Eine totalitäre Fantasie: Technokratie, Faschismus und der Krieg (1944)

Mythen und Realitäten über eine »neue Ordnung«

Vorwort der Redaktion

Die Technokratische Bewegung hatte zu ihren Hochzeiten Anfang der 1930er‐​Jahren rund 500.000 Mitglieder, vorwiegend in den USA und Kanada, die sich wöchentlich oder monatlich trafen und öffentliche Großveranstaltungen abhielten. David A. Hughes fasst Patrick Wood1 paraphrasierend die Vision ihres Gründers Howard Scott wie folgt zusammen:

»• Abschaffung des Privateigentums, da alles Eigentum des Technate ist;

• Abhängigkeit vom Technate für alle Grundbedürfnisse, zum Beispiel Lebensmittel, Wohnen, Gesundheitsversorgung, Transport (alle Fahrzeuge müssen beispielsweise gemietet werden, wobei Fahrgemeinschaften die Norm sind);

• Unmöglichkeit, für zukünftige Bedürfnisse zu sparen, da Energiezertifikate am Ende eines Abrechnungszeitraums verfallen;

• Abschaffung aller bisherigen politischen Systeme, einschließlich der Demokratie;

• Bildung als eine Form der Konditionierung, um die Menschen auf den vom Technate für sie gewählten Karriereweg vorzubereiten.«

Patrick Wood hat in seinen Arbeiten versucht zu zeigen, inwiefern Elemente von Howards technokratischen Ideen nach dem Scheitern seiner Bewegung unter anderem über Rockefellers Trilateral Commision oder den einflussreichen Zbigniew Brzezinski die Agenda 2030 der Vereinten Nationen beeinflussten, die unter vielen Labels wie Green New Deal, Great Reset unsere Zeit prägt. Wie überzeugend Woods Thesen sind, kann hier nicht untersucht werden, aber auch wenn man die ideengeschichtliche Kontinuität bestreitet, bleiben die augenscheinlichen Parallelen, die ein Reddit‐​User konzise wie folgt zusammenfasste:

»Heute haben die Tech‐​Eliten unbewusst deren Kernideen [der Technokratie] wiederbelebt: nämlich (1) Social Engineering und die Quantifizierung sozialer Beziehungen, (2) die Betrachtung von Technologie als einzigem revolutionären Faktor und (3) die Betrachtung von Demokratie als Hindernis für ihre Ziele.«2

Auch David A. Hughes stellt das gegenwärtige gesellschaftliche Transformationsprogramms in einen technokratischen Zusammenhang:

»Im Jahr 2020 wurde ein nicht erklärter globaler Klassenkampf begonnen, dessen Ziel die kontrollierte Zerstörung der liberalen Demokratie und die Einführung einer globalen Technokratie ist – einer neuartigen, biodigitalen Form des Totalitarismus, die zu einer irreversiblen Versklavung der Menschheit führen könnte.«

Auch wenn man den tatsächlichen Einfluss der Technokratischen Bewegung ideengeschichtlich nicht so hoch ansetzen will, wie etwa Wood, und die Unterschiede zwischen den heutigen und damaligen Technokraten herausarbeiten würde, so erhellt die Lektüre beider Texte nicht nur ein ideengeschichtlich und soziales Phänomen des damaligen Amerika, sondern zeigt die Vorteile eines marxistischen analytischen Interpretationsansatzes auf, der auch heute umso gefragter scheint, wo sowohl mancher Rechte als auch mancher Linke die Welt irrigerweise auf dem Weg in den Sozialismus sieht, eingeführt nicht von der Arbeiterklasse, sondern ausgerechnet den superreichen technokratischen Oligarchen.

Der erste Text von zwei Texten zum Thema stammt von zwei bedeutenden Figuren der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA), William Z. Foster und Earl Browder. Er erschien unmittelbar im Zuge der medialen Kampagne für die Technokratie 1933, während die zweite Kritik, hier in einem statt zwei Teilen, aus dem Umfeld der Socialist Worker Party, einer trotzkistischen Abspaltung der KPUSA stammt und 1944 erschien.

Im Jahr 1932 und zu Beginn des Jahres 1933, am Tiefpunkt der »Großen Depression«, erregte das neue Wort »Technokratie« die gleiche öffentliche Aufmerksamkeit wie Apfelverkäufe, Witze über die Depression, Banker, die sich aus den oberen Stockwerken in die Tiefe stürzten oder Schlangen vor den Suppenküchen. Die leichte Aufregung über die neuen, hochtrabend klingenden Wörter, denen eine staunende Gruppe von Zeitungslesern ausgesetzt war, hielt nur wenig länger an als der oben erwähnte Absturz der Bankiers. Sie verstummte 1933, als das Alphabet des New Deal begann, den technokratischen Ablegern der Begriffe »Ergs« (Arbeitseinheit), »extraneous energy« (fremde Energie) und »social thermodynamics« (soziale Thermodynamik) die Show zu stehlen. Für zehn Jahre hörte man nicht mehr viel davon.

1942 trat Howard Scott mit seiner Idee erneut in Erscheinung, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu gewinnen. Mittlerweile hieß sie »Technocracy, Inc.« und hatte ein neues Gesicht bekommen. Aus einer Gruppe statistisch denkender Forscher mit einem neuen Vokabular war eine recht mysteriöse, finanzkräftige Organisation geworden, die 100.000 Dollar für eine Reihe von Zeitungsanzeigen ausgeben konnte, über eine Flotte grauer Autos verfügte, Uniformen und Salutierungen pflegte – und einen neuen, aufgepeppten Howard Scott, der nicht mehr »nur« als theoretisches Genie auftrat, sondern als Führer und Mann des Schicksals. In verschiedenen Teilen des Landes waren Zweigorganisationen entstanden, wobei die größte (wie zu erwarten) im Gebiet von Los Angeles in Südkalifornien lag. Während man sich früher hauptsächlich mit Ergs, Kalorien, Joules und Kilowattstunden befasste, sprach man nun von einem unmittelbaren Sozialprogramm zur Kriegsführung, zur Regierungsorganisation, zur internationalen Politik, zu den Beziehungen zwischen den Rassen und so weiter. Und das Zeichen des Bösen auf diesem neuen Gedankengut war auch ohne elektronisches Mikroskop zu erkennen: Ein neuer Faschist war in den Ring gestiegen.

Bevor wir jedoch auf die detaillierte Beschreibung dieser späten, bedeutenden Veränderung im Charakter der Technokratenbewegung eingehen, ist es sinnvoll, zunächst die Technokratie selbst zu analysieren, das heißt ihre wirtschaftliche und soziale Theorie.

Der unmittelbarste Grund für diese Analyse ist die Existenz zweier weit verbreiteter Mythen über die Technokratie, von denen der erste von den Technokraten selbst sorgfältig gepflegt wird:

  1. Dass die Technokratie wertvolle und neue Beiträge zum Verständnis der modernen Gesellschaft geleistet hat.

  2. Dass die Technokratie viele sozialistische Ideen »übernommen« hat und dass ein Großteil ihrer Ideologie tatsächlich Sozialismus in »amerikanisierter« Form ist.

Beides sind Mythen – nichts weiter.

Wo die Technokratie ihren Ursprung hat

Die Technokraten führen ihre Ursprünge auf das Jahr 1919 zurück, in dem Thorstein Veblen sein Werk »Engineers and the Price System« (Ingenieure und das Preissystem) veröffentlichte und eine kleine Gruppe von Ökonomen und Technikern zusammen mit dem damals noch unbekannten Howard Scott die »Technical Alliance« gründete. Scott behauptet, dass er seine Ideen unabhängig von Veblen entwickelt habe, was durchaus zutreffen mag.

Obwohl es viele Ähnlichkeiten zwischen Veblens Werk und Scotts Theorien gibt, insbesondere sprachliche Ähnlichkeiten, stellt Scotts spätere Weiterentwicklung dieser Ideen lediglich eine grobe Vulgarisierung und Degeneration zu Unsinn dar und sollte nicht gegen den subtileren Intellekt und das rationalere Denken des Autors von »The Theory of the Leisure Class« (wörtlich: Die Theorie der müßigen Klasse, Übersetzung: Theorie der feinen Leute) verwendet werden.

Die Gruppe von 1919 umfasste einige renommierte Persönlichkeiten, darunter Wesley Mitchell, Stuart Chase, Charles Steinmetz, Leon Henderson und Bassett Jones, die sich von Veblens bahnbrechenden Ideen angezogen fühlten und sich selbst als die »Ingenieure« betrachteten, an die Veblen seine Herausforderung gerichtet hatte, die Gesellschaft vor dem »Preissystem« zu retten. Die Gruppe unternahm jedoch nie etwas Bemerkenswertes und verschwand sehr bald mit der Rückkehr zur »Normalität«.

Anfang der 1930er Jahre, als die kapitalistische Wirtschaft in Schwierigkeiten geriet und alle orthodoxen wirtschaftlichen Denkweisen gescheitert waren, schlossen sich einige der weniger bekannten Mitglieder der Gruppe von 1919 erneut mit Scott zusammen, der seine Überlegungen inzwischen als »Technokratie« bezeichnet hatte. Gemeinsam wollten sie eine statistische Studie über die Auswirkungen des technologischen Fortschritts auf das Wirtschaftssystem erstellen. Dies war ein lobenswertes akademisches Unterfangen, das sie mit Hilfe der Columbia University und des American Institute of Architects finanzieren konnten. (Als Scott 1932 mit seinen Ideen Schlagzeilen machte, beeilte sich die Columbia University, jegliche Verbindung zu ihm zu leugnen, woraufhin sich eine ganze Reihe von Scotts Forschungsmitarbeitern hastig zurückzog und bestritt, dass seine haarsträubenden Theorien irgendetwas mit der Forschungsarbeit der Gruppe zu tun hätten.)

Die technokratische Literatur ist heute voll von vagen Verweisen auf diese Forschungseinrichtung (ihre zufällige Verbindung zur Columbia University wird sorgfältig erwähnt, um ihr akademisches Ansehen zu steigern), zusammen mit Behauptungen, dass sie »überraschende« und völlig neue Erkenntnisse über die Wirtschaft hervorgebracht habe und dass die sozialen Theorien der Technokratie aus den dort entwickelten Grafiken und Diagrammen mit der Unvermeidbarkeit einer mathematischen Gleichung hervorgegangen seien. Hier ein Beispiel:

»In ihren Forschungen entdeckten die Wissenschaftler [gemeint sind Scott und seine Mitarbeiter] eine neue Methode der sozialen Funktionsweise … [Aus ihren Erkenntnissen] ergeben sich konkrete Hinweise auf das Ende des Preissystems auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die Beweise sind eindeutig und vollständig.«3

Es ist natürlich kein Wunder, dass alle diese Verweise in allgemeinen (aber pauschalen) Begriffen formuliert sind – dem gemeinsamen Nenner der meisten populären Propaganda der Technokratie. Vage Verweise auf Wissenschaft, Wissenschaftler, Mathematik und Forschung sind beeindruckend. Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass jemand, der eine Grafik über die Produktion von Roheisen von 1880 bis 1930 erstellen kann, damit automatisch auch qualifiziert ist, über das Schicksal der Menschheit zu sprechen.

Auf welcher tatsächlichen Forschung basierte die Technokratie?

Die Grafiken und Diagramme der Technokratie

Tatsächlich ging es um zwei Dinge:

  1. Die technische Fähigkeit Amerikas, reichlich Wohlstand zu produzieren, und die Entwicklung dieser Fähigkeit.
  2. Die Entwicklung arbeitssparender automatischer Maschinen, die menschliche Arbeitskraft ersetzen.

