Über den Krieg auf ukrainischem Boden

Lesezeit21 min

Krieg zwischen Staaten, bewaffnete russische Herausforderung des westlichen Imperialismus, beginnender globaler Bürgerkrieg

Das Datum des 24. Februars, der Beginn der von Putin als »militärische Sonderoperation« bezeichneten »Entmilitarisierung und Entnazifizierung« auf ukrainischem Boden, markiert einen Bruch von historischer Bedeutung. Die bewaffnete Initiative des russischen Staates in seinem vitalen ukrainischen Raum hat das gesamte internationale Machtgefüge und ‑system heftig erschüttert.

Das Ausmaß seiner Hierarchie wird in Frage gestellt. Der russische Staat kann die Arroganz der amerikanischen Hegemonialmacht und ihrer Satelliten nicht länger hinnehmen und sieht sich gezwungen, die festgefahrene Situation durch militärische Maßnahmen gegen das »Lügenimperium«, wie Putin die westlichen Hegemonialmächte genannt hat, zu beenden. Er hat den Fehdehandschuh der Herausforderung hingeworfen und präsentiert sich gleichzeitig als der bürgerliche Führer, der er ist, als »Partner«. Ein verlässlicher Partner und bürgerlicher Geschäftspartner, wenn man nur akzeptieren würde, dass das heilige Mütterchen Russland, für deren Interessen er sich einsetzt, wenn schon nicht »gleichberechtigt«, so doch wenigstens auf einer Ebene des »fairen Verhältnisses« im Salon der oberen Mittelschicht der Welt vertreten ist, wo die Anteile der kapitalistischen Macht im globalen Maßstab verteilt werden. Wenn »nur«…

Es ist ein tiefer Riss, der nicht zu kitten ist. Jegliche Kompromissvereinbarungen auf dem Terrain des Konflikts, der derzeit begrenzt in der Ukraine stattfindet, werden nur Momente des Waffenstillstands sein. An der Spitze des tödlichen Kampfes, der auf unserer Haut, das heißt auf der Haut der gesamten Menschheit ausgetragen wird, steht der abgeschlagene Kopf Putins, d. h. der Russland, d. h. die Zerschlagung des russischen kapitalistischen Machtzentrums, oder die abgeschlagenen Köpfe der derzeitigen Herrscher der »freien Welt« und die Zerschlagung ihres derzeitigen Netzwerks von Allianzen und Macht. An der Spitze des tödlichen Kampfes steht auch – wir sagen es leise und mit leiser Stimme vom Nullpunkt unserer gegenwärtigen Nichtigkeit aus – die mächtige Entstehung des Prozesses der globalen und proletarischen Revolution, deren Protagonisten riesige Massen von Menschen sein werden, die von einem unaushaltbaren und universellen Mantel der Unterdrückung gequält werden. Und die abgetrennten Köpfe werden am Ende von diesen und jenen sein. Von allen »Partnern« und Geschäftspartnern/​Wettbewerbern, im Triumph der Kommune. (Dies ist unsere Perspektive, unser historisches Kraftfeld. Wir verkünden es still und leise, im Kreise weniger und spärlicher Vertrauter, die im Moment kaum mehr als Augen zum Weinen haben).

Die russische bewaffnete Initiative verletzte nicht die »Souveränität« der Ukraine, sondern die Souveränität ÜBER die Ukraine seitens der »freien Welt«, sprich: der wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Macht des westlichen Imperialismus. Außerdem wurde offensichtlich der Witz der »Souveränität« der ukrainischen Politmarionetten verletzt.

Die russischen Kettenfahrzeuge mögen sicherlich das tiefe Gefühl der Würde und der nationalen Zugehörigkeit eines großen Teils des ukrainischen Volkes gekränkt und verletzt haben, dem allein und zuerst die bolschewistische Revolution und insbesondere Lenin – der Führer einer Revolution, die NICHT russisch, sondern weltweit war, KEINE russische, sondern eine Weltrevolution! – erst vor einhundert Jahren, im Jahr 1922, die vollen Rechte eines unabhängigen Staates zuerkannt haben. Über diese Wunde, über diese bittere Situation, die wir nicht verbergen, werden wir am Ende unserer Notiz sprechen.

