Subsistenzwirtschaft und Maschinenwesen oder die gefährlichen Illusionen der Claudia von Werlhof

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Die Soziologin Claudia von Werlhof ist in den letzten Wochen häufiger in maßnahmenkritischen Zusammenhängen aufgetreten, so bei der Freien Linken Österreich am 16. März 20231 und in einem Rubikon-Interview am 1. April 20232.

Ihr zentrales Thema ist Kritik am modernen Maschinenwesen. Sie hält es für eine durch und durch patriarchale Erfindung. Es wurde angeblich ausschließlich von Männern entwickelt nach dem Vorbild der Alchemie. Grundprinzip des Maschinenwesens sei es, lebendige Materie abzutöten (zu mortifizieren) und verbessert wieder zusammenzusetzen. Hauptmotivation der Männer für die Entwicklung von Maschinen sei ihr Gebärneid. Ihnen ist die Hervorbringung von neuem Leben nicht möglich, also müssten sie diese abwerten und sich auf Ersatzhandlungen stürzen.

Demgegenüber behauptet sie, dass solche Maschinen in Matriarchaten nicht auftraten und matriarchale Menschen im Einklang mit der Natur lebten. Daraus folgt logisch eine Ablehnung des Maschinenwesens und eine Rückkehr zur Subsistenzwirtschaft, was Claudia von Werlhof seit Jahrzehnten vertritt. Diese Vorstellung war immer schon illusionär. Unter den heutigen Bedingungen des Great Reset sind solche Thesen richtiggehend gefährlich, denn sie passen sehr gut zu den Forderungen der Transhumanisten nach Verarmung und radikaler Bevölkerungsreduktion. Bei einer tatsächlichen Subsistenzwirtschaft können – wenn es hochkommt – vielleicht 100 Millionen Menschen auf der gesamten Erde ernährt werden, aber garantiert nicht acht Milliarden, auf die die Weltbevölkerung in diesem Jahr gewachsen ist.

Claudia von Werlhof kann mit ihren Thesen die Widerstandsbewegung gegen den Corona‐​Wahn, Krieg und Great Reset lähmen und auf Abwege führen. Wenn Kritik an der Ideologie des Transhumanismus zu einer Kritik der modernen Technik ausgeweitet wird, nützt das letztendlich nur Schwab und Co., auch wenn es nicht beabsichtigt ist. Die Globalisten sind bei der Nutzung von Ideologien nicht zimperlich. Sie stützen sich genauso auf bestimmte Spielarten des Marxismus wie auf die Identitätspolitik, einen überbordenden Moralismus und den Linksneoliberalismus. Auch ein Ökofeminismus könnte diese Funktion als Legitimationsideologie für den Great Reset erfüllen, wenn er auch sicherlich nicht zum ideologischen Hauptstrom werden wird. Aber für eine Desorientierung der Widerstandsbewegung reicht er unter Umständen allemal.

Was sind Matriarchate?

Angesichts einer überbordenden Identitätspolitik ist eine persönliche Vorbemerkung erforderlich. Denn wie kommt ein »alter weißer Mann« dazu, über Matriarchate, Ökofeminismus und Subsistenzwirtschaft zu schreiben, werden sich manche fragen. Sicherlich wird die folgende Erklärung keine Hardcore‐​Identitätspolitikerinnen befriedigen, aber es mag vielleicht von Interesse sein, dass ich die Matriarchatsforschung von Heide Göttner‐​Abendroth seit den 1980er Jahren, seit ihrem Buch »Die Göttin und ihr Heros« verfolgt und jedes neue Buch von ihr geradezu verschlungen habe. Bekanntlich gingen ja schon die Klassiker des Marxismus, besonders Friedrich Engels in seinem Buch »Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates« von 1884 von einer matriarchalen Frühgeschichte aus.

Erst im Jahr 2019 erschien der dritte Band der Reihe »Das Matriarchat« von Heide Göttner‐​Abendroth, der historische Matriarchate behandelt. Er hat den Titel »Geschichte matriarchaler Gesellschaften und Entstehung des Patriarchats«. Dieser Band enthält in der Tat zahlreiche neue und bisher so nicht bekannte Erkenntnisse. So zum Beispiel, dass in einigen Gesellschaften Matriarchate bis weit in das Metallzeitalter hineinragen. Das gilt für die Minoische Kultur, die Induskultur3, Alteuropa und die frühen Stadien der mesopotamischen Kulturen.

