Drei Wochen Krieg: über die militärische Lage in der Ukraine

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In den west­li­chen Medi­en wer­den die Behaup­tun­gen der ukrai­ni­schen Pro­pa­gan­da über kata­stro­pha­le Ver­lus­te der rus­si­schen Streit­kräf­te, über rus­si­sche Lei­chen­ber­ge, über wel­che die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te Gegen­of­fen­si­ven star­ten wür­den, über rus­si­sche Män­gel im Nach­schub, Deser­tio­nen etc. unge­fil­tert durch­ge­reicht. Ein eige­nes Bild kann sich der west­li­che Medi­en­kon­su­ment nicht mehr machen, denn die rus­si­schen Medi­en wer­den von der EU – grund­ge­setz­wid­rig – zen­siert. Wir ver­öf­fent­li­chen aus die­sem Grund eine maschi­nel­le Über­set­zung der Ana­ly­se des rus­si­schen Exper­ten und Mili­tär­jour­na­lis­ten Wla­dis­law Schu­ri­gin vom 20. März 2022, die zuerst hier erschien. Sie wirft ein ganz ande­res Licht auf die Vor­gän­ge in der Ukrai­ne. Den Wahr­heits­ge­halt die­ser Ana­ly­se kön­nen wir gegen­wär­tig nicht ein­schät­zen, denn der Nebel des Krie­ges ist hier extrem dicht. Aber ein Aspekt soll­te uns stut­zig machen: Wenn die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te von Erfolg zu Erfolg schrei­ten, wie die west­li­che Pro­pa­gan­da behaup­tet, war­um for­dern dann Selen­ski, Polen, die bal­ti­schen Staa­ten und die west­li­chen Medi­en uni­so­no eine Flug­ver­bots­zo­ne der NATO über der Ukrai­ne? Wohl wis­send, dass dies den nächs­ten Welt­krieg aus­lö­sen könnte.

1. Strategische Lage zu Beginn des Krieges

Drei Wochen Krieg lie­gen also hin­ter uns, und heu­te kön­nen wir eini­ge Schluss­fol­ge­run­gen zie­hen. Die Samm­lung der erbeu­te­ten Mili­tär­do­ku­men­te der Streit­kräf­te der Ukrai­ne sowie des Ver­hör­ma­te­ri­als der Gefan­ge­nen, das unse­rem Kom­man­do heu­te zur Ver­fü­gung steht, ermög­licht es uns, die wich­tigs­te Schluss­fol­ge­rung zu zie­hen: Die rus­si­sche Armee konn­te mit der Son­der­ope­ra­ti­on dem Angriffs­be­ginn der ukrai­ni­schen Armee einen Zeit­raum von fünf bis zehn Tagen zuvor­kom­men. Zum Zeit­punkt des Erst­schlags waren die meis­ten ukrai­ni­schen Trup­pen dabei, in die Kon­zen­tra­ti­ons­ge­bie­te zu zie­hen oder waren dort bereits sta­tio­niert. Eine stra­te­gi­sche Über­ra­schung gab es nicht, aber eine tak­ti­sche Über­ra­schung wur­de von uns erreicht. Die ukrai­ni­sche Armee hat­te kei­ne Zeit, ihren Ein­satz gemäß den Kriegs­plä­nen abzu­schlie­ßen, und wur­de nicht in vol­le Kampf­be­reit­schaft gebracht. Das Kom­man­do der Streit­kräf­te der Ukrai­ne war sich bis zuletzt sicher, dass die rus­si­sche Füh­rung unter dem poli­ti­schen Druck der Ver­ei­nig­ten Staa­ten und des Wes­tens es nicht wagen wür­de, groß ange­leg­te Mili­tär­ope­ra­ti­on zu begin­nen, bevor die Streit­kräf­te der Ukrai­ne angrei­fen wür­den, und dass die Ver­bün­de­ten der Ukrai­ne Russ­land kon­trol­lie­ren und Kiew recht­zei­tig vor dem Beginn der »rus­si­schen Inva­si­on« war­nen würden.