Die dicken Taschen der westlichen »demokratischen« Gangster, in denen sich die ukrainische Brieftasche befindet, sind aufgerissen worden, ein Riss, der für diese Gangster unerträglich ist. Es ist ein Geldbeutel, der so reichhaltig und geschwollen ist wie die miserablen und erbärmlichen materiellen und moralischen Lebensbedingungen, denen die ukrainischen Massen seit Jahrzehnten ausgesetzt sind, nachdem sie von den »sowjetischen« Zwängen »befreit« wurden. Sie enthält die Ziehungsrechte und die Hypotheken, die aus der Ukraine, das heißt aus ihrer Arbeitskraft, aus ihren Produktionsmitteln, aus ihren Anbauflächen und Gewinnungsflächen, gewonnen wurden (im Anhang »Stalker/​Zone« wird dies teilweise veranschaulicht). Ziehungsrechte und Hypotheken, die sich nach dem Willen der »demokratischen« Gangster natürlich auch auf die künftigen Generationen der »freien« Ukraine erstrecken. Ein System von »Rechten und Souveränität«, das durch einen angemessenen Einsatz prätorianischer Waffengewalt und »Abschreckung« gegen die unerträglichen »expansiven Bedrohungen« des russischen »Totalitarismus« und der »Barbarei« gebührend geschützt werden muss (und musste). Eine unerträgliche »Barbarei«, die am Donnerstag, dem 24. Februar, tatsächlich eingetreten ist.

Der Bär ist in die ukrainischen Glashütten eingedrungen, getrieben von dem kapitalistischen Bedürfnis, seinen Geldbeutel, seinen Einflussbereich und seinen Lebensraum zu verteidigen … zu Hause. Genauso wie Florida oder Texas für die USA »zu Hause« sind. Getrieben von der Notwendigkeit, die Bedingungen für die Existenz des Moskauer Staates als eine von den westlichen imperialistischen Zentren politisch unabhängige Konzentration der kapitalistischen Macht zu verteidigen.

Eine politische Unabhängigkeit, die für den westlichen demokratischen Imperialismus umso unerträglicher ist, als der russische Staat zum Dreh‐ und Angelpunkt eines riesigen Feldes von Staaten und Völkern werden kann, die dazu getrieben wären, sich »vom oligarchischen Joch der Globalisten« zu befreien, wie die mehr oder weniger naiven und verblendeten Verfechter einer »multipolaren (bürgerlichen: hier kann man nicht entrinnen!) Welt« sagen, die sich dank des Widerstands (und an dieser Stelle: der Existenz) des heiligen Mütterchen Russlands entwickeln könnte. Verblendet, weil es keine »multipolare Welt« am Ende des gegenwärtigen furchtbaren Zusammenstoßes zwischen kapitalistischen Kraftfeldern geben wird: Es gibt entweder die ungeheure allgemeine Zerstörung von Menschen und Dingen oder, wie wir leise gesagt haben, die Revolution, den Sieg und die Errichtung der Macht einer Reihe von Kommunen und der Universellen Kommune. Sicherlich nicht die 10 – 100‐​1000 bürgerlichen »freien und gleichen« Länder, von denen die bunte Legion der heutigen »wahren Patrioten« und Souveränisten träumt.

Wie tief und tödlich der bewaffnete Affront ist, den das Oberhaupt des heiligen Mütterchen Russlands, Putin, den Weltmeistern des kapitalistischen Gangstertums versetzt hat, lässt sich an der beispiellosen und hysterischen antirussischen Kampagne ablesen, die von oben entfesselt wurde. Noch intensiver als die von oben entfesselte Hysterie gegen die »bedauernswerten« und widerwilligen »Impfgegner« und Deserteure der von der fortschrittlichen, modernen und demokratischen SS (dem Kapital unterworfene Staatswissenschaft [Stato‐​Scienza]) verteidigten »sanitären« Ordnung.

Eine hysterische und noch nie dagewesene Aussaat eines echten antirussischen Hasses von oben, der die Seelen erwärmen und für die Bedürfnisse des imperialistischen Krieges vorbereiten soll.

In Deutschland werden russische Schaufenster beschmiert und eingeschlagen (kommt das bekannt vor?). Selbst die neutrale Schweiz, die saubere und friedliche Wächterin der bürgerlichen Welt, öffnet ihre Kassen zur Unterstützung der antirussischen Sache der »Freiheit«. Aus der ganzen freien Welt werden Rüstungsgüter und Unterstützungsleistungen aller Art für die Sache der »ukrainischen Souveränität« bereitgestellt, d. h. in erster Linie für den Schutz der edlen Sache des oben genannten Geldbeutels. Es ist noch nicht das direkte militärische Engagement der freien Welt. Aus der Reihe: Schlachtet ihr Ukrainer in vorderster Front den barbarischen Verletzer der »ukrainischen Souveränität«, das Gleiche wie: verdammter Verletzer unserer Brieftaschen. Gangster und Feiglinge, noch dazu!

