus dem Krei­se der Macht selbst. »Ende 2019« also, um mich selbst aus der ers­ten Aus­ga­be des Erre­gers zu zitie­ren, »ver­bün­de­te sich die New Yor­ker Finanz­kra­ke Bloom­berg mit dem Chi­na Cen­ter for Inter­na­tio­nal Eco­no­mic Exch­an­ges (CCIEE) und sie ver­an­stal­te­ten eine Kon­fe­renz in Bei­jing. Vie­le Panels, viel Lan­ge­wei­le. Dort haben sich Xi Jing­ping und Hen­ry Kis­sin­ger die Hän­de gereicht. Bill Gates durf­te reden und Zhou Xiao­chun trat auf. Wir aber hören Tid­ja­ne Cheick Thi­am, gefragt von Sus­an ‚Zan­ny‘ Min­ton Bed­does. Zan­ny: ‚Ich will mich jetzt an Dich wen­den, damit du eine Per­spek­ti­ve aus Euro­pa gibst.‘ Tid­ja­ne Cheick Thi­am: ‚Ich den­ke, der Druck liegt auf den ent­wi­ckel­ten, rei­fen Wirt­schaf­ten, bei denen es einen Cock­tail aus Demo­gra­phie – die bei einer altern­den Bevöl­ke­rung nega­tiv ist – und unbe­zahl­ba­ren Sozi­al­ver­spre­chen gibt. Das ist eine toxi­sche Kom­bi­na­ti­on und jeder weiß, dass irgend­wie und an irgend­ei­nem Punkt jemand sagen muss: des Kai­sers neue Klei­der, und dann muss es da eine Art von poli­ti­scher Über­ein­kunft und Berei­ni­gung geben. Und per­sön­lich glau­be ich, dass das pas­sie­ren wird, ich glau­be nur, dass das ein schmerz­haf­ter Pro­zess wird.‘« Die­ser Hohe­pries­ter des Kapi­tals – er war damals CEO einer gro­ßen Schwei­zer Bank – mag sich als objek­ti­ve Stim­me eben der Kapi­tal­gott­heit aus­ge­ben, der nur aus­spricht, was die­se Gott­heit selbst ver­langt, aber ande­rer­seits ist er Mit­glied der Group of Thir­ty, einem illus­tren Kreis, der im Wesent­li­chen, aber nicht nur, aus ehe­ma­li­gen Noten­ban­kern besteht. Auch die­ser Kreis ist nicht geheim, man kann ihn auf Wiki­pe­dia zusam­men mit einer Lis­te aller offi­zi­el­len Mit­glie­der fin­den. Er wird manch­mal geheim tagen, was sein gutes Recht als exklu­si­ve Pri­vat­or­ga­ni­sa­ti­on ist. Und er ist gege­be­nen­falls auch nicht beson­ders wich­tig, so wenig wie die erwähn­te Tagung in Bei­jing: Es gibt vie­le sol­che Kno­ten­punk­te der Macht. Aber was sein Mit­glied Tid­ja­ne Cheick Thi­am sagt ist ganz rich­tig und jetzt, zwei Jah­re spä­ter, sehen wir, wie unter dem Deck­man­tel einer fal­schen Pan­de­mie tat­säch­lich damit begon­nen wur­de, sowohl die Pen­si­ons­fra­ge als auch die Fra­ge der unbe­zahl­ba­ren Sozi­al­ver­spre­chen zu klä­ren, zu denen auch das Kran­ken­sys­tem gehört. Und dass man dabei sogar im Namen der Gesund­heit unse­rem Gesund­heits­sys­tem an den Kra­gen gehen kann, weil es bei einer altern­den Bevöl­ke­rung zu teu­er sei – ein wenig dia­bo­lisch ist der Plan, den Arzt durch die Spit­ze zu erset­zen, schon. Und er ist nur ein Aspekt der gewal­ti­gen Umstruk­tu­rie­rung des welt­wei­ten Kapi­ta­lis­mus, inklu­si­ve der Abdan­kung der USA als abso­lu­te Welt­macht und ihres Dol­lars als Welt­geld. Man soll sol­che Klei­nig­kei­ten nicht auf ein­zel­ne Akteu­re schie­ben und es gibt dafür sehr objek­ti­ve Grün­de inner­halb eben des kri­sen­haf­ten (west­li­chen) Kapi­ta­lis­mus. Die ein­zel­nen Akteu­re sind zudem oft­mals erbit­ter­te Fein­de und eben nur durch eini­ge objek­ti­ve und gemein­sa­me Pro­ble­me mit­ein­an­der ver­bun­den, die sie dann mit­un­ter auf Tref­fen wie dem­je­ni­gen in Bei­jing zusam­men­brin­gen. Aber vie­les ergibt mehr Sinn, wenn man als Hypo­the­se ein­mal ste­hen lässt, dass die Königs­grip­pe eine Ope­ra­ti­on der Ver­tre­ter des ideel­len und welt­wei­ten Gesamt­ka­pi­tals ist, und vie­les wird kla­rer, wenn man die Machen­schaf­ten sol­cher und ande­rer Kon­spi­ra­tio­nis­ten der Herr­schaft analysiert.