Dass die Erforschung dieser bekannten Trends und die Erstellung statistischer Diagramme und Zahlen dazu nützlich sind, versteht sich von selbst. Hätte Scott es dabei belassen, hätte er denselben Dienst geleistet, den ähnliche akademische Gruppen jeden Monat des Jahres erbringen. Tatsächlich stammt die umfassendste Arbeit zum ersten Punkt vom Brookings Institute, einer durch und durch prokapitalistischen Institution.

Dies ist die »neue« und »überraschende« Faktenlage, auf die sich die Technokraten stützen, wenn sie behaupten, dass »wissenschaftliche Forschung« die sozialen Theorien der Technokratie »mathematisch« beweise! Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist, als würde man mühsam eine detaillierte Tabelle mit den Kriegsopfern an den Fronten erstellen – und diese dann als »wissenschaftlichen« und schlüssigen Beweis für die Theorie anführen, dass moderne Kriege geführt werden, um die überschüssige Bevölkerung auszurotten!

Zwei weitere Anmerkungen zur Verwendung von Statistiken und Zahlen zum technologischen Fortschritt durch die Technokraten:

  1. Ihre Literatur zeigt die kindische Tendenz, so zu sprechen, als wäre erst mit Howard Scott entdeckt worden, dass Maschinen zunehmend eingesetzt werden, um menschliche Arbeitskraft zu ersetzen, und dass dies enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. Einige ihrer arglosen Leser wären zweifellos überrascht zu erfahren, dass dies seit Adam Smiths Wealth of Nations (Der Wohlstand der Nationen) aus den 1770er Jahren ein Standardthema in wirtschaftlichen Diskussionen ist.
  2. Insbesondere während der technokratischen Aufbruchsstimmung von 1932 – 33 erwiesen sich viele der von Scott angeführten spektakulären Beispiele für technologische Verdrängung als vage, ungenau und übertrieben. Da dies jedoch nicht den Kern der Sache berührt – die wirtschaftliche Tendenz selbst ist klar genug –, lohnt es sich nicht, näher darauf einzugehen.

Es wurde jedoch hinreichend nachgewiesen, dass Scott eher im Stil eines Werbetexters schrieb als in wissenschaftlicher Nüchternheit. So scheute er sich beispielsweise nicht, auf das Beispiel einer automatischen Straßenbaumaschine hinzuweisen, die mit nur zwei Arbeitern täglich acht Meilen asphaltierte Straße verlegen konnte – ohne zu erwähnen, dass für die Versorgung einer solchen Maschine etwa 35 Lastwagen ständig bereitstehen mussten und eine große Gruppe von Handarbeitern ständig mit dem Bau von Zufahrtswegen beschäftigt war. Oder er bezog sich auf Anlagen, die sich noch in der Ideenphase befanden, als ob sie bereits in Betrieb wären. Dies ist nur insofern relevant, als dass die gesamte technokratische Literatur auf der millimetergenauen Genauigkeit jedes darin enthaltenen Nebensatzes besteht.

Auf jeden Fall hat Scott eine Menge Statistiken zusammengetragen. Aber Statistiken müssen interpretiert werden – mittels Analyse, Hypothesen und Korrelation mit anderen Fakten. Hier legt Scott die Maske des Forschungsexperten ab und schlüpft in die Rolle des Quacksalbers.

Schwupps! Der Arbeiter verschwindet!

Nun, technologische Verbesserungen haben die menschliche Arbeitskraft verdrängt. Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus dieser Tatsache ziehen?

Das bekannte Ergebnis ist die Entwicklung der »technologischen Arbeitslosigkeit« – also die Entstehung einer chronisch arbeitslosen Reserve an Arbeitern aufgrund der Erfindung arbeitssparender Maschinen. Es gibt immer noch einige Leute, die den alten Mythos wiederholen, dass jede neue Maschine genauso viele Arbeitsplätze schafft, wie sie verdrängt, aber die Technokraten glauben nicht an diesen Unsinn. Sie haben ihren eigenen.

Während der Wirtschaftsanalyst die Entwicklung dieser Art von chronischer Arbeitslosigkeit feststellt, verzeichnet Scott nichts Geringeres als … die Abschaffung der menschlichen Arbeitskraft! Einer der Grundsätze der Technokratie lautet, dass Arbeit für die Gesellschaft nicht mehr notwendig ist.

»Die Technologie hat den menschlichen Arbeiter verdrängt«, verkündete Scott im Harper’s Magazine (Januar 1933). Oder ein weiteres Beispiel: In seiner Einführung in die Technokratie schreibt er über die letzten hundertfünfzig Jahre:

»Die Anzahl der Arbeitsstunden, die pro Produktionseinheit erforderlich waren, war vor hundert Jahren am höchsten und ist seitdem stetig zurückgegangen, bis sie bei allen unseren besten Praktiken fast bei Null angelangt ist4

Mit solch fantastischen Aussagen kommen unsere technokratischen Grafik‐ und Diagrammexperten zu dem Schluss, dass Arbeit für die Industrie nicht essenziell ist. Es würde nichts bringen, sie auf die Massenproduktionsindustrie aufmerksam zu machen, die sicherlich nicht zu unseren schlimmsten industriellen Praktiken gehört und in der menschliche Arbeiter keineswegs »weggefegt« und nicht essenziell sind! Man könnte vermuten, dass ihr Blick so fest auf den technologischen Horizont gerichtet ist, dass sie die heutige Realität nicht sehen können; dennoch schrieb Scott »hat verdrängt« und nicht »wird verdrängen«.

Sicherlich wird der Tag kommen, an dem der Bedarf an menschlicher Arbeitskraft gegen Null geht, aber derzeit ist dies nur in den Robotergeschichten von Science‐​Fiction‐​Magazinen und in den übertriebenen statistischen Angaben technokratischer Übertreibungen Realität. Wie wir sehen werden, ist es charakteristisch, dass in der technokratischen Literatur aus praktischen Gründen davon ausgegangen wird, dass dieser gesegnete Zustand bereits existiert.

Mit der Konsequenz von Wahnsinn ziehen die Technokraten die Konsequenzen aus dieser »Entdeckung«. Arbeit ist für Industrie und Gesellschaft nicht mehr notwendig? Sie ist heute eine vernachlässigbare Größe, spielt keine gesellschaftliche Rolle und kann beim Verständnis der heutigen Welt völlig ignoriert werden, was in der technokratischen Literatur auch tatsächlich geschieht. Die Arbeiterbewegung ist lediglich ein Anachronismus, der in wenigen Jahren durch die Forschungslabors vollständig ausgelöscht5 werden wird, sodass man ihr gegenüber dieselbe Haltung einnehmen kann wie gegenüber dem australischen Schnabeltier.

(Beachten Sie, dass es keiner Grafiken bedarf, um zu beweisen, dass das, was in der heutigen Industrie, insbesondere in technologischer Hinsicht, wirklich nicht wesentlich ist, der kapitalistische abwesende Eigentümer ist, aber die Technokraten erwähnen dies nie; sie lenken die Aufmerksamkeit auf den »nicht wesentlichen« Arbeiter!)

Von automatischen Maschinen zum automatischen Zusammenbruch

Im Jahr 1933 war Stuart Chase – der auf dem Gebiet der Soziologie noch mehr Erlösers nachjagte als Madame Besant auf dem Gebiet der Religion – in technokratischer Stimmung; in seiner sehr sympathischen Brosche über Technokratie führte er Scotts These weiter:

»Der automatisierte Prozess verdrängt kontinuierlich den manuellen Arbeiter. Er sichert sich einen Arbeitsplatz, wenn er Glück hat, in einem der ›Dienstleistungsberufe‹, in der Regel einem Angestelltenberuf. Er verlässt das klassische Proletariat oder wird aus ihm hinausgeworfen. Was wird aus der Theorie des Klassenkampfes? Wo sind die arbeitenden Massen, wenn es keine Arbeiter in den Fabriken mehr gibt? Fotozellen können die Farbe Rot leicht erkennen, aber sie sind schwer zu organisieren. Dienstleistungsarbeiter sind noch schwieriger. Es ist bezeichnend, dass die offizielle Arbeiterbewegung in den neuen Massenproduktionsindustrien keine Fortschritte gemacht hat, und in der nächsten Phase, der automatisierten Industrie, wird es niemanden mehr geben, den man organisieren könnte. Wenn diese Entwicklung einen bestimmten Punkt erreicht, den wir vielleicht noch nicht erreicht haben [Chase ist sich tatsächlich nicht sicher, ob es noch Arbeiter gibt, die organisiert werden können! – P.T.], muss die gesamte Marxsche These grundlegend überarbeitet werden. Marx schrieb in einer Zeit, in der die Energiemengen noch weitaus geringer waren. Man vermutet, dass er der Erste wäre, der die veränderte Situation heute erkennen würde.«6

Der arme Karl Marx, wie heimtückisch ihm geschmeichelt wurde! Aber leider für die »bedeutende« Tatsache, auf die Chase 1933 hinwies, wurde die Massenproduktion nicht nur organisiert, sondern ging, wie die Marxisten erwartet hatten, an die Spitze der Arbeiterbewegung. Und der Klassenkampf, dessen Ende unser Technokrat in Anlehnung an Scharen ähnlich unglücklicher Vorläufer verkündet hatte, brach mit beispielloser Intensität in den Sitzstreiks aus. So musste Karl Marx sich in seinem Grab nicht um 180 Grad drehen.

Aber dennoch – wird die Industrie angesichts der fortlaufenden technischen Entwicklung nicht früher oder später tatsächlich das von Chase beschriebene »automatische« Stadium erreichen, mit den damit verbundenen sozialen Folgen?

Sicherlich, aber nicht bevor das derzeitige Wirtschaftssystem abgeschafft wird. Denn das kapitalistische System, das nichts anderes tut, als Profit zu erzielen, hält es heutzutage für unrentabel, neue Geräte einzuführen, die zu einem reichlicheren Fluss gesellschaftlich nützlichen Reichtums führen würden. Als eine auf Knappheit basierende Wirtschaft neigt es dazu, technologische Verbesserungen zu unterdrücken, die nur dazu führen würden, dass noch mehr Güter auf einem Markt angeboten werden, der nicht über die Kaufkraft verfügt, um diese aufzunehmen. Die Technokraten selbst beziehen sich auf dieses Phänomen7, ohne jedoch auch nur den geringsten Hinweis auf seine wirtschaftliche Bedeutung zu geben.

Denn die Technokraten argumentieren nicht, dass das gegenwärtige System abgeschafft werden muss, um die weitere Entwicklung der Technologie zu ermöglichen. Sie stellen diese These auf den Kopf. Ihr Grundgedanke ist, dass gerade die unaufhaltsame und automatisch fortschreitende Entwicklung der Technologie die Kraft ist, die von selbst das gegenwärtige System stürzen wird.

Chase fasst diese Prognose prägnant zusammen:

»Die technischen Künste lassen sich nicht aufhalten. Auf ihrem Vormarsch sprengen sie die Arbeitslosigkeit, den Geldwert und die bestehenden Interessen. Das Preissystem kann einer unbegrenzten Reihe solcher Sprengungen nicht standhalten, ohne zusammenzubrechen.«8

Dies ist eine getreue Wiedergabe von Scotts Ansichten: Technologische Verbesserungen werden von selbst zum automatischen Zusammenbruch des gegenwärtigen Systems führen, das unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen wird. Die Technokraten sehen ihre Aufgabe lediglich darin, sich zurückzulehnen und abzuwarten, bis dies geschieht.

