Zynische Lügen gegen die Revolution – wer war Antony Sutton?

Vorwort der RedaktionSuttons Buch über die Wall Street und die Bolschewiki wird immer öfter in in die deutsche Debatte geworfen, sei es in rechtsalternativen, stark vom Diskurs der amerikanischen Rechten beeinflussten Kreisen, aber auch im sich teilweise damit überschneidenden Protestmilieu, das sich im Widerstand gegen die Coronapolitik gebildet hat. Sutton, so der Tenor, solle angeblich gezeigt haben, dass die Kommunisten von der Wall Street in Russland platziert worden wären und ihr dienten. Der Kommunismus sei also folglich keine Gegenkraft gegen den Kapitalismus, so wird gefolgert. Damit wird eine den Oligarchen wahrhaft gefährlich werdende Alternative für obsolet erklärt, überhaupt scheint es eine Alternative schlichtweg nicht zu geben. So mächtig also seien die Eliten, dass sie alle Opposition schon immer so gut wie im Säckel habe. Sutton vertrat, so Ramirez, eine »metahistorische Verschwörungstheorie, derzufolge praktisch alle revolutionären Bewegungen betrügerisch und Teil eines Plans der globalen Eliten seien«. Diese Sichtweise ist selbstredend verhängnisvoll, führt zu Ohnmacht, Passivität und Resignation, indem sie die tatsächlichen Gewinne im Klassenkampf, im Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit für illusorisch erklärt. Der Plebs kann überhaupt keine Geschichte machen, den Klassenkampf gibt es nicht als bestimmenden Faktor. Diese Sichtweise ist allerdings nicht nur schlichtweg falsch, wie dieser Artikel von Garett Ramirez in Bezug auf die Oktoberrevolution in aller Deutlichkeit zeigt, sondern womöglich in täuschender Absicht lanciert worden.

Der verstorbene Historiker Antony C. Sutton ist einer der einflussreichsten Denker der gegenwärtigen populistischen Bewegung in den USA. Sowohl das Mises Institute als auch das Cato Institute haben seine Werke wiederholt beworben. Seine Bücher sind Dauerbrenner bei Amazon (eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass der Großteil ihres Inhalts mittlerweile kostenlos auf HTML‐​Webseiten verfügbar ist).1

Wer jemals auf eine Beschreibung der »Hegelschen Dialektik« gestoßen ist, die nichts mit der Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels zu tun hat, sondern ausschließlich mit geheimen Propagandatechniken einer globalen Regierung, der ist Zeuge des Vermächtnisses von Antony Sutton geworden. Wer jemals die Behauptung gehört hat, dass eine geheime Macht sowohl den Großkapitalismus als auch den Großkommunismus auf der ganzen Welt kontrolliert – wobei diese konspirative Macht nicht die Juden sind –, der ist ebenfalls ein Zeuge des Werks von Antony Sutton.

Der in Großbritannien geborene Wirtschaftshistoriker Sutton etablierte sich in den 1960er Jahren an der Hoover Institution, einem neokonservativen Think Tank, eng verbunden mit dem nationalen Sicherheitsapparat. Doch in den 1970er Jahren äußerte Sutton Kritik am Establishment in Washington, insbesondere an der Entspannungspolitik der Nixon‐​Ära. Daraufhin distanzierte er sich von der Hoover Institution und erklärte öffentlich, er werde wegen seiner systemkritischen Politik aus der akademischen Welt vertrieben. Seitdem umgibt Suttons Ruf die Aura eines Whistleblowers, aber wie wir sehen werden, gibt es keine Beweise dafür, dass er wegen seiner Überzeugungen zum Märtyrer wurde.2

Gegen Ende des Jahrzehnts hatte Sutton eine neue Karriere in der Welt der rechtspopulistischen Publizistik und des Aktivismus gefunden. Eine Zeit lang spielte er eine wichtige Rolle in der Libertarian Party of California und wurde lange Zeit von der John Birch Society gefördert.3 Mit seinem pedantischen Tonfall und seinem vornehmen Akzent, der der Royal Shakespeare Company würdig gewesen wäre, strahlte Sutton Charisma aus. Zudem leistete er einen bedeutenden Dienst für die antikommunistische Bewegung, die kurz zuvor durch Antisemitismus‐​Skandale erschüttert worden war. Auslöser war die Verbindung zu Revilo P. Oliver, einem Professor der University of Illinois und Mitbegründer der John Birch Society. Oliver begann Mitte der 1960er Jahre offen eine antichristliche Doktrin der weißen Vorherrschaft zu vertreten.

Eines von Suttons ersten Projekten für die ultra‐​konservative Bewegung war es, die ältere antikommunistische Verschwörungsliteratur zu dekonstruieren, die von der faschistischen britischen Autorin Nesta Webster inspiriert und von Oliver gefördert worden war. Sutton trat an Olivers Stelle als der akademischste aller Rechtsaußenautoren und war erfrischend frei von antisemitischen Theorien (die er regelmäßig anprangerte).4

Historiker neigen dazu, Suttons populäre Bücher zu meiden, sie in dieselbe Kategorie wie Bill O’Reillys pseudohistorische Schundromane einzuordnen. Dafür gibt es gute Gründe: Wie die folgende Analyse zeigt, sind Suttons Werke nach 1973 bestenfalls unprofessionell und schlimmstenfalls vorsätzlich betrügerisch. Bislang stammt die akademischste Auseinandersetzung mit Sutton von dem »Anti-Hass«-Aktivisten Chip Berlet, der alle Populisten fälschlicherweise als paranoid darstellt.

Berlet lag richtig, als er Sutton mit dem verband, was der Historiker Frank P. Mintz als »conspiracism« bezeichnet, den er als »ideologische Weltanschauung« beschreibt, die Verschwörungen als bestimmend für »die gesamte Geschichte« ansieht und alle gegenteiligen Beweise zurückweist.5 Auch Libertäre haben Sutton kritisiert. So enthüllte der Wissenschaftler Michael Rectenwald – und später der Podcaster Richard Cox – einige seiner Unwahrheiten.6

Rosinen herauspickend wählt Sutton seine Informationen kunstvoll und zielgerichtet aus – so kunstvoll und zielgerichtet, dass es sich eindeutig um Propaganda handelt. Und im Falle einiger Persönlichkeiten, wie Leo Trotzki und Raymond Robins, erfindet er einfach Geschichte. Meine Untersuchung von Suttons Falschaussagen und irreführenden Darstellungen beginnt mit einem seiner einflussreichsten Bücher, Wall Street and the Bolshevik Revolution (Wall Street und die bolschewistische Revolution). Ich werde auch die Unstimmigkeiten in Suttons Beschreibung seiner Karriere untersuchen und die Möglichkeit, dass er bewusst eine Agenda des Kalten Krieges unterstützt hat, während er vorgab, deren Kritiker zu sein.

Die Erfindung eines ungelösten Mysteriums

»Die Bolschewiki hassen jede Art von Schönheit. Es ist Teil der Verantwortung der übrigen Welt, die Schönheit zu bewahren, die in Russland noch existiert …«

Charles R. Crane, von Präsident Woodrow Wilson zum Mitglied der Sonderkommission für diplomatische Angelegenheiten in Russland ernannt, Chicago Daily News, 26. September 19177

Suttons erstes Buch nach seinem Ausscheiden aus der Hoover Institution, war eine düstere spekulative Geschichte der Russischen Revolution. Diese konzentrierte sich auf die Rolle der amerikanischen Elite, insbesondere derjenigen, die mit der Hochfinanz in New York verbunden waren. Sutton behauptete, dass alle prominenten Historiker dieser Zeit die Rolle der Wall Street in der Mission des Amerikanischen Roten Kreuzes, die während der Revolution Russland besucht hatte, heruntergespielt hätten. Insbesondere hätten Wissenschaftler die freundschaftlichen Gespräche übersehen, die US‐​Agenten wie Raymond Robins und General William Judson nach dem kommunistischen Aufstand mit den Gründern Sowjetrusslands geführt hatten.

