Technokratie und Marxismus (1933)

Vorwort der Redaktion

Die Technokratische Bewegung hatte zu ihren Hochzeiten Anfang der 1930er‐​Jahren rund 500.000 Mitglieder, vorwiegend in den USA und Kanada, die sich wöchentlich oder monatlich trafen und öffentliche Großveranstaltungen abhielten. David A. Hughes fasst Patrick Wood1 paraphrasierend die Vision ihres Gründers Howard Scott wie folgt zusammen:

• Abschaffung des Privateigentums, da alles Eigentum des Technate ist;

• Abhängigkeit vom Technate für alle Grundbedürfnisse, zum Beispiel Lebensmittel, Wohnen, Gesundheitsversorgung, Transport (alle Fahrzeuge müssen beispielsweise gemietet werden, wobei Fahrgemeinschaften die Norm sind);

• Unmöglichkeit, für zukünftige Bedürfnisse zu sparen, da Energiezertifikate am Ende eines Abrechnungszeitraums verfallen;

• Abschaffung aller bisherigen politischen Systeme, einschließlich der Demokratie;

• Bildung als eine Form der Konditionierung, um die Menschen auf den vom Technate für sie gewählten Karriereweg vorzubereiten.

Patrick Wood hat in seinen Arbeiten versucht zu zeigen, inwiefern Elemente von Howards technokratischen Ideen nach dem Scheitern seiner Bewegung unter anderem über Rockefellers Trilateral Commision oder den einflussreichen Zbigniew Brzezinski die Agenda 2030 der Vereinten Nationen beeinflussten, die unter vielen Labels wie Green New Deal, Great Reset unsere Zeit prägt. Wie überzeugend Woods Thesen sind, kann hier nicht untersucht werden, aber auch wenn man die ideengeschichtliche Kontinuität bestreitet, bleiben die augenscheinlichen Parallelen, die ein Reddit‐​User konzise wie folgt zusammenfasste:

»Heute haben die Tech‐​Eliten unbewusst deren Kernideen [der Technokratie] wiederbelebt: nämlich (1) Social Engineering und die Quantifizierung sozialer Beziehungen, (2) die Betrachtung von Technologie als einzigem revolutionären Faktor und (3) die Betrachtung von Demokratie als Hindernis für ihre Ziele.«2

Auch David A. Hughes stellt das gegenwärtige gesellschaftliche Transformationsprogramms in einen technokratischen Zusammenhang:

»Im Jahr 2020 wurde ein nicht erklärter globaler Klassenkampf begonnen, dessen Ziel die kontrollierte Zerstörung der liberalen Demokratie und die Einführung einer globalen Technokratie ist – einer neuartigen, biodigitalen Form des Totalitarismus, die zu einer irreversiblen Versklavung der Menschheit führen könnte.«

Auch wenn man den tatsächlichen Einfluss der Technokratischen Bewegung ideengeschichtlich nicht so hoch ansetzen will, wie etwa Wood, und die Unterschiede zwischen den heutigen und damaligen Technokraten herausarbeiten würde, so erhellt die Lektüre beider Texte nicht nur ein ideengeschichtlich und soziales Phänomen des damaligen Amerika, sondern zeigt die Vorteile eines marxistischen analytischen Interpretationsansatzes auf, der auch heute umso gefragter scheint, wo sowohl mancher Rechte als auch mancher Linke die Welt irrigerweise auf dem Weg in den Sozialismus sieht, eingeführt nicht von der Arbeiterklasse, sondern ausgerechnet den superreichen technokratischen Oligarchen. 

Der erste Text von zwei Texten zum Thema stammt von zwei bedeutenden Figuren der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA), William Z. Foster und Earl Browder. Er erschien unmittelbar im Zuge der medialen Kampagne für die Technokratie 1933, während die zweite Kritik, hier in einem statt zwei Teilen, aus dem Umfeld der Socialist Worker Party, einer trotzkistischen Abspaltung der KPUSA stammt und 1944 erschien.

Das Aufkommen der »Technokratie« als neueste Modeerscheinung scheint eine Beurteilung seitens jeder Denkschule zu erfordern, die sich mit den Fragen der gegenwärtigen Krise befasst. Dies gilt umso mehr, als die »Technokratie« offenbar alle bestehenden Theorien zu diesem Thema in Frage stellt und verwirft. Howard Scott fasst dies in der Harper’s Magazine vom Januar 1933 in folgender Aussage zusammen:

»Wir brauchen keine Hilfe von Republikanern, Demokraten, Sozialisten, Faschisten oder Kommunisten, denn jede dieser Gruppen ist auf ihre Weise ebenfalls dem Prinzip des Preises verpflichtet.«

Betrachten wir die Ideen der Technokratie aus der Sicht des Marxismus, sprich aus der Sicht der Kommunistischen Partei (Marxismus, wie er in der modernen imperialistischen Ära in den Lehren von Lenin und Stalin entwickelt wurde).

