Die Sprache der Herrschaft – und der Ohnmacht Lektion 24 – 1: Der Stählerne – als Antichrist

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Mag­Ma publi­ziert von nun an in regel­mä­ßi­gen Abstän­den die bis­her seit 2012 als Video vor­lie­gen­den und basie­rend auf Über­le­gun­gen von Anfang der 90er Jah­re ent­stan­den Lek­tio­nen zur »Spra­che der Herr­schaft und der Ohn­macht« von:

malcom.z

der wei­ße nig­ger aus deutsch-nordost

ein ehe­ma­li­ger mensch der ehe­ma­li­gen DDR

Bis­her lie­gen vor (nicht alle ursprüng­lich als Video­pod­cast ver­fass­ten Lek­tio­nen eig­nen sich zur schrift­li­chen Ver­öf­fent­li­chung, woher die Lücken in der Num­me­rie­rung herrühren):

Lek­ti­on 9: Arbeit­ge­ber – Arbeitnehmer

Lek­ti­on 10: Rät­sel­haf­te Herzinfarkte

Lek­ti­on 11: Alt­kanz­ler, Alt­bun­des­prä­si­dent, Alt­ei­gen­tü­mer & Diktatur

Lek­ti­on 14: So wahr mir Gott helfe

Lek­ti­on 15: Buß­geld­be­scheid und Bußgeldverfahren

Lek­ti­on 18: Ein­fahrt frei! Der tag­täg­li­che Ari­sie­rungs- Ghetto-Terror

Lek­ti­on 19: Indi­rek­te Behaup­tun­gen und Beweise

Lek­ti­on 20: Die Wei­ber wer­den gefickt, die Ker­le krie­gen die Eier abgeschnitten

Lek­ti­on 21: RECHT: DAS Recht, (DIE) Rech­te / EIN Recht / MEI­NE Rech­te / MEIN Recht, recht – rechts

Lek­ti­on 22: »Ras­sen­theo­rie« und »Tota­li­ta­ris­mus­theo­rie«

Lek­ti­on 23: Natür­li­cher Tod – Frei­tod – Selbst­mord – Schuldeingeständnis

Lektion 24 – 1: Der Stählerne – als Antichrist

Die drei­tei­li­ge Lek­ti­on 24 gilt dem fünf­tei­li­gen Buch Der Stäh­ler­ne und des­sen Erklä­rung bzw. einer Ein­füh­rung. Sie­he gern auch: http://​lexi​kon​.wikidot​.com/​d​e​r​-​s​t​a​e​h​l​e​rne

Die­ser Mann ist der irdi­sche Beel­ze­bub. Der Anti­christ. Er ist der ver­haß­tes­te Kom­mu­nist aller Zei­ten. Kein schwar­zer Skla­ven-Befrei­ungs-Agi­ta­tor, kein afri­ka­ni­scher oder kari­bi­scher Revo­lu­tio­när oder chi­le­ni­scher Prä­si­dent kann mit ihm mit­hal­ten. Schon gar kein Isla­mist. Er ist der ver­haß­tes­te Erden­bür­ger-Mensch über­haupt. Heu­te und für alle Zei­ten. Den angeb­lich Plu­ral-Frei­heit­li­chen, den west­li­chen »Gut«- bis »Best«-Menschen, die aber die Jahr­zehn­te seit 1945 bes­tens genutzt haben, ihren Haß auf die zu über­tra­gen, in deren Inter­es­se eigent­lich etwas sehr ande­res ist. Der frei­lich des­halb nicht als Mensch erzählt wird, son­dern immer nur als Mons­ter. Wäh­rend aber Mons­tren in Com­merz-Comics und Com­merz-Ver­blö­dungs-Ver­ro­hungs-Unter­hal­tungs-Fil­men durch­aus auch sym­pa­thi­sche und mensch­li­che Züge haben dür­fen, ist das in die­sem kon­kret-his­to­ri­schen Fall völ­lig ausgeschlossen.

Näm­lich gemes­sen an der Erzähl­wei­se der Herr­schafts­pro­pa­gan­dis­ten inklu­si­ve der in den Pro­pa­gan­da-Behaup­tun­gen wider ihn ver­wen­de­ten Wör­ter der west­welt­lich Herr­schen­den und ihren Machterhalt-Beauftragten.

Die Pro­pa­gan­da wider ihn ist die ältes­te, fast unver­än­der­te Kern-Pro­pa­gan­da-Erzäh­lung heu­ti­ger Anti-Pro­pa­gan­da, die auch auf ande­re Per­so­nen und Gegen­den nach Belie­ben der Welt­herr­schafts-Krie­ger por­tiert wird. Even­tu­ell sind Pro­pa­gan­da-Dar­stel­lun­gen der rus­si­schen Revo­lu­ti­on von 1917 als die älte­ren anzu­se­hen. Aber wenn dann die fil­mi­sche Dar­stel­lung vom Sturm auf das Win­ter­pa­lais dem deut­schen Volks­trot­tel als nach­ge­stellt und des­halb also falsch erzählt wird, wird die­se ver­meint­li­che Fäl­schung nicht Lenin ange­las­tet. Schon gar nicht Trotz­ki, son­dern wem? Rich­tig: Dem Stäh­ler­nen. Und nicht zuletzt: Sta­lin war ja Teil die­ser Revo­lu­ti­on. Auch wenn er damals noch nicht so hieß.