All diese Ereignisse deuteten auf eine geheime Allianz zwischen Wall‐​Street‐​Bankern und Bolschewiki hin, um die eher kapitalistisch orientierte Provisorische Regierung unter Alexander Kerenski zu stürzen. Wenn man sich die historischen Aufzeichnungen genau betrachte, zeigten alle Beweise, dass westliche Finanziers in Absprache mit Präsident Wilson ein »geplantes sozialistisches Russland« als »gefangene technische Kolonie« für »amerikanische Monopolkapitalisten« inszeniert hätten, so Sutton. Nur ein Verfechter des »Laissez‐​faire‐​Unternehmertums« wie er selbst habe es gewagt, das große Ganze zu betrachten.

Als 2005 die wichtigste Lüge über den Irakkrieg aufgedeckt wurde, geschah dies durch ein durchgesickertes Memorandum, in dem es hieß, dass »die Fakten an die Politik angepasst wurden« und nicht die Politik an die Fakten. Antony Sutton war ein Mann, der seine Fakten an seine vorgefasste Theorie anpasste: Alle Informationen, die dieser Theorie im Wege standen, wurden unterdrückt. Alle anderen Daten wurden so lange bearbeitet, bis sie das Ergebnis lieferten, das Sutton hören wollte.

In Wall Street and the Bolshevik Revolution beginnt das intellektuelle Folterprogramm nach dem Einführungskapitel mit der Behauptung, Präsident Wilson habe Leo Trotzki persönlich einen Pass ausgestellt, damit dieser die Provisorische Regierung in Russland stürzen konnte. Tatsächlich gibt es jedoch keine Beweise dafür, dass Wilson im April 1917, als Trotzki nach Russland zurückkehrte, wusste, wer dieser war.

Die Quelle für diese außergewöhnliche Behauptung ist ein Buch des Anwalts Jennings C. Wise aus Virginia. Beim genauen Lesen stellt man jedoch fest, dass Wise über Woodrow Wilson im Jahr 1911 spricht, bevor dieser Präsident wurde, als er sich für das Recht aller russischen Juden in Amerika einsetzte, in ihre Heimat zurückzukehren. Im Jahr 1911 war Leo Trotzki noch nie in Amerika gewesen.8 Der Titel des Buches von Wise gibt einen Eindruck von den Vorurteilen, die Sutton antreiben: Woodrow Wilson: Disciple of Revolution (Woodrow Wilson: Jünger der Revolution). Wilson war in Wirklichkeit ein derartiger Konterrevolutionär, dass er in der Woche, in der er das Präsidentenamt übernahm, die Rassentrennung in der Bundesregierung wieder einführte. Zuvor hatte er den Jahrestag der amerikanischen Revolution mit einer Rede gefeiert, in der er sich mehr auf Edmund Burke als auf Jefferson oder Franklin bezog.9

Ein Blick auf die von Sutton in seinem Buch zitierten Regierungsdokumente zeigt, dass Woodrow Wilson und die New Yorker Finanziers von Anfang an Feinde der bolschewistischen Revolution waren. Tatsächlich gibt es ein ganzes Buch, das auf dieser Korrespondenz basiert: America’s Secret War Against Bolshevism: U.S. Intervention in the Russian Civil War, 1917 – 1920 (Amerikas geheimer Krieg gegen den Bolschewismus: Die Intervention der USA im russischen Bürgerkrieg, 1917 – 1920) von David S. Foglesong. Darin erfahren wir, dass die Wall‐​Street‐​Großbank National City Bank Mitte 1918 umstrittene Überweisungen der untergegangenen pro‐​Kerenski‐​Regierung genehmigte, die der antibolschewistischen Armee in Südrussland zugutekamen.10

Im Dezember 1917 unterzeichnete Präsident Wilson persönlich eine streng geheime Zahlung in Höhe von einer Million Pfund durch die Briten an General Lawr Kornilow, den rechtsgerichteten Machthaber, der noch vor Lenin einen Putsch gegen die liberale Regierung in Petrograd angezettelt hatte. Diese Dokumente stammen aus derselben Akte des Außenministeriums, die Sutton am häufigsten zitiert, der Dezimalakte 861. Suttons damalige Leser konnten diese Akte nicht ohne Weiteres einsehen, aber heute ist sie online verfügbar.11

Suttons dritte große Lüge ist, dass Leo Trotzki Kanada im April 1917 auf geheime Initiative des britischen Geheimdienstes verlassen habe. In Wirklichkeit bat der Außenminister der antibolschewistischen russischen Regierung, Paul Miljukow, die Briten offen, Trotzki aus dem Internierungslager in Nova Scotia zu entlassen, in dem sie ihn festhielten. In Miliukovs Memoiren – zu denen Sutton sicherlich Zugang hatte – schrieb der liberale Russe:

»Trotzki kam [im Mai] an. Anschließend wurde mir heftig vorgeworfen, dass ich ihn ›durchgelassen‹ hätte. Tatsächlich hatte ich darauf bestanden, dass die Engländer, die Trotzki auf ihrer schwarzen Liste hatten, ihn nicht festnahmen. Diejenigen, die mir Vorwürfe machten, vergaßen jedoch, dass die Regierung bereits eine Generalamnestie ausgesprochen hatte. Außerdem galt Trotzki, obwohl er sich auf die Zukunft vorbereitete, immer noch als Menschewik. Als Lenin jedoch begann, vor einer riesigen Menschenmenge vom Balkon des Hauses von Kschesinkaja aus seine kriminellen Reden zu halten, bestand ich in der Regierung auf seiner sofortigen Verhaftung.«12

Wenngleich Trotzki später beschuldigt wurde, eine Marionette Deutschlands zu sein, war Miljukow ein erklärter Feind des Kaisers. Tatsächlich wurde Miljukow bald aus seinem Amt vertrieben, weil das russische Volk seine Politik des endlosen Krieges gegen Deutschland ablehnte.

Kein Neuland betreten, Fakten begraben

Sutton übte auf sein Publikum unter anderem deshalb eine solche Anziehungskraft aus, weil er den Eindruck vermittelte, Beziehungen aufgedeckt zu haben, die von Mainstream‐​Historikern verschwiegen worden waren. Im Fall von Wall Street and the Bolshevik Revolution war dies jedoch eine unerhörte Täuschung. Tatsächlich hatten zwei der prominentesten US‐​Historiker des 20. Jahrhunderts, William Appleman Williams und Christopher Lasch, ausführlich über die Praxis der US‐​Elite geschrieben, Lenin und Trotzki in dieser Zeit mal anzugreifen, mal zu beschwichtigen. Dasselbe galt für John Dos Passos, einen der großen amerikanischen Autoren. Sutton war nicht verpflichtet, den Forschungsergebnissen dieser Männer zuzustimmen, aber er war verpflichtet, ihre Existenz anzuerkennen. Indem er dies nicht tat, unterdrückte er wirksam Fakten über die Revolution.13

Insbesondere William Appleman Williams hatte die Bestrebungen westlicher Bankiers untersucht, Russland als wirtschaftliche Kolonie auszubeuten. Seine Forschungen ergaben jedoch nicht, dass die Wall Street dies über die Bolschewiki tat, sondern über die Antibolschewiki in Russland. In seinem 1952 erschienenen Buch American‐​Russian Relations, 1781 – 1947 (amerikanisch‐​russische Beziehungen, 1781 – 1947) dokumentierte Williams, dass »nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs« die US‐​Exporte nach Russland, angeregt durch den Zaren, auf über 600 Millionen Dollar explodierten:

»Um diese Käufe zu finanzieren, vergab Russland über [J. P.] Morgans New Yorker Büro Kredite in Höhe von insgesamt über 96 Millionen Dollar. Darüber hinaus stellte Morgan über die Briten weitere 86 Millionen Dollar zur Verfügung. Vertreter von Morgan dominierten auch die im Frühjahr 1916 gegründete amerikanisch‐​russische Handelskammer. [Bis 1917 war die Produktion von] russischem Roheisen tatsächlich zurückgegangen.«