Zwei Mona­te seit der Ver­öf­fent­li­chung der Anfor­de­run­gen Russ­lands zur Gewähr­leis­tung sei­ner Sicher­heit han­del­ten die Län­der des Wes­tens (Deutsch­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en) und die Ver­ei­nig­ten Staa­ten nach einem Plan, der kei­ne wirk­li­chen Ver­hand­lun­gen und Dis­kus­sio­nen mit Russ­land vor­ge­se­hen hat. Sie hat­ten nur ein Ziel: Die­se Ver­hand­lun­gen mög­lichst lan­ge her­aus­zu­zö­gern, um der Ukrai­ne Zeit zu geben, sich auf den Krieg vor­zu­be­rei­ten und gro­ße Lie­fe­run­gen moder­ner Waf­fen dort­hin zu trans­fe­rie­ren. Und in die­ser Hin­sicht war die unun­ter­bro­che­ne Ket­te von Besu­chen west­li­cher Füh­rer in Mos­kau nur eine zyni­sche Vor­täu­schung von Ver­hand­lun­gen, um der Ukrai­ne die not­wen­di­gen Mona­te für die Kriegs­vor­be­rei­tun­gen zur Ver­fü­gung zu stellen.

In Vor­be­rei­tung dar­auf hat das Kom­man­do der Streit­kräf­te der Ukrai­ne sei­ne Boden­grup­pen maxi­mal ver­stärkt, sie voll­stän­dig mit Per­so­nal aus­ge­stat­tet und die Gesamt­zahl der Streit­kräf­te der Ukrai­ne unter Berück­sich­ti­gung der »Ter­bats« [ter­ri­to­ria­le Bataillone/​Anm. d. Red.] und der »Natio­nal­gar­de« auf 300.000 Men­schen erhöht, was mehr als dop­pelt so groß war wie die rus­si­sche Grup­pie­rung ent­lang der Gren­zen. Die neu­es­ten Pan­zer­ab­wehr­waf­fen und Flug­ab­wehr­sys­te­me, die sie im Rah­men der west­li­chen Hil­fe erhal­ten hat­ten, wur­den nach Osten ver­legt, Feld­de­pots für Muni­ti­on und Logis­tik wur­den ein­ge­rich­tet sowie Luft­ver­tei­di­gungs­sys­te­me ein­ge­setzt und getarnt. Der größ­te Teil der ein­satz­fä­hi­gen Luft­flot­te war über alter­na­ti­ve Flug­plät­ze ver­teilt und in ver­schie­de­nen Flug­platz­ge­bäu­den geschützt. Der Kom­man­do­st­ab wur­de auf Feld- und geschütz­te Kom­man­do­pos­ten versetzt.

All die­se Maß­nah­men ermög­lich­ten es, die Ver­lus­te durch den ers­ten »ent­waff­nen­den« rus­si­schen Schlag erheb­lich zu redu­zie­ren und fast sofort mit akti­ven Hand­lun­gen gegen rus­si­sche Trup­pen zu beginnen.