Hunderte von Kolumnen widmen sich in der Presse der Widerlegung bestimmter Beispiele, die von der Technokratie als Illustrationen für die unlösbaren Widersprüche innerhalb des gegenwärtigen Sozialsystems angeführt werden. Mit all diesen Kritikpunkten gegen die Technokratie hat der kommunistische Standpunkt nichts gemeinsam. Übertreibungen von Ungenauigkeiten, die in den Aussagen der Technokratie enthalten sein mögen, sind nur nebensächlich und berühren nicht den Kern der Frage. Der grundlegende Trend des technologischen Fortschritts und die Unvereinbarkeit dieses Wachstums der Produktivkräfte mit dem rechtlichen Rahmen, in dem es stattfinden muss, sind zweifellos der grundlegende Faktor der Krise und werden in den von Howard Scott und seinen Mitarbeitern vorgelegten Fakten mehr oder weniger genau dargestellt.

Wir Kommunisten haben daher keinen Streit mit Scott hinsichtlich der von ihm vorgebrachten Fakten. Wir überlassen die genaue Messung des Entwicklungsgrades dieser grundlegenden Tendenzen gerne den Experten auf diesem Gebiet. Wir finden jedoch in allen von Technokratie vorgebrachten Fakten die vollständige Bestätigung der Analyse des Kapitalismus durch Karl Marx. Wir haben daher die schärfsten Meinungsverschiedenheiten mit Scott und seinen Freunden hinsichtlich des theoretischen Verständnisses dieser Handlungen. Während Scott der Meinung ist, dass die Marxisten ebenso wie »Bankiers, Industrielle, Faschisten, Ökonomen« und so fort »der Vergangenheit angehören«, sehen wir Marxisten im Gegenteil gerade diesen unüberbrückbaren Konflikt zwischen den Produktivkräften einerseits und ihrer umschließenden Hülle aus sozioökonomischen Institutionen andererseits als endgültige Garantie dafür, dass die Zukunft den Marxisten gehört.

Unsere Untersuchung der Technokratie kann daher von der vorläufigen Richtigkeit der beschriebenen Fakten des technologischen Fortschritts ausgehen und unsere kritische Untersuchung auf die Interpretation, das theoretische Verständnis der Bedeutung dieser Fakten und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen beschränken.

Was ist das »Preis«-System

Die Technokratie nimmt das, was sie als »Preissystem« bezeichnet, zum Angriffspunkt. Sie sieht die Ursache der Krise im Mechanismus der Warenverteilung. Sie geht ohne weitere Untersuchung davon aus, dass die Produktionsverhältnisse solide und gesund sind, außer insofern, als sie von außen durch das Eindringen störender Elemente gestört werden, die im Preismechanismus als Mittel zur Verteilung und zum Umlauf der Produkte enthalten sind. Dies ist der grundlegende Fehler, der jeden Versuch von Scott und seinen Mitarbeitern, theoretische Schlussfolgerungen aus ihren Fakten zu ziehen, zunichte macht. Dieser Fehler ist auch die Ursache für ihre außergewöhnliche Unfruchtbarkeit in Bezug auf praktische programmatische Schlussfolgerungen.

Seine Formel des »Preissystems« bildet die Grundlage für Scotts Ablehnung des Marxismus und für seine Zurückweisung der neuen sozialistischen Wirtschaft in der Sowjetunion als bedeutungslos für eine Lösung der Krise, mit der Begründung, dass das neue System, das von den Kommunisten aufgebaut wird, ebenfalls eine Verteilung unter einer modifizierten Form von Preisen vorsieht.

