Im Bündnis mit der Sowjetunion (1949 – 60) – Artikelserie zu China Teil VII

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Dies ist der sieb­te Teil einer umfas­sen­den auf meh­re­re Tei­le ange­leg­ten Arti­kel­se­rie von Jan Mül­ler über Chi­na. Beinhal­ten wird die Serie fol­gen­de Teile:

  1. Das alte Chi­na (plus Einleitung)
  2. Die Ent­ste­hung des Kapi­ta­lis­mus in Chi­na und die Ers­te Chi­ne­si­sche Revolution
  3. Die Zwei­te Chi­ne­si­sche Revo­lu­ti­on (1925 – 27)
  4. Die KPCh wird Gue­ril­la­be­we­gung (1928 – 1945)
  5. Der Chi­ne­si­sche Bür­ger­krieg und die Drit­te Chi­ne­si­sche Revo­lu­ti­on (1945 – 49)
  6. Von der »neu­de­mo­kra­ti­schen« zur sozia­lis­ti­schen Revolution
  7. Im Bünd­nis mit der Sowjet­uni­on (1949 – 60)
  8. Gro­ßer Sprung nach vor­ne, Bruch mit der Sowjet­uni­on und Kul­tur­re­vo­lu­ti­on: Der Hoch­mao­is­mus (1958 – 69)
  9. Umkehr der Alli­an­zen und Drei-Wel­ten-Theo­rie: Der Spät­mao­is­mus (1969 – 78)
  10. Ers­te Etap­pe der Wirt­schafts­re­for­men und Putsch­ver­such (1978 – 89)
  11. Chi­na im Zeit­al­ter des Neo­li­be­ra­lis­mus (1989 – 2008)
  12. Klei­ner Wohl­stand und neue Sei­den­stra­ße (ab 2008)
  13. Chi­na und Corona
  14. Chi­na und der Ukrainekrieg
  15. Schluss­fol­ge­run­gen über den Cha­rak­ter Chinas

Die Arti­kel­se­rie als Bro­schü­re mit wei­te­ren Anhän­gen, Lite­ra­tur­ver­zeich­nis und wei­ter­füh­ren­der Lite­ra­tur kann man unter fol­gen­dem Link her­un­ter­la­den: Chi­na: Ein lan­ger Weg – wohin?

Im Bündnis mit der Sowjetunion (1949 – 60)

Die wich­tigs­te Auf­ga­be für die KPCh nach dem Sieg von 1949 war die Wie­der­her­stel­lung der Wirt­schaft und die sozia­lis­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung des Lan­des. Nur so konn­te lang­fris­tig die drü­cken­de Armut der Bevöl­ke­rung besei­tigt werden.

Die Wie­der­her­stel­lung der Wirt­schafts­kreis­läu­fe gelang bereits in den ers­ten Jah­ren nach der Revo­lu­ti­on. Eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung hier­für war die Ent­eig­nung der Betrie­be des aus­län­di­schen Impe­ria­lis­ten und der Komp­ra­do­ren-Kapi­ta­lis­ten.[1]

Aller­dings ver­füg­te der pri­vat­ka­pi­ta­lis­ti­sche Sek­tor noch über ver­hält­nis­mä­ßig star­ke Posi­tio­nen. Er erzeug­te etwa ein Drit­tel der Indus­trie­pro­duk­ti­on. Die pri­va­te Indus­trie – haupt­säch­lich Leicht- und Lebens­mit­tel­in­dus­trie – erreich­te ihren höchs­ten Stand im Jahr 1953. Zu ihr gehör­ten mehr als 150.000 im Wesent­li­chen klei­ne Betrie­be, in denen 2,2 Mil­lio­nen Arbei­ter und Ange­stell­te beschäf­tigt waren. Zen­tren der Pri­vat­in­dus­trie waren mit 43% der Pro­duk­ti­on Shang­hai und mit 8% Tian­jin.[2]

Es kam zur Schaf­fung neu­er Arbeits­be­zie­hun­gen auch in pri­vat­ka­pi­ta­lis­ti­schen Betrie­ben. Die Kapi­ta­lis­ten ver­lo­ren das Recht, Arbei­ter ein­zu­stel­len und zu ent­las­sen. Das Betriebs­ge­heim­nis wur­de auf­ge­ho­ben.[3]

Zudem wur­de jetzt – soweit es noch nicht gesche­hen war – eine gro­ße Land­re­form durch­ge­führt und die Grund­her­ren im gan­zen Land ent­eig­net. Die Pacht­zah­lun­gen wur­den abge­schafft. Es ent­stan­den zahl­rei­che mit­tel­gro­ße Bau­ern­wirt­schaf­ten.[4] Die­se wur­den ermu­tigt, den Grup­pen der gegen­sei­ti­gen Bau­ern­hil­fe bei­zu­tre­ten. Im Jahr 1954 gehör­ten ihnen bereits 60% aller Bau­ern­wirt­schaf­ten an.[5] Im länd­li­chen Bereich wur­den groß­an­ge­leg­te Was­ser­bau­ar­bei­ten durch­ge­führt, die die vor­he­ri­gen Regie­run­gen völ­lig ver­nach­läs­sigt hat­ten. Die­se Arbei­ten gescha­hen mit sehr ein­fa­chen mate­ri­el­len Mit­teln.[6]

Bereits 1949 wur­de mit dem Ren­min­bi (»Volks­wäh­rung«, Ein­hei­ten Yuan, Jiao und Fen) eine neue Wäh­rung ein­ge­führt. 1950 konn­te die kriegs­be­ding­te Infla­ti­on gestoppt und die Spe­ku­la­ti­on sehr stark zurück­ge­drängt wer­den. Dies geschah vor allem durch Grün­dung von staat­li­chen Kauf- und Ver­kaufs­ge­sell­schaf­ten für Getrei­de, Baum­wol­le und eini­ge ande­re Güter. Damit erlang­te der Staat eine star­ke Stel­lung im Bereich des Groß­han­dels. Aller­dings hat­te das Pri­vat­ka­pi­tal noch Bas­tio­nen im Ein­zel­han­del.[7]

Der Eisen­bahn­ver­kehr wur­de wie­der auf­ge­nom­men und es wur­den drei neue Stre­cken gebaut. Geteer­te Land­stra­ßen wur­den wie­der­her­ge­stellt. Fluss­schiff­fahrt und Luft­fahrt wur­den eben­falls wie­der auf­ge­nom­men.[8]

Die USA ver­häng­ten im Zusam­men­hang mit dem Korea­krieg ein tota­les Wirt­schafts­em­bar­go über die VR Chi­na. Alle chi­ne­si­schen Kon­ten in den USA wur­den ein­ge­fro­ren. Schif­fe durf­ten chi­ne­si­sche Häfen nicht mehr anlau­fen und wur­den gege­be­nen­falls auf offe­ner See von US-Kriegs­schif­fen aufgebracht.

