Für einen klassenkämpferischen Widerstand gegen das autoritäre Pandemiemanagement

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Fol­gen­den Text der »Assem­blea Mili­tan­te« sand­ten die Genos­sen des »Nucleo Comu­nis­ta Inter­na­zio­na­lis­ta« der »Frei­en Lin­ken Zukunft« zu, die die Über­set­zung und Publi­ka­ti­on in der Mag­Ma in die Wege lei­te­te, um auch die deutsch­spra­chi­ge Lin­ke in die Dis­kus­si­on ein­zu­bin­den. Das Ori­gi­nal ist ver­öf­fent­lich bei L’An­ti­di­plo­ma­ti­co. Stel­lung­nah­men und Repli­ken für das hie­si­ge Publi­kum kön­nen ger­ne an die Redak­ti­on der Mag­Ma gesandt wer­den. Wir schi­cken dem Text die ein­lei­ten­den Wor­te unse­rer Brü­der und Schwes­tern aus Ita­li­en voraus:

Im Anhang fin­det ihr einen Text, der das Ergeb­nis einer gemein­sa­men und geteil­ten Aus­ar­bei­tung einer Grup­pe von Genos­sin­nen und Genos­sen ist, die aus unter­schied­li­chen ter­ri­to­ria­len Kon­tex­ten und mit unter­schied­li­chen poli­ti­schen Vor­er­fah­run­gen kom­men, wobei sie alle mit der klas­sen­kämp­fe­ri­schen Lin­ken ver­bun­den sind. In die­sen Mona­ten haben wir uns aktiv an den Mobi­li­sie­run­gen gegen das auto­ri­tä­ren Pan­de­mie­ma­nage­ment betei­ligt und eige­ne Initia­ti­ven zur Aus­wei­tung und Ver­bes­se­rung der aktu­el­len Pro­test­be­we­gung in einem klas­sen­kämp­fe­ri­schen Sin­ne gefördert.

Aus dem anfäng­li­chen Mate­ria­li­en- und Erfah­rungs­aus­tausch ent­stand ein Debat­ten­kreis, in dem die dabei ent­wi­ckel­ten Prak­ti­ken und Über­le­gun­gen zusam­men­ge­führt wer­den soll­ten. Der vor­lie­gen­de Text soll ein Bei­trag sein, um die­se Aus­ein­an­der­set­zung auf ande­re Genos­sin­nen und Genos­sen aus­zu­deh­nen, die in den letz­ten Mona­ten eine ähn­li­che Sicht auf die Pan­de­mie ent­wi­ckelt haben wie wir, und eine Ein­la­dung, sich der Grup­pe anzu­schlie­ßen (wenn sie sich dar­in wie­der­erken­nen), die wir »Assem­blea mili­tan­te« genannt haben. »Mili­tant«, um zu beto­nen, dass unser Zusam­men­schluss kein Forum der rei­nen Dis­kus­si­on sein will, son­dern des akti­ven und mög­lichst koor­di­nier­ten und gemein­sa­men Enga­ge­ments. Wir sind davon über­zeugt, dass die Bewe­gung der letz­ten Mona­te, auch wenn sie eine schwie­ri­ge Pha­se durch­läuft, ein inter­es­san­ter Test­fall für die Merk­ma­le ist, mit denen der Kon­flikt zwi­schen den Klas­sen und der anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Kampf in naher Zukunft wie­der auf­tau­chen wer­den. Dar­über hin­aus glau­ben wir, dass die Bewe­gung ihr eige­nes Poten­zi­al noch nicht aus­ge­schöpft hat und dass sie in den kom­men­den Mona­ten, auch wegen der Hart­nä­ckig­keit und offen­sicht­li­chen Irra­tio­na­li­tät der von der Regie­rung ver­häng­ten Maß­nah­men, gezwun­gen sein wird, an die Front zurück­zu­keh­ren. Wir sind auch davon über­zeugt, dass die Pan­de­mie ein Wen­de­punkt für vie­le Genos­sin­nen und Genos­sen war, die das Schei­tern der ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen der so genann­ten ant­ago­nis­ti­schen Lin­ken, sowohl der gewerk­schaft­li­chen als auch der poli­ti­schen, mit­er­le­ben muss­ten. Grup­pie­run­gen, die sich über­wie­gend dem von den Insti­tu­tio­nen und den Mas­sen­me­di­en ver­brei­te­ten vor­herr­schen­den Nar­ra­tiv zur Pan­de­mie ange­passt und poli­tisch Stel­lung bezo­gen haben, die sich die­sem Nar­ra­tiv voll­stän­dig unter­ge­ord­net haben. Die­ser phä­no­me­na­le Schiff­bruch hat vie­le Genos­sin­nen und Genos­sen des­ori­en­tiert und ent­mu­tigt zurück­ge­las­sen, und an sie wol­len wir uns vor­ran­gig wen­den, um zu zei­gen, dass sie nicht allein sind, dass es ande­re Akti­vis­ten gibt, die ihren Ver­stand und ihren Wider­stand gegen den Kapi­ta­lis­mus nicht auf­ge­ge­ben haben und die ihn wei­ter­hin in all sei­nen Erschei­nungs­for­men bekämp­fen wol­len, von denen das Pan­de­mie­ma­nage­ment heu­te einer der Kern­punk­te, der die Zukunft, die uns erwar­tet, ist. Wir sind gewiss kei­ne Spe­zia­lis­ten im Kampf gegen das Pan­de­mie­ma­nage­ment gewor­den, und wir beab­sich­ti­gen, unser dies­be­züg­li­ches Enga­ge­ment mit der Unter­stüt­zung aller Wider­stands­pha­sen gegen die Fol­gen der kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tung und Herr­schaft zu ver­bin­den. Wir glau­ben, dass es aber mög­lich sein wird, wenn wir uns alle den gro­ßen Sprung vor Augen füh­ren, den unse­re Klas­sen­geg­ner heu­te in Bezug auf Dis­zi­pli­nie­rung und sozia­le Kon­trol­le voll­zie­hen, gera­de um die besag­te Aus­beu­tung und Herr­schaft zu stärken.

Wir laden daher die Leser unse­res Tex­tes ein, uns ihre Kom­men­ta­re und Beob­ach­tun­gen an die E‑Mail-Adres­se am Ende des Doku­ments zu schi­cken, aber vor allem ihre Bereit­schaft zu bekun­den, sich die­sem klei­nen Netz­werk anzu­schlie­ßen, um die Grün­de für ein gemein­sa­mes kämp­fe­ri­sches Enga­ge­ment wie­der­zu­fin­den und zu stärken.

Euch allen viel Spaß beim Lesen


Für einen klassenkämpferischen Widerstand gegen das autoritäre Pandemiemanagement

Zwei Jah­re nach der Aus­brei­tung des SARS-CoV-2-Virus wird die poli­ti­sche Instru­men­ta­li­sie­rung der Epi­de­mie durch die Regie­run­gen der meis­ten Län­der der Welt und vor allem durch das Groß­ka­pi­tal – ins­be­son­de­re in impe­ria­lis­ti­schen Län­dern wie Ita­li­en – immer deutlicher.

Von Anfang an wur­de eine ter­ro­ris­ti­sche Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne gestar­tet, um die Gefah­ren zu über­trei­ben und Angst und Schre­cken in der Bevöl­ke­rung zu schüren.

Auch wenn die über­wie­gen­de Mehr­heit der Infi­zier­ten asym­pto­ma­tisch ist oder nur leich­te Sym­pto­me auf­weist, kann der Rest der Infi­zier­ten einen schwe­ren Ver­lauf haben, mit pul­mo­na­len und kar­dio­vasku­lä­ren Fol­gen, die zum Tod füh­ren kön­nen; dies gilt jedoch vor allem für sehr alte Men­schen und/​oder sol­chen mit ver­schie­de­nen Vor­er­kran­kun­gen und dann, wenn kei­ne ange­mes­se­ne und recht­zei­ti­ge Behand­lung erfolgt. Wenn in eini­gen Län­dern, wie z. B. Ita­li­en, ein höhe­rer Pro­zent­satz an Todes­fäl­len und schwe­ren Krank­heits­ver­läu­fen zu ver­zeich­nen ist, so ist dies auf die unglück­li­che Stra­te­gie der auf­ein­an­der fol­gen­den Regie­run­gen zurück­zu­füh­ren. Zunächst wur­de die Behand­lung in den Kran­ken­häu­sern zen­tra­li­siert, die jedoch schnell über­las­tet, zu den Haupt­an­ste­ckungs­her­den wur­den – durch den Medi­en­alarm, der jeden, der auch nur leich­te Sym­pto­me zeig­te, dazu ver­an­lass­te, in die Not­auf­nah­men zu eilen. Aber auch mit Ein­stel­lung jeg­li­cher häus­li­chen Behand­lung durch All­ge­mein­me­di­zi­ner, denen für den Fall der Ver­brei­tung der Infek­ti­on mit recht­li­chen Kon­se­quen­zen gedroht wurde.

