Das Massaker von Odessa vor zwölf Jahren als Fanal der faschistischen Offensive

Zwölf Jahre liegt er heute zurück, der Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa.

Und längst ist klar, dass die Ahnungen, die sicher viele von Euch an diesem Tag oder in den Tagen danach hatten, richtig waren, die Regierungen des Westens haben an diesem Tag eine Entscheidung getroffen. Und die Trümmer, die diese Entscheidung hinterlassen hat, sind inzwischen auf der halben Welt verteilt; nicht nur in der Ukraine, auch in Gaza und jetzt im Iran. Das, was damals in Odessa geschah, war die Ankündigung weit umfassenderer Gewalt, weit ungezügelter Unmenschlichkeit.

Als hätte dieser Tag des Mordens in Odessa eine Tür in den Abgrund geöffnet.

Ja, es wurde eine Entscheidung getroffen. Denn selbst, wenn schon lang geplant worden war, die Ukraine ins westliche Lager zu ziehen, weder der Maidan‐​Putsch noch diese Barbarei des zweiten Mai waren dafür unverzichtbar.

Selbst bei einer vorgezogenen Wahl, wie das am Tag vor dem Putsch vereinbart worden war, hätte sich der Südosten vielleicht abgetrennt. Aber wenn es nur um die wirtschaftliche und politische Eingliederung der Ukraine gegangen wäre, der Südosten wäre verzichtbar gewesen.

Es ging nicht darum. Es ging von vorne herein um einen Krieg gegen Russland.

Denn sonst hätten sie in Berlin, in Paris, in Rom doch noch gezögert, angesichts der faschistischen Bestialität; wäre es darum gegangen, mit der Ukraine Geld zu verdienen oder sie einfach nur auszuplündern, die Herrschaften im Westen, die mit ihren NGOs die Strippen zogen, hätten vermittelt, ein wenig ausgeglichen, weil sich in Ruhe besser Geld verdienen lässt.

Es wäre einfach gewesen. Im Westen bekamen wir während des Maidan fast täglich nach den Nachrichten Sondersendungen präsentiert, in denen Schauergeschichten erzählt wurden, wie die böse Polizei gegen die friedlichen Demonstranten vorging. Zu Odessa hätten sie nur die Wahrheit berichten müssen. Aber es wurde gar nicht berichtet. Bis heute nicht.

Und der Bürgerkrieg, der Krieg des Kiewer Regimes gegen die friedliche Donbassbevölkerung, der wenige Wochen danach begann, verschwand im selben Loch des Schweigens. Inzwischen sind die grausamen Bilder von Odessa überlagert von so vielen anderen.

Von dort führt eine direkte Linie zu den Aussagen eines US‐​Präsidenten Donald Trump, er wolle die iranische Zivilisation vernichten. Zu den Aussagen deutscher Politiker, Russland werde immer der Feind sein.

Wenn damals angesichts der Bilder der Opfer im Gewerkschaftshaus das Gefühl aufschrie, man dürfe solche Unmenschlichkeit nicht hinnehmen, dann ist heute bestätigt, wie sehr sie sich ausgebreitet hat. In Berlin werden auch in diesem Jahr wieder die Fahnen des Sieges am Mahnmal in Treptow verboten sein, so wie die sowjetische, die russische, sogar russische Lieder. Auch dieser Weg wurde mit dem Schweigen zu Odessa eingeschlagen. Man machte sich mit den Mördern gemein, weil sie von Anfang an die gewünschten Handlanger waren. Jetzt wird dort schon fast verboten, zu erwähnen, dass die Sowjetunion die Nazis besiegte, und statt für das Wohl der Bürger werden Milliarden und Abermilliarden in den Krieg in der Ukraine gepumpt oder für Aufrüstung ausgegeben.

Damals war rund um diesen Brand noch eine vergleichsweise friedliche Welt. Es gibt einen alten sowjetischen Roman, der die Geschichte des zweiten Weltkriegs beschreibt, der heißt »Die Brandstifter«. Er beginnt ebenfalls mit einem Brand, dem Reichstagsbrand. Und dem Prozess danach, den Georgi Dimitroff so glorreich gewann. Mit dem brennenden Reichstag, der dem Ermächtigungsgesetz vorausging, war der Weg hin zum Weltenbrand beschritten.