Dieser Irrtum der Technokratie ist nur das jüngste und herausragendste Beispiel für das, was Karl Marx als »Warenfetischismus« bezeichnet hat. Dieser Fetischismus sieht nur die Beziehungen zwischen den Produkten menschlicher Arbeit, die Beziehung von Ware zu Ware im Tausch. Hinter dieser Beziehung der Waren im Tausch verbergen sich jedoch die grundlegenden Beziehungen der Menschen in der Produktion.3

Was Scott mit diesem Ansatz erreicht, ist die Ausblendung des grundlegenden Faktors, der die Krise verursacht hat. Ohne sich diesem Faktor zu stellen, sind alle Versuche, einen Ausweg aus der Krise zu finden, zum Scheitern verurteilt. Dieser Faktor ist die Spaltung zwischen der kleinen Klasse, die die Produktionsmittel besitzt, und der großen Klasse, die diese Produktionsmittel bedient, also die Klassenspaltung zwischen Kapitalisten und Arbeitern. Der Wert dieser »Errungenschaft«, eine so grundlegende Tatsache zu ignorieren, besteht darin, dass Scott in seiner Argumentation den Klassenkampf außer Acht lassen kann, allerdings auf Kosten der wissenschaftlichen Validität seiner Argumentation.

Was jedoch tatsächlich geschieht, ist keine Krise des Austauschmechanismus (»das Preissystem«), sondern vielmehr das, was Engels als die »Produktionsweise« beschrieb, die »gegen die Austauschform [rebelliert]«.4 Die Produktivkräfte sind so stark gewachsen, dass sie nicht mehr in den sozialen Institutionen gebändigt werden können, die auf dem kapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln basieren.

Verschwindet die Arbeiterklasse?

Scott untermauert seine Ansicht, dass der Widerspruch zwischen Arbeitern und Kapitalisten ignoriert werden kann, indem er darauf hinweist, dass die Arbeiterklasse letztendlich keine Rolle mehr spielt, da sie durch den technologischen Fortschritt abgeschafft wird. Auf derselben Grundlage lehnt er die Arbeitswerttheorie ab und schlägt vor, sie durch eine vermeintlich objektive Messung der mechanischen Energie zu ersetzen. Anstelle von Arbeitsstunden als grundlegendem Faktor der Produktion würde er eine willkürliche Maßeinheit für mechanische Energie verwenden, die er »Erg« nennt. Durch den Ersatz einer Maßeinheit durch eine andere glaubt er, den Widersprüchen zu entkommen, die zum Zusammenbruch der Industrie geführt haben, aber alles, was er damit erreicht hat, ist das Ignorieren dieser grundlegenden Widersprüche.

Scott selbst hat uns ein Beispiel für den unwissenschaftlichen Charakter seiner vorgeschlagenen Änderung der Maßeinheit gegeben. Wenn er uns ein verständliches Bild vom technologischen Fortschritt in der Mühlen‑, Stahl‐ und Automobilindustrie vermitteln möchte, sieht er sich gezwungen, sein Lieblingsprodukt, den »Erg«, aufzugeben und auf die »veraltete« Maßeinheit »Arbeitsstunde« zurückzugreifen. Wenn er uns sagt, dass im Jahr 1900 70 Arbeitsstunden erforderlich waren, um eine Tonne Stahl zu produzieren, während 1929 nur noch 13 Arbeitsstunden notwendig waren, liefert er uns eine sehr wichtige Tatsache, auf der sich konkrete programmatische Schlussfolgerungen stützen lassen, die zu einer Lösung der Krise führen werden. Ähnlich verhält es sich, wenn er uns mitteilt, dass die Anzahl der Arbeitsstunden, die zur Herstellung eines Automobils erforderlich waren, in den zehn Jahren von 1919 bis 1929 von 313 auf 92 zurückgegangen ist. Das hat etwas zu bedeuten. Hätte er uns die entsprechenden Informationen in Form seiner »Ergs« mechanischer Energie gegeben, wäre dies rein akademisch gewesen. Aus der Sicht der Suche nach einer Lösung für das Problem, wie alle durch die Krise erstickten Produktionskräfte wieder voll freigesetzt werden können, wäre sie wertlos gewesen.

Verschwindet die Arbeiterklasse wirklich, wie Scott glaubt? Der einzige Beweis, den er dafür anführt, ist die steigende Arbeitslosigkeit und das zunehmende Elend der Arbeiterklasse. Das Neue an diesem Phänomen ist lediglich die Reife der Widersprüche des Kapitalismus, die nun einen Punkt erreicht haben, an dem eine gewaltsame Lösung erforderlich ist. Die Arbeiterklasse bleibt die grundlegende Produktivkraft. Was zerstört wird, ist nicht die Arbeiterklasse als Klasse, sondern vielmehr all jene Bindungen, die die Arbeiter an das alte kapitalistische System fesselten. Die Arbeiterklasse wird keineswegs durch die Krise zerstört, sondern trotz der Vernichtung einer großen Zahl von Arbeitern in einer höheren Form neu geschaffen, erlangt Klassenbewusstsein und Verständnis für ihre historische Rolle als Nachfolgerin der Bourgeoisie und Schöpferin einer neuen klassenlosen Gesellschaft. Wie Karl Marx es vor vielen Jahren ausdrückte:

»Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.«5

Wenn die Technokraten die Arbeiterklasse als schwindenden und vernachlässigbaren Faktor abtun, bedeutet dies nur, dass ihre Theorien generell in Richtung Faschismus gehen, sprich in Richtung der Entwicklung neuer Stützen für das zusammenbrechende kapitalistische System, während gleichzeitig die gewaltsame Unterdrückung der Kraft verstärkt wird, die die Gesellschaft vor dem Untergang retten könnte, nämlich der revolutionären Arbeiterklasse.

Technokraten, denen die Gesetze des Kapitalismus fremd sind

Die Oberflächlichkeit der Theorien der Technokratie beschränkt sich nicht nur darauf, dass sie die Kräfte der sozialen Revolution und des sozialen Umbruchs nicht erkennen. Herr Scott und seine Mitarbeiter sind auch in unverzeihlicher Weise unwissend über die normalen Funktionsgesetze des Kapitalismus selbst. So präsentiert er als überraschende neue Entdeckung (von der er sogar erwartet, dass sie allgemein angefochten wird!) »die erschreckende Tatsache, dass unsere Schulden seit Jahren schneller wachsen als die Produktion und beide schneller als die Bevölkerungszahl!« (Hervorhebung von Scott).

Diese Tatsache mag erschreckend sein, aber sicherlich nicht mehr als das gesamte kapitalistische System, denn sie ist eines der unvermeidlichen Gesetze der kapitalistischen Produktion. Es handelt sich auch nicht um eine neue Entdeckung von Herrn Scott. Es ist ein Phänomen, das vor vielen Jahren von Karl Marx gründlich analysiert wurde, der seine volle Bedeutung in der dialektischen Entwicklung des Kapitalismus herausstellte. Kein gebildeter Ökonom würde auf die Idee kommen, die Existenz dieser Tendenz im Kapitalismus in Frage zu stellen. Ihre wahre Bedeutung ist jedoch für Technokraten und alle bürgerlichen Ökonomen ein Buch mit sieben Siegeln.

Die Tatsache, dass die Produktion schneller wuchs als die Bevölkerung, ist sicherlich nicht überraschend und bedarf keiner besonderen Erklärung. Dass die Schulden schneller wachsen als die Produktion, erfordert jedoch eine genauere Betrachtung. Diese Schulden sind, wie Scott selbst deutlich hervorhebt, lediglich eine Form der Kapitalakkumulation. Sie spiegeln die Veränderungen in der organischen Zusammensetzung des Kapitals wider, sprich das Wachstum jenes Teils des Kapitals, der in Maschinen und Produktionsmittel (konstantes Kapital) investiert wird, auf Kosten des Teils, der in die lebenden Produktivkräfte, in Löhne für Arbeitskraft (variables Kapital), investiert wird. Diese Veränderung der organischen Zusammensetzung des Kapitals wird durch den technischen Fortschritt ständig beschleunigt, der zu einer durch den Wettbewerb erzwungenen Notwendigkeit wird und gleichzeitig zu einer steigenden Ausbeutungsrate der Arbeiterklasse und einem Rückgang der durchschnittlichen Profitrate führt.

So enthüllen wir in der Tat eine »erschreckende Tatsache« – die noch erschreckender ist, als Herr Scott versteht –, nämlich die Tatsache, dass die Fortführung des kapitalistischen Systems als Ganzes (nicht nur der Aspekt des »Preissystems« des kapitalistischen Austauschs) unweigerlich zur Degeneration und Zerstörung der Menschheit führen wird. Gleichzeitig zeigen wir jedoch auch etwas, für das Herr Scott völlig blind ist: die Existenz einer Kraft, die durch das sterbende kapitalistische System geschaffen wurde und die dieses System zerstören und die Gesellschaft auf einer völlig neuen Grundlage wiederaufbauen kann und muss. Diese revolutionäre Kraft ist die Arbeiterklasse.

Technokratie – eine verkommene Form des Veblenismus

Typisch für die theoretische Sterilität der technischen Intelligenz in Amerika ist die Tatsache, dass die Technokratie keine eigenen theoretischen Waffen entwickelt hat. Sie hat sie fertig von Thorstein Veblen übernommen, der selbst kein Ingenieur, sondern Hochschulprofessor, Publizist und Kommentator der Welt im Allgemeinen war. Alles, was die Technokraten zu Veblen hinzufügen konnten, ist eine Ansammlung empirischer Fakten. Soweit sie über Theorien verfügen, finden sich diese alle in Veblens The Engineers and the Price System, das ursprünglich 1919 als Serie von Zeitschriftenartikeln veröffentlicht und 1921 in Buchform neu aufgelegt wurde.