In der zwei­ten Pha­se wur­de jede wirk­sa­me oder auch nur erfolg­ver­spre­chen­de The­ra­pie zur Bekämp­fung der Krank­heit durch die bekann­te Bestim­mung der Ver­ab­rei­chung von Par­acet­amol (Tachy­pi­rin) und des »watch­ful wai­t­ing« ver­hin­dert. Die­se Stra­te­gie ist zwei­mal falsch: Ers­tens, weil Tachip­i­rin die Infi­zier­ten zur Bil­dung von Lun­gen­throm­ben anregt, was die Fol­gen des Virus ver­schlim­mert. Zwei­tens, weil die Infek­ti­on bei sym­pto­ma­ti­schen Pati­en­ten zu Beginn in der Regel sehr mild ver­läuft, um sich dann in den fol­gen­den Tagen gefähr­lich zu ver­schlim­mern, wenn es schwie­ri­ger wird mit den ver­füg­ba­ren Medi­ka­men­ten wirk­sam zu inter­ve­nie­ren. Die von den Insti­tu­tio­nen ange­ord­ne­te Bestim­mung sowie die in der ers­ten Pha­se der Pan­de­mie ver­brei­te­te Angst und der Ter­ror haben zu einem expo­nen­ti­el­len Anstieg an Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen geführt, was den Zusam­men­bruch der Kran­ken­häu­ser zur Fol­ge hat­te, die auf­grund der Kür­zun­gen im öffent­li­chen Gesund­heits­we­sen in den letz­ten Jah­ren bereits in erns­ten Schwie­rig­kei­ten waren. Als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, wur­den in erns­tem Zustand ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fer­te Pati­en­ten mona­te­lang nach Pro­to­koll mit Intu­ba­ti­on und for­cier­ter Sauer­stoff­zu­fuhr behan­delt, was wie­der­um die Throm­bo­se­er­schei­nun­gen ver­stärk­te: die Ursa­che für so vie­le Todes­fäl­le durch Covid. Hin­zu kom­men alle Todes­fäl­le, die durch die zu Beginn der Pan­de­mie weit ver­brei­te­te Pra­xis ver­ur­sacht wur­den, vie­le infi­zier­te Pati­en­ten in Pfle­ge­hei­men unter­zu­brin­gen, in denen älte­re Men­schen leb­ten (d. h. die am meis­ten von den gefähr­li­chen Fol­gen der Anste­ckung bedroh­te Bevöl­ke­rung). In der Zwi­schen­zeit wur­den die Ärz­te, die ihre eige­nen Pati­en­ten mit Arz­nei­mit­teln aus dem Medi­ka­men­ten­ver­zeich­nis behan­del­ten, sofort zu Hau­se ein­grif­fen und dadurch Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te und schwe­re Todes­fäl­le ver­mie­den, mit vol­ler Wucht bekämpft. Dies waren bewuss­te und abso­lut vor­sätz­li­che Ent­schei­dun­gen: Das Ein­ge­ständ­nis, dass es wirk­sa­me The­ra­pien gibt, hät­te das Ver­ab­rei­chen eines expe­ri­men­tel­len Impf­stoffs nicht erlaubt. Ein sol­cher ist nach inter­na­tio­na­lem Recht, das von den meis­ten Län­dern ange­wandt wird, nur dann erlaubt, wenn (und nur wenn) kei­ne ande­ren The­ra­pien ver­füg­bar sind.

All die­se Todes­fäl­le, und das ist die über­wie­gen­de Mehr­heit, haben nichts mit der Aus­brei­tung des Virus zu tun, son­dern mit der von der Regie­rung und ihren aus­ge­wähl­ten »Exper­ten« ver­folg­ten Stra­te­gie zu sei­ner »Bekämp­fung« (um nicht zu sagen Ver­schlim­me­rung). Es war ein regel­rech­tes Staats­mas­sa­ker, ver­übt im Namen des Schut­zes der Volks­ge­sund­heit, für das viel­leicht nie jemand zur Rechen­schaft gezo­gen wird.

Eine autoritäre Wende im Namen des Gesundheitsschutzes der Bürger

Die von der Regie­rung, den Mas­sen­me­di­en und den Regime-»Wissenschaftlern« ent­fes­sel­te Panik- und Ter­ror­kam­pa­gne dien­te der Legi­ti­mie­rung und Durch­set­zung der Ver­hän­gung des Not­stan­des, so dass die Regie­rung und die Insti­tu­tio­nen freie Hand zur Umset­zung einer Rei­he von Maß­nah­men hat­ten, die einem ech­ten Aus­nah­me­zu­stand gleich­ka­men. Die fol­gen­den ver­schie­de­nen unbe­grün­de­ten Lock­downs inklu­si­ve der Ein­sper­rung der gro­ßen Bevöl­ke­rungs­mehr­heit in ihre Woh­nun­gen, dem Ver­bot, Kon­takt zu haben, sich zu bewe­gen, ohne zur Arbeit zu gehen und Geld zu ver­die­nen, der Pflicht, eine Mas­ke zu tra­gen, selbst in Situa­tio­nen, in denen eine Anste­ckung unmög­lich war und ist, wur­den nur durch die Ver­brei­tung von Angst und Furcht ermög­licht. Die­se wur­den mit aller Kraft in der Bevöl­ke­rung ver­brei­tet. Wir sind gera­de dabei, den vier­ten Not­stand aus­zu­ru­fen, der durch das Auf­tre­ten einer wei­te­ren Vari­an­te des Virus (Omi­kron) gerecht­fer­tigt wird, die bis­her welt­weit nur eine Hand­voll Todes­fäl­le ver­ur­sacht hat, was den faden­schei­ni­gen Cha­rak­ter der unter dem Vor­wand des Gesund­heits­schut­zes der Bevöl­ke­rung ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men bestä­tigt. Konn­te man in der ers­ten Pha­se der Aus­brei­tung der Epi­de­mie das Ver­hal­ten der Insti­tu­tio­nen auch auf Panik, Uner­fah­ren­heit und Inkom­pe­tenz zurück­füh­ren, so wur­de im Lau­fe der Mona­te immer deut­li­cher, dass mit Ent­schlos­sen­heit ein poli­ti­sches Kon­zept ver­folgt wur­de, bei dem Ita­li­en hin­sicht­lich der ande­ren Län­der, ins­be­son­de­re denen der West­mäch­te, eine Vor­rei­ter­rol­le spielte.

In Wirk­lich­keit ging es dar­um, die Vor­aus­set­zun­gen für eine wei­te­re Mili­ta­ri­sie­rung der Gesell­schaft durch die Prä­senz von Poli­zei und Armee im All­tag zu schaf­fen; dar­um der gesam­ten Bevöl­ke­rung restrik­ti­ve Maß­nah­men der poli­ti­schen, gewerk­schaft­li­chen und sozia­len Hand­lungs­fä­hig­keit auf­zu­er­le­gen, von denen sie unter nor­ma­len Bedin­gun­gen und ohne die geschick­te Ver­brei­tung kol­lek­ti­ver Ängs­te und Befürch­tun­gen nicht ein­mal zu träu­men gewagt hät­te. Dies in abso­lu­ter Kon­ti­nui­tät (und einer wei­te­ren ter­ro­ris­ti­schen Beschleu­ni­gung) mit den ver­schie­de­nen frü­he­ren Not­la­gen (Mafia, »Ter­ro­ris­mus«, »Klein­kri­mi­na­li­tät«, Erd­be­ben, Abfall usw.).

Man begann sich auf die Ent­wick­lung neu­er Impf­stof­fe, die als ein­zig mög­li­che und ret­ten­de Lösung zur Bekämp­fung der lau­fen­den Epi­de­mie ange­prie­sen wur­den, zu beru­fen, wäh­rend man wei­ter­hin mit den bis­he­ri­gen Ver­ord­nun­gen arbei­te­te, die sich sowohl zu Hau­se als auch in Kran­ken­häu­sern als völ­lig erfolg­los und schäd­lich erwie­sen. Sobald die Impf­stof­fe zur Ver­fü­gung stan­den, wur­de der green pass ein­ge­führt; wie­der­um unter dem Vor­wand, die Aus­brei­tung von Infek­tio­nen zu ver­hin­dern, aber auch als eine Form der sanf­ten Über­re­dung zum Imp­fen. Wir haben es in der Tat mit einem Instru­ment der Dis­kri­mi­nie­rung und der sozia­len Unter­drü­ckung zu tun, das dar­auf abzielt, die Arbei­ter und die Volks­mas­sen zu spal­ten und zu bekämp­fen; um fer­ner eine unglaub­li­che Ver­schär­fung der Kon­trol­le der Men­schen zu ermög­li­chen. Schließ­lich han­delt es sich um ein Instru­ment, das den Zugang zu dem, was Grund­rech­te sein soll­ten, selbst aus bür­ger­li­cher Sicht zur Dis­po­si­ti­on stellt.

