Kleine linke Klimaserie (III): Temperaturentwicklung der letzten 1000 – 2000 beziehungsweise 3 Jahre

Lesezeit15 min

»Propaganda täuscht die Menschen nicht;
sie hilft ihnen nur, sich selbst zu täuschen.«

Eric Hoffer, Philosoph (1951)

Dieser Artikel stellt den Auftakt der im Monatsrhytmus erscheinenden »kleinen linken Klimaserie« in der MagMa dar. Bisher erschienen:

Temperaturentwicklung der letzten 1000 – 2000 beziehungsweise 3 Jahre

In der 2. Folge dieser Serie wurden Darstellungen zur Temperaturentwicklung der letzten 1000 – 2000 aus den Berichten des »Weltklimarats« (IPCC) seit 1990 vorgestellt und der Einfluss statistischer Verfahren zur Rekonstruktion vergangener Temperaturverläufe angedeutet. Zusammenfassend scheint es in den Klimawissenschaften zwei Denkschulen zu geben: eine stellt sich unsere Temperaturvergangenheit eher als Hockeyschläger vor und die andere eher als Achterbahn.

Im neuesten IPCC‐​Bericht1 von 2021/​22 siegte der Hockeyschläger:

Die Grafik, gezeigt in der »Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung« (SPM – Summary for Policy Makers), macht deutlich, dass heutige Temperaturen außergewöhnlich hoch sind.

Der Balken links in der Grafik ist beschriftet mit: »Wärmste mehrere Jahrhunderte andauernde Periode in den letzten 100.000 Jahren«. Oben steht: »Erwärmung ist in über 2000 Jahren beispiellos«.2 Rechts, schwarz sind Thermometerdaten (»observed« /​beobachtet) eingezeichnet.

Wie beim Hockeyschläger im IPCC‐​Bericht von 2001 gibt es keine Mittelalterliche Warmperiode (MWP), aber die Kleine Eiszeit darf sich deutlicher zeigen. Quellenangaben zur Grafik finde ich nicht, so dass ich rate: Zur Rekonstruktion wurde ein statistisches Verfahren gewählt, das vergangene Temperaturschwankungen glättet, nicht CPS. Proxies, die eine hohe Klimavariabilität aufweisen, wie sie in der Darstellung des IPCC‐​Berichts von 2013 vorkommen, wurden weggelassen.

Unter der Hockeyschläger‐​Grafik steht:

Der senkrechte Balken auf der linken Seite zeigt die geschätzte Temperatur (sehr wahrscheinliche Bandbreite) während des wärmsten mehrere Jahrhunderte langen Zeitraums in den letzten 100 000 Jahren, die vor etwa 6 500 Jahren während der aktuellen Warmzeit (Holozän) auftrat. Die Letzte Warmzeit vor etwa 125 000 Jahren ist der nächstjüngere Kandidat für einen Zeitraum mit höheren Temperaturen. Diese vergangenen Wärmephasen wurden durch langsame (mehrere Jahrtausende dauernde) Schwankungen der Erdumlaufbahn verursacht. Graue, weiß‐​schraffierte Flächen geben die sehr wahrscheinlichen Bandbreiten für die Temperaturrekonstruktionen an.3

Die unterstrichenen Ausdrücke sind auch im Original hervorgehoben. Mit »sehr wahrscheinlich« ist eine Wahrscheinlichkeit des Zutreffens der Aussage von mindestens 90 Prozent gemeint.4

Auf der Suche nach einer Quellenangabe für den Hockeyschläger stoße ich auf folgende Grafik in der »Technischen Zusammenfassung«, die zum wissenschaftlichen Teil des IPCC‐​Berichts5 gehört:

Diese Grafik scheint eine kompliziertere Variante der Hockeyschläger‐​Grafik in der SPM zu sein. Der Erklärungstext zu ihr lautet:

Temperaturen, die so hoch sind wie im jüngsten Jahrzehnt (2011 – 2020), überschreiten den wärmsten hundertjährigen Bereich vor etwa 6500 Jahren [0,2°C bis 1°C], der für die gegenwärtige Zwischeneiszeit rekonstruiert wurde (mittleres Vertrauen). Die nächst jüngere Warmzeit bestand vor etwa 125 000 Jahren […], als der mehrhundertjährige Temperaturbereich [0,5°C bis 1,5°C] die Werte von 2011 – 2020 erreichte (mittleres Vertrauen).6