Die Unausweichlichkeit der Physik

Dieser ungezügelte mechanistische Fatalismus der Technokraten entspringt einer grundlegenden Eigenschaft ihrer Theorien, ohne die ihre Fantasien nicht zu verstehen sind und die ihr Denken in jeder Hinsicht durchdringt. Es ist die Annahme, dass die Gesellschaft mit all ihren spezifischen Problemen denselben Gesetzen gehorcht wie ein Automotor – und keinen anderen.

An dieser Stelle wird der unvorbereitete Leser diese Aussage nicht mit der vollständigen Buchstäblichkeit interpretieren, die die Technokraten damit beabsichtigen. Es handelt sich nicht um eine Metapher oder Analogie, die sie verwenden, oder lediglich um den Versuch eines aufschlussreichen Vergleichs.

»Alle sozialen Aktivitäten müssen den Gesetzen der Physik gehorchen«, erklärte Scott kategorisch und ohne Einschränkung. Damit meint er nicht mehr und nicht weniger, dass man, um zu verstehen, was in der Gesellschaft vor sich geht, lediglich die Inhalte eines guten Physiklehrbuchs für Hochschulen kennen muss. (Es ist natürlich ein Zufall, dass diese Inhalte seine eigenen Qualifikationen als Sozialwissenschaftler erschöpfen.) Die Broschüre Technocracy in Plain Terms (S. 7) wiederholt diesen Leitsatz; aber um weitere Zitate zu ersparen, genügt ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis des sehr offiziellen und maßgeblichen Technocracy Study Course, einem mehrere hundert Seiten starken Buch.

Die ersten 120 Seiten dieses vollständigen Studienkurses widmen sich ausschließlich Themen wie Molekülen, Atomen, potenzieller und kinetischer Energie, den Gesetzen der Thermodynamik, dem Wirkungsgrad von Motoren, Kalorien, Sonnenstrahlung, dem biologischen Gleichgewicht von Pflanzen und Tieren, der frühen Entdeckung von Metallen, der Herstellung von Roheisen, den drei Newtonschen Bewegungsgesetzen, der Beschaffenheit von Ferrolegierungen und vielem mehr.

Für Scott ist diese halbherzige Zusammenfassung der Physik auch der gesamte Inhalt der Sozialwissenschaften. Der einzige soziale Motivfaktor ist die technologische Erfindung. Sonst gibt es nichts. Alle Wirtschaftswissenschaften und Soziologie, Wirtschaftsanalysen und sozialen Ideen sind ansonsten bedeutungslos und eine Verschwendung der Zeit eines Wissenschaftlers.

La Mettrie war der Autor des im 18. Jahrhundert erschienenen Werks Maschine Mensch, in dem er die mechanisch‐​materialistische Vorstellung vertrat, dass der Mensch nichts anderes als eine selbstangetriebene Maschine sei, die allein nach den Gesetzen der Physik und Chemie funktioniere, wobei er den qualitativen Unterschied zwischen einem lebenden Organismus und toter Materie außer Acht ließ. La Mettrie hatte zumindest die historische Entschuldigung, dass er in den Anfängen der modernen Wissenschaft schrieb. Scott erweitert die groben Vorstellungen dieses frühen Philosophen, sodass sie sogar auf den wiederum qualitativ anderen sozialen Organismus zutreffen – und präsentiert dieses ausrangierte Relikt der Philosophie als »ultramoderne« Entdeckung. Wie üblich hindert dies die Technokraten, die jede Theorie als solche mit Verachtung ablehnen, nicht daran, ihren Platz mit den primitivsten Theorien aller zu füllen. Sie rühmen sich, die Wissenschaft auf die Soziologie »angewendet« zu haben. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Sie ersetzen die Soziologie durch die Physik, anstatt die wissenschaftliche Methode anzuwenden, um zu einer echten Wissenschaft der Gesellschaft zu gelangen.

Die Segnungen der Unwissenheit

Ich habe gesagt, dass diese mechanistische Theorie die Grundlage all ihrer Ansichten ist, worauf wir noch näher eingehen werden, wenn wir uns mit ihren Aussagen befassen. An dieser Stelle seien jedoch zwei Beispiele angeführt.

Das eine ist Scotts Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft in den letzten sechs‐ oder siebentausend Jahren, in denen der Mensch die sozialen Stadien der primitiven Kommune, des Leibeigenschaftssystems vom alten Ägypten bis Rom, des Feudalismus des Mittelalters und des frühen und modernen Kapitalismus durchlaufen hat.

Für Scott ist diese Geschichte der Gesellschaft sehr einfach. Sechs‐ oder siebentausend Jahre lang geschah nichts von sozialer Bedeutung; dann, in der Mitte des 18. Jahrhunderts, wurde die Dampfmaschine erfunden, woraufhin der soziale Wandel begann. Das ist alles.

»Da alle menschlichen Aktivitäten quantitativ durch den Energieverbrauch bestimmt werden, können wir mit Fug und Recht behaupten, dass die gesamte Geschichte, abgesehen von der jüngsten Vergangenheit, keine nennenswerten sozialen Veränderungen im hier definierten Sinne erfahren hat […].

Er [der Technokrat] bezeichnet den Zeitraum vom Beginn der Geschichte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts als sechstausend statische Jahre9

Der Untertitel »Der erste soziale Wandel in der Geschichte« auf Seite 2 dieser Broschüre bezieht sich ebenfalls auf die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Warum kam es »plötzlich« dazu, dass Mitte des 18. Jahrhunderts die Dampfmaschine erfunden wurde und die maschinelle Produktion dominierend wurde? Warum führte die Entdeckung des Prinzips der Dampfmaschine durch Hero im antiken Griechenland nicht schon damals zu einer Maschinenwirtschaft? Und so weiter.

Für Scott existieren diese Fragen nicht. Es ist einfach passiert, das ist alles. Außerdem lässt sich eine Antwort nicht aus einer statistischen Tabelle zur Roheisenproduktion ableiten oder aus dem ersten oder zweiten Hauptsatz der Thermodynamik herleiten. Warum Geschichte geschieht und warum sich Gesellschaften verändern, bleibt daher ein unlösbares Rätsel, da der Technokrat es grundsätzlich ablehnt, in Betracht zu ziehen, dass die Wiederentdeckung des Prinzips der Dampfmaschine nur aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen, die zu diesem Zeitpunkt bereits stattgefunden hatten und einen neuen Kontext dafür schufen, die sozialen Auswirkungen hatte, die sie hatte. Man kann kaum erwarten, dass sie verstehen, warum die Geschichte von heute geschieht.

Der Faschismus zum Beispiel. Es gibt mehr als eine Erklärung für den Aufstieg des Faschismus, aber keine wie die von Howard Scott:

»Der Unterschied zwischen Faschismus und der amerikanischen Lebensweise ist nicht nur ein ideologischer Unterschied: Es handelt sich um einen grundlegenden Unterschied in der Art und Weise, wie die Gesellschaft funktioniert. In allen faschistischen Ländern, einschließlich Deutschland, wird materieller Reichtum hauptsächlich durch menschliche Arbeit und Handwerkzeuge erzeugt, während in Amerika materieller Reichtum hauptsächlich durch technologische Prozesse unter Verwendung externer Energie erzeugt wird.«10

Dies – »menschliche Arbeit und Handwerkzeuge« – wird als der vorherrschende Inhalt der am höchsten entwickelten Industriegesellschaft außerhalb der Vereinigten Staaten angegeben! Man könnte Scott einfach als Ignoranten bezeichnen, wäre da nicht die Tatsache, dass Technokraten dazu erzogen werden, diesen Scharlatan als den brillantesten Kopf aller Zeiten anzusehen. So weit gehen Technokraten in ihrem Bestreben, soziale Phänomene ausschließlich anhand technologischer Aspekte zu interpretieren.

Wie Scott die Ökonomie abschafft

Wenn man diese Denkweise der Technokraten einmal verstanden hat, erscheint ihre Reaktion auf die grundlegenden Probleme der Wirtschaft weniger fantastisch, wenn nicht sogar weniger dumm.

Denn kurz gesagt besteht der technokratische Ansatz in der Ökonomie darin, dass es so etwas gar nicht gibt. Es stellt sich nicht die Frage, was die Technokraten der heutigen Wirtschaftstheorie entgegenzusetzen haben. Sie haben keine Gegenentwürfe. Sie glauben grundsätzlich daran, keine zu haben. Ihre gesamte Argumentation in diesem Bereich dient lediglich dazu, zu zeigen, dass Wirtschaftstheorie als solche Unsinn ist. (Denken Sie an die Gesetze der Physik.)

Die meisten, wenn nicht sogar alle ihrer Kritiker haben nicht verstanden, dass dies der Fall ist. Die Technokraten selbst vertreten diesen Standpunkt ganz klar.

Scott schreibt – wie üblich pauschal im Namen der »Wissenschaftler und Technologen« – unverblümt, dass sie »nicht verstehen«, warum Forscher, die sich mit der Natur der ökonomischen Gesellschaft befassen, »sich ständig mit den Fakten des Eigentums und den Geldwerten beschäftigen sollten«.

»Sie verstehen weder die aktuellen Darstellungen dessen, was geschehen ist [die Depression], noch die Vorschläge, was dagegen unternommen werden sollte. Denn die gesamte Bandbreite der behandelten Fakten und Ereignisse liegt völlig außerhalb des Spektrums der Fakten und Ereignisse, mit denen sie sich in ihren eigenen Darstellungen befassen.«11

Das klingt wie eine Anklage gegen die sehr reale soziale Ignoranz und den begrenzten Horizont von Technikern. Aber Scott beklagt dies nicht; er identifiziert sich mit den Unwissenden:

»Für diese Männer der nüchternen Fakten und quantitativen Messungen […] sind die aktuellen Vorschläge, die auf eine Rückkehr zu besseren Zeiten abzielen, völlig irrelevant.«

Scott demonstriert die Irrelevanz der Ökonomie, indem er sich, wie es sich gehört, mit dem Grundproblem der Ökonomie befasst: dem Konzept des Wertes einer Ware. In seiner viel gepriesenen Rolle als »Wissenschaftler und Technologe« äußert er sich dazu wie folgt:

»Der Technologe untersucht unseren sogenannten Messstandard, die Währungseinheit – den Dollar. Er stellt fest, dass diese variabel ist. Warum irgendjemand auf dieser Erde versuchen sollte, eine Variable als Maßstab zu verwenden, ist so absurd, dass er jede ernsthafte Betrachtung ihrer Verwendung in seiner Studie darüber, was getan werden sollte, verwirft.

Er befasst sich auch mit ›Preis‹ und ›Wert‹ und den ausgeklügelten Theorien von Philosophen und Ökonomen, die versucht haben, diesen Begriffen einen Anschein von Bedeutung zu verleihen. Diese Begriffe mögen, wie die Währungseinheit, für die Menschen in der Vergangenheit eine Bedeutung gehabt haben, aber für den modernen Technologen haben sie keinerlei Bedeutung. Der Messstandard ist für das Gemessene nicht relevant, und der Maßstab und die gemessenen Dinge sind, als wären sie stabil, allesamt Variablen […]. Natürlich ist es durchaus möglich, dies mit den Funktionen des Preissystems zu rationalisieren; aber auch nach dieser Rationalisierung bleibt es für den Technologen nichts weiter als Unsinn. Er weigert sich einfach, sich vorzustellen, dass dieses Element unserer technologischen Ausstattung so auf und ab schwankt. Das tut es nicht.«12

»All dies«, beklagt er sich, »stellt eine Situation dar, die der Welt des Denkens, der Theorie und des Handelns des Technologen offensichtlich fremd ist.«

Und deshalb ist sie verdammt. Alles, was außerhalb von Scotts »Bereich der Fakten und Ereignisse« oder seiner »Denkwelt« liegt, ist ein unwirklicher Schatten. Diese These ist für Scott so offensichtlich, dass er sich »einfach weigert, weiter darüber nachzudenken«. Jedenfalls sagt er nichts mehr dazu.