In einem Abschnitt seines Buches mit dem Titel »A Revolution Challenges the House of Morgan« (Eine Revolution fordert das Haus Morgan heraus) stellte Williams fest, dass »das Haus Morgan nicht nur wichtige Anteile am amerikanisch‐​russischen Handel und große Direktinvestitionen in Russland hatte, sondern bis 1917 auch immense Summen in die Sache der Alliierten im Krieg investiert hatte«. Entgegen den Behauptungen von Sutton hatten die Bankiers der Wall Street keinen Grund, den kapitalistischen Status quo in Russland zu untergraben, weil sie dessen Hauptnutznießer waren.14

Morgan hatte jedoch große Anreize, Russland mit allen Mitteln im Krieg mit Deutschland zu halten. Aus diesem Grund inszenierte die Wall Street die Mission des Amerikanischen Roten Kreuzes in Russland – ihr Ziel war es, Anti‐​Kriegs‐​Parteien wie die Bolschewiki von der Macht fernzuhalten, nicht sie an die Macht zu bringen. William Appleman Williams dokumentierte dies 20 Jahre vor Suttons Buch. Falls es Suttons Absicht war, die Populisten von Williams’ rigoroser Darstellung der Verstrickungen der Wall Street in Russland abzulenken und sie auf seine eigene, eher unehrliche Darstellung zu lenken, so ist ihm das hervorragend gelungen.

Die Wall Street hatte außerdem ein klares Interesse daran, eine russische Regierung zu erhalten, die die 1,7 Milliarden Dollar an Krediten von mit Morgan verbundenen Banken in irgendeiner Form zurückzahlen würde. Doch die Finanziers hatten keinen Grund, eine solche Kooperation von Wladimir Iljitsch Lenin zu erwarten, der zu den russischen Militanten gehörte, die die Auslandsverschuldung angeprangert hatten. Tatsächlich war Lenins letztes großes Buch vor der Revolution Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Darin stellte er fest, dass »das Land, das Kapital exportiert, den Rahm ab[schöpft]«. Der Gründer der Bolschewiki behauptete, dass »[d]er Kapitalismus, der seine Entwicklung als kleines Wucherkapital begann, […] seine Entwicklung als riesiges Wucherkapital [beendet]«.

Der Wirtschaftshistoriker Hassan Malik merkt an, dass »das Finanzkapital und seine Zerstörung zu einem zentralen Thema in Lenins Reden und Schriften im Vorfeld der Oktoberrevolution werden sollten [].« Lenins wichtigste finanzpolitische Maßnahme war »die Ablehnung der zaristischen Schulden nach der bolschewistischen Revolution von 1917, [was letztlich] der größte und längste Zahlungsausfall in mehr als 800 Jahren Finanzgeschichte war«. Sutton erwähnt keine dieser Tatsachen.15

Ebenso auffällig ist, dass Sutton nicht erwähnt, dass es zwischen den Bolschewiki und den Bankiers tatsächlich zu physischen Auseinandersetzungen kam, als erstere die Macht übernahmen. Die National City Bank – eine Tochtergesellschaft von Rockefeller, von der Sutton ansonsten geradezu besessen ist – wurde in ihrer Filiale in Petrograd von sowjetischen Agenten überfallen, die »die Dokumente und Tresorschlüssel beschlagnahmten« und den Filialleiter R. R. Stevens verhafteten. »Rote beschlagnahmen US‐​Bank«, titelte die Washington Post am 29. Dezember 1917, aber Sutton hat das irgendwie übersehen.

Ein prominenter französischer Bankier, Maurice Verstraete von der Russo‐​Asiatic Bank, wurde in diesem Monat ebenfalls von den Bolschewiki gewaltsam festgehalten. Seine Bank wurde in einem Prozess verstaatlicht, der ihm »eher militärisch als finanziell« erschien.16 Als die Sowjets Jahre später offizielle Handelsverhandlungen mit westlichen Staats‐ und Regierungschefs aufnahmen, geschah dies unter der Voraussetzung, dass Russland die volle Souveränität über seine Finanzen behalten würde. Selbst während der Neuen Ökonomischen Politik, wie der Historiker Carroll Quigley feststellte, »war das Bankwesen nicht frei. Das Bank‐ und Finanzwesen blieb in den Händen der Regierung.«17

Es war die klare Bereitschaft der Bolschewiki, sich gegen ausländische Ausbeuter zu stellen, die die Wall Street‐​Rotkreuz‐​Verschwörung dazu zwang, sich verspätet mit ihnen auseinanderzusetzen. Der Historiker Neil Salzman merkt an, dass »Mitglieder der Rotkreuz‐​Mission, die nicht wussten, was sie von den Bolschewiki zu erwarten hatten, in der Woche nach der Revolution rund um die Uhr Wache standen, um ihre Unterkünfte zu schützen«. Schließlich beschloss Raymond Robins Trotzki zu besuchen, um die Möglichkeit einer Evakuierung aus Russland zu sondieren.

Der sowjetische Funktionär gab an, dass er nur den Hauptorganisator der Mission, den Wall‐​Street‐​Magnaten William Boyce Thompson, unter Verdacht stellte. »Vor diesem Hintergrund wurde Thompson in der bolschewistischen Sowjetunion zur persona non grata« und floh laut Salzman innerhalb eines Monats aus dem Land. In Suttons Buch verlässt Thompson Russland voller Zufriedenheit, weil er den Kommunisten zur Macht verholfen habe. Im wirklichen Leben jedoch erklärte Botschafter David R. Francis – den Sutton als zuverlässige Quelle ansieht – vor einem Senatsunterausschuss, dass »Thompsons Abreise aus Angst erfolgte«.

Die Tatsache, dass die Westmächte und die Sowjets während des Ersten Weltkriegs flüchtige Beziehungen unterhielten, ist nur dann schockierend, wenn man darüber hinwegsieht, wie außergewöhnlich dieser Konflikt war – der erste im 20. Jahrhundert, der Millionen von Männern, Frauen und Kindern das Leben kostete. Im Zuge dieser Umwälzungen brachen vier lange bestehende Imperien zusammen, die alle an Russland grenzten oder sich mit diesem überschnitten. Lenin wollte ein Ende des Krieges, stellte jedoch bald fest, dass die Deutschen (und möglicherweise auch die Japaner) nach großrussischem Territorium jenseits der Ukraine gierten. Daher erwog er im Winter 1918, sich zum Schutz wieder der von Großbritannien geführten Entente anzuschließen.18

Während Trotzki auf eine sofortige Weltrevolution hoffte, neigte Lenin zu »friedlicher Koexistenz« und »Sozialismus in einem Land«, was zu widersprüchlichen Signalen führte. Die britische Elite war ebenfalls unentschlossen: Lloyd George war offen für jede russische Regierung, die bereit war, gegen die Deutschen zu kämpfen, während Kabinettsmitglied Winston Churchill schwor, »das bolschewistische Kind in seiner Wiege zu erwürgen«.19 (Nachdem Deutschland 1919 vor der Entente kapituliert hatte, befahl Großbritannien den deutschen Weimarer Truppen kurzzeitig, gegen die Sowjets zu kämpfen.) Arthur Bullard, ein US‐​Beamter in Russland, den Sutton für zuverlässig hält, erklärte, dass »die Situation so kompliziert ist, dass es einem schwindelig wird«.20

Sutton kommt der Anerkennung der Komplexität statt der geheimen Absprachen am nächsten, indem er ein »Tauziehen in Washington« zwischen jungen Morgan‐​Mitarbeitern wie Raymond Robins, die die Bolschewiki umwarben, und im Mittleren Westen geborenen »Diplomaten der alten Garde wie Botschafter [David] Francis« schildert.