Beim unterstrichenen Ausdruck »mittleres Vertrauen« geht es um einen Farbverlauf, wie er in der 1. Folge dieser Serie vorgestellt wurdeaber hübscher gezeichnet und deutlich gemacht, dass es nicht um eine »Faktenaussage« (»Statement of fact«) geht7:

Beim Vergleich gegenwärtiger mit vergangenen Temperaturhöhen kam das zuständige Wissenschaftsteam laut obigem Zitat auf »mittleres Vertrauen« (»Medium confidence«), das heißt auf eine 3 in der Skala von 1 bis 5. Das könnte bedeuten:

  • Mittlere Einmütigkeit des Teams – mittlere Nachweisbarkeit

  • Mittlere Einmütigkeit des Teams – beschränkte Nachweisbarkeit

  • Geringe Einmütigkeit des Teams – hohe Nachweisbarkeit.

Wäre es über‐ oder untertrieben, dem zu entnehmen: Die Behauptung der Beispiellosigkeit der gegenwärtigen Erwärmung in den letzten 2000 Jahren ist eine Vermutung, für die einiges spricht?

Weshalb wurde in der Grafikbeschreibung der SPM das nur »mittlere Vertrauen« unterschlagen und dafür mit zwei »sehr wahrscheinlich« gewedelt?

Als Quelle zumindestens des Hockeyschläger‐​Stiels wird auf der Grafik, links oben grün, PAGES 2k angegeben.

PAGES und PAGES 2k

PAGES steht für Past Global Changes (Globale Veränderungen der Vergangenheit), eine Organisation mit Sitz an der Universität von Bern in der Schweiz. PAGES betreibt eine internationale Rekrutierung von Wissenschaftlerinnen zur Bearbeitung paläowissenschaftlicher Themen mit Schwerpunkt Klima und eröffnet damit vor allem jungen Wissenschaftlerinnen Möglichkeiten zum Aufbau ihrer Karriere durch Kontakte und Zugang zu Forschungsvorhaben. Als Finanzierungsquellen werden die Schweizer Akademie der Wissenschaften und die Chinesische Akademie der Wissenschaften genannt. Letztere ersetzt seit 2019 (Trump‐​Zeit) die Finanzierung durch Wissenschaftsorganisationen der USA. PAGES ist Teil eines umfassenderen Netzwerkes namens Future Earth (Zukünftige Erde), das Stiftungen Superreicher im Verbund mit Regierungsinstitutionen und Universitäten verschiedener Länder betreiben.8

PAGES 2k ist eine Art Spezialeinheit von PAGES, die sich um die Temperaturen der vergangenen 2000 Jahre kümmert (daher »2k[ilo]«). Gegründet 2008, pflegt PAGES 2k ein globales Netzwerk von Wissenschaftsteams, die Proxy‐​Daten in einer gemeinsamen, öffentlich zugänglichen Datenbank sammeln und mit gemeinsamen Publikationen zu Proxy‐​Rekonstruktionen der Temperaturentwicklung hervortreten. In einer Selbstdarstellung von 2017 heißt es:

Das erste Schlüsselprodukt war die koordinierte Veröffentlichung von Temperaturrekonstruktionen aus sieben Kontinenten, die in den Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen [IPCC] einflossen (PAGES 2k Consortium, 2013). Zum ersten Mal wurden die kontinentalen Temperaturverläufe über das 2k‐​Intervall [die vergangenen 2000 Jahre] systematisch verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass es keine global konsistenten Temperaturschwankungen gab, die mit einer weltweiten »mittelalterlichen Warmzeit« oder »kleinen Eiszeit« vereinbar wären. Es gab jedoch eine nahezu globale langfristige Abkühlungstendenz […], die in einem kalten Intervall von 1580 bis 1880 gipfelte. Im Gegensatz dazu war der Zeitraum von 1971 bis 2000 der wärmste der letzten 1400 Jahre.