Trotz­dem begann die tak­ti­sche Über­ra­schung von den ers­ten Stun­den an den Ver­lauf der Kriegs­hand­lun­gen zu beein­flus­sen und zer­brach am Ende des ers­ten Tages den ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gungs­plan, der meh­re­re Jah­re lang mit Hil­fe ame­ri­ka­ni­scher und bri­ti­scher Mili­tär­be­ra­ter erstellt und aus­ge­ar­bei­tet wor­den war. Der Plan basier­te auf dem ame­ri­ka­ni­schen Kon­zept der »Vor­wärts­stra­te­gie« der 70er Jah­re mit maxi­ma­ler Nut­zung der »Sicher­heits­zo­ne« – dem Bereich auf dem Weg eines wahr­schein­li­chen feind­li­chen Angriffs. Nach dem Plan der ame­ri­ka­ni­schen Stra­te­gen mit dem Beginn akti­ver Kriegs­hand­lun­gen im Don­bass (näm­lich dort, wie Kiew glaub­te, wür­den die ers­ten gro­ßen Zusam­men­stö­ße mit den Rus­sen begin­nen), in Rich­tung Kiew, Char­kow und Cher­son, soll­ten die hier ein­ge­setz­ten Grup­pen sofort in den Kampf zie­hen und den Feind mit ihren mobi­len Ein­hei­ten tref­fen. Die Auf­ga­be die­ser »Kaval­le­rie« bestand dar­in, die vor­rü­cken­den rus­si­schen Ein­hei­ten anzu­hal­ten, zu fes­seln und sie zu zwin­gen, sofort in Kampf­for­ma­tio­nen zu gehen, auf die Artil­le­rie- und Luft­an­grif­fe aus­ge­führt wer­den. Und die mobi­len ukrai­ni­schen Ein­hei­ten selbst soll­ten sich, ohne auf Ver­gel­tungs­schlä­ge zu war­ten, auf neue Lini­en zurück­zie­hen. Eine sol­che akti­ve Ver­tei­di­gung soll­te nach dem Plan des ukrai­ni­schen Kom­man­dos den Feind in zwei Wochen zer­mür­ben, ihn zwin­gen, die Offen­si­ve ein­zu­stel­len und in die Defen­si­ve zu gehen, wonach Gegen­an­grif­fe gegen ihn gestar­tet wer­den soll­ten, die die rus­si­schen Grup­pen voll­stän­dig erschöp­fen und ihre wei­te­re mili­tä­ri­sche Ope­ra­tio­nen bedeu­tungs­los machen würden.

Dabei spiel­te die Infor­ma­ti­ons­un­ter­drü­ckung eine beson­de­re Rol­le. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und ihre Ver­bün­de­ten berei­te­ten eine Infor­ma­ti­ons- und Pro­pa­gan­daof­fen­si­ve von sol­chem Aus­maß und Macht vor, dass sie den inner­rus­si­schen Dis­kurs voll­stän­dig erfas­sen und zum domi­nie­ren­den Fak­tor im rus­si­schen öffent­li­chen Bewusst­sein wer­den soll­te. Es gibt allen Grund zu der Annah­me, dass das stra­te­gi­sche Haupt­ziel die­ser Mili­tär­ope­ra­ti­on nicht so sehr die mili­tä­ri­sche Nie­der­la­ge Russ­lands war, da ein Sieg mit mili­tä­ri­schen Mit­teln nicht mög­lich ist, son­dern eher eine poli­ti­sche Kri­se, Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen und der Sturz des amtie­ren­den Prä­si­dent Russ­lands mit der Unter­stüt­zung olig­ar­chi­scher Grup­pen, die die Ame­ri­ka­ner in den letz­ten Mona­ten sorg­fäl­tig bear­bei­tet haben, indem sie die­se auf Putin hetzten.

