Zentralisierung der Produktionsmittel, der sozialen Beziehungen und der Staatskontrolle zur Rettung des Kapitals als Ziel des Pandemiemanagements

Assemblea Militante auf Demonstration
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Fol­gen­der Arti­kel basiert auf einem Manu­skript eines Vor­trags, gehal­ten auf der Inter­na­tio­na­len Kon­fe­renz der Frei­en Lin­ken in Prag am 3. Sep­tem­ber 2022, über­setzt mit Hil­fe von DeepL.

Zunächst möch­te ich mei­ne Genug­tu­ung dar­über zum Aus­druck brin­gen, dass ich an die­ser Kon­fron­ta­ti­on teil­neh­men kann und die Gele­gen­heit habe, ein Netz­werk von Akti­vis­ten ken­nen­zu­ler­nen, die sich klar gegen den Sprung nach vorn ent­schie­den haben, den das inter­na­tio­na­le kapi­ta­lis­ti­sche Aus­beu­tungs­sys­tem mit dem Pan­de­mie-Manage­ment in Gang gesetzt hat.

Es han­del­te sich dabei nicht um eine kon­tin­gen­te Kam­pa­gne, die von objek­ti­ven und natür­li­chen Not­fäl­len dik­tiert wur­de, auf die der Kapi­ta­lis­mus auf­grund sei­ner Wider­sprü­che und sei­nes Anar­chis­mus nicht reagie­ren konn­te. Lock­downs, Impf­kam­pa­gnen und die Ent­wick­lung eines Kon­troll­sys­tems und einer sozia­len Dis­zi­pli­nie­rung waren das Ergeb­nis einer his­to­ri­schen Not­wen­dig­keit eines Aus­beu­tungs­sys­tems in der Kri­se, das gezwun­gen ist, auch hier in den west­li­chen Län­dern Instru­men­te der maxi­ma­len Zen­tra­li­sie­rung der Pro­duk­ti­ons­mit­tel, der sozia­len Bezie­hun­gen und der staat­li­chen poli­ti­schen Ver­wal­tung im Diens­te des Pro­fits und des Über­le­bens des Kapi­tals durchzusetzen.

Lasst mich daher ein­lei­tend sagen, wie das klei­ne Netz­werk von Akti­vis­ten, das in den letz­ten zwei Jah­ren ent­stan­den ist und gegen die »auto­ri­tä­re Ver­wal­tung der Pan­de­mie« gekämpft hat, ent­stan­den ist und funk­tio­niert. Denn es ent­stand nicht aus der Rei­fung eines theo­re­ti­schen Pro­jekts, das in poli­ti­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Krei­sen ent­wi­ckelt wur­de, son­dern aus der spon­ta­nen Betei­li­gung an den Bewe­gun­gen gegen die Pan­de­mie­ver­wal­tung, die Abrie­ge­lun­gen und die anschlie­ßen­de Impf­kam­pa­gne. In der hete­ro­ge­nen Bewe­gung, die vor allem in Nord­ita­li­en mona­te­lang die Plät­ze besetz­te, sahen alle instink­tiv eine Reak­ti­on auf ein Pro­jekt der sozia­len Neu­ord­nung, des­sen Gren­zen nicht beim kon­tin­gen­ten »Not­fall«, geschwei­ge denn bei der Gesund­heit, son­dern beim gesam­ten Leben der betrof­fe­nen Klas­sen aufhörten.

Ich möch­te hier nicht auf die Ent­wick­lung der Regie­rungs- und Bewe­gungs­po­li­tik in Ita­li­en ein­ge­hen, im Lau­fe der Dis­kus­si­on wer­den ande­re Genos­sen der Assem­blea Mili­tan­te auf die­se wich­ti­gen Aspek­te zum Ver­gleich ein­ge­hen. Was ich beto­nen möch­te, ist, dass, wenn es mög­lich war, dass Mili­tan­te aus völ­lig unter­schied­li­chen poli­ti­schen anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Hin­ter­grün­den (vom ita­lie­ni­schen Kom­mu­nis­mus bis zum Anar­chis­mus und klas­sen­be­wuss­ten Gewerk­schaf­ten) sich zu gemein­sa­men Kämp­fen zusam­men­fin­den konn­ten, dies auf die sozia­le Ener­gie zurück­zu­füh­ren ist, die, wenn auch wider­sprüch­lich, in Bewe­gung gesetzt wur­de. Und dar­auf, dass sie als Bruch­li­nie und Wider­spruch zum kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tungs­sys­tem iden­ti­fi­ziert wur­de, ohne es wegen sei­ner Beschrän­kun­gen und der sou­ve­rä­nen und bür­ger­li­chen Ten­den­zen, die es beseel­ten, zu ver­wer­fen. So wur­de unser Netz­werk geboren.

Dadurch wur­de sicher­ge­stellt, dass die Fra­gen nach dem Inhalt des Angriffs, dem Ver­hält­nis zwi­schen die­sem und dem Funk­tio­nie­ren und der Kri­se des Sys­tems nicht im Streit um aus­ge­reif­te Gewiss­hei­ten und die weni­gen Qua­drat­zen­ti­me­ter Wahr­heit, die aus den Erfah­run­gen der Ver­gan­gen­heit stam­men, ste­cken blei­ben. Man such­te also die Kon­fron­ta­ti­on, indem man ver­such­te, die­se Instru­men­te der Ver­gan­gen­heit als Ant­wort auf die poli­ti­schen Pro­ble­me, mit denen wir kon­fron­tiert sind, und die Fra­gen, die die­se neue Pha­se des Kapi­ta­lis­mus und des Klas­sen­kamp­fes auf­wirft, zu nut­zen und zu erneuern.

Das glei­che Netz­werk, das ursprüng­lich als Koor­di­na­ti­on von Akti­vis­ten arbei­te­te, die ver­such­ten, loka­le Kampf­erfah­run­gen zusam­men­zu­brin­gen, wur­de jedoch mit den all­ge­mei­nen Fra­gen kon­fron­tiert, die sie aufwarfen.

Wie eini­ge von euch viel­leicht gele­sen haben, beti­tel­ten wir unser ers­tes Doku­ment »Für einen klas­sen­kämp­fe­ri­schen Wider­stand gegen das auto­ri­tä­re Pan­de­mie­ma­nage­ment«. Damit woll­ten wir ein ers­tes Kon­zept auf­stel­len, näm­lich dass es mög­lich ist, dem lau­fen­den Angriff aus der Sicht der Arbei­ter­klas­se und der Aus­ge­beu­te­ten zu begeg­nen, und ins­be­son­de­re aus der Per­spek­ti­ve einer radi­ka­len Infra­ge­stel­lung des Sys­tems der glo­ba­len und tota­len Aus­beu­tung, des­sen Instru­ment der pan­de­mi­sche Not­fall war.