Hinter dem Hass auf »das Tier Putin« (wie er von einem Mann definiert wird, der Außenminister eines Landes, nämlich Italiens, zu sein scheint, in dem derzeit das Apartheidregime herrscht!) verbirgt sich der Hass auf das russische Volk, weil es sich »leider« von einem solchen »Tier« vertreten lässt und nicht von Quislingen, wie »wir« es – demokratisch – gerne hätten. Zu der Hysterie und der sozialen Disziplinierung, die wir in den zwei Jahren terroristischer Behandlung des Covid‐​19‐​Problems (erfolgreich) erlebt haben, kommt jetzt die Hysterie gegen Putin (gegen das russische Volk), den »Feind der Werte des Friedens, der Demokratie« usw. und der Werte, die in der Brieftasche unserer freien Welt stecken. Die Scharen »pazifistischer« Schafe, die massenhaft gegen Putins »Barbarei« protestieren, haben nichts zu sagen über die Barbarei der Apartheid, die innerhalb des »Labor Italien« gegen die Minderheit angewandt wird, die ihre Impfverpflichtungen und ihren Green Pass, beides notwendig zum Leben, verweigert. Oder wenn sie etwas zu sagen haben, dann die volle Rechtfertigung solcher Maßnahmen.

Diese schlaffe westliche pazifistische Menschheit muss bereit sein, sich den harten Notwendigkeiten des Krieges zuzuwenden. Sie muss unter die Fittiche des Staates gestellt werden, wie es bei der Kampagne »Krieg gegen Covid« der Fall war. Sie darf nicht aus dem imperialistischen Krieg desertieren, so wie sie im »Krieg gegen Covid« nicht desertiert ist, indem sie sich massenhaft, aus Überzeugung, durch Trägheit oder per Gesetz, der höchst sozialen und patriotischen Pflicht unterwarf Versuchskaninchen zu sein. Versuchskaninchen, Fleisch zur Ausbeutung und schließlich für Kanonen!

Der Alpenjäger und NATO‐​General Francesco Figliuolo, der nun an die rumänische Front des antirussischen Krieges geschickt wurde, begibt sich von einem Notfall zum nächsten. Wir haben jedoch den Eindruck, dass sich hinter dieser beispiellosen Kampagne antirussischer Hysterie die Panik verbirgt, die durch das bewaffnete Vorgehen Moskaus in den Kreisen der westlichen Bourgeoisie und kaskadenartig in weiten Teilen einer auf die Härte von Kampf und Krieg unvorbereiteten Gesellschaft ausgebrochen ist. Es handelt sich nicht um einen Test der Geschlossenheit, sondern der Schwäche, die sich in Kürze zeigen wird, wenn die ersten konkreten Auswirkungen der von Putin ausgelösten Erschütterungen auf die Gesellschaft spürbar werden.

Nach der antirussischen Angeberei (bewaffnen wir uns … und reisen ab [ital. Redewendung bedeutend: wir labern und jemand anderes trägt die Risiken/​Anm. d. Übers.]) wird es, wenn überhaupt, und darüber hinaus Probleme und Gründe für weitere soziale Spaltung durch die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen geben, die übrigens massenhaft nicht geimpft sind. Und es würde uns nicht überraschen, wenn dieser »Status des legitimen Ungeimpftseins« für die Flüchtlingsmassen akzeptiert würde, während der rebellischen italienischen Minderheit weiterhin Impfverpflichtungen auferlegt und Pässe zum Leben erteilt werden. Das ist der Grad der Zombifizierung, vor allem der sogenannten »Linken«, der im Labor Italien erreicht wurde.

Eine ganz andere Geschlossenheit scheint uns (zum Glück) in ihrer entscheidenden Masse das Volk der heiligen Mutter Russlands zu zeigen (dessen massenhafter Widerstand unter anderem die Versuche vereitelt hat, in Russland Impfvorschriften und das damit verbundene Kontrollsystem russischer QR‐​Code einzuführen, das subtil, ohne sich persönlich zu exponieren, sogar Putin – wie die westlichen Partner – einzuführen versuchte. Der bürgerliche Putin, dessen Komplizenschaft (Komplizenschaft und nicht Zweideutigkeit) mit der Terrorkampagne unter dem Deckmantel des Kampfes gegen die Krankheit Covid‐​19 offen angeprangert werden sollte. Und das prangern wir aus einer Position an, die den liberalen Schurken wie Nawalny und seinen Mitstreitern, die die Öffnung des russischen Marktes für westliche Impfstoffe forderten, diametral entgegengesetzt ist).[1] Die Volksmassen, die den Druck des westlichen Imperialismus, dass Putin nicht als »Propagandamotiv« agitiert, zu Recht als eine drohende und tödliche Gefahr wahrnehmen. Er erfindet es nicht als »Motiv für eine massive Ablenkung … von den wirklichen Problemen«. Es ist vielmehr sozusagen das eigentliche Problem der Probleme. Schließlich konnte das russische Volk in den schrecklichen 1990er Jahren nach dem Zusammenbruch der UdSSR am eigenen Leib erfahren, worum es geht.