Der Haken hierbei ist, dass es sich bei dem antikommunistischen Botschafter Francis um einen persönlichen Freund von Jack Morgan seit über einem Jahrzehnt handelte – Francis war außerdem ein Vertrauter der Führungskräfte des Guaranty Trust und der National City Bank. Raymond Robins hingegen hatte Morgan nie getroffen; er war ein Arbeitsrechtsanwalt, der auf Initiative von Theodore Roosevelt in die New Yorker Elite eingeführt worden war. Und selbst Robins hatte vor der Machtübernahme der Bolschewiki keine Sympathie für sie, sondern arbeitete stattdessen für Kerenskis antibolschewistische, kriegsbefürwortende Regierung.21

In Suttons Augen ist Robins dafür verantwortlich, dass er einen kommunistischen Sympathisanten, Alexander Gumberg, als seinen persönlichen Übersetzer engagiert hat – aber Sutton verschweigt uns, dass Robins‹ erste Wahl für den Posten des Übersetzers Prinzessin Alexandra Kropotkina war, eine aggressive antibolschewistische Adlige. Robins stellte Gumberg erst ein, nachdem sie gekündigt hatte und die Sowjets die Macht übernommen hatten. (Die Prinzessin war eine enge Freundin des britischen Autors und Spions W. Somerset Maugham, der sich speziell zu diesem Zweck im Land aufhielt, um verdeckte Pro‐​Kerenski‐​Propaganda zu betreiben.)22

Eine solche Verzerrung findet sich auch in Darstellungen westlicher Finanzierungen in Russland wieder. Sutton erwähnt beiläufig William Boyce Thompsons Finanzierung der Antibolschewisten, verwendet jedoch eine plakative Überschrift, die lautet: »Thompson gibt den Bolschewisten eine Million Dollar«. Diese Million wurde jedoch erst nach der Machtübernahme durch die Kommunisten gegeben, nämlich damit diese Anti‐​Kriegspropaganda unter den Deutschen verbreiten und so die amerikanischen Kriegsanstrengungen unterstützen konnten.

Innerhalb eines Monats wurde Thompson wegen seiner neu entdeckten Unterstützung für Lenin im Weißen Haus als »Spinner« abgetan. Er erhielt keine Audienz bei Wilson, der sich weigerte, Thompsons Spende zu verdoppeln. Dies steht im Gegensatz zu den Hunderten Millionen Dollar, die Wilson der Kerenski‐​Regierung zur Verfügung stellte – von denen ein Teil für Propaganda ausgegeben wurde, um Lenin als Marionette Deutschlands darzustellen. Im Jahr 1918 wurden dann heimlich mehrere zehn Millionen Dollar (ein Großteil davon wurde über Morgan‐​Banken gewaschen) an die Weißen im Bürgerkrieg gegeben, gefolgt von einer Zusage von 13.000 US‐​Soldaten für ihren zum Scheitern verurteilten Kreuzzug.23

Dieser Einsatz von Entente‐​Soldaten gegen die Bolschewiki wird von Antony Sutton nie erwähnt, obwohl mehr als 400 amerikanische Soldaten für die Weißen starben. Damit ahmt der eigenwillige Historiker die staatlich genehmigten Schulbücher nach, in welchen diese illegale Invasion in der Regel verschwiegen wird. Man kann diese Operation unmöglich positiv darstellen: Der kommandierende General in Sibirien, William S. Graves, erinnerte sich daran, dass seine weißen Verbündeten die Zivilbevölkerung nach dem Motto »Macht geht vor Recht« behandelten, und schrieb, dass »die Antibolschewisten in Ostsibirien für jeden von den Bolschewiken getöteten Menschen 100 Menschen töteten«. Der Historiker Arno Mayer schrieb, dass Admiral Alexander Koltschak, der von den Briten zum Oberbefehlshaber der Russen ernannt worden war, »ein unverhohlener ideologischer Kämpfer war, der sich öffentlich zu den Protokollen der Weisen von Zion bekannte«, und beschrieb Koltschaks tödliche Pogrome als Vorläufer des Holocaust.24

Ungeachtet dessen berichteten US‐​Soldaten, dass ihre Kriegsgefangenen von den Bolschewiken oder »Bolos«, wie sie sie nannten, im Allgemeinen gut behandelt wurden. Graves musste sich bald mit der Tatsache auseinandersetzen, dass viele Soldaten, wie auch in späteren Konflikten des Kalten Krieges wie in Vietnam und Korea, begannen, mit dem Feind zu sympathisieren. Sergeant Silver K. Parrish aus Michigan wurde fast vor ein Kriegsgericht gestellt, weil er eine Petition organisiert hatte, in der er fragte: »Warum kämpfen wir gegen die Bolos, warum haben wir keine großen Waffen, warum beherrschen uns die Engländer und warum haben wir nicht genug zu essen?«

In seinem Tagebuch bezeichnete er die weißen Kommandeure als »eine Clique blutsaugender, machthungriger, kapitalistischer, lügender … Funktionäre, die ihr Volk in Unwissenheit und Armut halten« und schrieb: »Die Mehrheit der Menschen hier sympathisiert mit den Bolo, und ich kann es ihnen nicht verübeln – tatsächlich bin ich selbst zu neun Zehnteln Bolo.«25

Wäre Raymond Robins’ Aufruf zur Anerkennung der sowjetischen Regierung im Jahr 1918 befolgt worden, hätte die katastrophale militärische Intervention der USA vermieden werden können. Allerdings setzt dies voraus, dass er aufrichtig war, denn hier war Antony Sutton vielleicht ausnahmsweise einmal nicht misstrauisch genug; einige der damals pro‐​bolschewistischsten Stimmen aus dem Westen – wie der britische Journalist Arthur Ransome – entpuppten sich als Doppelagenten, die die Kommunisten infiltrieren sollten. (Seltsamerweise vermeidet Sutton es, Ransome zu erwähnen, der in dieser Zeit ein Verbündeter von Robins war.)

Sutton verschweigt ganz bewusst die Wahrheit über Bruce Lockhart – den britischen Diplomaten, der ebenfalls mit Robins zusammenarbeitete – und verurteilt Lockhart für seine freundschaftlichen Beziehungen zu Trotzki und Lenin. Dabei verschweigt er jedoch die anerkannte Tatsache, dass der britische Beamte hinter ihrem Rücken einen ausgeklügelten Plan zum Sturz der sowjetischen Regierung schmiedete. »Das Lockhart‐​Komplott« könnte sehr wohl zum Attentat auf Lenin im August 1918 geführt haben. Vor diesem Hintergrund gibt es ebenso viele Beweise dafür, dass Robins die Sowjets infiltrierte, um Sabotage zu betreiben, wie dafür, dass er ihnen aufrichtig half; der Historiker diskutiert ausführlich die letztere Möglichkeit, aber nie die erstere. In den Augen eines antikommunistischen Eiferers wie Sutton sind nur die Roten geborene Lügner. In Wirklichkeit ist der Heimtücke kapitalistischer Regierungen kaum zu übertreffen.26

Prawda plagiieren

Die antibolschewistischen, pro‐​Kerenski‐​Aktivitäten der amerikanischen Rotkreuzmission stehen im Mittelpunkt einer der unredlichsten Passagen von Wall Street and the Bolshevik Revolution. In Kapitel 3 präsentiert Sutton einen Auszug aus einer Quelle, die er lediglich als »eine Moskauer Zeitung« vom 17. Dezember 1917 identifiziert. Die Zeitung wies auf die engen Verbindungen zwischen der Mission des Roten Kreuzes und der Wall Street hin und deckte auf, dass die Leiter der Mission heimlich politische Spenden an »sozialistische Revolutionäre« geleistet hatten. Sutton deutet an, dass dies ein Hinweis auf die Bolschewiki ist und zitiert die Zeitungsautoren mit der Frage:

»Warum ist [den Interessenvertreter der Wall Street] so sehr an Aufklärung gelegen? Warum wurde das Geld den sozialistischen Revolutionären gegeben und nicht den konstitutionellen Demokraten? Man könnte meinen, dass letztere den Bankiers näher stehen und ihnen lieber sind … Arbeiter und Bauern vertrauen den Sozialrevolutionären. Zu dem Zeitpunkt, als das Geld weitergegeben wurde, waren die Sozialrevolutionäre an der Macht. Man ging davon aus, dass sie noch einige Zeit die Kontrolle in Russland behalten würden.«

Was Sutton nicht sagt: In Russland bezeichnete der Begriff »sozialistische Revolutionäre« im Jahr 1917 eine offizielle Partei unter der Führung von Alexander Kerenski, dem Gegner der Bolschewiki (er hatte im Juli desselben Jahres Hunderte von ihnen inhaftieren lassen). Die sozialistischen Revolutionäre, deren Name manchmal mit »die Sozialrevolutionäre« übersetzt und mit SR abgekürzt wird, waren nur in Bezug auf den Zaren »revolutionär«. »Sozialistisch« waren sie nur im Vergleich zu den Laissez‐​faire‐​Tendenzen der 1890er Jahre, als die Partei gegründet wurde. Diese liberalen Sozialisten wurden lange Zeit öffentlich von der US‐​Elite unterstützt, da die führenden Köpfe der Sozialrevolutionäre sich für die Fortsetzung des Ersten Weltkriegs einsetzten.