Durch diese Veröffentlichung erhielt das 2k Netzwerk auch außerhalb des Bereichs Paläoklima und in der breiten Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit, und sie ist ein Meilenstein auf dem Weg, die 2k‐​Paläoklimaforschung für ein breiteres Publikum zugänglich und verständlich zu machen. Sie rangiert derzeit im 99. Perzentil der Erd‐ und Planetologie‐​Artikel desselben Alters und Dokumententyps in Bezug auf Zitate, Mendeley‐​Leser [soziales Netzwerk für Akademikerinnen] und Tweets, und erhielt 27 Erwähnungen in den Massenmedien.9

Die Detailliertheit des letzten Absatzes im Zitat erklärt sich daraus, dass im Westlichen Wissenschaftsbetrieb die Einkommenschancen von Wissenschaftlerinnen von der Anzahl und dem Einfluss ihrer Publikationen abhängen.10 »Macht bei uns mit«, scheint der Absatz zu sagen, »bei uns werdet ihr erfolgreich!«

Was mögen die Günde der großen Aufmerksamkeit gewesen sein? Vielleicht die Korrektheit der Ergebnisse? 

Das »Schlüsselprodukt« bezog sich auf die Jahre 0 bis 2000 AD (Anno Domini, im Jahre des Herrn, n. Chr.). Es enthielt Fehler, die nach und nach korrigiert wurden.11 Einer dieser Fehler betraf die Aussage, die Arktis sei von allen 30‐​Jahres‐​Perioden seit dem Jahr 0 in der Periode 1941 – 1970 am wärmsten gewesen. In der Korrektur von 2015 heißt es: »die beste Schätzung der Temperatur zeigt, dass der wärmste 30‐​Jahres‐​Zeitraum um das Jahr 395 AD liegt«.

Die Korrektur enthält einen Dank an Stephen McIntyre, einem Bergbauspezialisten im (Halb-)Ruhestand außerhalb des Wissenschaftsbetriebs, ohne dessen ungefragte Bemühungen seit dem ersten Hockeyschläger von 2001 wahrscheinlich so einige Fehler unentdeckt geblieben wären.12

Über andere Erdgebiete heißt es im »Schlüsselprodukt«:

In Asien und Australasien war die rekonstruierte Temperatur im Zeitraum 19712000 höher als in jedem anderen 30‐​jährigen Zeitraum. […] In Südamerika war die rekonstruierte Temperatur von 19712000 AD ähnlich hoch wie das Rekordmaximum von 12511280 AD. In Nordamerika schließt die rekonstruierte Temperatur für den Zeitraum 19712000 die warmen Jahrzehnte seit 1980 nicht ein und unterschätzt daher die tatsächliche Temperatur für diesen Zeitraum. In Europa wurden in den Jahren 741770 AD etwas höhere rekonstruierte Temperaturen registriert, und der Zeitraum von 2180 AD war wesentlich wärmer als 19712000. In der Antarktis war es wahrscheinlich in einem Zeitraum von 16711700 AD wärmer als 19712000, und der gesamte Zeitraum von 1411250 war wärmer als 19712000.13

Danach wäre die Aussage in der Selbstdarstellung, »der Zeitraum von 1971 bis 2000 [war] der wärmste der letzten 1400 Jahre«, zu korrigieren, etwa zu einer Aussage wie: von sieben untersuchten Erdgebieten waren zwei, Asien und Australasien, und vielleicht Nordamerika im Zeitraum von 1971 bis 2000 wärmer als im Verlauf der vorangegangenen 1400 beziehungsweise 2000 Jahre.

Aber diese Aussage könnte auch wieder nicht so ganz stimmen. In einer 2000‐​Jahr‐​Studie, die ebenfalls 2013 erschien und sich auf China – rund 1/​5 der Landfläche Asiens – bezieht, heißt es:

Die Temperaturen während 981‑1100 AD und 1201 – 1270 AD sind mit denen der gegenwärtigen Warmzeit vergleichbar, weisen jedoch eine Unsicherheit von ±0,28 °C bis ±0,42 °C im 95 Prozentigen Vertrauensbereich auf. Die Temperaturschwankungen über China sind in der Regel mit denen der nördlichen Hemisphäre (NH) nach 1000 phasengleich, ein Zeitraum, der die Mittelalterliche Klimaanomalie, die Kleine Eiszeit und die gegenwärtige Warmzeit umfasst. Im Gegensatz dazu war eine warme Periode in China zwischen 541 und 740 AD nicht offensichtlich in der NH.14

Die zugehörige Grafik ist der Achterbahn im IPCC‐​Bericht15 von 1990 nicht unähnlich:

Die fette rote und blaue Linie zeigen Temperaturverläufe, die mit unterschiedlichen statistischen Rekonstruktionsmethoden ermittelt wurden (Rot: PLS, Blau: PCR). Die Hintergrundflächen bedeuten 95 Prozent‐​Konfidenzintervalle. Grün (rechts) sind Thermometerdaten dargestellt. Die
Treppenlinie unten gibt die Anzahl der verwendeten Proxy‐​Datensätze an.16

Hockeyschläger oder Achterbahn?