In beiden Reden von echter historischer Tiefe (vom 21. und 24. Februar), in denen Putin den Sinn des ernsten und heiklen Moments ankündigte und erläuterte, indem er die Bevölkerung auf die harten Aufgaben der unausweichlich eingetretenen Zeit vorbereitete, legte er die Frage mit realistischer Klarheit auf den Tisch, die sich wie folgt zusammenfassen lässt:

Wir müssen in und für Kiew kämpfen, sonst kämpfen wir zu Hause, Straße für Straße in Moskau und St. Petersburg. Wir kämpfen auf ukrainischem Boden, um die Zersplitterung des russischen Staates zu verhindern (und umgekehrt: die Zersplitterung der so genannten »freien Welt«, wenn Moskau in der Lage ist, den enormen Auswirkungen standzuhalten, vor allem in Form von wirtschaftlichen/​finanziellen Kriegsmanövern, noch vor militärischen Manövern).

Hier sind einige Passagen aus der Rede vom 24. Februar:

Die Kriegsmaschinerie ist in Bewegung und, ich wiederhole, sie nähert sich unseren heimischen Grenzen […] Alles, was den Hegemon nicht zufrieden stellt, wird für archaisch, veraltet und unnötig erklärt. Und umgekehrt: Alles, was ihnen vorteilhaft erscheint, wird als die ultimative Wahrheit dargestellt und mit allen Mitteln rüde durchgesetzt. Die Dissidenten sind auf den Knien gebrochen […] Was ich jetzt sage, betrifft nicht nur Russland und nicht nur uns, es betrifft das gesamte System der internationalen Beziehungen […].

Mit einem unbestreitbaren Beweis historischer Energie und Kühnheit, die der feige und gebrochene Westen an Körper und Geist nicht besitzt, warnte der russische Präsident das »Reich der Lügen«, d. h. »den so genannten westlichen Block, der von den USA nach seinem eigenen Bild und Gleichnis gebildet wurde«, eindringlich davor, dass der Fehler (»dem Aggressor am Vorabend des Großen Krieges zu gefallen«), den Stalin am Vorabend des zweiten imperialistischen Weltschlachtens begangen hatte, diesmal nicht wiederholt wird.

Russland wird nicht noch einmal den Fehler Stalins begehen, eines anderen großen Führers des heiligen Mütterchen Russlands, mit dem sich der bürgerliche Putin unter dem gemeinsamen Gesichtspunkt der patriotischen Interessen identifizieren kann, auch wenn er ihm »den Fehler« vorwirft, den er zur Zeit des Massakers des Zweiten Weltkriegs begangen hat, das sie beide den »Großen Vaterländischen Krieg« nannten.

Wir können nicht umhin, darauf zu reagieren, indem wir von der »historischen Ebene« sofort zur dramatischen Aktualität übergehen:

Was der Patriot Stalin (von September 1939 bis Juni 1941) getan hat, war kein »Fehler der Berechnung und Gefälligkeit gegenüber dem Aggressor«. Es war ein Verbrechen gegen die Interessen des internationalen Proletariats, ein Verbrechen, das durch das folgende Kriegsbündnis mit dem westlichen und demokratischen Imperialismus wiederholt wurde.

Es ist dasselbe Ungeheuer, mit dem das so genannte »sozialistische« Russland nach dem Zweiten Weltkrieg zu kämpfen hatte und mit dem das gegenwärtige heilige Mütterchen Russland heute auf dramatische Weise zu kämpfen hat. Natürlich sprechen wir vom Standpunkt der Interessen des internationalen Proletariats und seiner Revolution, die im Gegensatz zu denen der russischen nationalen Bourgeoisie stehen, deren politisches Oberhaupt Putin ist, die sich aber in der gegenwärtigen historischen Konstellation mit denen des russischen Staates überschneiden können und dies auch tun.

