Vor den Wahlen am 25. September: Das Labor Italien vor dem Sturm

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Draghi fiel, seine Agenda bleibt. Sie wird nicht zur Abstimmung gestellt. Geredet wird nicht an der Wahlurne, sondern auf der Piazza!

Zu Beginn ent­schei­den­der und ver­hee­ren­der Mona­te – mit all den mög­li­chen, wenn nicht wahr­schein­li­chen Ratio­nie­run­gen von Gas, Strom, viel­leicht sogar Lebens­mit­teln und ande­ren mög­li­chen, wenn nicht wahr­schein­li­chen Höl­len­run­den des Pan­de­mie-Karus­sells, sobald sich neue Viren oder Vari­an­ten aus­brei­ten – ist der Sturz der Draghi-Regie­rung der natio­na­len Ein­heit am 20. Juli eine Schan­de. Es ist ein Grund, das Was­ser zu trü­ben, und zwar aus der Sicht der sozia­len Oppo­si­ti­ons­be­we­gung, die am Sams­tag, dem 24. Juli 2021, ent­stan­den ist und die wohl oder übel (übel! kann man sicher­lich sagen; aber die Män­ner und Frau­en, die seit­her aktiv waren, haben das so gut getan, wie sie es unter den ungüns­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen konn­ten …) ver­sucht hat, sich dem sub­ti­len Klas­sen­krieg (1), der von der Draghi-Regie­rung erklärt und durch­ge­führt wur­de, entgegenzustellen.

Aus unse­rer Sicht wäre es nütz­lich gewe­sen, im bevor­ste­hen­den sozia­len Kampf die feind­li­che Macht mit all ihren poli­ti­schen Fang­ar­men offen hin­ter der Figur Draghi, der Ver­kör­pe­rung der aggres­sivs­ten Macht des Kapi­tals, ver­eint zu sehen. Ein äußerst nütz­li­cher Fak­tor, um die maxi­mal ver­füg­ba­ren Ener­gien im Kampf »gegen alle«, gegen die Regie­rung »aller«, ein­schließ­lich der loya­lis­ti­schen Fas­sa­de-Oppo­si­ti­on der »Fratel­li d’Italia«, zu mobi­li­sie­ren. Allei­ne gegen alle und ohne greif­ba­re par­la­men­ta­ri­sche »Rücken­de­ckung«: eine herr­li­che Posi­ti­on der Iso­la­ti­on (gegen­über einer ver­rot­te­ten Hüt­te und ihrer gesam­ten Besat­zung) und des sozia­len und poli­ti­schen Kamp­fes! Mit dem vor­läu­fi­gen Ver­schwin­den der poli­ti­schen Uni­on Sacrée ist in die­sem Sin­ne die Lage unüber­sicht­lich gewor­den. Die Auf­re­gung um die Regie­rungs­kri­se trübt den Blick.

Wir müs­sen mit Bit­ter­keit fest­stel­len, dass die im Febru­ar 2021 ein­ge­setz­te Regie­rung der natio­na­len Ein­heit ihr Haupt­ziel erreicht hat. Draghi hat dies aus sei­ner Sicht mit gutem Grund in sei­ner unmiss­ver­ständ­li­chen poli­ti­schen Rede vom 20. Juli vor der Abge­ord­ne­ten­kam­mer, als er die Ver­trau­ens­fra­ge stell­te, ein­ge­for­dert. Herrn Draghi war es ein Anlie­gen, das wah­re »zivi­le Wun­der« (im Wort­laut der Rede: »zivi­les Wun­der«!) her­vor­zu­he­ben und zu recht­fer­ti­gen, das dank des Geis­tes der natio­na­len Soli­da­ri­tät und des Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­seins erreicht wur­de und wel­ches es ermög­lich­te – und wir sagen dies mit vol­ler Stim­me gegen­über den vie­len (fal­schen) Nar­ren, die so tun, als sei nichts gesche­hen, ins­be­son­de­re gegen­über den »ant­ago­nis­ti­schen« Lin­ken –, die Apart­heid mit­hil­fe der Gleich­gül­tig­keit und/​oder mit der Zustim­mung der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung zu errichten.

Wir müs­sen mit Bit­ter­keit zur Kennt­nis neh­men, dass ein Teil der Bevöl­ke­rung zom­bi­fi­ziert wur­de. Wir glau­ben, dass die herr­schen­den Mäch­te (Draghi hin oder her) die­se Situa­ti­on voll aus­nut­zen wer­den, aus der man nur durch einen unmit­tel­ba­ren, unver­meid­li­chen Gegen­schock ent­kom­men kann. Die­ser allein kann den Geist und den Kör­per der Men­schen befrei­en, die zu Lar­ven (oder Sar­di­nen, wenn Sie so wol­len) redu­ziert wur­den und daher, so wie die Din­ge lie­gen, nach Belie­ben von der Macht, die die Hebel und den Kom­man­do­st­ab der Gesell­schaft hält, manö­vriert wer­den können.