Hinweise auf Erdgebiete, die früher wärmer gewesen sein könnten, sind in Hockeyschläger‐​Grafiken nicht zu sehen. Der Eindruck, den sie vermitteln, dass es auf der ganzen Welt außergewöhnlich wärmer wird, macht Hockeyschläger‐​Grafiken sehr beeindruckend und den Gedanken, menschliche Treibhausgas‐​Emissionen seien die Ursache der Erwärmung, sehr überzeugend. Tauchten die Hockeyschläger von 2001 und 2021 deshalb an vorderer SPM‐​Stelle auf, während Achterbahnen auf die Hinterbänke der IPCC‐​Berichte mussten?

2019 legte das PAGES 2k Consortium einen Hockeyschläger vor, der etwa so aussieht wie der im SPM von 2021 – falls er es nicht sogar ist.17 Im Zusammenhang mit der Handhabung von Proxy‐​Daten, die ihm zugrunde liegt, traten mehrere Wissenschaftlerinnen aus dem PAGES‐​Projekt aus. Einer von ihnen, Ulf Büntgen, Professor in England und Tschechien, berichtete 2021 in einem Interview:

Einige Kollegen und auch ich sind schon vor einigen Jahren aus dem ›Pages‹-Projekt ausgestiegen, weil wir nicht mehr einverstanden waren, wie großräumige Datensätze zusammengestellt und analysiert wurden.[…] Die Auswahl der Daten war mir und anderen Kollegen nicht kritisch genug. […] Je weiter wir in die Vergangenheit zurückgehen, desto schlechter ist die Datenbasis. Über diesen Punkt sind sich zwar alle einig, aber die damit verbundenen Unsicherheiten werden oftmals nur bedingt statistisch und grafisch berücksichtigt. Als Ergebnis wird dann eine hohe Verlässlichkeit der Rekonstruktionen suggeriert, die so leider nicht vorliegt.18

Ohne Professur und etablierten Zugang zu Forschungsgeldern wird es wohl nicht so einfach sein, aus Zusammenhängen wie PAGES auszusteigen, bloß weil man mit der dort herrschenden Datenhandhabungsphilosophie nicht einverstanden ist.

Büntgen repräsentiert die traditionelle bürgerliche Haltung »des Wissenschaftlers«, das Gegenteil der Haltung Stephen Schneiders in der 1. Folge. Auf die Frage »Aber warum soll man nicht einfach den besten Stand des Wissens zeigen?« antwortet er:

Das muss man natürlich machen, aber dann darf man nicht gleichzeitig sagen, dass wir den vergangenen Temperaturverlauf zeigen, sondern eben nur das, was wir über den vergangenen Temperaturverlauf wissen. Und da müssen wir auf die bestehenden Wissenslücken aufmerksam machen.19

Zusammen mit 21 Kolleginnen veröffentlichte Büntgen 2020 eine Studie zum nicht‐​tropischen Sommertemperaturverlauf auf der Nordhalbkugel zwischen den Jahren 1 und 2010 CE (Common Era /​allgemeine Ära /​religiös neutraler Ausdruck für n. Chr. /​nach unserer Zeitrechnung n.u.Z.20). In der Studie heißt es:

Die Spitzenerwärmung in den 280er, 990er und 1020er Jahren, als die vulkanischen Einflüsse gering waren, war bis 2010 CE mit modernen Bedingungen vergleichbar. […] Während die anhaltende Wärme in der Zeit des Römischen Reiches und des Mittelalters mit der Tendenz zu gesellschaftlichem Wohlstand in weiten Teilen des nordatlantischen/​europäischen Sektors und Ostasiens einherging, waren größere Episoden vulkanisch erzwungener sommerlicher Abkühlung oft mit weit verbreiteten Hungersnöten, Pestausbrüchen und politischen Umwälzungen verbunden. Unsere Studie zeigt eine größere Amplitude räumlich synchronisierter sommerlicher Temperaturschwankungen während des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung als bisher angenommen.21

Die Studie schaffte es nicht in den IPCC‐​Bericht.