Göttner‐​Abendroth definiert Matriarchate – basierend auf ihren Forschungen – wie folgt:

  • Matriarchate sind Ausgleichsgesellschaften, in der Frauen die lebensnotwendigen Güter wie Land, Häuser und Nahrungsmittel verwalten und durch Verteilung für einen ökonomischen Ausgleich sorgen. Privateigentum an Land ist unbekannt. Auch größere soziale Unterschiede und die Spaltung der Gesellschaft in Klassen existierten nicht.
  • Matriarchate beruhen auf dem Verwandtschaftssystem mit Matrilinearität (Verwandtschaft in der Mutterlinie) und der Matrilokalität (Wohnsitz bei der Mutter). Es gilt die Gleichwertigkeit der Geschlechter.
  • Matriarchate sind politisch eine Konsensgesellschaft mit Clans als Basis. Die Männer agieren in einigen dieser Gesellschaften als Delegierte und Sprecher ihrer Sippen in auswärtigen Versammlungen.
  • Matriarchate besitzen komplexe religiöse und weltanschauliche Systeme, wobei die grundlegende Vorstellung der Wiedergeburtsglaube ist. Frauen werden geehrt, weil sie Tod in Leben zurückverwandeln können. Es gibt keine männlichen Götter, sondern das weiblich Göttliche in vielen Erscheinungen prägt das Weltbild.4

Matriarchate sind also keineswegs umgekehrte Patriarchate und eine der späteren Männerherrschaft analoge Frauenherrschaft hat es in Matriarchaten nie gegeben.

Wie Ausgrabungen in Alteuropa und auf Kreta gezeigt haben, hatte das Leben in diesen Matriarchaten einen heiteren und friedlichen Charakter. Archäologen preisen den Zauber und die »vollkommene Bejahung der Anmut des Lebens«, die noch in zahlreichen minoischen Abbildungen erkennbar ist.5 Der allgemeine Wohlstand in den entwickelten Matriarchaten war vergleichsweise hoch. So hatte in Mohenjo‐​Daro, der größten Stadt der Induskultur, jedes Haus Anschluss an die Kanalisation, was selbst im heutigen Indien noch nicht erreicht ist. In jedem Haus gab es Möbel wie Tische, Stühle und Truhen, was ebenfalls im heutigen Indien noch nicht allgemein üblich ist. Auch der Verbrauch an Textilien war hoch. Anzeichen für eine Klassenspaltung konnten bei allen diesen Gesellschaften trotz verzweifelter Suche der Archäologen nicht gefunden werden. Herrschafts‐ und Monumentalarchitektur, Stadtmauern und Waffen waren unbekannt. An zentraler Stelle der »Zitadelle« lag ein Bad. Es ist nicht mehr zu rekonstruieren, ob es religiösen Zwecken diente, wie die meisten Archäologen meinen oder doch eher weltlichen. Dann wäre es wohl das Schwimmbecken eines größeren Thermenkomplexes, wie sie auch aus dem Römischen Reich bekannt sind6.

Diese Entdeckungen haben auch Auswirkungen auf die Theorie des historischen Materialismus. Offenbar ist ein gesellschaftliches Mehrprodukt nur die Voraussetzung für die Teilung der Gesellschaft in Klassen. Diese vollzieht sich aber nicht sofort und automatisch, wenn es vorhanden ist. In vielen Gesellschaften wie dem minoischen Kreta existierten Ausgleichsmechanismen, die der Akkumulation des Mehrproduktes Grenzen setzten. Wohlhabendere Sippen waren moralisch verpflichtet, aufwendige Feste auszurichten, auf denen das Mehrprodukt gemeinsam verzehrt wurde. Deshalb konnten sich die klassenlosen Gesellschaften auf einem viel höheren Entwicklungsniveau halten, als dies bisher angenommen wurde.