Daher das (für uns) ver­fluch­te Unglück des Stur­zes der Regie­rung der natio­na­len Ein­heit, die Trü­bung des Was­sers und die mas­sen­haf­te Ablen­kung, die in den Wah­len vom 25. Sep­tem­ber gip­feln wird, wel­che vor allem, unab­hän­gig vom Ergeb­nis der »frei­en Befra­gung der Volks­mei­nung« die vol­le »demo­kra­ti­sche Legi­ti­mi­tät« des der­zei­ti­gen Macht­sys­tems und sei­ner Insti­tu­tio­nen bestä­ti­gen sol­len. Sobald die­se Legi­ti­mi­tät am 25. Sep­tem­ber bestä­tigt wird, kann die Macht (die sich natür­lich nicht »zur Wahl stellt«) im Rah­men des neu­en Aus­nah­me­zu­stands, der uns erwar­tet, fort­fah­ren. Sie wird im Sin­ne einer sub­stan­zi­el­len Umset­zung des vom zurück­ge­tre­te­nen Draghi in sei­ner Rede vom 20. Juli ver­kün­de­ten Pro­gramms vor­an­schrei­ten kön­nen. Die­sem wur­de am 20. Juli for­mell das Ver­trau­en aus­ge­spro­chen, aller­dings mit nur 95 Stim­men der lin­ken Mitte.

Nach dem 25. Sep­tem­ber wird sich dann zei­gen, mit wel­chem exe­ku­ti­ven Pro­ze­de­re und mit wel­cher Kom­bi­na­ti­on von poli­ti­schen Kräf­ten das bereits fest­ge­leg­te Pro­gramm umge­setzt wird, das je nach Aus­maß der inter­nen wirt­schaft­li­chen und sozia­len Kri­se und dem Sze­na­rio des sich anbah­nen­den Welt­kriegs in mehr oder weni­ger dras­ti­scher Form durch­ge­setzt wird. Die­ser bereits vor­ge­zeich­ne­te Weg kann (abge­se­hen von trau­ma­ti­schen Ereig­nis­sen auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne) nur durch eine außer­par­la­men­ta­ri­sche Mas­sen- und Stra­ßen­be­we­gung, die sich der aus­ufern­den poli­ti­schen Kon­trol­le der zahl­rei­chen Staats­die­ner ent­zieht, umge­lenkt oder gesprengt werden.

Die neu­en poli­ti­schen Kräf­te der so genann­ten »Sys­te­mal­ter­na­ti­ve« – d. h. die vier Lis­ten, denen das (zwei­fel­los bemer­kens­wer­te) Kunst­stück gelun­gen ist, auf natio­na­ler Ebe­ne zu kan­di­die­ren, und die poli­ti­scher Aus­druck der gro­ßen sozia­len Bewe­gung sind, die ins­be­son­de­re nach dem 24. Juli 2021 ent­stan­den ist – wer­den nach dem 25. Sep­tem­ber vor­her­seh­bar einen Platz am Par­la­ments­rand fin­den. Aber gera­de wegen ihres … kon­sti­tu­tio­nel­len Cha­rak­ters wer­den sie, in der Oppo­si­ti­on, ihre Rol­le bei der Kon­trol­le der Mas­sen in der explo­si­ven Situa­ti­on spie­len, in die wir geraten.

Sie haben bereits (im Rah­men ihrer beschei­de­nen Mög­lich­kei­ten in all die­sen Mona­ten) ihren tie­fen »Staats­sinn« und ihr aus­ge­präg­tes natio­na­les Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein unter Beweis gestellt. Sie haben dies bewie­sen, indem sie die regie­rungs­feind­li­che Oppo­si­ti­ons­be­we­gung auf ihrem kri­ti­schen Höhe­punkt im Okto­ber 2021 kana­li­siert und geschwächt haben. Sie tru­gen dazu bei, die explo­si­ve Ladung des Kamp­fes von innen her­aus zu ent­schär­fen, indem sie dafür sorg­ten, dass der Kampf auf der Stra­ße (von Tor IV im Hafen von Tri­est bis Mailand/​Piazza Duo­mo, die gegen­über den Befeh­len­von Innen­mi­nis­te­rin Lamor­ge­se allein gelas­sen wur­de) nicht in die Brei­te ging. So hat sich die gro­ße Ladung phy­si­scher und geis­ti­ger Ener­gie, die eine Mas­se von Män­nern und Frau­en ins Spiel gebracht hat­te, all­mäh­lich auf­ge­löst. Unse­rer beschei­de­nen Mei­nung nach ver­lief die Sache so. Auf die­se Wei­se wur­den wir besiegt. Auf die­se Wei­se wur­de die Apart­heid durchgesetzt.