Es han­delt sich um ein außer­or­dent­li­ches Expe­ri­ment zur sozia­len Dis­zi­pli­nie­rung und Kon­trol­le, um den Insti­tu­tio­nen und der poli­ti­schen Macht einen auto­ri­tä­ren Anstrich zu ver­pas­sen. Die­ser Trend ist bereits seit meh­re­ren Jah­ren im Gan­ge, hat sich aber durch das Pan­de­mie­ma­nage­ment in außer­ge­wöhn­li­cher und noch nie dage­we­se­ner Wei­se beschleu­nigt. Die Ver­än­de­run­gen, die im Gespann der von den Mas­sen­me­di­en und der Regie­rung ent­fes­sel­ten emo­tio­na­len Kam­pa­gne durch­ge­setzt wur­den, sind kei­ne pro­vi­so­ri­schen Maß­nah­men, die auf eine Aus­nah­me­si­tua­ti­on zurück­zu­füh­ren sind (wir wie­der­ho­len: kunst­voll über­trie­ben), son­dern schaf­fen eine Rea­li­tät, von der man nicht beab­sich­tigt los­zu­las­sen und mit der wir uns in naher Zukunft aus­ein­an­der­set­zen müssen.

Die auto­ri­tä­re Bewäl­ti­gung der Pan­de­mie ist eine Vor­be­rei­tung und Vor­aus­set­zung für die Zurich­tung der gesam­ten Gesell­schaft, für die Schaf­fung eines neu­en insti­tu­tio­nel­len Rah­mens und einer natio­na­len Ein­heit im Namen der Ver­tei­di­gung des kol­lek­ti­ven Wohls der Gesund­heit. Das eigent­li­che Ziel ist die wei­te­re Ver­schie­bung des Kräf­te­ver­hält­nis­ses zuguns­ten des natio­na­len und inter­na­tio­na­len Groß­ka­pi­tals, um die Pro­fi­te zu ver­tei­di­gen, indem jede Reak­ti­on in Form sozia­ler Kämp­fe, die sich ihm ent­ge­gen­stel­len wol­len, kri­mi­na­li­siert und ver­hin­dert wird.

Es han­delt sich um eine Stra­te­gie, die dar­auf abzielt, die Aus­beu­tung am Arbeits­platz bru­tal zu ver­stär­ken, aber auch alle Aspek­te der sozia­len Repro­duk­ti­on für die kapi­ta­lis­ti­sche Akku­mu­la­ti­on zu funk­tio­na­li­sie­ren. Es sind gera­de die explo­si­ven wirt­schaft­li­chen, poli­ti­schen und sozia­len Wider­sprü­che des Kapi­ta­lis­mus, die ihn in Rich­tung einer Des­po­tie trei­ben, in der weder Platz für eine sozi­al­staat­li­che Lösung ist, von der so vie­le in der außer­par­la­men­ta­ri­schen anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Lin­ken nost­al­gisch träu­men, noch für eine libe­ra­le Lösung, wie sie in den letz­ten Jahr­zehn­ten zum Tra­gen kam. Das Pan­de­mie­ma­nage­ment hat gera­de dem Schaf­fen von Bedin­gun­gen gedient, die dabei hal­fen, dass solch ein auto­ri­tä­res Manage­ment schmerz­los oder sogar mit der Zustim­mung sei­ner prä­de­sti­nier­ten Opfer über die Büh­ne geht. Aber auch das (ledig­lich abge­lenk­te?) Schwei­gen der­je­ni­gen, die sich als Alter­na­ti­ven zu den herr­schen­den sozia­len Ver­hält­nis­sen anbie­ten, trug gewiss sei­nen Teil dazu bei.

Obligatorische Impfungen für alle als einzig rettende Lösung

Die Mas­sen­impf­kam­pa­gne stellt nicht nur eine außer­ge­wöhn­li­che Gele­gen­heit der Pro­fit­stei­ge­rung der alle­samt sich im Besitz gro­ßer Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten befin­den­den gro­ßen Phar­ma­un­ter­neh­men dar, son­dern war auch eines der wich­tigs­ten Ele­men­te, um den Not­fall­maß­nah­men Glaub­wür­dig­keit zu ver­lei­hen und ein all­ge­mei­nes Regime der Dis­zi­pli­nie­rung durch­zu­set­zen. Die so genann­ten neu­en Anti-Covid-Impf­stof­fe sind kei­ne ech­ten Impf­stof­fe (die sich dadurch aus­zeich­nen, dass sie im Gegen­satz zu den auf­ge­dräng­ten Prä­pa­ra­ten eine ech­te und dau­er­haf­te Immu­ni­tät gegen Anste­ckung und Aus­wir­kun­gen von Krank­hei­ten bewir­ken). Es han­delt sich im Gegen­teil zum ers­ten Mal in der Geschich­te um bio­tech­no­lo­gi­sche Behand­lun­gen, die mas­sen­haft ein­ge­setzt wer­den und das äußerst emp­find­li­che Gleich­ge­wicht der Über­tra­gung gene­ti­scher Infor­ma­tio­nen auf zel­lu­lä­rer Ebe­ne ver­än­dern. Medi­ka­men­te, die nicht getes­tet wer­den konn­ten, wie dies bei allen Arz­nei­mit­teln der Fall ist, um nicht nur ihre tat­säch­li­che Wirk­sam­keit, son­dern vor allem ihre Neben­wir­kun­gen zu prü­fen; statt­des­sen wird die eigent­li­che Erpro­bung durch ihre Mas­sen­imp­fung durchgeführt.

In der Zwi­schen­zeit hat sich ein blei­er­ner Man­tel über die tau­sen­den nach einer Imp­fung auf­ge­tre­te­nen Krank­heits­fäl­len mit zum Teil töd­li­chem Aus­gang gelegt: Es ist ver­bo­ten dar­über zu spre­chen. Die Erzäh­lung vom »magi­schen Impf­stoff« darf nicht in Fra­ge gestellt wer­den. Wenn man gezwun­gen ist, eini­ge auf­se­hen­er­re­gen­de Fäl­le anzu­füh­ren, wird sofort dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es kei­nen kau­sa­len Zusam­men­hang zwi­schen dem Impf­stoff und dem Auf­tre­ten selbst schwe­rer Erkran­kun­gen gibt. Wäh­rend also in der Pha­se vor der Imp­fung jeder Todes­fall, der sich als posi­tiv für das Virus erwies, zu den Covid-Todes­fäl­len gezählt wur­de, geschieht bei den Todes­fäl­len durch die Imp­fung genau das Gegen­teil: Jeder Vor­wand ist gut genug, um die Kor­re­la­ti­on aus­zu­schlie­ßen. Damit man ver­steht, was dem Staat bzw. die­ser Kam­pa­gne wirk­lich am Her­zen liegt: Die Lei­tung der Impf­kam­pa­gne wur­de einem Gene­ral, Fig­liuo­lo, anver­traut, der sich durch die Lei­tung der Mis­sio­nen in Afgha­ni­stan und im Koso­vo aus­zeich­ne­te. Er hat den gesam­ten mili­tä­ri­schen und poli­zei­li­chen Appa­rat zu sei­ner Unter­stüt­zung. Nun wur­de er auch zum Befehls­ha­ber des Coman­do Ope­ra­tivo di ver­ti­ce inter­for­ze (Koor­di­na­ti­on und Lei­tung der mili­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen in Ita­li­en und im Aus­land) befördert.

Das gan­ze Geschrei um die hohe Sterb­lich­keits- und Todes­ra­te des Virus, der Boy­kott einer früh­zei­ti­gen häus­li­chen Ver­sor­gung der Kran­ken, durch die die Mas­sen­ein­wei­sun­gen ver­mie­den wer­den hät­ten kön­nen, sowie das Ver­schwei­gen des expe­ri­men­tel­len Cha­rak­ters der Impf­se­ren dien­te dazu, die Not­wen­dig­keit einer fast voll­stän­di­gen Durch­imp­fung der Bevöl­ke­rung zu recht­fer­ti­gen, indem sie als ein­zi­ge prak­ti­ka­ble Lösung zur Bekämp­fung der Pan­de­mie dar­ge­stellt wurde.

Wis­sen­schaft­ler, Fach­ärz­te und Medi­zi­ner, die ihre eige­nen Pati­en­ten zu Hau­se in Ruhe behan­deln kön­nen und die immer mehr Vor­be­hal­te und Kri­tik sowohl am Umgang mit der Pan­de­mie als auch an der Poli­tik der Mas­sen­imp­fun­gen äußer­ten, wur­den von der macht­hö­ri­gen Pres­se mit einer Ein­stim­mig­keit ver­un­glimpft und ver­höhnt, die expli­zit auto­ri­tä­ren Regi­men wür­dig ist; Regime, gegen die wir von eben jenen Medi­en, die sich als wah­re Pro­fis der Des­in­for­ma­ti­on und Zen­sur erwei­sen, täg­lich auf­ge­ru­fen wer­den im Namen »unse­rer« demo­kra­ti­schen Wer­te Stel­lung zu bezie­hen. Um eine ver­meint­li­che Her­denim­mu­ni­tät zu errei­chen, die mit die­sen Impf­stof­fen und die­sem Virus nicht mög­lich ist, hat man wei­ter­hin mit allen Mit­teln ver­sucht, die Men­schen dazu zu brin­gen, sich mit die­sen Medi­ka­men­ten imp­fen zu las­sen, obwohl es nicht mehr zu ver­ber­gen war, dass auch Geimpf­te sich anste­cken und selbst infek­ti­ös sind, dass der ver­meint­li­che Schutz nach eini­gen Mona­ten ver­fällt und dass sogar schwe­re Neben­wir­kun­gen immer häu­fi­ger auf­tre­ten. In der Tat wur­de die Her­denim­mu­ni­tät als welt­wei­tes Ziel wie­der­be­lebt, mit dem Ver­such, die Ver­ab­rei­chung auf die gesam­te Welt­be­völ­ke­rung aus­zu­deh­nen. Schaut man sich jedoch die Sta­tis­ti­ken an (nicht die der »Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker«, son­dern die der WHO …), so stellt man fest, dass es ein umge­kehr­tes Ver­hält­nis zwi­schen den Anste­ckungs­fäl­len und der Ver­brei­tung der Impf­stof­fe gibt. Wir wis­sen, dass in die­sen Fäl­len das Argu­ment vor­ge­bracht wird, dass es in Län­dern, in denen es nur weni­ge Infek­tio­nen gibt, eine nied­ri­ge Rate an Tests gibt, aber die­ser Ein­wand steht im Wider­spruch zu der Zahl der Covid-Todes­fäl­le, die in Län­dern, mit nied­ri­ger Impf­quo­te, viel nied­ri­ger ist. Mit dem glei­chen Argu­ment wird die Mas­sen­imp­fung immer wei­ter vor­an­ge­trie­ben, bis hin zu Kin­dern ab 5 Jah­ren (vor­erst …), obwohl bekannt ist, dass die­se Alters­grup­pen bei einer Infek­ti­on fast völ­lig asym­pto­ma­tisch sind. In ihrer völ­li­gen Bedeu­tungs­lo­sig­keit für die indi­vi­du­el­le und kol­lek­ti­ve Gesund­heit zeigt die Imp­fung von Kin­dern nur, wie weit der Sadis­mus der Macht gehen kann, um die Inter­es­sen der herr­schen­den Klas­sen zu verteidigen.