Aus die­sem Grund haben wir die Punk­te der Ana­ly­se und unse­re Visi­on des pan­de­mi­schen Angriffs festgelegt:

  • Die Pan­de­mie war kein unkon­trol­lier­ba­res Natur­er­eig­nis, wie sowohl die Sterb­lich­keits­ra­ten der Pan­de­mie als auch die weit­rei­chen­den Mög­lich­kei­ten der recht­zei­ti­gen Anwen­dung tra­di­tio­nel­ler Arz­nei­mit­tel, die von All­ge­mein­me­di­zi­nern und eini­gen Staa­ten unter dem Druck der Bevöl­ke­rung prak­ti­ziert wur­den, um den Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie auf die schwä­che­re Bevöl­ke­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken, inzwi­schen hin­rei­chend bewie­sen haben.
  • Der von inter­na­tio­na­len Gre­mi­en wie der WHO bewusst her­bei­ge­führ­te Aus­nah­me­zu­stand stand im Gegen­satz zum soge­nann­ten Schutz der öffent­li­chen Gesund­heit. Ins­be­son­de­re mit der Poli­tik des »watch­ful wai­t­ing« ver­zich­te­te sie von vorn­her­ein auf die Behand­lung der Kran­ken und ord­ne­te sozia­le Iso­lie­rungs­maß­nah­men an, die nichts mit der Bekämp­fung der Krank­heit zu tun hatten.
  • Die­ses ers­te Ziel der sozia­len Kon­trol­le und der völ­li­gen Mili­ta­ri­sie­rung des Lebens hat die Men­schen durch den weit ver­brei­te­ten Ein­satz von Medi­en­ter­ror dar­auf vor­be­rei­tet, die völ­li­ge Dele­ga­ti­on ihrer Exis­tenz an den Staat und die so genann­ten inter­na­tio­na­len tech­ni­schen und wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen zu akzep­tie­ren und bei­spiel­lo­se Ein­schrän­kun­gen der bür­ger­li­chen, poli­ti­schen und gewerk­schaft­li­chen Frei­hei­ten hinzunehmen.
  • Die­se Ermäch­ti­gung wur­de genutzt, um eine in der Geschich­te noch nie dage­we­se­ne Mas­sen­impf­kam­pa­gne mit unge­tes­te­ten bio­tech­no­lo­gi­schen Seren durch­zu­set­zen und Zwangs­ver­ab­rei­chungs­maß­nah­men am Arbeits­platz sowie die Ver­fol­gung von Impf­stoff­ver­wei­ge­rern zu erzwingen.
  • Gleich­zei­tig wur­de mit Hil­fe einer regel­rech­ten Mas­sen­da­ten­samm­lung ein digi­ta­les Kon­troll­sys­tem, der Grü­ne Pass, ein­ge­rich­tet, mit dem die Daten der Bevöl­ke­rung erfasst wur­den, um ein Sys­tem der indi­vi­du­el­len Kon­trol­le zu schaf­fen, das zunächst die Gesund­heit betraf, aber auf alle Aspek­te des sozia­len und admi­nis­tra­ti­ven Lebens bis hin zur Schaf­fung einer digi­ta­len Iden­ti­tät aus­ge­dehnt wer­den konnte.
  • Die­se pan­de­mi­sche Dis­zi­pli­nie­rung wur­de also als Beginn einer Zeit gesteu­ert und umge­setzt, in der sich auch im libe­ra­len Wes­ten For­men der sozia­len Ver­mitt­lung und Zuge­ständ­nis­se an gewerk­schaft­li­che und indi­vi­du­el­le Frei­hei­ten den höhe­ren Ansprü­chen der natio­na­len und inter­na­tio­na­len Gemein­schaft in der direk­ten Form der Unter­wer­fung unter den Staat und sei­ne Zie­le beu­gen muss­ten. Das Leben und die Mög­lich­keit der Exis­tenz selbst müs­sen eine frei­wil­li­ge Unter­wer­fung beinhal­ten, ein Ziel, das durch einen Kon­sens und durch Punk­te erreicht wer­den muss, die in Über­ein­stim­mung mit der auf­er­leg­ten Agen­da und den Not­fäl­len unter Andro­hung der sozia­len Mar­gi­na­li­sie­rung erwor­ben werden.
  • Die­se auto­ri­tä­re »Wen­de«, die von den Staa­ten mit dem Pan­de­mie-Manage­ment ein­ge­lei­tet wur­de, war und ist per­fekt auf die Bedürf­nis­se des inter­na­tio­na­len kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tungs­sys­tems und die Ver­su­che abge­stimmt, sei­ner glo­ba­len Wirt­schafts- und Finanz­kri­se entgegenzuwirken.
  • Ins­be­son­de­re wur­de das glei­che Pan­de­mie-Manage­ment genutzt für die:
    • Umset­zung der Tech­no­me­di­zin und Frei­ga­be der bio­tech­no­lo­gi­schen Produktion.
    • Die Umge­stal­tung des Gesund­heits­we­sens und sei­ne schritt­wei­se Abschaf­fung zuguns­ten der Telemedizin.
    • Die För­de­rung und Umset­zung der Nut­zung der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie und der Digi­ta­li­sie­rung durch ihre Aus­deh­nung auf neue Tätig­keits­be­rei­che wie die öffent­li­che Ver­wal­tung, den Ver­brau­cher- und den Arbeits­sek­tor, in die sie bis­her noch nicht vor­ge­drun­gen ist …
    • Wei­ter­ent­wick­lung und Inte­gra­ti­on des Daten­ver­wal­tungs­net­zes und der Instru­men­te zu sei­ner Unter­stüt­zung sowohl für die vor­aus­schau­en­de Steue­rung des Ver­brauchs als auch für sei­ne Lenkbarkeit.
    • Ein wei­te­rer Schub in Rich­tung Digi­ta­li­sie­rung der indi­vi­du­el­len und finan­zi­el­len Wirt­schafts­trans­ak­tio­nen soll­te durch die Aus­wei­tung der digi­ta­len Iden­ti­tät ergänzt wer­den, die auch für die Ein­füh­rung von digi­ta­lem Geld funk­tio­nal ist.
  • Die­se Zie­le waren und sind immer noch dar­auf aus­ge­rich­tet, zu der all­ge­mei­ne­ren Umstruk­tu­rie­rung bei­zu­tra­gen, die das inter­na­tio­na­le Kapi­tal ein­ge­lei­tet hat, um der Ver­wer­tungs­kri­se zu begeg­nen, die sich mit der Finanz­kri­se 2008 und der für 2019 pro­gnos­ti­zier­ten begin­nen­den Rezes­si­on mani­fes­tiert hat.
  • Eine Umstruk­tu­rie­rung, die dar­auf abzielt, einen wei­te­ren Pro­duk­ti­vi­täts­sprung und den Ein­satz von Robo­tern in den Pro­duk­ti­ons­sek­to­ren vor­an­zu­trei­ben, die wei­te­re Zen­tra­li­sie­rung der Sek­to­ren, die zur Ver­tei­lung und Rea­li­sie­rung des Pro­fits bei­tra­gen, durch die Impul­se der Kyber­ne­tik und der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie. Die Fol­gen die­ses all­ge­mei­nen Pro­zes­ses der sozia­len Umstruk­tu­rie­rung bestehen also dar­in, dass alle pro­duk­ti­ven und sozia­len Akti­vi­tä­ten wei­ter dem Leben des kon­zen­trier­ten Kapi­tals in sei­ner ver­zwei­fel­ten Suche nach Ver­wer­tung unter­wor­fen wer­den. Es han­delt sich um die Auf­lö­sung des Klein­ka­pi­tals und der Ver­mitt­lungs­for­men mit der Fol­ge einer dras­ti­schen Ver­klei­ne­rung der Mit­tel­schich­ten, eines wei­te­ren Über­schus­ses an Arbeits­kräf­ten auch im Wes­ten, beglei­tet von einer Ver­schär­fung der Aus­beu­tung, der Absen­kung der Löh­ne unter die Gren­zen der Repro­duk­ti­on des Lebens und einer extre­men Pre­ka­ri­sie­rung der Arbeit.
  • Damit ist bewie­sen, dass tech­no­lo­gi­sche Sprün­ge bei allen extre­men Kräf­ten der Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung bis an die Gren­zen des Trans­hu­ma­nis­mus und der Unter­wer­fung des Men­schen unter Algo­rith­men kei­nen »tugend­haf­ten« Neu­start des Zyklus der erwei­ter­ten Akku­mu­la­ti­on ver­spre­chen kön­nen, son­dern viel­mehr: die Aus­sicht auf einen redu­zier­ten Kon­sum, eine all­ge­mei­ne Ver­ar­mung der gro­ßen Mehr­heit der Bevöl­ke­rung als Funk­ti­on des Über­le­bens des Kapi­tals, die Not­wen­dig­keit, den mensch­li­chen Über­schuss zu verwalten/​abzubauen.
  • Die Vor­her­sa­ge von Marx in den Gund­ris­sen über die Ver­ge­sell­schaf­tung aller Wis­sen­schaf­ten und mensch­li­chen Fähig­kei­ten zu einer Art »gene­ral intel­lect« im Diens­te der Ver­wer­tung des Kapi­tals fin­det heu­te zuneh­mend prak­ti­sche Anwen­dung. Es über­rascht nicht, dass dies durch die Instru­men­te der künst­li­chen Intel­li­genz und des Trans­hu­ma­nis­mus zum Aus­druck kommt. Kurz gesagt, durch die tota­le Beherr­schung und Unter­ord­nung des Men­schen und der leben­den Kör­per unter das Kapital.
  • Aus die­sen Grün­den sahen wir die Maß­nah­men des Pan­de­mie­an­griffs als Kon­se­quenz die­ser Erfor­der­nis­se und nicht als Ereig­nis­se, die von einer impro­vi­sier­ten des­po­ti­schen Ver­schwö­rung dik­tiert wur­den, die von der Dr. Stran­ge­love-Ver­si­on der Think Tanks des Kapi­tals auf­ge­zwun­gen wurde.