3) Du sollst kein Querdenker sein

Das drit­te Gebot der Gate­kee­per ist die Abgren­zung von der Quer­den­ke­rei. Es folgt zwang­los aus den ers­ten bei­den Gebo­ten: Hat man die Pan­de­mie akzep­tiert und auch den Wider­wil­len gegen Ver­schwö­run­gen, kann man letzt­lich nur punk­tu­ell bestimm­te Über­trei­bun­gen kri­ti­sie­ren, der gemein­sa­me Boden mit der gegen­wär­ti­gen Herr­schaft bleibt. Umge­kehrt, sobald man ein­mal vom Virus los­ge­kom­men ist und die Ent­wick­lung der letz­ten zwei Jah­re davon unab­hän­gig reka­pi­tu­liert, man wird gera­de­zu auf die Stra­ße getrie­ben. Und nur wer dabei die Kon­spi­ra­ti­on der Herr­schaft kennt, möch­te sei­ner­seits kon­spi­rie­ren. Man wird Bun­des­ge­nos­sen suchen und sei es zunächst nur, um unge­stört ein Gespräch über das Grau­en füh­ren zu kön­nen ohne einen die­ser Moralt­rom­pe­ter, mit denen man immer nur über die Gefahr durch Viren reden kann. Und die ein­zi­gen, die all das Grau­en irgend­wie benen­nen dür­fen, sind eben die zu Coro­nal­eug­nern abge­stem­pel­ten Leu­te. Oder bes­ser umge­kehrt aus­ge­drückt, alle, die es benen­nen, wer­den zu Coro­nal­eug­nern erklärt. Dar­in besteht das Dilem­ma derer, die inner­halb der irgend­wie radi­ka­len Lin­ken Kri­tik sowohl an dem fata­len Kurs ihrer Genos­sen als auch an der gegen­wär­ti­gen gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lung üben: Das inter­na­li­sier­te Ver­bot jeg­li­cher offe­nen Flan­ke gegen­über den Quer­den­kern ver­hin­dert effek­tiv, dass man sich über­haupt in die Aus­ein­an­der­set­zung bege­ben und ein­mi­schen kann, denn sobald man etwas gegen die Imp­fung oder wenigs­tens gegen die für auf­rech­te Pfle­ge­rin­nen schon gel­ten­de Impf­pflicht sagt oder gar unter­nimmt, oder sobald man das Ver­bot, sich zu tref­fen, tat­säch­lich bricht, im pri­va­ten Rah­men oder auf gemein­sa­men Aktio­nen, dann ist man tat­säch­lich bereits ein Quer­den­ker. Denn in sol­chen gegen den Lock­down gerich­te­ten Taten besteht gera­de die prak­ti­sche Quer­den­ke­rei, egal was der ein­zel­ne Quer­den­ker dazu sagen und den­ken mag oder ob er sich über­haupt als Quer­den­ker begreift. Nur so kann man die ver­all­ge­mei­ner­te Quer­den­ker­hys­te­rie über­haupt ver­ste­hen, denn der eben­so Umfang zuneh­men­de wie kon­fu­se Pro­test gegen die Zumu­tun­gen der letz­ten Jah­re ist ideo­lo­gisch sehr frag­men­tiert und hat kaum wirk­li­che Orga­ni­sa­tio­nen oder Grup­pie­run­gen her­vor­ge­bracht. Schon gar kei­ne, die für sich bean­spru­chen könn­ten, die­sen gäri­gen Hau­fen zu reprä­sen­tie­ren. Ins­be­son­de­re lässt er sich nicht unter einem Namen sub­su­mie­ren. Dazu muss man aller­dings auch sagen, dass die expli­zi­te Quer­den­ker­struk­tur sich dem Aus­nah­me­zu­stand noch am ehes­ten orga­ni­siert ent­ge­gen­stell­te und damit eine Gefahr für den auto­ri­tä­ren Staat zumin­dest andeu­te­te und spä­tes­tens da hört der Spaß end­gül­tig auf. Davon muss der gewöhn­li­che Lin­ke a prio­ri die Fin­ger las­sen, sonst ist er aus dem ihm lieb­ge­wor­de­nen Ver­ein drau­ßen. Wie eben Anselm Jap­pe aus der Zeit­schrift Exit, obwohl er bei aller Ver­ve im Grun­de alle drei Gebo­te der Gate­kee­per berück­sich­tigt. Jetzt, da das gan­ze Virus­zeugs durch wei­te­re gewal­ti­ge, spek­ta­ku­lä­re Kri­sen erwei­tert wur­de – immer­hin droht man uns mit Armut, Käl­te, Hun­ger und sogar Atom­krieg –, begin­nen vie­le aus dem lin­ken Spek­trum mit einer halb­her­zi­gen Kri­tik. Sie wer­den qua­si zu Halb­schwur­b­lern und sind dabei oft deut­lich zag­haf­ter als der hier bemüh­te Anselm Jap­pe. Aber es gibt kei­nen hal­ben Skan­dal und will man auf der Stra­ße oder auch nur in der sich längst for­mie­ren­den Gegen­öf­fent­lich­keit etwas aus­rich­ten, wird man das Schis­ma mit den Gate­kee­pern in den eige­nen Rei­hen suchen müs­sen, noch bevor man inner­halb der hete­ro­ge­nen Oppo­si­ti­on für mehr Klä­rung sor­gen kann. Erst dann wird viel­leicht auch die bit­ter nöti­ge Kapi­ta­lis­mus­kri­tik wie­der glaub­haf­ter. Also kei­ne Angst vor der eige­nen Courage.

21 thoughts on “Einige Anmerkungen für halbschwurbelnde Linke, die künftige Gesellschaftskritik betreffend

  1. Naja, wenn man vor lau­ter theo­re­ti­schen Haar­spal­te­rei­en die sich seit Jah­ren zuspit­zen­de Kri­se nicht mit­ge­kriegt hat, dann kann das schon mal pas­sie­ren. Dem hier eher unbe­darf­ten radi­ka­len Lin­ken wäre viel­leicht auf­ge­fal­len, dass die Zei­chen 2019 auf rot stan­den, sie­he Tur­bu­len­zen beim Repo-Markt etc. In den letz­ten Jah­ren hat­te ich mich gewun­dert, wie man auf erwart­ba­re Pro­tes­te bei stei­gen­der Arbeits­lo­sig­keit und Armut wohl reagie­ren wür­de. Seit 2020 hat­te ich die Ant­wort. Obwohl im Rück­blick seit 2019 ver­stärkt Anstren­gun­gen unter­nom­men wur­den vom Gesche­hen abzu­len­ken und die Spal­tung in der Gesell­schaft vor­an­zu­trei­ben, z. B. mit dem The­ma Kli­ma­wan­del. 2020 wur­de das par­al­lel zu Coro­na auch durch The­men wie LGBTXYZ, Gen­dern etc. bewirkt. Und Angst wur­de geschürt, wel­che bekann­ter­ma­ßen das kla­re Den­ken beeinträchtigt. 