Ein Han­del mit kapi­ta­lis­ti­schen Län­dern war jedoch über Hong Kong wei­ter­hin mög­lich, da Groß­bri­tan­ni­en die US-Linie eines Tota­lem­bar­gos nicht mitmachte.

Trotz­dem ver­la­ger­te sich der Han­del auf die Sowjet­uni­on und die ande­ren sozia­lis­ti­schen Län­der. Die­se waren 1950 nur für 25,9% des Han­dels ver­ant­wort­lich, aber 1951 bereits für 61,9%.[9]

Die USA ver­hin­der­ten auch, dass die VR Chi­na ihren Sitz im UN-Sicher­heits­rat ein­neh­men konn­te. Die­ser Sitz wur­de bis 1972 von der US-Mario­net­te Tai­wan okku­piert. Über­haupt erkann­ten die USA die VR Chi­na nicht als Staat an und gin­gen von der Fik­ti­on aus, dass Tai­wan, die »Repu­blik Chi­na«, für ganz Chi­na spre­chen würde.

Zeit­gleich mit der Wie­der­her­stel­lung der Wirt­schaft kam es in Chi­na nach mehr als 40 Jah­ren unun­ter­bro­che­ner Krie­ge und Revo­lu­tio­nen zu einem beträcht­li­chen zivi­li­sa­to­ri­schen Auf­schwung und sozia­len Verbesserungen.

In den Jah­ren 1953 und 54 fan­den zum ers­ten Mal in der Geschich­te des Lan­des über­haupt all­ge­mei­ne Wah­len zu demo­kra­ti­schen Macht­or­ga­nen – den Volks­kon­gres­sen – statt. Es gab ein mehr­stu­fi­ges Wahl­sys­tem und zusam­men mit den Wah­len wur­de der Ent­wurf der Ver­fas­sung der VR Chi­na im gan­zen Volk diskutiert.

Am 15. Sep­tem­ber 1954 ver­sam­mel­te sich in Peking der Natio­na­le Volks­kon­gress der VR Chi­na zu sei­ner ers­ten Sit­zung. Er nahm die Ver­fas­sung an und ver­ab­schie­de­te eine Rei­he von Geset­zen zu den wich­tigs­ten Fra­gen des Staats­auf­bau­es. Die­se Ver­fas­sung war im Kern eine sozia­lis­ti­sche.[10] Es wur­den erst­mals die sozia­len und öko­no­mi­schen Rech­te der Bür­ger sowie ihre poli­ti­schen Frei­hei­ten pro­kla­miert. Die Frau­en erlang­ten völ­li­ge Gleich­be­rech­ti­gung.[11]

Mao Tse-tung wur­de zum Vor­sit­zen­den der VR Chi­na und Zhou Enlai zum Minis­ter­prä­si­den­ten gewählt.

In den 50er Jah­ren wur­den vie­le der in der Ver­fas­sung ent­hal­te­nen Fest­le­gun­gen ver­wirk­licht. So wur­den unter ande­rem Ent­wür­fe für grund­le­gen­de Geset­zes­wer­ke wie das Straf­ge­setz­buch und die Straf­pro­zess­ord­nung dis­ku­tiert. Sol­che all­ge­mein gül­ti­gen Geset­ze gab es in Chi­na bis­her nicht. Nach dem Beginn des Gro­ßen Sprun­ges nach vor­ne wur­den die­se Arbei­ten jedoch abgebrochen.

Die Arbeits­lo­sig­keit konn­te fast voll­stän­dig besei­tigt wer­den. Der Staat ver­aus­gab­te beträcht­li­che Mit­tel – mehr als 10 Mil­li­ar­den Yuan – für Arbeits­ver­si­che­rung, medi­zi­ni­sche Betreu­ung und Maß­nah­men auf dem Gebiet von Kul­tur und Bildung.

Für Arbei­ter und Ange­stell­te wur­den Woh­nun­gen mit zusam­men mehr als 94 Mil­lio­nen Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che gebaut.[12] Die alten Slums wur­den besei­tigt. Die VR Chi­na ori­en­tier­te sich hier­bei an den Prin­zi­pi­en des sozia­lis­ti­schen Städ­te­baus, wie sie in der Sowjet­uni­on und der DDR aus­ge­ar­bei­tet wor­den waren.

Erst­mals in der Geschich­te Chi­nas ent­stan­den jetzt Kin­der­gär­ten und Kin­der­krip­pen. Gro­ße Anstren­gun­gen wur­den zur Besei­ti­gung des Analpha­be­tis­mus unter­nom­men. Die Gesamt­zahl der Schü­ler wuchs inner­halb eines Jah­res um 28,4%, die Zahl der Stu­den­ten an Hoch­schu­len um 110,4% und die Zahl der Schü­ler an mitt­le­ren Lehr­an­stal­ten um 91,1%.[13] Von 1953 bis 1955 ver­lie­ßen 130.000 Absol­ven­ten als Inge­nieu­re und Tech­ni­ker die Hoch- und Fach­schu­len.[14]

Krank­hei­ten wie Pest, Cho­le­ra und Pocken wur­den fast voll­stän­dig aus­ge­rot­tet. Seit Mit­te der 50er Jah­re nahm des­halb das Bevöl­ke­rungs­wachs­tum zu.[15]

Der Film- und Ver­lags­we­sen nah­men einen gro­ßen Aufschwung.

Ent­schei­dend für die wei­te­re Ent­wick­lung des Lan­des soll­te die sozia­lis­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung wer­den. Die Vor­aus­set­zun­gen hier­für waren denk­bar ungüns­tig. Denn Chi­na war ein rück­stän­di­ges Agrar­land. Mit 35 Jah­ren war die chi­ne­si­sche Lebens­er­war­tung 1949 eine der nied­rigs­ten der Welt.[16]

Die Indus­trie lie­fer­te nur etwas mehr als ein Vier­tel der Pro­duk­ti­on der Volks­wirt­schaft. Außer­or­dent­lich schwach ent­wi­ckelt war die Schwer­indus­trie, fak­tisch gab es kei­nen Maschi­nen­bau. Die rei­chen Mine­ral­vor­kom­men waren unge­nutzt. Es man­gel­te an tech­ni­schen Kadern und qua­li­fi­zier­ten Arbei­tern. Es fehl­ten zudem finan­zi­el­le Mit­tel zur Ver­wirk­li­chung des Indus­tria­li­sie­rungs­pro­gramms. Zusätz­li­che Schwie­rig­kei­ten erwuch­sen aus dem hohen Anteil des Pri­vat­ei­gen­tums an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln.[17]

Auf dem Dor­fe herrsch­ten klei­ne Bau­ern­wirt­schaf­ten, die mit mit­tel­al­ter­li­cher Tech­nik und in Hand­ar­beit pro­du­zier­ten und die außer­stan­de waren, die stän­dig wach­sen­de städ­ti­sche Indus­trie mit Lebens­mit­teln und die Indus­trie mit Roh­stof­fen zu versorgen.

