Ukraine-Krise: Keine nationale Solidarität, sondern Kampf gegen unseren Imperialismus!

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Der der­zei­ti­ge mili­tä­ri­sche Nie­der­schlag in der Ukrai­ne ist das Ergeb­nis einer jahr­zehn­te­lan­gen Poli­tik der Ein­krei­sung und Iso­lie­rung Russ­lands, die von den USA und ihren euro­päi­schen Ver­bün­de­ten mit Ent­schlos­sen­heit ver­folgt wird.

Die­se Poli­tik besteht in der schritt­wei­sen Aus­deh­nung des Mili­tär­ap­pa­rats der NATO bis unter die Gren­zen Russ­lands, mit der Sta­tio­nie­rung töd­li­cher Waf­fen und stän­di­gen Mili­tär­übun­gen, die dar­auf abzie­len, die­ses Land zu bedro­hen und sei­ne Bestre­bun­gen ein­zu­schrän­ken, sich einen eige­nen Platz auf dem inter­na­tio­na­len kapi­ta­lis­ti­schen Markt zu erobern. 

Ein ent­schei­den­der Schlag gegen die­se Bestre­bun­gen war der ech­te Staats­streich in der Ukrai­ne im Jahr 2014, der auf eine klas­si­sche far­bi­ge Revo­lu­ti­on folg­te, wie so vie­le in der Welt, die von west­li­chen Mäch­ten unter­stützt und gestif­tet wur­de und ein­deu­tig nazi­fa­schis­ti­sche Züge trug, wodurch die­ses Land end­gül­tig in den Ein­fluss­be­reich der USA und Euro­pas geriet. Die­ses Ergeb­nis hat­te sehr har­te Kon­se­quen­zen für die ukrai­ni­sche Bevöl­ke­rung selbst, durch die Unter­wer­fung unter die Trä­nen- und Blut­re­zep­te, die vom Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds auf­er­legt wur­den, die end­gül­ti­ge Zer­stö­rung und den Ver­kauf des Pro­duk­ti­ons­ap­pa­ra­tes des Lan­des, das Ein­drin­gen des west­li­chen Kapi­tals (vor allem des ita­lie­ni­schen), das Indus­trie­an­la­gen ver­la­gert hat, um eine Arbei­ter­klas­se aus­zu­nut­zen, die uner­hör­ten Arbeits­be­din­gun­gen und Hun­ger­löh­nen aus­ge­setzt ist. Die Zer­stö­rung des Wohl­fahrts­staa­tes, die stei­gen­de Arbeits­lo­sig­keit und die bes­tia­li­sche Aus­beu­tung haben die Aus­wan­de­rung der Ukrai­ner auf der Suche nach einer Mög­lich­keit ver­stärkt, um dem wach­sen­den Elend zu ent­kom­men. Da die meis­ten von ihnen Frau­en waren, arbei­te­ten sie als Pfle­ge­rin­nen und Dienst­mäd­chen in den Häu­sern der West­ler zu Bil­lig­prei­sen, um den auch in die­sen Län­dern fort­schrei­ten­den Abbau des Wohl­stands zu kompensieren. 

Die öst­li­chen Regio­nen des Lan­des (Don­bass) mit ihrer über­wie­gend rus­sisch­spra­chi­gen Bevöl­ke­rung ver­such­ten, die­sem apo­ka­lyp­ti­schen Sze­na­rio zu ent­kom­men, indem sie ihre Unab­hän­gig­keit erklär­ten und danach streb­ten, wie­der Teil Russ­lands zu wer­den, um dem wach­sen­den ukrai­ni­schen Chau­vi­nis­mus und der wirt­schaft­li­chen und sozia­len Ver­wüs­tung, die das Land über­zog, zu ent­ge­hen. In die­sen acht Jah­ren haben die bei­den Repu­bli­ken, die einer stän­di­gen Aggres­si­on des ukrai­ni­schen Staa­tes mit Unter­stüt­zung von Ein­hei­ten offen nazis­ti­scher poli­ti­scher Grup­pie­run­gen und der West­mäch­te aus­ge­setzt waren, erbit­ter­ten Wider­stand geleis­tet und einen sehr hohen Preis in Form von Zer­stö­rung und Tod gezahlt. 