    Alles Maß­nah­men, um die Aus­bil­dung von wirk­sa­mem Wider­stand zu ver­hin­dern. Dazu braucht es kei­ne Ver­schwö­rungs­theo­rie, das dürf­te lan­ge bekannt sein, dass das Sys­tem ver­mit­tels sei­ner Hand­lan­ger alles tut, um sei­ne Geg­ner kaltzustellen. 

    ?

  2. Vor Jah­ren schrieb ich in einem Kom­men­tar, daß die Ver­bes­se­rung der Lage der Werk­tät­chen in Deutsch­land und Euro­pa nur dem Umstand geschul­det sei, daß die sowjet­schen Pan­zer in zwei Wochen an der Rhein­mün­dung ste­hen wür­den, soll­ten sozia­le Unru­hen die Wehr­haf­tig­keit der NATO erschüttern.
    Doch dann kamen Gor­bat­schow, Jel­zin, Fuku­ya­ma und Ger­hard Schröder .
    Nun, da die Armee des »Lan­des auf der Gren­ze« in sechs Mona­ten mehr Män­ner ver­lo­ren hat als das Heer Ihrer bri­ti­schen Majes­tät aktu­ell zählt, und der Geruch voll­ge­schis­se­ner Win­deln auf Brüs­sel las­tet, wäre wohl wie­der die Stun­de der Lin­ken gekommen.
    Doch die Lin­ke als hand­lungs­fä­hi­ge Orga­ni­sa­ti­on exis­tiert nicht mehr. Scha­de eigentlich.

    PS: Wenn Ihr wollt, schrei­be ich bis Ern­te­dank mal einen Text »1922 bis 2022 – hun­dert Jah­re Bür­ger­krieg«, in dem ich die­se Gedan­ken fei­ner ausführe.

    PPS: Sor­ry, der Kom­men­tar ist ein wenig off­topic. Doch wie schon gesagt – exel­len­te Ana­ly­se, doch: WAS TUN?

  3. Ein pri­ma Artikel
    Gro­ße Tei­le der ehe­mals Lin­ken pfei­fen ins­ge­heim auf Demo­kra­tie. Die »Dumm­köp­fe« müs­sen kon­trol­liert wer­den und wir kön­nen das jetzt end­lich tun, mit Rot-Grün an der Macht. So ist der Tenor eines Alt-68er, den ich kenne.
    Tat­säch­lich ist es nur Aus­druck der eige­nen Angst vor dem sozia­len Abstieg und die Bequem­lich­keit auf anstren­gen­de­ne Recher­che und anstren­gen­den Pro­test zu verzichten.
    Es wird Zeit das die Lin­ken aus der selbst geschaf­fe­nen, kon­zern­me­di­en­ge­steu­er­ten Illu­si­on auf­wacht und sich ein­ge­steht betro­gen wor­den zu sein.

    1. Gebe Dir voll und ganz recht. Aber…
      in Zei­ten wie die­sen, erin­ne­re ich mich an ein Inter­view (von vor vie­len Jah­ren) mit einem afri­ka­ni­schen Poli­ti­ker, der die Fra­ge auf­warf, ob Demo­kra­tie tat­säch­lich so erstre­bens­wert ist. Die Vor­herr­schaft der Kon­zern­me­di­en über die Mei­nung der Mas­sen einer­seits, die der Mehr­heit über die Min­der­heit ande­rer­seits, waren schon damals sei­ne Argu­men­te. Sein Gegen­kon­zept lau­te­te auf Kon­sens. Gemäß den alten Stam­mes­ge­set­zen in sei­nem Land, müs­se so lan­ge dis­ku­tiert wer­den, bis alle mit dem aus­ge­ar­bei­te­ten Kom­pro­miss ein­ver­stan­den sind. Ob die­ses Kon­zept in west­li­chen Gesell­schaf­ten funk­tio­nie­ren kann? Ich weiß es nicht.

  4. Als lang­jäh­ri­ger (klei­ner und unbe­deu­ten­der) Man­da­tar einer ver­meint­lich rech­ten Par­tei hier in Öster­reich kann ich nur sagen, DAN­KE! Für den Arti­kel einer­seits, aber auch für den Geist, den ich aus den Kom­men­ta­ren dazu her­aus­le­se. Allei­ne die Begrif­fe »links« und »rechts« sind mir seit ewi­gen Zei­ten zuwi­der. Wie sehr die­se Begrif­fe eine (gewoll­te?) Spal­tung der Gesell­schaft vor­an zu trei­ben im Stan­de sind, muss­te ich als Leh­rer an einer Wie­ner Schu­le selbst mit­er­le­ben als ein Kol­le­ge, der, von allen als »scharf links« ein­ge­ord­net, zum Direk­tor wur­de. Die Muta­ti­on zum wahr­haft rech­ten Ver­tre­ter von Recht und Ord­nung dau­er­te nur weni­ge Stun­den. Wohl eines von vie­len Bei­spie­len das zeigt, wie abhän­gig die eige­ne Den­ke von der Posi­ti­on, in der man sich aktu­ell befin­det, ist. Wie anpas­sungs­fä­hig »Die erfun­de­ne Wirk­lich­keit« ist, mag erstau­nen. Evo­lu­tio­när mag die­se Anpas­sungs­fä­hig­keit aber klar Sinn erge­ben. Was bleibt, ist die Suche nach dem Regel­werk, der wir unse­re Hard­ware im Kopf unter­wer­fen müs­sen, um einen Kon­sens zwi­schen dem Wohl des Ein­zel­nen und dem Wohl der vie­len(!) Gesell­schaf­ten her­stel­len zu können.