Ein bisschen Wissen …

Da Scott sich einfach weigert, darüber nachzudenken, kann man verstehen, warum er sich nie die Mühe gemacht hat, mehr über ökonomische Werttheorien herauszufinden. Die Gesamtsumme seines Wissens zu diesem Thema scheint eine Aussage in der Encyclopedia Britannica zu sein, dass »Wert von Ökonomen als Maß für die Stärke des Verlangens definiert wird«. (Dieselbe Weisheit wird in drei verschiedenen Broschüren wiederholt. Anscheinend hat Scott sich nicht einmal die Mühe gemacht, in einer anderen Enzyklopädie nachzuschlagen.13) Mit dieser umfassenden Übersicht über das ökonomische Denken ausgestattet, behandelt er daraufhin »Wert« und »Preis« als Synonyme, unternimmt wissenschaftlich eine Exkursion zum Lebensmittelgeschäft, wo er feststellt, dass die Preise variabel sind, und erledigt die ganze fremde Angelegenheit mit der Schlussfolgerung, dass diese ökonomische Konstellation offensichtlich nicht nach den etablierten Gesetzen der Thermodynamik, Astrophysik und des biologischen Gleichgewichts abläuft.

Scotts geschätztes Zitat aus der Britannica repräsentiert die Ansicht einer Schule kapitalistischer Ökonomen und wurde längst durch marxistische Kritik widerlegt. Die wissenschaftlich‐​sozialistische Analyse des Kapitalismus zeigt, dass der Wert, den eine Ware im Tausch gegen andere Waren hat, von der Menge an menschlicher Arbeit abhängt, die für ihre Herstellung erforderlich ist. Sie werden in entsprechenden Verhältnissen getauscht, und diese Tatsache legt die Niveaus – die Werte – fest, um die die täglichen Preise schwanken, wie die Wellenberge und Wellentäler um den Meeresspiegel. Die sehr wissenschaftlichen Technokraten mögen Variablen überhaupt nicht, vergessen aber, dass die Höhe auf dieser Erde vom »mittleren Meeresspiegel« aus gemessen wird, der eigentlich nur als mathematische Abstraktion existiert.

Scott fasst zusammen: »Weder Wert, Preis noch Geld lassen sich physikalisch messen« – das heißt, man kann keinen Maßstab an den Wert anlegen und das Ergebnis auf einem lichtempfindlichen Film festhalten – »und so hat die Wissenschaft alle drei zusammen mit den Wehklagen der Todesfee an ihren richtigen Platz verwiesen.« Mit diesem Kriterium würde eine Vielzahl wissenschaftlicher Tatsachen des Lebens zusammen mit der Todesfee verbannt werden – darunter auch Scotts unermessliche Intelligenz.

Ein Fall von durcheinandergewürfelten Ergs

Was schlagen die Technokraten als Ersatz für den Tauschwert vor? Sie schlagen »Energiekosten« vor.

Dabei handelt es sich um die Messung der gesamten Energie, die bei der Herstellung von Waren verbraucht wird, gemessen in Kalorien, elektrischen Ergs, Kilowatt und so weiter. So würden die »Energiekosten« eines Paares Schuhe von Scotts Technologen berechnet, indem sie die Mengen verschiedener Arten mechanischer und elektrischer Energie addieren, die von den Nähmaschinen, Schneidemaschinen, Wasserkraft, elektrischen Lampen, Dampflokomotiven zum Transport der Materialien und so fort verbraucht werden, die an der Schuhherstellung beteiligt sind – einschließlich ganz nebenbei der Kalorien menschlicher Energie, die von den Arbeitern im Laufe des gesamten Prozesses verbraucht werden. Diese Methode wird vorgeschlagen, weil sie physikalisch messbar und daher »wissenschaftlich« ist.

Es ist nicht notwendig, auf alle Absurditäten dieses fantastischen Vorschlags einzugehen, um eine offensichtliche Tatsache zu erkennen. Die marxistische Theorie, die den Ursprung des Wertes von Waren in der Arbeit sieht, hat zum Ziel, zu erklären, warum die kapitalistische Wirtschaft so funktioniert, wie sie funktioniert, und zu den Ergebnissen führt, zu denen sie führt. Durch das Verständnis der realen Welt, also der Welt der kapitalistischen Gesellschaft, weist sie den Weg zur Abschaffung genau der Verhältnisse, deren Analyse sie sich verschrieben hat. So vermittelt sie das Verständnis der derzeit wirkenden sozialen Kräfte, das für den Kampf der Arbeitsklasse notwendig ist, um diese sozialen Kräfte zu beherrschen.

Die Technokraten stellen ihren Vorschlag zu den »Energiekosten« nicht als Erklärung für die tatsächliche Welt dar. Sie behaupten nicht, dass er Aufschluss über die aktuellen wirtschaftlichen Geschehnisse gibt. Er ist lediglich etwas, das sein sollte. Wenn die Gesetze der Physik zum automatischen Zusammenbruch des Systems führen, sind die Technokraten bereit, voranzugehen und das System der »Energiekosten« einzuführen, das ihnen aufgrund seiner physikalischen Messbarkeit die Planung der Produktion durch die Erfassung der Ergs ermöglicht. Als Buchhaltungsinstrument ist es Teil des technokratischen Entwurfs für die Zukunft.

Die Technokraten präsentieren den Wechsel von der Preisberechnung in Geld zur Berechnung des Reichtums in »Energiekosten« als DIE grundlegende soziale Reform, die die gegenwärtigen Missstände beseitigen wird; dies ist der Kern der von ihnen vorgeschlagenen Veränderung. Jeder Mensch soll gleichermaßen »Zertifikate« erhalten, die eine bestimmte Menge an Erg, Kilowatt und so weiter repräsentieren, für die er Waren erhält, deren Herstellung diese Energiemenge verbraucht hat. Anstatt mit Dollar und Cent ausgezeichnet zu sein, würden die Waren in den technokratischen Verteilungsdepots (Geschäften) mit einer bestimmten Menge an Erg preislich gekennzeichnet sein; und anstatt Dollar im ganzen Land auszugeben, würde der Verbraucher den Kauf mit »Energiezertifikaten« tätigen.

Es ist offensichtlich, dass dieses »Energiezertifikatsystem« ein System der Rationierung ist, genau wie die Verwendung von Geld in der kapitalistischen Wirtschaft – ein System zur Rationierung von Knappheit. Sobald jedoch die Knappheit beseitigt ist, wird die Verwendung jeglicher Rationierungsinstrumente zu einer absurden Überflüssigkeit. Sobald beispielsweise Brot von der sozialistischen Industrie in ausreichender Menge produziert wird, um den Bedarf aller zu decken, wird es unnötig, seine Verteilung durch Energiezertifikate oder andere Formen von Geld zu beschränken. Mit steigendem Produktionsniveau, befreit vom Würgegriff des Kapitalismus, würde dies für immer mehr lebensnotwendige Güter gelten. Die volle Entfaltung der sozialistischen Produktion des Überflusses würde dazu führen, dass die Notwendigkeit der Verwendung von Geld entfällt. Aber was ist, wenn Fernseher, Kleinflugzeuge, Diamantringe und handgefertigte Geigen noch nicht in ausreichender Menge produziert werden, um auf diese Weise verteilt zu werden? Dann müssen Produktion und Konsum in diesem Wirtschaftsbereich weiterhin begrenzt werden.

Die Begrenzung der Produktion wird nicht nur auf der Grundlage des Energieverbrauchs festgelegt, sondern auch unter Berücksichtigung anderer Faktoren: Verfügbarkeit geeigneter Maschinen, Rohstoffe, Arbeitskräfte und anderes. Die Anpassung der Verbrauchernachfrage an die Produktion muss durch Preisregulierung erfolgen; die bewusste Inflexibilität der technokratischen »Energiemessung« wäre nur ein Hindernis für eine solche Planungsingenieurleistung. Ein handgenähtes Kleid, das von einer sitzenden Schneiderin hergestellt wurde, verbraucht möglicherweise weniger Erg und Kalorien als ein Kleiderstück aus dem Laden, das von riesigen Maschinen mit hoher Kilowattleistung hergestellt wurde, aber das würde Frauen nicht davon abhalten, das Kleid mit »hohen Energiekosten« zugunsten des Kleides mit »günstigeren Energiekosten« zu vernachlässigen. Der technokratische Begriff der »Energiekosten« hat keinen Einfluss auf das Verständnis, warum das derzeitige System so funktioniert, wie es funktioniert; und als Vorschlag für die postkapitalistische Zukunft klingt er eher wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für arbeitslose Statistiker als wie eine realistische Methode der Wirtschaftsplanung.

Das »Preissystem«

Die Armut der Ideen der Technokraten darüber, wie das System funktioniert, hindert sie jedoch nicht daran, in großspurigen Worten eines Größenwahnsinnigen von ihren Analyse‐ und Vorhersagefähigkeiten zu sprechen. Das Einzige, was an den ansonsten völlig humorlosen Schriften der Technokraten zum Lachen ist, ist ihre erstaunliche Prahlerei.

»Jede Aussage von Technocracy, Inc. ist eine Tatsachenaussage, keine Theorie. Die Vorhersagen von Technocracy werden mit fast derselben mathematischen und wissenschaftlichen Genauigkeit getroffen wie die Vorhersagen von Astronomen zur nächsten Sonnenfinsternis.«14

Konkrete Vorhersagen der Technokraten sind nicht zahlreich, aber diejenigen, die schriftlich festgehalten wurden, sind es wert, neben der oben genannten bescheidenen Behauptung gestellt zu werden. Im Jahr 1938 machte die offizielle Broschüre The Mystery of Money (Das Geheimnis des Geldes) eine ihrer todsicheren Vorhersagen:

»Wissenschaftliche Untersuchungen, die mit mathematischer Genauigkeit durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass die Toleranzgrenzen, über die hinaus das Preissystem auf dem Kontinent nicht mehr lange aufrechterhalten werden kann, um 1943 erreicht sein werden

Wir werden später noch zwei weitere Vorhersagen sehen.

Aber obwohl die Technokratie sich weigert, irgendetwas über das gegenwärtige System zu verstehen, hat sie doch einen Namen dafür – das »Preissystem«. Die Verwendung dieses Begriffs ist in zweierlei Hinsicht irreführend.

(1) Der Begriff »Preissystem« wurde oft (zum Beispiel von Veblen) als Synonym für »kapitalistisches System« verwendet. Nicht so die Technokraten.

»Der Begriff Preissystem darf nicht mit Begriffen wie Profitsystem oder kapitalistisches System verwechselt werden. Der Faktor Eigentum ändert nichts an der Funktionsweise eines Preissystems.«15

»Denken Sie daran, dass wir mit Preissystem nicht den Kapitalismus meinen. Wir meinen die gesamte Methode des Tauschs und des Tauschhandels, der Löhne und des Geldes.«16

Technokratische Autoren und Redner werden angewiesen, sich keinesfalls auf das »kapitalistische System« oder »Kapitalisten« zu beziehen. In der technokratischen Literatur wird ebenso wenig von »Profiten« gesprochen wie von einem »Profitsystem«. Dies spielt in ihrer Analyse der Gesellschaft keine Rolle.

(2) Ihre Verwendung des Begriffs »Preissystem« vermittelt den Eindruck, dass sich dieser Begriff auf ein bestimmtes Unterscheidungsmerkmal dieses Systems bezieht. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Technokraten machen bei der Verwendung des Begriffs keine Unterscheidungen.