Aber der Trop­fen, der das Fass zum Über­lau­fen brach­te, war der ukrai­ni­sche Antrag auf Bei­tritt zur NATO und die Erklä­run­gen der Regie­rung, eine »End­lö­sung« mit den Unab­hän­gi­gen im Don­bass errei­chen zu wol­len, wodurch die Mins­ker Ver­ein­ba­run­gen zum x‑ten Mal gebro­chen wur­den. Für Russ­land ent­spricht dies einer regel­rech­ten Auf­for­de­rung zur bedin­gungs­lo­sen Kapi­tu­la­ti­on und sei­ner end­gül­ti­gen Her­ab­stu­fung zu einer loka­len Macht .

Dies ist die Dyna­mik der Ereig­nis­se, die zu der aktu­el­len Kri­se und dem Ein­marsch Russ­lands in die Ukrai­ne geführt haben. 

Es han­delt sich um eine defen­si­ve Reak­ti­on eines voll­ka­pi­ta­lis­ti­schen Staa­tes, der ange­sichts wie­der­hol­ter Angrif­fe und fort­schrei­ten­der Ein­krei­sung sei­nen eige­nen wirt­schaft­li­chen und poli­tisch-mili­tä­ri­schen Ein­fluss­be­reich schüt­zen will. Aber auch, um sei­ne Ver­su­che zu ver­tei­di­gen, den Bin­nen­markt zu ver­ein­heit­li­chen, um eine wei­te­re Kon­zen­tra­ti­on sei­nes Kapi­tals zu schaf­fen, um aus der Sack­gas­se eines ein­fa­chen Roh­stoff­lie­fe­ran­ten her­aus­zu­kom­men und um der west­li­chen Finanz­kon­trol­le zu ent­kom­men, die sich durch die Ver­wal­tung der Ver­mitt­lung beim Ver­kauf von Gas und Öl sogar den größ­ten Teil der Gewin­ne die­ses grund­le­gen­den Pro­duk­ti­ons­sek­tors aneignet.

Soll­te die­ser Ver­such einer fort­schrei­ten­den Stran­gu­lie­rung und Ver­klei­ne­rung Russ­lands gelin­gen, wäre das Schick­sal sei­ner Bevöl­ke­rung und vor allem des Pro­le­ta­ri­ats viel schlim­mer als unter dem von Putin ver­tre­te­nen Macht­block, wie die Ukrai­ner in den letz­ten Jah­ren und die Rus­sen selbst wäh­rend der Jel­zin-Ära fest­stel­len konn­ten, als das Land prak­tisch an den Wes­ten ver­kauft wur­de. Es gibt also kei­ne Illu­sio­nen über die Inter­es­sen des von Putin geführ­ten Russ­lands: ers­tens die Ver­tei­di­gung der Bedürf­nis­se des eige­nen natio­na­len Kapi­tals und zwei­tens die Gewähr­leis­tung eines Mini­mums an rela­ti­vem Wohl­stand für die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung, um den inne­ren sozia­len Frie­den auf­recht­zu­er­hal­ten, da sonst die Gefahr sozia­ler Unru­hen besteht. Aber auch kei­ne Zuge­ständ­nis­se an das vor­herr­schen­de Nar­ra­tiv: Die rus­si­sche Inva­si­on in der Ukrai­ne ist nur der jüngs­te Akt in einem jahr­zehn­te­lan­gen Kon­flikt zwi­schen staat­li­chen und kapi­ta­lis­ti­schen Mäch­ten, für den unser NATO-Impe­ria­lis­mus die größ­te Ver­ant­wor­tung trägt.

Wer die­se mili­tä­ri­sche Eska­la­ti­on ernst­haft ver­hin­dern will, muss sich mit aller Kraft den expan­sio­nis­ti­schen Zie­len der USA und Euro­pas ent­ge­gen­stel­len und die Plä­ne zur Ein­krei­sung Russ­lands ent­lar­ven, die mili­tä­risch durch das NATO-Bünd­nis und poli­tisch durch den skru­pel­lo­sen Ein­satz von Diplo­ma­tie und Sank­tio­nen sowie durch die Finan­zie­rung von nicht­stad­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen betrie­ben wer­den, die hin­ter ver­meint­lich huma­ni­tä­ren und demo­kra­ti­schen Grün­den inter­nen Dis­sens für die Zwe­cke des Wes­tens anzustiften. 

