Sowjetischer Umweltschutz in der Stalin-Ära

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Mag­Ma ver­öf­fent­licht hier ein über­setz­tes Skript. Der Umstand, dass dar­in vie­le vor­herr­schen­de Vor­stel­lun­gen in Fra­ge gestellt wer­den, schien der Redak­ti­on den Nach­teil zu über­wie­gen, dass das Skript nicht gänz­lich zu einem Arti­kel aus­ge­ar­bei­tet ist.

Einleitung

Es hält sich hart­nä­ckig der Mythos, dass die UdSSR in der Sta­lin-Ära beson­ders umwelt­feind­lich war. Die For­schun­gen des His­to­ri­kers Ste­phen Brain ent­kräf­ten die­sen Mythos auf über­zeu­gen­de Wei­se. Brain ist ein bür­ger­li­cher Anti-Sta­lin-His­to­ri­ker (der auf­grund sei­ner pro-kapi­ta­lis­ti­schen Vor­ein­ge­nom­men­heit gewis­se Feh­ler macht). Den­noch ist sei­ne Haupt­schluss­fol­ge­rung rich­tig und defi­ni­tiv bewie­sen: Sta­lins Regie­rung unter­stütz­te eine stark umwelt­ori­en­tier­te Politik.

Aller­dings war der sowje­ti­sche Umwelt­schutz nicht die glei­che Art von libe­ral-idea­lis­ti­schem Umwelt­schutz, wie er in kapi­ta­lis­ti­schen Län­dern exis­tier­te. Er maß der Natur kei­nen inhä­ren­ten spi­ri­tu­el­len oder über­na­tür­li­chen Wert bei. Auch ging es dem sowje­ti­schen Umwelt­schutz nicht nur dar­um, natür­li­che Res­sour­cen zu bewah­ren, wie bei vie­len west­li­chen Theo­re­ti­kern der Fall. Statt­des­sen sah die UdSSR die natür­li­che Umwelt als etwas an, das für den Men­schen einen wirt­schaft­li­chen, psy­cho­lo­gi­schen und ästhe­ti­schen Wert hat. Der sowje­ti­sche Umwelt­ge­dan­ke war mit dem tie­fen Huma­nis­mus des sowje­ti­schen Sozia­lis­mus ver­bun­den. Die Sowjets ver­stan­den, dass der Mensch nicht von der Natur getrennt, son­dern ein Pro­dukt der Natur und zutiefst mit ihr ver­bun­den ist.

Ste­phen Brain schreibt dazu: »Der Umwelt­schutz über­leb­te und gedieh sogar in Sta­lins Sowjet­uni­on, wobei er ein Schutz­ni­veau erreich­te, das welt­weit sei­nes­glei­chen sucht.«(1)

Wei­ter legt er dar:

Die Sowjet­uni­on hat in den 1940er Jah­ren mehr bewal­de­tes Land vor der Aus­beu­tung geschützt als jedes ande­re Land in der Geschich­te. Dem­entspre­chend kann man mit Fug und Recht behaup­ten, dass die Sowjet­uni­on ein ech­tes und wirk­sa­mes Umwelt­pro­gramm ent­wi­ckelt hat. […] Sta­lin ent­puppt sich als eine beson­de­re Art von Umwelt­schüt­zer […]. Sei­ne Poli­tik ent­zog Mil­lio­nen von Hekt­ar [Wald] der wirt­schaft­li­chen Nut­zung mit der Begrün­dung, dies wür­de die Was­ser­ver­hält­nis­se in der Sowjet­uni­on ver­bes­sern. Die­se Mil­lio­nen Hekt­ar wur­den mehr oder weni­ger unan­ge­tas­tet belas­sen. Das ent­sprach der Annah­me, dass kom­ple­xe, wil­de Wäl­der die Was­ser­strö­me am bes­ten regu­lier­ten. Das lässt den Schluss zu, dass Sta­lins Poli­tik kon­se­quent auf den Umwelt­schutz aus­ge­rich­tet war – und auf­grund der Art und Wei­se, wie sie durch­ge­führt wur­de, auch auf den Natur­schutz.(2)

Sta­lin för­der­te auch aktiv den Umwelt­schutz in den Wäl­dern zum Nut­zen des Staa­tes und führ­te ein welt­weit ein­ma­li­ges Schutz­ni­veau ein […]. Sta­lins Umwelt­po­li­tik ver­an­ker­te in den Geset­zen die Annah­me, dass gesun­des Land bewal­de­tes Land sei und dass die Abhol­zung von Wäl­dern ernst­haf­te Umwelt­ge­fah­ren für das Moder­ni­sie­rungs­pro­jekt des Staa­tes dar­stell­te, und zwar in Form von Dür­ren, Über­schwem­mun­gen, hydro­lo­gi­schen Stö­run­gen und Ern­te­aus­fäl­len […] In den letz­ten sechs Jah­ren von Sta­lins Regie­rungs­zeit erlang­te der Wald­schutz schließ­lich eine sol­che Bedeu­tung, dass das Polit­bü­ro dem Minis­te­ri­um für Schwer­indus­trie die Kon­trol­le über die sowje­ti­schen Wäl­der ent­zog und das natio­na­le Büro für Wald­schutz in die domi­nie­ren­de Posi­ti­on bei der Umset­zung der Poli­tik erhob.(3)