Vor allem der Krieg hat aus einer Möglichkeit zur Klassenspaltung eine Realität gemacht. Das kann exemplarisch an der Geschichte der Indoeuropäer demonstriert werden. Ihre Urheimat liegt in den ukrainischen und südrussischen Steppen. Aufgrund einer Klimaverschlechterung war Ackerbau kaum noch möglich, stattdessen bekam die Tierhaltung eine überragende Bedeutung. Da dies bedeutete, mit den Herden weit umherzuziehen, wurde dieses Tätigkeit zunehmend zur Domäne der Männer und sie wurde immer wichtiger für die Ernährung, während der Ackerbau der Frauen nur noch kümmerliche Resultate erbrachte. Damit wurden die Männer zum wichtigeren Geschlecht, was sich auch im Überbau auswirkte, zum Beispiel im Auftreten männlicher Gottheiten. Die Männer erlernten dann um das Jahr 5.000 v.u.Z. das Reiten, was ihre Mobilität bedeutend erhöhte. Bald kam es zu Zusammenstößen mit benachbarten Stämmen um die immer knapper werdenden Weidegründe. Der Krieg wurde schließlich in der Steppenregion endemisch. Mit dem Krieg kam auch das Privateigentum einzelner Männer an den geraubten Herden der Feinde auf. Mächtige Männer hatten nun das Interesse, dieses Privateigentum exklusiv an ihre Söhne zu vererben. Das aber war nur möglich, wenn die Sexualität der Frauen lückenlos kontrolliert und überwacht wird, was bereits Friedrich Engels erkannte. Hier liegt der Ursprung der patriarchalen monogamen Ehe und Familie, die bis heute existiert. Zunächst setzte sich dieser Brauch aber nur sehr langsam und nur innerhalb der indoeuropäischen Eliten durch.

Ab 4.400 v.u.Z. stießen diese Indoeuropäer mordend und brandschatzend nach Europa, Kleinasien und Indien vor, zerstörten die völlig friedlichen matriarchalen Hochkulturen und führten überall Patriarchat und Privateigentum ein. Genetische Untersuchungen bestätigten diesen Befund, der bereits von der Archäologin Marija Gimbutas beschrieben wurde. Offenbar töteten sie die einheimischen Männer, um die Frauen zu vergewaltigen und sie in die patriarchale Ehe zu zwingen.

Erst jetzt kam es zu einer scharfen sozialen Spaltung. Wo die bisherigen Bewohner nicht getötet oder gewaltsam in die patriarchale Familie eingegliedert wurden, nahmen ihnen die Eroberer gewaltsam das gesamte Mehrprodukt ab. Sie waren nicht mehr verpflichtet, davon etwas mit den Unterjochten zu teilen. Damit wurden sie zu einer herrschenden Klasse.

Vergleichbare Prozesse spielten sich überall auf der Welt ab. Entweder wurden friedliche matriarchale Gesellschaften erobert oder es bildeten sich endogen patriarchale Strukturen, wenn sich Männer bewaffneten, um ihre Gesellschaften gegen Eindringlinge zu verteidigen. Da Patriarchate dynamischer waren, setzten sie sich schließlich gegenüber den Matriarchaten durch und die bekannte Geschichte der Klassengesellschaften begann.

Arbeit und Maschinenwesen

Claudia von Werlhof kritisiert am Maschinenwesen, dass es auf dem Prinzip basiere, bestehende Materie abzutöten und sie verbessert neu zusammenzusetzen. Dieses Prinzip kommt aber bereits in Matriarchaten vor.

So haben Töpferinnen7 der matriarchalen Gesellschaften wahre Meisterwerke geschaffen. Das aber setzte den Abbau des Tones, seine Umformung auf der Töpferscheibe, die Lackierung und dann das Brennen der Gefäße voraus, wofür Holz eingeschlagen und angezündet werden muss. Das gilt auch für die Bronzemetallurgie. Kupfer und Zinn müssen aus der Erde geholt, geschmolzen, in einem bestimmten Verhältnis gemischt und dann mit verschiedenen Techniken bearbeitet werden.