In der Tat zögern wir nicht zu sagen, dass eine Niederlage Moskaus in der laufenden Militäroperation in der Ukraine, oder ihre Blockierung, den Weg zur Zerschlagung der gegenwärtigen Russischen Föderation (und der damit verbundenen Manipulation ihrer Ressourcen) öffnen würde und aus unserer Sicht, d. h. für die Entwicklung des revolutionären Prozesses und die Interessen des internationalen Proletariats, das schlechteste Ergebnis wäre. Für uns spielt es keine Rolle, ob das westliche imperialistische und demokratische Ungeheuer oder die russische Konzentration der kapitalistischen Kräfte im aktuellen Kampf der kapitalistischen Machtlager die Oberhand gewinnt. Deshalb haben wir vor Beginn der Feindseligkeiten unsere klare Position aus einer politischen Position heraus erklärt, die unabhängig von jedem Staatsapparat ist und immer bleiben wird:

Für die Niederlage des westlichen Imperialismus! Dem »freien und demokratischen« Westen soll die Straße versperrt werden und er soll sich in seinen Widersprüchen winden wie eine umschlungene Viper!

Bedeutet diese objektive »Schnittstelle« zwischen den staatlichen Kriegsplänen und dem beginnenden zivilen, globalen und revolutionären Krieg, dass wir revolutionären und internationalistischen Kommunisten auch nur für einen Moment auf einem Schauplatz des globalen Kampfes zu Anhängern eines »gemeinsamen patriotischen Interesses« für die Rettung des heiligen Mütterchen Russlands werden oder uns als solche tarnen? Werden wir »widerständige Partisanen«, Teil einer »nationalen Front« zusammen mit den antiglobalistischen bürgerlichen Strömungen?

Nie im Leben, nicht für einen Moment und nirgends.

Wir gehen von der Anerkennung des »Problems der Probleme« aus, das von dem bürgerlichen Führer Putin auf den Tisch gelegt wurde. Die überwältigende Macht und Arroganz des westlichen Imperialismus. Dies ist zweifellos eine Tatsache, wie wir gesagt haben, und wie vor allem die russischen Massen festgestellt haben. Aber wir könnten sagen, und das tun wir auch: Erkennen diejenigen, die in vielen russischen Städten und in vielen anderen Ländern auf die Straße gehen, motiviert durch ein aufrichtiges menschliches Gefühl für den Frieden und ein aufrichtiges menschliches Bedürfnis nach Frieden, das Problem – oder geben sie vor es nicht zu erkennen?

Die Frage ist also: Wie kann man der imperialistischen Bestie entgegentreten? Im Namen welcher Interessen und welcher Aussicht auf Befreiung sollten wir den Kampf aufnehmen, den notwendigen Krieg führen, um diese monströse Konzentration kapitalistischer Macht zu zerschlagen, die uns nirgendwo auf dieser Welt »in Ruhe lässt«?

Putin und die »bürgerlich‐​patriotischen« Strömungen des heiligen Mütterchen Russlands, d. h. der russischen kapitalistischen Maschinerie, wollen und können den notwendigen totalen Krieg gegen das imperialistische Herrschaftssystem nicht herbeiführen, weil sie ein integraler Bestandteil des Netzwerks des Weltkapitalismus sind. Sie wollen sie nicht zerstören, sondern »gleichberechtigt« an der weltweiten Machtverteilung teilhaben. Sie streben nach nichts anderem als danach, von ihren Klassenpartnern »in der guten Gesellschaft« der oberen Kreise der Weltbourgeoisie akzeptiert zu werden. Sie behaupten sozusagen, den »Imperialismus reformieren« zu wollen. Oberste Lüge!

Leeres Geschwätz? Ganz und gar nicht.

Am Tag des Beginns der Operationen, am Donnerstag, dem 24. Februar, hielt es der bürgerliche Putin für seine Pflicht, nicht zur internen »fünften Kolonne« zu sprechen, sondern zu der gesellschaftlichen Kraft, die das heilige Mütterchen Russland trägt, d. h. zum russischen Kapitalismus. Genau mit diesen Worten »beruhigte« er die Männer des Russischen Industrieverbands:

Russland ist ein integraler Bestandteil der Weltwirtschaft, und wir haben gewiss nicht die Absicht, dieses System zu beschädigen. Ich glaube nicht, dass es unseren Partnern passt (Anm. d. Red.: unseren Partnern!), uns aus diesem System herauszudrängen. Ich weiß, dass wir im Moment Berechenbarkeit brauchen, aber wir müssen auch ständig in Kontakt bleiben und auf Risiken und Gefahren reagieren.

Wir hegen einige Zweifel daran, dass die russischen Industriellen, dass die russische Bourgeoisie – die, wie wir wiederholen, keine »fünfte Kolonne« des Feindes sind … Partner sind – trotz ihrer aufrichtigen Verbundenheit mit dem heiligen Mütterchen ein Interesse an dem notwendigen totalen Krieg gegen den Imperialismus haben. Denn diese sozialen Kräfte leben in Klassenosmose innerhalb der globalen Kreisläufe des Kapitalismus.