Der obligatorische Passierschein: ein Mittel zur sozialen Kontrolle und Disziplinierung

Die Ein­füh­rung der Pass­pflicht ist die wich­tigs­te Maß­nah­me die­ses Expe­ri­ments der sozia­len Dis­zi­pli­nie­rung und Kon­trol­le. Wenn wir nicht wis­sen, wie wir uns dage­gen weh­ren kön­nen, wird sich die­ses abscheu­li­che Werk­zeug mit neu­en und wech­seln­den Begrün­dun­gen durch­set­zen und in der bevor­ste­hen­den Zukunft schritt­wei­se auf ande­re Berei­che und Anwen­dun­gen aus­ge­dehnt werden.

Heu­te macht der Staat durch das auto­ri­tä­re Pan­de­mie­ma­nage­ment und den green pass [in Deutsch­land 3G] einen wei­te­ren Sprung in sei­ner Rol­le als Ver­tei­di­ger der kapi­ta­lis­ti­schen Herr­schaft, indem er sei­ne Prä­senz im Leben sei­ner Bür­ger enorm auf­bläht. Er greift sogar in ihre Bewe­gungs­frei­heit an ihren eige­nen Wohn­or­ten ein und schreibt eine Beschei­ni­gung für den Zugang zu ver­schie­de­nen nor­ma­len Akti­vi­tä­ten vor, sei es Frei­zeit oder Arbeit; Akti­vi­tä­ten, die zuvor kein Regime je gewagt hat­te, der Bevöl­ke­rung zu ver­wei­gern. Der Staat hat in den letz­ten andert­halb Jah­ren bewie­sen, dass er jeden Bür­ger nach sei­nem Wil­len tun und las­sen, ver­bie­ten und erlau­ben, bestra­fen und begna­di­gen kann. Die gesam­te Bevöl­ke­rung ein­zu­sper­ren, poten­zi­ell jeden Schritt ihres Pri­vat­le­bens zu kon­trol­lie­ren, Aus­gangs­sper­ren zu ver­hän­gen, ihnen zu ver­bie­ten sich zu ver­sam­meln oder einen Abstand von einem Meter vor­zu­schrei­ben – all dies trägt dazu bei, die Macht des Staa­tes zu stär­ken, sei­nen Unter­ta­nen alles Mög­li­che auf­zu­zwin­gen, ein­schließ­lich der schlimms­ten Opfer. So ent­steht eine Situa­ti­on, in der das Recht auf Arbeit, auf poli­ti­sche und gewerk­schaft­li­che Rech­te und sogar auf sozia­le Bezie­hun­gen, die die­sen Namen ver­die­nen (kurz: auf Leben), nur den­je­ni­gen gewährt wird, die sich dem Wil­len des Staa­tes und sei­ner Insti­tu­tio­nen unter­wer­fen, die sei­ne Kon­trol­le akzep­tie­ren und dafür ihre Frei­heit aufgeben.

Obwohl klar ist, dass der green pass nichts mit dem Schutz der öffent­li­chen Gesund­heit zu tun hat (sofern man die­ser oder ande­ren bür­ger­li­chen Regie­run­gen ein sol­ches Ziel zutrau­en kann), wer­den sei­ne Not­wen­dig­keit und Nütz­lich­keit wei­ter­hin behaup­tet. Die offen­sicht­li­che und instru­men­tel­le Ver­wen­dung die­ser Beschei­ni­gung zeugt von ihrer wah­ren Funk­ti­on. Die aus­drück­li­chen Äuße­run­gen von Minis­tern, poli­ti­schen Ver­tre­tern und »Exper­ten« über die Ver­wen­dung des green pass als Maß­nah­me, um alle Men­schen zum Imp­fen zu zwin­gen, bestä­ti­gen, dass es sich um ein Instru­ment han­delt, mit dem die Kon­trol­le über die Men­schen aus­ge­wei­tet und die Befrie­di­gung der grund­le­gends­ten mensch­li­chen Bedürf­nis­se zur Ermes­sens­sa­che gemacht wird. Die Aus­wei­tung der Impf­pflicht auf immer mehr Arbeit­neh­mer und die Ein­füh­rung des super green pass [in Deutsch­land 2G] zei­gen, wie schi­ka­nös das gesam­te Pan­de­mie­ma­nage­ment ist und wel­che Ent­wick­lung es noch neh­men soll.

Dieses Pandemiemanagement hat tiefsitzende Gründe … und sie sind nicht gesundheitsbezogen

Ange­sichts des kri­mi­nel­len Umgangs mit der Pan­de­mie wer­den oft zwei gegen­sätz­li­che Reak­tio­nen aus­ge­löst: bei den einen Ungläu­big­keit, bei den ande­ren Flucht in ver­schwö­re­ri­sche Erklä­run­gen. Die­se füh­ren jedoch letzt­lich zu einem mora­li­schen und ethi­schen Urteil über die wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Füh­rungs­schicht. Selbst unter den­je­ni­gen, die Tei­le der Wahr­heit über die Hand­lun­gen und Pla­nun­gen die­ses Pan­de­mie-Manage­ments anpran­gern, fin­den sich Kate­go­rien wie Macht­hun­ger, schie­rer Herr­schafts­wil­le und in ihren extrems­ten For­men sogar eine sata­nis­ti­sche Ver­schwö­rung. Wie ist es näm­lich mög­lich, die unglaub­li­chen Maß­nah­men zu recht­fer­ti­gen, die von unse­ren Macht­ha­bern unter dem Vor­wand des Schut­zes der kol­lek­ti­ven Gesund­heit in völ­li­ger Bös­wil­lig­keit durch­ge­führt wer­den, wäh­rend sie genau in die der Gesund­heit ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung wir­ken? Was sind die Grün­de, die sie dazu brin­gen, so zu han­deln, dass sie der Wirt­schaft, die ihnen angeb­lich so am Her­zen liegt, offen­sicht­lich Scha­den zufügen?

Die Ver­bis­sen­heit, mit der die tota­le Imp­fung und die Ein­füh­rung des Pas­ses ange­strebt wer­den, lässt sich bes­ser ver­ste­hen, wenn man ver­sucht, ein wenig über das gro­ße Medi­en­ge­tö­se hin­aus­zu­ge­hen und den tat­säch­li­chen Gesund­heits­zu­stand der kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft zu betrach­ten, ihre chro­ni­schen Schwie­rig­kei­ten, Pro­fi­te zu stei­gern, und ihre unheil­ba­ren Wider­sprü­che, die von Zeit zu Zeit hef­tig explo­die­ren, ohne dass die ver­wen­de­ten Pflas­ter sie dau­er­haft zu über­win­den ver­mö­gen, ja sogar als wei­te­re Ver­stär­ker wirken.