Anhand seiner Ziele zu urteilen, stammt der Auszug nicht aus einer sozialrevolutionären Zeitung. Woher stammt er dann? Sutton gibt die Quelle nicht an, aber es handelt sich eindeutig um eine bolschewistische Publikation – mehr noch, er scheint tatsächlich aus der Prawda zu stammen, Lenins eigener Zeitung (die Prawda gehörte der Kommunistischen Partei und wurde zu dieser Zeit von Lenins Schwester mitredigiert). Etwas mehr als eine Woche vor der Veröffentlichung des Artikels telegrafierte Botschafter Francis an das Außenministerium, dass »die Prawda, das Organ der Bolschewiki, heute einen Brief von Wladimir Bakrylow, dem ehemaligen Sekretär von Breschkowskaja, mit der Überschrift ›Beziehungen des amerikanischen Roten Kreuzes zu russischen Politikern‹ enthält«. Darin wird berichtet, dass Breschkowskaja und Sauskis, Kerenskis Sekretär, »mit einer Gruppe von Amerikanern vom Roten Kreuz etwas ausheckten«, dass die Amerikaner zwei Millionen Dollar versprochen hatten, dass Sauskis »[Raymond] Robins und zwei weitere Amerikaner« mitgebracht habe, die Breschkowskaja zwei Pakete mit jeweils fünfzigtausend Rubel überreichten, die von den Amerikanern bezahlt worden waren; dass Sauskis berichtet habe, dass bereits über zwei Millionen Rubel eingezahlt worden seien und der Rest am nächsten Tag eingezahlt werden würde […].«27

Katharina Breschkowskaja – manchmal auch als Breschkowski übersetzt – war eine hochrangige Führerin der Sozialrevolutionäre. Die Cengage Encyclopedia erklärt ihren Niedergang in der russischen Politik wie folgt: »Breschkowskis Verbindungen zu amerikanischen Spendensammlern wurden später gegen sie verwendet, als behauptet wurde, sie habe deren Geld für die Partei unter der Bedingung angenommen, dass sie weiterhin die Sache des Krieges unterstütze und eine reformistische statt einer revolutionären Position vertrete.«28

Neil Salzman berichtet unterdessen in seiner Biografie über Raymond Robins, dass »die Bolschewiki behauptet hatten, die Märzrevolution [die die Sozialrevolutionäre an die Macht brachte] sei vom Kapital der Wall Street unterstützt worden. Ein Bericht in der Prawda wiederholte die Anschuldigung, Thompson habe ›versucht, die Transsibirische Eisenbahn für die Morgans und Kupferinteressen für sich selbst zu bekommen‹«29.

Derart ist das Niveau der Informationskriegsführung: Antony Sutton scheint eine Enthüllung der Bolschewiki gegen eine verdeckte antibolschewistische, von der Wall Street finanzierte Kampagne übernommen zu haben; anschließend nutzte er sie als schwarze Propaganda (Quellenplagiat) in seiner eigenen antibolschewistischen Kampagne, in der er die Wall Street und die Bolschewiki als ideologisch vereint darstellte. Der schlangenartige Gelehrte beißt sich in den eigenen Schwanz.

Entspannungspolitik zum Scheitern bringen, Revolten vorbeugen

Suttons Einfluss auf die Politik von Dissidenten geht über den Rahmen dieses Artikels hinaus. Insbesondere ab den 1980er Jahren definierte Sutton den Begriff »Hegelsche Dialektik« unter Populisten neu. Damit bezog er sich auf eine Theorie, die er offenbar selbst entwickelt hatte. Er erweiterte seine Verfälschungen der Geschichte der Bolschewiki zu einer metahistorischen Verschwörungstheorie, derzufolge praktisch alle revolutionären Bewegungen betrügerisch und Teil eines Plans der globalen Eliten seien. Dies hatte wenig mit Hegels tatsächlicher Philosophie zu tun, sondern schien vielmehr eine unerkannte Neufassung der Illuminati‐​Legenden aus dem 18. Jahrhundert zu sein.30

Dies müsste jedoch Thema eines anderen Artikels sein. Zum Abschluss dieses Porträts wollen wir uns mit Antony Suttons Beziehung zur Politik des Kalten Krieges und zum neokonservativen Establishment befassen und untersuchen, ob diese Beziehung mit seinem Ruf als eigenwilliger, kriegsfeindlicher Libertär vereinbar ist.

In den frühen 1970er Jahren wurde der Vietnamkrieg durch die Entspannungspolitik beendet, einen Prozess, in dem kapitalistische und kommunistische Länder ihre Handels‐ und diplomatischen Beziehungen untereinander ausbauten (einschließlich des Abschlusses eines wichtigen Atomwaffenabkommens mit den Sowjets). Sutton protestierte jedoch, dass jeglicher Industriehandel mit den Russen positive Auswirkungen auf die sowjetische Rüstungsindustrie und damit auf das globale kommunistische Waffenarsenal habe. Er charakterisierte die Sowjets als die ewigen, unveränderlichen Feinde Amerikas – selbst als sie Verträge zur Reduzierung der Waffenbestände unterzeichneten – und bezeichnete dies als eine Form des »nationalen Selbstmords«, was auch der Titel seines 1972 veröffentlichten Buches wurde.

National Suicide (Nationaler Selbstmord) strotzte nur so vor Daten, aber selbst viele Antikommunisten konnten sich mit der Gesamtargumentation nicht anfreunden. Der Handel mit Waffen mit den amerikanischen Ureinwohnern im 19. Jahrhundert hatte nicht dazu geführt, dass diese die USA besiegten. Warum also sollte ein dauerhafter Handelsboykott gegen die Sowjetunion als Schlüssel zum nationalen Wohlergehen empfohlen werden? Nachdem der massive Anstieg des sowjetisch‐​amerikanischen Handels Mitte der 1980er Jahre zum Zusammenbruch des Warschauer Pakts geführt hatte, erschien diese Behauptung besonders lächerlich. Vielleicht weil er Brite war, schien Sutton mit George Washingtons berühmter Abschiedsrede von 1796 nicht vertraut zu sein, in der der Gründervater vor dauerhafter Feindseligkeit gegenüber anderen Nationen warnte und zu internationalem Handel ohne ideologische Beschränkungen aufrief.31

Nichtsdestotrotz war der Kalte Krieg, verkörpert durch den militärisch‐​industriellen Komplex, in den 1970er Jahren einer der größten Geldbringer für Unternehmen, sodass die Entspannungspolitik eine Bedrohung für ihn darstellte. Einer der wichtigsten Förderer des militärisch‐​industriellen Komplexes war der Kongressabgeordnete Wright Patman, der in seinem Wahlbezirk im Osten von Texas einige der weltweit größten Rüstungsfabriken errichtet hatte.32 Als Patman in Washington, D.C., Anhörungen abhielt, in denen er Präsident Nixons Ausbau des Handels mit den Sowjets kritisierte, war Sutton einer seiner bevorzugten Zeugen. »Ich mache keinen Unterschied zwischen ziviler und militärischer Technologie, da jede transferierte Technologie einen gewissen militärischen Einfluss hat«, erklärte Sutton 1974 vor dem Kongress. »Der Begriff ›friedlicher Handel‹ in Bezug auf den Handel mit der Sowjetunion ist äußerst irreführend und sollte aufgegeben werden.«