Die Technokratie war zwar nicht in der Lage, ein eigenes theoretisches Arsenal zu entwickeln, und es ist ihr auch nicht gelungen, Veblens Theorien weiterzuentwickeln, doch sie ist nicht auf dem von Veblen geschaffenen Fundament stehen geblieben. Wir können Veblen nicht für alle Schwächen der Technokratie verantwortlich machen. Veblen selbst hatte einen viel schärferen Blick und zog auch viel praktischere Schlussfolgerungen. So utopisch seine Idee eines »Sowjets der Techniker« auch gewesen sein mag, so ließ er sie doch nicht in der Luft hängen, wie es die Technokratie tut, sondern versuchte, sie in die Ausrichtung der »Klassenkräfte der modernen Gesellschaft« einzubetten. Nicht nur das, Veblen hatte sogar ein gewisses Gespür für die Notwendigkeit, jedes Projekt zur sozialen Umgestaltung auf die eine oder andere der beiden rivalisierenden Klassenkräfte – die Kapitalistenklasse oder die Arbeiterklasse – zu stützen. Obwohl er voller reformistischer Illusionen war, stellte er zumindest eindeutig die Arbeiterklasse als die Kraft dar, die allein den Wandel durchsetzen könne. Er verstand vielleicht nicht die politische Unfruchtbarkeit unserer modernen Techniker und glaubte, dass sie in der Lage sein würden, die Führung der Arbeiterklasse zu übernehmen. Er warnte sie, dass sie »im Wesentlichen hilflos sein werden, eine praktikable Arbeitsorganisation aufzubauen«, wenn sie nicht »ein gemeinsames Verständnis und eine Solidarität zwischen den Technikern und den Arbeiterkräften, die in den großen grundlegenden Industrien des Systems beschäftigt sind, sowie die aktive Unterstützung dieses Plans durch die ausgebildeten Arbeiter in den meisten mechanischen Industrien« sicherstellen.

Um Veblen gerecht zu werden, sollte auch erwähnt werden, dass er stets in einem ironischen, augenzwinkernden Ton schrieb, weshalb man durchaus vermuten kann, dass er selbst nicht an die Illusionen glaubte, die in seinen so feierlich vorgetragenen Vorschlägen enthalten waren. Das Schlusswort seines Buches soll der »großen Masse wohlhabender Bürger« versichern, dass seine Ideen über eine Herrschaft der Techniker nichts enthalten, »was ihre Empfindungen vernünftigerweise erschüttern sollte«. Scott und seine Mitarbeiter haben sich nicht nur dadurch von Veblen entfernt, dass sie sich selbst ernst nehmen, sondern auch dadurch, dass sie den Teil von Veblens Theorie aus ihrem theoretischen Schema weggelassen haben, der seinen Vorschlägen überhaupt erst eine gewisse Plausibilität und Kohärenz verlieh, nämlich das Vertrauen auf die »aggressive Unterstützung der ausgebildeten Arbeitskraft«. Wir sehen also, dass der Kern der Technokratie nicht einmal Veblenismus in seiner besten Form ist, sondern nur eine verkommene Form davon.

Wie der Kapitalismus das »Preissystem« aufgibt

Es ist bemerkenswert, dass nicht nur Technokraten versuchen, durch Modifikationen oder Umgehungen des »Preissystems« einen Ausweg aus den Absurditäten des Kapitalismus zu finden. Weltweit beobachten wir gigantische Versuche, die Lähmung des internationalen Handels durch eine Rückkehr zum vorkapitalistischen Tauschhandelssystem zu überwinden. Innerhalb jedes Landes gehen ganze Gemeinschaften und einzelne Institutionen mehr oder weniger auf Methoden der Naturalzahlung über. Insbesondere im Umgang mit den arbeitslosen Massen unternimmt der Kapitalismus insgesamt alle Anstrengungen, um sie aus dem Wirkungsbereich des »Preissystems« zu entfernen, indem er Bargeldhilfen abschafft und durch Lebensmittelkörbe, Notunterkünfte, Zwangsarbeit unter dem Pseudonym »Selbsthilfe«, Arbeitslager und ähnliches ersetzt.