Aller­dings »wur­den die Forst­schutz­bü­ros nach Sta­lins Tod zurück­ge­fah­ren oder ganz abge­schafft.«(4) Dazu Brain: »Eine sol­che Behaup­tung stellt natür­lich eine bedeu­ten­de Revi­si­on des bestehen­den Kon­sen­ses über die sowje­ti­sche Umwelt­po­li­tik dar. Die­ser besagt, dass Sta­lins Regie­rung Umwelt­in­itia­ti­ven gegen­über uner­bitt­lich feind­lich ein­ge­stellt war.«(5)

»Der Konsens«

»Die Unzu­läng­lich­kei­ten der sowje­ti­schen Umwelt­po­li­tik [die tat­säch­lich in der revi­sio­nis­ti­schen Peri­ode statt­fan­den, nicht in der Stalin-Ära/F.B.]«, so Brain wei­ter, « […] wur­den zu der pau­scha­len Schluss­fol­ge­rung extra­po­liert, die besagt, dass es in der Sta­lin-Ära kei­ner­lei Bewusst­sein für den Natur­schutz oder die Erhal­tung der Natur gab«.(6)

Die Revi­sio­nis­ten haben in den 1960er, 70er und 80er Jah­ren tat­säch­lich Pro­jek­te durch­ge­führt, die sehr schwer­wie­gen­de Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt hat­ten. Die sibi­ri­sche Ölin­dus­trie, die Gas­in­dus­trie und die Aus­trock­nung des Aral­sees durch die Revi­sio­nis­ten wer­den gewöhn­lich als Bei­spie­le genannt. In der Sta­lin-Ära ver­folg­te die UdSSR jedoch eine völ­lig ent­ge­gen­ge­setz­te Poli­tik. Es gibt kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen der umwelt­zer­stö­re­ri­schen Poli­tik der Revi­sio­nis­ten und der mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Poli­tik von Lenin und Stalin.

Unmit­tel­bar nach der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on hat­te Lenin zur Ver­staat­li­chung und Erhal­tung der Wäl­der aufgerufen:

Wir müs­sen die Natio­na­li­sie­rung des gesam­ten Grund und Bodens for­dern, d. h. den Über­gang des gesam­ten Grund und Bodens im Staa­te in das Eigen­tum der zen­tra­len Staats­macht. Die­se Staats­macht muß den Umfang usw. des Umsied­lungs­fonds fest­set­zen, sie muß die Geset­ze über Forst­schutz, Melio­ra­tio­nen usw. erlas­sen […].(7)

Lenin und Sta­lin setz­ten sich bereits in den 1920er Jah­ren für den Schutz der Umwelt ein: »Lenin und Sta­lin for­der­ten auf Par­tei­kon­fe­ren­zen in den 1920er Jah­ren eine aggres­si­ve Auf­fors­tung.«(8)

In der Zeit von Lenin und Sta­lin beton­te die UdSSR jedoch, dass die Mensch­heit die Wis­sen­schaft nut­zen müs­se, um die Pro­duk­ti­on zu ver­bes­sern, Indus­trie, Elek­tri­zi­tät usw. auf­zu­bau­en. Es wur­den Erklä­run­gen abge­ge­ben, in denen betont wur­de, dass die Mensch­heit die Welt ver­än­de­re. Die­se Aus­sa­gen wur­den dann zu angeb­li­chen »Bewei­sen« für die sowje­ti­sche Feind­se­lig­keit gegen­über der Natur verdreht:

In den spä­ten 1980er Jah­ren hat­ten For­scher der sowje­ti­schen Umwelt­ge­schich­te eine Rei­he schwer­wie­gen­der Umwelt­pro­ble­me in Russ­land doku­men­tiert, von denen vie­le ihre Wur­zeln in der Sta­lin-Ära hat­ten bzw. zu haben schie­nen. Sowje­ti­sche pro­me­t­hei­sche Pro­kla­ma­tio­nen aus den 1930er Jah­ren, wie Gor­kis berühm­tes Dik­tum ›Wenn der Mensch die Natur ver­än­dert, ver­än­dert er sich selbst‹ und Iwan Michurins Mot­to ›Wir kön­nen nicht auf Wohl­ta­ten der Natur war­ten; unse­re Auf­ga­be ist es, sie ihr abzu­rin­gen‹, haben die­se Sicht­wei­se stark beein­flusst, eben­so wie Berich­te über die gigan­ti­schen tech­ni­schen Pro­jek­te des ers­ten Fünf­jah­res­plans. Das Ver­säum­nis, sinn­vol­le Emis­si­ons­kon­trol­len zu ver­ab­schie­den, wie sie im Wes­ten in den 1960er Jah­ren ein­ge­führt wur­den, ver­stärk­te den Ein­druck der sta­li­nis­ti­schen Natur­feind­lich­keit.(9)