Um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: All die Para­go­ne, Tos­ca­no, Riz­zo und die »alter­na­ti­ven und sou­ve­rä­nen« Akteu­re haben nicht als bewuss­te sozia­le Feu­er­wehr­leu­te gehan­delt, son­dern als logi­sche Fol­ge ihrer poli­ti­schen Visi­on, die genau zu dem ver­häng­nis­vol­len institutionellen/​parlamentarischen Raum führt, auf den letzt­lich alles bezo­gen wer­den muss. Das Bes­te dar­an ist, dass sie im All­ge­mei­nen erken­nen, wie weit die wah­re Macht außer­halb der Räu­me liegt, die sie gera­de betre­ten! Auf jeden Fall: viel Glück für sie. Wir wer­ben nicht für die Ent­hal­tung. Den vita­len Mas­sen, die sich in den letz­ten Mona­ten mobi­li­siert haben, und auch denen, die sich nicht mobi­li­siert haben und in die Fal­le der Regie­rung getappt sind, sagen wir nur: Lasst uns auf das Wesent­li­che achten!

Und das Wesent­li­che liegt außer­halb der Spie­le und der par­la­men­ta­ri­schen »Oppo­si­tio­nen«. Das Wesent­li­che liegt in der außer­par­la­men­ta­ri­schen Kraft der Mas­sen- und Stra­ßen­mo­bi­li­sie­rung, mit der die Hand der Regie­run­gen auf­ge­hal­ten wer­den kann. Das Wesent­li­che liegt in der Stär­kung sozia­ler Wider­stands­net­ze (von Eltern­schu­len über »soli­da­ri­sche Ein­kaufs­ge­mein­schaf­ten« bis hin zu allen For­men sozia­ler Soli­da­ri­tät, bei denen sich Men­schen außer­halb staat­li­cher Kon­trol­le enga­gie­ren). Das Wesent­li­che besteht in der Wie­der­her­stel­lung die­ser mate­ri­el­len und geis­ti­gen Ener­gie, die sich im Okto­ber 2021 mate­ria­li­siert hat. Und dar­in, dass die­se Ener­gie dann mit vol­ler Kraft in der sozia­len Akti­on frei­ge­setzt wird und nicht, im Gegen­teil, gebän­digt wird, wie es lei­der nach Okto­ber ange­sichts der Fata Mor­ga­na (die sich am 25. Sep­tem­ber in einer Hand­voll gewähl­ter Ver­tre­ter, in lee­ren Hän­den mate­ria­li­sie­ren wird) der Fall war.

Die Lega, die Ber­lus­co­nier und die 5‑S­ter­ne-Schrott sind sich aus der Regie­rung aus­ge­schert, ohne auch nur den Mut zu haben, am 20. Juli offen gegen die Draghi-Agen­da zu stim­men. Das zeigt die Sub­stanz­lo­sig­keit die­ser poli­ti­schen Ten­ta­kel des ita­lie­ni­schen Kapi­ta­lis­mus, die sich von der natio­na­len Ein­heit gelöst haben, um ihren völ­li­gen Selbst­mord zu ver­hin­dern. Die Mit­te-Rechts wur­de durch das Draghi-Pro­gramm in die Enge getrie­ben, das vor­aus­sah – und, wir bekräf­ti­gen, vor­aus­sieht! (Draghi hin oder her) – neben ande­ren wesent­li­chen Punk­ten (die da wären: ers­tens: abso­lu­te Loya­li­tät »zum atlan­ti­schen Band«, also Unter­stüt­zung für den Krieg in der Ukrai­ne. In dem am 20. Juli ver­kün­de­ten Pro­gramm heißt es: »Bewaff­nung der Ukrai­ne«. Zwei­tens: Fort­set­zung des Pro­zes­ses der Digi­ta­li­sie­rung, d.h. der Ent­wurf eines Käfigs der tota­len staat­li­chen Kon­trol­le über jeden Aspekt des Lebens des Ein­zel­nen, von der Wie­ge bis zum Sarg, alles erfasst. Drit­tens: Fort­set­zung der Mas­sen­impf­kam­pa­gne, mög­li­cher­wei­se mit der Ein­füh­rung einer Impf­pflicht (über die das Ver­fas­sungs­ge­richt im Novem­ber zu ent­schei­den haben wird, sofern kei­ne Kata­stro­phen ein­tre­ten…) neben ande­ren wesent­li­chen Punk­ten, gehört es zum Pro­gramm die rasche Fort­set­zung der grau­sa­men Zen­tra­li­sie­rung des Kapi­tals, was in der Fol­ge die Abschlach­tung des Mit­tel­stan­des bedeu­tet (groß­flä­chi­ge Zer­stö­rung von Klein­be­trie­ben, umfang­rei­che Ent­eig­nung von Klein­be­sitz und klei­nen Erspar­nis­sen). Die Mit­te-Rechts-Ten­ta­kel konn­ten die­sen Punkt, der in der Draghi-Agen­da impli­zit ent­hal­ten ist, nicht gegen­zeich­nen und wer­den ihn ohne­hin schlu­cken müs­sen. Der Selbst­mord, der Zer­fall der Mit­te-Rechts-Kräf­te, wie sie sich heu­te dar­stel­len, wird nur aufgeschoben.