Die Lösung all die­ser gra­vie­ren­den Pro­ble­me erfor­der­te nach der For­mu­lie­rung des Lehr­buchs der neue­ren chi­ne­si­schen Geschichte:

[…] eine ent­schlos­se­ne, aber zugleich vor­sich­ti­ge, all­sei­tig durch­dach­te und weit­sich­ti­ge Poli­tik. Der revo­lu­tio­nä­re Enthu­si­as­mus muss­te mobi­li­siert, alle mate­ri­el­len Res­sour­cen des Lan­des erschlos­sen und die Zusam­men­ar­beit mit den sozia­lis­ti­schen Län­dern gefes­tigt wer­den.[18]

Der ers­te Fünf­jahr­plan war ein wich­ti­ger Schritt in die­se Rich­tung. Er umfass­te die Jah­re 1953 – 57. Mit der Arbeit an sei­nem Ent­wurf wur­de bereits 1951 begon­nen, sie wur­den aber erst 1955 abge­schlos­sen. Der Natio­na­le Volks­kon­gress nahm den Plan des­halb erst am 30. Juli 1955 an und ver­lieh ihm Geset­zes­kraft. Die wich­tigs­ten Auf­ga­ben des Pla­nes waren die Schaf­fung der Aus­gangs­ba­sis für die sozia­lis­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung des Lan­des, die sozia­lis­ti­sche Umge­stal­tung der Land­wirt­schaft und des Hand­werks. Es soll­ten auch Grund­la­gen für eine voll­stän­di­ge Ver­staat­li­chung der Indus­trie geschaf­fen wer­den.[19]

Der ers­te Fünf­jahr­plan soll­te zudem die Anfangs­etap­pe beim Auf­bau des Sozia­lis­mus sein. Der Gesamt­wert der Brut­to­pro­duk­ti­on war etwa zu verdoppeln.

Der Schwer­punkt lag bei Ent­wick­lung bzw. dem Neu­auf­bau der wich­tigs­ten Zwei­ge der Schwer­indus­trie – der Metall­ur­gie, der Ener­gie­wirt­schaft und dem Maschi­nen­bau – sowie der Ent­wick­lung des Trans­port­we­sens und der geo­lo­gi­schen Erkun­dung der Bodenschätze.

Es war der Auf­bau von 694 grö­ße­ren Indus­trie­ob­jek­ten geplant, von denen 156 mit Hil­fe der Sowjet­uni­on geschaf­fen bzw. rekon­stru­iert wer­den soll­ten. Dar­un­ter befan­den sich die metall­ur­gi­schen Kom­bi­na­te in Anshan, Bao­tou und Wuhan, das Auto­werk in Chang­chun und das Trak­to­ren­werk in Luoyang. Die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on soll­te im ers­ten Plan­jahr­fünft um fast ein Vier­tel erhöht werden.

Kon­kret waren im ers­ten Fünf­jahr­plan fol­gen­de Auf­ga­ben vorgesehen:

  • Schwer­indus­trie: Errich­tung und Aus­bau der Elektro‑, Koh­len- und Erd­öl­in­dus­trie sowie der moder­nen Stahl‑, Bunt­me­tall- und Che­mie­in­dus­trie. Ent­wick­lung der Maschi­nen­bau­in­dus­trie zur Her­stel­lung gro­ßer Metall­be­ar­bei­tungs­ma­schi­nen, Strom­erzeu­gungs­aus­rüs­tun­gen, Metall­ver­hüt­tungs­an­la­gen, Berg­bau­an­la­gen, Kraft­fahr­zeu­ge, Trak­to­ren und Flugzeuge.
  • Leicht­in­dus­trie: Aus­bau der Tex­til- und Leicht­in­dus­trie. Errich­tung klei­ner Indus­trie­be­trie­be im Diens­te der Land­wirt­schaft in den Dör­fern. Aus­bau der Zementindustrie.
  • Zusam­men­schluss zu Land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten nie­de­rer Stu­fe bei einem Drit­tel aller bäu­er­li­chen Haus­hal­te. In den Alt­be­frei­ten Gebie­ten sol­len die Hälf­te der Bau­ern­haus­hal­te die­sen Genos­sen­schaf­ten ange­hö­ren. Ziel: tech­ni­sche Ver­bes­se­rung der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on und Pro­duk­ti­ons­stei­ge­rung. Gro­ße Auf­merk­sam­keit auf den Bau von Bewäs­se­rungs­an­la­gen und die Aufforstung.
  • Wei­ter­ent­wick­lung des Transport‑, Post- und Fern­mel­de­we­sens. Bau von Eisen­bahn­li­ni­en. Ent­wick­lung des Schiffs­trans­ports auf See- und Binnenwasserwegen.
  • Ver­staat­li­chung von Tei­len der kapi­ta­lis­ti­schen Pri­vat­be­trie­be.[20]

Die Hil­fe der Sowjet­uni­on war eine außer­or­dent­lich wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für die Ver­wirk­li­chung des ers­ten Fünf­jahr­pla­nes. Von 1953 bis 1955 wur­den zwi­schen der UdSSR und der VR Chi­na eine Rei­he bedeu­ten­der Abkom­men geschlos­sen, die wesent­lich zur Erfül­lung des ers­ten Fünf­jah­res­pla­nes bei­tru­gen. Dazu gehören:

  • Das Abkom­men über die Hil­fe bei der Erwei­te­rung vor­han­de­ner und der Errich­tung neu­er Kraft­wer­ke (März 1953)
  • Das Abkom­men über die Unter­stüt­zung beim Bau und der Rekon­struk­ti­on von 141 Indus­trie­ob­jek­ten (Mai 1953)
  • Das Abkom­men über den Bau von 15 wei­te­ren Indus­trie­be­trie­ben und die Lie­fe­rung von Aus­rüs­tun­gen für 141 Betrie­be (Okto­ber 1953)
  • Das Abkom­men über wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Zusam­men­ar­beit und Hil­fe bei der Ent­wick­lung der For­schungs­ar­beit auf dem Gebiet der Kern­phy­sik und der Nut­zung der Kern­ener­gie zu fried­li­chen Zwe­cken (April 1955)[21]