Strategisch/​taktisch gesehen ist unter den gegebenen Bedingungen die traditionelle bürgerliche Haltung von Büntgen der finanzierten Communitybildung von PAGES und Future Earth unterlegen. Um zu verhindern, dass Geldflüsse, negative Auslese der »Unpassenden« und gute Beziehungen zur IPCC‐​Führungsclique und zu Massenmedien Gruppierungen hervorbringen, die im Sinne politischer Agenden die Hegemonie im Wissenschaftsbetrieb übernehmen, wäre gesellschaftlich einiges zu verändern.

In den nächsten Folgen wird untersucht, was es mit Thermometerdaten und deren Mittelwerten auf sich hat. Mit Hilfe von Thermometern ermittelte Temperaturentwicklungen sollten doch etwas gesicherter sein als Proxy‐Rekonstruktionen?

Damit zwichenzeitlich nichts verharmlost wird: Nach Beginn der Industrialisierung sind offiziellen Angaben zufolge die Mitteltemperaturen in sämtlichen Gegenden der Welt gestiegen!22

Verweise

2 IPCC (offizielle Übersetzung): Klimawandel 2021 – Naturwissenschaftliche Grundlagen – Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung, S. SPM‑5. Früher wurde »Summary for Policy Makers« männlich‐​autokratisch mit »Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger« übersetzt.

Quellenangabe nach »Zitiervorschrift« (in der englischen Version nur eine »Sollte«-Forderung):
IPCC, 2021: Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung. In: Naturwissenschaftliche Grundlagen. Beitrag von Arbeitsgruppe I zum Sechsten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen [Masson‐​Delmotte, V., P. Zhai, A. Pirani, S.L. Connors, C. Péan, S. Berger, N. Caud, Y. Chen, L. Goldfarb, M.I. Gomis, M. Huang, K. Leitzell, E. Lonnoy, J.B.R. Matthews, T.K. Maycock, T. Waterfield, O. Yelekçi, R. Yu, and B. Zhou (eds.)]. In Druck. Deutsche Übersetzung auf Basis der Druckvorlage, Oktober 2021. Deutsche IPCC‐​Koordinierungsstelle, Bonn; Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Wien; Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT, ProClim, Bern, Februar 2022

5 IPCC: Climate Change 2021 – The Physical Science Basis | Technical Summary, S. 61.
A
uf der Grafik steht von oben nach unten: »(a) Globale Oberflächentemperaturen sind wahrscheinlicher als nicht beispiellos in den letzten 125.000 Jahren. – Das letzte Jahrzehnt war wärmer als sämtliche mehrhundertjährigen Perioden nach der letzten Zwischeneiszeit vor rund 125.000 Jahren –Im Verlauf der letzten 50 Jahre ist die Temperatur mit einer Geschwindigkeit gestiegen, die für die letzten 2000 Jahre beispiellos ist«. Die drei Kurvenabteilungen zeigen von links nach rechts: Zeitraum von 10.000 bis 500 vor unserer Zeitrechnung (»Landwirtschaftliche Jahrhunderte«) – Zeitraum von 1000 bis 1900 (»Historische Jahrzehnte«) – Zeitraum von 1900 bis 2020 (»Industrielle Jahre«).

6 IPCC: Climate Change 2021 – The Physical Science Basis | Technical Summary, S. 59. Hier wie bei allen englischsprachigen Quellen unautorisierte Übersetzung.

8 PAGES: General overview; Future Earth: Funders, dabei sind u.a. die ClimateWorks Foundation und die Oak Foundation (gesehen 29.7.22)

9 PAGES2k Coordinators: The third phase of the PAGES 2k Network. Past Global Changes Magazine, Volume 25, No. 1, S. 71, doi: 10.22498/pages.25.1.71

10 Siehe zum Beispiel Florian Rötzer: Wer schon früh viel veröffentlicht, erhöht seine Karrierechancen in der Wissenschaft. Telepolis 27.9.2013 und dortige Kommentare

12 PAGES 2k Consortium: Correction: Corrigendum: Continental‐​scale temperature variability during the past two millennia. Nature Geosci 8, 981 – 982 (2015). DOI 10.1038/ngeo2566

13 PAGES 2k Consortium: Continental‐​scale temperature variability during the past two millennia.Geosci 6, 339 – 346 (2013), S. 342. DOI 10.1038/ngeo1797. Hervorhebung nicht im Original.