  5. Was die Lin­ke, von refor­mis­tisch bis radi­kal, am meis­ten ent­glei­sen lässt, ist die Un- oder eben bes­ser, Viel­deu­tig­keit, die Ver­wor­ren­heit des Gesche­hens: Vie­le Grup­pen, Mecha­nis­men, öko­no­mi­sche, kul­tu­rel­le, poli­ti­sche Strän­ge wir­ken in- und gegen­ein­an­der; und zwar so, dass sich immer weni­ger Syn­er­gien erge­ben, dafür Ver­kno­tun­gen und wech­sel­sei­ti­ge Blo­cka­den einer­seits, Auf­lö­sun­gen und Nicht­mehr-Zuein­an­der-Pas­sen andererseits.
    Das mör­de­risch Unzu­läng­li­che der bür­ger­li­chen Ver­ge­sell­schaf­tung über Insti­tu­tio­nen, ohne ver­stän­digt zu sein, zeigt sich – in einem Aus­mass, das die The­se der Iron Lady, The­re is no such thing as socie­ty, in einem ganz ande­ren Licht erschei­nen lässt: …not any lon­ger. Possibly.

    Und damit wer­den aller­dings, nicht anders als bei Par­tei­gän­gern von neo­li­be­ra­lem Sys­tem und Regie­rung, fun­da­men­ta­le Erwar­tun­gen der tra­di­tio­nel­len, der neu­en, neue­ren, neu­es­ten Lin­ken mas­siv erschüt­tert, wes­we­gen ihnen die Genoss:innen von ges­tern, die den Vor­gang tap­fer in Augen­schein neh­men, bereits als vom Glau­ben Abge­fal­le­ne, Rene­ga­ten, neue Rech­te erschei­nen (wir dis­ku­tie­ren immer­hin in einem Por­tal, das mit der Frei­en Lin­ken asso­zi­iert ist, die, offi­zi­ell (Mit Nazis redet man nicht!), wie jeder weiss, PSEU­DO-lin­ke Frak­ti­on der QD-Faschos…):

    1. Die Pro­duk­tiv­kräf­te, der tech­ni­sche Fort­schritt, gern auch der bio-tech­ni­sche, ist unauf­halt­sam, da gibts kein Ver­tun. Zumal wenn man selbst »ver­wund­bar« ist. Die Weiss­kit­tel­schaft mag kor­rum­piert sein bis auf die Kno­chen, die Phar­ma­in­dus­trie kri­mi­nel­le Extra­pro­fi­teu­re, die Bio­po­li­tik ein Macht­in­stru­ment, ABER DIE WIS­SEN­SCHAFT! Die Wis­sen­schaft ist hei­lig. Und gut. Und schon jetzt bei­nah all­mäch­tig. Und ratio­nal. Und Auf­klä­rug. Und Natur­be­hersrchung. Und Natur ist nicht unser Freund. Kampf. Um jedes Leben. Mit allen Mit­teln. Zero­co­vid!!! ZERO!

    2. Ver­ge­sell­schaf­tung gibts seit der Ältes­ten Sten­zeit, Arbeits­tei­lung auch, bei­des geht als anthro­po­lo­gi­sche Kon­stan­te durch die Geschich­te, unver­brüch­lich zusam­men­ge­schweisst sind wir gera­de DURCH die­se Tei­lung, und weil wir auf ein­an­der ange­wie­sen sind, funk­tio­niert das auch. (In Gefahr wächst bekannt­lich das Rettende..)
    Dass die Teil­sys­te­me eines (der­zeit bür­ger­li­chen) Ver­ge­sell­schaf­tungs-Sys­tems anfan­gen, die ihnen zuge­lie­fer­ten Mate­ri­en nicht mehr auf­zu­neh­men (um sie nach ihrer Eigen­lo­gik, Eigen­re­geln zu bear­bei­ten); dass sie mit den sich tür­men­den Sys­tem-Anfor­de­run­gen über­for­dert sind, und sie an and­re Sys­te­me aus­la­gern, die das­sel­be ver­su­chen (den letz­ten Sün­den­bock, beis­sen die Ver­ant­wort­li­chen-Such-Hun­de): Dass also, mit einem Wort, die Arbeits­tei­lung selbst aus den Fugen gerät, und incht nur ihre (markt­för­mi­ge) Ver­wal­tung (Koor­di­na­ti­on, Sti­mu­la­ti­on usw): Das kann nicht sein.
    Ist aber so.

    3. Da Pro­duk­tiv­kräf­te (Wis­sen­schaft, Tech­no­lo­gie) beerbt wer­den sol­len, und ihre »gesellschaftlich«-arbeitsteilige Orga­ni­sa­ti­on (»Koope­ra­ti­on«) grund­sätz­lich als intakt (isso, da muss) unter­stellt ist, KANN alles Schlim­me nur noch vom Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis kom­men. Das dann grund­sätz­lich nicht etwa an Über­for­de­rung stirbt (die wür­den wir dann erst­mal mit-beer­ben), son­dern… AN SICH SELBST. Sei­ner däm­li­chen (Waren‑, Wert‑, Kapital-)FORM. Ohne die Pro­duk­tiv­kräf­te ent­schei­dend zu beschä­di­gen, würgt das Sys­tem sich ein­fach selbst ab. man kann zuse­hen. Alle Kri­sen Aus­druck DER Kri­se DES Kapi­tals: Die Pro­fi­tra­te fällt und fällt und fällt.
    (Ich gebe ein­mal mehr mei­nen Ein­wand gegen die­ses Theo­rem zu Pro­to­koll: Die c‑Anteile des ges.Gesamtkapitals müs­sen (in Abtei­lung I) eben­so mehr­wert­träch­tig repro­du­ziert wer­den wie die v‑Anteile (Abt.II). Die Pro­por­ti­on (org.Zusammensetzung) spielt kei­ne Rol­le. Klas­si­sche fall­a­cy of com­po­si­ti­on. Vom Ein­zel­ka­pi­ta­list (der c bloss durch­reicht, auch in Abt I) auf die Gesamt­heit geschlos­sen. Die aber reicht nicht durch, son­dern repro­du­ziert. Kor­rekt hät­te Pro­fit bezo­gen wer­den müs­sen auf Zeit. Die Zusam­men­set­zung des Gesamt­ka­pi­tals aus Tran­chen unter­schied­li­cher Umlauf­zeit (va zir­ku­lie­rend vs fix) macht tat­säch­lich einen Unter­schied. Aber dann… müss­te der 3.Band noch­mal neu geschrie­ben wer­den… Die Pro­fi­tra­ten fal­len aus vie­len Grün­den (vgl 1. und 2. Aber nicht wg »c/​v«.)

