Erwachsenwerden bedeutet zu erkennen, dass keiner der schlimmsten Bösewichte im Gefängnis sitzt

Als Kinder spielen wir Räuber und Gendarm und schauen Zeichentrickfilme, in denen böse Verbrecher von rechtschaffenen Kriminellenjägern gestoppt werden. Wenn wir dann erwachsen werden, lernen wir, dass die bösesten Menschen sich alle innerhalb der Gesetze unseres Landes bewegen und niemand sie jemals ins Gefängnis steckt.

Bittet ein Kind, einen Bösewicht zu zeichnen, dann wird es wahrscheinlich einen Bankräuber, einen Dieb, einen Superschurken oder jemanden zeichnen, der auf irgendeine Weise gegen das Gesetz verstößt, denn genau das wird jungen Menschen beigebracht: So sieht das Böse in ihrer Welt aus.

Normalerweise zeichnen sie keine Politiker, Milliardäre, Medienmogule, Tech‐​Plutokraten, Kriegstreiber oder andere der Reichen und Mächtigen, die das wahre Leid in unserer Welt verursachen. Diejenigen, die unserer Gesellschaft Gesetze aufzwingen, die den Fortbestand von Armut, Ungleichheit, Krieg, Unterdrückung und Tyrannei sichern. Diejenigen, die unser Ökosystem zerstören und unseren Geist mit imperialistischer Propaganda vergiften.

Wir vermitteln Kindern eine kindische Sicht auf die Welt, in der die Bösewichte wie Banditen aussehen und die Helden wie Superhelden und GI Joe. Was in gewisser Weise verständlich ist – kein Elternteil möchte, dass sein kleines Kind den wahren Schrecken ausgesetzt wird, die in dieser Zivilisation existieren. Man würde einem Sechsjährigen nicht erzählen, dass wir von Psychopathen regiert werden, die selbst die sadistischsten Serienmörder wie knuddelige kleine Pikachus aussehen lassen.

Das Problem ist, dass viel zu viele Erwachsene nie aus dieser Weltanschauung herauswachsen. Veröffentliche ein Video von Polizeigewalt im Internet, schon kommen sie aus ihren Löchern gekrochen und verteidigen verzweifelt jede noch so abscheuliche Tat, die darin zu sehen ist – ganz gleich, wie offensichtlich belastend das Filmmaterial auch sein mag. Widersetzt man sich der neuesten Kriegspropaganda, stürzen sie sich in einem wilden Gerangel darauf, einem zu erklären, dass die Regierung uns niemals anlügen würde und das böse Regime der Stunde definitiv durch US‐​Luftangriffe gestürzt werden muss.

Sie haben die Zeichentrickfilme, die sie als Kinder gesehen haben, nie verlernt. Sie glauben immer noch, der Kampf zwischen Gut und Böse sei ein Kampf zwischen Gesetzesbrechern und Gesetzestreuen. Sie haben nie gelernt, dass es viele gütige und anständige Menschen im Gefängnis gibt und dass alle schrecklichsten Gräueltaten der Geschichte nach geltendem Recht vollkommen legal waren.

Völkermorde sind legal unter den Regierungen, die sie genehmigen. Kriege sind legal unter den Regierungen, die sie führen. Kapitalistische Ausbeutung, imperialistische Ausbeutung, oligarchische Korruption und Ökozid aus Profitgier sind alle legal unter den Regierungen, deren Gesetze sie ermöglichen.

Die Polizei taucht nie auf, um die Männer zu verhaften, die solche Taten begehen. Die Polizei taucht auf, um jeden zu verhaften, der versucht, sie daran zu hindern.

Das Gesetz existiert nicht, um normale Menschen vor den bösartigsten Mitgliedern unserer Gesellschaft zu schützen; das Gesetz existiert, um die bösartigsten Mitglieder der Gesellschaft vor normalen Menschen zu schützen.

Ein reifes Weltverständnis erkennt dies ganz klar. Es ist das genaue Gegenteil des Weltverständnisses, das uns als Kinder eingetrichtert wird.

Die wahren Schurken unserer Welt sind die mächtigen Plutokraten und Manager des Imperiums, die Unschuldigen unvorstellbares Leid zufügen. Die wahren Helden sind die mutigen Revolutionäre und Wahrheitsverkünder, die daran arbeiten, die Machtstruktur zu zerstören, mit der diese Tyrannen gegen den Rest von uns vorgehen.

Ein echter Erwachsener zu werden bedeutet zu erkennen, dass die Monster nie unter deinem Bett lagen. Sie standen im hellen Tageslicht, trugen teure Anzüge und beherrschten die Welt.

Zuerst in englisch erschienen in Caitlin Johnstons Substack, auch eingesprochen auf Youtube

Bild: Der ehemalige Präsident Barack Obama und die ehemalige First Lady Michelle Obama verabschieden sich am Tag der Amtseinführung, dem 20. Januar 2017, nach der Vereidigungszeremonie im US‐​Kapitol in Washington, D.C., von Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump auf den Stufen des Hubschraubers Executive One (Offizielles Foto des Weißen Hauses von Pete Souza)

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