Ronald Sunys Dis­kus­si­on über den ers­ten Fünf­jah­res­plan ist ein reprä­sen­ta­ti­ver Aus­druck für die­se Inter­pre­ta­ti­on: ›[…] Unemp­find­lich­keit gegen­über den Gren­zen der Natur war auch für die kapi­ta­lis­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung cha­rak­te­ris­tisch, aber in der Sowjet­uni­on wur­de die all­ge­mei­ne öko­lo­gi­sche Igno­ranz durch die Ange­be­rei der Kom­mu­nis­ten noch ver­stärkt […].« Die­se Inter­pre­ta­ti­on ist so domi­nant, dass Gegen­be­wei­se sie nicht erschüt­tern konn­ten.(10)

Ronald Sunys Dis­kus­si­on über den ers­ten Fünf­jah­res­plan ist ein reprä­sen­ta­ti­ver Aus­druck für die­se Inter­pre­ta­ti­on: ›[…] Unemp­find­lich­keit gegen­über den Gren­zen der Natur war auch für die kapi­ta­lis­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung cha­rak­te­ris­tisch, aber in der Sowjet­uni­on wur­de die all­ge­mei­ne öko­lo­gi­sche Igno­ranz durch die Ange­be­rei der Kom­mu­nis­ten noch ver­stärkt […].‹ Die­se Inter­pre­ta­ti­on ist so domi­nant, dass Gegen­be­wei­se sie nicht erschüt­tern konn­ten.(11)

Ste­phen Brain zeigt in sei­nem Auf­satz, dass die so genann­te »Kon­sens­an­sicht« falsch ist. Fol­gen­de Gra­fik zeigt, dass die geschütz­ten Wäl­der (Grup­pe I+II) im Lau­fe der Zeit immer weni­ger abge­holzt wur­den, obwohl die Gesamt­holz­ern­te stän­dig zunahm. Die Wäl­der der Grup­pe I durf­ten über­haupt nicht abge­holzt wer­den, und die Wäl­der der Grup­pe II durf­ten nur in nach­hal­ti­gem Umfang abge­holzt wer­den, was von der Sov­nar­kom [Rat der Volks­kom­mis­sa­re der Sowjetunion/​Red.] geneh­migt wer­den muss­te. Dies zeigt, dass die Sowjets dem Schutz die­ser öko­lo­gisch wich­ti­gen Wäl­der ein­deu­tig Vor­rang einräumten:

In Wirk­lich­keit war die UdSSR unter der Füh­rung von Lenin und Sta­lin nicht unemp­find­lich gegen­über den Gren­zen der Natur oder sogar natur­feind­lich. Im Gegen­teil: »Das sta­li­nis­ti­sche poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Sys­tem brach­te bedeu­ten­de wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Opfer im Inter­es­se des Umwelt­schut­zes.«(12)

Brain führt zahl­rei­che Bei­spie­le von For­schern an, die dar­auf hin­wie­sen, dass die UdSSR in den 1970er Jah­ren ver­schmutzt war und dafür die Schuld auf Sta­lin scho­ben. Brain sagt, dass die anspruchs­volls­te Ver­si­on der Kon­sens­mei­nung – ver­tre­ten von Dou­glas Wei­ner – besagt, dass es in der Lenin-Ära einen gewis­sen Natur­schutz in Form von nicht­staat­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Natur­schutz­sta­tio­nen gab, was die Behaup­tung wider­legt, dass es über­haupt kei­nen Umwelt­schutz gab. Da die­se nicht­staat­li­chen Schutz­ge­bie­te jedoch in der Sta­lin-Ära abge­schafft wur­den, als der Sozia­lis­mus auf­ge­baut wur­de, behaup­te­te Wei­ner, dies bewei­se, dass der »Sta­li­nis­mus« dem Umwelt­schutz völ­lig feind­lich gegen­über­ste­he. Die­se Behaup­tung ist unzu­tref­fend. Die Natur­schutz­ge­bie­te der Lenin-Ära bewei­sen, dass Lenin dem Umwelt­schutz nicht feind­lich gesinnt war. In der Sta­lin-Ära wur­den die nicht­staat­li­chen Natur­schutz­ge­bie­te nur des­halb abge­schafft, weil sie durch noch mäch­ti­ge­re staat­li­che Umwelt­schutz­maß­nah­men und staat­lich kon­trol­lier­te Natur­schutz­ge­bie­te ersetzt wurden.

Es stimmt, dass es in der UdSSR kei­ne Emis­si­ons­kon­trol­len gab, wie sie die Län­der heu­te haben. Das wird manch­mal als Kri­tik an der UdSSR ver­wen­det, aber die­ses Argu­ment ist unlo­gisch. In jenen Jah­ren gab es in kei­nem Land Emis­si­ons­kon­trol­len, und es gab prak­tisch in kei­nem kapi­ta­lis­ti­schen Land über­haupt nen­nens­wer­te Umwelt­schutz­maß­nah­men oder Geset­ze: »Vor den 1960er Jah­ren exis­tier­te das Umwelt­recht nicht als eigen­stän­di­ge natio­na­le und inter­na­tio­na­le Rechts­ka­te­go­rie.«(13)

Außer viel­leicht in der UdSSR, wie wir in die­sem Arti­kel noch sehen werden.

»Das Umwelt­recht ist“ nach Tar­lock „ein Neben­pro­dukt des Auf­stiegs des Umwelt­schut­zes als poli­ti­sche Kraft in der Welt [erst] seit den 1960er Jahren«.