Hier brachte Sutton erstmals seine oft zitierte Behauptung vor, er sei aus der Hoover Institution vertrieben worden, weil seine politischen Ansichten im Widerspruch zu der pro‐​sowjetischen Entspannungsagenda standen, der sich Hoover seiner Meinung nach verschrieben hatte. »Aufgrund der Veröffentlichung meines Buches […] National Suicide wurde ich letztes Jahr aus meiner Position bei der Hoover Institution entfernt.«

»Ich möchte öffentlich zu Protokoll geben, dass ich die Maßnahmen der Hoover Institution als an Hitlers Bücherverbrennungen erinnernd empfinde […]. Andere, die gegen unsere Militärhilfe für die Sowjetunion protestiert haben, wurden eingeschüchtert und aus ihren Jobs entlassen. Ich möchte den Kongress höflich bitten, diese Angelegenheiten zu untersuchen.«

Obwohl die meisten Mitglieder des Unterausschusses des Repräsentantenhauses Sutton gegenüber freundlich gesinnt zu sein schienen, scheint es nie eine Untersuchung der Entlassung durch die Hoover Institution gegeben zu haben – nicht einmal durch konservative Journalisten. Dies lag wahrscheinlich an der Inkohärenz seiner Behauptung: Sutton sagte, dass er nicht mehr »offiziell mit Hoover verbunden« sei, sagte aber auch aus, dass »ich derzeit ein Büro bei der Hoover Institution habe und meine monatliche Forschungsförderung erhalte […].«33

Es gibt nur wenige Möglichkeiten, offiziell stärker mit einer Organisation verbunden zu sein, als dort auf der Gehaltsliste zu stehen und ein Büro zu haben. In der Veritas‐​Ausgabe von Wall Street and the Bolshevik Revolution aus dem Jahr 1981 heißt es, dass der Autor »nach wie vor mit der [Hoover] Institution verbunden ist«, was im Widerspruch zu seiner Aussage steht, dass er seit 1974 kein Mitglied mehr des Thinktanks sei. Als ich Suttons Freund und Verleger Kris Millegan fragte, wann genau die Zuschüsse der Hoover Institution für den Autor eingestellt worden seien, sagte er, er habe diese Information nicht.34

Nachdem er seine Theorie über eine geheime Verbindung zwischen Wall Street und Moskau vorgestellt hatte, begann Sutton, sich als Kritiker des Kalten Krieges zu präsentieren. Dabei ging er sogar so weit, Ronald Reagan anzuprangern. Doch ganz in der Tradition der John Birch Society, die Präsident Eisenhower angeprangert hatte, kritisierte Sutton Reagan lediglich dafür, dass er nicht genug antikommunistisch sei: »Alle Präsidentschaften, von Woodrow Wilson bis Ronald Reagan, haben eine parteiübergreifende Außenpolitik verfolgt, die darauf abzielte, die Sowjetunion aufzubauen«, schrieb er 1986. »Das ist eine Politik des Selbstmords.« Der Historiker drängte auf eine härtere Politik gegenüber Nicaragua und Afghanistan und zeigte dabei seine Unkenntnis (oder vielleicht auch nur seine Vertuschung) von Reagans terroristischer CIA‐​Subversion in diesen Ländern – ähnlich wie die Mitglieder der Birch Society die Beweise für Eisenhowers antikommunistische Staatsstreiche und Informationskriege in Guatemala und im Iran ignoriert hatten.35

Dies ging einher mit der merkwürdigen Tatsache, dass einer der stärksten Befürworter des Kalten Krieges, der Historiker Richard Pipes, Suttons Forschungen öffentlich befürwortete. Obwohl Pipes (wie Sutton) sich oft als Außenseiter darstellte, gehörte er dem Council on Foreign Relations, der Bilderberg‐​Gruppe und dem Nationalen Sicherheitsrat unter Reagan an. Pipes war auch einer der Anführer von Donald Rumsfelds Team B (Team B)-Initiative und dem Committee on the Present Danger (Komitee für die gegenwärtige Gefahr), zwei der zentralen neokonservativen Projekte. Schließlich fand er eine Heimat bei der Hoover Institution, die zu diesem Zeitpunkt angeblich eine anti‐​suttonistische Einrichtung war.36

Sutton und Pipes teilten letztlich dieselben neokonservativen Grundannahmen: dass der Kalte Krieg – einschließlich des Vietnamkriegs – gerechtfertigt war und nur die Frage des »Aufbaus der Sowjets« als legitime außenpolitische Debatte galt. In Verbindung mit dem Rätsel um Suttons Beziehung zur Hoover Institution in seinen späteren Jahren wirft dies die Frage auf: War Antony Sutton wirklich ein Kritiker des amerikanischen Deep State oder einer seiner raffiniertesten Agenten?

So wie die heutigen Demokraten Politiker wie Donald Trump und Jill Stein als Agenten Putins darstellen wollen (und Segregationisten früher Bürgerrechtler als «auswärtige Agitatoren» darstellten), versuchten Propagandisten des Kalten Krieges, Bolschewiken und andere Revolutionäre als Marionetten ausländischer Mächte darzustellen. Die Beweise für die Autonomie der Bolschewiki und ihre Popularität bei den russischen Massen sind jedoch so überwältigend, dass sie von zahlreichen antikommunistischen Wissenschaftlern anerkannt werden. Darunter ist auch Carroll Quigley, ein bei Rechtspopulisten sehr beliebter Historiker. Quigley schrieb:

» […] die Bolschewiki konnten an die Macht kommen, indem sie Frieden und Land versprachen – Frieden mit Deutschland, das Ende des Krieges, was die meisten Menschen wollten, und Land für die Bauern. Da viele Soldaten Bauern waren, übte dieses Angebot von Frieden und Land eine enorme Anziehungskraft auf die Bolschewisten aus, eine Anziehungskraft, die nicht auf der marxistischen Ideologie beruhte […].«37

Die US‐​Regierung versuchte, diese Tatsache zu verschleiern, indem sie 1918 eine Broschüre mit dem Titel Die deutsch‐​bolschewistische Verschwörung veröffentlichte. Diese diente als Rechtfertigung für die Invasion Russlands – ihr Titel erinnert einmal mehr daran, dass Verschwörungstheorien manchmal von Regierungen gegen ihre Feinde eingesetzt werden. Die schlampig gefälschten Dokumente, auf denen diese Broschüre basierte und die als »Sisson‐​Dokumente« bekannt sind, waren jedoch zu Antony Suttons Zeiten bereits widerlegt worden. Es musste also ein anderer Ansatz gefunden werden.38

In den frühen 1970er Jahren führten Phänomene wie der Vietnamkrieg, die Wirtschaftskrise und die Kongressuntersuchungen gegen die CIA zu einer Verachtung des Establishments unter der amerikanischen Bevölkerung, einschließlich der Konservativen. Um das konterrevolutionäre Denken zu fördern, reichte es nicht mehr aus, zur Loyalität gegenüber der Elite aufzurufen. Das Beste, was man erreichen konnte, war, Zynismus gegenüber der Revolution zu schüren. Da wäre es äußerst nützlich, Pseudowissenschaft einzusetzen, um Kommunisten als Agenten genau der Finanzkapitalisten darzustellen, gegen die sie stets gekämpft haben. Hier handelt es sich um eine Abwandlung der als »Snitch‐​Jacketing« bekannten Technik der Geheimpolizei angewandt auf eine ganze Bewegung [diese Technik besteht darin, dass gezielt falsche Gerüchte über die Spitzeltätigkeit von Personen gestreut werden, um diese aus dem Weg zu räumen und deren Organisation zu paralysieren und zu schwächen/​Anm. d. Übers.].

