Grün ist der Untergang – Teil 2: Dystopie statt Utopie

Ansichten: 356
Lese­zeit7 min

Eine Zeit ohne Zukunft

Die Erset­zung der Uto­pie durch die Dys­to­pie erfolg­te nicht zufäl­lig. Der Wen­de­punkt liegt tat­säch­lich an jenem Moment Anfang der 1970er, als die Wachs­tums­pha­se von Auto­mo­bil- und Elek­tro­in­dus­trie vor­bei war und im gesam­ten Wes­ten die Flucht in Spe­ku­la­ti­on und Ren­ten­wirt­schaft begann. Mit dem Wachs­tum (nicht, wie der Club of Rome behaup­te­te, abso­lut, aber eben unter den Bedin­gun­gen der Kapi­tal­ver­wer­tung) ende­te auch, in allen west­li­chen Kern­län­dern mehr oder weni­ger gleich­zei­tig, jede Wei­ter­ent­wick­lung des Sozi­al­staats, und das neo­li­be­ra­le Elend begann.

Man könn­te sagen, dem Kapi­ta­lis­mus waren die Ver­spre­chun­gen aus­ge­gan­gen, also muss­ten sie durch Dro­hun­gen ersetzt wer­den. Wenn man liest, was es alles nach den Vor­aus­sa­gen des Club of Rome aus dem Jah­re 1972 heu­te bereits nicht mehr geben dürf­te, ent­behrt das nicht der Komik. Aber die Erzäh­lung vom bal­di­gen Ende aller Roh­stof­fe wur­de durch unzäh­li­ge wei­te­re ergänzt, vom Atom­tod über das Wald­ster­ben, die Über­be­völ­ke­rung bis zum Klimawandel.

Der gewal­ti­ge Vor­teil die­ser Sze­na­ri­en besteht dar­in, dass ihre Kata­stro­phen-/ und Not­stands­jün­ger nur Gläu­bi­ge und Fein­de ken­nen. Denn das Unheil, das droht, ist so gewal­tig, dass jeder zum Feind wird, der nicht wil­lig ist, bei der Abwen­dung mit­zu­hel­fen. In die­ser Hin­sicht hat selbst die Erfin­dung des »Coro­nal­eug­ners« ihre Wur­zeln in jener poli­ti­schen Kul­tur, die die Grü­nen geprägt haben und aus der sie her­vor­ge­gan­gen sind.

Aber was ist das wirk­li­che Ziel die­ser Poli­tik? Wenn man das aktu­el­le Han­deln die­ser Par­tei betrach­tet, wür­de man den­ken, der abso­lu­te Aus­ver­kauf an die USA. Aber das ist etwas zu ein­fach. Eine Hand­voll Poli­ti­ker, selbst zwei Hän­de voll, könn­te nie­mals die Inter­es­sen zumin­dest der brei­ten Bevöl­ke­rungs­mehr­heit in dem Aus­maß ver­ra­ten, wie die Grü­nen es tun, ohne von einer mäch­ti­gen gesell­schaft­li­chen Grup­pe im Inland gestützt zu wer­den. Auf­fäl­lig ist, dass es nicht die Vor­stän­de der Indus­trie sind, die das Sagen haben. Aber das heißt noch lan­ge nicht, dass es kein ein­hei­mi­sches Kapi­tal ist.

Schon seit fünf­zig Jah­ren gibt es über Sie­mens den Spruch, es sei eine Bank mit ange­schlos­se­nem Elek­tro­la­den. Was besa­gen soll­te, die Geschäf­te erstre­cken sich über so vie­le Berei­che, dass das, was als Fir­ma sicht­bar ist, auf der »Sie­mens« steht, nur ein klei­ner Teil ist. Ähn­lich ver­hält es sich mit allen gro­ßen Kon­zer­nen bezie­hungs­wei­se vor allem mit dem Geld ihrer Eigen­tü­mer. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de von Sie­mens wird natür­lich Beden­ken äußern, wenn die Pro­duk­ti­on gefähr­det ist; es ist schließ­lich sein Job, in die­sem Bereich für mög­lichst hohe Erträ­ge zu sor­gen. Was die Inter­es­sen der Fami­lie Sie­mens sind, lässt sich aller­dings nur raten.

Da gibt es sol­che Able­ger von Finanz­kon­zer­nen wie PIM­CO, das der Alli­anz gehört und das jah­re­lang die größ­te Geld­men­ge welt­weit ver­wal­te­te. Und dann gibt es eben all die Berei­che, die erst nach 1972 ent­stan­den sind, in denen die mate­ri­el­le Pro­duk­ti­on eine gerin­ge bis gar kei­ne Rol­le spielt. Soft­ware­kon­zer­ne wie Micro­soft oder Goog­le. Phar­ma­kon­zer­ne, deren Haupter­trag aus Paten­ten stammt, wie uns im Zusam­men­hang mit Coro­na so plas­tisch vor Augen geführt wur­de. Immo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on, in der Mil­li­ar­den um Mil­li­ar­den auf­ge­so­gen wur­den. Pri­va­ti­sier­te Kli­ni­ken oder Autobahnen.

