Zwei Grüne auf dem Kriegspfad – nach innen wie nach außen

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Wer hät­te das gedacht, als sie noch auf dem Rasen des Bon­ner Hof­gar­tens saßen und »Das wei­che Was­ser bricht den Stein« träl­ler­ten … Was heu­te bei den Grü­nen zum Vor­schein kommt, ist alles ande­re als friedlich. 

Dass die Grü­nen heu­te die Ein­peit­scher sind, ist nicht über­ra­schend. Sie waren schon 2014 die­je­ni­gen, die sich am innigs­ten mit den ukrai­ni­schen Ban­de­ra-Anhän­gern ver­brü­der­ten. Ich erin­ne­re mich noch an eine Video­auf­nah­me, 2014 war das, aber nach Odes­sa, als Rebec­ca Harms, damals Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te der Grü­nen, irgend­wo in der Ukrai­ne von einem Trupp mit »Heil der Ukrai­ne« begrüßt wur­de, mit »Den Hel­den Heil« selbst den ukrai­ni­schen Nazi­gruß ver­voll­stän­dig­te und dann, Hand auf dem Her­zen und Trä­nen der Rüh­rung in den Augen, dastand, als der ver­sam­mel­te Trupp reich­lich unmu­si­ka­lisch die ukrai­ni­sche Hym­ne von sich gab. Eine Emo­ti­on, die von ihr ange­sichts deut­scher Fah­nen, mit oder ohne Werk­zeug, nicht zu erwar­ten wäre.

Auch die grü­nen Stif­tun­gen waren alles ande­re als untä­tig, die lin­ke Sei­te der Gesell­schaft davon zu über­zeu­gen, dass die­se Leu­te mit Haken­kreuz­tä­to­wie­run­gen gar kei­ne Nazis sei­en, der Auf­stand im Don­bass ein Werk Wla­di­mir Putins und Russ­land das Reich des Bösen. Kein Wun­der; das Pär­chen an der Spit­ze der Böll-Stif­tung damals, Ralf Fücks und Marie­lui­se Beck, kam aus dem Kom­mu­nis­ti­schen Bund West­deutsch­land (KBW), der schon in den 1970ern die Sowjet­uni­on als impe­ria­lis­ti­sches Land defi­niert hat­te, und sie hat­ten danach sehr schnell ent­deckt, dass sich bei der eso­te­risch ange­schla­ge­nen Jugend mit Tibet punk­ten ließ (wenn man es schafft, die Nazi­as­so­zia­tio­nen auch bei die­sem The­ma zu negie­ren). Schon damals, als BDM-Jule, Ver­zei­hung, Julia Timo­schen­ko an der Macht war, waren sie ganz begeis­tert vom Frei­heits­wil­len der armen unter­drück­ten Ukrainer.

Nach dem Maß­stab, der sich ergibt, wenn man das heu­ti­ge Russ­land so sieht wie der KBW damals die Sowjet­uni­on und das mit den Erzäh­lun­gen der Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker kreuzt, die schon seit Jahr­zehn­ten über­all Min­der­hei­ten fin­det, die im US-Inter­es­se geret­tet wer­den müs­sen, dann lan­det man unwei­ger­lich auf einer Posi­ti­on, in der der Staats­streich in der Ukrai­ne 2014 gera­de­zu eine Epi­pha­nie des Guten wird.

Die grü­ne Jugend, die schon zu der Zeit, als Robert Habeck noch fal­ten­frei war, anti­deutsch beherrscht war, zog begeis­tert mit, und die Resul­ta­te sit­zen heu­te in der Regierung.

Aber gehen wir doch zu dem, was die bei­den jüngst geäu­ßert haben. Habeck, der Bun­des­frost­mi­nis­ter, mein­te: »Putin wird noch erle­ben, wie stark wir sind.« Das klingt ver­däch­tig nach »zäh wie Leder und hart wie Krupp­stahl«, unter Umge­hung der Ergän­zung, die der Volks­mund schon damals vor­nahm: und dumm wie Bohnenstroh.

Habeck hat gera­de ein ech­tes Pro­blem. Die Ein­spar­ver­ord­nung, die in der EU-Kom­mis­si­on gera­de vor­be­rei­tet wird, nach der jeder EU-Staat den Ener­gie­ver­brauch um 15 Pro­zent sen­ken soll, trifft auf Wider­stand; Spa­ni­en, Por­tu­gal und Grie­chen­land zie­hen nicht mit. Das ist kein Wun­der; die größ­ten Pro­ble­me hat näm­lich, dank der schwan­ken­den erneu­er­ba­ren Ener­gien, Deutsch­land. Und war­um soll­ten jetzt die ande­ren Staa­ten Ener­gie spa­ren, um Deutsch­land zu ret­ten, das sie all die Jah­re über mit Spar­vor­schrif­ten und Ein­grif­fen in die Poli­tik gequält hat? Inzwi­schen hat ein Ver­tre­ter der Inter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur sogar erklärt, es müss­ten 20 Pro­zent sein.