Es gibt bislang keine Beweise dafür, dass die US‐​Elite Antony Sutton mit dieser Agenda beauftragt hat. Die Beweise jedoch, dass er die Geschichte strategisch unterdrückt und verzerrt hat, sind erdrückend. Sutton nutzte die geheimnisvolle Komplexität der russischen Linken und des Ersten Weltkriegs aus, um die amerikanischen Leser zu verwirren und in die Irre zu führen. Es ist die Aufgabe eines anständigen Wissenschaftlers, Unwissenheit zu bekämpfen. Antony Suttons Aufgabe war es, sie als Waffe einzusetzen. Verschwörungstheorien als solche dürfen nicht einfach abgetan werden. Aber konterrevolutionäre Pseudogeschichte ist ein Hindernis für die Volkssouveränität und selbst ein psychologisches Instrument des Establishments.

Verweise

2 Siehe beispielsweise die Biografie von Sutton, die sein Freund und Verleger Kris Millegan auf https://​www​.antonysutton​.com/ veröffentlicht hat.

3 Lynn Kinsky, »Frontlines«, Reason magazine, February 1974.

5 Chip Berlet, »Toxic to Democracy: Conspiracy Theories, Demonization, & Scapegoating« (Giftig für die Demokratie: Verschwörungstheorien, Dämonisierung und Sündenbockdenken) Political Research Associates, https://​politicalresearch​.org/​s​i​t​e​s​/​d​e​f​a​u​l​t​/​f​i​l​e​s​/​2​018 – 10/Toxic-2D-all-rev-04.pdf; Ich bezeichne Berlets Arbeit als »nahezu akademisch«, weil sie wiederholt in akademischen Publikationen zitiert wurde, nicht weil sie einer Peer‐​Review unterzogen wurde. Max Parry hat ebenfalls eine wissenschaftliche Kritik an Sutton verfasst, siehe »History of the Russian Revolution: Separating Truth from Myth« (Geschichte der Russischen Revolution: Wahrheit und Mythos trennen) Centre for Research on Globalization, https://​www​.globalresearch​.ca/​r​u​s​s​i​a​n​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​-​s​e​p​a​r​a​t​i​n​g​-​t​r​u​t​h​-​m​y​t​h​/​5​7​3​4​305

7 Crane wird in Suttons Büchern als bolschewistenfreundlich dargestellt. Das Zitat stammt aus Albert Parry, »Charles R. Crane, Friend of Russia« (Charles R. Crane, Freund Russlands), The Russia Review, Frühjahr 1947, https://​www​.jstor​.org/​s​t​a​b​l​e​/​1​2​5​305

8 Antony C. Sutton, »Kapitel II« Wall Street and the Bolshevik Revolution (Wall Street und die bolchewistische Revolution) (New Rochelle, NY: Arlington House, 1974); J.C. Wise, Woodrow Wilson: Disciple of Revolution (Woodrow Wilson: Jünger der Revolution) (New York: Paisley Press, 1938) 91 – 94; https://​archive​.org/​d​e​t​a​i​l​s​/​W​o​o​d​r​o​w​W​i​l​s​o​n​D​i​s​c​i​p​l​e​O​f​R​e​v​o​l​u​t​i​o​n​/​p​a​g​e​/​n​3​/​m​o​d​e​/​2​u​p​?​q​=​p​a​s​s​p​ort

10 »Assistant Secretary of the Treasury (Leffingwell) an den Counselor for the Department of State (Polk)«, 5. März 1918, Papers Relating to the Foreign Relations of the United States, 1918, Russia, Volume III, https://​history​.state​.gov/​h​i​s​t​o​r​i​c​a​l​d​o​c​u​m​e​n​t​s​/​f​r​u​s​1​9​1​8​R​u​s​s​i​a​v​0​3​/​d55; »Stellvertretender Finanzminister (Leffingwell) an den Berater des Außenministeriums (Polk)«, 4. Mai 1918, https://​history​.state​.gov/​h​i​s​t​o​r​i​c​a​l​d​o​c​u​m​e​n​t​s​/​f​r​u​s​1​9​1​8​R​u​s​s​i​a​v​0​3​/​d66 . Die oben genannten Zitate stammen aus David Foglesong, America’s Secret War Against the Bolsheviks (Chapel Hill: University of North Carolina Press, 1995). Auf Seite 64 des Buches berichtet Foglesong: »Am 20. Dezember [1917] leistete die National City Bank mehrere Zahlungen für die [antibolschewistische] russische Botschaft, darunter 325.000 Dollar an die Remington Company für Gewehre und 2.075.000 Dollar an JP Morgan im Zusammenhang mit einem Waffenvertrag mit Westinghouse. [Der von Kerenski ernannte Botschafter in den USA] Bakhmeteff teilte dem Botschafter der Provisorischen Regierung in Frankreich Ende Dezember mit, dass amerikanische Beamte alles in ihrer Macht Stehende täten, um russische Militärbestellungen zu sichern, die für die Zukunft Russlands von entscheidender Bedeutung seien.«

11 »The Secretary of State to President Wilson«, 12. Dezember 1917, Papers Relating to the Foreign Relations of the United States, The Lansing Papers, 1914 – 1920, Volume II, https://​history​.state​.gov/​h​i​s​t​o​r​i​c​a​l​d​o​c​u​m​e​n​t​s​/​f​r​u​s​1​9​1​4​-​2​0​v​0​2​/​d​177

13 William Appleman Williams, American‐​Russian Relations, 1781 – 1947 (London: Macmillan, 1954); Christopher Lasch, American Liberals and the Russian Revolution (New York: Columbia University Press, 1962); John Dos Passos, Mr. Wilson’ War: From the Assassination of McKinley to the Defeat of the League of Nations (New York: Doubleday, 1962); General Judson quote from William V. Judson, Russia in War and Revolution (Ohio: Kent State University Press, 1998), S. 196.

14 Williams, American‐​Russian Relations, S. 80 – 83.

15 Lenin, »Kapitel III«, in: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus; Hassan Malik, Bankers and Bolsheviks: International Finance and the Russian Revolution (New Jersey: Princeton University Press, 2018), S. 2 – 4.

16 Malik, Bankers and Bolsheviks, S.129 – 131, 162 – 166.

17 Michael Jabara Carley, Silent Conflict:A Hidden History of Early Soviet‐​Western Relations (New York: Rowman and Littlefield, 2014) ; Carrol Quigley »Development of the Soviet Economy« 1953; http://​www​.carrollquigley​.net/​L​e​c​t​u​r​e​s​/​t​h​e​-​d​e​v​e​l​o​p​m​e​n​t​-​o​f​-​t​h​e​-​s​o​v​i​e​t​-​e​c​o​n​o​m​y​-​l​e​c​t​u​r​e​.​htm

18 Neil V. Salzman, Reform & Revolution: The Life and Times of Raymond Robins (Kent, OH: Kent State University Press, 1991), S. 220 – 26; Williams, American‐​Russian Relations, S. 132 – 38; Norman Saul, War and Revolution: The United States and Russia, 1914 – 1921 (Lawrence, KS: University Press of Kansas, 2001), S. 250 – 52.