Zwölf Jahre nach dem Massaker im Gewerkschaftshaus von Odessa, mit den jubelnden Bandera‐​Anhängern auf dem Platz davor, wissen wir, dass der Weg zu den Kriegen, die heute die Welt durchziehen, an diesem Tag, an diesem Ort begann.

Wir wissen noch nicht, wann sie vorüber sind. Aber nicht nur die Regierungen des Westens haben an jenem Tag eine Entscheidung getroffen. Es gibt auch hunderttausende Menschen, die an diesem Tag, mit diesen Ereignissen sahen, dass der Faschismus zurückgekehrt ist, dass die Monopolherren wieder auf Krieg aus sind. Dass man das Biest dieses Mal genauso wird bezwingen müssen wie damals. Und sie haben den Kampf aufgenommen.

Heute, zwölf Jahre später, sind wir immer noch auf dem Weg. Von dem Entsetzen jenes Tages über die Trauer um diese Opfer und all die anderen, die noch folgten und folgen, bis zur Hoffnung auf den Sieg über dieses Unheil.

Der Tag wird kommen, an dem wir sagen können: es wurde Gerechtigkeit geübt und die Menschlichkeit hat gesiegt. Wenn wir nicht in Moskau, sondern in Odessa gedenken und sagen können: Dieser Brand wurde für immer gelöscht.

Rede, gehalten im Moskauer Alexandergarten am zweiten Mai 2026.

One thought on “Das Massaker von Odessa vor zwölf Jahren als Fanal der faschistischen Offensive

  1. Der Weg in die immer brutalere und immer offener gezeigte Unmenschlichkeit wird nicht gestoppt werden, so lange sich Widerständige weiter von der Herrschaft spalten lassen – ja selbst proaktiv mitspalten mit dem Unsäglichen Konstrukt der Links‐Rechts‐Dichotomie.

    Die Lüge, dass »nicht‐​links« gleich »rechts« wäre, und die totale Vereinnahmung des »Links‐​Seins« (was für viele Leute heute gleichbedeutend ist, auf der richtigen Seite zu stehen) durch dogmatische Marxisten (während sich echte Rechte als »Mitte« ausgeben), ist die Ursache des Versagens jeglichen Widerstandes gegen die immer ablouter werdende Herrschaft in den letzten Jahrzehnte.

    Nur bornierte dogmatische Marxisten können das offensichtliche nicht sehen: dass sie benutzt werden von der Herrschaft um Widerstand zu verhindern, indem auf der Straße gegen Windmühlen gekämpft wird, »links« gegen »rechts«, während in den oberen Etagen geschaltet und gewaltet wird (oft sogar noch im »linken« Mäntelchen, man denke an Klingbeil und Co. in Barcelona) wie die Herrschaften gerade belieben.

    Um die Zeit des Massakers von Odessa wurde in der deutschen Friedensbewegung (DFG‐​VK) begonnen, gegen Russland (Putin) zu hetzen. Ein DFG‐​VK‐​Referent, Andreas Zumach, konnte einen Vortrag über die Geschichte der Ukraine halten, ohne das gerade geschehene Massaker von Odessa zu erwähnen, darauf angesprochen fand er keine adäquaten Worte, dafür hetzte er als Redner bei einer Demo am Bodensee deutlichst gegen Russland. Und auf den Ostermärschen wurde plötzlich dutzendmal »Russland, Russland« gesagt, wenn dafür höchstens einmal USA oder Israel genannt wurden.

    So sieht es aus in der meist links dominierten Friedenbewegung und auch sonst in zivilgesellschaftlichen Organisationen! Was am VVN‐​BdA ist denn noch echt? Und in welcher »linken« Organisation steckt heute nicht Soros, Gates, Gore und Co. drin, natürlich versteckt (aber noch nicht einmal besonders gut da »Linke« anscheinend zu denen keine Kontaktscheu haben, weil, mit deren Geld demonstriert es sich einfach besser)?

    Und um das alles ungesehen zu machen kommen dann wieder irgendwelche »Vorbeter« und »Durchblicker« mit seitenweisem Marxgeschurbele und Theoriengequarke daher …

    So wird das alles nichts!

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