    Ver­rückt­hei­ten, wie wir sie der­zeit erle­ben, kom­men nicht von nichts.
    Die tra­di­tio­nel­le Lin­ke ver­liert den theo­re­ti­schen Boden unter den Füssen.
    Irgend­wie ist auf ein­mal wie­der 1800. Und wir fan­gen von vor­ne an.
    (Es wur­de aber auch Zeit…)

    1. Als eine, die die ein­schlä­gi­gen Debat­ten-Schlach­ten auf tele­po­lis mit-aus­ge­tra­gen hat (das Wort kam damals auf), weiss ich, wie da gekon­tert wird: Immun­sys­tem – das ist SOZI­AL­DAR­WI­NIS­MUS. Die Schwa­chen sol­len also verrecken?
      Die Schwa­chen waren am aller­meis­ten – sie selbst. Und was sie for­der­ten, war Soli­da­ri­tät mit IHNEN, vor allem die Rau­cher for­der­ten das, denn dafür ist DIE WIS­SEN­SCHAFT schliess­lich da.
      Hin­ter den ideo­lo­gi­schen Fes­tungs­wäl­len und dem Unflat, der da über die rech­ten Angrei­fer aus­ge­gos­sen wur­de, ver­steck­te sich, erkenn­bar, oft­mals die ganz unwis­sen­schaft­li­che, unlin­ke, vor-poli­ti­sche, vor-mora­li­sche ANGST und Sor­ge um sich selbst. Dar­um erüb­rig­te sich irgend­wann auch die Prü­fung der Sache: BET­TER SAFE THAN SOR­RY! Die eig­ne Risi­ko-Prä­fe­renz und Betrof­fen­heit ging vor. Lie­ber ein­mal zuviel als zu wenig… Und genau die­ses Kal­kül geht nicht auf, wenn auf der andern Sei­te, dem SAFE, eben auch Gefah­ren lau­ern. Die nur lei­der grad nicht so anschau­lich im Vor­der­grund ste­hen. Mass­nah­menschä­den… Hys­te­rie­schä­den… Impfschäden…

  6. Dan­ke für die­sen Weckruf!
    Mehr Brü­der­lich­keit, mehr Tole­ranz als Basis für offe­ne Dis­kus­sio­nen, mehr Synthese!
    – oder unse­re Wor­te und Taten ver­lie­ren sich kraft- und rich­tungs­los im Gemen­ge der aller­or­ten gesä­ten Spaltung.

  7. Ich fin­de dies einen sehr erhel­len­den Arti­kel. Aber …

    War­um sich die Lin­ken ein­fach so auf das Dog­ma 1b) »Du sollst die Pan­de­mie nicht leug­nen« fest­le­gen, das bleibt in den obi­gen Aus­füh­run­gen offen.

    Und das ist doch wirk­lich rät­sel­haft: War­um haben die Lin­ken ein mas­si­ves Vor­ur­teil in der Fra­ge, ob wir seit Früh­jahr 2020 eine ech­te (!) Pan­de­mie zu bewäl­ti­gen haben? Ich hät­te eigent­lich erwar­tet, dass die Lin­ken zu die­ser Fra­ge wohl eine Mei­nung, aber eben kein Dog­ma unterhalten.

    Ein mög­li­ches Motiv für die­se Hal­tung fin­dest sich oben bei fran­zis­ka ange­deu­tet (24. August 2022 um 12:35 Uhr):

    »Die Schwa­chen waren am aller­meis­ten – sie selbst. Und was sie for­der­ten, war Soli­da­ri­tät mit IHNEN, …«
    »… die ganz unwis­sen­schaft­li­che, unlin­ke, vor-poli­ti­sche, vor-mora­li­sche ANGST und Sor­ge um sich selbst. … BET­TER SAFE THAN SOR­RY! Die eig­ne Risi­ko-Prä­fe­renz und Betrof­fen­heit ging vor. Lie­ber ein­mal zuviel als zu wenig …«

    Dem­nach wür­de sich eine Mehr­heit der Lin­ken als poten­ti­el­les Opfer des neu­ar­ti­gen Virus‹ sehen und befürch­ten, dass, sobald eine ech­te Pan­de­mie geleug­net wird, sie zukünf­tig als Opfer allein mit sich und der töd­li­chen Krank­heit gelas­sen wird – ohne Inten­siv-Sta­ti­on, aber mit schwe­rer (schwers­ter!) Lungenentzündung.

    Wäre das eine mög­li­che Erklä­rung? Ich wür­de den­ken: So blöd kön­nen doch nicht mal die Lin­ken sein. Gemäß offi­zi­el­ler Aus­kunft des bri­ti­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums hat das Virus SARS-CoV‑2 eine Infek­ti­ons-Sterb­lich­keit von rund 0,096 %:

    http://​web​.archi​ve​.org/​w​e​b​/​2​0​2​1​0​9​3​0​2​1​5​0​1​7​/​h​t​t​p​s​:​/​q​u​e​s​t​i​o​n​s​-​s​t​a​t​e​m​e​n​t​s​.​p​a​r​l​i​a​m​e​n​t​.​u​k​/​w​r​i​t​t​e​n​-​q​u​e​s​t​i​o​n​s​/​d​e​t​a​i​l​/​2​021 – 07-12/31381/

    Und des­halb macht sich die Mehr­heit der Lin­ken in die Hosen? Kann ich mir nicht vor­stel­len – was ja viel­leicht ein­fach nur beweist, dass ich kei­ne Ahnung von den Lin­ken habe.