Die Sowjet­uni­on gewähr­te der VR Chi­na zahl­rei­che Kre­di­te, dar­un­ter einen gro­ßen Kre­dit in Höhe von 1,406 Mil­li­ar­den Rubel, sowie wei­te­re Kre­di­te unter ande­rem zum Kauf von sowje­ti­schen mili­tä­ri­schen Aus­rüs­tun­gen und Mate­ria­li­en.[22]

Die Sowjet­uni­on lie­fer­te Chi­na zudem kom­ple­xe Indus­trie­aus­rüs­tun­gen und Trans­port­mit­tel in gro­ßem Umfang, über­gab kos­ten­lo­se pro­jekt­tech­ni­sche und tech­no­lo­gi­sche Doku­men­ta­tio­nen, wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Lite­ra­tur, Unter­la­gen zur Stan­dar­di­sie­rung und Nach­schla­ge­ma­te­ria­li­en.[23]

Bis 1967 woll­te die Sowjet­uni­on mehr als 340 indus­tri­el­le Groß­pro­jek­te in Chi­na errich­ten. Hier­für waren ent­spre­chen­de Kre­di­te und Zuschüs­se bereits eingeplant.

Mehr als 10.000 chi­ne­si­sche Stu­den­ten wur­den in der Sowjet­uni­on, der DDR und der ČSSR aus­ge­bil­det. Außer­dem wur­den Stu­den­ten, Inge­nieu­re und Tech­ni­ker zu prak­ti­schen Stu­di­en für kür­ze­re Zeit­räu­me in sowje­ti­sche und ost­eu­ro­päi­sche Betrie­be dele­giert. In Chi­na arbei­te­ten mehr als 12.000 hoch­qua­li­fi­zier­te sowje­ti­sche Spe­zia­lis­ten.[24]

1953 wur­den 2,8 Mil­li­ar­den Yuan, 1954 3,6 Mil­li­ar­den und 1955 4,2 Mil­li­ar­den Yuan in die Indus­trie – haupt­säch­lich in der Schwer­indus­trie – inves­tiert.[25]

In Nord­ost­chi­na ent­stand in der Pro­vinz Liao­ning um die Städ­te Shen­yang und Anshan ein chi­ne­si­sches Ruhr­ge­biet. Von den 694 neu­en gro­ßen Indus­trie­un­ter­neh­men wur­den 222 in die­ser Regi­on loka­li­siert. Hier kon­zen­trie­ren sich Koh­le­ze­chen aber auch der Eisen­erz­ab­bau. Noch 1954 betrug der Anteil der Pro­vinz Liao­ning an der gesam­ten Roh­ei­sen­pro­duk­ti­on 60%. Größ­ter Betrieb war das Stahl- und Eisen­kom­bi­nat Anshan. Hier wur­den die meis­ten Inves­ti­tio­nen getä­tigt und das Kom­bi­nat in gro­ßem Maß­stab erwei­tert. Bereits vor der Befrei­ung exis­tier­ten hier 6 Hoch­öfen, zwei Stahl­wer­ke mit 6 Bes­se­mer­bir­nen und 8 Sie­mens-Mar­tin-Öfen, 14 Walz­wer­ke, 18 Koks­bat­te­rien, Gie­ße­rei­en und che­mi­sche Fabri­ken. Die­se wur­den aller­dings durch den Krieg weit­ge­hend zer­stört. Die Wie­der­her­stel­lung Anshans war eine der Haupt­auf­ga­ben des ers­ten Fünf­jahr­pla­nes, die mit sowje­ti­scher Hil­fe gelöst wurde.

Wäh­rend des ers­ten Fünf­jahr­pla­nes wur­den in Anshan sechs auto­ma­ti­sche Hoch­öfen, 10 Koks­bat­te­rien, zwei wei­te­re Stahl­wer­ke, 8 Walz­wer­ke und sie­ben Erz­auf­be­rei­tungs- und Sin­ter­an­la­gen errich­tet. Dar­un­ter war auch ein Werk für naht­lo­se Roh­re und ein Blech­walz­werk. 1954 arbei­te­ten bereits wie­der 4 Hoch­öfen, sie erzeug­ten mehr Roh­ei­sen als die alten Hoch­öfen vor dem Krie­ge. 1958 wur­de der größ­te Hoch­ofen (Anshan Nr. 10) in Betrieb genom­men und es wur­den die bei­den größ­ten Sie­mens-Mar­tin-Öfen der Welt instal­liert, die zusam­men eine Tages­leis­tung von 2.000 bis 3.000 Ton­nen hat­ten. 1957 wur­den in Anshan 3,3 Mio. Ton­nen Eisen (von ins­ge­samt 5,9 Mio. Ton­nen) und 2,9 Mio. Ton­nen Stahl (von ins­ge­samt 5,4 Mio. Ton­nen) erzeugt.[26]

Zusätz­lich ent­stan­den mit­tel­gro­ße Eisen- und Stahl­kom­bi­na­te in den Rand­ge­bie­ten der gro­ßen chi­ne­si­schen Ebe­ne, so in Tai­yu­an, Shi­jiazhuang und in Bao­tou in der Inne­ren Mon­go­lei, zudem auch am Jang­t­se­kiang in Wuhan und Shang­hai. Koh­le und Eisen­erz wur­den in der Pro­vinz Anhui in der Nähe von Wuhan geför­dert und per Schiff über den Jang­t­se­kiang nach Schang­hai gelie­fert.[27]

Es wur­den zudem zahl­rei­che Berg­wer­ke für Bunt­me­tal­le gebaut, so das Wolf­ram-Berg­werk in Dai­jis­han, das Zinn­kom­bi­nat in Yunn­an und das Molyb­dän-Berg­werk in Yang­jiazhang. Damit wur­de die Import­ab­hän­gig­keit Chi­nas für Bunt­me­tal­le ver­rin­gert.[28]

Auch wur­de eine Indus­trie für Alu­mi­ni­um­för­de­rung, ‑ver­ar­bei­tung und ‑ver­ede­lung geschaf­fen, wel­che die mate­ri­el­le Grund­la­ge für die Flug­zeug­bau­in­dus­trie in Chi­na bil­de­te.[29]