Befragt, was er von For­de­run­gen zur Inbe­trieb­nah­me von Nord Stream 2 hal­te, warf sich Habeck gleich schüt­zend vor die gesam­ten Sank­tio­nen; es sei »Putins Ziel«, die Sank­tio­nen zu bre­chen, und »das wäre das His­sen der wei­ßen Fah­ne für Deutsch­land und Europa«.

So sieht sie aus, die Men­ta­li­tät die­ses Frost­meis­ters. Der Apo­the­ker­sohn durf­te sicher nie Cow­boy und India­ner spie­len; und es hat ihm nie jemand erklärt, was das His­sen einer wei­ßen Fah­ne bedeu­tet. Oder Habeck ver­spürt ein ganz drin­gen­des Bedürf­nis, von Russ­land als Kriegs­par­tei wahr­ge­nom­men zu wer­den. Denn das müss­te er sein, um einen Anlass für das His­sen einer wei­ßen Fah­ne zu haben.

Wobei man dazu sagen muss, dass es ihm erklär­ter­ma­ßen egal ist, was die Bevöl­ke­rung davon hält, auch wenn er sei­ner Par­tei­freun­din Baer­bock wider­spricht, die noch einen ganz ande­ren Krieg sah. Habeck bedau­ert nur, dass man nicht gleich im Febru­ar, als die Umfra­gen gera­de in die Rich­tung zeig­ten, das rus­si­sche Gas ganz abge­dreht hat­te. Das wider­spricht ein wenig sei­ner aus­führ­li­chen Schuld­zu­wei­sung und der übli­chen Geschich­te, »Putin« set­ze Gas als Waf­fe ein, wenn Habeck bedau­ert, nicht schnell genug gezo­gen zu haben, aber der Mann ist Grü­ner, da macht das nichts. Haupt­sa­che, der Krieg geht wei­ter, und die wei­ße Fah­ne bleibt unge­hisst. Nur den Spa­ni­ern, den Por­tu­gie­sen und den Grie­chen dürf­te es gleich sein, wenn sich Habeck im Krieg wähnt und wei­ße Fah­nen fürchtet.

Bun­des­au­ßen­mi­nis­te­rin Anna­le­na Baer­bock wie­der­um hat ja mehr Angst, im Inland wei­ße Fah­nen his­sen zu müs­sen. In Bezug auf die Gas­tur­bi­ne in Kana­da hat­te sie gesagt, wenn die­se nicht käme, »dann bekom­men wir kein Gas mehr, und dann kön­nen wir über­haupt kei­ne Unter­stüt­zung für die Ukrai­ne mehr leis­ten, weil wir dann mit Volks­auf­stän­den beschäf­tigt sind«.

Das »beschäf­tigt« mein­te sie defi­ni­tiv nicht in dem Sin­ne, dass die Grü­nen Teil des auf­stän­di­schen Volks wären. Im Gegen­teil. Genau betrach­tet, lässt sie in die­sem Satz ihre poli­ti­schen Prio­ri­tä­ten erken­nen. Das »Wir« ist eines der Obrig­keit, fast schon ein Plu­ra­lis Maje­s­ta­tis. Das Volk, das auf­steht, steht gegen sie auf, gegen die Grü­nen, und wie das »beschäf­tigt« aus­se­hen mag, hat Nan­cy Fae­ser mit der Errich­tung einer Bun­des­wehr­ein­heit zum Ein­satz im Inne­ren schon durch­bli­cken las­sen. Auch der Spin für den Auf­stand wird schon gespon­nen – wer nicht zu frie­ren bereit ist, ist ein Nazi.

Aber selbst vor der Furcht vor dem eige­nen Volk, das aus einer gera­de­zu prin­zess­li­chen War­te betrach­tet wird (Wenn sie kein Brot haben, war­um essen sie nicht Kuchen?), kommt noch die Ukrai­ne. Als hät­te sie ihren Amts­eid in Kiew geleis­tet und nicht in Ber­lin. Das Mus­ter Boris John­son soll­te ihr gezeigt haben, dass so etwas nicht immer und über­all gern gese­hen wird.

In reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tien fin­det man drei For­men von Poli­ti­kern. Die demo­kra­ti­sche, bei der der Satz gelau­tet hät­te: »Dann müs­sen die Deut­schen frie­ren, das kön­nen wir nicht tun.« Wie die aktu­el­le Erfah­rung zeigt, ist die­se Gat­tung so gut wie aus­ge­stor­ben. Dann gibt es noch den Oppor­tu­nis­ten, der sagen wür­de: »Dann bekom­men wir kein Gas mehr, das kommt bei den Wäh­lern nicht gut an (dann wer­de ich nicht wie­der­ge­wählt).« Und dann gibt es eine, wie soll man das sagen, feu­da­le Vari­an­te, die sich ohne­hin als zur Herr­schaft über den Pöbel bestimmt betrach­tet und die Wah­len dabei nur als vor­über­ge­hen­des Übel sieht. Das ist jene Gat­tung, die sol­che Sät­ze sagt wie den von Baer­bock. Weil der Moment, an dem sie die Hän­de auf ein Bröck­chen Macht legen konn­te, der­sel­be Moment war, in dem Gedan­ken an ande­re Men­schen (außer für Wer­be­zwe­cke) ein für alle Mal aus ihrem Den­ken entschwanden.

»Wir sind mit Volks­auf­stän­den beschäf­tigt.« Aber die »Unter­stüt­zung für die Ukrai­ne« ist wich­ti­ger als das, weil Madame selbst­ver­ständ­lich davon aus­geht, dass man sie schon wird nie­der­hal­ten kön­nen, die Volks­auf­stän­de, oder soll­te ich, um ihr den pas­sen­den his­to­ri­schen Rah­men zu ver­lei­hen, nie­der­kar­tät­schen sagen?

Da ste­hen sie also, die bei­den Kin­der aus bes­se­rem Hau­se, und sehen sich im Krieg, nicht nur gegen den bösen Putin, son­dern auch gegen die bösen Deut­schen. Gleich­zei­tig. Sie hät­ten ihren Groß­vä­tern zuhö­ren sol­len, als die erklär­ten, Zwei­fron­ten­krie­ge sei­en eine schlech­te Idee. Für die Unter­ta­nen jeden­falls ken­nen sie bei­de kein Par­don. Wie sich das dann wohl umge­kehrt verhält?

Dag­mar Henn ist Mit­glied des Deut­schen Frei­den­ker-Ver­ban­des, von des­sen Web­site frei​den​ker​.org die­ser Bei­trag über­nom­men wur­de, Erst­ver­öf­fent­li­chung bei RT​.de.

Bild: Pixabay

One thought on “Zwei Grüne auf dem Kriegspfad – nach innen wie nach außen

  1. Lie­be Frau Henn, hat­ten Sie nicht kürz­lich den Ein­druck »… dass zumin­dest ein gewis­ser Anteil der han­deln­den Per­so­nen die­ser Par­tei in frem­den Diens­ten steht.« ?

    Das muß wohl so sein, denn wenn man das Ohr an die Wand zur ande­ren Sei­te legt – was jene Per­so­nen natür­lich auch tun – hört man den Schrei des Falken:
    « … Das ist die Illu­si­on, in der die west­li­chen Poli­ti­ker leben. Nai­vi­tät, die sich in Dumm­heit ver­wan­delt. Russ­land wird die Ein­sät­ze nicht ver­rin­gern. Im Gegen­teil, Russ­land wird sie erhö­hen. Jedes Spu­cken in unse­re Rich­tung war­tet auf sei­ne Ant­wort. Russ­land hat sei­nen Stolz, sei­ne Inter­es­sen und sei­ne Zie­le. Es gibt alles, um die­se Zie­le zu errei­chen. Zu viel steht auf dem Spiel, und jeder rus­si­sche Bür­ger ist davon betrof­fen. … Wenn der Vor­marsch an den ukrai­ni­schen Fron­ten nicht schnell vor­an­schrei­tet, bedeu­tet das nicht, dass Russ­land sich dar­auf vor­be­rei­tet, auf­zu­hö­ren. Es bedeu­tet, dass Russ­land sich auf etwas noch Schlim­me­res vor­be­rei­tet. Und je eher der Wes­ten die Rea­li­tät so akzep­tiert, wie sie ist, des­to leich­ter wird es ihm fal­len, nach unse­rem Sieg mit uns zu ver­han­deln — (And­rey Kole­s­nik, https://​www​.stal​ker​zo​ne​.org/​a​n​-​u​n​p​l​e​a​s​a​n​t​-​s​u​r​p​r​i​s​e​-​a​w​a​i​t​s​-​t​h​e​-​w​est). «

    und man erschauert.

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