Das heutige System ist natürlich ein Preissystem. Wie sieht es mit dem Feudalismus des Mittelalters aus? Auch das war ein Preissystem, sagt Scott. Und das alte Ägypten und das Römische Reich, die auf Leibeigenschaft und Sklaverei basierten? Alles Preissysteme. Die sozialistische oder kommunistische Gesellschaft? Preissysteme, sagt Scott.

Tatsächlich ist laut der astronomisch genauen Analyse der Technokratie alles, was in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft existiert, ein Preissystem – mit Ausnahme der Technokratie –, unabhängig davon, ob ein solches System von einer Geldwirtschaft abhängig war, auf dem Austausch von Produkten basierte, mit oder ohne Geld existierte oder sogar mit oder ohne Preise.

Es ist kein Wunder, dass die Technokratie nichts erklären kann. Denn wie könnte sie kapitalistische Phänomene – wie periodische Industriekrisen – auf der Grundlage einer Kritik an einem unveränderlichen System erklären, das vermutlich seit Anbeginn der Geschichte existiert?

Tatsächlich unterscheiden sie die Technokratie vom »Preissystem« dadurch, dass unter der Technokratie vorgeschlagen wird, Güter gleichmäßig zu verteilen, anstatt sie zu verkaufen. Dies ist der Kern der technokratischen Theorie, die einige Menschen als einen Ansatz zum Sozialismus beeindruckt hat. Diese Ansicht besagt, dass die Technokratie »ihre Punkte hat«: so etwa wie ein texanischer Ochse – hier ein Punkt und dort ein Punkt, und dazwischen eine Menge Bulle. Gibt es einen sozialistischen Punkt daran?

Zunächst einmal werden wir sehen, dass die Theorie der Technokraten nicht das Wesentliche an ihnen ist – genauso wenig wie Hitlers »nationalsozialistische« Theorie das Wesentliche an seiner Bewegung war.

Die Rolle ihrer Theorie ist dieselbe wie im Fall Hitlers. Wie die New York Post es am 31. Dezember 1932 (zustimmend) formulierte:

»Sie [die Technokratie] lässt ihnen mathematische Formeln und einen Anschein von Realismus über die maschinelle Zivilisation, in der wir leben, ohne die unangenehme Notwendigkeit, diese Zivilisation an die ungehobelte Arbeiterklasse abzugeben.«

Technokratie deutet vage auf eine Art Planwirtschaft hin, in der der Reichtum verteilt wird. Hitlers Demagogie war konkreter.

Aber auf jeden Fall zeigt schon ein genauerer Blick auf die von den Technokraten vorgeschlagene »neue Ordnung«, dass es sich dabei nicht um Sozialismus oder eine vernünftige Nachahmung davon handelt. Es ist Faschismus.

Genauso wie die Technokraten behaupten würden, nichts mit Wirtschaft zu tun zu haben, behaupten sie auch, dass der Bereich der Politik für die »Denkwelt« des Technokraten ebenso »fremd« sei. Das bedeutet nicht, dass Howard Scott und seine Freunde keine politischen Ideen hätten. Ganz im Gegenteil.

Die politische Idee, auf die die Technokraten am eindringlichsten zurückkommen, ist ein radikaler Angriff auf alle demokratischen Ideen und Methoden. Man sollte nicht glauben, dass sie daran interessiert sind, die Falschheit der kapitalistischen »Demokratie«, wie wir sie heute kennen, aufzudecken und ihre demokratischen Ansprüche zu entlarven. Ganz im Gegenteil: Ihre Kritik an der gegenwärtigen Ordnung lautet, dass sie zu demokratisch ist. Scott macht deutlich, dass für die Technokraten gilt: Je realer die Demokratie ist, desto schlechter ist sie.

Jedes »Preissystem der Regierung« beruhe auf »dem grandiosen Unsinn, dass die kollektive Multiplikation menschlicher Meinungen der göttlichen Allwissenheit bei der Lösung aller politischen Probleme am nächsten komme«, schreibt er.17

»Amerika kann seine nationale Politik nicht länger mit den veralteten Methoden politischer Entscheidungen steuern […]. Die nationalen Führer von gestern waren lediglich Spiegelbilder der öffentlichen Meinung. Wenn diese Nation noch viel länger unter der nominellen Führung der gegenwärtigen Spiegelbilder der öffentlichen Meinung weitermacht, wird Amerika am Ende dieses Weges im Sumpf der Massenhysterie landen […]. Politische Freiheit ist heute in Amerika ein totes Thema.«18

Diese und zahlreiche ähnliche Passagen sind heutzutage als Übersetzungen aus dem zeitgenössischen Deutsch hinlänglich bekannt. Als Anpassung an die Umstände stützten die Nazis ihre antidemokratische Propaganda auf ein mystisches »Führerprinzip«, während Scott seine auf »Wissenschaft« stützt. Niemand hat jemals über das Gesetz der Schwerkraft abgestimmt, argumentiert Scott wie ein frühreifer Schüler; warum sollten wir uns auf Abstimmungen verlassen, um zu entscheiden, wie wir die Gesellschaft gestalten?

Das Gesetz der Schwerkraft befasst sich mit physikalischer Materie und mit Menschen als bloßen Molekülmassen; soziale Gesetze befassen sich mit Menschen, die durch Klasseninteressen und antagonistische soziale Bedürfnisse gespalten sind. Das spielt keine Rolle; das oberste Prinzip der Technokratie lautet, dass Menschen genauso behandelt werden sollen wie Chemiker Mikroben oder Biologen Vieh behandeln. »Das Volk, mein Herr, ist ein großes Ungeheuer.« Wenn das Volk seine Forderungen gegen seine Ausbeuter lautstark äußert, ist das »Massenhysterie«; und wenn Millionen von Arbeitern einen existenzsichernden Lohn fordern, ist das lediglich eine »unwissenschaftliche Meinung«.

Große Kartoffel in kleinem Sack

Dieser technokratische »Beitrag« zum menschlichen Denken – der so alt ist wie die Pharaonen – endet nicht bei der Gesellschaft im Allgemeinen. Er gilt zwangsläufig mit voller Kraft auch für Technocracy, Inc. selbst, die natürlich ebenfalls »wissenschaftlich« geführt werden muss.

Scott ist der Chefdirektor der Technokratie. Die Satzung der Organisation definiert die Funktionen zahlreicher Beamter und Einheiten sehr detailliert, enthält jedoch keinen Hinweis auf Nr. 1, keine Definition seiner Befugnisse und keine Bestimmungen für seine Auswahl. Als Scott gefragt wurde, wie er dann zum Chef geworden sei, antwortete er: »Ich war zuerst da.«19 So steigt unser Mann zu Pferd grob von der Sprache des Wissenschaftlers auf die Sprache des Gangsters herab.

Scotts wissenschaftliche Lieblingsanalyse darüber, wie Führer entstehen, ist die über die Kartoffeln:

»Bald werden Sie alle kleinen Kartoffeln dort finden, wo sie offenbar hingehören. Die großen sind oben, wo sie hingehören. So wird es in der Technokratie sein.«20

Dieses Prinzip der Physik gilt natürlich auch heute noch, da sich die physikalischen Eigenschaften von Kartoffeln im Laufe der Zeit kaum verändert haben. Die »großen Kartoffeln«, die heute an der Spitze stehen – die kapitalistischen Bosse, ihre politischen Sprachrohre, die Peitschen schwingenden Faschisten – sind alle dank des Gesetzes der Schwerkraft dort, wo sie sind. Als Wissenschaftler hat Scott nichts zu beanstanden. Als kleiner Gangster weiß er jedoch, dass derjenige, der zuerst dort ankommt, besser auf denjenigen achten sollte, der als nächster dort ankommt. Wissenschaft ist eine wunderbare Sache.

Das neu entdeckte Kartoffelprinzip gilt nicht nur für die Gesellschaft und Scott, sondern auch für die interne Organisation moderner Unternehmen, die unsere Kartoffelphilosophen als Vorbild für die Funktionsweise einer technokratischen Gesellschaft anführen. »Keine unserer heute erfolgreich betriebenen Industrien greift bei der Auswahl von Managern und Technikern auf demokratische Methoden zurück«, argumentiert ein Technokrat in America Must Show the Way, und die Arbeiter in den genannten Industrien, die erfolgreich betrieben werden, sollen dafür applaudieren.

Der Technocracy Study Course widmet einen Abschnitt der Führung einer Technokratie und verwendet dabei die Bell Telephone Co. (bekannt für die Unterbezahlung ihrer Mitarbeiter) als Vorbild. Der wichtigste Punkt hierbei ist, dass alle Entscheidungen, insbesondere alle Auswahlverfahren, »Ernennungen von oben« sind, was als unveränderliches Prinzip der Technokratie dargestellt wird. Er fügt hinzu: »Gemessen an der Zahl der Menschen, die still und leise in solchen Organisationen [wie Bell Telephone] arbeiten, muss dies auch im Einklang mit der biologischen Natur des Menschen stehen.« (Streiks, Beschwerdeausschüsse und Arbeitsforderungen im Allgemeinen sind natürlich »unwissenschaftlich« und biologisch anomal.)

Techno‐​Autokratie

In einer Technokratie, wie sie im offiziellen Lehrbuch der Organisation beschrieben wird, würde jede industrielle und soziale Funktion von einem Direktor geleitet werden, dessen Amtszeit lebenslang ist und dessen Befugnisse unbegrenzt sind, wobei er nur dem obersten Rat aller Direktoren untersteht, der ihn ursprünglich ernannt hat. So geht es die gesamte Hierarchie hinunter. An der Spitze des obersten Rates steht der Kontinentaldirektor. Hier stieß Scotts Entwurf mit seinem starren System der Ernennung von oben auf dieselbe Schwierigkeit, mit der Theologen in Bezug auf den Ursprung Gottes konfrontiert sind. Das Ergebnis ist ein fauler Kompromiss: Der Kontinentaldirektor wird tatsächlich gewählt … allerdings nur von den Mitgliedern des obersten Rates – aber als Ausgleich für dieses prinzipienlose Zugeständnis an die Demokratie wird er dann allmächtig. Er kann jedoch mit einer Zweidrittelmehrheit des obersten Rates abgesetzt werden – vorausgesetzt, der allmächtige Kontinentaldiktator bekommt nicht zu früh Wind von dieser unwissenschaftlichen Meinung.

Das Beste, was man über diese schöne neue Welt sagen kann, die von einer sich selbst perpetuierenden Elite regiert wird, ist, dass es sich um einen weiteren Vorschlag für einen wohlwollenden Despotismus handelt. Scott würde jedoch den Begriff »wohlwollend« in dieser Beschreibung als unzutreffend ablehnen. »Technokraten«, erklärt er unnachgiebig, »sind weder von Menschenliebe erfüllt noch von ethischen Idealen beeinflusst, sondern in erster Linie auf Funktionalität bedacht.«

Technocracy in Plain Terms stellt die Frage: »Wird [die Technokratie] für alle Beteiligten zufriedenstellend sein?« und antwortet (Seiten 8 – 9):

»Diese Frage ist am schwierigsten zu beantworten, da sie die Vorlieben, Meinungen, Gewohnheiten, Emotionen, Eigenheiten und so weiter von Menschen betrifft, von denen keiner dem anderen gleicht. Aber selbst die hartgesottensten und am schwersten zu befriedigenden Menschen würden es wahrscheinlich mögen, unter einer Technokratie zu leben. Auf jeden Fall ist es durchaus möglich, dass man sie akzeptieren müsste, ob man sie nun mag oder nicht.«

Dann geht es weiter mit der wohl humorlosesten Anspielung auf den berühmten »Erdbeeren und Sahne«-Witz, die es je gab: »Die einzige Möglichkeit, all diese Dinge nicht genießen zu müssen, wäre, Selbstmord zu begehen oder das Land für immer zu verlassen.«

Und fragen Sie besser nicht: Für wen?