Die­se Antei­le sind so gewal­tig, dass ihr Ein­fluss auf die Poli­tik jenen der rea­len Indus­trie über­steigt. Und im Gegen­satz zur wirk­li­chen Pro­duk­ti­on, bei der rea­le, hand­fes­te Güter ent­ste­hen und ver­kauft wer­den, ent­steht bei die­sen Fir­men nichts außer einem Anspruch, ein Stück vom Pro­fit zu erhal­ten. Die­sen Anspruch erhe­ben nicht nur US-Fir­men, aber die US-Armee ist die Söld­ner­trup­pe, um die­se Ansprü­che ein­zu­trei­ben. Oder sie war es, bis vor kur­zem. Jetzt ist die­ses gan­ze Geschäfts­mo­dell, das in den 1970ern aus der indus­tri­el­len Kri­se her­aus­führ­te, vom Zusam­men­bruch bedroht.

Anlagen und Anleger

Der eine gro­ße Erfolg, den sich die Grü­nen auf die Fah­nen schrei­ben, ist das Ende der Kern­kraft in Deutsch­land. Dass in ande­ren euro­päi­schen Län­dern die Reak­ti­on auf die­ses The­ma völ­lig anders ver­lief, scheint zu bele­gen, dass Ful­da Gap & Co. im Hin­ter­grund an die­sen Sor­gen mitwirkten.

Aber man könn­te sich eben­so gut fra­gen, ob nicht die gan­ze Geschich­te der Kern­kraft in der Bun­des­re­pu­blik eine gigan­ti­sche Ross­täu­sche­rei war. Denn die Anla­gen wur­den erst von öffent­li­chen Ener­gie­ver­sor­gern mit hohen öffent­li­chen Sub­ven­tio­nen gebaut. Dann wur­de erklärt, die Ver­sor­ger bräuch­ten Rück­la­gen für mög­li­che Unfäl­le, Rück­bau etc. Dann wur­den die Ver­sor­ger pri­va­ti­siert, unter Mit­nah­me der Rück­la­gen, die aber nicht ange­rech­net, also auch nicht ent­gol­ten wur­den. Dann wur­den die Rück­la­gen frei­ge­ge­ben und all das schö­ne Geld floss in die Taschen der nun­mehr pri­va­ten Ver­sor­ger. Dann wur­de beschlos­sen, die Kern­kraft­wer­ke abzu­schal­ten, aber gegen eine Ent­schä­di­gung – die wie­der an die inzwi­schen pri­va­ten Betrei­ber floss und nicht bei der öffent­li­chen Hand blieb, die den Bau einst­mals finan­ziert hat­te. In Sum­me bleibt ein gigan­ti­scher Abfluss von Steu­er­gel­dern an die Strom­kon­zer­ne, zu dem es weder bei einem Wei­ter­be­trieb noch bei einer Still­le­gung in öffent­li­cher Hand gekom­men wäre.

In der gan­zen Ent­wick­lung der Ener­gie­ver­sor­gung Deutsch­lands ste­hen in den letz­ten Jahr­zehn­ten zwei Zie­le mit­ein­an­der in Kon­kur­renz: die Sicher­heit der Ver­sor­gung, das aus­ge­spro­che­ne Ziel, das für die Indus­trie wich­tig ist, und die Schaf­fung neu­er Anla­ge­mög­lich­kei­ten, das unaus­ge­spro­che­ne Ziel. Letzt­lich gewin­nen meist die Anlagemöglichkeiten.

Klar sichern zum Bei­spiel Wind­kraft­an­la­gen kei­ne sta­bi­le Ener­gie­ver­sor­gung. Aber für die Zeit ihres sub­ven­tio­nier­ten Betriebs sichern sie den Anle­gern Erträ­ge, die, wie die durch Immo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on hoch­ge­trie­be­nen Mie­ten, wie­der aus den Geld­beu­teln der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung ent­nom­men wer­den. Die Schwan­kun­gen im Ange­bot lie­fern zusätz­lich noch ein Argu­ment dafür, aus dem natür­li­chen Mono­pol auf Strom­ver­sor­gung einen Markt zu machen, auf dem man spe­ku­lie­ren kann. Glei­ches gilt für Solar­zel­len. Das eigent­lich pro­pa­gier­te Ziel, die siche­re Ver­sor­gung durch sau­be­re Ener­gie, wird nicht erreicht. Aber das der Gewinn­aus­schüt­tung für die Betrei­ber durchaus.

Täuschen und tarnen

Man­che grün pro­pa­gier­te und umge­setz­te Ideen erzeu­gen ein­fach nur Unfug. Wie der Bio­sprit. So eine tol­le Idee. Bis dann auf­fiel, dass vie­ler­orts – bei­spiels­wei­se in Indo­ne­si­en – Palm­öl an die Stel­le von weni­ger ein­träg­li­chen Lebens­mit­teln tritt und die Men­schen in der Gegend dafür hun­gern. Also för­der­te man den Anbau dort nicht mehr, dafür aber in der EU. Wes­halb jetzt auf der hal­ben nord­deut­schen Tief­ebe­ne statt Kar­tof­feln Bio­sprit wächst. Was die Lebens­mit­tel im geord­ne­ten All­tag schlicht etwas teu­rer macht, aber wehe, es kommt zu irgend­ei­ner Kri­se. Selbst­ver­ständ­lich pas­siert das nicht, schon gar nicht auf Ver­an­las­sung der Grünen.