Dabei muss man nicht all­zu weit in die Ver­gan­gen­heit zurück­ge­hen. Die­se Wider­sprü­che haben sich in jüngs­ter Zeit mit der tie­fen all­ge­mei­nen Kri­se von 2007/2008 mani­fes­tiert. Eine Kri­se, aus der es nie einen wirk­li­chen Aus­weg gege­ben hat – im Gegen­teil, sie wur­de durch die Schaf­fung neu­er Schul­den und das wei­te­re Anhei­zen rie­si­ger Finanz­bla­sen bewäl­tigt. Gleich­zei­tig wur­de der Angriff auf sozia­le Errun­gen­schaf­ten wie Ren­ten und öffent­li­che Gesund­heit fort­ge­setzt; die Star­re des Arbeits­mark­tes wur­de durch weit ver­brei­te­te Pre­ka­ri­sie­rung und zuneh­men­de Aus­beu­tung der Arbeit­neh­mer end­gül­tig abge­baut, wäh­rend die Real­löh­ne san­ken. Aber all die­se Maß­nah­men haben nicht aus­ge­reicht, um der Wirt­schaft einen wirk­li­chen neu­en Impuls zu geben und die unge­heu­re Mas­se des vor­han­de­nen Finanz­ka­pi­tals mit Gewin­nen auf­zu­fül­len. Seit Jah­ren wer­den in den Gre­mi­en, in denen sich die Ver­tre­ter des Groß­ka­pi­tals sam­meln und der bediens­te­ten Think Tanks, geeig­ne­te Sze­na­ri­en für die Bewäl­ti­gung die­ser semi­per­ma­nen­ten Kri­sen­si­tua­ti­on erör­tert und geplant, um die chro­ni­schen Lei­den der Wirt­schaft zu über­win­den. Vor allem aber, um die mög­li­chen sozia­len Fol­gen zu beherr­schen, die sich aus der vol­len Ent­fal­tung einer neu­en Kri­se eben­so erge­ben wie aus den geplan­ten Maß­nah­men zur Wie­der­be­le­bung der Wirt­schaft. Der rasan­te Pro­zess der Digi­ta­li­sie­rung, zusam­men mit den Anwen­dun­gen der künst­li­chen Intel­li­genz und der Robo­tik, ist dazu bestimmt, ein abso­lut bei­spiel­lo­ses sozia­les Sys­tem zu schaf­fen, in dem die Ver­skla­vung des Men­schen (Pro­le­ta­ri­er, Sub­pro­le­ta­ri­er, brei­te Schich­ten des Klein­bür­ger­tums) ein völ­lig neu­es Niveau errei­chen wird. All dies wird durch die unglaub­li­chen Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen, die erreicht wer­den kön­nen, zu einer rie­si­gen Mas­se an Arbeits­lo­sen füh­ren, bzw. führt schon jetzt dazu. Dies wie­der­um bedingt eine wei­te­re Auf­spal­tung des Arbeits­mark­tes und die Aus­brei­tung von noch pre­kä­re­ren Arbeits­be­din­gun­gen, die eine noch nie dage­we­se­ne Inten­si­vie­rung des Ein­sat­zes von Arbeits­kraft ermöglichen.

Wir haben es also nicht mit einem der vie­len Umstruk­tu­rie­rungs­pro­zes­se des Kapi­ta­lis­mus zu tun, son­dern mit einer wirk­lich tief­grei­fen­den Umge­stal­tung, die dar­auf abzielt, eine noch nie dage­we­se­ne zen­tra­li­sier­te Kon­trol­le von Wohl­stand und poli­ti­scher Macht zu schaf­fen. Die Plä­ne eini­ger der ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­ti­ker und Befür­wor­ter die­ses Wan­dels gehen so weit, dass sie das Kon­zept des Men­schen an sich in Fra­ge stel­len. Die­ser wird dabei nicht mehr so kon­zi­piert ist, wie wir ihn ken­nen, son­dern als Mensch-Maschi­ne-Hybrid, der als Dreh- und Angel­punkt einer neu­en Ära ange­se­hen wird, in der die Mensch­heit die von ihrer leben­di­gen Natur dik­tier­ten phy­si­schen Gren­zen über­win­den wird.

Die­se kapi­ta­lis­ti­schen Bedürf­nis­se und Pro­jek­te haben sich durch die Aus­sicht auf eine neue gro­ße Rezes­si­on rapi­de beschleu­nigt. In der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2019 deu­te­ten alle wich­ti­gen Wirt­schafts­in­di­ka­to­ren auf eine indus­tri­el­le Rezes­si­on in eini­gen der wich­tigs­ten west­li­chen Län­der, den Rück­gang des inter­na­tio­na­len Han­dels und die Explo­si­on der öffent­li­chen und pri­va­ten Ver­schul­dung auf ein Niveau hin, das über dem des Jah­res 2008 lag, mit der Mög­lich­keit einer neu­en Implo­si­on in naher Zukunft.

Den herr­schen­den Klas­sen der impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te des Pla­ne­ten war klar, dass sie in eine Rezes­si­on gera­ten, die noch schlim­mer ist als die von 2008, und des­halb brauch­ten sie zual­ler­erst einen Sün­den­bock für die Wirt­schafts­kri­se: Wenn die Bevöl­ke­rung in der vor­an­ge­gan­ge­nen Kri­se den Schul­di­gen in den Ban­ken, den bösen Spe­ku­lan­ten usw. fand, kann die­se Wirt­schafts­kri­se heu­te dank die­ses geschick­ten inter­na­tio­na­len Manö­vers zur »durch das Coro­na­vi­rus ver­ur­sach­ten Wirt­schafts­kri­se« wer­den. Unter die­sem Gesichts­punkt ist es zweit­ran­gig, wenn auch nicht irrele­vant, die Ursprün­ge und Ursa­chen des neu­en Virus zu ermit­teln. Was zählt, ist der Nut­zen, der dar­aus gezo­gen wur­de und der zu einem qua­li­ta­ti­ven Umschlag in der sozia­len Kon­trol­le durch die Macht geführt hat, und zwar durch die auto­ri­tä­re Ver­wal­tung des Not­stands, um die Arbei­ter und die Volks­mas­sen von nun an an ein Ver­hal­ten zu gewöh­nen, das durch Gehor­sam gekenn­zeich­net ist, unter Andro­hung der Aus­gren­zung. Die Herr­schaft des Kapi­tals über die Arbeits­kraft, die sich his­to­risch im Wesent­li­chen in den Pro­duk­ti­ons­stät­ten aus­drück­te, muss sich nun auf jeden Aspekt des Lebens der Lohn­ab­hän­gi­gen (und nicht nur dar­auf) erstrecken.

Im Namen der Pan­de­mie-Not­la­ge wer­den nicht nur die Instru­men­te ver­fei­nert, um Dis­zi­plin und sozia­le Kon­trol­le sta­bil und dau­er­haft zu machen, son­dern auch die wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Mit­tel vor­be­rei­tet, um die neue wirt­schaft­li­che und sozia­le Umstruk­tu­rie­rung umzu­set­zen und zu beschleu­ni­gen, indem neu­es Kapi­tal (über den Euro­päi­schen Kon­junk­tur­fonds, in Ita­li­en über den PNRR [Pia­no Nazio­na­le di Ripre­sa e Resi­li­en­za] fest­ge­legt) zur Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät (Indus­trie 4.0, Auto­ma­ti­sie­rung, Tele­me­di­zin usw.) und zum wei­te­ren Abbau unren­ta­bler Sek­to­ren (sie­he z. B. die Digi­ta­li­sie­rung der öffent­li­chen Ver­wal­tung) ein­ge­setzt wird. Die­se Umstruk­tu­rie­rung wird auch das Hand­werk und die klei­nen Unter­neh­men durch die erzwun­ge­ne Digi­ta­li­sie­rung, die die Kos­ten für das Ver­blei­ben auf dem Markt uner­schwing­lich machen soll, noch stär­ker tref­fen und damit eine wei­te­re Zen­tra­li­sie­rung des Kapi­tals sowie eine mas­si­ve Pro­le­ta­ri­sie­rung und Ver­ar­mung gro­ßer Tei­le des Klein­bür­ger­tums begünstigen.

Das soeben beschrie­be­ne Sze­na­rio ist jedoch kei­ne Vor­ah­nung einer von den gro­ßen Welt­mäch­ten ein­ver­nehm­lich geführ­ten Zukunft. Auch wenn zum jet­zi­gen Zeit­punkt, auf­grund der dro­hen­den Risi­ken einer Kri­se außer­ge­wöhn­li­chen Aus­ma­ßes, eine erheb­li­che Über­ein­stim­mung bei der Bewäl­ti­gung der Pan­de­mie zu ver­zeich­nen ist, gibt es wei­ter­hin Spal­tun­gen und geteil­te Inter­es­sen zwi­schen ver­schie­de­nen Frak­tio­nen des Kapi­tals und zwi­schen dem Kapi­tal der ein­zel­nen Ländern.

Der chao­ti­sche Cha­rak­ter des Kapi­ta­lis­mus führt phy­sio­lo­gisch zu Situa­tio­nen, in denen sich gele­gent­li­che Koope­ra­ti­on und star­ker Wett­be­werb abwech­seln oder par­al­lel lau­fen, die mög­li­cher­wei­se zu Zusam­men­stö­ßen füh­ren wer­den, um die Vor­herr­schaft der einen Frak­ti­on über die ande­re durch­zu­set­zen oder um zu ver­su­chen, die Kos­ten der Kri­se auf ihre Kon­kur­ren­ten abzu­wäl­zen und sogar die indus­tri­el­len Kapa­zi­tä­ten ihrer Riva­len durch mili­tä­ri­sche Kon­flik­te zu ver­nich­ten. Ohne sich eine mecha­ni­sche Wie­der­ho­lung von im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert bereits erfolg­ten Dyna­mi­ken vor­zu­stel­len, soll­te die unab­än­der­li­che Dau­er­haf­tig­keit des Wett­be­werbs zwi­schen ver­schie­de­nen Wirt­schafts­sek­to­ren und unter­schied­li­chen geo­po­li­ti­schen Inter­es­sen bewusst wahr­ge­nom­men wer­den – ein Aspekt, der bereits heu­te zu beob­ach­ten ist.