Verstehen Sie diese Tatsache klar und deutlich: Technokratie wird nicht befürwortet, weil sie wünschenswert sein könnte … Für die Technokratie gibt es nur einen Test: Wird sie funktionieren?

Im faschistischen Fahrwasser

Howard Scott – ehemaliger Ingenieur (ohne Ingenieursabschluss), ehemaliger Stammgast im Greenwich Village, ehemaliger Hersteller von Bohnerwachs, ehemaliger Liebhaber von Grafiken und Diagrammen – ist seit 1933 um einiges schlauer geworden.

In diesen Jahren präsentierte er sich den Zeitungsjournalisten als unerkannter Gelehrter und Genie, der von seinen akademischen Arbeiten aufblickte, um die Welt wissen zu lassen, was mit ihr los war. Technokratie, so sagte er, sei keine Bewegung, sondern lediglich eine Forschungsorganisation.

Scotts Forschungen befassten sich jedoch mit den neuesten faschistischen Techniken. 1939 führte die Organisation eine Uniform ein: kein farbiges Hemd, sondern (typisch für die Zielgruppe) einen grauen Business‐​Anzug mit standardisierten Accessoires. Technokratische Versammlungen nutzen den gigantischen Kulisseffekt, uniformierte Fahnenträger, Pomp und Rituale, die von den Nazis entwickelt wurden. Auf der Kulisse prangt das Symbol der Organisation, die Monade. Scott ist für seine Anhänger »der Chef« (amerikanische Übersetzung von »Der Führer«); Er zeigt sich in der Öffentlichkeit oder bei Interviews flankiert von uniformierten Wachen, die ihn salutieren; der Salut wird auch als Teil des Rituals bei technokratischen Versammlungen verwendet; die technokratischen Zeitschriften beziehen sich auf ihn in vergötternden Begriffen und beschreiben das »begeisterte« Publikum bei seinen Versammlungen, wo er es sich zur Gewohnheit gemacht hat, einige männliche Schimpfwörter in seine Rede einzufügen, wie es sich für einen harten Mann gehört; seine Fotos zeigen ihn, wie er sein Bestes tut, um grimmig entschlossen auszusehen.

Noch markanter als diese faschistischen Insignien ist die Tatsache, dass die technokratische Propaganda systematisch versucht, so viele tief verwurzelte amerikanische Vorurteile wie möglich anzusprechen. Die Mitgliedschaft bei Technocracy, Inc. wird laut Satzung »Ausländern und Asiaten« verweigert, und Negros werden, wenn überhaupt, nur auf der Grundlage von Jim‐​Crow‐​Gesetzen zugelassen. Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und der Kult der amerikanischen Überlegenheit sind in der Technokratie ebenso dominant wie der arische Mythos im Hitlerismus.

Es wurden fantasievolle Geschichten veröffentlicht, die die düstere Zukunft in Karikaturen als eine starre, bürokratisierte, reglementierte Gesellschaft beschreiben, in der alle wie Roboter in Zwangsjacken stecken. Es blieb Howard Scott überlassen, diese karikierte Schreckensvision als Programm zu übernehmen.

Amerika in Isolation

Technokratie ist nach Scotts Doktrin nur für Amerika und die Amerikaner gedacht. Alle anderen Völker sind dafür »ungeeignet«, da sie sich auf einem niedrigeren technologischen Niveau befinden. Der Rest der Welt kann sich zum Teufel scheren. Und tatsächlich ist der Rest der Welt zum Untergang verdammt. Aber die Technokratie soll Amerika als autarke Insel des Glücks und der Sicherheit inmitten des weltweiten Chaos abschotten.

»Wenn europäische Probleme gelöst werden, dann werden sie von Europäern gelöst«, schreibt Scott und bekundet damit sein Desinteresse an diesem Thema. Technokratie ist nicht das, was man gemeinhin als Isolationismus bezeichnet. Es ist buchstäblicher Isolationismus, der bis zu jeder extremen Ausprägung dieses Begriffs durchgezogen wird.

Scotts Abgrenzung erfolgt jedoch mit großzügiger Hand. Er hat die unvermeidliche Karte, die die Grenzen des »amerikanischen Technate« zeigt. Es handelt sich um den nordamerikanischen Kontinent – aber die Grenzen sind weit genug nach Westen gezogen, um den größten Teil des Pazifischen Ozeans einzuschließen, und weit genug nach Süden, um ganz Mittelamerika und einen nördlichen Teil Südamerikas als Teil des technokratischen Imperiums mit einzubeziehen.

Dies geschieht nicht, weil die dunkelhäutigen Völker, die so einbezogen werden, im Gegensatz zu den rückständigen Europäern als »geeignet« angesehen werden. Im Gegenteil, aus irgendeinem obskuren Grund reserviert Scott gerade für die Südamerikaner die bittersten Schmähungen.

»Die südamerikanischen Nationen sind in Bezug auf Sprache, Kultur und Rasse grundlegend faschistisch in ihrem Sozialprogramm«, schreibt dieser Quacksalber »Wissenschaftler« in seinem nationalen Magazin (Technocracy, Nr. A‑19 und A‑20) und greift erneut auf eine Verurteilung der Roosevelt‐​Politik des »Good Neighbor« (gute Nachbarschaft) zurück. Dieser soziale, wirtschaftliche und politische Ignorant stellt diese Politik so dar, als wäre sie nichts anderes als ein naiver, idealistischer Versuch, Südamerika mit Sanftmut und Licht zu überziehen, indem man Uncle Sam das Hemd vom Leib reißt, um die armen Eingeborenen selbstlos zu erheben – und auf dieser Grundlage verurteilt er sie. Die Südamerikaner »respektieren uns nicht«, beklagt er sich, weil wir zu nachsichtig mit ihnen sind. »Die einzige Maßnahme des Kontinents, die sie respektieren werden, ist die Gewalt – eine Gewalt, die stark genug ist, um völlig rücksichtslos zu sein, und die in ihrer Schnelligkeit so wirksam ist, dass sie keinen Widerstand duldet.« Sprich laut und trage einen großen Stock mit Knöpfen daran.

»Die europäische Kultur und Traditionen haben Amerika nichts von Wert zu bieten«, schreibt er in seiner Einleitung in die Technokratie in der typischen chauvinistischen Art eines rückständigen, lautstarken Fahnenschwingers – aber wir müssen von dieser Verurteilung die zeitgenössischen »Traditionen« der Nazis ausnehmen, von denen Scott sein ABC des »Social Engineering« gelernt hat.

Diese chauvinistische Tirade ist schon reaktionär genug, wenn sie sich gegen die Welt jenseits der Grenzen richtet, aber sie wird doppelt bösartig, wenn sie innerhalb der Vereinigten Staaten angewendet wird.

Scott möchte, dass alle »fremden kulturellen Einflüsse« in diesem Land »ausgelöscht« werden. Ein Wissenschaftler (kein technokratischer Medizinmann) würde darauf hinweisen, dass gerade dieses schöne Land nichts anderes ist als ein mehr oder weniger integriertes Mosaik »fremder kultureller Einflüsse«. Aber Scott bezieht seine »Wissenschaft« von Alfred Rosenberg und Houston Stewart Chamberlain und kommt dabei zu dem gleichen »wissenschaftlichen« Programm wie die Silver Shirts und die Knights of the White Camellia.

Das aktuelle Programm der Technokraten verlangt, dass die Regierung »als Maßnahme zur nationalen Sicherheit und zum nationalen Wohlstand alle fremdsprachigen Zeitschriften, fremdsprachige Werbung und fremdsprachige Radioprogramme für den amerikanischen Konsum abschafft«, zusammen mit »allen fremdsprachigen und amerikanischen Organisationen mit gemischter Herkunft, Vereinen und Bruderschaften, unabhängig davon, ob sie zur Förderung politischer, kommerzieller, kultureller, bildungspolitischer, sprachlicher, künstlerischer oder anderer Beziehungen gegründet wurden«.

Technokraten und der Krieg

Eine Skizze der politischen Ideen der Technokratie muss in zwei Teile gegliedert werden – vor und nach Pearl Harbor. Am 8. Dezember 1941 vollzogen die Technokraten einen ebenso abrupten Kurswechsel wie die Kommunistische Partei nach dem Stalin‐​Hitler‐​Pakt oder dem deutschen Einmarsch in Russland, allerdings mit noch weniger Begründung. Sie beriefen sich nicht einmal auf ein physikalisches Gesetz, um die Anzahl der Bogengrade ihres Salto zu erklären.

Vor Pearl Harbor war die Technokratie natürlich völlig isolationistisch und hatte eine stark pro‐​deutsche Ausrichtung. Eine Broschüre von Scott, die kurz nach Ausbruch des Krieges 1939 veröffentlicht wurde, spielte die bekannte Lügenmelodie:

»Technocracy möchte darauf hinweisen, dass, unabhängig davon, wie wir Herrn Hitler und das Nazi‐​Regime in Deutschland beurteilen, sie die Verkörperung des Willens des deutschen Volkes sind.«21

Scott sagt dasselbe über Stalin (damals Hitlers Partner) und auch über Mussolini und lobt die gesteigerte Effizienz, die ihre Regime mit sich brachten (was für Scott das höchste Lob ist).

In derselben Broschüre macht Scott eine seiner Vorhersagen – die, wie sich der Leser vielleicht aus Teil I dieses Artikels erinnert, »alle mit fast derselben mathematischen und wissenschaftlichen Genauigkeit getroffen werden wie die Vorhersagen von Astronomen über die nächste Sonnenfinsternis«. Diese Vorhersage lautet, dass Hitlers Sieg unvermeidlich ist:

»Der Imperialismus eines weitläufigen Handelsimperiums wird unter dem technologischen Fortschritt einer zusammenhängenden kontinentalen Ordnung untergehen. […] Die Zeichen stehen an der Wand.«22

Nach Pearl Harbor wurde der entscheidende Unterschied zwischen dem deutschen Faschismus und der amerikanischen Demokratie dadurch deutlich, dass die deutsche Produktion »hauptsächlich durch menschliche Arbeitskraft und Handwerkzeuge« erfolgte, während vor Pearl Harbor tatsächlich der »technologische Fortschritt« von Hitlers Neuer Ordnung die Niederlage der dekadenten Demokratie sicher machte! Technokratische Wissenschaft ist flexibel.

Damals waren Scott und seine Technokraten also genauso »kriegsfeindlich« wie der Nazi‐​Bund. Die demagogischen Phrasen sprudelten nur so aus seiner Feder:

»Die Idiotie der Propaganda, dass Amerika Hitler in Deutschland stoppen muss […]. Die Amerikaner, die sich verschwören, um Krieg außerhalb dieses Kontinents zu führen, machen sich des Verrats am Kontinent schuldig […]. Die Sinnlosigkeit der Intervention […], England erwartet von jedem Amerikaner, dass er seine Pflicht tut und für das liebe alte Großbritannien stirbt […].«

Der Inhalt dieser falschen Antikriegsagitation lässt sich aus dem folgenden Abschnitt ersehen, den Scott als »Technocracy’s Declaration« (Erklärung der Technokratie) vorstellt:

»Technocracy, Inc. ist für Asiaten in Asien, Europäer in Europa und für Amerikaner in Amerika. Technocracy, Inc. lehnt es ab, dass Amerikaner an Kriegen jeglicher Art außerhalb dieses Kontinents teilnehmen […].