Im Bereich der Che­mie­in­dus­trie ent­stan­den eine Dün­ge­mit­tel­fa­brik, eine Cal­ci­um­car­bid­fa­brik und ein Farb­stoff­werk in Jilin, die Stick­stoff­dün­ger­fa­brik in Tai­yu­an, die Phar­mafa­brik Huabei und ande­re Pro­jek­te. Seit­dem ist Chi­na in der Lage, che­mi­sche Pro­duk­te wie hoch­wer­ti­ge Farb­stof­fe, Indus­trie- und Flug­zeug­far­ben, Kunst­stof­fe, Anti­bio­ti­ka, Flug­zeug­rei­fen und spe­zi­el­le Gum­mi­ar­ti­kel her­zu­stel­len, die frü­her alle­samt aus dem Aus­land impor­tiert wer­den muss­ten.[30]

Die Maschi­nen­bau­in­dus­trie ist ein zen­tra­les Ele­ment des Indus­trie­sys­tems. In die­sem Bereich sind eine Rei­he wich­ti­ger Betrie­be fer­tig­ge­stellt wor­den. So wur­de die ers­te chi­ne­si­sche Auto­fa­brik in Chang­chun im Jahr 1956 ein­ge­weiht. Wei­te­re wich­ti­ge neue Fabri­ken waren die Werk­zeug­ma­schi­nen­fa­brik Nr. 1 in Shen­yang sowie das Elek­tro­röh­ren­werk in Beijing.

Eine wei­te­re Werk­zeug­ma­schi­nen­fa­brik ent­stand in Wuhan, eine Schwer­ma­schi­nen­fa­brik in Hul­an Ergi, die Berg­bau­ma­schi­nen­fa­brik und die Trak­to­ren­fa­brik in Luoyang, die Dampf­tur­bi­nen­fa­brik und die Gene­ra­to­ren­fa­brik in Har­bin, die Elek­tro­fa­brik zur Her­stel­lung von Hoch­span­nungs­por­zel­lan, Hoch­span­nungs­schal­tern, Kon­den­sa­to­ren und Iso­lier­stof­fen in Xian, die Kabel­fa­brik in Shen­yang und die Fabrik für Erd­öl­ma­schi­nen in Lanz­hou. Sie alle stan­den 1957 kurz vor der Inbe­trieb­nah­me.[31]

Am 9. Sep­tem­ber 1956 ver­ließ das ers­te chi­ne­si­sche Strahl­flug­zeug eine chi­ne­si­sche Flug­zeug­fa­brik.[32]

Die Ener­gie­wirt­schaft ist die Basis der moder­nen Indus­trie. Es wur­den wäh­rend des ers­ten Fünf­jah­res­pla­nes in Betrieb genommen:

  • Die Koh­len­gru­ben um Xilu­ti­an, Lao­hu­tai und Long­feng sowie zahl­rei­che wei­te­re Zechen.
  • Koh­le­kraft­wer­ke in Fus­hun, Hul­an Ergi, Jilin, Dali­an, Zheng­zhou und weitere.
  • Es erfolg­te zudem ein Aus­bau des Ölre­viers Yumen.

Dadurch wur­de nicht nur die Ener­gie­ver­sor­gung für die Indus­trie­ba­sen in Nord­ost­chi­na wesent­lich gestärkt, son­dern auch bes­se­re Bedin­gun­gen für den Auf­bau der neu­en Indus­trie­ba­sen in Zentral‑, Nord‑, Nordwest‑, und Süd­west­chi­na geschaf­fen.[33]

Außer­dem wur­den in der Bau­stoff­in­dus­trie, der Forst­wirt­schaft, der Leicht- und Tex­til­in­dus­trie Schlüs­sel­pro­jek­te fer­tig­ge­stellt und in Betrieb genom­men. So die Zement­fa­bri­ken in Mundanjiang und Har­bin, die Papier­fa­bri­ken in Jia­mu­si und Guang­zhou, die Lei­nen­fa­brik in Har­bin, die Baum­woll­fa­brik Nr. 2 in Shi­jiazhuang, die Baum­woll­fa­brik Nr. 3 in Zheng­zhou, das Fleisch­kom­bi­nat in Wuhan und die Zucker­fa­brik in Bao­tou.[34]

Da man damit rech­nen muss­te, dass die Impe­ria­lis­ten einen Aggres­si­ons­krieg gegen Chi­na ent­fa­chen wür­den und um die ungleich­mä­ßi­ge indus­tri­el­le Ent­wick­lung zu über­win­den, wur­den in der Peri­ode des ers­ten Fünf­jah­res­pla­nes vor allem die Indus­trie im Lan­des­in­ne­ren auf­ge­baut und rekon­stru­iert.[35]

Im ers­ten Fünf­jahr­plan lag der Schwer­punkt der Inves­ti­tio­nen noch auf dem Aus­bau der alten Indus­trie­stand­or­te vor allem im Nord­os­ten. Hier­mit soll­ten Pro­duk­ti­ons­mit­tel geschaf­fen wer­den, um in der zwei­ten Pha­se mit dem Auf­bau wei­te­rer Schwer­punk­te im Bin­nen­land vor­an­zu­schrei­ten. Die­se wie­der­um soll­ten als Tritt­stei­ne für die Errich­tung indus­tri­el­ler Betrie­be im Wes­ten, Süd­wes­ten und Nord­wes­ten des Lan­des fun­gie­ren, wobei die­se Pha­sen meh­re­re Fünf­jahr­plä­ne in Anspruch neh­men würde.

Um die Ver­wal­tung des Indus­tria­li­sie­rungs­pro­gramms zu erleich­tern, wur­de das Land in meh­re­re wirt­schaft­li­che Groß­ein­hei­ten ein­ge­teilt. Jede soll mit einem voll­stän­di­gen Indus­trie­kom­bi­nat aus­ge­stat­tet wer­den. Bei­spie­le hier­für sind die Kom­bi­na­te Lanz­hou (Inne­re Mon­go­lei, Che­mi­sche Indus­trie auf der Basis des Xin­jiang-Roh­öls, Kunst­dün­ger und syn­the­ti­schem Gum­mi) und Bao­tou (Bezirk III Nord­west, Gan­su, Eisen und Stahl).[36]

Chi­na und die Sowjet­uni­on streb­ten eine supra­na­tio­na­le Ent­wick­lung an. Es soll­te eine gigan­ti­sche, trans­kon­ti­nen­ta­le Ent­wick­lungs­ach­se ent­ste­hen. Die nach Osten vor­sto­ßen­de Wachs­tums­spit­ze der sowje­ti­schen Indus­trie soll­te in Zen­tral­asi­en Anschluss an die west­li­che Wachs­tums­spit­ze der chi­ne­si­schen Indus­trie finden.

Die­sem Ziel dien­te unter ande­rem die Trans­mon­go­li­sche Eisen­bahn, die quer durch die Mon­go­li­sche Volks­re­pu­blik führ­te und die Eisen­bahn­di­stanz Peking – Mos­kau um 1.100 Kilo­me­ter verkürzte.