Es ist not­wen­dig, gegen den Ein­satz von Trup­pen und Rüs­tungs­gü­tern des west­li­chen Blocks an den Gren­zen Russ­lands zu pro­tes­tie­ren, zu der Ita­li­en einen ent­schei­den­den Bei­trag leis­tet und die gera­de in die­sen Tagen unter dem Vor­wand der Ukrai­ne-Kri­se (die durch die kon­ti­nu­ier­li­che Erwei­te­rung der NATO nach Osten ver­ur­sacht wur­de) ent­schei­dend ver­stärkt wurde.

Es muss dar­an erin­nert wer­den, dass, wenn für uns der wirk­li­che Kampf zwi­schen den Aus­ge­beu­te­ten und allen kapi­ta­lis­ti­schen Staa­ten (ein­schließ­lich Russ­lands) statt­fin­det, der revo­lu­tio­nä­re Defä­tis­mus in unse­rem Teil der Welt in ers­ter Linie gegen unse­re Staa­ten und ihren Mili­ta­ris­mus gerich­tet sein muss, der sich als »gute Gefüh­le« gegen­über unse­rer herr­schen­den Klas­se tarnt, wäh­rend jeder wirk­li­che pro­le­ta­ri­sche Inter­na­tio­na­lis­mus nur durch die Soli­da­ri­tät mit dem Volk des Don­bass bestehen kann, das seit Jah­ren Bom­ben­an­grif­fen und Schi­ka­nen aller Art aus­ge­setzt ist, weil es gewagt hat, den Manö­vern des NATO-Impe­ria­lis­mus zu entkommen.

Die Grün­de für eine sol­che Aggres­si­vi­tät der impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te lie­gen in den wirt­schaft­li­chen Wider­sprü­chen, die sich aus einem Aus­beu­tungs­sys­tem erge­ben, das sie seit Jahr­zehn­ten umschlingt. Um den sin­ken­den Pro­fi­ten zu ent­ge­hen, erhö­hen sie zuneh­mend den Druck auf die peri­phe­ren Völ­ker und Natio­nen, indem sie die Res­sour­cen regel­recht aus­plün­dern und nicht davor zurück­schre­cken, die­je­ni­gen mili­tä­risch anzu­grei­fen, die sich ihrem Dik­tat nicht beu­gen, wie es in den letz­ten Jah­ren von Afgha­ni­stan bis zum Irak, vom ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wi­en bis zu Liby­en und Syri­en gesche­hen ist, wo die frü­he­ren Staats­ge­bil­de und die Volks­wirt­schaf­ten die­ser Län­der im Namen der Men­schen­rech­te und des Schut­zes eben jener Men­schen, die sie mili­tä­risch mas­sa­krie­ren woll­ten, zer­schla­gen wurden. 