Im Namen welcher Interessen der Kraft den totalen Kampf anzusagen, die in Russland oder in irgendeiner Ecke der Welt »keinen Frieden stiftet«? Mit welcher gemeinsamen Sprache sollen die Brüder der Ukraine (und Polens und …) in dem gemeinsamen Kampf, bei dem es tatsächlich um Leben oder Tod geht, angesprochen werden? Mit der Sprache der gemeinsamen historischen Zugehörigkeit zur Großen Mutter, von der die Proklamationen und Appelle »an die ukrainischen Brüder« des konterrevolutionären, zaristischen und großrussischen Generals Denikin 1919 durchdrungen waren, deren Klang beim heutigen Putin 2022 nachhallt? Oder mit der gemeinsamen Sprache Lenins und der Revolution, einer Sprache, die 1919 genauso gültig war wie in der »konkreten Gegenwart« 2022?

Sicherlich ist Putin nicht der »neue Zar«, wie es die schwachsinnige Propaganda der westlichen Schwachköpfe behauptet. Die heutige Russische Föderation ist nicht das zaristische »Völkergefängnis«, das von der bolschewistischen Revolution gesprengt wurde. Sein Appell »an die brüderlichen russischen Völker« (Weißrussen, Ukrainer und »moskowitische« Russen) hat nicht einmal das unterdrückerische Zeichen des Großrussen. Aber sie hat nicht die mitreißende und wirklich einigende Kraft der Herzen und Leidenschaften der Völker, weil sie sich hütet, das Motiv des sozialen und Klassenkampfes zu wecken. Sie kann sie auch nicht haben, da die bürgerliche Realpolitik sehr darauf achtet, dass nichts der Kontrolle des bürgerlichen Staatsapparates entgeht.

Insbesondere sollte man sich an die tragische Geschichte des Kommandeurs der Lugansker Volksmiliz, Aleksej Mozgovoy, erinnern, der versucht hatte vom Donbass aus die soziale Frage aufzuwerfen und darauf abzielte, »auf Kiew zu marschieren« und es zu befreien, indem er unter anderem an die notwendige Beseitigung der Oligarchen und Profiteure verschiedener Art appellierte, die das Land bevölkern (sogar in den separatistischen Regionen, so Kommandeur Mozgovoy!). Ein Diskurs der »nationalen und sozialen« Befreiung, der sowohl die Behörden der separatistischen Republiken selbst als auch die sehr empfindlichen Ohren Moskaus verärgerte.

Wer ihn im Mai 2015 ausgeschaltet hat, wurde nie bekannt …

Noch konkreter wird es, wenn man den Charakter der gegenwärtigen militärischen Operationen auf ukrainischem Boden betrachtet. Der bürgerliche Putin appelliert an die Kommandeure der ukrainischen Streitkräfte, die Marionetten an der Regierung zu entthronen, und verhandelt über einen Regimewechsel mit einem weniger unanständigen ukrainischen politischen Personal, das sich nicht an … westliche Partner prostituiert. Aber er appelliert nicht, auch nicht demagogisch, an die Massen, an das einfache ukrainische Volk, das von der Ausplünderung des Landes erschöpft ist, sich gegen die Banditen und Marionetten zu erheben, denen, wie er sagen könnte, die »Bruder«-Panzer zur Hilfe gekommen sind. »Helfen Sie mit« – ja! Aber die Menschen sollen an ihrem Platz bleiben. Alles muss im Rahmen des staatlichen Manövers bleiben. Gott bewahre, dass die in der Ukraine aufgeworfene Sozial‐ und Klassenfrage auf das Mutterland übertragen wird …

Wie ein scharfer Beobachter (der Serbe Marko Marjanovic, der sich mit »Krieg« auskennt und an die Zerstörung Serbiens durch die NATO erinnert, die sich von den aktuellen russischen Kriegsoperationen deutlich unterscheidet) feststellte: »Russland will, dass die Bevölkerung passiv bleibt«.

Das ist richtig: Der bürgerliche Putin und die russische Bourgeoisie wollen, dass »die Bevölkerung passiv ist«. Sowohl in der Ukraine als auch in Russland, genau das Gegenteil der »Lenin‐​Linie« von gestern und heute.

Abschließend noch ein Wort zu der bitteren Angelegenheit des ukrainischen Volkes.Die russische Invasion hat bei einem Teil der ukrainischen Männer und Frauen, von dem wir nicht wissen, ob es sich um die Mehrheit handelt, die bereits bestehende Kluft einer unnatürlichen Trennung zwischen brüderlichen Völkern vertieft. Sicherlich eines großen Teils. Der russische Gewaltakt hat diesen großen Teil, wenn nicht sogar die Mehrheit der Ukrainer um ihre nationalen Institutionen geschart, so korrupt, unanständig und undarstellbar sie auch sein mögen. Und der vernünftige Teil des ukrainischen Volkes (mit Ausnahme der Minderheit der echten »ukrainischen Nazis«, die geistig behindert sind) weiß das ganz genau, denn er ist von einem solch obszönen Machtsystem erschöpft.