Zum Ver­gleich: Die US-Umwelt­schutz­be­hör­de wur­de erst 1970 gegrün­det. In der kapi­ta­lis­ti­schen Welt gab es kein Kon­zept oder Ver­ständ­nis für die Bio­sphä­re als etwas, das geschützt wer­den muss­te: »Die wis­sen­schaft­lich begrün­de­te Vor­stel­lung, dass die Bio­sphä­re ein fra­gi­les Sys­tem ist, das anfäl­lig für vom Men­schen ver­ur­sach­te Beein­träch­ti­gun­gen ist, setz­te sich erst nach dem Zwei­ten Welt­krieg durch.«(14)

Die Idee der Bio­sphä­re wur­de aller­dings in der UdSSR von dem Wis­sen­schaft­ler W. I. Wer­nad­ski, einem Schü­ler von W. W. Doku­cha­jew, ent­wi­ckelt. Die Idee, dass die Natur zer­brech­lich ist und durch mensch­li­ches Han­deln geschä­digt wer­den kann, wur­de bereits von Doku­cha­ev und in der Sowjet­zeit von vie­len sei­ner Schü­ler, wie z. B. V. R. Wil­liams, erforscht und vor­an­ge­trie­ben. Wer­nad­ski arbei­te­te sei­ne Ansicht in sei­nem Buch Die Bio­sphä­re aus, das 1943 mit dem Sta­lin­preis aus­ge­zeich­net wurde.

Anti­kom­mu­nis­ten haben die­se Wis­sen­schaft­ler jedoch stets abge­tan oder ken­nen sie schlicht­weg nicht. Infol­ge­des­sen ver­brei­ten sie die Auf­fas­sung, dass die Sowjet­uni­on unter Sta­lin dem Umwelt­schutz und nach­hal­ti­gen Prak­ti­ken feind­lich gegenüberstand:

Die­se Inter­pre­ta­ti­on ist so beherr­schend, dass sie auch durch Gegen­be­wei­se nicht erschüt­tert wer­den konn­te: Wil­liam Hus­bands jüngs­te Unter­su­chung der sowje­ti­schen Kin­der­li­te­ra­tur aus der Sta­lin-Ära zeig­te bei­spiels­wei­se eine Viel­zahl kodier­ter Ein­stel­lun­gen zur Natur, wobei eine ›klei­ne, aber signi­fi­kan­te Anzahl‹ von Büchern die Natur auf eine nicht kon­trä­re Wei­se dar­stell­te. Für Hus­band deu­ten sol­che sym­pa­thi­schen Dar­stel­lun­gen der Natur jedoch nicht auf eine kom­ple­xe­re Hal­tung gegen­über der Umwelt hin, son­dern stel­len ledig­lich ein Ver­sa­gen des Tota­li­ta­ris­mus dar: ›Die Lite­ra­tur der sta­li­nis­ti­schen Ära‹, schreibt er, ›ent­zog sich der von der Dik­ta­tur ange­streb­ten Hege­mo­nie und zeig­te damit eine wich­ti­ge Gren­ze der poli­ti­schen Kon­trol­le in der UdSSR auf‹. Obwohl der eng­li­sche Gelehr­te Jona­than Old­field vor kur­zem auf die Not­wen­dig­keit hin­ge­wie­sen hat, dass Wis­sen­schaft­ler sich ›ziel­stre­big über ein brei­tes Ver­ständ­nis des sowje­ti­schen Umwelt­erbes hin­aus­be­we­gen‹, um eine ›Ten­denz zu all­zu gro­ben Inter­pre­ta­tio­nen der sowje­ti­schen Umwelt­zer­stö­rung‹ ein­zu­däm­men, bleibt der Kon­sens im Grun­de unan­ge­foch­ten.(15)

Es gibt auch Bei­spie­le, in denen die ästhe­ti­schen und psy­cho­lo­gi­schen Vor­tei­le der Wäl­der erör­tert werden:

So heißt es in einem Leit­ar­ti­kel der Zeit­schrift Les­na­ia zhizn i kho­zi­aistvo (Leben und Bewirt­schaf­tung der Wäl­der) vom Dezem­ber 1917, dass ›der Wald seit jeher einen enor­men posi­ti­ven Ein­fluss auf die Psy­che und das geis­ti­ge Ver­mö­gen der Men­schen hat‹, und in der Rede eines Dele­gier­ten auf einer Wald­kon­fe­renz im Janu­ar 1949 wird behaup­tet, dass ›der Wald eine enor­me mora­li­sche Kraft für unser Land dar­stellt‹.(16)

Geschichte der Umweltgesetze in der UdSSR

Der kata­stro­pha­le Kahl­schlag der rus­si­schen Wäl­der begann wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs. Auf­grund der schreck­li­chen Armut und der Erfor­der­nis­se der Kriegs­an­stren­gun­gen wur­de er wäh­rend des Kriegs­kom­mu­nis­mus (1918 – 1921) fort­ge­setzt. Wäh­rend des Kriegs­kom­mu­nis­mus ent­war­fen die Bol­sche­wi­ki einen Plan, um die Schä­den an den Wäl­dern zu behe­ben, sobald der Frie­den erreicht war. Hier ist ein Pla­kat der Forst­ver­wal­tung, das die­sen Plan darstellt:

In den 1920er Jah­ren kam es zu einer Debat­te zwi­schen zwei riva­li­sie­ren­den Denk­schu­len: Den »Bewah­rern«, Anhän­gern von G. F. Moro­zov, und den »Indus­tri­el­len«, Anhän­gern von S. A. Bogos­lavs­ky. Moro­zovs Ideen hat­ten ihre Wur­zeln in den Theo­rien von W. W. Doku­cha­jew, wäh­rend Bogos­lavs­ky sich auf zeit­ge­nös­si­sche deut­sche Theo­rien stützte.