Auf alle diese bereits im Matriarchat bekannten Techniken trifft die Definition für eine Maschine von Claudia von Werlhof zu. Das ist letztlich auch kein Wunder, denn diese Definition ist eine sehr abstrakte und weltfremde Definition von Arbeit überhaupt. Denn Arbeit ist ja eine zweckmäßige, bewusste Tätigkeit, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt und kontrolliert.8 Sie ist zugleich eine Bedingung für das Überleben der Menschen. Wer die Umformung von Naturstoffen ablehnt, lehnt letztlich die Menschen ab.

Matriarchate lebten keinesfalls immer und in jedem Fall im Einklang mit der Natur. So begann die Bodenversalzung in Südmesopotamien bereits in der matriarchalen Epoche und hat wesentlich zum Ende der Matriarchate dort beigetragen. Den damaligen Menschen waren die Zusammenhänge von Bewässerung und Salzanreicherung noch nicht bekannt und konnten es auch nicht sein.

Das eigentliche Maschinenwesen entstand viel später aus dem Bedürfnis heraus anstrengende und eintönige Arbeiten zu erleichtern. Die Verausgabung menschlicher und tierischer Körperkraft wurde zunehmend durch die Nutzung von Naturkräften ersetzt. Als erste Maschine im engeren Sinne gilt die Wassermühle, die das Mahlen von Getreide sehr erleichterte. Sie wurde bereits im Römischen Reich erfunden, setzte sich damals aber wegen der im Überfluss vorhandenen billigen Sklavenarbeit nicht durch. Erst seit dem Frühmittelalter wurden in Europa zahlreiche Mühlen gebaut. Das Prinzip des Wasserantriebs wurde einige Jahrhunderte später auf zahlreiche weitere Arbeitsbereiche übertragen. So gab es zum Beispiel Sägemühlen und Hammermühlen, wo Metalle bearbeitet wurden.

Einen qualitativen Sprung machte das Maschinenwesen mit der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert. Nicht mehr Wasser, sondern Heißdampf diente nun zum Antrieb von Maschinen, Lokomotiven und später auch von Turbinen zur Stromerzeugung. Dampf ist eine um Größenordnungen effektivere Antriebsmethode als Wasser mit Umgebungstemperatur. Bisher waren Industrieanlagen an natürliche Wasserläufe gebunden. Bei Nutzung von Dampfmaschinen konnten sie praktisch überall errichtet werden.

Noch die ersten Dampfmaschinen wurden von Handwerkern ohne wissenschaftliche Bildung nach der Methode Versuch und Irrtum konstruiert. Es dauerte noch bis in die 1840er Jahre, bis sich die Wissenschaft des Maschinenwesens bemächtigte. Es kann also auch empirisch überhaupt nicht die Rede davon sein, dass das Maschinenwesen nach dem Vorbild der antiken Alchemie entstand.

Bis heute bildet Dampf die Basis der Stromerzeugung und von vielen industriellen Prozessen. Fortschritte gab es nur bei den Methoden der Dampferzeugung. Lange Zeit wurden die Dampfkraftwerke ausschließlich mit fossilen Rohstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas betrieben. Das ermöglicht Erntefaktoren9 von bis zu 30.

Mit der Kernenergie kann erstmals eine der vier Grundkräfte der Natur und zwar die Starke Kraft unmittelbar zur Dampf‐ und damit Energieerzeugung genutzt werden. Die in Kernkraftwerken erreichbaren Erntefaktoren sind demnach nochmals um Größenordnungen höher. Sie reichen von 100 bei herkömmlichen Druckwasserreaktoren bis zu 5.000 bei modernen Dual‐​Fluid‐​Reaktoren, die sich gerade in der Entwicklung befinden.

Lösung der Menschheitsprobleme

Die Welt steht gegenwärtig vor großen Problemen, wie zum Beispiel grassierender Armut, Umweltzerstörungen, Klimawandel, Versiegen von Ressourcen und ungebremstem Bevölkerungswachstum. Diese Probleme lassen sich aber nicht mit weniger, sondern nur mit mehr Technik lösen. Dies zumindest dann, wenn man den Lebensstandard der Menschen nicht ins Bodenlose fallen lassen will.