All diese Erscheinungen sind Symptome des Verfalls und der Degeneration der Wirtschaft unter den Schlägen der kapitalistischen Krise. Nichts davon deutet auf einen Ausweg aus der Krise hin. Sie haben genau dieselbe wirtschaftliche und politische Bedeutung wie der gleichzeitige Prozess in der amerikanischen Landwirtschaft, wo Traktoren, Autos und höhere Formen der maschinellen Produktion im großen Stil aufgegeben werden und man auf die primitiveren Pferde und Maultiere sowie die direkte Anwendung menschlicher Arbeitskraft auf dem Boden zurückgreift.

Das gleiche Schicksal erwartet jeden Vorschlag, den die Technokraten irgendwann in der Zukunft auf der Grundlage ihrer Theorien, die sich weigern, sich der grundlegenden Aufgabe der Enteignung des kapitalistischen Privateigentums durch eine revolutionäre Arbeiterregierung zu stellen, vorzulegen wagen.

Der revolutionäre Weg aus der Krise

Technokratie ist nur eines der Symptome der Krise des Kapitalismus und trägt nichts zur Lösung dieser Krise bei. Sie repräsentiert lediglich die Träume und Illusionen einer verwirrten, arbeitslosen Masse von Technikern, denen durch den Verfall des Kapitalismus ihre Funktionen genommen wurden, die aber hoffen, sich selbst und den Kapitalismus durch eine Veränderung im Überbau wiederherzustellen, die nicht gegen das heilige Prinzip des kapitalistischen Privateigentums verstößt.

Die gegenwärtige tiefgreifende Krise, die die Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft erschüttert hat, ist keineswegs eine unvorhergesehene Katastrophe. Sie wurde bereits 1847 im Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Engels vorhergesagt. Gleichzeitig wurde die Lösung dieser Krise mit einer Präzision und Klarheit skizziert, die heute noch genauso gültig ist wie damals, als sie geschrieben wurde. Heute haben wir die im Kommunistischen Manifest von 1847 beschriebenen Bedingungen in ihrer schärfsten Form verwirklicht:

»Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse.; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen.«6

Die Bourgeoisie kann nicht über die Grenzen dieses kapitalistischen Systems hinausgehen, das sich nur durch eine ständige Abfolge von Krisen entwickelt hat und schließlich zur gegenwärtigen höchsten Krise, dem Zusammenbruch ihres Weltsystems, geführt hat. Nur eine revolutionäre Veränderung kann die Menschheit aus ihrem gegenwärtigen Chaos herausführen. Der Träger dieser Veränderung wird im Kommunistischen Manifest wie folgt beschrieben:

»Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten. Die proletarische Bewegung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl. Das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne daß der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.«

»Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner eigenen Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich noch schneller als Bevölkerung und Reichtum.

Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h., ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft.«

»Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.«7

Was ist das Ergebnis des Sturzes der kapitalistischen Macht und der Errichtung einer Arbeiterregierung, die alle Produktionsmittel aus den Händen der Kapitalisten übernimmt? Die Antwort finden wir in den Worten von Engels aus dem Jahr 1883:

»Mit der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft ist die Warenproduktion beseitigt und damit die Herrschaft des Produkts über die Produzenten. Die Anarchie innerhalb der gesellschaftlichen Produktion wird ersetzt durch planmäßige bewußte Organisation. Der Kampf ums Einzeldasein hört auf. Damit erst scheidet der Mensch, in gewissem Sinn, endgültig aus dem Tierreich, tritt aus tierischen Daseinsbedingungen in wirklich menschliche. Der Umkreis der die Menschen umgebenden Lebensbedingungen, der die Menschen bis jetzt beherrschte, tritt jetzt unter die Herrschaft und Kontrolle der Menschen, die zum ersten Male bewußte, wirkliche Herren der Natur, weil und indem sie Herren ihrer eignen Vergesellschaftung werden. Die Gesetze ihres eignen gesellschaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie beherrschende Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Menschen mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht. Die eigne Vergesellschaftung der Menschen, die ihnen bisher als von Natur und Geschichte aufgenötigt gegenüberstand, wird jetzt ihre freie Tat. Die objektiven, fremden Mächte, die bisher die Geschichte beherrschten, treten unter die Kontrolle der Menschen selbst. Erst von da an werden die Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewußtsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maß auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben. Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.«8

Die Technokratie sieht die einzelnen Fakten des Zusammenbruchs des kapitalistischen Systems. Aber sie versteht nicht die Ursache dieses Zusammenbruchs, die in der Natur der kapitalistischen Produktion selbst liegt. Deshalb ist sie blind für die Existenz jener Kräfte der Arbeiterklasse, die allein die Lösung für die Krise finden können. Daher hat sie auch kein Programm für den Ausweg aus der Krise. Deshalb hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, den Marxismus zu bekämpfen und sich dem kommunistischen Programm zu widersetzen, das als einziges den revolutionären Ausweg aus der Krise aufzeigt.

