Das Gespenst des Sozialismus: Ein Holzweg oppositioneller Strategen

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Sozia­le Ver­wer­fun­gen sind meist ver­bun­den mit Unsi­cher­hei­ten aller Art. Nicht zuletzt das zumin­dest in der Pro­pa­gan­da andau­ern­de Coro­na-Regime hat sol­che Unsi­cher­hei­ten in die Gesell­schaft getra­gen. Eine Unsi­cher­heit, die eng mit dem Glau­ben an die bür­ger­li­che Demo­kra­tie ver­bun­den ist. Nicht weni­ge Men­schen glau­ben, dass der Schul­ter­schluss der Mehr­heits­me­di­en mit der jewei­li­gen Regie­rung eine neue Form der Macht­aus­übung ist. Wer sich an das bra­ve Ein­ver­ständ­nis der übli­chen Medi­en mit den diver­sen Krie­gen der USA erin­nert – vom Viet­nam­krieg bis zum Krieg gegen Kuba – der weiß, dass die­se Kon­for­mi­tät nicht wirk­lich neu ist. Zumeist ging es dabei um den Schul­ter­schluss gegen den exis­tie­ren­den Sozialismus.

Gegner des Corona-Regimes

Nun ist der real exis­tie­ren­de Sozia­lis­mus nicht mehr exis­tent, aber sein Gespenst geis­tert immer noch durch die unter­schied­lichs­ten Gegen­den. Bei Hen­ryk M. Bro­der, einem scharf­zün­gi­ger Geg­ner des Coro­na-Regimes, kommt einem die­se Geis­ter­er­schei­nung bei­spiel­haft hoch:

Teil einer jeden sozia­lis­ti­schen Stra­te­gie ist es den Staat in Schlüs­sel­po­si­tio­nen zu brin­gen, sowohl in der Mei­nungs­bil­dung, aber auch in der wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tät der Bevöl­ke­rung. Was wir jetzt erle­ben könn­te man in die­ser Hin­sicht als eine Art von Coro­na-Sozia­lis­mus bezeichnen.

Und auch bei Gun­nar Kai­ser, einem gründ­li­chen Kri­ti­ker der Coro­na-Zwangs­maß­nah­men, ist von »sozia­lis­ti­schem Glo­ba­lis­mus« die Rede.

Geisterbahn medialer Klischees

Bei­de Autoren bedie­nen sich aus der alten Geis­ter­bahn media­ler Kli­schees: Über Jah­re wur­den sie ver­brei­tet, um die Ver­tei­di­gung der Völ­ker gegen den US-Impe­ria­lis­mus zu dis­kre­di­tie­ren. Die Kli­schees wir­ken bis heu­te nach. Wer sie aller­dings heu­te gegen das Coro­na-Regimes ver­wen­det, trägt gewollt oder unge­wollt, zur Ver­schleie­rung der Wirk­lich­keit bei. Vom Sozia­lis­mus ist all­ge­mein bekannt, dass er ein Feind des pri­va­ten Eigen­tums an Pro­duk­ti­ons­mit­teln ist. Die­ser Grund­zug sozia­lis­ti­scher Theo­rie und Pra­xis ist bei den Phar­ma-Kon­zer­nen, die mit Spritz­stof­fen han­deln, die angeb­lich gegen Coro­na hel­fen sol­len, nicht zu beobachten.

Pharma-Konzerne in Panik

Spritz­stoff Her­stel­ler wie Astra­Ze­ne­ca (26,6 Mrd. US-Dol­lar Umsatz) oder Moder­na (60 Mio. US-Dol­lar Umsatz) wer­den ihre Pro­fi­te kaum mit dem Volk tei­len wol­len, wie es im Sozia­lis­mus vor­ge­se­hen wäre. Das bei Sozia­lis­ten gän­gi­ge Wort »Ent­eig­nung« wür­de die Aktio­närs-Ver­samm­lung der Phar­ma-Kon­zer­ne in Panik ver­set­zen und beim Begriff »Volks­ei­gen­tum« rie­fen sie nach Poli­zei und Mili­tär. Dem Coro­na-Staat »Sozia­lis­mus« zu unter­stel­len, ist des­halb eben­so lächer­lich wie nütz­lich für die mani­pu­la­ti­ve Begriffs­ver­wir­rung. Denn ideo­lo­gi­sche Unklar­heit gibt dem Kampf die fal­sche Richtung.

Bürgerliche Gesellschaft in Frage stellen

Als hät­ten die sozia­lis­ti­schen Grün­der­vä­ter Marx und Engels eine Vor­ah­nung von den mög­li­chen Ver­wir­run­gen gehabt, for­mu­lier­ten sie in ihrem Mani­fest eine Pas­sa­ge über den Bour­geois­so­zia­lis­mus, eine Ver­ir­rung in der frü­hen sozia­lis­ti­schen Bewe­gung, um den »Bestand der bür­ger­li­chen Gesell­schaft zu sichern«. Tat­säch­lich stellt die Bewe­gung gegen das Coro­na-Regime die aktu­el­le bür­ger­li­che Gesell­schaft fak­tisch in Fra­ge. Denn genau die­ser bour­geoi­sen Gesell­schaft ent­springt der Demo­kra­tie-Abbau, die Gleich­schal­tung der Medi­en und die Mobi­li­sie­rung von Poli­zei und Geheim­dienst gegen die Opposition.

