Die russophobe Sanktionitis richtet sich nicht nur gegen russische Rohstoffe, Energie und Waren, sondern mittlerweile auch gegen 59 Menschen. 57 davon leben außerhalb von EU und EWR (»Europäischer Wirtschaftsraum«) und sind daher nur ausgesperrt, selbst wenn sie eine EU ‑Staatsbürgerschaft haben wie die deutsche im Fall von Alina Lipp und Thomas Röper oder die französische wie Xavier Moreau, der halt seinen Sohn nicht zu Weihnachten in Frankreich besuchen konnte. Schlechter dran sind die, die in Berlin und Brüssel leben.
In Berlin lebt der in Deutschland geborene Hüseyin Doğru, der so heißt wegen seiner kurdischen Eltern, der aber ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Er wurde im 17. Sanktionspaket erfaßt wegen angeblicher Verbreitung russischer Narrative, obwohl er mit seinem Internetkanal über Palästina informierte und dort die Position der Unmöglichkeit der Zweistaatenlösung erklärte und in der Ukraine einen imperialistischen Krieg Rußlands ortete. Beides ist nicht die Position Rußlands und wir hatten Außenminister Bettel ersucht, sich für ein Sanktionsende einzusetzen. Er hatte damals bei seiner Pressekonferenz erklärt, er habe wohl für das 17. Paket gestimmt, wisse aber über diesen Inhalt nichts. Sein Versprechen, das nachzusuchen und auf uns zurückzukommen, hat er bis heute noch immer nicht erfüllt.
Die EU hat mittlerweile den Sanktionstext zu Doğru abgeändert, was die Sache aber noch absurder macht. So wird ihm nun Berichterstattung über antiisraelische Proteste in der BRD vorgehalten, wo er Videos veröffentlicht hat, auf denen Hamas‐Fahnen zu sehen waren. Auch wird ihm ein Beitrag auf X vorgehalten, wo er sich mit Nazi‐Generalen in NATO‐Strukturen in deren Frühphase befaßte. Das ist allerdings kein russisches Narrativ, sondern eine historische Tatsache, außer für Kaja Kallas.
Verschluckt haben sich die EU‐Bonzen auch an einem Beitrag Doğrus, daß die DDR mit ihrem Sozialismus teilweise ein besseres System war als der neoliberale Kapitalismus in der heutigen BRD (siehe X auf eingebettetem Bild unten). Er hatte den Vorgang von 1990 korrekt als Annexion und neoliberales Desaster bezeichnet. So viel Wahrheit geht definitiv nicht in dieser EU!
Again, I’m banned from publishing the EU’s evidence pack against me, but I can tell you what it says.
— Hüseyin Dogru (@hussedogru) September 3, 2025
EU’s »disinformation« evidence/grounds for sanctions. Exhibit 1:
Stating that the former GDR (socialism) was partially a better system than that of today’s Germany… pic.twitter.com/Dr8T8z3h0T
Auf seine Anfrage im Juli 2025, ob er arbeiten dürfe (die junge Welt würde ihn einstellen), weil sonst irgendwann kein Geld mehr in seinem Konto sei, hat er bis heute keine Antwort erhalten. Dafür wurde ihm im Januar jetzt nicht mehr erlaubt, wie in den Vormonaten 506 € im Monat abzuheben, dem Betrag des Bürgergelds entsprechend.
Er sitzt damit voll auf dem Trockenen mit drei Kindern, davon vier Monate alte Zwillinge. Zudem ist seiner Frau jetzt im Januar auch noch die Autoversicherung mit Hinweis auf seine Sanktionierung gekündigt worden: Sippenhaftung hieß das bei den Nazis.
Das Echo darauf ist minimal. Das ist umso schockierend, als über die Sanktionierung im Dezember 2025 von Jacques Baud, Ex‐Oberst im Schweizer Generalstab und Vertreter der Schweiz in der NATO, der in Brüssel lebt, viel Wind gemacht wird.
Da haben sogar in Berlin Patrik Baab, Sevin Dagdelen und Laura von Wimmersperg eine Pressekonferenz abgehalten, um eine Petition unter https://free-baud.org/ zu starten, die bereits von mehr als 18.000 unterschrieben wurde, ohne ein Sterbenswörtchen zum bereits ein halbes Jahr sanktionierten Hüseyin Doğru.
Baud ist übrigens 2020 zum letzten Mal bei RT interviewt worden, danach hat er konsequent jede Einladung von TASS und RT abgelehnt und nur westliche sowie Kiewer Regime‐Quellen genutzt für seine Einschätzung als Militäranalyst. Dabei hat er sehr früh trotzdem herausgefunden, daß die Hoffnung der NATO, das Bandera‐Regime als Rammbock zur Schwächung Rußlands nutzen zu können, zu einem katastrophalen Ende für dieses und zu einem Sieg Rußlands führen werde, was der EU total mißfiel. Abweichende Meinungen mit Reichweite sind eben verboten. Ende Gelände für Rechtsstaat und Demokratie!
Bild: »#keingrundzumlachen :: #nato und #geschichtliche #reminiszenzen im #stellvertreterkrieg der #ukraine : #bildmontage #politicalart« von Rudolph Bauer