Die Anhän­ger Moro­zovs befür­wor­te­ten nach­hal­ti­ge Prak­ti­ken. Ihre Posi­ti­on wur­de von der sowje­ti­schen Regie­rung befür­wor­tet. In den ers­ten Jah­ren des ers­ten Fünf­jah­res­plans gelang es den ultra­lin­ken Anhän­gern Bogoslaw­skis jedoch, die Natur­schüt­zer als bour­geois und als Brem­ser der Indus­tria­li­sie­rung abzu­stem­peln. Die Bogoslaw­ski-Anhän­ger grif­fen die Nach­hal­tig­keit aus­drück­lich als über­hol­tes bür­ger­li­ches Kon­zept an und erklär­ten, die Natur müs­se unein­ge­schränkt den Inter­es­sen der Indus­trie die­nen. Andern­falls sei der Mensch der Natur aus­ge­lie­fert, anstatt dass die Natur einem ratio­na­len Plan unter­wor­fen sei.

Die Ultra­lin­ken bedien­ten sich jedoch eines feh­ler­haf­ten undia­lek­ti­schen Den­kens. Sie sahen Mensch und Natur in ihrer Wech­sel­be­zie­hung nicht rich­tig. Der Wirt­schafts­plan soll­te nach­hal­tig sein und die Gren­zen der Natur berück­sich­ti­gen, andern­falls wür­de die Natur zer­stört wer­den. Dies bedeu­te­te kei­nes­wegs, den Wirt­schafts­plan blin­den Natur­kräf­ten unter­zu­ord­nen. Viel­mehr ver­tra­ten die ultra­lin­ken »Indus­tria­li­sie­rer« eine idea­lis­ti­sche, vol­un­ta­ris­ti­sche Posi­ti­on, die die mate­ri­el­len Bedin­gun­gen und Gren­zen völ­lig igno­rier­te. Die mar­xis­tisch-leni­nis­ti­sche Posi­ti­on erkennt, dass der Mensch durch die mate­ri­el­len Bedin­gun­gen begrenzt ist, aber die mate­ri­el­len Bedin­gun­gen mehr und mehr beherr­schen und ratio­nal pla­nen kann, wodurch er sich mehr und mehr von ihnen befreit, aber nie­mals abso­lut von ihnen frei sein wird.

Ähn­li­che ultra­lin­ke Ten­den­zen tra­ten in den ers­ten Jah­ren des ers­ten Fünf­jah­res­plans auch in ande­ren Berei­chen zuta­ge. Dies ist dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass sich die Par­tei und die Arbei­ter­klas­se in die­sen ent­schei­den­den Jah­ren auf die Bekämp­fung rech­ter Ansich­ten kon­zen­trie­ren muss­ten. Die Situa­ti­on wur­de jedoch bald kor­ri­giert. Eine nach­hal­ti­ge Umwelt­po­li­tik gewann die Oberhand.

Hier­zu führt Brain aus:

In den 1920er Jah­ren, als Ver­tre­ter der Indus­trie­bü­ros Visio­nen einer neu­en, sozia­li­sier­ten Land­schaft mit stark abs­tra­hier­ten, regu­lier­ten Wäl­dern und Abhol­zungs­quo­ten auf der Grund­la­ge der indus­tri­el­len Nach­fra­ge ent­wi­ckel­ten, stell­te sich die Par­tei­füh­rung auf die Sei­te der Natur­schüt­zer, die tra­di­tio­nel­le Ideen wie den nach­hal­ti­gen Ertrag ver­tra­ten. Doch spä­ter, in den 1930er Jah­ren, nach­dem es Indus­tri­el­len und stu­den­ti­schen Akti­vis­ten gelun­gen war, sol­che Kon­zep­te als bür­ger­lich abzu­stem­peln, gewan­nen die Befür­wor­ter des Natur­schut­zes wie­der die Ober­hand, indem sie sich auf die Theo­rien des vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Boden­kund­lers W. W. Doku­cha­jew berie­fen, der die hydro­lo­gi­sche Sta­bi­li­tät Russ­lands mit der Auf­recht­erhal­tung einer dau­er­haf­ten Wald­be­de­ckung in Ver­bin­dung brach­te […]. Nach 1931 wur­den was­ser­wirt­schaft­li­che Beden­ken zur Recht­fer­ti­gung für die Schaf­fung eines rie­si­gen Wald­schutz­ge­bie­tes im Zen­trum des euro­päi­schen Russ­lands her­an­ge­zo­gen, das zu jener Zeit das größ­te der Welt war.(17)

Umweltvorschriften von 1931

Dazu berich­tet Brain:

Sta­lin […] initi­ier­te per­sön­lich eine Gesetz­ge­bung, die auf der Über­zeu­gung beruh­te, dass die Was­ser­ver­sor­gung Russ­lands den Schutz der Wäl­der erfor­der­te. Aus den Par­tei­ar­chi­ven geht her­vor, dass Sta­lin am 30. Mai 1931 das The­ma ›Über die Ord­nung des Holz­ein­schlags‹ zur Dis­kus­si­on stell­te und die Sov­nar­kom auf­for­der­te ›inner­halb eines Monats einen Geset­zes­ent­wurf über das abso­lu­te Ver­bot des Holz­ein­schlags in bestimm­ten Regio­nen aus­zu­ar­bei­ten, um das Was­ser in ande­ren Regio­nen zu erhal­ten‹. Am 15. Juli schick­te die Sow­nar­kom ihren Gesetz­ent­wurf an das Polit­bü­ro zurück, und Ende Juli 1931 wur­de der Erlass Nr. 519 Gesetz. Er teil­te alle Wäl­der des Lan­des in zwei Zonen ein: die forst­wirt­schaft­li­che Zone und die Wald­an­bau­zo­ne.(18)

Unab­hän­gig davon, wel­ches Büro sie kon­trol­lier­te, wur­den die Wäl­der in einem Ein-Kilo­me­ter-Gür­tel ent­lang bei­der Ufer der Flüs­se Wol­ga, Dnjepr, Don und Ural für jede Art von Abhol­zung gesperrt.(19)

Umweltvorschriften von 1936

Hier hat Brain fol­gen­des zusammengetragen:

Die Par­tei­füh­rung beschloss […] 1936, den Wald­schutz wei­ter zu ver­stär­ken, indem sie die Schutz­zo­ne stark aus­wei­te­te und unter direk­ter Betei­li­gung Sta­lins eine mäch­ti­ge neue Ver­wal­tung zur Durch­set­zung der neu­en Vor­schrif­ten schuf… im Juli 1936 wur­de eine neue Behör­de gegrün­det, die Haupt­ver­wal­tung für Wald­schutz und Auf­fors­tung (GLO), deren ein­zi­ge Auf­ga­be es sein soll­te, sich um die Gebie­te zu küm­mern, die fort­an ›Was­ser­schutz­wäl­der‹ genannt wurden.

Unter Andro­hung straf­recht­li­cher Kon­se­quen­zen wur­de jeg­li­ches Abhol­zen des Wal­des (abge­se­hen von Sani­tär­holz) in wei­ten Gebie­ten ver­bo­ten, die

a) in einem zwan­zig Kilo­me­ter lan­gen Gür­tel ent­lang des Dnjepr und zwei sei­ner Neben­flüs­se, des Don und drei sei­ner Neben­flüs­se, der Wol­ga und zehn ihrer Neben­flüs­se, des Ural und der west­li­chen Dvina;

b) in einem sechs Kilo­me­ter lan­gen Gür­tel ent­lang zwei­er Neben­flüs­se des Dnjepr, vier Neben­flüs­se des Don, fünf Neben­flüs­se der Wol­ga, zwei Neben­flüs­se des Ural und zwei Neben­flüs­se der Oka; und

c) in einem Vier-Kilo­me­ter-Gür­tel ent­lang von fünf Neben­flüs­sen des Don, elf Neben­flüs­sen der Wol­ga, einem Neben­fluss des Bel‹ und einem Neben­fluss der Oka.

In den Gebie­ten, die außer­halb die­ser Gür­tel, aber noch inner­halb der Ein­zugs­ge­bie­te der oben genann­ten Flüs­se lagen, war der Holz­ein­schlag erlaubt, aber er soll­te von der GLO durch­ge­führt wer­den, und die Ern­te durf­te den jähr­li­chen Zuwachs der betref­fen­den Wäl­der nicht über­stei­gen.(20)

Das Gesetz von 1936 ging weit über den Gel­tungs­be­reich sei­nes Vor­gän­gers hin­aus. […] Die­se Schutz­zo­nen waren so umfang­reich, dass sie in den meis­ten Oblas­ten Zen­tral­russ­lands die Mehr­heit oder fast die Mehr­heit der Wald­flä­che und dar­über hin­aus in vie­len Oblas­ten einen erheb­li­chen Pro­zent­satz der Gesamt­flä­che aus­mach­ten. […] Die Initia­ti­ve ging von der Spit­ze des Par­tei­ap­pa­rats aus. Wie der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter der Nar­kom­zem-Abtei­lung [Volks­ko­mis­sa­ri­at für Land­wirt­schaft] für den Schutz der Wäl­der, V. M. Solo­v’ev, auf einer Förs­ter­ta­gung berich­te­te, ›wur­de die­ses unge­wöhn­li­che Gesetz, Genos­sen, ein Wen­de­punkt in der Wald­be­wirt­schaf­tung, unter direk­ter Lei­tung und mit direk­ter Betei­li­gung von Sta­lin selbst ent­wi­ckelt‹.(21)

Umweltvorschriften von 1943

Brain fasst wie folgt zusammen:

Am 23. April 1943 wur­de der sowje­ti­sche Wald­schutz noch wei­ter ver­schärft. […] Die Wäl­der des Lan­des wur­den in drei Grup­pen ein­ge­teilt, von denen zwei Schutz­maß­nah­men unter­wor­fen wur­den. In Grup­pe I fie­len ›die Wäl­der der staat­li­chen zapo­ve­d­ni­ki, Bodenschutz‑, Feld­schutz- und Erho­lungs­wäl­der, [und] Wäl­der der Grün­zo­nen um Indus­trie­be­trie­be und Städ­te‹; in die­sen Wäl­dern waren nur ›Sani­täts­hie­be und selek­ti­ve Hie­be von über­rei­fem Holz‹ erlaubt, Kahl­schlä­ge aller Art waren ver­bo­ten. In Grup­pe II fie­len alle Wäl­der Zen­tral­asi­ens und ent­lang des lin­ken Wol­ga-Ufers; hier war nur ein Ein­schlag bis zur Höhe des jähr­li­chen Zuwach­ses erlaubt, der ›von der Sowjar­kom rati­fi­ziert‹ wur­de. Die Wäl­der der Grup­pen I und II blie­ben unter der Kon­trol­le der GLO. In Grup­pe III wur­den alle ande­ren Wäl­der zusam­men­ge­fasst, für die kei­ner­lei Beschrän­kun­gen galten.

Mit der Klas­si­fi­zie­rung von 1943 wur­de der durch das Gesetz von 1936 gewähr­te Schutz erheb­lich aus­ge­wei­tet; die Wäl­der gan­zer Oblas­te, dar­un­ter Mos­kau, Woro­nesch, Kursk, Smo­lensk, Wla­di­mir, Tam­bow, Pen­sa, Ria­zan‹, Sara­tow, Ros­tow und Sta­lin­grad, wur­den in die Grup­pen I und II ein­ge­ord­net und damit zumin­dest im Ide­al­fall vor jeg­li­cher Aus­beu­tung geschützt. Im Lau­fe der Zeit wuchs die Grö­ße der Wäl­der der Grup­pe I enorm an, bis sie die bei wei­tem größ­te so geschütz­te Flä­che der Welt dar­stell­ten.(22)

Verordnungen von 1947 – 1953 und der Höhepunkt des Waldschutzes

Brain resü­miert mehr­fach und ein­deu­tig: »Der Umwelt­schutz der Sta­lin-Ära erreich­te 1947 mit der Schaf­fung des Minis­te­ri­ums für Forst­wirt­schaft (Min­le­s­khoz) sei­nen Höhe­punkt.«(23) Oder: »Die Zeit von 1947 bis 1953 stell­te in der Tat einen Höhe­punkt der sowje­ti­schen Forst­wirt­schaft dar.«(24) Fer­ner: »Der Wald­schutz im All­ge­mei­nen erhielt in den Jah­ren von 1947 bis 1953 mehr insti­tu­tio­nel­le Unter­stüt­zung als zu irgend­ei­nem ande­ren Zeit­punkt in der rus­si­schen Geschich­te.«(25)

Pro­fes­sor Vik­tor Nes­ter­ov von der Timi­ria­zev-Agrar­aka­de­mie schrieb am 19. Janu­ar 1966 in der Prav­da, dass:

[…] ein drin­gen­der Bedarf an einer gesamt­uni­ver­si­tä­ren Forst­ver­wal­tung mit einem eige­nen Sys­tem von unter­ge­ord­ne­ten Orga­ni­sa­tio­nen besteht. […] Fach­leu­te sind der Mei­nung, dass ein UdSSR-Minis­te­ri­um für Forst­wirt­schaft eine sol­che zustän­di­ge Behör­de wer­den könn­te. Übri­gens gab es ein sol­ches Minis­te­ri­um von 1947 bis 1953. In die­ser Zeit haben die Wald­ar­bei­ter viel erreicht: Die Aus­saat und Anpflan­zung neu­er Wäl­der wur­de stark aus­ge­wei­tet, und die Beschnei­dung der Hiebs­flä­chen wur­de über­all erreicht. Das Minis­te­ri­um rich­te­te zwei­hun­dert mit Maschi­nen aus­ge­rüs­te­te Forst­schutz­sta­tio­nen ein. Das jähr­li­che Volu­men der forst­li­chen Aus­saat und Pflan­zung hat sich ver­sie­ben­facht. Wir wol­len die Tätig­keit die­ses Minis­te­ri­ums kei­nes­wegs idea­li­sie­ren, aber die Ergeb­nis­se sei­ner Arbeit waren für jeden sicht­bar, der mit den Wäl­dern zu tun hat­te.(26)

Jack Wei­ner schreibt hierzu:

1890 expe­ri­men­tier­te der Boden­wis­sen­schaft­ler Doku­cha­ev mit Schutz­gür­teln [Wald]. Wäh­rend der Sowjet­zeit pflanz­ten Wis­sen­schaft­ler wei­ter­hin Bäu­me – Mil­lio­nen von ihnen -, um die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­vi­tät zu stei­gern, ins­be­son­de­re in den Kol­cho­sen und in den bewal­de­ten Step­pen des euro­päi­schen Russ­lands. Der größ­te Anstoß und Plan zur Auf­fors­tung und Wie­der­auf­fors­tung ging offen­bar von Sta­lin aus; 1948 leg­te er angeb­lich den Grund­stein für ein fünf­zehn­jäh­ri­ges Pro­jekt zur Anpflan­zung von Bäu­men auf mehr als zehn Mil­lio­nen Hekt­ar … offen­sicht­lich kam der Plan der Sowjet­uni­on zugu­te.(27)