Doch inzwi­schen reicht nicht ein­mal mehr die­se inter­ven­tio­nis­ti­sche und neo­ko­lo­nia­lis­ti­sche Poli­tik aus, um die west­li­chen Volks­wirt­schaf­ten und die Pro­fi­te wie­der anzu­kur­beln, auch dank des Wider­stands, den die­se Völ­ker gegen die Aggres­sio­nen, die sie erlit­ten haben, leis­ten konn­ten. Dies ist der Grund, war­um seit eini­gen Jahr­zehn­ten ein Angriff auf die Bevöl­ke­run­gen und vor allem auf die Arbeit­neh­mer der west­li­chen Län­der selbst erfolgt. Die neo­li­be­ra­le Offen­si­ve im eige­nen Land mit dem Abbau des Wohl­fahrts­staa­tes, der Aus­brei­tung der Arbeits­platz­un­si­cher­heit, der Durch­set­zung von immer uner­träg­li­che­ren Lohn- und Arbeits­be­din­gun­gen ist nur die Kehr­sei­te der wach­sen­den Aggres­si­on auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne. Und bei­de haben die­sel­be Ursa­che: den unstill­ba­ren Pro­fit­durst eines Sys­tems, das auf der Aus­beu­tung von Men­schen durch Men­schen beruht. Dies ist das ers­te Mons­ter, das es zu bekämp­fen gilt, um sei­ne zer­stö­re­ri­sche und aggres­si­ve Jagd auf die Mensch­heit selbst zu stop­pen. Ein Unge­heu­er, das nicht zögert, Hun­ger und Elend, Tod, Plün­de­rung und Zer­stö­rung in der Welt zu ver­brei­ten und dies hin­ter huma­ni­tä­ren Absich­ten und im Namen einer angeb­lich über­le­ge­nen Zivi­li­sa­ti­on zu ver­schlei­ern. Ein Mons­ter, das, wie wir bei der Bewäl­ti­gung der angeb­li­chen Covid-Pan­de­mie gese­hen haben, nicht zögert, auto­ri­tä­re Dis­zi­pli­nie­rungs­in­stru­men­te gegen die Bevöl­ke­run­gen sei­ner eige­nen Län­der ein­zu­set­zen, um noch schlim­me­re Aus­beu­tungs­be­din­gun­gen als die bereits bestehen­den durch­zu­set­zen und jede orga­ni­sier­te Reak­ti­on im Keim zu ersti­cken. Eine zuneh­mend mili­ta­ri­sier­te Gesell­schaft, die auf der erdrü­cken­den Kon­trol­le ihrer Bür­ger beruht, von denen ver­langt wird, dass sie den über­ge­ord­ne­ten Anfor­de­run­gen der Wirt­schaft (d.h. den Pro­fi­ten) gegen­über völ­lig loy­al und unter­wür­fig sind, da sie sonst vom zivi­len und sozia­len Leben aus­ge­schlos­sen wer­den. Die stän­di­ge Alar­mie­rung in Not­fäl­len – in deren Namen ver­sucht wird, unge­straft und oft mit Zustim­mung der Men­schen, die die Opfer sind, immer uner­träg­li­che­re Maß­nah­men der Unter­drü­ckung und sozia­len Kon­trol­le durch­zu­set­zen – ist zur neu­en Norm geworden.

Ein Sze­na­rio, das wir auch im Zusam­men­hang mit der Ukrai­ne-Kri­se beob­ach­ten kön­nen. Wäh­rend die Medi­en­het­ze über die Gefah­ren einer Virus­an­ste­ckung vor­über­ge­hend abklingt, stür­zen sich Regie­rung und Medi­en bereits auf den neu­en Not­fall der rus­si­schen Bedro­hung für das Schick­sal Euro­pas und der west­li­chen Wer­te. Eine Kam­pa­gne, die dar­auf abzielt, einen Kon­sens für ihre inter­ven­tio­nis­ti­sche Poli­tik zu schaf­fen, von der nie­mand aus­ge­schlos­sen wer­den kann und soll, und die es ihnen gleich­zei­tig ermög­licht, wei­te­re Maß­nah­men zur Dis­zi­pli­nie­rung und Kri­mi­na­li­sie­rung Anders­den­ken­der im Inland durchzuführen.

Die­ser Stra­te­gie muss ent­schie­den ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den, indem jeder Auf­ruf zur Soli­da­ri­tät und natio­na­len Ein­heit im Namen unse­rer angeb­lich höhe­ren Wer­te, die durch den neu­en Not­stand gefähr­det wären, abge­lehnt wird. Wir müs­sen ener­gisch auf­schrei­en und gegen den wirk­li­chen Feind mobi­li­sie­ren, der durch das kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem, sei­ne poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen und sei­ne inter­nen und exter­nen mili­tä­ri­schen Mit­tel reprä­sen­tiert wird, deren Haupt­ver­tre­ter und Füh­rer genau die unse­res Hau­ses sind: die west­li­chen impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te, zu denen Ita­li­en als Voll­mit­glied gehört. 

Auf­lö­sung des impe­ria­lis­ti­schen Mili­tär­bünd­nis­ses NATO

Nein zur Prä­senz ita­lie­ni­scher Trup­pen und Rüs­tungs­gü­ter an den Gren­zen Russ­lands und der Ukraine

Mas­sen­mo­bi­li­sie­rung gegen den Krieg und den per­ma­nen­ten Ausnahmezustand 

Assem­blea Mili­tan­te (Mili­tan­te Ver­samm­lung)

Für Infor­ma­tio­nen und Kon­takt: assemblea_​militante@​inventati.​org

Bild: Logo des NATO Defen­se College

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