21 Sutton, Wall Street and the Bolshevik Revolution, Ch. III; Williams, American‐​Russian Relations, S. 81 – 84; Vladimir Noskov, »David R. Francis, Ambassador to Four Russian Governments«, Journal of Russian American Studies, May 2018, https://​journals​.ku​.edu/​j​r​a​s​/​a​r​t​i​c​l​e​/​v​i​e​w​/​7​5​5​6​/​6​891

22 Alexandra »Sascha« Kropotkina (im Internet zu finden unter Alexandra oder Sacha Kropotkin) war die Tochter des bedeutendsten Anarchisten jener Zeit, Peter Kropotkin, der jahrzehntelang in Westeuropa im Exil gelebt hatte. Sie war jedoch keine Anarchistin und nahm nach ihrer Rückkehr nach Russland ihren Adelstitel wieder an. Williams, American‐​Russian Relations, S. 99, 110; »Somerset Maugham«, Spartacus Educational, https://​spartacus​-educational​.com/​J​m​a​u​g​h​a​m​.​htm

23 Sutton, »Chapter V«, in: Wall Street and the Bolshevik Revolution; The Cabinet Diaries of Josephus Daniels (Lincoln: University of Nebraska Press, 1963) S. 262 – 263; https://​archive​.org/​d​e​t​a​i​l​s​/​c​a​b​i​n​e​t​d​i​a​r​i​e​s​o​f​0​0​0​0​d​a​n​i​/​p​a​g​e​/​4​4​6​/​m​o​d​e​/​2​u​p​?​q​=​k​e​r​e​n​sky; Jeremy Kuzmarov, »The Wilson administration’s war on Russian Bolshevism«, Historians for Peace and Freedom, https://​peacehistory​-usfp​.org/​w​w​1​-​r​u​s​s​ia/

24 Kuzmarov, »The Wilson administration’s war on Russian Bolshevism«; Arno J. Mayer, Why Did the Heavens Not Darken? The ›Final Solution‹ in History (Brooklyn: Verso Books, 2012), S. 57 – 58.

25 »Diary from the Silver Parrish diary, 1918 – 1919«, [Folder 1, Item 1], in: Polar Bear Expedition Digital Materials. https://​name​.umdl​.umich​.edu/​8​6​6​1​6​.​0​0​0​1​.​001, University of Michigan Library Digital Collections. Zugriff am 11. November 2024.

26 Gillian Passmore »Arthur Ransome wooed Trotsky’s secretary into spying for Britain«, The Times (London), July 18, 2010, https://​www​.thetimes​.com/​a​r​t​i​c​l​e​/​a​r​t​h​u​r​-​r​a​n​s​o​m​e​-​w​o​o​e​d​-​t​r​o​t​s​k​y​s​-​s​e​c​r​e​t​a​r​y​-​i​n​t​o​-​s​p​y​i​n​g​-​f​o​r​-​b​r​i​t​a​i​n​-​t​9​l​0​l​r​v​h​wdj; Martin Sixsmith, »Fania Kaplan’s Attempt to Kill Lenin«, in Tony Brenton, ed., Was Revolution Inevitable? Turning Points of the Russian Revolution (New York: Oxford University Press, 2017); Jonathan Schneer, The Lockhart Plot: Love, Betrayal, Assassination and Counter‐​Revolution in Lenin’s Russia (Oxford University Press, 2018); Mike Thompson, »Did Britain try to assassinate Lenin?«, BBC, March 19, 2011, https://​www​.bbc​.com/​n​e​w​s​/​w​o​r​l​d​-​1​2​7​8​5​695

28 »Catherine Breshkovsky«, in: Cengage Encyclopedia.

29 Salzman, Reform and Revolution, S. 211 – 213.

30 Antony Sutton, America’s Secret Establishment (Liberty House Press, 1986); wie oben erwähnt, hatte Sutton die Illuminati‐​Theorien ursprünglich abgelehnt, als er in den 1970er Jahren seine populistische Arbeit begann. Siehe Conspiracy Digest, Summer 1977.

31 Zum Ausmaß des Waffenhandels und Technologietransfers zwischen Kolonisatoren und amerikanischen Ureinwohnern siehe David J. Silverman »Firearms and the Violent Transformation of Native America« (Feuerwaffen und die gewaltsame Transformation der amerikanischen Ureinwohner), The Shear, 27. Dezember 2016, https://​shear​.org/​2​0​1​6​/​1​2​/​2​7​/​f​i​r​e​a​r​m​s​-​a​n​d​-​t​h​e​-​v​i​o​l​e​n​t​-​t​r​a​n​s​f​o​r​m​a​t​i​o​n​-​o​f​-​n​a​t​i​v​e​-​a​m​e​r​i​ca/

33 Sutton sagte am 24. April 1974 aus. Hearings Before the Subcommittee on International Trade, House of Representatives, 93rd Congress, Second Session (US Government Printing Office, 1974), S. 156, https://​www​.google​.com/​b​o​o​k​s​/​e​d​i​t​i​o​n​/​I​n​t​e​r​n​a​t​i​o​n​a​l​_​E​c​o​n​o​m​i​c​_​P​o​l​i​c​y​/​s​w​p​Y​U​L​t​A​X​m​M​C​?​h​l​=en

34 Sutton, Wall Street and the Bolshevik Revolution (Veritas, 1981), Rückseite; Der Kommentar von Kris Millegan stammt aus einer E‑Mail an den Autor vom 28. Dezember 2023, 10:02 Uhr; Eine weitere merkwürdige Tatsache ist, dass Suttons offizielle Unterlagen der Hoover Institution anvertraut sind. Ich habe Hoover kontaktiert, um zu fragen, ob dies auf persönlichen Wunsch von Sutton geschehen ist, aber keine klare Antwort erhalten, wie aus einer E‑Mail an den Autor vom 30. Oktober 2024, 14:42 Uhr, hervorgeht.

35 Antony Sutton, The Best Enemy Democracy Money Can Buy, Kapitel 13 (New York: Liberty House Press, 1986). Jahre später, nachdem die Mainstream‐​Medien den Iran‐​Contra‐​Skandal aufgedeckt hatten, schloss sich Sutton der Kritik an bestimmten Aspekten der Nicaragua‐​Operationen an, obwohl er die Schuld dafür fast ausschließlich Vizepräsident Bush zuschrieb.

36 Pipes’ Lob für Sutton wird oft von dessen Verlegern, wie Kris Millegan, zitiert. Siehe die Homepage von https://​www​.antonysutton​.com/; Zu Pipes’ Verbindungen zur Elite siehe »Interview: Richard Pipes«, C‑SPAN Booknotes, 7. Dezember 2003, https://archive.ph/20190919220545/http://www.booknotes.org/FullPage.aspx#selection-41.1 – 57.16;

37 Quigley, »The Development of the Soviet Economy«, 1953.

38 In Wall Street and the Bolshevik Revolution räumt Sutton ein, dass die Sisson‐​Dokumente Fälschungen sind.

Zuerst in englisch im Covert Action Magazine erschienen und mit freundlicher Genehmigung des Autors hier in deutscher Übersetzung veröffentlicht

Bild: Antony Sutton (Claritablue CC BY‐​SA 3.0)

Garrett Ramirez ist Autor des Substacks »The Social Populist« (siehe Link unten).

Er ist ehemaliger pädagogischer Assistent an einer New Yorker Schule und Mitglied des Lenkungsausschusses von Teachers for Choice, einer Gruppe von Aktivisten für medizinische Freiheit, die sich aus Lehrern und Eltern zusammensetzt, die zu 100 Prozent gegen medizinische Vorgaben sind, insbesondere solche, die den Verlust des Arbeitsplatzes riskieren könnten.

Garrett Ramirez ist unter renzoray@​protonmail.​com erreichbar.

https://​socialpopulist​.substack​.com/

One thought on “Zynische Lügen gegen die Revolution – wer war Antony Sutton?

  1. Eine sehr begrüßenswerte und längst überfällige Auseinandersetzung mit dem wohl
    wichtigsten Ideengeber für den Libertarismus und seinem Ideologem der ›Pseudo‐
    Opposition‹ zwischen links und rechts. »The cold war was phony« verkündet man selbst‐
    bewußt unter dem schwarz‐​goldenen (-gelben) Banner.
    Es steht so noch aus ähnliches zu leisten in Bezug auf das Schaffen von Guido Giacomo
    Preparata und seinem Werk »Conjuring Hitler: How Britain and America Made the Third
    Reich«, welches später als gekürzte Fassung unter dem Titel »The Incubation of Nazism:
    A Tale of the Extreme Measures Undertaken by Britain to Safeguard Imperial Primacy,
    1900 – 1944« erschienen ist, dessen Klappentext man folgendes entnimmt:
    »Mixed in Russian territory and crushed again between fronts, Germany finally collapses
    as expected according to the plans drawn up in 1919 by Anglo‐​American strategists, plans
    that could not have succeeded without the complicity of the Soviets.« Really ???

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