  • Die Pro­gram­mie­rung der ver­schie­de­nen Agen­den des Kapi­tals, die expli­zit von den Zen­tra­len der gro­ßen Finanz­in­sti­tu­te und der mul­ti­na­tio­na­len IT-Kon­zer­ne zum Aus­druck gebracht wird, ent­spricht der mons­trö­sen und unmensch­li­chen Form, die das Kapi­tal und der Welt­markt in sei­nem über­rei­fen Sta­di­um ange­nom­men haben. Sie sind auch das Ergeb­nis einer his­to­ri­schen Kri­se der Akku­mu­la­ti­on, auf die mit Lösun­gen reagiert wird, die wei­te­re Wider­sprü­che erzeu­gen und somit eine sozia­le Dis­zi­pli­nie­rung unter den dys­to­pi­schen For­men, die wir bekämp­fen, erfor­dern. Ande­rer­seits wäre es dys­to­pisch zu leug­nen, dass das Kapi­tal (und die Orga­nis­men, die es ver­wal­ten) pla­nen und dar­an arbei­ten, sei­ne Pro­jek­te der sozia­len und poli­ti­schen Nor­ma­li­sie­rung durch­zu­set­zen, mit dem Argu­ment, das Kapi­tal sei anar­chisch und kön­ne nichts pla­nen. Der eigent­li­che Wahn­sinn ist der der so genann­ten ant­ago­nis­ti­schen Lin­ken, die uns der Ver­schwö­rungs­theo­rie bezich­tig­te, weil wir die­se Plä­ne anpran­ger­ten, indem sie uns vor­war­fen, wir hät­ten eine nicht-mate­ria­lis­ti­sche Sicht des Kapi­ta­lis­mus. Letzt­end­lich hat sich ihr Mate­ria­lis­mus dar­in erschöpft, die Plä­ne und Bedürf­nis­se des Kapi­tals als Ergeb­nis unwäg­ba­rer und äuße­rer Ele­men­te zu akzep­tie­ren, die sozia­le Dis­zi­pli­nie­rung im Wesent­li­chen zu recht­fer­ti­gen und die angeb­li­che Neu­tra­li­tät der Wis­sen­schaft zu preisen.
  • Was die gegen­wär­ti­ge Kri­se und die Reak­tio­nen, die der Kapi­ta­lis­mus her­vor­bringt, noch hef­ti­ger macht, ist der wei­te­re Wider­spruch, der durch die gigan­ti­sche Mas­se an Kapi­tal ent­steht, das in Form von Finanz­ka­pi­tal, Anlei­hen und Wert­pa­pie­ren auf zukünf­ti­ge Erträ­ge exis­tiert. Die Mas­se des »fik­ti­ven Kapi­tals«, d.h. des Kapi­tals, das seit lan­gem gehegt und gepflegt wer­den muss, weil es von der Real­wirt­schaft (dem rea­len Ver­wer­tungs­kreis­lauf, der über die Aus­beu­tung der leben­di­gen Arbeit läuft) nicht ver­wer­tet wer­den kann. Die Explo­sio­nen der Finanz­bla­sen dro­hen und fol­gen denen von 2008. Das heißt, es muss eine trau­ma­ti­sche Abwer­tung ver­hin­dert wer­den, die, wenn sie ein­tritt, die Welt­wirt­schaft buch­stäb­lich explo­die­ren las­sen wür­de. Doch um die­se Kapi­tal­mas­se auf­recht­zu­er­hal­ten, muss die Men­ge des gesell­schaft­lich pro­du­zier­ten Werts durch die Emis­si­on von Geld, d. h. den Kauf von Staats­schul­den im Tausch gegen Geld, von dem das Pri­vat­ka­pi­tal pro­fi­tiert, wei­ter abge­zo­gen wer­den, und die glei­che Kapi­tal­mas­se, die für pro­duk­ti­ve Inves­ti­tio­nen vor­ge­se­hen ist, wird redu­ziert, was einen wei­te­ren Druck auf den sozia­len Wohl­stand erfordert.
  • Einer der Grün­de, war­um die Pan­de­mie mit Hil­fe von Still­le­gun­gen und einer regel­rech­ten Pro­duk­ti­ons­blo­cka­de bewäl­tigt wur­de, war die Tat­sa­che, dass die Wirt­schaft erneut am Ran­de einer wirt­schaft­li­chen Rezes­si­on stand (alle wirt­schaft­li­chen Indi­ka­to­ren zeig­ten dies damals an). Es galt einer­seits zu ver­hin­dern, dass sich dies zu einer unkon­trol­lier­ten Infla­ti­ons­kri­se aus­wei­tet, und ande­rer­seits die x‑te Geld­emis­si­on der Zen­tral­ban­ken zur Stüt­zung des Finanz­mark­tes, die pünkt­lich erfolg­te, mit einem pan­de­mi­schen Not­fall zu kaschie­ren. Es war auch not­wen­dig, die sozia­len Fol­gen die­ser Ope­ra­ti­on mit allen Instru­men­ten zu unter­mau­ern, die zur Kon­trol­le von Auf­stän­den und Rebel­lio­nen erfor­der­lich sind. Damit konn­te zwar ein Zusam­men­bruch ver­mie­den und die Zie­le der bereits erwähn­ten Umstruk­tu­rie­rung unter­stützt wer­den, aber es konn­ten nicht alle Wider­sprü­che gelöst wer­den, die nicht lan­ge auf sich war­ten lie­ßen. Folg­lich folg­ten neue Not­la­gen, allen vor­an der Krieg in der Ukrai­ne, das Wie­der­auf­le­ben der Infla­ti­on, der Schat­ten einer unkon­trol­lier­ten Rezes­si­on, die so genann­te Ener­gie­kri­se und die Rohstoffkosten.
  • Wir haben in den welt­wei­ten Kämp­fen gegen die pan­de­mi­sche Dis­zi­pli­nie­rung eine ech­te Kluft zwi­schen die­sen Absich­ten und einem Teil der aus­ge­beu­te­ten Klas­sen gese­hen. Wie immer ent­wi­ckeln sich Kri­sen und ihre Ver­läu­fe, indem sie sozia­le und Klas­sen­wi­der­sprü­che her­vor­brin­gen, die ihre Ereig­nis­se und Rich­tun­gen bestim­men. In spä­te­ren Bei­trä­gen wer­den wir ver­su­chen, auf die Vor­zü­ge die­ser welt­wei­ten Wider­stän­de ein­zu­ge­hen. Hier wer­de ich mich dar­auf beschrän­ken, zu beto­nen, wie die­se Wider­stän­de ein rea­les Ele­ment in der Aus­ein­an­der­set­zung mit den Pro­jek­ten des Kapi­ta­lis­mus waren. Die Illu­sio­nen über die Mög­lich­keit einer Rück­kehr zu einem natio­na­len Kapi­ta­lis­mus (Sou­ve­rä­nis­mus) und einem huma­ne­ren Kapi­ta­lis­mus, die die Plät­ze und Kämp­fe gegen die pan­de­mi­schen Maß­nah­men beleb­ten, haben ihren objek­tiv anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Cha­rak­ter kei­nes­wegs ent­kräf­tet. Selbst auf die­ser Ebe­ne bestand die Reak­ti­on der so genann­ten ant­ago­nis­ti­schen Lin­ken dar­in, die­se Bewe­gun­gen als Sou­ve­rä­nis­ten und Faschis­ten zu brand­mar­ken. Dabei wird ein­mal mehr ver­kannt, dass es sich bei die­sem Sou­ve­rä­nis­mus nicht um ein Auf­bäu­men der klein­bür­ger­li­chen und pro­ka­pi­ta­lis­ti­schen Klas­sen gegen einen pro­le­ta­ri­schen Auf­stand han­delt. Son­dern eine Rebel­li­on gegen den tech­no­lo­gi­schen und tota­len Faschis­mus des moder­nen, kon­zen­trier­ten Kapi­ta­lis­mus. Es stellt sich zwar das Pro­blem, die­sen Pro­test auf eine Per­spek­ti­ve der radi­ka­len Kri­tik am Kapi­ta­lis­mus selbst aus­zu­rich­ten, aber die Basis, die ihn her­vor­bringt, geht in Rich­tung eines Bruchs mit der auf­ge­zwun­ge­nen Gesell­schafts­ord­nung. Im Gegen­teil, die Abnei­gung, sich an die­sen Bewe­gun­gen zuguns­ten einer ver­meint­lich rei­ne­ren »tra­di­tio­nel­len« Gewerk­schafts- und Tarif­kon­fron­ta­ti­on zu betei­li­gen, endet ein­fach damit, dass man sich refor­mis­ti­schen Illu­sio­nen hin­gibt, die kei­ne Exis­tenz­be­rech­ti­gung mehr haben.
  • Wie wer­den sich die­se Aus­ein­an­der­set­zun­gen wei­ter­ent­wi­ckeln? Sicher­lich blei­ben die Zie­le, die den pan­de­mi­schen Dis­zi­pli­nie­rungs- und Sozi­al­kon­troll­sys­te­men zugrun­de lie­gen, bestehen und kön­nen jeder­zeit wie­der­her­ge­stellt wer­den, auch mit der gesund­heit­li­chen Recht­fer­ti­gung wei­te­rer Vari­an­ten oder neu­er Epi­de­mien. Die Ele­men­te zur Ver­voll­stän­di­gung des sozia­len Kon­troll­me­cha­nis­mus, die digi­ta­le Iden­ti­tät und alle damit ver­bun­de­nen Instru­men­te ste­hen den Staa­ten wei­ter­hin zur Ver­fü­gung. Die tech­no­lo­gi­sche und tech­nisch-admi­nis­tra­ti­ve Infra­struk­tur, die die Grund­la­ge für die Umset­zung geschaf­fen hat, bleibt für die nächs­ten Schrit­te bestehen, zu denen sicher­lich auch die digi­ta­le Wäh­rung gehört, die für die Steue­rung von Indi­vi­du­en und des Finanz­mark­tes zuneh­mend not­wen­dig ist.
  • Wir haben es also nicht mit einer »Post­pan­de­mie« zu tun, die den Neu­start eines nor­ma­len Akku­mu­la­ti­ons­zy­klus vor­weg­nimmt, son­dern mit der Wie­der­ho­lung der Kri­se und den immer des­po­ti­sche­ren Mecha­nis­men des Kapi­tals, um ihr zu begeg­nen. Die neu­en Not­la­gen wer­den gleich­zei­tig ange­heizt, um die sozia­le Ver­dich­tung gegen­über einem äuße­ren Feind (zuerst das Virus, jetzt Putin) zu kon­so­li­die­ren, um den Trans­fer staat­li­cher Res­sour­cen in Rich­tung Mili­tär­fi­nan­zie­rung und eine wei­te­re Betäu­bung der öffent­li­chen Ver­schul­dung zuguns­ten des tech­no­lo­gi­schen, mili­tä­ri­schen und finan­zi­el­len Appa­rats anzu­hei­zen, aber vor allem, um eine Offen­si­ve des west­li­chen Kapi­tals in Rich­tung Kon­trol­le der Roh­stof­fe und der Arbeits­kraft im Osten und der Län­der zu unter­stüt­zen, die ver­sucht haben, sich in die inter­na­tio­na­len Wert­schöp­fungs­ket­ten ein­zu­klin­ken, um sich ihren eige­nen Platz auf dem Welt­markt zu erobern.
  • Die Öko­no­mie des Krie­ges, die Kon­tin­genz der Res­sour­cen und der Ener­gie­ver­sor­gung, die Gewohn­heit des Spar­zwangs wer­den zu neu­en pro­pa­gan­dis­ti­schen und fak­ti­schen Instru­men­ten, um die sich abzeich­nen­de sozia­le Aus­höh­lung zu recht­fer­ti­gen und das damit ein­her­ge­hen­de Sche­ma des Auf­stiegs und der tech­no­kra­ti­schen Kon­trol­le neu zu ent­wer­fen, ohne auf die For­de­rung zu ver­zich­ten, dass die­se Unter­wer­fung im Namen gemein­sa­mer Inter­es­sen erfolgt, an die wir uns hal­ten müssen.