2. Der Strategische Durchbruch – die ersten Tage des Krieges

Die Ant­wort auf die­sen ukrai­nisch-ame­ri­ka­ni­schen Plan war unser Plan für einen stra­te­gi­schen Durch­bruch, der durch die tak­ti­sche Über­ra­schung der Ope­ra­ti­on sicher­ge­stellt wur­de. Ohne dar­auf zu war­ten, dass die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te ihre Sta­tio­nie­rung und Kriegs­vor­be­rei­tun­gen abge­schlos­sen haben, star­te­te die rus­si­sche Armee schnel­le Schlä­ge in alle stra­te­gi­schen Rich­tun­gen. Gleich­zei­tig wur­den anstel­le der mäch­ti­gen gepan­zer­ten Durch­bruch­ein­hei­ten, auf die sich die Streit­kräf­te der Ukrai­ne vor­be­rei­tet hat­ten, »leich­te« Boden­bri­ga­den und Luft­lan­de­ein­hei­ten nach vor­ne gewor­fen, deren Auf­ga­be dar­in bestand, Städ­te zu umge­hen, ohne sich auf einen Kampf ein­zu­las­sen Sie soll­ten nach vor­ne durch­bre­chen und die stra­te­gi­sche Kno­ten­punk­te beset­zen, umso eine Bedro­hun­gen für die wich­tigs­ten poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und mili­tär­stra­te­gi­schen Zen­tren der Ukrai­ne – Kiew, Char­kow, Niko­la­jew, Cher­son zu schaf­fen. Ein solch plötz­li­cher Durch­bruch nach hin­ten zwang das Kom­man­do der Streit­kräf­te der Ukrai­ne, Plä­ne für eine »akti­ve Ver­tei­di­gung« auf­zu­ge­ben und, um die plötz­li­chen Bedro­hun­gen zu besei­ti­gen, ihre kampf­be­rei­tes­ten Ein­hei­ten gegen die rus­si­schen Kampf­grup­pen zu wer­fen. In den nächs­ten fünf Tagen unun­ter­bro­che­ner Kämp­fe erlit­ten die­se Bri­ga­den unter den Bedin­gun­gen der Luft­über­le­gen­heit der rus­si­schen Luft- und Raum­fahrtstreit­kräf­te schwe­re Ver­lus­te an Men­schen und Aus­rüs­tung und waren gezwun­gen, sich in die Städ­te zurück­zu­zie­hen und sich dort hin­ter Zivi­lis­ten zu ver­ste­cken. Dies redu­zier­te die Ver­lus­te erheb­lich, beraub­te sie jedoch der Mög­lich­keit, aktiv zu kämp­fen, und mach­te sie zu Festungsgarnisonen.

In Rich­tung Donezk soll­te der »öst­li­che Schild« der mäch­tigs­ten Mili­tär­grup­pe der Streit­kräf­te der Ukrai­ne von Mariu­pol bis Sta­ro­belsk alle Ver­su­che des LPR- und DVR-Korps zurück­hal­ten, nach Mariu­pol und Kra­ma­tor­sk durchzubrechen.

Gleich­zei­tig zwang die Nie­der­la­ge der süd­ukrai­ni­schen Grup­pie­rung an der Linie Cher­son-Nova­ya Kak­hov­ka ihre Über­res­te zum Rück­zug nach Niko­la­jew und Odes­sa, wo sie in die Defen­si­ve gerie­ten. Die rus­si­schen Trup­pen konn­ten in den Rücken der Donezk-Grup­pe kom­men, Mariu­pol umge­hen und das rie­si­ge Gebiet von Cher­son und Zapo­rozhye einnehmen.

In die­ser ers­ten Pha­se erlit­ten wir unse­re größ­ten Ver­lus­te. Tat­säch­lich haben wir die Kampf­for­ma­tio­nen der Streit­kräf­te der Ukrai­ne schnell durch­bro­chen, indem wir das Über­ra­schungs­mo­ment genutzt haben. Aus Grün­den der Geschwin­dig­keit und Über­ra­schung wur­de sogar beschlos­sen, die Aus­rüs­tung zu opfern, aus der im Fal­le einer Pan­ne die Besat­zung ent­fernt wur­de, und sie selbst wur­de ein­fach zur wei­te­ren Eva­ku­ie­rung durch Repa­ra­tur­ein­hei­ten über­las­sen, die mit den Haupt­kräf­ten folg­ten. Aber sehr bald kamen die Ukrai­ner zur Besin­nung und hef­ti­ge Kämp­fe began­nen. Nicht alle Kom­man­deu­re konn­ten sich schnell und ange­mes­sen in den Ablauf des »Son­der­ein­sat­zes« ein­mi­schen, den sie mit dem Leben unse­rer Sol­da­ten und ver­lo­re­ner Aus­rüs­tung bezah­len muss­ten. Und das Video eini­ger unse­rer ver­brann­ten Kolum­nen ist immer noch die Haupt­waf­fe ukrai­ni­scher Pro­pa­gan­dis­ten, die sie immer wie­der pos­ten. Ukrai­ni­sche Netz­wer­ke sind voll­ge­stopft mit die­ser »Agi­ta­ti­on«.