Die Ten­ta­kel der Mit­te-Links, mit der Par­ti­to Demo­cra­ti­co als treu­er Ban­ner­trä­ge­rin des Draghi-Pro­gramms, sind sicher­lich die kohä­ren­tes­ten und zuver­läs­sigs­ten Instru­men­te im Diens­te der im »kol­lek­ti­ven Wes­ten« im Moment (im Moment noch!) vor­herr­schen­den Macht­zen­tren: der Macht­zen­tren des gro­ßen euro-atlan­ti­schen Kapi­tals, der grü­nen und pro­gres­si­ven Krei­se des Inclu­si­ve Capi­ta­lism. Der von der PD errun­ge­ne Wahl­kon­sens und alles, was damit zusam­men­hängt, wird, auch wenn er vor­läu­fig in der Oppo­si­ti­on geparkt wird, für die Umset­zung des Pro­gramms zur Ver­fü­gung gestellt, über das es wenig zu dis­ku­tie­ren gibt und über das am 25. Sep­tem­ber nicht »abge­stimmt« wer­den kann.

Aber auch für die­se Ten­ta­kel wird der Zer­fall nur auf­ge­scho­ben, je nach­dem, wie sehr der Griff des immer noch vor­herr­schen­den Macht­zen­trums im »kol­lek­ti­ven Wes­ten«, von dem die Mit­te-Links-Ten­ta­kel abhän­gen, schwä­cher wird (in Anbe­tracht der Tat­sa­che, dass wir de fac­to bereits in die neue »mul­ti­po­la­re Epo­che« ein­ge­tre­ten sind, die – abge­se­hen von der Kriegs­ab­rech­nung in naher Zukunft – zu ganz erstaun­li­chen Sze­na­ri­en füh­ren kann: Das schreck­lichs­te davon ist das einer vor­läu­fi­gen und nur einen Schritt vom Abgrund ent­fern­ten Ver­stän­di­gung zwi­schen den (ex-)hegemonialen USA und dem riva­li­sie­ren­den rus­sisch-chi­ne­si­schen Block in einer Art Mün­chen 1938).

Kurz gesagt, die der­zei­ti­ge poli­ti­sche Kon­stel­la­ti­on, was auch immer am 25. Sep­tem­ber an den Wahl­ur­nen her­aus­kommt, wird durch die Ereig­nis­se auf den Kopf gestellt wer­den, mit Aus­nah­me … des zurück­tre­ten­den und zurück­ge­tre­te­nen Draghi, im Sin­ne des »Draghi-Pro­gramms«. Es muss fest­ge­stellt wer­den, dass die­ses Pro­gramm der grau­sa­men kapi­ta­lis­ti­schen Zen­tra­li­sie­rung nicht dar­auf ver­zich­tet, und auch nicht dar­auf ver­zich­ten kann, die Arbei­ter­klas­se zu ködern. Das Kriegs­pro­gramm (»Bewaff­nung der Ukrai­ne«!) kommt auch unter einem »sozia­len« Deck­man­tel daher: »Wir brau­chen eine ech­te sozia­le Agen­da«, »eine gemein­sa­me Arbeits­me­tho­de mit den Gewerk­schaf­ten und Unter­neh­mens­ver­bän­den«, heißt es in dem am 20. Juli ver­kün­de­ten Pro­gramm. Und um mit etwas Kon­kre­tes zu ködern, könn­te man »die beein­dru­cken­de Zahl von 1.100 Mil­li­ar­den Euro an Rest­kre­di­ten, die vom Finanz­amt bean­sprucht wer­den« zurück­grei­fen, steht eben­falls in dem­sel­ben Pro­gramm, an das sich die »gesetz­li­chen Ver­tre­ter«, wie Lan­di­ni & Co [Lan­di­ni: Gene­ral­se­kre­tär der CGIL; & C: CISL und UIL, d.h. die drei soge­nann­te Kon­zer­tie­rungs­ge­werk­schaf­ten, Anm. d. Red.], der Arbei­ter­klas­se im Staat (des Kapi­tals), der offe­ne Han­dels­ge­sell­schaft-Ita­li­en, zwei­fel­los mehr als über­zeu­gend halten.