Eine große Massenbewegung gegen das autoritäre Pandemiemanagement

Als sich die Epi­de­mie zu ver­brei­ten begann, herrsch­te ein Gefühl kol­lek­ti­ver Ver­wir­rung und Angst, das auf den Man­gel an Infor­ma­tio­nen, aber vor allem auf die weit ver­brei­te­te Des­in­for­ma­ti­on und den Medi­en­ter­ror zurück­zu­füh­ren war. All dies führ­te dazu, dass die über­wie­gen­de Mehr­heit der Bevöl­ke­rung die ver­schie­de­nen Maß­nah­men der Ein­sper­rung und der sozia­len Distan­zie­rung als not­wen­di­ges Übel zum Schutz der eige­nen Gesund­heit und der der gesam­ten sozia­len Gemein­schaft akzep­tier­te, sogar mit einem gewis­sen Maß an Ver­trau­en und gegen­sei­ti­ger Soli­da­ri­tät (wir wer­den es schaf­fen, alles wird gut, usw., usw.). Als die will­kür­li­chen und unge­recht­fer­tig­ten Maß­nah­men der Regie­rung und die sozia­len Aus­wir­kun­gen in Sachen Arbeits­plät­ze und Kon­kurs von klei­nen Hand­werks- und Han­dels­be­trie­ben deut­lich wur­den, bekam die pas­si­ve Akzep­tanz der vor­herr­schen­den Erzäh­lung erheb­li­che Ris­se, so dass sich Stim­men der Ableh­nung erho­ben. Die ers­ten Bewe­gun­gen, auch auf der Stra­ße, betra­fen vor allem die sozia­len Sek­to­ren, die in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht am unmit­tel­bars­ten von den restrik­ti­ven Maß­nah­men betrof­fen waren (Gas­tro­no­men, Händ­ler usw.), die eine Ent­schä­di­gung für ihre Ver­lus­te for­der­ten. Die meis­ten von ihnen iden­ti­fi­zier­ten die rech­ten Par­tei­en, ins­be­son­de­re die Lega und die Fratel­li d’I­ta­lia, als ihre bevor­zug­ten Gesprächs­part­ner auf insti­tu­tio­nel­ler Ebe­ne. Als klar wur­de, dass die Regie­rung zumin­dest einen Teil der ent­gan­ge­nen Ein­nah­men kom­pen­sie­ren wür­de, wenn auch nur unzu­rei­chend, ging die­se Art von Pro­test dras­tisch zurück. Doch bereits zu die­sem Zeit­punkt zeich­ne­te sich eine ande­re Art von Dis­sens ab, der sich gegen die will­kür­li­chen Maß­nah­men der Regie­rung rich­te­te, ins­be­son­de­re in Bezug auf Schu­len, gegen die Ver­all­ge­mei­ne­rung des Fern­un­ter­richts und gegen extre­me­re For­men des Lock­downs, wie z.B. das Ver­bot, mit dem Auto zu fah­ren, außer zur Arbeit. Die Maß­nah­me, die im Hoch­som­mer 2021 mit Stra­ßen­pro­tes­ten in allen gro­ßen und mit­tel­gro­ßen Städ­ten für Auf­ruhr sorg­te, war die Ein­füh­rung des obli­ga­to­ri­schen green pass, der den Zugang zu einer gan­zen Rei­he von Arbeits- und Sozi­al­ak­ti­vi­tä­ten ermöglicht.

Es war sofort ersicht­lich, dass die Mehr­heit der Teil­neh­mer an den Sams­tags­mo­bi­li­sie­run­gen einen ganz ande­ren sozia­len Hin­ter­grund hat­te als bei den Demons­tra­tio­nen des vor­he­ri­gen Zyklus. Vor allem waren sie sehr viel par­ti­zi­pa­ti­ver und bezo­gen Beschäf­tig­te des öffent­li­chen und pri­va­ten Sek­tors mit ein, wobei die Pro­le­ta­ri­er stark in der Über­zahl waren, wenn auch eher als Ein­zel­per­so­nen denn als Klas­se, die sich bewusst war, dass sie ande­re und ent­ge­gen­ge­setz­te Inter­es­sen als die herr­schen­de Klas­se und der Staat ver­folg­te. Die Ein­wän­de kon­zen­trier­ten sich vor allem auf den offen­kun­dig repres­si­ven Cha­rak­ter des green pass als heim­li­che Maß­nah­me, um die Men­schen zum Imp­fen zu zwin­gen und ganz all­ge­mein als Instru­ment der sozia­len und tech­no­lo­gi­schen Kon­trol­le. Gleich­zei­tig wur­de das vor­herr­schen­de Nar­ra­tiv rund um die Pan­de­mie in Fra­ge gestellt. Obwohl es sich oft auf eine all­ge­mei­ne Anpran­ge­rung der natio­na­len und inter­na­tio­na­len star­ken Mäch­te oder der mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne von Big Phar­ma und Big Tech beschränk­te, reif­te eine Feind­se­lig­keit gegen die Staats­ge­walt und die Insti­tu­tio­nen heran.

Auch in die­sem Kampf­zy­klus haben die extre­men Rech­ten ver­sucht eine bedeu­ten­de Rol­le zu spie­len, aber aus direk­ter Kennt­nis kön­nen wir sagen, dass, abge­se­hen von eini­gen Mobi­li­sie­run­gen in Rom, Faschis­ten aller Rich­tun­gen auf die­sen Plät­zen prak­tisch abwe­send oder völ­lig mar­gi­nal sind. Sicher­lich herrscht ein all­ge­mei­nes sou­ve­rä­nis­ti­sches und staats­bür­ger­li­ches Gefühl vor, aber wir den­ken, dass dies in der Anfangs­pha­se einer Bewe­gung, die in völ­li­ger Ver­las­sen­heit jeg­li­cher Tra­di­ti­on der orga­ni­sier­ten Arbei­ter­be­we­gung und in Abwe­sen­heit, wenn nicht gar offe­ner Feind­schaft, fast aller gewerk­schaft­li­chen und poli­ti­schen Kräf­te der geg­ne­ri­schen Lin­ken ent­steht, prak­tisch unver­meid­lich ist. Außer­dem haben wir nicht den Ein­druck, dass in den Betrie­ben und selbst bei den immer sel­te­ner wer­den­den Kampf­mo­bi­li­sie­run­gen ande­re Gefüh­le vor­herr­schen. Wir sind nach wie vor der Mei­nung, dass es nicht wich­tig ist, was jeder ein­zel­ne Pro­le­ta­ri­er, der eine Bewe­gung star­tet, in sei­nem Kopf denkt, son­dern was er tun muss, wenn er mit Ent­schlos­sen­heit und mit sei­nem eige­nen Ein­satz gegen eine offen­sicht­li­che Unge­rech­tig­keit und gegen eine als uner­träg­lich emp­fun­de­ne Unter­drü­ckung vor­ge­hen will. Wenn der inter­ka­pi­ta­lis­ti­sche Kampf, der sogar die obe­ren Rän­ge des Kapi­tals erreicht (mit dem immer offe­ne­ren Kon­flikt zwi­schen rück­stän­di­ge­ren Sek­to­ren und ande­ren, tech­no­lo­gisch fort­schritt­li­che­ren und grün ange­mal­ten Sek­to­ren), nur popu­lis­ti­sche, sou­ve­rä­nis­ti­sche und rech­te Ten­den­zen stärkt, haben anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Akti­vis­ten und bewuss­te Pro­le­ta­ri­er nun die Auf­ga­be, die­se Wut in einen Klas­sen­sinn umzu­len­ken und sie so weit wie mög­lich von den Sire­nen der Reak­ti­on weg­zu­zie­hen. Was sich bei die­sen Mobi­li­sie­run­gen her­aus­kris­tal­li­siert hat, ist das Bedürf­nis nach Gemein­schaft und Par­ti­zi­pa­ti­on, die Rück­erobe­rung sozia­ler Räu­me mit Men­schen, die den glei­chen Wunsch haben, sich den Maß­nah­men der Regie­rung und der vor­herr­schen­den Erzäh­lung zu wider­set­zen, aber vor allem die Über­zeu­gung, dass sie dies durch Akti­vis­mus in der ers­ten Per­son tun müs­sen, mit ihrem eige­nen Ein­satz und der fes­ten Absicht, es zu prak­ti­zie­ren. Dies ist nicht der rich­ti­ge Ort, um die Merk­ma­le der aktu­el­len Bewe­gung näher zu erläu­tern. Jeder, der die­se Plät­ze auch nur am Ran­de und ohne ideo­lo­gi­sche Vor­ur­tei­le besucht hat, soll­te erken­nen, dass sie ein enor­mes Poten­zi­al ent­hal­ten und dass sie die Vor­aus­set­zung für eine wich­ti­ge Wie­der­auf­nah­me des Mas­sen­kamp­fes gegen die Aus­wir­kun­gen der kapi­ta­lis­ti­schen Herr­schaft und ihre poli­ti­schen Aus­drucks­for­men sein können.