Heu­te sind unse­re Armee und die Arme­en der Don­bass-Repu­bli­ken voll in die Ope­ra­ti­on ein­ge­bun­den, sie haben Kampf­erfah­rung gesam­melt, sie haben eine Ein­heit gebil­det und ver­nich­ten selbst­be­wusst den Feind.

Das ein­zi­ge Gebiet, in dem der Plan der Streit­kräf­te der Ukrai­ne funk­tio­nier­te, war der »öst­li­che Wall« im Don­bass. Hier kämpf­te die ukrai­ni­sche Grup­pe vom ers­ten Tag an erbit­tert und geschickt. Die Posi­tio­nen der Streit­kräf­te der Ukrai­ne hier muss­ten ein­fach mit Hil­fe mas­si­ver Artil­le­rie und Luft­an­grif­fe durch­ge­bro­chen wer­den, um die ukrai­ni­sche Ver­tei­di­gung all­mäh­lich aus dem Nor­den zu schie­ben und sie in Rich­tung Mariu­pol zu durch­bre­chen. Nach dem Tref­fen des Donez­ker Korps mit den vor­rü­cken­den rus­si­schen Ein­hei­ten wur­de Mariu­pol voll­stän­dig umzin­gelt, wor­auf­hin eine lang­sa­me »Auf­wick­lung« des »Ost­walls« und aus dem Süden begann.

3. Heute

Wo ste­hen wir heu­te? Aus stra­te­gi­scher Sicht befin­det sich die Ukrai­ne in einer Patt­si­tua­ti­on. Obwohl die Streit­kräf­te der Ukrai­ne immer noch eine zah­len­mä­ßi­ge Über­le­gen­heit haben, haben sie in drei Wochen des Kamp­fes fast voll­stän­dig die Fähig­keit ver­lo­ren, akti­ve Kampf­hand­lun­gen durch­zu­füh­ren. Die meis­ten gepan­zer­ten Fahr­zeu­ge sind ver­lo­ren gegan­gen, die wich­tigs­ten mecha­ni­sier­ten Ein­hei­ten sind ent­we­der zer­stört oder so stark ange­schla­gen, dass sie sich nur noch ver­tei­di­gen kön­nen. Die Streit­kräf­te der Ukrai­ne selbst wer­den in meh­re­re Tei­le – Grup­pen in Kiew, Char­kow, Donetsk und in der Nähe von Niko­la­jew – Odes­sa »zer­ris­sen«. Es gibt kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen ihnen, der Trans­fer von Trup­pen ist auf­grund der voll­stän­di­gen Luft­herr­schaft der rus­si­schen Luft- und Raum­fahrtstreit­kräf­te unmög­lich. Die ukrai­ni­sche Luft­waf­fe ist fast zer­stört und kann ihre Boden­trup­pen nicht unter­stüt­zen. Die Luft­ver­tei­di­gung der Streit­kräf­te der Ukrai­ne ist nur noch punk­tu­ell mög­lich und das fast nur noch auf der Fel­debe­ne. Alle ukrai­ni­schen Grup­pen sind in Kämp­fe ver­wi­ckelt und erlei­den stän­dig Ver­lus­te. In den 21 Kampf­ta­gen war das Kom­man­do der Streit­kräf­te der Ukrai­ne nicht in der Lage, einen ein­zi­gen Gegen­an­griff auf ope­ra­ti­ver Ebe­ne zu orga­ni­sie­ren, und alle ein­zel­ne Angriffs­ver­su­che wur­den mit enor­men Ver­lus­ten für die Streit­kräf­te der Ukrai­ne abgewehrt.