    Trotz­dem wür­de ich sagen: So inter­es­sant der Hin­weis von fran­zis­ka oben ist, wenn dies wirk­lich als Erklä­rung tau­gen soll, dann brau­chen wir hand­fes­te Bele­ge – nicht bloß anek­do­ti­sche Evi­denz. All­ge­mein: war­um ist es für die Lin­ken so wich­tig, dass nie­mand das Vor­herr­schen einer ech­ten Pan­de­mie in Fra­ge stellt?

    1. Mein Ver­mu­tung ist: Es ging um Lager­bil­dung. Die Par­tei die Lin­ke grenzt sich von der AfD ab. So kann es eine beson­ders schö­ne Lager­bil­dung geben. Es geht dann in der Fol­ge nicht mehr um Fak­ten bezüg­lich der Pan­de­mie, son­dern um ideo­lo­gi­sche Ver­or­tung, bzw. mora­li­sche Ver­or­tung. Das ist aber natürl­lich nur 1 Aspekt von vie­len anderen!

      1. Ja, inter­es­san­te Hypo­the­se. Ich habe etwas ähn­li­ches gele­sen in Bezug auf die USA und die Abgren­zung von Trump. Trump woll­te zur Nor­ma­li­tät zurück­keh­ren, z. B. die Lock­downs vor­zei­tig abbre­chen, er hat jenes Medi­ka­ment mit die­sem unaus­sprech­li­chen Namen (Hydrox …?) gegen COVID-19 emp­foh­len, und da muss­ten sich die Anhän­ger der demo­kra­ti­schen Par­tei im Wahl­jahr 2020 maxi­mal abgren­zen: Also Hydrox… ist des Teu­fels und Lock­downs sind das A und O aller Pan­de­mie-Bekämp­fung. Ja, wäre gut möglich.

  8. Ver­zei­hung, aber ich den­ke, dass die Ant­wort auf die Fra­ge, war­um die meis­ten eta­blier­ten Lin­ken »mit­ge­macht« haben (und wei­ter­hin mit­ma­chen), ziem­lich sim­pel ist (und mit »eta­bliert« mei­ne ich sowohl die­je­ni­gen, die in der PdL sind, als auch die­je­ni­gen, die seit Jahren/​Jahrzehnten in irgend­wel­chen ›lin­ken‹ Projekten/​Initiativen/​Gruppen etc. ›arbei­ten‹):

    1. Hyp­the­se: Die ver­fü­gen über rela­tiv wenig natur­wis­sen­schaft­li­che Kennt­nis­se oder auch ein­fach nur über rela­tiv wenig Medi­en­kom­pe­tenz und Aufklärungseichung.
    Statt­des­sen drif­ten die­se Men­schen seit Jahren/​Jahrzehnten in ihren mehr oder min­der abge­si­cher­ten Lebens­wel­ten hin und her (und den­ken, sie wären kosmopolitisch-»divers«, wenn sie mal ein paar Wochen sich als Hilfs­leh­re­rIn in »Deutsch als Zweitsprache«-Kursen für Flücht­lin­ge ergehen).
    Da ist es doch kein Wun­der, dass die­se Men­schen a) auf die Umset­zung des Panik-Papiers der Bun­des­re­gie­rung hem­mungs­los her­ein­fal­len und b) außer­dem noch den­ken, sie müss­ten sich – schon aus »mora­li­schen« Grün­den (die ja heu­te vor allen argu­men­ta­ti­ven Grün­den Vor­rang haben) – von der AfD absetz­ten (die bekannt­lich anfangs tota­le Panik mach­te, als die Bundesregierung/​Drosten noch kei­ne mach­ten, und die, sobald die Regierung/​Drosten Panik mach­ten, aufs Gegen­teil umschwenkte).

    2. Hypo­the­se: Die­se eta­blier­ten Lin­ken kön­nen – auf­grund ihrer unter 1. genann­ten erkennt­nis­theo­re­ti­schen bzw. kogni­ti­ven Defi­zi­te – jetzt nicht mehr zurück. Wür­den sie der Erkennt­nis ihres Ver­sa­gens – ihres per­sön­lich-mensch­li­chen Ver­sa­gens und ihres Ver­sa­gens als »Lin­ke« (die unzäh­li­ge Alte mut­ter­see­len­al­lein kre­pie­ren lie­ßen, die Mil­lio­nen zusätz­li­cher Hun­ger­to­te im Tri­kont zu ver­ant­wor­ten haben, die meh­re­re Kin­der- und Jugend­li­chen-Genera­tio­nen auf dem Gewis­sen haben, die die Phar­ma- und nun auch die Rüs­tungs- und Ener­gie­kon­zer­ne mit Geld füt­tern, wie kei­ne teut­sche Regie­rung je zuvor es sich allein getraut hät­te, die aus den Medi­en gol­de­ne Kühe zum Mel­ken durch die Eli­ten und zum Anbe­ten durch die Lin­ken selbst gemacht haben, und die ver­mut­lich noch nie dazu bereit waren, Links­sein als das ernst- und für sich anzu­neh­men, was es ist: anstren­gends­tes Hin­ter­fra­gen von allem und jedem) – wür­den die­se Men­schen also der Erkennt­nis ihres kom­plet­ten Ver­sa­gens Raum in ihrem Kopf, in ihrem Leben geben,
    müss­ten sie als Mensch per­sön­li­chen Bank­rott anmelden.
    (Ich kann nur jeden dazu ermu­ti­gen! Denn das ist bes­ser, als bis zum Tod mit einer der­ar­ti­gen Lebens­lü­gen zu leben. Und ich möch­te dar­an erin­nern: Wir Men­schen sind groß­zü­gig, empa­thisch und lie­be­voll. Wir akzep­tie­ren Feh­ler, auch gro­ße, wenn sie ernst­haft erkannt wurden.)

    3. Hypo­the­se: Ver­mut­lich ist es noch simp­ler: Die waren immer schon bigott, ver­lo­gen und ver­blen­det. (Dafür spricht, was ich im per­sön­li­chen Bekann­ten­kreis erlebt habe.)

    1. Dei­ne Hypo­the­sen 1 und 2 fin­de ich plau­si­bel. Bei Dei­ner Hypo­the­se 3 habe ich Bauch­schmer­zen, aber eher aus metho­di­schen Gründen.