Ein Beispiel von vielen: Die Grünen und die superreichen Oligarchen des World Economic Forum behaupten, dass aufgrund der Knappheit gewisser Ressourcen wie seltene Erden der westliche Lebensstil nicht verallgemeinerbar sei, dass man für einen solchen Lebensstil von acht Milliarden Menschen zwei Erden bräuchte. Deshalb müsse der Konsum der einfachen Bevölkerung radikal beschnitten werden.

Allerdings gibt es auch für dieses Problem eine technische Lösung: Beim Plasmarecycling oder Plasmavergasung wird Haushalts‑, Landwirtschafts‐ oder Industrieabfall durch eine Plasmalanze in den Aggregatszustand Plasma gebracht und so jede Verbindung in ihre niedermolekularen oder elementaren Bestandteile zerlegt. Diese können anschließend entweder erneut genutzt, oder – wenn ungefährlich – in die Umwelt entlassen werden. Bei niedrig oxidierten Substanzen fungiert die Plasmavergasung sogar als Energiequelle, bei hochoxidierten, insbesondere Metallen und Silikaten, muss Energie zugeführt werden, um die Molekülbindungen aufzubrechen. Durch die Plasmavergasung können Rohstoffe, unter anderem die seltenen Erden, ständig wiederverwendet werden. Die prognostizierte Rohstoffknappheit würde damit ein Ende haben.10 Die Grundprinzipien von Plasmarecycling sind bereits verstanden und es gibt einige Versuchsanlagen. Einer großtechnischen Anwendung stehen die hohen Energiekosten entgegen.

Mit genügend Energie könnte jedes große Menschheitsproblem gelöst werden und zwar ohne den Lebensstandard der Menschen ins Bodenlose stürzen zu lassen. Nach Lage der Dinge kann diese Energie nur von Kernkraftwerken geliefert werden; im Augenblick noch von fortschrittlichen Kernspaltungsreaktoren, später vielleicht auch von Kernfusionsreaktoren.

Es stimmt auch nicht, dass die weltweiten Uranvorräte nur noch für eine kurze Zeit reichen würden. Das wäre nur dann der Fall, wenn die Weltenergieerzeugung plötzlich zu 100 Prozent mit Kernenergie erfolgen würde und zwar mit herkömmlichen Leichtwasserreaktoren. Aber bereits Schnelle Brüter würden die vorhandenen Kernbrennstoffe 100 mal effektiver ausnutzen. Damit werden auch Mineralien mit geringeren Uran‐ und Thoriumanteilen als die momentanen verwendeten energetisch nutzbar ohne den Strompreis merklich ansteigen zu lassen, zum Beispiel Phosphate oder Tonschiefer. Sogar das Extrahieren von Uran aus Meerwasser ist möglich. Dadurch werden die Kernbrennstoffressourcen praktisch unendlich. Mit Brutreaktoren wird die Kernenergie zu einer Quelle, die mindestens Jahrzehntausende, eventuell sogar Jahrmilliarden Jahre vorhält.

Schnelle Brüter können auch den bisherigen Atommüll als Energieressource nutzen und ihn damit vernichten. Man kann die Kernkraft daher mit Recht und Fug bei den erneuerbaren Energien einreihen.

Die Sicherheit der Kernenergie kann hier nicht vertieft diskutiert werden. Aber im Artikel »Der vermutlich kommende Klimalockdown« aus dem Jahr 2021 habe ich ausführlich und anhand von Statistiken dargestellt, dass die Kernenergie keinesfalls die gefährlichste, sondern die sicherste Energiequelle ist.11

Die ultrareichen Oligarchen wie Gates, Bezos und Co. betreiben den Great Reset, die Zerstörung des Wohlstandes der Menschen unter dem Vorwand der Klimarettung und Projekte zur Bevölkerungsreduktion nicht etwa deshalb, weil die Ressourcen der Erde absolut an ihr Ende gekommen sind, sondern weil sie aufgrund der extrem produktiven Industrie 4.0 mindestens 99 Prozent der Menschen nicht mehr profitabel ausbeuten können. Sie betrachten diese Menschen – uns alle – als Taugenichtse, die ihnen nur auf der Tasche liegen und die eher früher als später vom Angesicht der Erde verschwinden sollten.