Wir wer­den sehen, ob nicht ihre »gesetz­li­chen Ver­tre­ter«, son­dern die Arbei­ter­klas­se selbst bei ihrem unver­meid­lich (auf­grund höhe­rer Gewalt, d. h. auf­grund der ein­tref­fen­den Schlä­ge) bevor­ste­hen­den Wie­der­auf­tau­chen auf der Büh­ne die­sen poli­ti­schen Köder schlu­cken wird. Es ist an der Zeit, dass die Arbei­ter­klas­se, wenn sie etwas zu sagen hat, dies selbst tut: indem sie näm­lich ihren »Rechts­ver­tre­tern« end­lich sagt, dass sie zur Höl­le fah­ren sol­len. Wir für unse­ren Teil haben nichts wei­ter zu sagen, als zu wie­der­ho­len, was schon ein­mal (1865) von jeman­dem gesagt wur­de, der etwas zuver­läs­si­ger ist als wir: »Die Arbei­ter­klas­se ist revo­lu­tio­när oder sie ist nichts«.

Kon­kret ist die Initia­ti­ve der Gewerk­schaft Fisi zu beto­nen und zu unter­strei­chen (der wir hof­fen, sich die Sol Cobas wie für den Streik vom 15. Febru­ar anschlie­ßen wird), wel­che für Anfang Sep­tem­ber eine Rei­he von Streiks rund um das »Impf­stoff The­ma« aus­ge­ru­fen hat (Rück­kehr der Unge­impf­ten zur Arbeit im Gesund­heits­we­sen; gegen die Impf­pflicht, die man ver­su­chen wird, als ver­fas­sungs­kon­form durch­zu­win­ken; Antrag auf Unter­su­chung der Flut gemel­de­ter Impf­ne­ben­wir­kun­gen… ) und nicht nur dazu (ein Ende der Unter­drü­ckung am Arbeits­platz (und außer­halb). Ein eben­so wich­ti­ges und äußerst posi­ti­ves Signal ist das, was sich im Bereich der Stu­den­ten gegen Green Pass bewegt, die kei­nes­wegs die Waf­fen gestreckt haben (auch wenn es sich nur um eine klei­ne Min­der­heit han­delt). Neben einer sehr inten­si­ven inter­nen Debat­te, in der sie sich bemü­hen, alle Fra­gen des gegen­wär­ti­gen Angriffs auf das mensch­li­che Leben bei den Hör­nern zu packen – Fra­gen, die von die­sen jun­gen Men­schen leb­haft und zu Recht emp­fun­den wer­den – orga­ni­sie­ren sie Stra­ßen­de­mons­tra­tio­nen, die sich ins­be­son­de­re mit der Repres­si­on befas­sen, die nach wie vor gegen block­freie Tei­le der Gesell­schaft gerich­tet ist (von Bus­to Arsi­zio bis Tri­est bis zu den jüngs­ten Straf­an­zei­gen in Udi­ne gegen eini­ge Teil­neh­mer an einer der zahl­rei­chen Sams­tags­de­mons­tra­tio­nen nach dem 24. Juli 2021). Ohne sich ablen­ken zu las­sen und ohne vom Ergeb­nis des 25. Sep­tem­ber etwas zu erwarten.

In die­sem Zusam­men­hang berich­ten wir von der natio­na­len Web­site der Stu­den­ten gegen Green Pass über eine beson­ders leben­di­ge Inter­ven­ti­on. Sie hat uns beein­druckt, und wir tei­len deren tie­fen Sinn, jen­seits der vie­len »Klar­stel­lun­gen«, die wir ger­ne auf Mar­cos Rede anbrin­gen wür­den und die wir sicher­lich anbrin­gen müs­sen, viel­leicht direkt vor Mar­co und allen Freun­den der Stu­den­ten gegen Green Pass. Das reicht für den Moment. Genug ist genug.