Technocracy hat keine Einwände dagegen, dass Europäer Europäer töten. Technocracy hat keine Einwände dagegen, dass Asiaten ihre asiatischen Mitmenschen eliminieren. Technocracy ist jedoch dagegen, dass Asiaten und Europäer Nordamerikaner aus irgendeinem Grund töten. Wenn Menschen anderer Kontinente Bürger dieser Kontinente im Krieg töten, ist das ihre Sache […].

Alle Menschen sterben, und der Tod ist das Ende des Lebens […]. Technocracy lehnt die hohen Kosten und Unannehmlichkeiten ab, die entstehen, wenn Amerikaner en masse in einem fremden Land sterben. Technocracy vertritt die Auffassung, dass Amerikaner zu Hause sterben sollten. Das ist billiger, und es ist vorzuziehen, dass die Toten Amerikas nur in Amerika ruhen. Sie würden niemals unter der Erde eines fremden Landes ruhen.«23

Genug. Dieser Vordenker der Technokratie, Hohepriester der Wissenschaft, Großlama der Technologie und Autor mehrerer Pamphlete, in denen er behauptete, dass die Wurzel allen politischen Übels die Demokratie sei, verkündete nach dem 8. Dezember, dass der »American Way of Life« auf dem Spiel stehe und die »Freiheit« bewahrt werden müsse. Alles wurde geschluckt, von Lend‐​Lease bis zu den Vier Freiheiten, und die technokratischen Zeitschriften hörten auf, Charles A. Lindbergh zu zitieren. Scott stellte die »gesamte Forschungsorganisation der Technokratie« (die es gar nicht gab) der Regierung zur Verfügung und ließ auch wissen, dass er bereit sei, die Last als »Generaldirektor für Verteidigung« des Landes zu übernehmen.

Im März 1942 erschien dann in mehr als dreißig Zeitungen eine landesweite Anzeigenschaltung, mit der die Kampagne für die »totale Beschlagnahmung von Menschen, Maschinen, Material und Geld« gestartet wurde, die zum Vorwand der Technokraten wurde und bis heute geblieben ist.

»Totale Wehrpflicht«

Dieser Slogan wurde von den Technokraten als perfekt für ihre Bedürfnisse geeignet aufgegriffen. Der bloße Slogan der totalen Wehrpflicht ist ein Sammelbegriff, in den ganz unterschiedliche Inhalte gepackt werden können. Er kann den demokratischen Inhalt einer echten Gleichheit der Opfer durch die Enteignung des Vermögens der Kapitalisten zur Tragung der Kriegslast haben; oder er kann die totalitäre Bedeutung einer vollständigen Reglementierung der Gesellschaft und vor allem der Arbeit haben.

Welche dieser beiden Bedeutungen für die Technokratie zutrifft, sollte aus dem Vorstehenden klar hervorgehen. Aber die breite Akzeptanz des Slogans drückte ein tiefes Verlangen des Volkes aus, mit dem die Technokraten zu spielen versuchen.

Der Vorschlag der Technokraten umfasst drei Punkte:

  1. Einberufung aller Männer und Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren, wobei alle Arbeiter einem militärisch organisierten »technologischen Kommando« unterstellt werden, das mit der Armee und der Marine koordiniert wird.
  2. »Nationale Leitung« aller industriellen und kommerziellen Einrichtungen.
  3. Aussetzung aller Unternehmens‐ und »normalen« Geschäftstätigkeiten, einschließlich der Aussetzung von Dividenden, Gewinnen, Steuern und so weiter.

Punkt 1 ist klar genug. Er hat Biss. Was bedeutet die von der Technokratie angepriesene »Einberufung von Unternehmen und Vermögen« laut ihrer eigenen Erklärung in ihrer Broschüre Total Conscription – Your Questions Answered (Totale Einberufung – Ihre Fragen beantwortet)?

Zunächst einmal wird eine Verbeugung in Richtung »freie Marktwirtschaft« gemacht! Dies ist nur ein weiterer Hinweis des zynischen Herrn Scott darauf, dass sie ein neues Kapitel aufgeschlagen haben. Es ist nicht die einzige Ähnlichkeit, die wir mit der National Association of Manufacturers feststellen können. »Freie Marktwirtschaft«, schreiben sie, sei »von höchstem Patriotismus motiviert« – das mag zwar stimmen, aber das Problem dabei ist, dass dies einfach nicht der effektivste Weg ist, um den Krieg zu führen. Eine Wehrpflicht ist notwendig.

Und was ist diese »Wehrpflicht der Industrie«, die sie vorschlagen? Ist es die Verstaatlichung der Kriegsindustrie?

Keineswegs. Der Begriff »Wehrpflicht« taucht in sloganartigen Aussagen auf, wird aber lediglich als »Einfrieren« der Unternehmensanlagen für die Dauer des Krieges und deren »nationale Leitung« während dieser Zeit erklärt. Die privaten Kapitalisten behalten das Eigentum. Sechs Monate nach Kriegsende kehrt das gesamte »rekrutierte« Vermögen in den Vorkriegszustand zurück. Das Geldvermögen von niemandem – beispielsweise in Form von Bankeinlagen – darf von der Regierung angetastet oder verwendet werden; auch es wird »eingefroren«, nicht übernommen.

Die Regierung übernimmt dann nur die »Kontrolle« über die Industrieanlagen – die Fabriken, Werften, Bergwerke usw. Wer wird sie leiten? Die Technokraten antworten: Sie werden weiterhin »nicht unter einem politischen Bürokraten, sondern unter den Betriebsleitern der Industrie selbst« geführt werden.

Die »rekrutierten« Industrien bleiben also weiterhin im Besitz ihrer kapitalistischen Herren und werden auch weiterhin von ihnen betrieben und geleitet – unter der Aufsicht eines Regierungskoordinators. Was die Technokraten vorschlagen, ist, selbst wenn wir ihnen Glauben schenken, dieselbe Scheinverstaatlichung, die die Regierung für die durch Streiks geschlossenen Bergwerke und Fabriken angekündigt hat. Es handelt sich um dasselbe System, das die Wilson‐​Regierung im Ersten Weltkrieg in der Eisenbahnindustrie eingeführt hat. Dies war nichts anderes als ein Versuch, das kapitalistische System vor den schlimmsten Auswirkungen seiner Anarchie und Planlosigkeit zu bewahren und es durch seine Kriegskrise zu begleiten, um sein Fortbestehen nach dem »Notfall« zu sichern, mit dem Nebeneffekt, dass den privaten Ausbeutern eine stark gestärkte und verbesserte Eisenbahnindustrie zurückgegeben wurde.

Wäre es unter dem Vorschlag der Technokratie »anders«? Wohl kaum, da ein Teil des Vorschlags der Technokratie darin besteht, dass all dies von der derzeitigen »Dollar‐​pro‐​Jahr‐​Regierung« unter Franklin D. Roosevelt, dem »Oberbefehlshaber« (Seite 6), umgesetzt werden soll. Diese Forderung ist Teil des Plans, schreiben die Technokraten, die Unmengen von Worten in Verachtung und Schmähungen gegen das Roosevelt‐​Regime verschwendet haben, um »die nationale Einheit und Stabilität zu bewahren«.

Glaubt Howard Scott wirklich, dass die Washingtoner Vertretung der Großunternehmen, einschließlich ihres Handlangers, des Kongresses, durch Druck oder auf andere Weise »Unternehmen und Vermögen einziehen« wird, um die Bereicherung der Klasse zu beseitigen, in deren Interesse dieser Krieg geführt wird? Weit gefehlt. Scott ist durch seinen Meinungsumschwung nach Pearl Harbor nicht so weich geworden. Die Demagogie des gesamten Plans und seines Slogans wird dadurch nur noch unterstrichen.

Drohende Worte

Das technokratische Programm ist vehement genug in seinen Beteuerungen, dass es nicht die Abschaffung des kapitalistischen Profitsystems oder die Enteignung der Produktionsmittel und des Reichtums der Kapitalisten vorschlägt. Es ist vehement genug in seiner Ablehnung jeglicher demokratischer Kontrolle der arbeitenden Massen über die Ressourcen der Nation. Vehement genug, um seinen Geldgebern und Wohltätern klar zu machen, dass ihre drohenden Worte nichts zu befürchten haben.

Was die andere Hälfte des Programms betrifft – die, die die Arbeiterschaft betrifft –, wird die Plattform der Technokraten konkreter und realistischer. Das ist ganz nach ihrem Geschmack.

Es gibt kein Zögern und Zaudern in Bezug darauf, was die Arbeiterschaft aufgeben muss. »Die Amerikaner müssen während der Dauer des Krieges unvermeidlich bestimmte Freiheiten aufgeben«, lesen wir in dem Programm, und diese prinzipiellen Gegner demokratischer Prozesse und der Freiheit des Volkes fügen mit einem Augenzwinkern hinzu: »damit wir unsere größeren Freiheiten in Zukunft behalten können«.

Alle Arten der »freiwilligen Teilnahme« müssen durch »obligatorischen Nationaldienst« (Seite 5) ersetzt werden, und »die Technokratie behauptet, dass dieser Nationaldienst zur dauerhaften nationalen Pflicht aller Amerikaner werden muss« (Seite 13) – außer natürlich für die »Einberufung von Unternehmen und Vermögen«, die nicht dauerhaft, sondern ausdrücklich nur für die Dauer des Krieges gilt.

Auch über die Freiheiten, die aufgegeben werden müssen, äußern sich die Technokraten nicht allzu vage. Konkret genannt wird »ihr Recht auf Tarifverhandlungen«, das »das amerikanische Volk für die Dauer [sic] freiwillig aufgeben muss« (Seite 12). Gleichzeitig wird auch die Zahlung aller Beiträge an Gewerkschaften ausdrücklich zur Aussetzung aufgeführt (Seite 8).

Dies ist also der sehr bescheidene Vorschlag von Technocracy, Inc. – dass die organisierte Gewerkschaftsbewegung abgeschafft wird … »für die Dauer«, als ob die Gewerkschaften nach ihrem Verschwinden von der Bildfläche automatisch wieder in den Status vor der totalen Beschlagnahmung zurückkehren könnten, so wie die Eisenbahnen nach dem Ersten Weltkrieg wieder zu privaten Unternehmen wurden!

Im gesamten Programm werden die beiden Übel »Kriegsgewinne und Kriegslohn« im besten Stil der arbeiterfeindlichen Demagogen in einen Topf geworfen, wobei die Arbeiter mit den Kriegsgewinnlern gleichgesetzt werden. Natürlich wird in diesem Zusammenhang nichts über den miserablen illusorischen Charakter dieser »Kriegslöhne« angesichts steigender Preise, Schwarzmarkt, Steuern, Pflichtabgaben usw. gesagt. Während (an anderer Stelle) von einer »Preisinflation« die Rede ist, findet das technokratische Programm nur freundliche Worte für die OPA und die »tapferen Bemühungen« (Seite 11) ihrer unternehmerischen Kontrolle.

Die Belohnung – 50 Dollar pro Monat

Die Lösung? »Eine nationale Lohnskala.« Und wie sieht diese Skala aus? Alle Löhne dürfen nicht höher sein als die der Armee und der Marine.

»Die allgemeine Wehrpflicht sieht vor, dass alle Bürger auf derselben Grundlage oder nach derselben Lohnskala wie die Streitkräfte dienen […]. Die gleiche Lohnskala, die für die Streitkräfte gilt, gilt auch für Zivilisten […]. Die Technokratie vertritt den Standpunkt, dass das, was für die Streitkräfte gut genug ist, auch für den Rest von uns gut genug ist!«24

Sind 50 Dollar im Monat gut genug für die Soldaten? Das wird nicht in Frage gestellt. Die Idee ist, die Lohnstandards auf das von der Militärmaschinerie zugelassene Almosen herunterzuziehen – und dann die (nicht existierenden) Gewerkschaften sie wieder anheben zu lassen, wenn die heimkehrenden Soldaten wieder ihre Overalls anziehen!