Ich glau­be, dass dies im Gro­ßen und Gan­zen die Sicht­wei­se ist, die sich in unse­ren Dis­kus­sio­nen her­aus­ge­bil­det hat, aber die Ereig­nis­se haben neue Fra­gen zu The­men auf­ge­wor­fen, die für das Ver­ständ­nis der Ent­wick­lun­gen der Kri­se und des inter­na­tio­na­len Klas­sen­kamp­fes grund­le­gend sind. An ers­ter Stel­le steht die Fra­ge nach den Merk­ma­len des glo­ba­len Kapi­tal­markts, der extre­men Zen­tra­li­sie­rung und Ver­ge­sell­schaf­tung des im inter­na­tio­na­len Maß­stab pro­du­zier­ten Werts, der Bezie­hung zwi­schen dem Finanz­zir­kus (und sei­ner Not­wen­dig­keit, durch stän­di­ges Betäu­ben und Geld­emis­sio­nen zu über­le­ben und am Leben zu blei­ben) und der so genann­ten »Real­wirt­schaft«. Und nicht zuletzt die Art und Wei­se, in der sich der moder­ne Impe­ria­lis­mus (der den größ­ten Teil des Welt­ka­pi­tals in einer Hand­voll west­li­cher Staa­ten unter Füh­rung der USA kon­zen­triert) manifestiert.