Die technische Intelligenz und die Revolution

Ist dieser Antagonismus der Techniker gegenüber dem Marxismus eine notwendige und unvermeidliche Sache? Keineswegs. Er ist unnötig und bedauerlich. Vor allem in Amerika hat die Krise selbst den oberen Schichten der Techniker klar gemacht, dass die 1847 im Kommunistischen Manifest vorhergesehene Bedingung eingetreten ist, die besagt:

»[D]urch den Fortschritt der Industrie [werden] ganze Bestandteile der herrschenden Klasse ins Proletariat hinabgeworfen oder wenigstens in ihren Lebensbedingungen bedroht. Auch sie führen dem Proletariat eine Masse Bildungselemente zu.

In Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, nimmt der Auflösungsprozeß innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der ganzen alten Gesellschaft, einen so heftigen, so grellen Charakter an, daß ein kleiner Teil der herrschenden Klasse sich von ihr lossagt und sich der revolutionären Klasse anschließt, der Klasse, welche die Zukunft in ihren Händen trägt. Wie daher früher ein Teil des Adels zur Bourgeoisie überging, so geht jetzt ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat über, und namentlich ein Teil dieser Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.«9

Es ist daher klar, dass die kommunistische Bewegung, die revolutionäre Arbeiterklasse, seit ihrer Gründung den Beitritt jener Elemente aus der kapitalistischen herrschenden Klasse, insbesondere der Techniker, die unter den zerstörerischen Auswirkungen des Kapitalismus leiden und endlich beginnen, den revolutionären Ausweg zu verstehen, vorausgesehen und begrüßt hat.

Gerade heute sollten die Techniker diese Fragen verstehen, da sie mit eigenen Augen sehen, wie der Kapitalismus die Möglichkeiten des technischen Fortschritts zerstört, den Beruf des Ingenieurs zerstört und die Ingenieure selbst zerstört. In New York City, um ein beiläufiges Beispiel zu nennen, sind Ingenieure, die die U‑Bahn der Eighth Avenue entworfen und gebaut haben, froh, wenn sie einen Job in den U‑Bahn‐​Kabinen bekommen, wo sie Zehn‐ und Vierteldollar‐​Münzen in Fünf‐​Cent‐​Münzen wechseln. Auf der anderen Seite sehen unsere Techniker den wunderbaren Aufschwung des sozialistischen Industrieaufbaus in der Sowjetunion, wo die Arbeiter die Macht innehaben. Unter der Herrschaft der Arbeiter blüht der Ingenieurberuf wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit auf. Zum ersten Mal in der Geschichte beginnen wir eine begrenzte Vorstellung von den wunderbaren Produktivkräften zu bekommen, die in den Händen des Menschen liegen, wenn er diese Kräfte endlich von den Fesseln des kapitalistischen Privateigentums befreit.

In diesem Zusammenhang empfehlen wir amerikanischen Ingenieuren und Technikern die Rede, die W. M. Molotow, Vorsitzender des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion, am 26. November 1932 auf der Fünften Allunionskonferenz der sowjetischen Ingenieure und Techniker gehalten hat und die als Teil dieser Broschüre veröffentlicht wurde, aufmerksam zu lesen.10

Vielleicht wurde die extreme politische Schwäche der Technokratie, ihr enges Festhalten am kapitalistischen Privateigentum und ihre Ablehnung des Marxismus bis zu einem gewissen Grad durch die frühen Erfahrungen von Herrn Scott, dem Führer der Technokratie, verursacht. Als er 1920 – 21 erstmals versuchte, die grundlegenden Ideen von Veblen weiterzuentwickeln, wollte Herr Scott seine Ideen in Zusammenarbeit mit den Industrial Workers of the World (I.W.W.) umsetzen. In Verbindung mit dieser Organisation gründete er ein Büro, das den Arbeitern beibringen sollte, wie sie die Industrie nach ihrer Übernahme führen sollten. Dieses utopische Vorhaben war natürlich zum Scheitern verurteilt. Vielleicht entfremdete die daraus resultierende Enttäuschung Herrn Scott von der Idee, sich auf die Arbeiterklasse zu verlassen. Nicht nur war dieses Projekt utopisch, sondern Herr Scott verband sich auch nicht mit der marxistischen Avantgarde der Arbeiterklasse, sondern mit einem Ableger der revolutionären Bewegung, der in die Sackgasse des Anarchosyndikalismus geraten war. Wir können hoffen, dass die Entwicklung der Ingenieure und Techniker im Allgemeinen nicht denselben Weg einschlagen wird, sondern dass sie sich immer mehr das Verständnis des Kapitalismus aneignen werden, das ihnen die Lehren von Marx, Lenin und Stalin vermitteln, sowie den revolutionären Weg zur Transformation der Gesellschaft, der sich daraus ergibt.