      Wenn man bei der­art schwer­wie­gen­den Phä­no­me­nen (Du hast das Ver­sa­gen der Lin­ken oben tref­fend gekenn­zeich­net), wenn man bei einem sol­chen Jahr­hun­dert-Ver­sa­gen als schlich­te Erklä­rung akzep­tiert: »Die sind halt bigott, ver­lo­gen und ver­blen­det«, dann ver­lei­tet einen das dazu, bei ande­ren ›Klöp­sen‹ eben auch ein­fach nur noch zu erklä­ren: »Die sind halt bekloppt, alle. Ende der Erklärung.«

      Es ver­lei­tet einen dazu, es sich ein­fach zu machen und gar nicht mehr wirk­lich nach tie­fe­ren Grün­den und Zusam­men­hän­gen zu suchen. Ande­rer­seits: man­che Din­ge sind halt nicht so furcht­bar kom­plex, son­dern eher simpel …

  9. Ich möch­te noch etwas ergänzen.
    Bevor wir über das Ver­sa­gen der Lin­ken spre­chen – oder das der Gesell­schaft, ihrer Insti­tu­tio­nen: Regie­ruing, Behör­den, Jus­tiz, Medi­en – soll­ten wir uns viel­leicht ein­mal fra­gen: Wie hät­ten sie denn nicht ver­sa­gen sol­len, ange­sichts des­sen, dass DIE WIS­SEN­SCHAFT und mit ihr DIE ÄRZ­TE­SCHAFT und ihre Fach­ge­sell­schaf­ten sich die­ser Her­aus­for­de­rung nicht gewach­sen gezeigt haben? Wie ist es denn mög­lich, selbst wenn man Kor­rup­ti­on, und eine mit anschei­nend unbe­grenz­ten Mit­teln ope­rie­ren­de Intri­ge eines Phil­an­thro­ka­pi­ta­lis­ten-Klün­gels (Gates, Well­co­me), des Mili­tärs und der Diens­te unter­stellt – wie war, wie ist es mög­lich, dass hier kei­ne Kor­rek­tur erfolgte?
    Ich sage, SO ist es möglich:
    Wir haben es in den Wis­sen­schaf­ten von den Sys­tem­be­rei­chen unse­rer Umge­bung (Geo­phy­sik, Bio­lo­gie) nicht mit tech­nisch ver­wert­ba­ren Erkennt­nis­sen zu tun, statt­des­sen va mit Pro­gno­sen, oft War­nun­gen, ver­bun­den mit Mass­nah­men zur Gefahr­ab­wehr. Hier ist es kei­ne »Nut­zung«, wie bei einem tech­ni­schen Gerät, das »funk­tio­niert«, auch ohne dass man weiss wie: Dass eine Schad­pro­gno­se sich bewahr­hei­tet, wol­len wir lie­ber nicht abwar­ten. Aber: Die Sys­te­me wei­sen eine Viel­zahl von Aspek­ten auf, die Wis­sen­schaf­ten zer­fal­len in eben­so­vie­le Sub-Dis­zi­pli­nen, die viel Auf­wand trei­ben müs­sen, um an ihren Gegen­stand, her­aus­ge­löst aus sei­nem Zusammenhang,überhaupt ran­zu­kom­men (vie­les dabei ist zu gross, oder zu klein und kom­plex, um ein­fach unter­sucht wer­den zu kön­nen). Alles ein­fa­che ist oben­drein bereits erforscht. Dar­um wer­den die Stu­di­en teu­er, dar­um Dritt­mit­tel und die Ein­men­gung for­sh­cungs­frem­der Inter­es­sen. Die Stu­di­en­ergeb­nis­se zusam­men­zu­füh­ren wür­de noch­ein­mal das Dop­pel­te oder Drei­fa­che des allein schon für sie betrie­be­nen Auf­wands erfor­dern: For­scher wid­men sich dem, so wie der Über­prü­fung der Kol­le­gen-Resul­ta­te oder dem Ent­wer­fen von For­schungs­stra­te­gien unter Fächer-über­grei­fen­den Gesichts­punk­ten, in ihrer Frei­zeit. Spon­so­ren, prak­tisch an den For­schungs­re­sul­ta­ten Inter­es­sier­te kre­ieren sich dann, weil sie über­schau­ba­re Exper­ten-Aus­künf­te benö­ti­gen, eine zustän­di­ge Glo­bal-Dis­zi­plin: Viro­lo­gie; Kli­ma­for­schung, der eben genau die­se Über­sicht zuge­traut wird – nicht weil sie sie HAT, son­dern wiel man das BRAUCHT.
    Das Zutrau­en und die stän­di­ge Ermun­te­rung (auch finan­zi­ell) von aus­sen über­set­zen sich in Selbst­ver­trau­en; nach einer Genera­ti­on glau­ben die Wis­sen­schaft­ler die­ser Dis­zi­plin, tat­säch­lich über die­se Über­sicht zu ver­fü­gen. Si eha­ben Anlei­hen (aber nicht mehr) bei Nach­bar­dis­zi­pli­nen gemacht, und sich ein Bild, etwa von Virus-Epi­de­mie, gemacht. MIt dem Brust­ton der Über­zeu­gung kön­nen daher Viro­lo­gen vor Kame­ras tre­ten und in einem 1‑minütigen Inter­view Gren­zen zu 5 Nach­bar­fä­chern locker über­schrei­ten, von denen sie lei­der so gut wie nichts wis­sen – aus­ser die Stan­dard-The­sen, die man sich in ihrem Fach zur ver­ein­fach­ten Über­sicht zurecht­ge­legt hat: Epi­de­mio­lo­gie (expo­nen­ti­el­le Aus­brei­tung), Immu­no­lo­gie (Sero­prä­va­lenz), Labor­me­di­zin (Tes­ten­Tes­ten­Tes­ten), Infek­tio­lo­gie (Imp­fen­Imp­fen­Imp­fen), Hygie­ne (Mas­ken usw).
    Von Kli­nik (Pneu­mo­lo­gie, Inten­siv­me­di­zin, Ger­ia­trie, Päd­ia­trie ua) Patho­lo­gie, Phar­ma­ko­lo­gie, Pfle­ge­wis­sen­schaft ganz zu schweigen.
    Nichts und nie­mand aus die­sen Fächern ist geeig­net, qua­si unau­to­ri­siert das Selbst­be­wusst­sein auf­zu­brin­gen, das die­se Leu­te in aller Unschuld (denn es sit ihnen auf­ge­drängt wor­den) beflü­gelt: Die Bhak­dis, Yea­don, oder Gre­at Bar­ring­ton Unter­zeich­ner, MÜS­SEN Schar­la­ta­ne sein; an ihnen wird bemerkt, als Regel, wozu die Viro­lo­gen die Aus­nah­me bil­den, die die­se Regel bestä­tigt. Die mass­nah­men­kri­ti­sche Öffent­lich­keit hat sich zwei­ein­halb Jah­re durch den Wust, das Gestö­ber der Ein­zel­er­kennt­nis­se gear­bei­tet, ohne die durch und durch lai­en­haf­ten Vor­kennt­nis­se, die immer­hin die stu­dier­ten Medi­zi­ner oder Sta­tis­ti­ker unter ihnen ein­brin­gen konn­ten. Man kann dar­an abschät­zen, wel­che Art inte­gra­ti­ver, for­schungs-pla­nen­der, for­schungs-prü­fen­der und ‑kor­ri­gie­ren­der Akti­vi­tät, die sie zugleich auf gesell­schaft­lich inter­es­sie­ren­de Fra­ge­stel­lun­gen ori­en­tiert, fehlt. Sie fehlt kom­plett. Sie wird IMMER feh­len. Weil hier eine Gren­ze DER WIS­SEN­SCHAFT erreicht ist, nicht in Gestalt einer Wand, an der alle Erkennt­nis­ver­su­che abpral­len, son­dern eines Stoffs, der immer zäher, dunk­ler, ver­wor­re­ner sich dar­stellt, je tie­fer man in ihn eindringt.
    Vom Staats­ver­sa­gen, vom Medi­en­ver­sa­gen, und vom Ver­sa­gen der Zivil­ge­sell­schaft haben wir dann noch gar­nicht gespro­chen. Ach­so. Und dann noch die Lin­ken. Die sind aller­dings, gemes­sen an den Auf­ga­ben, die sie eigent­lich lösen wol­len, die aller­gröss­ten Versager.
    (Das war die nach­zu­schi­cken­de Ein­lei­tung, das Pre­quel gewis­ser­mas­sen, zu mei­nem Bei­trag oben…)
    PS: Was ich mir an »Nar­ra­tiv­kri­tik« per­sön­lich zusam­men­ge­reimt habe, ist hier nachzulesen:
    https://​bewusst​-leben​.org/​1​4​-​c​o​r​o​n​a​-​d​e​n​k​-​m​i​t​/​7​9​-​b​e​g​r​u​e​n​d​u​n​g​-​d​e​r​-​m​a​s​s​n​a​h​m​e​n​k​r​i​tik