Weit davon ent­fernt, den Kreis einer Dis­kus­si­on schlie­ßen zu wol­len, die zwi­schen uns noch offen ist und in der neue Wider­sprü­che neue Fra­gen auf­wer­fen, ver­su­che ich kurz eini­ge Din­ge aus mei­ner Sicht zu sagen, die hof­fent­lich mit dem bis­her Gesag­ten übereinstimmen.

Der Funk­ti­ons­wei­se des Kapi­tals und sei­nen Kri­sen liegt der stän­di­ge Wider­spruch zwi­schen dem Ver­such, den Wert durch die leben­di­ge Arbeit (die Extrak­ti­on des Mehr­werts) zu erhö­hen, und dem unver­hält­nis­mä­ßi­gen Wachs­tum des toten Teils des Kapi­tals zugrun­de, was zu immer grö­ße­ren Schwie­rig­kei­ten bei der Erhö­hung der Mehr­wert­quo­te führt. Aber die­ser Wider­spruch hat im Lau­fe der Zeit und der Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus zu einer inhä­ren­ten Meta­mor­pho­se geführt. Nicht nur, dass sich die Inten­si­vie­rung der Pro­duk­ti­vi­tät (rela­ti­ver Mehr­wert) in einem kapi­ta­lis­ti­schen Sek­tor ten­den­zi­ell auf alle Sek­to­ren aus­wei­te­te, son­dern die Mas­se des pro­du­zier­ten Werts kon­zen­trier­te sich immer mehr zunächst in den Han­dels­mo­no­po­len und dann in den Finanz­mo­no­po­len, eben als Fol­ge der Kon­kur­renz und des Stre­bens nach pro­duk­ti­ver Inten­si­vie­rung. Das steht also nicht im Wider­spruch zu den Geset­zen der Kapi­tal­re­pro­duk­ti­on (und zu dem, was Lenin sagte).