Aller­dings sind die Nega­tiv-Erzäh­lun­gen der Revo­lu­ti­on von 1917 eini­ger­ma­ßen aus der Mode gekom­men. Daß Lenin sich habe von den Deut­schen bestechen las­sen und die deut­schen Kai­ser­li­chen also die eigent­li­chen Urhe­ber der Revo­lu­ti­on und damit der UdSSR gewe­sen sei­en, ist doch eher ein absei­ti­ger Strang reak­tio­nä­rer Lügen-Pro­pa­gan­da. Und nicht der Kern der Sache. Und bei wei­tem nicht so negativ.

Die Anti-Sta­lin-Erzäh­lun­gen wur­den aller­spä­tes­tens viru­lent, seit Leo Trotz­ki, Teil­neh­mer der sel­ben Revo­lu­ti­on und damals Gesin­nungs-Genos­se von Lenin wie von Sta­lin wie von Dscher­schin­ski wie von Kali­nin wie von Molo­tow wie von zig Tau­sen­den ande­ren, sich anschick­te, das Role Model des kom­mu­nis­ti­schen bzw. sozia­lis­ti­schen Dis­si­den­ten zu geben, also des anti­kom­mu­nis­ti­schen. Also seit Ende der 1920er Jah­re. Denn für die­se Kon­struk­ti­on des Nega­tiv-Hel­den braucht es – wie im Cow­boy-Film der Mar­shall-Held den Gau­ner braucht, ihn am Ende zu erschie­ßen – den »good guy« als Gegen­spie­ler, Kron­zeu­gen und als Opfer des Bösen. Wie ja auch spä­ter Arendt, Sol­sche­ni­zyn, Leon­hardt, Bier­mann, Gysi und so vie­le ande­re die »good guys« für die Welt­herr­schafts-Mas­sen­mör­der mach­ten und machen. Das Bei­spiel Leo Trotz­ki aber wur­de von den west­li­chen Pro­pa­gan­da-Appa­ra­ten genau gegen die­sen Stäh­ler­nen auf­ge­baut auf der Grund­la­ge sei­ner, Trotz­kis, Mel­dung und Andie­nung und Geld­an­nah­me, und jede Erwäh­nung und jede Wie­der­ho­lung sei­ner west­welt­lich-offi­zi­el­len Sto­ry wie­der­holt auch die Ankla­ge-Denun­zia­ti­on wider den angeb­lich Bösen und das ver­meint­lich Böse. Und das Code­wort ist: STALIN.

Der 1878 als Jo(s)sif Wis­sa­ri­o­no­witsch Dschu­gaschwi­li gebo­re­ne Geor­gi­er, der – schon das ist Teil der Fal­scher­zäh­lung wider ihn – gern als impe­ria­lis­tischs­ter aller Rus­sen ver­kauft wird, da er nie Rus­se war und schon gar nicht impe­ria­lis­tisch – folg­te schon in jun­gen Jah­ren den Ver­hei­ßun­gen der seit Mit­te des 19. Jahr­hun­derts im Umlauf befind­li­chen marx­schen Mensch­heits-Befrei­ungs-Uto­pie, wie es Mil­lio­nen ab der zwei­ten Hälf­te des 19. bis Anfang der 20. Jahr­hun­derts taten: Deut­sche, Fran­zo­sen, Eng­län­der, Rus­sen, Polen, Juden, Amis, Chi­ne­sen … Und wären es ein paar Mil­lio­nen mehr und die deut­schen Sozen nicht um 1900 in der Sozen­füh­rung mehr­heit­lich schon so kor­rupt, ver­kom­men und ver­rä­te­risch gewe­sen wie sie es ins­be­son­de­re 1914, 1918 und 1932 und 1933 im Deut­schen Reich und in West­deutsch­land ab 1946 wie­der und 1990 wie­der­um waren, dann hät­ten wohl die bei­den von Deutsch­land aus­ge­hen­den Welt­krie­ge ver­hin­dert wer­den kön­nen. Und also min­des­tens um die 80 Mil­lio­nen Kriegs‑, Hun­ger- und Ter­ror­to­te. In der sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne und spä­ter in der DDR war für 45 Jah­re nie­mand mehr da, der Sozen­ver­rat com­mer­zi­ell belohnt hätte …