14 Q Ge, Z Hao et al.: Temperature changes over the past 2000 yr in China and comparison with the Northern Hemisphere. Clim. Past, 9, 1153 – 1160, 2013, DOI 10.5194/cp‑9 – 1153‐2013

15 Q Ge, Z Hao et al.: Temperature changes over the past 2000 yr in China and comparison with the Northern Hemisphere. Clim. Past, 9, 1153 – 1160, 2013, DOI 10.5194/cp‑9 – 1153‐​2013 (CC Attribution 3.0 License)

16 Über Asien und Nordamerika insgesamt, Russland, Indien … konnte ich nichts finden – aber dank einer Sammlung des Ingenieurs Pierre L. Gosselin begutachtete Studien aus Fachzeitschriften über unzählige Land‐ und Wassergebiete, die heutige Temperaturverhältnisse im Vergleich zu den letzten 1000 bis 2000 Jahren als nicht außergewöhnlich ausweisen: 600 Non Warming Graphs (2) und 600 Non Warming Graphs (3).

17 PAGES 2k Consortium: Consistent multidecadal variability in global temperature reconstructions and simulations over the Common Era. Nat. Geosci. 12, 643 – 649 (2019). DOI 10.1038/s41561-019‑0400‑0

In der Studie sind Kurven mit »CPS« bezeichnet. Stephen McIntyre weist darauf hin, dass das PAGES-»CPS« nicht das ist, was gewöhnlich darunter verstanden wird (Tweed 28.7.2019).

18 Axel Bojanowski: Die KurvendiskussionInterview mit Ulf Büntgen. Welt am Sonntag Nr. 32, 8.8.2021

Auf die Büntgensache stieß ich durch den Geowissenschaftler Sebastian Lüning: Video Klimaschau #2: In den letzten 2000 Jahren war es mehrfach so warm wie heute, 20.12.2020, und Artikel von Lüning in: Die Weltwoche, Nr. 33 (2021)| 19.8.2021. Auf Lüning stieß ich wiederum über eine englische Seite durch Suche nach »ar6« und »hockey stick« in der Suchmaschine DuckDuckGo. – So etwas kann mit Google, Faktencheckern und Dämonisierungen von »Klimaleugnern« eher nicht passieren. Lüning wird im sechsten IPCC‐​Bericht mit seinen Studien zur MWP erwähnt. Er war als außenstehender Experte an der Kommentierung des IPCC‐​Berichts beteiligt. Soweit ich seinen Artikel verstehe, wurde der Hockeyschläger um den externen Kommentierungsprozess gewissermaßen herumlaviert, so dass er in der Endfassung des Berichts überraschend auftauchte.

19 Axel Bojanowski: Die KurvendiskussionInterview mit Ulf Büntgen. Welt am Sonntag Nr. 32, 8.8.2021

20 Der Ausdruck findet sich zuerst in Schriften von Johannes Kepler aus dem 17. Jahrhundert, »vulgar era”. Im 18. und 19. Jahrhundert verbreitete er sich im englischen Sprachraum. (Joshua J. Mark: The Origin and History of the BCE/​CE Dating System. Ancient History Encyclopedia 03.27.2017)

21 U Büntgen et al.: Prominent role of volcanism in Common Era climate variability and human history. Dendrochronologia (2020). DOI: 10.1016/j.dendro.2020.125757

22 Grafik nach Angaben in IPCC: Climate Change 2021 – The Physical Science Basis | Technical Summary, S. 64. Die Daten hören leider schon 2014 auf. Laut HadCRUT4 ist die globale Temperatur zwischen 2014 und 2022 um rund 0,01 °C gestiegen (WoodForTrees).

Bild: Mikhail Gumyonnykh »Das Stückgut ist angekommen« 1970 (https://t.me/SocialRealm)

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