Anmerkungen und Ergänzungen

1. Mit unse­rem Bei­trag auf dem »Platz der Wider­setz­li­chen« haben wir den alles ande­re als »öko­no­mi­schen« Sinn des andau­ern­den Klas­sen­kriegs erklärt, der sich in aller Tie­fe gegen das Wesen des Men­schen rich­tet. Sie­he ins­be­son­de­re das Flug­blatt (das bei den Demons­tra­tio­nen in Udi­ne und Tri­est im August 2021 ver­teilt wur­de): Sie haben uns den Krieg erklärt, was sol­len wir tun?

http://​www​.nucleo​com​.org/​a​r​c​h​i​v​i​o​/​a​r​c​h​i​v​i​o​i​n​t​e​r​v​e​n​t​i​/​v​o​l​a​n​t​i​m​o​_​u​d​_​7​a​g​o​s​t​o​.​htm


Aus der natio­na­len Web­site von Stu­den­ten gegen Green Pass – 25. Juli 2022

Meditation über die bevorstehenden Wahlen

von Mar­co Z.

Meditation im Werden

Tat­sa­che ist auch: Kön­nen wir uns den Luxus leis­ten, alle unse­re Hoff­nun­gen auf den Wahl­ter­min zu set­zen? Nein, das kön­nen wir nicht. Und zwar nicht, weil wir es mit ver­fas­sungs­wid­ri­gen Wah­len zu tun haben, bei denen außer­par­la­men­ta­ri­sche Kräf­te nicht antre­ten kön­nen, son­dern weil die Poli­tik Ita­li­ens der nächs­ten Zeit zu einem gro­ßen Teil bereits ander­wei­tig bestimmt wur­de. Unab­hän­gig davon, ob es uns gelingt, eini­ge »Eige­ne« in die Par­la­men­te zu brin­gen oder nicht, hat der Feind in jedem Fall den Zeit­plan fest­ge­legt, um sich neu zu orga­ni­sie­ren und die Schrit­te zu len­ken, die wir über den Win­ter und in den kom­men­den Jah­ren unter­neh­men. Auch wenn sich die Situa­ti­on selbst für den Feind ver­schlech­tert hat, ist es für psy­cho­pa­thi­sche Ver­rück­te schwie­rig, die Logik des Besit­zes und der Kon­trol­le auf­zu­ge­ben, an der sie sich in den letz­ten Jah­ren so berauscht haben. Die Hypo­the­se, dass eine neue »Regie­rung der natio­na­len Ein­heit« – noch eine – in kur­zer Zeit zustan­de kommt, unab­hän­gig vom Wahl­er­geb­nis, ist mehr als realistisch.

Noch dazu: Es wäre eine Sache gewe­sen, mit einer ein­zi­gen Front zu den Wah­len 2023 zu gehen, ver­eint um eini­ge wesent­li­che Punk­te, mit ver­ein­ten Par­tei­en und Bewe­gun­gen, wie von den Bewe­gun­gen selbst gewünscht (die jedes Recht haben, ihre Rol­le und ihre Arbeit zu ver­tei­di­gen, ange­sichts der Tat­sa­che, dass der Wider­stand in die­sem Land zur Zeit des Green Pass, des Völ­ker­mords an der Wis­sen­schaft, der Apart­heid und der Ver­pflich­tun­gen ohne jede Logik … von den Bewe­gun­gen geleis­tet wur­de, nicht von den Par­tei­en. Um ein Bei­spiel zu nen­nen, nur um das klar­zu­stel­len: Wäh­rend Libe­ria­mo l’I­ta­lia und Fron­te del Dis­sen­so bereits über den Trans­hu­ma­nis­mus, die ver­zerr­te Nut­zung der Tech­no­lo­gie, die erschre­cken­de Ver­zer­rung des Rechts­staa­tes usw. spra­chen, kurz gesagt, wäh­rend sie die schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen anpran­ger­ten, die wir ken­nen, hat­te die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei von Mar­co Riz­zo noch nicht begrif­fen, was geschah, da vie­le ihrer Mit­glie­der immer noch von der blin­den Ver­tei­di­gung des so genann­ten Impf­stoffs ver­zau­bert waren …); es ist eine ande­re Sache, die­sen demü­ti­gen­den Wett­lauf um die Unter­schrif­ten in letz­ter Sekun­de mit­zu­er­le­ben, mit einem Sze­na­rio, das der Situa­ti­on nicht gewach­sen ist, d.h. mit unter­schied­li­chen poli­ti­schen Rea­li­tä­ten – anstel­le einer Ein­heits­front , auf jeden Fall fern von den Bewe­gun­gen und ihren Basen, und jetzt offen­sicht­lich nicht inter­es­siert an For­men der Rebel­li­on, die den Auf­ruf zu den Wah­len begleiten.