Unser Held las früh auf­rüh­re­ri­sche Bücher. Es ist über­lie­fert, daß er schon in sehr jun­gen, in Schü­ler­jah­ren mar­xis­ti­sche Zir­kel lei­te­te. Er schloß sich der rus­si­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie und der lenin­schen Linie an, wur­de Berufs­re­vo­lu­tio­när, tat sich her­vor bei der revo­lu­tio­nä­ren Geld­be­schaf­fung. Um es mit Rio Rei­ser zu sagen: Die Typen hol­ten sich aus den Ban­ken, was sowie­so dem Volk gehör­te, die­sem aber vor­ent­hal­ten wur­de. Er wur­de dafür wie zig Tau­sen­de ande­re vom zaris­ti­schen Staat in die Kon­spi­ra­ti­on gezwun­gen, mit Ver­ban­nun­gen ver­folgt und außer Lan­des getrie­ben. War also von Anfang an betei­ligt an der Revo­lu­ti­on. Was auch irgend wie immer zu erzäh­len »ver­ges­sen« wird, da es so aus­se­hen soll, als sei das neben Lenin nur Trotz­ki ein wirk­li­cher Revo­lu­tio­när und ver­dienst­voll gewesen.

Wegen die­ser Akti­vi­tä­ten wird er von den als His­to­ri­ker oder Jour­na­lis­ten oder Polit­niks fir­mie­ren­den Brd-Regime-Büt­teln regel­mä­ßig als Jugend­lich-Kri­mi­nel­ler dar­ge­stellt, aber er wird fast immer ganz aus den His­to­ri­en-Erzäh­lun­gen gestri­chen, wenn die Ver­diens­te Lenins und Trotz­kis um die Revo­lu­ti­on erzählt wer­den. Dem deut­schen Volks­trot­tel soll so die Supe­rio­ri­tät Trotz­kis gegen­über dem Stäh­ler­nen ein­ge­bla­sen wer­den. Den Anti-Sta­lin-Erzäh­lun­gen ging und geht es immer – mal offe­ner, mal sub­ti­ler – dar­um, Trotz­kis Anspruch als legi­ti­mer Nach­fol­ger Lenins zu stüt­zen. Je höher der erzähl­te Sta­tus, des­to wert­vol­ler der Ver­rat. Wozu ein Brief wie Hun­der­te ande­re nach Trotz­kis Wil­len und Vor­ga­be »Das Tes­ta­ments Lenins« genannt wird, obwohl und weil das Wort »Tes­ta­ment« in ihm nir­gends zu lesen ist. Wie auch der falsch »Pakt« genann­te Ver­trag vom August 1939 weder das Wort »Pakt« ent­hält noch die Namen Sta­lin, Molo­tow, Hit­ler oder Ribbentrop.

Wer das nicht und schon gar nicht als geschichts­fäl­schend durch­schaut, dem erscheint damit dann die Tat­sa­che, daß Sta­lin Lenins Nach­fol­ger wur­de, als des­sen Nie­der­tracht. Auf die Idee, daß in den Par­tei-Lei­tungs-Gre­mi­en dis­ku­tiert und gewählt wor­den ist, daß der Stäh­ler­ne von Popu­la­ri­tät in der Par­tei­ba­sis und dar­über hin­aus im gesam­ten Volk der UdSSR getra­gen wor­den ist und daß er den Genos­sen als kom­pe­tent und füh­rungs­stark erschien, wie man das heu­te nennt, wenn dem Volk heu­ti­ge kor­rup­te Polit­niks oder Betrü­ger-Fir­men-Chefs schmack­haft gemacht wer­den sol­len, da sei­ne Vor­schlä­ge, Reden, Plä­ne zukunfts­träch­tig waren und durch den Lauf der Din­ge weit über­wie­gend bestä­tigt wur­den, kom­men die Pro­pa­gan­da-Ein­peit­scher nicht und also auch nicht die Kon­su­men­ten die­ser Ein­peit­schun­gen. Zumal den Pro­pa­gan­da-Emp­fangs-Trot­teln längst abge­wöhnt wur­de, Polit­niks und Jour­nail­le, das gan­ze Sys­tem dar­an zu mes­sen, ob frü­her gemach­te Ansa­gen sich bestä­tigt haben oder nicht. Kom­pe­tenz ist schon lan­ge nicht mehr das Rich­ti­ge. Das an Ergeb­nis­sen gemes­se­ne. Son­dern das Lau­te, Bun­te, Selbst­ge­rech­te, Kra­chi­ge, Polternde.

Bild: Sta­lin, Foto von 1902 aus dem Buch Josef Wis­sa­ri­o­no­witsch Sta­lin – Kur­ze Lebens­be­schrei­bung, Ver­lag für fremd­spra­chi­ge Lie­te­ra­tur Mos­kau 1947

Lek­ti­on 24 – 1 als Video:

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