Die Trans-Xin­jiang-Linie hät­te die Inte­gra­ti­on der bei­den Volks­wirt­schaf­ten noch beschleu­nigt. Sie soll­te über Urum­chi nach Alma-Ata in der Sowjet­uni­on füh­ren. Dazu kam es jedoch nach 1960 nicht mehr. Sie fiel dem sowje­tisch-chi­ne­si­schen Bruch zum Opfer.[37]

Nach der Befrei­ung ver­lo­ren der Über­see­han­del und damit Süd­chi­na ver­kehrs­mä­ßig völ­lig an Bedeu­tung. Denn die For­mo­sa­stra­ße wur­de vom Impe­ria­lis­mus blo­ckiert und konn­te nicht mehr von Küs­ten­schif­fen befah­ren wer­den.[38]

Stand­ort- und Raum­ent­wick­lung in Chi­na 1955 – 1975[39]

In den ers­ten Jah­ren des Fünf­jahr­pla­nes wur­de auch eine Offen­si­ve gegen das Pri­vat­ka­pi­tal geführt. Durch Stär­kung der staat­li­chen Hand­lungs­struk­tu­ren gelang die Ver­drän­gung des Pri­vat­ka­pi­tals aus dem Groß­han­del. Zudem kam es zur Grün­dung von Han­dels­ge­nos­sen­schaf­ten. Bei vie­len klei­nen und mitt­le­ren Betrie­ben wur­den For­men des Staats­ka­pi­ta­lis­mus ein­ge­führt. Ende 1955 war der pri­va­te Groß­han­del fast völ­lig liqui­diert und der pri­va­te Ein­zel­han­del auf 17,5% redu­ziert.[40]

Eine schwie­ri­ge Auf­ga­be für Par­tei und Staat war die Her­an­füh­rung der Bau­ern­schaft an den Sozia­lis­mus. Im Ergeb­nis der Boden­re­form waren 500 Mil­lio­nen Mit­tel­bau­ern­wirt­schaf­ten ent­stan­den. Auf­grund der pri­mi­ti­ven Tech­nik, der Hand­ar­beit und der Tat­sa­che, dass die schwach ent­wi­ckel­te Indus­trie zunächst noch kei­ne ent­schei­den­de Hil­fe leis­ten konn­te, ist die Pro­duk­ti­on in der Land­wirt­schaft nur unzu­rei­chend gewachsen.

Die Gene­ral­li­nie der KPCh ori­en­tier­te auf die schritt­wei­se sozia­lis­ti­sche Umge­stal­tung auf dem Lan­de, die inner­halb eines ver­hält­nis­mä­ßig gro­ßen Zeit­raums von 15 Jah­ren oder drei Fünf­jahr­plä­nen erfol­gen soll­te. Zunächst noch wur­de das Haupt­au­gen­merk auf die Fes­ti­gung der Grup­pen der gegen­sei­ti­gen Bau­ern­hil­fe gelegt.[41]

Eine Frak­ti­on inner­halb der KPCh um Mao Tse-tung igno­rier­te jedoch die Gene­ral­li­nie und ver­such­te ab 1955, die ent­stan­de­nen Wider­sprü­che durch Ver­ge­nos­sen­schaft­li­chung der Land­wirt­schaft auf einer rück­stän­di­gen mate­ri­el­len Basis mit­tels Zwangs­me­tho­den zu lösen. Mao hoff­te, allein durch die gro­ße Koope­ra­ti­on zu einer Pro­duk­ti­ons­stei­ge­rung auch ohne tech­ni­sche Rekon­struk­ti­on zu kom­men.[42]

Das Tem­po der Genos­sen­schafts­grün­dun­gen in der Land­wirt­schaft stei­ger­te sich des­halb im Jahr 1955 von Monat zu Monat. Ende 1956 gab es unge­fähr eine Mil­li­on Genos­sen­schaf­ten, die 96,3% aller Bau­ern­wirt­schaf­ten ver­ei­nig­ten. Davon gehör­ten 87,8% zu Genos­sen­schaf­ten höhe­ren Typs.[43]

Mao woll­te all­ge­mein einen Sprung in der Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräf­te errei­chen. Durch eine gewal­ti­ge Anstren­gung hun­der­ter Mil­lio­nen von Bau­ern wur­den 1956 mehr Bewäs­se­rungs­an­la­gen gebaut, als ihre Vor­fah­ren in zwei Jahr­tau­sen­den geschaf­fen hat­ten. Nur um die­sen Preis konn­te ein Absin­ken der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on ver­hin­dert werden.

Durch die Mobi­li­sie­rung und äußers­te Inan­spruch­nah­me der Res­sour­cen des Lan­des erreich­ten die Mao­is­ten für kur­ze Zeit auch einen Sprung in der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on. Das Ent­wick­lungs­tem­po der Indus­trie über­stieg 1956 die Kenn­zif­fern für die ers­ten drei Jah­re des Fünf­jahr­pla­nes bedeu­tend. Die indus­tri­el­le Brut­to­pro­duk­ti­on stieg 1956 um 31,1%, dar­un­ter die Pro­duk­ti­on von Pro­duk­ti­ons­mit­teln um 41,7%, der Maschi­nen­bau sogar um 90,2%. In eini­gen Bran­chen wur­den bereits 1956 die Kenn­zif­fern des ers­ten Fünf­jahr­pla­nes überschritten.

Aber die­se Anfangs­er­fol­ge konn­ten nicht gefes­tigt wer­den. Im Herbst 1956 waren die mate­ri­el­len Res­sour­cen erschöpft. Es häuf­ten sich Dis­pro­por­tio­nen in der Volks­wirt­schaft. Es gab Schwie­rig­kei­ten bei der Ver­sor­gung des Bau­we­sens und der Indus­trie mit Stahl und ande­ren not­wen­di­gen Mate­ria­li­en, mit Aus­rüs­tun­gen, Brenn­stof­fen und Elek­tro­en­er­gie. Auch der Bedarf der Bevöl­ke­rung an Nah­rungs­mit­teln und Indus­trie­wa­ren konn­te nicht voll­stän­dig befrie­digt werden.

Dies zwang die Regie­rung zu Sofort­maß­nah­men. Das Tem­po der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on wur­de bedeu­tend ver­rin­gert und die für den Invest­bau bewil­lig­ten Mit­tel gekürzt. Der Bau von Woh­nun­gen, Sana­to­ri­en, Ver­wal­tungs­ge­bäu­den und ande­ren gesell­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen wur­de ein­ge­schränkt. Der Ver­brauch von Nah­rungs­mit­teln und Waren des täg­li­chen Bedarfs wur­de ratio­niert. Der Plan sah für 1957 nur noch eine Erhö­hung der Indus­trie­pro­duk­ti­on um 4,5% gegen­über 31,1% im Jah­re 1957 vor.