In der sechs­ten Num­mer des Kom­mu­nist von 1950 ist dazu zu lesen:

Auf mehr als 800.000 Hekt­ar wur­den bereits Schutz­wald­gür­tel gepflanzt, 306.800 Hekt­ar allein in die­sem Früh­jahr. Ein Bewäs­se­rungs­sys­tem für 122.000 Hekt­ar wur­de fer­tig­ge­stellt, wofür der Bau von 8.000 Bewäs­se­rungs­be­cken und ‑tanks erfor­der­lich war. Zu den Auf­ga­ben für die­ses Jahr gehö­ren die Anpflan­zung von 700.000 Hekt­ar Wald und der Bau von 7.587 Bewässerungsbecken.

Die Zerstörung des Umweltschutzes durch die Opportunisten und Revisionisten der Chruschtschow-Zeit

»Nach Sta­lins Tod ver­lo­ren die Natur­schutz­bü­ros ihre her­aus­ra­gen­de Stel­lung«, so Ste­phen Brain, fortführend:

Die Zeit, in der die Min­le­s­khoz die sowje­ti­sche Forst­ver­wal­tung domi­nier­te, war jedoch nur kurz. Am 15. März 1953, sechs Tage nach Sta­lins Beer­di­gung, wur­de die Min­le­s­khoz auf­ge­löst. Mit der Über­tra­gung der Auf­ga­ben der Min­le­s­khoz auf das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ging der Wald­schutz stark zurück. Die Zahl der in Mos­kau mit Forst­an­ge­le­gen­hei­ten betrau­ten Mit­ar­bei­ter sank inner­halb von sechs Mona­ten von 927 auf 342, was einem Rück­gang von 62 Pro­zent ent­spricht, und nach einem Jahr auf 120 Mit­ar­bei­ter.(28)

Verweise

1 Ste­phen Brain, »Stalin’s Envi­ron­men­ta­lism«, in: The Rus­si­an Review Vol. 69, No. 1 (Jan., 2010), pp. 93 – 118, hier S. 93.

2 Ste­phen Brain, Song of the Forest: Rus­si­an Fores­try and Sta­li­nist Envi­ron­men­ta­lism, 1905 – 1953 (Rus­si­an and East Euro­pean Stu­dies), Uni­ver­si­ty of Pitts­burgh Press 2011, S. 2.

3 Ebd. S. 116.

4 Stalin’s Envi­ron­men­ta­lism, S. 97 – 98.

5 Ebd.

6 Song of the forest, S. 4

7 W. I. Lenin, »Die Auf­ga­ben des Pro­le­ta­ri­ats in unse­rer Revo­lu­ti­on« (April 1917), in: W. I. Lenin, Wer­ke (Ber­lin 1959), Bd. 24, S. 39 – 77.

8 Song of the forest, S. 143 – 44.

9 Ebd. S. 3.

10 Ebd. S. 4.

11 Ebd.

12 Ebd. S. 10.

13 A. Dan Tar­lock, Histo­ry of envi­ron­men­tal law.

14 Ebd.

15 Stalin’s Envi­ron­men­ta­lism, S. 95.

16 Song of the forest, S. 10.

17 Stalin’s Envi­ron­men­ta­lism, S. 96.

18 Ebd. S. 109

19 Ebd.

20 Ebd. S. 110 – 111.

21 Ebd. S. 111.

22 Ebd. S. 114.

23 Ebd. S. 115.

24 Ebd. S. 117.

25 Song of the Forest, S. 10.

26 Zitiert nach Brain, Stalin’s Envi­ron­men­ta­lism, S. 117.

27 Jack Wei­ner, The Des­ta­li­niz­a­ti­on of Dmi­trii Shostakovich’s ›Song of the Forests‹, Op. 81 (1949), S. 214

28 Stalin’s Envi­ron­men­ta­lism, S. 117 – 18.

Die­ser Arti­kel ist eine Über­set­zung des bei ML-Theo­ry: A Mar­xist-Leni­nist Blog erschie­nen eng­li­schen Orginals.

Bild: Pla­kat von Vik­tor Govor­kov (1949) mit Sta­lin vor einer Kar­te zum Umwelt­schutz mit Spruch: »Und die Tro­cken­heit wer­den wir auch besiegen«.

2 thoughts on “Sowjetischer Umweltschutz in der Stalin-Ära

  1. Es mag sein, dass Sta­lin wenigs­tens in die­sem Fall Lenins Erbe tat­säch­lich wei­ter­ge­führt hat. Aber die­se eigent­lich selbst­ver­ständ­li­che Tat­sa­che zu einer Apo­lo­gie des Sta­li­nis­mus zu nut­zen, ist rich­tig­ge­hend pein­lich. Sie ändert nichts an den schwe­ren poli­ti­schen Feh­lern und Ver­bre­chen, die Sta­lin began­gen hat.

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