Schlich­te Kür­zungs­pro­gram­me wer­den auf grün attrak­tiv ver­packt, Inklu­si­on zum Bei­spiel. Auch so ein schö­nes Wort und eine edle Idee, behin­der­te Kin­der zusam­men mit ihren nicht behin­der­ten Alters­ge­nos­sen auf­wach­sen zu las­sen. Die Fin­nen machen das, sie schi­cken für jedes Kind, das es benö­tigt, einen Bil­dungs­as­sis­ten­ten in die Klas­se. Am Unter­richts­ab­lauf ändert sich dabei nichts. Aber die Assis­ten­ten sind teu­er. In Deutsch­land wer­den die spe­zia­li­sier­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, zum Bei­spiel für Blin­de, geschlos­sen, aber auch die Inklu­si­ons­as­sis­ten­ten ein­ge­spart. Wes­halb das eine Kind, das inklu­dier­te, oder gar deren meh­re­re in einer Klas­se, kei­ner­lei Unter­stüt­zung bekommt, den ande­ren Kin­dern aber zugleich weni­ger Stoff ver­mit­telt wird, weil nur noch so schnell gelernt wer­den kann, wie – die Kos­ten halt, die Kosten.

Wie war das mit dem Ver­bot von Plas­tik­tü­ten? Von denen jetzt mehr ver­kauft wer­den als davor, weil die Leu­te ihre Tüten vom Ein­kauf als Müll­beu­tel nutz­ten und jetzt extra Müll­beu­tel kau­fen, aus Plas­tik, ver­steht sich?

Und dann gibt es die gro­ßen grü­nen Uto­pien. Etwa jene, dass man auch Groß­städ­te mit Las­ten­fahr­rä­dern ver­sor­gen kön­ne. Nein, wirk­lich, das geht. Man muss nur fest genug dar­an glau­ben. Und genau­so fest davon über­zeugt sein, dass hun­der­te Men­schen ihre Erfül­lung im Las­ten­fahr­rad­stram­peln sehen, gleich bei wel­chem Wet­ter, jahr­ein, jahr­aus. Hun­der­te? Tau­sen­de, Zehntausende.

Ein gewöhn­li­cher Super­markt irgend­wo in der Stadt bekommt täg­lich min­des­tens eine LKW-Ladung Nach­schub. Die­ser LKW trans­por­tiert sei­ne zwan­zig Ton­nen Fracht vom nächst­ge­le­ge­nen Ver­teil­zen­trum der Super­markt­ket­te, das natür­lich nicht in der Stadt, auch nicht am Stadt­rand, son­dern ein Stück weit drau­ßen liegt. Sagen wir ein­mal, es sind zwan­zig Kilo­me­ter vom Ver­teil­zen­trum zum Super­markt. Dann ent­spre­chen die­se zwan­zig Ton­nen zwei­hun­dert Las­ten­fahr­rad­fah­rern, die jeweils vier­zig Kilo­me­ter radeln müs­sen, ein­mal mit einer Fracht von hun­dert Kilo, ein­mal leer, um einen ein­zi­gen Super­markt zu ver­sor­gen. Wie vie­le sol­cher Super­märk­te kom­men auf eine Groß­stadt wie Köln? Wie lan­ge dau­ert das jewei­li­ge Be- und Ent­la­den, wenn es kei­ne Euro­palet­ten mehr sind, die per Gabel­stap­ler abge­la­den wer­den? Mit Glück schaf­fen die Las­ten­fahr­rad­fah­rer zwei Super­märk­te täg­lich. Bei Schnee­matsch und berg­auf natür­lich weni­ger. Und wenn gra­de Grip­pe­sai­son ist, dann muss man das eben aus­hal­ten, dass nicht alles…

Das Ergeb­nis der gro­ßen Las­ten­fahr­rad­fan­ta­sien wird ein ganz ande­res sein. Die gro­ßen Ein­kaufs­zen­tren auf der grü­nen Wie­se wer­den wei­ter geför­dert. Und in den Innen­städ­ten bre­chen auch noch all die Geschäf­te weg, die heu­te schon zum Teil nur mit ver­güns­tig­ten Mie­ten am Leben gehal­ten wer­den, weil es eben Men­schen gibt, die einen Schus­ter brau­chen. Wer nicht raus­kommt zum Ein­kau­fen, kann es sich lie­fern las­sen, und wer dafür nicht das Geld hat – nun, die meis­ten die­ser Über­le­gun­gen enden bei »sich lie­fern lassen«.

Erst­ver­öf­fent­li­chung am 03.07.2022 auf RT DE, über­nom­men von frei​den​ker​.org

Bild: »The Gene­ral Intel­li­gence Machi­ne.« Art by H. Lanos for »When the Slee­per Wakes« by H. G. Wells (1899)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.