Corona-Staat mit dem Sozialismus verwandt?

Die dif­fa­mie­rend gemein­te Behaup­tung, der Coro­na-Staat sei mit dem Sozia­lis­mus ver­wandt, ver­stellt den Blick auf die wirk­li­chen, kapi­ta­lis­ti­schen Fein­de der Bevöl­ke­rung und ver­tuscht den wah­ren Cha­rak­ter des bür­ger­li­chen Staa­tes, der mit sei­nem Fas­sa­den-Par­la­ment und sei­nem demo­kra­ti­schen Geha­be nur die wirk­li­che Macht ver­schlei­ert. Die­ser Akt der Tar­nung ist für den kapi­ta­lis­ti­schen Staat in die­sen Zei­ten gera­de­zu lebensnotwendig.

Frage nach einer Alternative zum kapitalistischen Staat

Mit der Demo­kra­tie­be­we­gung wächst die Zahl derer, die poli­tisch selbst aktiv wer­den und der Vie­len, die eine neue außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on posi­tiv beglei­ten. Mit der Oppo­si­ti­on ist der Keim eines Selbst­be­wußt­seins gelegt, das weit über das pure Oppo­nie­ren hin­aus­ge­hen kann und die Fra­ge nach einer Alter­na­ti­ve zum kapi­ta­lis­tisch bestimm­ten Staat auf­wirft. Die bis­he­ri­ge Bewe­gung weist aller­dings bis­her nur sel­ten anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Züge auf. Die­ses unge­naue Bild vom Feind der Demo­kra­tie ver­schafft den Geg­nern der Bevöl­ke­rung jenen Spiel­raum, der sowohl dem Pro­fit­stre­ben wie dem Demo­kra­tie-Abbau dien­lich ist.

Ausfall der organisierten Linken

Das unkla­re Feind­bild ist auch dem Aus­fall der orga­ni­sier­ten Lin­ken zu ver­dan­ken. Von den Gewerk­schaf­ten bis zur Links­par­tei: Man ist dem staat­li­chen Mär­chen vom gesun­den Kampf gegen das Virus erle­gen und nicht sel­ten auch der Lüge von einer von Rechts gesteu­er­ten Bewe­gung. Bis zur Coro­na-Legen­de vom Kil­ler-Virus hat­te die klas­si­sche Lin­ke ein ziem­lich kla­res Bild vom Staat, vom Pro­fit­ge­setz und von einer Alter­na­ti­ve von Unten.

Glaube an einen netten Staat

Getrie­ben von einer fal­schen Todes­angst und dem Glau­ben an einen net­ten Staat mit dem man par­la­men­ta­risch pak­tie­ren könn­te, hat sich die Lin­ke selbst aus dem Kampf genom­men. Die­ser Ver­rat an den eige­nen Idea­len hat die beträcht­li­che Kraft lin­ker Orga­ni­sa­tio­nen für den außer­par­la­men­ta­ri­schen Kampf blo­ckiert. Schlim­mer noch: Der lin­ke Ver­rat hat die auf­ge­wach­ten Men­schen der neu­en außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on von lin­ken Alter­na­ti­ven fern­ge­hal­ten. Und da sie die Lin­ke mit einem Bild des Sozia­lis­mus ver­bin­det, das von den gro­ßen Agi­ta­ti­ons­ap­pa­ra­ten des Kapi­tals ver­brei­tet wur­de und wird, fällt die Lin­ke als Part­ner aus, und die Idee des Sozia­lis­mus kann als Schi­mä­re ver­brei­tet werden.

Ernsthaft über Sozialismus reden

Der Staat ist für die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung nur dann ein Freund, wenn er nicht vom gro­ßen Kapi­tal bestimmt wird: nur dann, wenn er der Kon­trol­le durch die Mehr­heit unter­wor­fen ist. Wenn sei­ne Poli­zei, sei­ne Jus­tiz und die Medi­en der Regie durch die Bevöl­ke­rung unter­lie­gen. Dann lässt sich viel­leicht ernst­haft über Sozia­lis­mus reden.