Dieser gesunde Teil der ukrainischen Bevölkerung kann nicht ernsthaft behaupten, dass das materielle und moralische Elend, in das das Land gestürzt wurde und wird, »Schuld der Russen« ist, wie es systematisch von den herrschenden Cliquen und dem Nationalismus der ukrainischen zerlumpten und prostituierten Bourgeoisie verbreitet wird. Sie kann die reale Prostitution des Landes an die westlichen Paten der »freien Welt« durchaus akzeptieren und sogar »vorziehen« statt mit ihren verhassten russischen Brüdern zu leben.

Nachdem wir diese elende »Freiheit« anerkannt haben, müssen wir konsequent feststellen, dass eine der Folgen dieser »Freiheit«, das heißt der »Freiheit«, sich an den westlichen und demokratischen Imperialismus zu verpachten, darin besteht, im Zusammenstoß der großen kapitalistischen Kraftkonzentrationen zerrieben zu werden. Selbst das formal erworbene Fünkchen »Unabhängigkeit« wird zerschlagen.

Der Platz für echte Freiheit und Würde für die Menschen in der Ukraine ist ein ganz anderer. Sie kann nur in der Kommune gefunden werden, das heißt, im revolutionären Kampf gegen alle Regierungen und Mächte dieser Welt und in der Errichtung ihrer Macht. Es liegt auch im Interesse echter ukrainischer Freiheit und Würde, dass die westlichen Imperialisten von der Straße ferngehalten und möglicherweise aus dem ukrainischen Land vertrieben werden, und zwar in erster Linie in Verbindung mit ihren natürlichen Klassenbrüdern in Russland. Unter dem Banner von Lenin, für die Weltrevolution, für die Errichtung der Weltkommune. Für das Gemeinwesen [dt. im Original], das heißt für eine echte menschliche Gemeinschaft.

Anhang

Die Stalker/​Zone läutet (läutete) sicherlich die russische Glocke. Nun, was den Stand der Technik auf ukrainischem Boden angeht, ergibt sich genau das erschütternde Bild, von dem wir hier einen Ausschnitt bringen:

Können wir also sagen, dass in der Ukraine die Deindustrialisierung zu Ende geht?

Ja, aber zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs der Sowjetunion war die Ukraine die fünftbeste Wirtschaft in Europa! Jetzt gleitet sie immer weiter zu einer Agrarmacht ab, und zwar in der primitivsten Form, wo die Verarbeitung minimal ist und alles einfach ins Ausland exportiert wird. Es sei daran erinnert, dass die Länder, die hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse produzieren, nicht nur nicht reich sind, sondern auch ein erbärmliches Leben führen.

Es gab viel Ärger über das Gesetz über den Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen. Was sind die Folgen seiner Annahme?

Die ukrainischen Schwarzerdeböden waren schon immer für alle von Interesse. Ihretwegen wurden Kriege geführt, wurde Blut vergossen. Und jetzt gibt es die Möglichkeit, sie für einen Hungerlohn zu kaufen. Wir haben 20 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Jetzt haben sie einen Zielpreis von 2000 Dollar pro Hektar festgelegt. In Europa kostet ein Hektar Ackerland – und keine schwarze Erde! – 50.000 €. Das bedeutet, dass die Ukraine mindestens eine Billion Dollar für ihr Land bekommen könnte, aber stattdessen nur 40 Milliarden erhält. Das ist einfach ein lächerlicher Betrag, der verbraucht werden wird. Es würde den Behörden höchstens erlauben, die Situation für 2 – 3 Jahre etwas zu stabilisieren. Aber Ukraine wird nicht mehr den Ukrainern gehören.

Und wer kauft dieses Land?

Sie werden im Sommer damit beginnen, es zu kaufen. Das heißt, das Gesetz ist verabschiedet worden und das Verfassungsgericht, das dieses Gesetz hätte kippen können, es aber verfassungswidrig verabschiedet hat, ist aufgelöst worden. Infolgedessen wird die Ukraine einfach auseinandergerissen und die Menschen werden schließlich in die Sklaverei fallen.

Und was wird mit der Ukraine geschehen, wenn die Amerikaner und Europäer dorthin kommen?