Die gleiche Technik, mit der die Oligarchen uns das Leben zur Hölle machen, kann auch eingesetzt werden, um ein Paradies für alle acht Milliarden Menschen zu schaffen. So wird künstliche Intelligenz heute vor allem als Werkzeug zur effektiven Überwachung und Bestrafung der Menschen eingesetzt. Sie setzt zudem immer mehr Arbeiter außer Kurs und verurteilt sie – bestenfalls – zu einem Dahinvegetieren auf Hartz‐IV‐Niveau.

Künstliche Intelligenz kann aber auch für eine effektive Wirtschaftsplanung eingesetzt und so Warenmangel jeder Art vermieden werden. Auch könnte die noch verbleibende Arbeit gleichmäßig auf alle Arbeiter verteilt werden. Dann wären Arbeitstage von zwei Stunden oder weniger in Reichweite. Das funktioniert natürlich nur, wenn die wenigen noch verbliebenen Kapitalisten enteignet und ihr Besitz in Gemeineigentum überführt würde.

Das Matriarchat ist – mit Ausnahme einiger kleinerer Gesellschaften – untergegangen und wird sich wohl auch nicht mehr wiederherstellen lassen. Dass allerdings die patriarchale monogame Ehe der Weisheit letzter Schluss ist, darf auch bezweifelt werden. Hoffentlich wird es in einer besseren Welt ohne Repression, Zensur und Diktatur und in gesicherten materiellen Verhältnissen eines Tages möglich sein, über andere Formen des Zusammenlebens nachzudenken und sie auch auszuprobieren, so wie es in den besseren Zeiten der Menschheit schon praktiziert wurde.

Gebärneid und Patriarchat

Claudia von Werlhof hat allerdings in einem Punkt recht: In besonders reaktionären Perioden der Geschichte kam bei den herrschenden Patriarchen immer wieder die Vorstellung auf, Frauen und Mütter ganz abzuschaffen und sich an ihre Stelle zu setzen. In der Vergangenheit war diese Vorstellung ausschließlich auf das imaginäre Reich der Phantasie beschränkt. Das reicht von der Mythe, dass die Göttin Pallas Athene aus dem Kopf des Zeus entsprang hin zu den zahlreichen männlichen Schöpfergöttern, von denen der christliche Gott der bekannteste ist. Auch er schuf angeblich die gesamte Natur einschließlich der Menschen aus sich selbst heraus ohne jede weibliche Hilfe.

Heute wollen die Oligarchen durch künstliche Gebärmütter das weibliche Geschlecht irrelevant machen, was seine Abschaffung ermöglicht. Dass diese wahnsinnigen Pläne etwas mit heftigem Gebärneid zu tun haben, liegt für mich auf der Hand. Der gegenwärtige Genderwahn soll diese Entwicklung vorbereiten. Mütter werden bereits sprachlich abgeschafft und durch den Begriff »gebärende Person« ersetzt.

Wie Yuval Noah Harari offen zugibt, wollen die Oligarchen selbst zu Göttern werden und über die Erde göttergleich herrschen.12 Es bleibt nur zu hoffen, dass sie damit nicht durchkommen.

Verwendete Literatur und Videos

Heide Göttner‐​Abendroth: Das Matriarchat, Band III: Geschichte matriarchaler Gesellschaften und Entstehung des Patriarchats, Stuttgart 2019

Yuval Noah Harari: Homo Deus, E‑Book, München 2017

Fabian Hermann: Kurz und knapp: 17 Pro‐​Atom‐​Argumente, Nuklearia, 21.09.2012, im Internet: https://​nuklearia​.de/​2​0​1​2​/​0​9​/​2​1​/​k​u​r​z​-​u​n​d​-​k​n​a​p​p​-​1​7​-​p​r​o​-​a​t​o​m​-​a​r​g​u​m​e​n​te/, abgerufen am 11.06.2021

Michael Jansen: Die Indus‐​Zivilisation, Köln 1986

Karl Marx: Das Kapital, Band 1, MEW 23, Berlin 1989

Jan Müller: Der vermutlich kommende Klimalockdown, 2021, im Internet: https://​magma​-magazin​.su/​b​r​o​s​c​h​u​e​r​e​n​/​d​a​r​k​-​w​i​n​t​e​r​-​a​n​a​l​y​s​e​n​-​z​u​m​-​c​o​r​o​n​a​-​k​a​p​i​t​a​l​i​s​m​us/, abgerufen am 22.02.2023