Und so locken uns diese Grafik‐ und Diagrammexperten, die so viel Aufhebens darum gemacht haben, die sozialistische Behauptung erneut zu beweisen, dass dieses Land reich genug ist, um allen reichlich zu versorgen, die uns früher ein technokratisches Paradies mit einer gleichen Vergütung von 5.000 Dollar pro Jahr und mehr versprochen haben, jetzt mit »obligatorischem Nationaldienst« und 50 Dollar pro Monat, begleitet von dem bekannten Rickenbacker‐​Geschwätz über die Schützengräben!

Das ist also das technokratische Programm der »totalitären Wehrpflicht«:

  • Eine vorgetäuschte »Wehrpflicht des Reichtums« durch dieselben politischen Betrüger, die heute damit beschäftigt sind, einen Teil der Bevölkerung einen Teil der Zeit zu täuschen;
  • Das derzeitige Ausbeutungssystem soll im Interesse der »nationalen Einheit« aufrechterhalten werden;
  • Die Zerstörung der Gewerkschaftsbewegung;
  • Die Senkung der Lohnstandards auf das »nationale Lohnniveau«, das derzeit für die Armee und die Marine gilt.

Die politische Perspektive der Technokratie

Ein attraktives Bild, nicht wahr? So attraktiv wie die von Howard Scott beschriebene technokratische Gefängniswelt, zu der es einen nicht allzu subtilen Ansatz gibt. Die beiden Bilder haben noch etwas anderes gemeinsam. Beide drücken in ihrer reaktionärsten Form den verzweifelten Schrei nach Sicherheit der kleinen Mittelschicht aus, die sich aus der erdrückenden Kontrolle des Großkapitals oben befreien will, indem sie auf die Arbeiterklasse unten herabblickt. Die Technokratie – wie sie sich aus der geplanten Ausrichtung ihrer Propaganda sowie aus der Zusammensetzung ihrer Mitglieder ergibt, bestätigt durch die Art ihres erklärten Programms – ist eine der bewusstesten und explizitesten politischen Bewegungen der Mittelschicht in den Vereinigten Staaten. Auch in dieser Hinsicht ist sie identisch mit der Hitler‐​Bewegung unter der deutschen Republik.

Aber wie im Fall Hitlers führt der demagogische Erfolg bei der Mobilisierung der Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit der Mittelschicht nur dazu, dass ein geeigneterer Kandidat für die Rolle des Werkzeugs der Großindustrie gefunden wird, indem eine Massenanhängerschaft gesichert wird, die die Finanzherren mit ihrem eigenen nackten Programm nicht gewinnen können. Und Howard Scott selbst macht sich keine Illusionen über seine eigene Klassenrolle.

Scott – der Wahlen oder jede andere Form der Willensäußerung des Volkes als Mittel zur Einführung der Technokratie ablehnt – erwartet offensichtlich, von den derzeitigen Machthabern »beauftragt« zu werden, einzuschreiten und die Macht zu »übernehmen«. Das ist die Bedeutung seiner vorsichtig formulierten Aussage in seiner Introduction to Technocracy (Einführung in die Technokratie):

»Um uns herum hören wir das Grollen der Unzufriedenheit, das sich in marxistischen Philosophien äußert […]. Bolschewismus, Kommunismus, Faschismus und Demokratie sind völlig machtlos, wenn es darum geht, mit der fortgeschrittenen technologischen Situation umzugehen, in der wir uns auf dem nordamerikanischen Kontinent befinden. Keines dieser Denk‐ und Handelssysteme wird das Mandat erhalten, wenn das derzeitige System versagt.«25

»Angesichts des Mandats« … von wem? Dieser Ausdruck taucht auch in der einzigen anderen Passage in der technokratischen Literatur auf, die Aufschluss über ihre Vorstellungen davon gibt, wie Technokratie zustande kommen soll. (Im Allgemeinen wird diese interessante Frage höchst intensiv ignoriert.)

»Technocracy, Inc. kann politische Maßnahmen ergreifen, aber nur dann, wenn die Organisation ausreichend geschult, diszipliniert und weit verbreitet ist, um die gleichzeitige Durchführung dieser Maßnahmen in allen Teilen einer der wichtigsten nationalen Einheiten dieses Kontinents zu ermöglichen. Wenn Technocracy, Inc. politische Maßnahmen ergreift, werden dies die letzten politischen Maßnahmen sein, da solche Maßnahmen ausschließlich zur Abschaffung des Preissystems und der damit einhergehenden politischen Verwaltung sowie zum Übergang zu einem funktionierenden Mechanismus eines Technate ergriffen würden.

In dieser Phase sind die Ziele von Technocracy, Inc. daher erstens die Aufklärung der Bevölkerung Nordamerikas über die Hintergründe der sozialen Krise und zweitens die Organisation all jener, die bereit sind, sich zu informieren und zu engagieren, zu einer informierten, disziplinierten und funktionsfähigen Gruppe, deren Wissen und Fähigkeiten genutzt werden können, um Chaos in Nordamerika zu verhindern, wenn das Preissystem nicht mehr funktionieren kann, was derzeit unmittelbar bevorsteht.«26

Unterdessen glaubt die Technokratie nicht daran, »die gegenwärtigen Verhältnisse zu verbessern oder Zugeständnisse zu erlangen […].«27

Dass die Technokratie nicht »die gegenwärtigen Verhältnisse verbessern« will, können wir nach der Lektüre ihres Programms für eine totalitäre Wehrpflicht mit Begeisterung als untertriebene Wahrheit akzeptieren. Was Scott jedoch anstrebt, ist dasselbe Versprechen einer katastrophalen Veränderung, mit dem Hitler die Fantasie der Menschen beflügelte, die genug hatten von Kompromissen und halbherzigen Maßnahmen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Reiz der Technokratie in ihrem Pseudosozialismus, ihrem »schwarzen Sozialismus« und ihrem Versprechen eines »wissenschaftlichen« Kollektivismus liegt – wenn nur das Volk sich einer unkontrollierten Bürokratie unterwirft. Die Kluft zwischen diesem Vorschlag für einen nationalen bürokratischen Kollektivismus einerseits und dem proletarischen Sozialismus andererseits ist heute offensichtlich. Sie war Gene Debs ein Anliegen, der den Sozialismus als »staatliches Eigentum an der Industrie plus Eigentum des Volkes an der Regierung« definierte.

Es gibt ein gemeinsames Merkmal der Demagogen, die den Namen oder die Ideen des Sozialismus missbrauchen – von den Stalin‐​Kommunisten, die die russische bürokratische Gefängniswelt als »Sozialismus« verkaufen, bis hin zu den Hitlers und Scotts, die dem Volk Wohlstand und Sicherheit versprechen, unter der Bedingung, dass es zuvor geknebelt und gefesselt wird. Es ist die gemeinsame These, dass die Massen der arbeitenden Bevölkerung auf keinen Fall ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, ihre Emanzipation aus eigener Kraft erreichen, ihre Freiheit und ihren Wohlstand durch ihre eigene unabhängige Selbstaktivität sichern und eine Regierung unter ihrer eigenen Kontrolle errichten dürfen.

Aber ohne diese Voraussetzung sind pseudosozialistische Phrasen faschistische Demagogie, genauso wie ohne sie Stalins staatliche Kontrolle über die Industrie bürokratische Tyrannei ist. Sozialistischer Überfluss für alle erfordert, dass die demokratischen Massen die Kontrolle über ihren Staat haben, eine Arbeiterregierung. Das ist der Abgrund zwischen dem technokratischen Albtraum und dem sozialistischen Gemeinwesen.

Verweise

1 Patrick Wood, Technocracy: The hard road to world order. Coherent Publishing 2018, nach David A. Hughes, »Covid‐​19,« Psychological Operations, and the War for Technocracy, Palgrave Macmillan 2024, https://​link​.springer​.com/​c​o​n​t​e​n​t​/​p​d​f​/​1​0​.​1​0​0​7​/​978 – 3‑031 – 41850‑1.pdf

4 Howard Scott, Introduction to Technocracy, Technocracy Inc. 1938, https://​archive​.org/​d​e​t​a​i​l​s​/​s​c​o​t​t​h​o​w​a​r​d​o​t​h​e​r​0​0​u​nse, alle Hervorhebungen in den Zitaten stammen von mir, sofern nicht anders angegeben.

5 Vgl. »Der Zerstörer der Gewerkschaften ist nicht der Unternehmer, sondern Männer wie Benjamin Franklin, Faraday und der Elektrizitätszauberer Steinmetz. Sie haben Muskelkraft durch Intelligenz ersetzt.« (The Mystery of Money, eine offizielle Broschüre) Jetzt kann die National Association of Manufacturers (Nationale Vereinigung der Hersteller) ihre gewerkschaftsfeindliche Kampagne mit der vollen Unterstützung der Wissenschaft und von Scott vorantreiben.

6 Stuart Chase, Technocracy – An Interpretation, John Day Company, 1933, S. 27.

7 »Scott sagt uns, dass eine Rasierklinge mit einer Kante aus Wolframkarbid, deren Herstellung nur zwanzig Prozent mehr Energie verbraucht, eine ganze Generation lang halten würde«, schreibt Chase. Aber die einzige Moral, die er daraus zieht, ist die der Weite des technologischen Horizonts.

8 Stuart Chase, Technocracy – An Interpretation, John Day Company, 1933, S. 28.

9Vgl. Howard Scott, Introduction to Technocracy, Technocracy Inc. 1938 S.11 – 20.

10 Total Conscription – Your Questions Answered, New York, Technocracy Inc. 1942, S. 20.
11 Vgl. Howard Scott, Introduction to Technocracy, Technocracy Inc. 1938, S. 9.

12 Ebenda, S.22 – 23.

13 Apropos Unwissenheit: In der Broschüre The Mystery of Money wird Major Douglas, der Verfechter des Sozialkredits, als »Anhänger von Marx« bezeichnet, der »die Marxschen Theorien des unverdienten Gewinns noch verstärkt«! Der Verfasser befasst sich hier offensichtlich mit einem Thema, das »seiner Denkwelt fremd ist«.

14 Technocracy in Plain Terms, S. 14. Die Technokraten lehnen es grundsätzlich ab, an Debatten oder Diskussionen mit Vertretern gegensätzlicher Standpunkte teilzunehmen. Ihre offizielle Begründung lautet: »Mit Fakten kann man nicht argumentieren. Wir präsentieren ausschließlich Fakten.«

15 Mystery of Money.

16 Technocracy in Plain Terms.

17 The Evolution of Society, S. 7.

18 Scott: America Prepares for a Turn in the Road.

19 The Nation, 4. April 1942.

20 New York World‐​Telegram, 20. Dezember 1938.

21 Pax Americana, S. 11.

22 Ebenda S. 15.

23 Ebenda S. 7 – 13.

24 Ebenda S. 13.

25 Introduction to Technocracy S. 27.

26 Ebenda, auf der Rückseite.

27 Technocracy in Plain Terms, S. 17.

Zuerst erschienen in zwei Teilen in der New InternationalVol. X No. 3, March 1944, S. 73 – 78 und Vol. X No. 4, April 1944, S. 118 – 121, veröffentlicht bei Marxists​.org

Bild: Illustration eines Roboters, der auf die Zivilisation herabblickt (unbekannter Autor – https://​archive​.org/​d​e​t​a​i​l​s​/​t​h​e​-​t​e​c​h​n​o​c​r​a​t​s​-​m​a​g​a​z​i​n​e​-​1​9​3​3​_​2​0​2​0​1​1​/​p​a​g​e​/​n​3​/​m​o​d​e​/​2up)

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