Das unge­heu­re Miss­ver­hält­nis zwi­schen der Mas­se des zu ver­wer­ten­den Kapi­tals und der Quel­le der Mehr­wert­pro­duk­ti­on (der Ware Arbeits­kraft), die als ein­zi­ge in der Lage ist, den pro­du­zier­ten Wert zu stei­gern, mach­te es immer not­wen­di­ger, die Umstruk­tu­rie­rung und Ver­al­tung des fixen Kapi­tals durch die Vor­weg­nah­me der Gewinn­rea­li­sie­rung mit Hil­fe von Kre­di­ten und Finan­zie­run­gen zu unter­stüt­zen. Ein immer grö­ße­rer Teil des Kapi­tals wur­de nicht nur kon­zen­triert, son­dern auch zu Wert­pa­pie­ren, zu Ter­min­ge­schäf­ten, die an der Bör­se gehan­delt wur­den, d. h. zu Wert­pa­pie­ren, die durch die Erwar­tung ihrer Rea­li­sie­rung zustan­de kamen. Die­ser spe­ku­la­ti­ve Aspekt des rei­fen Kapi­tals wur­de von Marx und Theo­re­ti­kern wie Bor­di­ga von der ita­lie­ni­schen kom­mu­nis­ti­schen Lin­ken weit­ge­hend vor­weg­ge­nom­men. Das Prin­zip, mit Geld Geld zu ver­die­nen, ist nicht nur ein illu­so­ri­sches Mot­to, das dem Volk ver­kauft wird, son­dern mani­fes­tiert sich kon­kret im gesell­schaft­li­chen Leben und hat ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen. Natür­lich bedeu­te­te dies weder für Marx noch für Bor­di­ga, dass das Kapi­tal den Pro­duk­ti­ons­pro­zess über­sprin­gen konn­te, son­dern dass das akku­mu­lier­te gesell­schaft­li­che Kapi­tal durch neue For­men der Exis­tenz entstand:

  • Die Fähig­keit des Finanz­we­sens, den pro­du­zier­ten gesell­schaft­li­chen Wert abzu­schöp­fen und sich sein Eigen­tum zu sichern, indem es sich durch den Kre­dit zum Motor für pro­duk­ti­ve Inves­ti­tio­nen macht.
  • Die Mög­lich­keit, den Zeit­punkt hin­aus­zu­zö­gern, an dem der Wert der Wert­pa­pie­re nicht mehr der rea­len Wert­pro­duk­ti­on ent­spricht, wobei sie sich auch auf ihre Vor­herr­schaft in der Kapi­tal­ver­wal­tung stützt und die Zen­tral­ban­ken zur Geld­emis­si­on verpflichtet.

Natür­lich sind damit die Wider­sprü­che nicht gelöst. Eini­ge Genos­sen erin­nern uns zu Recht dar­an, dass die Geld­po­li­tik selbst kei­nen Wert schaf­fen kann. Der Punkt ist, dass die­se finan­zi­el­le »Domi­nanz« und die Not­wen­dig­keit, sie um jeden Preis am Leben zu erhal­ten, dazu bei­trägt, die Wider­sprü­che des Kapi­tals noch aku­ter zu machen. Die Mas­se des akku­mu­lier­ten Kapi­tals, das in Form von spe­ku­la­ti­vem oder fik­ti­vem Kapi­tal lebt, bean­sprucht wei­ter­hin sei­nen Anteil an der Aneig­nung des gesell­schaft­li­chen Reich­tums, der stets aus dem welt­weit pro­du­zier­ten Mehr­wert ent­nom­men wird. Das Finanz­ka­pi­tal ist inzwi­schen so eng mit dem pro­duk­ti­ven Kapi­tal ver­bun­den, dass es nicht ohne dra­ma­ti­sche Fol­gen für das gesam­te Sys­tem deut­lich redu­ziert wer­den kann. Dies wur­de, wie ich bereits erwähnt habe, durch die Kri­se von 2008 noch deut­li­cher, in der der Finanz- und Spe­ku­la­ti­ons­sek­tor, gera­de um ein sol­ches Risi­ko zu ver­mei­den, von der wirt­schaft­li­chen Unter­stüt­zung der natio­na­len und inter­na­tio­na­len insti­tu­tio­nel­len Appa­ra­te pro­fi­tier­te. Anstatt die pro­duk­ti­ven Sek­to­ren mit Kre­di­ten zu ver­sor­gen, um den wirt­schaft­li­chen Auf­schwung zu för­dern, wur­de die­se Unter­stüt­zung voll­stän­dig vom Spe­ku­la­ti­ons­sek­tor absor­biert, nicht nur wegen der Zähig­keit des Finanz­we­sens, son­dern auch, weil die Schwie­rig­kei­ten der Akku­mu­la­ti­on so groß waren, dass trotz des nied­ri­gen Kre­dit­zins­sat­zes nie­mand ein Inter­es­se dar­an hat­te, dar­auf zurück­zu­grei­fen, um eine Pro­duk­ti­on wie­der­zu­be­le­ben, die jetzt erstickt war.

Die­se Wider­sprü­che haben jedoch die ver­zwei­fel­te Suche nach Instru­men­ten wie­der in Gang gesetzt, um einer­seits das akku­mu­lier­te Kapi­tal zu ernäh­ren und ande­rer­seits dem sozia­len Kör­per jeden Trop­fen Blut abzu­pres­sen, der für sei­ne Ver­wer­tung nütz­lich ist.

Das Kapi­tal stellt sich also zuneh­mend als eine kon­zen­trier­te Ein­heit dar, die das gesam­te gesell­schaft­li­che Leben beherrscht und auf die sich das gesam­te gesell­schaft­li­che Leben aus­rich­ten muss. Die­ses tota­li­tä­re Wesen erfor­dert die bereits erwähn­te sozia­le Dis­zi­pli­nie­rung und wei­te­re Ent­mensch­li­chung des Lebens.

Es han­delt sich jedoch nicht um einen Super­ka­pi­ta­lis­mus, dem es gelingt, sei­nen eige­nen Wider­sprü­chen zu ent­ge­hen. Sein Pro­blem ist das his­to­ri­sche Pro­blem der Besei­ti­gung der Wert­mas­se, die sich nicht ent­wer­ten lässt. In ande­ren Epo­chen erfolg­te die not­wen­di­ge Ent­wer­tung durch zykli­sche Kri­sen, die nach einer Peri­ode der wirt­schaft­li­chen Depres­si­on die über­schüs­si­gen Waren und das Kapi­tal besei­tig­ten, um einen neu­en Akku­mu­la­ti­ons­zy­klus einzuleiten.