Der vollständige Schiffbruch der oppositionellen und klassenkämpferischen linken Tendenzen

Was wir in die­ser pan­de­mi­schen Ange­le­gen­heit jedoch fest­stel­len muss­ten, ist das völ­li­ge Ver­sa­gen der über­wie­gen­den Mehr­heit der poli­ti­schen und gewerk­schaft­li­chen Ten­den­zen der Lin­ken, die sich als klas­sen­kämp­fe­risch und anti­sys­te­misch defi­niert. Ers­tens wur­de die vor­herr­schen­de Mei­nung über die Schwe­re der Epi­de­mie weit­ge­hend bei­be­hal­ten, so dass alle restrik­ti­ven Maß­nah­men der Regie­rung unkri­tisch akzep­tiert wur­den. In vie­len Fäl­len gin­gen sie so weit, dass sie noch dra­ko­ni­sche­re Maß­nah­men for­der­ten und die Regie­rung beschul­dig­ten ihrer Pflicht zum Schutz der Gesund­heit und des Lebens ihrer Bür­ger nicht ent­spre­chend nach­zu­kom­men. Die größ­te poli­ti­sche Akti­on, die in der ers­ten Pha­se der Pan­de­mie von vie­len Akti­vis­ten und auto­no­men Zen­tren durch­ge­führt wur­de, war die Grün­dung von Initia­ti­ven zur Unter­stüt­zung der­je­ni­gen, die in ihren Woh­nun­gen ein­ge­schlos­sen waren und kei­ne Mög­lich­keit hat­ten, sich mit lebens­wich­ti­gen Gütern zu ver­sor­gen. Eine typi­sche Akti­vi­tät des Kata­stro­phen­schut­zes und der zivi­len und reli­giö­sen Insti­tu­tio­nen der Nächs­ten­lie­be, die ein Vor­läu­fer für die eben­so unkri­ti­sche Akzep­tanz der Mas­sen­imp­fung als ein­zig mög­li­che Lösung zur Bekämp­fung der Anste­ckung war wie der eben­so unheil­vol­len, an Ver­eh­rung gren­zen­den Unter­ord­nung unter die Wis­sen­schaft im All­ge­mei­nen und der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft im Beson­de­ren, die von den von der Regie­rung und den Main­stream-Medi­en geför­der­ten »Exper­ten« ver­brei­tet wurde.

Die gesam­te (ver­meint­li­che) Lin­ke, die zuvor das gesam­te insti­tu­tio­nel­le Nar­ra­tiv über Covid und Impf­stof­fe akzep­tiert und über­nom­men hat, sieht sich durch die Mobi­li­sie­rung gegen die Impf­pflicht und die Ableh­nung des green pass ver­drängt. Anstatt den Unsinn, der geschluckt wur­de, zu über­den­ken und zumin­dest im Lich­te der wei­te­ren Ent­wick­lun­gen bei der Bewäl­ti­gung der Pan­de­mie zu revi­die­ren, hat sie eine regel­rech­te Kam­pa­gne der Feind­se­lig­keit und Ver­un­glimp­fung gegen den Pro­test ent­fes­selt, ohne auch nur die Neu­gier­de, sich selbst ein Bild von den tat­säch­li­chen Vor­gän­gen zu machen. Es gab ein gan­zes Fes­ti­val an Begrün­dun­gen und Argu­men­ten, die ihre eige­ne Abwe­sen­heit bei den lau­fen­den Mobi­li­sie­run­gen legi­ti­mie­ren soll­ten. Zunächst gab es das Ali­bi, dass die Mobi­li­sie­run­gen von Faschis­ten gelei­tet wur­den, dann gab es das Ali­bi, dass das Klein­bür­ger­tum auf die Stra­ße ging, um ein Lob­lied auf die Frei­heit zu sin­gen, was bedeu­te­te, dass es sich auf die Frei­heit berief, aus­zu­beu­ten und ego­is­tisch und indi­vi­du­ell sein eige­nes Ding zu machen, im Gegen­satz zu den kol­lek­ti­ven und Klas­sen­in­ter­es­sen, die anschei­nend durch die Maß­nah­men des bür­ger­li­chen Staa­tes ver­tre­ten wer­den soll­ten. All dies wech­sel­te sich ab mit Anschul­di­gun­gen gegen die Teil­neh­mer der Demons­tra­tio­nen, sie sei­en »Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker« und »Impf­ver­wei­ge­rer«, wobei sie nicht nur wie ein Papa­gei die von der bür­ger­li­chen Pres­se geschwun­ge­nen Bei­na­men wie­der­hol­ten, son­dern sie mit der größt­mög­li­chen Ver­ach­tung und einer Schär­fe ver­wen­de­ten, die einer ganz ande­ren Sache wür­dig wäre. Die Tat­sa­che, dass es sich um die­sel­be von der Regie­rung und den bür­ger­li­chen Mas­sen­me­di­en vor­ge­tra­ge­ne Erzäh­lung han­del­te, brach­te die­se trau­ri­gen Gestal­ten nicht in Ver­le­gen­heit, sie glaub­ten höchs­tens, sich pro­fi­lie­ren zu kön­nen, indem sie die Ver­ant­wor­tung der auf­ein­an­der fol­gen­den Regie­run­gen für den Abbau der öffent­li­chen Gesund­heits­ver­sor­gung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hervorhoben.

Als nun sogar von den staat­li­chen Infor­ma­ti­ons­stel­len erkannt wur­de, dass auf der Stra­ße eine beträcht­li­che Anzahl von Pro­le­ta­ri­ern anwe­send war, wie im Fal­le von Tri­est, Genua, Mai­land, Turin usw., gab es eine Andeu­tung eines leich­ten Umden­kens, aber man bestand dar­auf, die glei­che Geschich­te zu erzäh­len, wonach die Hafen­ar­bei­ter ver­klei­de­te Faschis­ten wären oder, alter­na­tiv, dass sie von den übli­chen »Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern und Impf­geg­nern« aus­ge­nutzt wür­den. Ohne sich zu schä­men, in Gesell­schaft von Ver­tre­tern des Groß­ka­pi­tals und der insti­tu­tio­nel­len Gewerk­schaf­ten zu sein, haben sich vie­le Lin­ke aus­drück­lich für eine Impf­pflicht aus­ge­spro­chen, wäh­rend die Vor­sich­ti­ge­ren wei­ter­hin ihren Glau­ben an den Impf­stoff-Ret­ter bekräf­tig­ten und davon spra­chen das Pro­le­ta­ri­at von der Not­wen­dig­keit und Nütz­lich­keit der Imp­fung mit Bio­tech-Medi­ka­men­ten zu überzeugen.

Die glei­che Hal­tung zeig­te sich gegen­über der Impf­pflicht und gegen­über dem Zwang für Unge­impf­te sich alle zwei Tage einer obli­ga­to­ri­schen ärzt­li­chen Behand­lung zu unter­zie­hen, bei der durch Tests die Nicht­in­fek­tio­si­tät beschei­nigt wur­de, damit man zur Arbeit gehen durf­te. Hier zeich­ne­ten sich vor allem in den Rei­hen der alter­na­ti­ven Gewerk­schaf­ten, oft auf Drän­gen ihrer Mit­glie­der, ers­te zag­haf­te Stel­lung­nah­men ab, die jeden­falls die Ver­wen­dung der »grü­nen Zer­ti­fi­zie­rung« nicht in Fra­ge stell­ten, son­dern allen­falls kos­ten­lo­se Tests forderten.

Mit Aus­nah­me der Gewerk­schaft SOL Cobas und eini­ger ört­li­cher oder betrieb­li­cher Zweig­stel­len der ande­ren Gewerk­schaf­ten, fin­det sich in kei­nem Text und in kei­ner offi­zi­el­len Stel­lung­nah­me, die in den letz­ten Mona­ten von den Orga­ni­sa­ti­ons­vor­sit­zen­der abge­ge­ben wur­den, auch nicht, als sie mit dem NEIN zum green pass began­nen, ein ein­zi­ges Wort, in dem die rei­ne Rück­nah­me des Pas­ses gefor­dert wird.