Was ich damit sagen will, ist Fol­gen­des: Wenn Wah­len wirk­lich – wirk­lich – als ein Instru­ment des Kamp­fes wie jedes ande­re ange­se­hen wür­den, dann wäre die Hal­tung der »poli­ti­schen Füh­rer« anders gewe­sen, beschei­de­ner gegen­über den Bewe­gun­gen und ent­schlos­se­ner in ihrer Wei­ge­rung, sich den Spie­len des Fein­des zu unter­wer­fen. Was wir jetzt von ihnen erwar­ten soll­ten, ist eine star­ke Hal­tung und die Auf­for­de­rung, sich auf Pro­tes­te vor­zu­be­rei­ten, die weit über die insti­tu­tio­nel­len Kanä­le des Wett­be­werbs hin­aus­ge­hen. Aber das pas­siert nicht.

Ich sage es in aller Deut­lich­keit: Ich befürch­te, dass die Kon­zen­tra­ti­on auf die Unter­schrif­ten­samm­lung und den Wahl­ter­min nichts ande­res ist als eine erneu­te Schwä­chung des Dis­sen­ses in die­sem Land, der in Wahr­heit kul­ti­viert und zur Explo­si­on in einer fried­li­chen, aber ent­schie­de­nen Revo­lu­ti­on vor­be­rei­tet wer­den soll­te. Wenn wir zu viel über die Wah­len nach­den­ken, wird es für uns schmerz­haft sein, wenn sie vor­bei sind, vor allem, wenn wir es geschafft haben, eini­ge unse­rer eige­nen Leu­te ins Par­la­ment zu brin­gen. So auf­merk­sam, so lie­be­voll gegen­über den Insti­tu­tio­nen, die in den letz­ten Mona­ten so vie­le unse­rer Lie­ben zum Tode ver­ur­teilt haben, wer­den wir uns über die erreich­te Ver­tre­tung freu­en, wäh­rend der vor­herr­schen­de Block, der das Karus­sell fährt – jetzt mit der Füh­rung der PD, jetzt mit der Füh­rung der Mit­te-Rechts, jetzt mit den so genann­ten Regie­run­gen der natio­na­len Ein­heit – in der Lage sein wird, die­se Kri­se wei­ter­hin auf die für ihn best­mög­li­che Wei­se zu verwalten.

Statt­des­sen müs­sen wir eine Revo­lu­ti­on machen. Wir soll­ten sie alle dar­an hin­dern, wie­der in die Paläs­te der Macht ein­zu­zie­hen. Aber das geht nur, indem man sich wei­gert, sich ihren Spiel­chen zu unter­wer­fen, alles dele­gi­ti­miert, das Gefühl der Rebel­li­on im gan­zen Land schürt und dann mit einer Demons­tra­ti­on ohne Frist fort­fährt. Schließ­lich gibt es Mil­lio­nen von uns.

Es ist jedoch eine Sache, zu sehen, wie Mil­lio­nen von Men­schen auf die Stra­ße gehen und die Ver­haf­tung der Mör­der und Kriegs­trei­ber, der Sata­nis­ten for­dern, die das Böse in unser Land gebracht haben; es ist eine ganz ande­re Sache, zu sehen, wie Mil­lio­nen von Men­schen zur Wahl gehen und sich mit die­ser Ges­te ein­fach zufrie­den geben.

Was auch immer ihr denkt, wie auch immer es aus­ge­hen wird, ich habe mein Land noch nie in einem sol­chen Zustand gese­hen, das heißt, so bedürf­tig, wirk­lich bedürf­tig nach einer Revo­lu­ti­on. Des­halb blei­be ich jedem gegen­über skep­tisch, der heu­te zu mir kommt und um eine Abstim­mung bit­tet. Die Abstim­mung, nach all den Ver­bre­chen, die began­gen wur­den? Wir soll­ten auf die­ser Erde für Gerech­tig­keit sor­gen. Es ist der wich­tigs­te his­to­ri­sche Moment in der Geschich­te der Ita­lie­ni­schen Repu­blik. Wir soll­ten han­deln und dar­an den­ken, dass das, was gesche­hen ist, ein­fach zu schwer wiegt. Wahl oder nicht, wir soll­ten sie alle frü­her oder spä­ter ver­haf­ten. Ich glau­be, wenn wir viel stär­ker und muti­ger und viel weni­ger schwach und fei­ge wären, wüss­ten wir heu­te schon, dass am 25. Sep­tem­ber nie­mand zur Wahl gehen wür­de und wir wür­den uns auf eine Revo­lu­ti­on vorbereiten.