Ende 1957 war die sozia­lis­ti­sche Umge­stal­tung des Dor­fes, des Hand­werks, der pri­vat­ka­pi­ta­lis­ti­schen Indus­trie und des pri­vat­ka­pi­ta­lis­ti­schen Han­dels weit­ge­hend abge­schlos­sen. Die im ers­ten Fünf­jahr­plan gesell­ten Auf­ga­ben für die Ent­wick­lung der Indus­trie waren über­erfüllt wor­den. Die Indus­trie­pro­duk­ti­on in der VR Chi­na war um 141% gestie­gen und über­traf die Plan­auf­ga­ben um 21%. Haupt­säch­lich wur­de die Schwer­indus­trie ent­wi­ckelt. 1957 wur­den in Chi­na 5,35 Mil­lio­nen Ton­nen Stahl, 5,94 Mil­lio­nen Ton­nen Roh­ei­sen, 19,3 Mil­lio­nen Kilo­watt­stun­den Elek­tro­en­er­gie 130 Mil­lio­nen Ton­nen Koh­le und 28.000 Stück span­ab­he­ben­de Werk­zeug­ma­schi­nen produziert.1957 konn­te das Land bereits 60% sei­nes Bedarfs an Maschi­nen und Aus­rüs­tun­gen aus eige­ner Kraft decken.[44]

Im Jahr 1957 gab es in der VR Chi­na 175.000 Inge­nieu­re; das war das Drei­fa­che von 1952. Auch die Arbei­ter­klas­se war zah­len­mä­ßig gewach­sen.[45]

Bei vor­ran­gi­ger Ent­wick­lung der Schwer­indus­trie ent­wi­ckel­te sich auch die Leicht­in­dus­trie. Die Pro­duk­ti­on von Kon­sum­gü­tern erhöh­te sich von 1952 bis 1957 um 89%.

Ein wich­ti­ger Fak­tor für den Erfolg des ers­ten Fünf­jahr­pla­nes war die Hil­fe der Sowjet­uni­on. Von den 156 geplan­ten gro­ßen Objek­ten waren 135 in Angriff genom­men wor­den. 68 konn­ten bereits voll­stän­dig oder teil­wei­se die Pro­duk­ti­on auf­neh­men. Die ande­ren sozia­lis­ti­schen Län­der, dar­un­ter die DDR, bau­ten wei­te­re 68 Objek­te, von denen bis 1957 bereits 27 die Pro­duk­ti­on auf­ge­nom­men hat­ten. Ins­ge­samt kam die VR Chi­na auf dem Weg der sozia­lis­ti­schen Indus­trie­ali­sie­rung beträcht­lich vor­an.[46]

Der Anteil der moder­nen Indus­trie am Brut­to­pro­duk­ti­ons­wert stieg von 26,7% 1952 auf 33,6% 1955.

Bis 1957 erhöh­te sich der Ertrag bei land­wirt­schaft­li­chen Nah­rungs­gü­tern gegen­über 1952 um 20%, wobei die Plan­auf­ga­ben um 2% über­trof­fen wur­den. Die Baum­woll­ern­te lag 26% höher als geplant. Im Jahr 1957 wur­den 185 Mil­lio­nen Ton­nen Getrei­de und 1,64 Mil­lio­nen Ton­nen Baum­wol­le geern­tet. Es wur­den 710 Staats­gü­ter geschaf­fen, auf deren Fel­dern 1957 mehr als 10.000 Trak­to­ren ein­ge­setzt wur­den. Der Bestand an Schwei­nen erhöh­te sich im Ver­gleich zu 1952 um 63% und erreich­te 1957 145,9 Mil­lio­nen Stück.

Ins­ge­samt blieb die Land­wirt­schaft in ihrem Ent­wick­lungs­tem­po jedoch noch stark hin­ter der Indus­trie zurück und war nicht in der Lage, die wach­sen­den Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen.[47]

Die mate­ri­el­le Lage der Werk­tä­ti­gen ver­bes­ser­te sich in den Jah­ren des ers­ten Fünf­jahr­pla­nes. Der jähr­li­che Pro-Kopf-Ver­brauch betrug 1957 im Lan­des­durch­schnitt 102 Yuan, 34,2% mehr als 1952 (76 Yuan). Der Ver­brauch der Arbei­ter und Ange­stell­ten in den Städ­ten stieg auf 205 Yuan, 38,5% mehr als 1952 (148 Yuan), der der Bau­ern auf 79 Yuan (27,4% mehr als 1952, damals 62 Yuan).[48]

Aller­dings leb­te ein gro­ßer Teil des chi­ne­si­schen Vol­kes immer noch am Ran­de des Exis­tenz­mi­ni­mums.[49]

Die Ent­wick­lung der Land­wirt­schaft war das größ­te Pro­blem beim wirt­schaft­li­chen Auf­bau. Obwohl die Getrei­de­er­trä­ge 1957 den im Vor­kriegs­chi­na erreich­ten Stand bedeu­tend über­schrit­ten, konn­ten sie den anstei­gen­den Bedarf der Bevöl­ke­rung nicht voll­stän­dig befrie­di­gen. Die Vor­ga­ben des Fünf­jahr­pla­nes bei tech­ni­schen Kul­tu­ren waren ins­ge­samt nicht erreicht wor­den. Auch das Wachs­tum des Vieh­be­stan­des fiel gerin­ger aus als geplant.

In der Land­wirt­schaft mach­te sich der Man­gel an Dün­ger und Tech­nik außer­or­dent­lich nega­tiv bemerk­bar. Sie wur­de damit zu einem Hemm­schuh für eine schnel­le Ent­wick­lung der Volks­wirt­schaft in der VR Chi­na und der Erhö­hung des Lebens­ni­veaus der Bevöl­ke­rung.[50]

Das über­mä­ßi­ge Tem­po bei der Kol­lek­ti­vie­rung hat die Pro­ble­me noch ver­schärft und nichts zu ihrer Lösung beigetragen.