Stär­kung einer Klas­sen­prä­senz im Kampf gegen das auto­ri­tä­re Pandemiemanagement

Glück­li­cher­wei­se haben sich nicht alle Akti­vis­ten, abge­se­hen von den offi­zi­el­len Orga­ni­sa­tio­nen, in die­ser Wei­se an die staat­li­che Poli­tik und ihre Pro­pa­gan­da ange­hängt und mit ihr iden­ti­fi­ziert. Vie­le Genos­sin­nen und Genos­sen gin­gen aus Wut über die Gescheh­nis­se, aber auch aus Neu­gier auf die Demons­tra­tio­nen und konn­ten sich von der Falsch­heit der vor­herr­schen­den Dar­stel­lung über­zeu­gen, obwohl sie sich vor Mobi­li­sie­run­gen wie­der­fan­den, die völ­lig unty­pisch waren im Ver­gleich zu den ritu­el­len, aber ein­tö­ni­gen, an die sie gewöhnt waren. Sie ent­deck­ten, dass der glei­che Zorn und die glei­che Neu­gier ande­re Genos­sin­nen und Genos­sen beseel­ten, und der Wunsch, auf die­sen Demons­tra­tio­nen und in die­ser Bewe­gung prä­sent zu sein, wur­de geweckt, nicht als pas­si­ve Beob­ach­ter, son­dern als Akteu­re, die ihre eige­nen Erfah­run­gen und ihre Mili­tanz ein­brach­ten, um einen Klas­sen­stand­punkt in Bezug auf Anpran­ge­rung und Wider­stand gegen das Pan­de­mie­ma­nage­ment zu ver­tre­ten. Auf die­se Wei­se wur­den in allen gro­ßen Städ­ten Komi­tees und Inter­ven­ti­ons­grup­pen gebil­det, vor allem im Nor­den, wo sowohl der Umfang der Mobi­li­sie­run­gen als auch die Betei­li­gung des Fabrik­pro­le­ta­ri­ats grö­ßer waren. Die wich­tigs­ten Erfah­run­gen waren die­je­ni­gen, die ver­such­ten, die For­de­run­gen der Arbei­ter mit denen gegen die auto­ri­tä­re Ver­wal­tung der Pan­de­mie zu ver­bin­den, in dem Bewusst­sein, dass nur die Mobi­li­sie­rung der Arbei­ter selbst, die den Reich­tum schaf­fen, dazu bei­tra­gen kann, das Kräf­te­ver­hält­nis in die­sem Bereich zu ver­än­dern; so wur­den Arbei­ter­ver­samm­lun­gen gegen green pass und Zwangs­imp­fung ein­ge­rich­tet, die in eini­gen Städ­ten zu Bezugs­punk­ten für Demons­tra­tio­nen wur­den und heu­te Berei­che pro­le­ta­ri­scher Orga­ni­sa­ti­on dar­stel­len, die über das Auf und Ab spe­zi­fi­scher Mobi­li­sie­run­gen hin­aus aktiv bleibt. Es bestand aber auch die Not­wen­dig­keit, zu sehen, was in ande­ren Gebie­ten pas­siert, und die Mög­lich­keit, Kon­tak­te und Bezie­hun­gen her­zu­stel­len, um zu ver­su­chen, gegen­sei­ti­ge Erfah­run­gen und Über­le­gun­gen aus­zu­tau­schen. Die­se Kon­tak­te führ­ten zur Schaf­fung eines klei­nen Netz­werks loka­ler Rea­li­tä­ten, das wir Assem­blea mili­tan­te [Mili­tan­te Ver­samm­lung] genannt haben, mit Genos­sin­nen und Genos­sen aus den unter­schied­lichs­ten poli­ti­schen Hin­ter­grün­den, die jedoch alle der anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­be­we­gung angehören.

Uns bewegt das Bewusst­sein, dass wir einem unglaub­li­chen Angriff von­sei­ten des Kapi­ta­lis­mus gegen­über­ste­hen, bei dem das Pan­de­mie­ma­nage­ment nur einer der Schrit­te ist, die es zu bewäl­ti­gen gilt. Wir sind davon über­zeugt, dass die (inter­na­tio­na­le!) Bewe­gung gegen das Pan­de­mie­ma­nage­ment, Zwangs­imp­fung, Ein­füh­rung von Päs­sen für jede lebens­wich­ti­ge Akti­vi­tät und die damit ver­bun­de­ne Staats­kon­trol­le über das Arbeits‑, poli­ti­sche, gewerk­schaft­li­che, emo­tio­na­le, Frei­zeit- usw. Leben eines jeden Men­schen ein ers­ter bedeu­ten­der Moment des Wider­stands – trotz sei­ner offen­sicht­li­chen und ver­ständ­li­chen Gren­zen – gegen einen neu­en tief­grei­fen­den Angriff des Kapi­tals auf das Pro­le­ta­ri­at ist, auf die ver­arm­ten Mit­tel­schich­ten und die unter­drück­ten Völ­ker der Welt, in dem Ver­such, die Kri­se, die es seit Jahr­zehn­ten erfasst hat, zu überwinden.

Uns bewegt die Über­zeu­gung, dass damit ein Kon­fron­ta­ti­ons­feld eröff­net wird, das die Wider­stands­fä­hig­keit des Pro­le­ta­ri­ats auf die Pro­be stellt, aber auch die Mög­lich­keit eröff­net, dass es die his­to­ri­sche Auf­ga­be auf sich nimmt, sich von Unter­drü­ckung und Aus­beu­tung zu befrei­en, um gemein­sam die gesam­te Mensch­heit von der Skla­ve­rei des Kapi­tals zu befreien.

Unse­re Absicht ist es, zur Kon­ti­nui­tät die­ser Bewe­gung bei­zu­tra­gen, auch wenn sie sich heu­te in Schwie­rig­kei­ten befin­det und die Mobi­li­sie­run­gen den Ansturm der Regie­rung auf Zwangs­imp­fun­gen, Aus­wei­tung des green pass, Ver­bo­te und all­ge­mei­ne Kon­trol­len nicht auf­hal­ten konn­ten. Die Saat, die gesät wur­de, kann jedoch auf­ge­hen und zu einer neu­en und stär­ke­ren Mobi­li­sie­rung gegen die neu­en Impf­vor­schrif­ten, die neu­en Impf­do­sen, gegen­über denen ein wach­sen­des Miss­trau­en herrscht, und vor allem gegen die Imp­fung von Kin­dern füh­ren, die am nutz­lo­ses­ten ist (da das Virus in die­sem Alter nur sehr gerin­ge Schä­den ver­ur­sacht). Die uns auf­er­leg­ten Maß­nah­men sind rein poli­ti­scher Natur. Im Inter­es­se von Big Tech und dem Staat geht es dar­um, die Zahl der Expe­ri­men­te für Big Phar­ma und die Zahl der digi­tal kon­trol­lier­ten Men­schen zu erhö­hen; dar­um uns alle an den Gehor­sam zu gewöh­nen und sogar dar­um, dem Staat die Gesund­heit unse­rer Kin­der als Gegen­leis­tung für sein Wohl­wol­len und sei­ne lie­be­vol­le Für­sor­ge zu opfern.

Wir sind von der Gewiss­heit moti­viert, dass je mehr das Pro­le­ta­ri­at gegen das Pan­de­mie­ma­nage­ment, »Impf­stof­fe«, green pass usw. kämpft, des­to eher wer­den wir bereit sein, uns den neu­en dra­ma­ti­schen Schrit­ten zu wider­set­zen, die (nicht nur in Ita­li­en …) vor­be­rei­tet wer­den, um das Kapi­tal aus sei­ner unbe­wäl­tig­ten Kri­se zu ret­ten. Deren ers­te Aus­wir­kun­gen sind bereits sicht­bar: höhe­re Rech­nun­gen, Kün­di­gungs­frei­heit, wei­te­re Aus­wei­tung der Pre­ka­ri­tät usw. Wir haben nicht die Absicht, unse­rer­seits einen Gegen­satz zwi­schen Geimpf­ten und Unge­impf­ten zu schü­ren, son­dern die Mobi­li­sie­run­gen aller Arbei­ter gegen die Fol­gen der Kapi­tal­herr­schaft in all ihren Erschei­nungs­for­men zu unter­stüt­zen, indem wir die zen­tra­le Bedeu­tung der lau­fen­den auto­ri­tä­ren Wen­de und die Not­wen­dig­keit einer poli­ti­schen Oppo­si­ti­on gegen sie beto­nen, um uns auf dem Boden der unmit­tel­ba­ren Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen ange­mes­sen ver­tei­di­gen zu können.

Wir for­dern daher alle Akti­vis­ten, ob sie nun in Gewerk­schafts­grup­pen oder Gebiets­kör­per­schaf­ten sit­zen, sowie die ein­zel­nen Akti­vis­ten, die die in die­sem Text zum Aus­druck gebrach­ten Ein­schät­zun­gen tei­len, auf, sich unse­rem Netz­werk anzu­schlie­ßen; nicht um eine wei­te­re poli­ti­sche und gewerk­schaft­li­che Grup­pie­rung auf der Suche nach einem eige­nen poli­ti­schen Raum oder auf die der­zei­ti­gen Posi­tio­nen ver­zich­tend, ins Leben zu rufen, son­dern um einen Raum des Tei­lens und des Han­delns zu schaf­fen, der es uns ermög­licht, bes­ser mit aktu­el­len und künf­ti­gen Reak­tio­nen gegen den gesam­ten kapi­ta­lis­ti­schen Angriff Kon­takt auf­zu­neh­men. Auf die­se Wei­se kön­nen wir gemein­sam eine klas­sen­ba­sier­te und anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Per­spek­ti­ve bei der bereits bestehen­den Mobi­li­sie­rung und den künf­ti­gen Aus­wir­kun­gen des Klas­sen­kamp­fes stär­ken. Dabei wird die Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Kapi­tal und Arbeit not­wen­di­ger­wei­se in den Mit­tel­punkt zurück­keh­ren, wenn auch unter den neu­en durch den kapi­ta­lis­ti­schen Angriff auf­er­leg­te Bedin­gun­gen, und dies legt objek­tiv die Grund­la­gen dafür, dass die rei­ne Alter­na­ti­ve zwi­schen Kapi­ta­lis­mus und Kom­mu­nis­mus drin­gen­der und aktu­el­ler denn je wird.

Dezem­ber 2021

Assem­blea militante

Kon­takt: assemblea_​militante@​inventati.​org

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