Um zu verstehen, was passieren wird, sollten wir uns ansehen, was jetzt ist. In der Ukraine gibt es seit langem keine Volkszählung mehr, aber es ist möglich, die Bevölkerung mit indirekten Methoden zu schätzen, und zwar über den Brotverbrauch. Einerseits steigt der Brotkonsum, je niedriger der Lebensstandard ist (und er sinkt weiter). Die Menschen ersetzen Fleisch und andere teurere Produkte durch Brot. Andererseits gibt es immer noch eine Grenze für die Menge an Brot, die ein Mensch essen kann. Und wenn man diesen Indikator zugrunde legt, beträgt die Bevölkerung der Ukraine heute etwa 20 – 25 Millionen (1991 waren es 52 Millionen).

Wenn alles so läuft, wie von den Amerikanern und Europäern geplant, wird die Bevölkerung der Ukraine weiter reduziert werden. Sie brauchen nicht viele Menschen, um das Ackerland zu bewirtschaften. Die Alten werden sterben, die Jungen werden gehen. Neben dem Kampf gegen die Korruption fand der Maidan übrigens auch unter dem Motto der Reisefreiheit nach Europa statt. Letztendlich erhielten sie aber keine kostenlose, sondern eine vereinfachte Ausreise, das heißt die Menschen reisen mit einem Touristenvisum oder ohne Visum aus und arbeiten illegal im Ausland.

Aus: »Oleg Tsarev – Seven Years After Maidan«, in: Stalker/​Zone, 19. Februar 2021, https://​www​.stalkerzone​.org/​o​l​e​g​-​t​s​a​r​e​v​-​s​e​v​e​n​-​y​e​a​r​s​-​a​f​t​e​r​-​m​a​i​d​an/

Verweise

[1] Zum Umgang Russlands mit dem Covid 19‐​Problem siehe u.a. die zeitnahen und gut dokumentierten Berichte von Edward Slavsquat. AKA Riley Waggaman, ein im russischen Exil lebender US‐​Bürger, eine wahrhaft ehrliche und freie Stimme. Frei von Zensur und »patriotischer« Selbstzensur, im Gegensatz zu der allgemeinen Verlegenheit und Zurückhaltung praktisch aller patriotischen Gefolgsleute des heiligen Mütterchens Russland. So erzählt (und dokumentiert) er beispielsweise, wie die russische Regierung, wie auch die westliche, die »Nebenwirkungen« des Impfstoffs Sputnik V, des »weltweit ersten registrierten Impfstoffs gegen Corona«, mit dem sich die russische Propaganda im August 2020 brüstete, verschleiert …

Nachbemerkung: Dieser Text wurde im Original am 8. März 2022 vom Nucleo Comunista Internazionalista verfasst und hier in Übersetzung veröffentlicht. Veröffentlicht hier und hier. Die Redaktion der MagMa korrigierte die Angabe über Aleksey Mozgovoy, der nicht Kommandeur der Donezker Einheiten war, wie im Original angegeben, sondern der der Lugansker Volksrepublik.

Bild: »Steppenbrand« von Taras Schewtschenko, Aquarell, 1848.

2 thoughts on “Über den Krieg auf ukrainischem Boden

  1. Einiger Unsinn im Artikel.
    Mit dem Nichtangriffsvertrag erreichte es Stalin die imperialistischen Staaten zu spalten und einige auf seine Seite zu ziehen. Gleichzeitig vermied er für die Sowjetunion einen Zweifrontenkrieg, die japanischen Imperialisten konnten nämlich in einer großen für Japan verlustreichen Schlacht geschlagen werden. Ebenso war Japan über den Nichtangriffsvertrag deshalb verärgert und griff nach dieser Niederlage die Sowjetunion nicht mehr an, trotz Hoffnungen von Nazideutschland.
    Außerdem verschob Stalin damit die Grenzen auf die des Versailler Vertrags und machte die Annexionen des polnischen Angriffskriegs damit rückgängig. Nazideutschland hatte es dadurch hunderte km weiter bis Moskau/​Leningrad.
    Also bitte erst mal über Stalin informieren und nicht trotzkistischen, antikommunistischen Müll wiederholen.

    1. Hallo Helmut.

      Das ist eben die Ansicht der italienischen Genossen in der linkskommunistischen Tradition. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinungen des Autors wieder. Es veröffentlichen hier, Trotzkisten, Stalinisten, Maoisten, Bordigisten, Anarchisten usw. – da ist die Redaktionslinie nicht strikt – bzw. strikt strömungsübergreifend. Gerne veröffentlichen wir Erwiderungen usw. und natürlich auch Texte die das Anti‐​Stalin‐​Paradigma demaskieren und aufarbeiten. Sehr gerne gar. Also nur zu.

      Rote Grüße

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