Die Pro­ble­me konn­ten nur durch den sys­te­ma­ti­schen und plan­mä­ßi­gen Auf­bau des Sozia­lis­mus gelöst wer­den. Hier­bei spiel­te auch die Hil­fe der sozia­lis­ti­schen Län­der eine wich­ti­ge Rol­le. Kurz­fris­ti­ge Lösun­gen waren nicht rea­lis­tisch. 1957 stand Chi­na vor einer Weg­schei­de: Ent­we­der lang­wie­ri­ge und beharr­li­che Lösung der nach wie vor bestehen­den Ent­wick­lungs­pro­ble­me beson­ders in der Land­wirt­schaft mit Hil­fe der sozia­lis­ti­schen Staa­ten oder ein Ver­such, die­se Pro­ble­me mit einer ein­zi­gen Kraft­an­stren­gung, einem gro­ßen Sprung, in kür­zes­ter Frist zu lösen. Bekannt­lich bevor­zug­te Mao die letz­te­re Metho­de. Dabei muss­te er sich bereits in den 50er Jah­ren mit einer star­ken inner­par­tei­li­chen Oppo­si­ti­on gegen die­se aben­teu­er­li­chen Vor­stel­lun­gen auseinandersetzen.

Die 50er Jah­re in Chi­na sind auf jeden Fall ein Bei­spiel dafür, wie eine erfolg­rei­che sozia­lis­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung auf plan­wirt­schaft­li­cher Basis aus­se­hen kann. Denn durch den ers­ten Fünf­jahr­plan wur­den die Grund­la­gen für den heu­ti­gen Wohl­stand und den Erfolg der VR Chi­na auf dem Welt­markt gelegt. Erst die Plan­wirt­schaft der 50er Jah­re schuf die Basis für die spä­te­re erfolg­rei­che Durch­füh­rung der Markt­re­for­men ab 1979. Nur auf der Basis der plan­wirt­schaft­li­chen Indus­tria­li­sie­rung in den 50er Jah­ren konn­te Chi­na ab den 80er Jah­ren an einen erfolg­rei­chen Wett­be­werb auf dem Welt­markt auch nur den­ken. Ob die­se Markt­re­for­men frei­lich welt­his­to­risch not­wen­dig waren, ist eine ganz ande­re Frage.

Indi­en dage­gen setz­te seit sei­ner Unab­hän­gig­keit im Jahr 1947 aus­schließ­lich auf die Markt­wirt­schaft. Die Fol­gen sind bekannt: Kaum Indus­trie, gro­ße Slums, unge­zü­gel­tes Bevöl­ke­rungs­wachs­tum, Mas­sen­elend und fort­be­stehen­de Dis­kri­mi­nie­rung gro­ßer Tei­le der Bevöl­ke­rung durch das Kastensystem.

Die sowje­tisch-chi­ne­si­schen Bezie­hun­gen in den 50er Jah­ren sind auch ein leuch­ten­des Bei­spiel für einen wah­ren pro­le­ta­ri­schen Inter­na­tio­na­lis­mus. Die Sowjet­uni­on war durch den Zwei­ten Welt­krieg stark geschä­digt wor­den. Den­noch wand­te sie beträcht­li­che Mit­tel auf, um die sozia­lis­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung im Nach­bar­land Chi­na zu unterstützen.

Bemer­kens­wert ist auch, dass Chi­na mit sei­ner Belt-and-Road-Initia­ti­ve an frü­he­re Pla­nun­gen eines gemein­sa­men Wirt­schafts­rau­mes mit der Sowjet­uni­on anknüpft; aller­dings heu­te auf markt­wirt­schaft­li­cher Basis. Das damals noch geschei­ter­te Pro­jekt eines trans­kon­ti­nen­ta­len Eisen­bahn­kor­ri­dors durch Kasach­stan ist inzwi­schen ver­wirk­licht worden.

Verweise

[1] Vgl. Liu Sui­ni­an / Wu Qun­gan (Hrsg.): Chi­nas Sozia­lis­ti­sche Wirt­schaft, Bei­jing 1984, S. 17, Komp­ra­do­ren = Han­dels­ka­pi­ta­lis­ten, die in beson­ders star­kem Maße mit dem impe­ria­lis­ti­schen Kapi­tal ver­bun­den waren.

[2] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 231

[3] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O. S. 17

[4] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 17

[5] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 232

[6] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 17

[7] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 17

[8] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 17

[9] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 17ff

[10] Vgl. Ver­fas­sung der Volks­re­pu­blik Chi­na vom 20. Sep­tem­ber 1954, im Inter­net: http://www.verfassungen.net/rc/verf54‑i.htm, abge­ru­fen am 05.03.2022

[11] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 226

[12] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 255

[13] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 256

[14] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 230

[15] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 256

[16] Vgl. Joseph Ball: Did Mao Real­ly Kill Mil­li­ons in the Gre­at Leap For­ward?, Mon­th­ly Review, 21.09.2006, im Inter­net: https://​mron​line​.org/​2​0​0​6​/​0​9​/​2​1​/​d​i​d​-​m​a​o​-​r​e​a​l​l​y​-​k​i​l​l​-​m​i​l​l​i​o​n​s​-​i​n​-​t​h​e​-​g​r​e​a​t​-​l​e​a​p​-​f​o​r​w​a​rd/, abge­ru­fen am 02.04.2022.

[17] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 230

[18] Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 230

[19] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 227

[20] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 121

[21] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 231

[22] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 131

[23] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 231

[24] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 131, Peter Schöl­ler 149

[25] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 230

[26] Vgl. Ting Kai Chen: Die Volks­re­pu­blik Chi­na, Stutt­gart 1982, S. 138 und S. 143

[27] Vgl. Ting Kai Chen a.a.O., S. 148

[28] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 197ff

[29] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 197ff

[30] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 197ff

[31] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 197ff

[32] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 197ff

[33] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 197ff

[34] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 199

[35] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 209

[36] Vgl. Peter Schöl­ler; Hei­ner Dürr, Eck­art Dege: Ost­asi­en, Fischer Län­der­kun­de, Band 1, Frank­furt am Main 1978, S. 142ff

[37] Vgl. Schöl­ler a.a.O., S. 150

[38] Vgl. Schöl­ler a.a.O., S. 160

[39] Schöl­ler a.a.O., S. 143

[40] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 231

[41] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 232

[42] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 234

[43] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 240

[44] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 255

[45] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 255

[46] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 255

[47] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 255

[48] Vgl. Liu Sui­ni­an, a.a.O., S. 203

[49] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 256

[50] Vgl. Autoren­kol­lek­tiv 1979 a.a.O., S. 256

Bild: Mao an der Sei­te Sta­lins bei einer Fei­er zu Sta­lins 71. Geburts­tag in Mos­kau im Dezem­ber 1949. Dahin­ter, zwi­schen den bei­den, steht der Mar­schall der Sowjet­uni­on Niko­lai Bul­ga­nin. Rechts von Sta­lin steht Wal­ter Ulb­richt aus der DDR und am Ran­de aus der Mon­go­lei Yum­jaa­gi­in Tse­den­bal. Die Per­son ganz links ist unbekannt.

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