Zuerst erschie­nen in der Ratio­nal­ga­le­rie

Bild: »Die Fei­er des 1. Mai im Nor­den«, Fjo­dor Paw­lo­witsch Reschet­ni­kow, 1930er Jahre

2 thoughts on “Das Gespenst des Sozialismus: Ein Holzweg oppositioneller Strategen

  1. Hal­lo,
    Mir ist die­se Pas­sa­ge etwas unklar: »Tat­säch­lich stellt die Bewe­gung gegen das Coro­na-Regime die aktu­el­le bür­ger­li­che Gesell­schaft fak­tisch in Fra­ge. Denn genau die­ser bour­geoi­sen Gesell­schaft ent­springt der Demo­kra­tie-Abbau, die Gleich­schal­tung der Medi­en und die Mobi­li­sie­rung von Poli­zei und Geheim­dienst gegen die Opposition.«
    Hier wird mei­nes Erach­tens der Feh­ler began­gen die Antreibs­kräf­te der neu­en Dik­ta­tur in der Bour­goi­sie anzu­sie­deln, wenn doch der »Treib­stoff« ganz unüber­seh­bar aus zwei oder drei Extrem-rei­chen pri­va­ten Quel­len fliesst. Es ist zwar rich­tig, dass die kor­rup­ten Hand­lan­ger aus dem bür­ger­li­chen Lager stam­men, aber die Bestech­lich­keit kann bekannt­lich nicht als phy­sio­lo­gisch der Bour­geoi­sie zuge­ord­net werden.

    In mei­ner Wahr­neh­mung geht es nicht um ein belie­bi­ges der poli­ti­schen Sys­te­me son­dern um deren völ­li­ge Abschaf­fung. Die Bour­geoi­sie sitzt aus der Per­spek­ti­ve der Davo­ser mit dem Lum­pen­pro­le­ta­ri­at im glei­chen Käfig (zumin­dest sind die aktu­el­len Bestre­bun­gen der Ver­such dies zu errei­chen). Bekannt­lich kann wes Über­le­ben nicht gesi­chert ist kei­ne poli­ti­sche Mei­nung oder Ein­fluss gewin­nen, weil die Soli­dar­ge­mein­schaft in Ein­zel­kämp­fer zer­fällt. (Ita­li­en war hier schon immer dank sei­ner chro­nisch patho­lo­gisch kor­rup­ten Füh­rungs­klas­se einen Schritt voraus.)

    Eim­ver­stan­den?

  2. Wie wahr! Die »Lin­ke« hat beim Coro­na-Wahn nicht nur total ver­sagt, die Erzäh­lun­gen des Kapi­tals unre­flek­tiert als Wahr­heit über­nom­men, son­dern sogar noch weit ent­schie­de­ne­re Maß­nah­men als der kapi­ta­lis­ti­sche, von Kon­zer­nen kon­trol­lier­te Staat zum vor­geb­li­chen Schutz der Gesund­heit (Stich­wort »Zero Covid«) ver­langt, um Big Phar­ma noch höhe­re Pro­fi­te zu sichern und demo­kra­ti­sche Rech­te zu zer­trüm­mern. Frü­her hat man von Klas­sen­kol­la­bo­ra­teu­ren und Klas­sen­ver­rä­tern gespro­chen. Aber die­se Pseu­do-Lin­ke ist viel schlim­mer – sie hat die sozia­lis­ti­sche Idee weit­ge­hend ver­nich­tet und bei­na­he aus­ge­löscht! Sie hat mit lin­ker Phra­seo­lo­gie die Dik­ta­tur des Kapi­tals unter­stützt und ihre Ver­schär­fung gefor­dert. Dafür ver­dient sie die völ­li­ge Ver­nich­tung!!! Es wird Jahr­zehn­te dau­ern, die­sen Scha­den zu repa­rie­ren – falls es über­haupt gelingt. Ich fürch­te, man wird bei Null begin­nen müssen.…

    Es ist tat­säch­lich ein Trep­pen­witz der Geschich­te, das COVID-Regime als Sozia­lis­mus zu bezeich­nen. Offen­bar ver­steht man nicht, dass Plan­wirt­schaft nicht gleich Sozia­lis­mus ist. Frü­her hat man vom »Staats­mo­no­po­lis­ti­schen Kapi­ta­lis­mus« gespro­chen, das Ver­schmel­zen von Kon­zern- und Staats­bü­ro­kra­tie, wel­che die Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräf­te mit plan­wirt­schaft­li­chen Instru­men­ten, aber im Inter­es­se des Pro­fits (nicht der Mas­sen) auf natio­na­ler Ebe­ne vor­an­treibt. Mir scheint, wir haben heu­te eine noch höhe­re Stu­fe der Aus­beu­tung erreicht – einen supra­na­tio­na­len Kon­zern­ka­pi­ta­lis­mus, der mit Hil­fe inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen wie WHO, (sozia­ler) Medi­en, »wis­sen­schaft­li­cher« Ein­rich­tun­gen, WEF, Geheim­diens­ten etc. Plan­wirt­schaft auf glo­ba­ler Ebe­ne betreibt – mit Fake-Geschich­ten, maxi­ma­len Pro­fi­tra­ten und maxi­ma­lem Scha­den für das Volk – das in sei­ner Mehr­heit nichts ver­steht. So per­fek­te Pro­pa­gan­da­ap­pa­ra­te hat es aber auch noch nie gegeben.

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