  10. Fall­a­cy of composition?

    “My theo­rem, the so-​called Okishio theo­rem, is a com­pa­ra­ti­ve sta­tics result.
    The­re­fo­re, it has no rea­listic mea­ning if capi­ta­lists‹ com­pe­ti­ti­on does not estab­lish a new equi­li­bri­um fol­lowing the intro­duc­tion of
    a new pro­duc­tion method.” (Okishio, 2000)

    1. Das gehör­te wohl eher oben hin, egal. Ich woll­te das Ding nicht in alle Fines­sen austap­pen, nur mal den Hin­weis für Kapi­tal-Leser geben, dass man auf die­se Kri­tik als auf­merk­sa­mer Mit­den­ker im Marx­schen Sys­tem selbst ver­fal­len kann. Wenn man sich näm­lich ans Repro­duk­ti­ons­sche­ma erin­nert. Die »Fall­a­cy« wird übri­gens im Wiki­pe­dia-Arti­kel zum Okishio-Theo­rem wun­der­bar in ihrer gan­zen trü­be-trü­ge­ri­schen Plau­si­bii­tät SO wiedergegeben:
      »Begrün­det wird dies tra­di­tio­nel­ler­wei­se (damit), dass nur »leben­di­ge Arbeit« Mehr­wert schaf­fen kann – leben­di­ge Arbeit wur­de aber ein­ge­spart – und dass das kon­stan­te Kapi­tal, die Aus­ga­ben für Inves­ti­ti­ons­gü­ter, kei­nen Wert schaf­fen, son­dern ledig­lich ihren Wert an die End­pro­duk­te abge­ben.« Voilà.
      Die oben, unter der Titel­zei­le (Menü »Mate­ri­al«) ver­link­te Bro­schü­re DARK WIN­TER arbei­tet, wenn ich das rich­tig erin­ne­re, mit dem »Gesetz«, expli­zit oder im Hin­ter­grund. (Qua­si als Alter­na­tiv­an­ge­bot wird dort dann auch noch das, Ver­zei­hung, unsäg­li­che Mehrwert-Realisierungs»problem« auf­ge­wärmt (Wider­le­gungs­an­satz: Mehr­wert­eig­ner ver­schie­de­ner Bran­chen tau­schen Über­schuss­pro­duk­te gegen sol­che ande­rer Bran­chen, eine abso­lut geschlos­se­ne Geselslchaft ist das). Aber wurscht, wie, an irgend so einer Kri­se wird das ver­damm­te Sys­tem doch kre­pie­ren… Die Zen­tra­li­sie­rung fehlt noch. Und der aus­blei­ben­de Arbei­ter­kon­sum. Gern wird auch die »Finan­zia­li­sie­rung« her­ge­nom­men, und die Fan­tas­til­li­ar­den-Deri­va­te-Schul­den (?), die nie zurück­ge­zahlt (?) wer­den können… )

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