Der all­ge­mei­ne Krieg war dann das Instru­ment für eine radi­ka­le Zer­stö­rung von Kapi­tal, Pro­duk­tiv­kräf­ten und Men­schen. Der lan­ge Zyklus der erwei­ter­ten Akku­mu­la­ti­on, der nach dem Zwei­ten Welt­krieg begann, ist zu Ende gegan­gen, und nicht ein­mal die Pha­se der libe­ra­lis­ti­schen Glo­ba­li­sie­rung, die die Kon­trol­le des Kapi­tals auf glo­ba­ler Ebe­ne per­fek­tio­niert und den sozia­len Kom­pro­miss zwi­schen Kapi­tal und Arbeit zer­stört hat, hat das Pro­blem gelöst. Im Gegen­teil, sie hat Bewe­gun­gen und Wider­stän­de her­vor­ge­bracht, nicht zuletzt sol­che, die als neo­po­pu­lis­tisch defi­niert wer­den (wie der Kampf der Gilets Jau­nes in Frank­reich), gegen die ein Pro­jekt der sozia­len Kon­trol­le im glo­ba­len Maß­stab noch not­wen­di­ger gewor­den ist. Die­sel­be inten­si­ve Aus­beu­tung der chi­ne­si­schen Arbeit, die ein wich­ti­ges Ele­ment bei der Über­tra­gung des Mehr­werts auf das west­li­che Kapi­tal war, hat zwangs­läu­fig das Tem­po vor­ge­ge­ben. Zum einen, weil die Aus­beu­tung des abso­lu­ten Mehr­werts, der durch län­ge­re Arbeits­ta­ge, tie­ri­sche Arbeits­in­ten­si­tät und Hun­ger­löh­ne in den west­li­chen Inves­ti­ti­ons­sek­to­ren erzielt wur­de, mit der Umstel­lung die­ser Sek­to­ren auf inten­si­ve Pro­duk­ti­vi­tät durch Maschi­nen und Tech­no­lo­gie in Rech­nung gestellt wer­den muss­te. Und vor allem, weil das chi­ne­si­sche Pro­le­ta­ri­at nicht mehr bereit war, die Rech­nung für den Trans­fer des Mehr­werts an das inter­na­tio­na­le Kapi­tal zu bezahlen.

Dies ist ein wei­te­rer Grund, war­um der west­li­che Impe­ria­lis­mus, in dem der größ­te Teil des akku­mu­lier­ten Kapi­tals der Welt kon­zen­triert ist, sowohl sei­ne inter­ne Aus­beu­tung als auch sei­ne Offen­si­ve gegen Län­der, die nicht zum klei­nen Kreis der Cou­pon­schnei­der­staa­ten unter Füh­rung der USA gehö­ren, ver­stär­ken muss­te, wodurch die neu­en Para­me­ter der Kon­trol­le des Lebens und der mensch­li­chen Bezie­hun­gen, von denen wir spre­chen und deren Vor­läu­fer das Pan­de­mie­ma­nage­ment war, ein­ge­führt wurden.

Die mili­tä­ri­sche und finan­zi­el­le Ein­krei­sung von Russ­land und Chi­na ist Teil die­ser Not­wen­dig­keit. Natür­lich gibt es auch inner­halb des west­li­chen Blocks Wider­sprü­che und Ele­men­te der Kon­fron­ta­ti­on, eben­so wie die Mög­lich­keit besteht, dass es in Zukunft zu einer Neu­de­fi­ni­ti­on der Bünd­nis­se des impe­ria­lis­ti­schen Blocks der erwei­ter­ten NATO kom­men könn­te. Gegen­wär­tig sind sie jedoch in dem gemein­sa­men Ziel ver­eint, die Staa­ten, die in den inter­na­tio­na­len Wert­schöp­fungs­ket­ten auf­stei­gen wol­len, dar­an zu hin­dern, aus ihrem Schne­cken­haus her­aus­zu­kom­men, sie in die Rol­le von Roh­stoff­lie­fe­ran­ten und bil­li­gen Arbeits­kräf­ten zurück­zu­drän­gen, ihre Kapi­ta­lis­men dar­an zu hin­dern, ihre natio­na­len und inter­na­tio­na­len Märk­te voll zu ent­wi­ckeln, und vor allem zu ver­su­chen, ihre Pro­le­ta­ri­er ins Elend und in die bedin­gungs­lo­se Kapi­tu­la­ti­on vor dem Impe­ria­lis­mus zurückzudrängen.

Die Kri­se des Kapi­tals, und damit sei­nes kon­zen­trier­tes­ten Teils, der sich auf den Impe­ria­lis­mus und die west­li­chen Staa­ten bezieht, führt nicht zu sei­ner Auf­lö­sung zuguns­ten von Kon­kur­ren­ten, die in der Lage sind, sei­ner finan­zi­el­len Domi­nanz in der Welt etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Der Nie­der­gang des ame­ri­ka­ni­schen Impe­ri­ums führt zu einer Wie­der­auf­nah­me sei­ner Offen­si­ve auf inter­na­tio­na­ler Ebene.