Claudia von Werlhof: Leben in der Megamaschine?, Vortrag, 16.03.2023, YouTube, im Internet: https://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​4​o​6​4​b​6​7​e​RyI, abgerufen am 06.04.2023

Claudia von Werlhof: Die große Verwirrung, Interview mit Elisa Gratias vom Rubikon, 01.04.2023, YouTube, im Internet: https://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​o​_​c​j​F​2​E​j​VCw, abgerufen am 06.04.2023

1 Claudia von Werlhof: Leben in der Megamaschine?, Vortrag, 16.03.2023, YouTube, im Internet: https://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​4​o​6​4​b​6​7​e​RyI, abgerufen am 06.04.2023

2 Claudia von Werlhof: Die große Verwirrung, Interview mit Elisa Gratias, 01.04.2023, YouTube, im Internet: https://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​o​_​c​j​F​2​E​j​VCw, abgerufen am 06.04.2023

3 Die Induskultur wird in dem Buch nicht behandelt.

4 Vgl. Heide Göttner‐​Abendroth: Das Matriarchat, Band III: Geschichte matriarchaler Gesellschaften und Entstehung des Patriarchats, Stuttgart 2019, S. 15f

5 Vgl. Göttner‐​Abendroth 2019, a.a.O., S. 343

6 Vgl. für Mohenjo‐​Daro: Michael Jansen: Die Indus‐​Zivilisation, Köln 1986

7 Das Töpfern gehörte im Matriarchat traditionell zum Arbeitsbereich der Frauen. Vgl. für Kreta Göttner‐​Abendroth 2019, a.a.O., S. 344

8 Vgl. Karl Marx: Das Kapital, Band 1, MEW 23, Berlin 1989, S. 192

9 Erntefaktor = Verhältnis zwischen der für den Bau und Betrieb eines Kraftwerks aufgewendeten und erzeugten Energie.

11 Vgl. Jan Müller: Der vermutlich kommende Klimalockdown, 2021, a.a.O., S. 209ff

12 Yuval Noah Harari: Homo Deus, E‑Book, München 2017, Kapitel 1, Unterkapitel Die Götter des Planeten Erde

Bild: Palast von Knossos, Stiersprungfresko, Kreta, Griechenland. Beispiel für ein entwickeltes Matriarchat in der Bronzezeit auf Kreta. Männliche und weibliche Jugendliche bei der Sportart Stierspringen (CC‐​BY‐​SA wikimedia commons)

3 thoughts on “Subsistenzwirtschaft und Maschinenwesen oder die gefährlichen Illusionen der Claudia von Werlhof