Sie haben euch eine Mas­ke über das Gesicht gezo­gen, damit ihr nicht mehr atmen könnt. Sie haben euch mit Hub­schrau­bern über die Strän­de gejagt. Sie haben euch in euren Häu­sern ein­ge­sperrt. Sie haben ein Buß­geld gegen euch ver­hängt, weil ihr sich auf eine Bank gesetzt habt. Sie haben euch dazu ver­lei­tet, eure Lie­ben zu Weih­nach­ten nicht zu besu­chen. Sie haben euch mit bös­ar­ti­gen Angrif­fen, mit Kriegs­me­ta­phern, mit Lie­dern, mit lächer­li­chen Sze­nen ver­höhnt. Sie haben bei euch allen, auch bei den Kin­dern, mili­tä­ri­sche Tech­ni­ken ange­wandt. Mit dämo­ni­schen Augen lächelnd, haben sie euch ver­bo­ten, eure Kran­ken zu besu­chen. Sie haben euch in eurer Not igno­riert und dann eure Ange­hö­ri­gen mit wahn­sin­ni­gen Behand­lun­gen getö­tet. Sie haben getö­tet, sie haben getö­tet, sie haben getö­tet. Sie haben einen Völ­ker­mord began­gen, der noch Jah­re spä­ter Opfer for­dern wird. Sie sind vul­gä­re und skru­pel­lo­se Mör­der. In Ita­li­en gibt es kei­ne Demo­kra­tie, son­dern ein Regime, das mit mafiö­sen Metho­den agiert, ein gna­den­lo­ses Regime, des­sen Gesicht man gera­de erahnt hat. Denkt an den Moment, als der so genann­te Staat beschloss, Was­ser­wer­fer gegen unbe­waff­ne­te Arbei­ter im Hafen von Tri­est ein­zu­set­zen. Denkt an die Zwangs­be­hand­lung des Bru­ders von Rechts­an­walt Mus­so. Denkt an Dr. De Don­no, denkt an den lie­ben Mann, der er war, und dar­an, wie sein Andenken belei­digt wur­de. Das Glei­che geschah mit Fran­co Trinca. Denkt an Camil­la Cane­pa, die mit dem trü­ge­ri­schen Ver­spre­chen eines ein­fa­chen und siche­ren Lebens in den Tod geführt wurde.

Denkt an Oxa­na, die Mut­ter von Giu­lia Lucen­ti: Könnt ihr euch ihren Schmerz, ihre Schuld­ge­füh­le und den Mut vor­stel­len, den sie brauch­te, um auf der Piaz­za San Gio­van­ni in Rom vor Tau­sen­den von Men­schen nach der Wahr­heit zu fra­gen? Denkt an die Men­schen, die ihr liebt, und an all das, was sie wegen des Bösen, das in den letz­ten Jah­ren aus­ge­übt wur­de, erlit­ten haben. In Ita­li­en gibt es kei­ne Demo­kra­tie: Es gibt einen Macht­zir­kel, der Apart­heid und Völ­ker­mord began­gen hat und der dafür bezah­len muss.

Frü­her oder spä­ter, frü­her oder spä­ter wird er für alles gera­de­ste­hen müs­sen. Die nächs­te Wahl kommt früh­zei­tig, um uns zu täu­schen, um die­sen Nazis Legi­ti­mi­tät und Wür­de zurück­zu­ge­ben, dem end­lo­sen Wahn die­ser Ban­de von kri­mi­nel­len Psy­cho­pa­then mit Per­ver­sio­nen von Beses­sen­heit und Kon­trol­le, aggres­siv wie nie­mand sonst auf die­ser Erde, und ver­damm­ten Söh­nen Satans. Es geht nur um unse­ren Mut, nur dar­um, was wir bereit sind, im Namen unse­rer Toten und der Leben­den, die wir lie­ben, zu tun. Wir kön­nen denen, die uns zu Schmerz und Tod ver­ur­teilt haben, kei­ne Legi­ti­ma­ti­on geben. Es gibt kei­ne Recht­fer­ti­gung. Ich wei­ge­re mich, wäh­len zu gehen, das steht fest.

Ich möch­te den Grund­stein für eine Revo­lu­ti­on legen, denn eine Revo­lu­ti­on ist so not­wen­dig gewor­den wie die Gerech­tig­keit auf die­ser Erde. Lasst uns bit­te für Gerech­tig­keit sor­gen. Wir soll­ten alle den Wider­stand orga­ni­sie­ren, den Kampf für das Ende die­ser Macht. Nie­mand soll­te wäh­len gehen, son­dern alles soll­te implodieren.

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Bild: Pon­te Vec­chio, Flo­renz (Pixabay)

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