Die mili­tä­ri­sche Eli­te­grup­pe natio­na­lis­ti­scher Ein­hei­ten in Mariu­pol ver­liert all­mäh­lich ihre Kampf­kraft, wird von den Angriffs­trup­pen über­wäl­tigt und ist dem Unter­gang geweiht. Die »öst­li­che Fes­tung« im Drei­eck Kra­ma­tor­sk – Awde­jew­ka – Sewerodo­nezk steht unter Dau­er­be­schuss und wird lang­sam zer­stört, ohne Aus­sicht auf einen orga­ni­sier­ten Rückzug.

Die­se Nie­der­la­ge und der Fall von Mariu­pol wer­den Kiews wei­te­ren Wider­stand sinn­los machen. Die Kräf­te des Don­bass und der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, die nach dem Fall von Mariu­pol frei wer­den, wer­den höchst­wahr­schein­lich in die Rich­tung von Niko­la­jew und Odes­sa gewor­fen, mit der Aus­sicht auf einen voll­stän­di­gen Ver­lust des Zugangs zu den Mee­ren durch die Ukrai­ne. Auf Ver­stär­kung aus den west­li­chen Regio­nen besteht wenig Hoff­nung. Die ver­spro­che­ne Bil­dung einer neu­en Armee ent­pupp­te sich als Bluff. Die ein­hei­mi­sche männ­li­che Bevöl­ke­rung ent­zieht sich der Ein­be­ru­fung und flieht ins Aus­land. Und die bereits Ein­be­ru­fe­nen rei­chen nicht ein­mal aus, um ein Korps zu ver­voll­stän­di­gen. Von einer voll­wer­ti­gen Aus­bil­dung und Koor­di­na­ti­on die­ser Kräf­te ist kei­ne Rede. Noch mehr Pro­ble­me mit der Bewaff­nung die­ses Korps. Schwe­res Gerät und Artil­le­rie gibt es ein­fach nicht mehr. Mit west­li­chen Waf­fen zur Pan­zer­ab­wehr kann das Pro­blem nicht gelöst wer­den. Dar­über hin­aus muss die­ses Korps noch irgend­wie auf das Schlacht­feld ver­legt wer­den, was ange­sichts der Luft­do­mi­nanz der rus­si­schen Luft- und Raum­fahrtstreit­kräf­te ohne schwe­re Ver­lus­te äußerst schwie­rig zu bewäl­ti­gen ist. Und der Wes­ten wei­ger­te sich, eine Flug­ver­bots­zo­ne ein­zu­rich­ten, von der Kiew all die Wochen geträumt hatte.

Noch gelingt es Kiew, die inne­re Sta­bi­li­tät im Land mit Pfer­de­do­sen pro­pa­gan­dis­ti­scher Beru­hi­gungs­mit­tel auf­recht­zu­er­hal­ten. Es wer­den Behaup­tun­gen auf­ge­stellt über die »unge­heu­er­li­chen Ver­lus­te« der rus­si­schen Armee, die dro­hen­de Erschöp­fung der rus­si­schen Bestän­de an Gra­na­ten und Rake­ten, eini­ge bei­spiel­lo­se Erfol­ge der Streit­kräf­te der Ukrai­ne, »mäch­ti­ge Offen­si­ven«, der Ein­tritt der NATO in den Krieg und so wei­ter. Aber sobald Mariu­pol fällt und die Grup­pie­rung der Streit­kräf­te der Ukrai­ne bei Donezk besiegt ist, wird es unmög­lich sein, das ukrai­ni­sche Volk wei­ter vom erfolg­rei­chen Kriegs­ver­lauf zu über­zeu­gen. Und das ist die Sache der nächs­ten Woche, den­ke ich …

Bild: © rea​dov​ka​.news

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