Schließlich möchten wir den Technokraten und Technikern im Allgemeinen, die noch immer Illusionen hinsichtlich der Möglichkeit eines planmäßigen Kapitalismus hegen, empfehlen, nicht nur Marx zu studieren (was sie bisher sträflich vernachlässigt haben), sondern auch das sich ausweitende Leben der Sowjetunion und die Schriften des größten Schülers von Marx und Lenin, Joseph Stalin, zu studieren. Insbesondere empfehlen wir ihnen, Stalins politischen Bericht an den 16. Parteitag der Kommunistischen Partei Russlands zu lesen. In diesem Bericht möchten wir ihre Aufmerksamkeit besonders auf folgenden Absatz lenken:

»Könnte der Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der materiellen Lage der Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur Befriedigung der Launen parasitärer Klassen, nicht zur Vervollkommnung der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr, sondern zur systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern, dann gäbe es keine Krisen. Aber dann wäre auch der Kapitalismus kein Kapitalismus. Um die Krisen abzuschaffen, muss man den Kapitalismus abschaffen.«11

Verweise

3 »Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen (Karl Marx, Kapital Band 1, Erster Abschnitt, Erstes Kapitel, 4. Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis, https://​marx​.works/​m​e​2​3​/​m​e​2​3​_​0​4​9​.​h​t​m​#​K​a​p​_​1_4).«

»Dagegen hat die Warenform und das Wertverhältnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellt, mit ihrer physischen Natur und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt. Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist (ebenda).«

»Dieser Fetischcharakter der Warenwelt entspringt, wie die vorhergehende Analyse bereits gezeigt hat, aus dem eigentümlichen gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, welche Waren produziert (ebenda).«

»Da die Produzenten erst in gesellschaftlichen Kontakt treten durch den Austausch ihrer Arbeitsprodukte, erscheinen auch die spezifisch gesellschaftlichen Charaktere ihrer Privatarbeiten erst innerhalb dieses Austausches. Oder die Privatarbeiten betätigen sich in der Tat erst als Glieder der gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der Austausch die Arbeitsprodukte und vermittelst derselben die Produzenten versetzt. Den letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen. […] Ihre eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren. […] Die Bestimmung der Wertgröße durch die Arbeitszeit ist daher ein unter den erscheinenden Bewegungen der relativen Warenwerte verstecktes Geheimnis (ebenda).«

4 Friedrich Engels: »Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft«, in: Karl Marx/​Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 19, 4. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/​DDR. S. 210 – 228, https://​marx​.works/​m​e​1​9​/​m​e​1​9​_​2​1​0​.​htm

5 Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Band 23, »Das Kapital«, Bd. I, Siebenter Abschnitt, S. 741 – 791
Dietz Verlag, Berlin/​DDR 1968, https://​marx​.works/​m​e​2​3​/​m​e​2​3​_​7​4​1​.​h​t​m​#​K​a​p​_​2​4_7

7 Ebenda.

8 Friedrich Engels: »Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft«, in: Karl Marx/​Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 19, 4. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/​DDR. S. 210 – 228, https://​marx​.works/​m​e​1​9​/​m​e​1​9​_​2​1​0​.​htm

9 Manifest der Kommunistischen Partei.

11 Stalin, »Politischer Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees an den XVI. Parteitag

der KPdSU(B), 27. Juni 1930«, in Werke, Band 12, S. 129, http://​www​.kpd​-ml​.org/​d​o​c​/​p​a​r​t​e​i​/​s​t​a​l​i​n​-​b​a​n​d​1​2​.​pdf

Zuerst veröffentlicht von Workers Library Publishers New York 1933, zugänglich auf marxists​.org

Bild: Ein Schild am Rande einer Stadt aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise über Treffen der örtlichen Technokratie‐​Abteilung (Social Security AdministrationFrom Library of Congress site: http://​www​.ssa​.gov/​h​i​s​t​o​r​y​/​b​r​i​e​f​h​i​s​t​o​r​y​3​.​h​tml)

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