Die Ant­wor­ten, die sowohl Russ­land als auch Chi­na zwangs­läu­fig poli­tisch und mili­tä­risch geben, um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, sind also will­kom­men. Ihre Oppo­si­ti­on ent­springt nicht ihrer Bereit­schaft, das kapi­ta­lis­ti­sche Welt­sys­tem her­aus­zu­for­dern, son­dern dem rück­sichts­lo­sen Wunsch des letz­te­ren, sie aus ihm her­aus­zu­hal­ten. Es ist eine durch und durch bür­ger­li­che Ant­wort, die jedoch mit einem loka­len Pro­le­ta­ri­at rech­nen muss, das die Früch­te sei­ner eige­nen Anstren­gun­gen der letz­ten Jahr­zehn­te ein­for­dert. Ein Kapi­ta­lis­mus, ins­be­son­de­re der chi­ne­si­sche Kapi­ta­lis­mus, der sei­nen Ein­fluss­be­reich auf dem Ter­rain der expan­die­ren­den Infra­struk­tur und der loka­len Märk­te aus­dehnt, im Gegen­satz zur finan­zi­el­len und zer­stö­re­ri­schen Aus­plün­de­rung des west­li­chen Impe­ria­lis­mus. Es ist kein Zufall, dass sich im Zuge des erklär­ten Krie­ges gegen Russ­land und Chi­na die Front derer, die dem west­li­chen Dik­tat nicht gehor­chen, auf ande­re Zwi­schen­län­der aus­ge­dehnt hat. Wird die erwei­ter­te Brics-Front eine Vor­be­din­gung für ein neu­es Ban­dung sein? Höchst­wahr­schein­lich nicht, gera­de weil ihr staat­li­cher Wider­stand mit ihrem bür­ger­li­chen Hori­zont kol­li­diert, der nicht in der Lage ist, dem west­li­chen Impe­ria­lis­mus etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Selbst wenn sie die Mit­tel ent­wi­ckeln wür­den, um ihre eige­nen Märk­te und Wäh­run­gen zu ver­drän­gen, könn­ten sie kei­nen eige­nen ein­hei­mi­schen Markt auf­bau­en, der in der Lage wäre, in Kon­kur­renz zum west­li­chen Impe­ria­lis­mus zu über­le­ben. Ers­tens, weil die­ser es ihnen nicht erlau­ben wür­de und es auch nicht tut. Wir hof­fen, dass das Pro­le­ta­ri­at und die Aus­ge­beu­te­ten in die­sen Staa­ten aus ihren eige­nen Inter­es­sen her­aus eine wirk­li­che und radi­ka­le Oppo­si­ti­on zum inter­na­tio­na­len Kapi­ta­lis­mus auf­bau­en kön­nen, indem sie die Gren­zen ihrer eige­nen Bour­geoi­si­en überwinden…

Aber das kann nie­mals gesche­hen, wenn wir im Wes­ten nicht erken­nen, woher der Angriff kommt und radi­ka­len Wider­stand gegen die Zie­le und die Expan­si­on unse­res Impe­ria­lis­mus leisten.

Um zum Schluss zu kom­men. Ange­sichts die­ser Sze­na­ri­en schlos­sen wir unser ers­tes Doku­ment mit der Fest­stel­lung, dass der Kampf zwi­schen Pro­le­ta­ri­at und Bour­geoi­sie sich immer mehr zu einem Kampf zwi­schen Kapi­ta­lis­mus und Kom­mu­nis­mus ent­wi­ckelt. Damit woll­ten wir beto­nen, dass das Kapi­tal einer­seits immer mehr eine tota­li­tä­re und inva­si­ve Form annimmt und eine unper­sön­li­che Kon­trol­le über das gesam­te gesell­schaft­li­che Leben aus­übt, wäh­rend ande­rer­seits der Wider­stand gegen das Kapi­tal immer not­wen­di­ger­wei­se ein Wider­stand gegen sei­nen gesam­ten Funk­ti­ons­me­cha­nis­mus wird. Das bedeu­tet nicht, dass es kei­ne gegen­sätz­li­chen sozia­len Klas­sen und Inter­es­sen mehr zwi­schen Pro­le­ta­ri­at und Bour­geoi­sie gibt, son­dern dass die alte Art und Wei­se, in der sie ihren Wider­stand gegen das Kapi­tal erleb­ten, indem sie sich auf ihre Fähig­keit ver­lie­ßen, sich ihm zu wider­set­zen und inner­halb sei­ner Ent­wick­lung Macht zu erlan­gen, jetzt nach­ge­las­sen hat. Um für sei­ne eige­nen Inter­es­sen kämp­fen zu kön­nen, ist das Pro­le­ta­ri­at zuneh­mend gezwun­gen, eine umfas­sen­de gesell­schaft­li­che Umge­stal­tung selbst in die Hand zu neh­men, das heißt, wie Marx sag­te, für die Befrei­ung der gesam­ten Mensch­heit zu kämp­fen. Die Not­wen­dig­keit, das Ver­hält­nis zwi­schen den Men­schen auf der Grund­la­ge des Tausch­werts, der Lohn­ar­beit, der Pro­duk­ti­on um der Pro­duk­ti­on wil­len zu besei­ti­gen, um zu einer sozia­len Zusam­men­ar­beit und einem Ver­hält­nis zur Natur auf der Grund­la­ge des Gebrauchs­nut­zens der gesell­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on und Repro­duk­ti­on über­zu­ge­hen, wird mehr und mehr zu einer mög­li­chen und not­wen­di­gen Alter­na­ti­ve, die nicht an zukünf­ti­ge Pha­sen der gesell­schaft­li­chen Ver­wal­tung dele­giert wer­den kann. Ange­sichts die­ser Über­le­gung wis­sen wir, dass der Weg dort­hin Pha­sen der Kon­fron­ta­ti­on und quä­len­de Erfah­run­gen beinhal­tet. Mei­ner Mei­nung nach ist das, was wir aus die­ser Über­zeu­gung her­aus betrach­ten, der eigent­li­che Pro­zess, der beginnt, sich auf­zu­lö­sen. Als klei­nes Netz­werk von Mili­tan­ten kön­nen wir weder die Explo­si­on der not­wen­di­gen sozia­len Ener­gie pro­vo­zie­ren, noch die Art und Wei­se, wie sie sich orga­ni­sie­ren wird, aber wir kön­nen ver­su­chen, mit ihr im Ein­klang zu sein, an der Ent­fal­tung der Kämp­fe teil­zu­neh­men und dar­an zu arbei­ten, dass auch auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne eine Ten­denz her­an­reift, die in der Lage ist, ihre Ent­wick­lun­gen zu ver­ste­hen und in ihnen die Per­spek­ti­ve der Befrei­ung der gesam­ten Gesell­schaft von der kapi­ta­lis­ti­schen Unter­drü­ckung wie­der auf­le­ben zu lassen.

Bild: Trans­pa­rent der Assem­blea Mili­tan­te auf Demons­tra­ti­on in Italien

One thought on “Zentralisierung der Produktionsmittel, der sozialen Beziehungen und der Staatskontrolle zur Rettung des Kapitals als Ziel des Pandemiemanagements

  1. »mach­te es immer not­wen­di­ger, die Umstruk­tu­rie­rung und Ver­al­tung des fixen Kapi­tals durch die Vor­weg­nah­me der Gewinnrealisierung«

    Soll wohl Ver­wal­tung heißen.

    Freut mich, dass ich mei­ne eige­nen, lei­der unstruk­tu­rier­ten, Gedan­ken dazu hier so schön aus­for­mu­liert lesen darf.

    😁

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