  1. Jede materialistische Geschichts‑, also Gesellschaftstheorie und Kritik nimmt ihren Ausgang von der Ermittlung anstehender Aufgaben auf der Produktivkraftebene. In dieser Hinsicht kann man Jan Müller garnicht dankbar genug sein, wenn er unermüdlich die Antwort auf die Frage der Energieversorgung (und die des (Plasma)Recyclings) allen andern Überlegungen voranstellt. (Schon jetzt, so scheint mir, zeichnet sich da ein Alleinstellungsmerkmal der Freien Linken ab.)
    Aber mit diesem Schritt ist allenfalls ein Anfang gemacht; es gibt noch erheblich mehr Existenz‐​Probleme zu lösen; dazu gehört zentral an nächster Stelle die Besinnung auf das Verhältnis von Techno‐ und Biosphäre, oder, ganz banal: auf Arbeit und Sich‐​Reproduzieren. Wenn Frau von Werlhofs Begriff von Technik zu abstrakt sein sollte, so ist vermutlich ihr Begriff von Leben, Lebendigem, vollends irrational. Damit ist sie leider nicht allein; denn auch die materialistische Theorie hat da derzeit wenig Substanzielles vorzuweisen, allenfalls mit der Kategorie PRAXIS eine bislang nicht wirklich gefüllte Leerstelle geöffnet. Die Stossrichtung der v.Werlhofschen Patriarchatskritik scheint mir dabei sogar noch zulässig. Wenn man nämlich vergisst, dass wir Teil der gesamten Biosphäre sind (und an und in ihr unsere durch nichts ersetzbare Existenz‐​Voraussetzung haben) – und stattdessen uns als ein einstweilen noch unentbehrliches Universaltool betrachten, das sich im Verbund mit Technik zunehmend selber überflüssig macht: Dann hat man den ambivalenten Tief‐ und Endpunkt nicht nur der von Marx vorausgeahnten Kapital‐​Bewegung (lebendige Arbeit zugunsten toter zurückdrängen) ins Auge gefasst, sondern auch gleich den Kern‐​Glaubenssatz der transhumanistischen Technik‐​Religion, in Abwandlung von Hararis Dystopie: Gerade nicht HOMO deus, sondern MACHINA dea. Das zutiefst Alberne an diesem Gedanken ist bloss, dass er uns im speziellen und ansonsten der Biosphäre allgemein unsere und ihre grösste Errungenschaft als zu beseitigenden Mangel ankreidet: Unsere und ihre Fähigkeit zur Selbst‐​Reproduktion innerhalb der Vorgaben der Geosphäre, wobei dann speziell die als evolutionäre etwas langsamere, als kollektiv‐​kulturell‐​kognitive deutlich schnellere und insgesamt ziemlich universelle LERNFÄHIGKEIT auffällt. Die Selbsterhaltung stellt allerdings Ansprüche, die nicht nur der Kapitalverwertung, sondern auch der technischen Optimierbarkeit unüberschreitbare Grenzen ziehen: Intelligenz ist und bleibt eine BIOLOGISCHE Qualität. Die Frage, die die Transhumanisten zu beantworten versuchen, lautet daher auch nicht: Ob KI besser rechnet als wir (soll sie doch, als Werkzeug, als das sie zu genau diesem Zweck erfunden wurde). Sondern: Ob sie oder ein anderes Technikding an unserer Stelle LEBT, sogar besser als wir, und dabei UNSERE Geschichte fortsetzt. Nur das könnten wir doch ernsthaft als Selbst‐​Steigerung ansehen. Man muss das nur aussprechen um zu wissen, WIE weit die depperten Möchtegern‐​Frankensteins in MIT, Davos oder Silicon Valley davon entfernt sind.

  2. 1) Ohne Energie im Überfluß kein Wohlstand und folglich kein angenehmes Leben.
    2) So lange Radioaktivität gesundheitsschädlich bleibt und es keine Lösung für radioaktiven Müll gibt, ist egal welche Art von Atomenergie keine Lösung.
    3) Es gibt gar keinen Mangel an fossilen Energieträgern, wobei die Nutzung von Wasser, Wind und Sonne zur Energiegewinnung keinesfalls abzulehnen, sondern im Gegenteil auszubauen ist.
    4) Nachdem 0,15 – 0,35% CO2 in der Luft die besten Werte fürs Pflanzenwachstum sind, gibt es keinen Grund sich aufzuregen, wenn der Wert von 0,04 auf 0,041 % steigt.
    5) Maschinenstürmerei war noch nie richtig, wichtig ist die private Aneignung des Mehrwerts zu unterbinden.
    6) Es gibt keine Gleichheit unter ungleichen Verhältnissen. Das gilt auch für die Gleichheit der Geschlechter.

  3. Sehe ich das richtig, dass hier ernsthaft Göttner‐​Abendroth als Abhilfe zu Werlhof präsentiert werden soll? Leider ist die sogenannte »Matriarchatsforschung« insgesamt eine an Scharlatanerie grenzende Geschichtsklitterung, und in empirischer Hinsicht größtenteils Mumpitz. Man nehme nur das Beispiel der Irokesen: matrilinear, egalitär und politisches Mitspracherecht, und zugleich eine der kriegerischsten Gesellschaften des indigenen Amerika. Das angebliche Pantheon ohne männliche Gottheiten ist grober Unfug, Gimbutas‹ Bild der Indoeuropäer eine ideologische Projektion, die Einwände liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch, bloß können die Damen mit Kritik nicht umgehen und jammern stattdessen über die »Diskriminierung der Matriarchatsforschung«.

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